Archiv für die Kategorie ‘Gastbeiträge’

26.
Mai '16

KT plus der ARAG, das Krankentagegeld als Lösung bei Berufsunfähigkeit?


Der eine (die KV) zahlt nicht mehr, während die andere (Berufsunfähigkeitsversicherung) noch nicht zahlt. Das ist dann dieser Super-Gau der eintreten kann und einige Versicherte an das Ende der finanziellen Möglichkeiten bringt. Doch wo genau das Problem liegt und wie die ARAG Krankenversicherung dieses lösen möchte, das schaue ich mir hier im Artikel einmal genauer an.

Das Problem bei dem Übergang von Arbeits- zu Berufsunfähigkeit

Um überhaupt zu verstehen warum es hier ein Problem gibt, ist die Definition beider „Zustände“ zu klären. Bereist in anderen Artikeln zum Übergang von Krankentagegeld zur Berufsunfähigkeit bin ich genau auf dieses Thema eingegangen. Es kann durchaus passieren, der Krankentagegeldversicherer stellt eine Berufsunfähigkeit im Sinne seiner Bedingungen fest und beendet dann nicht nur die Leistung, sondern auch den Vertrag für die Krankentagegeldversicherung. Dann folgt eine so genannte

Nachleistungspflicht

Das ist- vereinfacht erklärt- nichts anderes als der Zeitrum, in dem eine Zahlung des Krankentagegeldes auch dann noch erfolgt, wenn eigentlich schon Berufsunfähigkeit vorliegt und damit die Leistung beendet ist. Eine solche Regelung findet sich in den Musterbedingungen für die Krankentagegeldversicherung MB/KT und damit auch in den Bedingungen der einzelnen Versicherer. Dort heisst es zunächst:

(1) Das Versicherungsverhältnis endet hinsichtlich der betroffennen versicherten Personen (…) b)  mit Eintritt der Berufsunfähigkeit. Berufsunfähigkeit liegt vor, wenn die versicherte Person nach medizinischem Befund im bisher ausgeübten Beruf auf nicht absehbare Zeit mehr als 50 % erwerbsunfähig ist. Besteht jedoch zu diesem Zeitpunkt in einem bereits eingetretenen Versicherungsfall Arbeitsunfähigkeit, so endet das Versicherungsverhältnis nicht vor dem Zeitpunkt, bis zu dem der Versicherer seine im Tarif aufgeführten Leistungen für diese Arbeitsunfähigkeit zu erbringen hat, spätestens aber drei Monate nach Eintritt der Berufsunfähigkeit;

Wer also berufsunfähig ist, der bekommt noch drei Monate Krankentagegeld (als maximale Leistungsdauer) und dann endet der Vertrag und die Zahlung. Eine Umstellung auf eine Anwartschaft ist jedoch möglich.KT BU Übergang

Das Krankentagegeld KT plus der ARAG Krankenversicherung

Mit dem neuen Produkt der ARAG Krankenversicherung möchte diese einige Punkte verbessern, welche bisher in den Bedingungen der Krankenversicherung nicht optimal gelöst sind. Weiterhin ist ein Abschluss ohne Gesundheitsprüfung möglich, zumindest fast. Mehr dazu aber gleich.

Die Eckdaten des Produktes:

  • – abgestimmte Formulierung der Definition „Was ist Berufsunfähigkeit“ zwischen dem BU Versicherer und der ARAG

Doch bevor jetzt alle in Freudensprünge ausbrechen, gerade weil der Schutz ohne Gesundheitsprüfung beworben wird, schauen wir uns das doch einmal im Detail an. Zunächst einmal wurde die Definition der Berufsunfähigkeit angepasst. Bisher heisst es in den Musterbedingungen MBKT dazu in §15 (1) b, Satz 2:

Berufsunfähigkeit liegt vor, wenn die versicherte Person nach medizinischem Befund im bisher ausgeübten Beruf auf nicht absehbare Zeit mehr als 50% erwerbsunfähig ist.

Abweichend dazu hat die ARAG in den Bedingungen zum KT plus vereinbart:

„Berufsunfähigkeit liegt vor, wenn die versicherte Person nach medizinischem Befund infolge Krankheit, Körperverletzung oder mehr als altersentsprechendem Kräfteverfall voraussichtlich mindestens sechs Monate ununterbrochen ihren zuletzt ausgeübten Beruf nicht zu mindestens 50% ausüben kann.“

Diese neue, verbesserte Formulierung entspricht der Regelung in den Bedingungswerken vieler BU Versicherer und ist besser und genauer formuliert.

  • – Verzicht auf das ordentliche Kündigungsrecht (nach drei Jahren oder solange die BU besteht)

Das haben andere Unternehmen durchaus schon länger, den Verzicht auf das Kündigungsrecht. Die ARAG geht hier einen geteilten Weg. Zunächst einmal besteht ein Kündigungsrecht auf welches nach drei Jahren verzichtet wird. Besteht aber die BU Absicherung weiter (die zeitgleich beantragte), so verzichtet der Versicherer auch in den ersten drei Jahren auf das Kündigungsrecht, wenn die BU beitragspflichtig besteht.

ARAG KT plus Kündigungstecht AVB

Wer nun seine Berufsunfähigkeitsversicherung stundet, beitragsfrei stellen muss weil er während der Krankheit kein Geld hat oder warum auch immer, für den gilt der Wegfall des Kündigungsrechtes NICHT. Das Wort „beitragspflichtig“ in dem Satz mit der bestehenden BU ist also eher kritisch.

  • – Nachleistungspflicht in der Krankenversicherung auf 6 Monate verlängert

Klingt gut. Nicht nur drei sondern sogar sechs Monate wird das Krankengeld gezahlt, auch wenn schon Berufsunfähigkeit besteht. Aber:

ARAG KT plus Nachleistunng AVB

Die BU muss somit nicht nur bestehen, auch der Antrag auf Leistungen aus der BU Versicherung muss gestellt werden, zudem darf kein Leistungsausschluss der Grund sein, warum hier nicht geleistet wird. Wer also bei Abschuss der BU einen Ausschluss bekommt, der hat hier keine Verlängerung auf sechs Monate.

– Anpassungsmöglichkeiten bei gestiegenem Nettoeinkommen und alle drei Jahre

Gerechnet ab dem Jahr 2015 findet alle drei Jahre eine Anpassung statt. Frühestens in 2018 bietet die ARAG dann eine Erhöhung des Krankentagegeldes an. Diese ist an die Entwicklung des Verbraucherpreisindexes gekoppelt und beträgt maximal 10%. Wer sein Krankentagegeld aber innerhalb der letzten 24 Monate vor dieser Anpassung aufgrund des veränderten Nettoeinkommens angepasst hat, der darf hier nicht erneut anpassen.

  • – keine extra Gesundheitsprüfung wenn gleichzeitig BU beantragt und angenommen wird

Keine Gesundheitsprüfung für das Krankentagegeld. Das klingt aber erst einmal besser als es ist. Richtig ist, der Antrag der ARAG Krankenversicherung enthält KEINE Gesundheitsfragen. Das ist aber nur die halbe Wahrheit. Eine Beantragung dieses KTplus ist nur möglich, wenn ZEITGLEICH ein Berufsunfähigkeitsschutz bei einem der folgenden Versicherer beantragt wird. Ist dieser aber schon vorhanden, so ist das nicht möglich.

ARAG KT plus BU Versicherer

Der Hintergrund ist einfach. Mit der Beantragung einer Berufsunfähigkeitsversicherung (selbstständige BU oder aber die Berufsunfähigkeitszusatzversicherung mit einer versicherten Rente) erfolgt bei dem BU Versicherer eine Gesundheitsprüfung. Nimmt dieser den Antrag an, so unterstellt die ARAG das es „schon passen wird“ und nimmt auch den Antrag auf Krankentagegeld an. Dazu hat sich der Versicherer mit vier Maklerpools zusammen getan. Beide Anträge müssen über den Pool eingereicht werden, der Pool informiert dann die ARAG das dieser Antrag angenommen wurde, dann kann auch der KT Antrag angenommen werden.

ARAG KT plus Annahme AVB

  • – KT plus in 5 Euro Schritten zwischen 15 und 30 Euro Tagessatz möglich

Die maximale Absicherungshöhe liegt bei 30 Euro, also 900 Euro im Monat. Ohne ein anderweitig bestehendes Krankengeld wird das also nicht reichen. Für einen gesetzlich Krankenversicherten Arbeitnehmer ist das durchaus machbar, denn der bekommt neben seinem Krankengeld aus der Gesetzlichen Krankenkasse dann auch das der ARAG. Wer privat krankenversichert ist, der sollte zudem UNBEDINGT DARAUF ACHTEN, das ein solcher Abschluss eines weiteren Krankengeldes dem alten Versicherer angezeigt werden muss. Wird dieses nicht getan, besteht eine Verletzung der vertraglichen Obliegenheiten, welches sogar zu einer Kündigung des bestehenden Vertrages führen kann. –> Mehr Infos zum Krankentagegeld und dem Bedarf

ARAG KT plus – Die Prämien

Die Prämien des KT plus richten sich- wie üblich- nach dem Entrittalter bei Vertragsabschluss und dem Tagessatz. Dabei ist das aktuelle Kalenderjahr minus Geburtsjahr die Rechnung für das Eintrittsalter. Die Prämien beginnen bei 3,60 € für 15 Euro Tagessatz bei einem 18-jährigen bis hin zu 30,60 Euro bei 30 Euro Tagessatz bei einem/einer sechzigjährigen/r.

KT plus ARAG Beiträge

Ihr Weg zum ARAG KT plus

Zunächst einmal müssen Sie versicherungsfähig sein. Das sind sowohl Angestellte aber auch Selbstständige welche einen Arbeitsausfall absichern wollen und müssen. Weiterhin muss zeitgleich ein Versicherungsschutz für die Berufsunfähigkeit abgeschlossen werden. Dafür sollte ein bestehender Schutz nicht leichtfertig aufgegeben werden, nur wenn dieser nicht passt und eine Annahme zu neuen Konditionen besser ist, nur dann ist eine Änderung nötig und sinnvoll.

Nachdem diese Voraussetzungen erfüllt sind, sind folgende Schritte sinnvoll und nötig.

1.) Machen Sie sich Gedanken über die passende Berufsunfähigkeitsversicherung. Dazu lesen Sie bitte eimal die Auswahlkriterien zur BU, im Leitfaden Berufsunfähigkeit finden Sie weitere Informationen

2.) Füllen Sie nun den Kriterienfragebogen zur Berufsunfähigkeitsversicherung aus

3.) Finden Sie gemeinsam mit Ihrem Berater den passenden Schutz zur Berufsunfähigkeit, stellen Sie eine anonyme Voranfrage und klären so vorher die Annahme

Wenn all diese Schritte erledigt sind, dann überlegen Sie im Rahmen der Beratung ob das ergänzende KT plus der ARAG für Sie sinnvoll ist und beantragen dieses dann parallel.

Unterlagen und Vertragliches zum KT plus der ARAG

Mein Fazit

Das Krankentagegeld KT plus der ARAG ist eine gute Idee, welche leider nur auf einen kleinen Kundenkreis passt. Wichtig ist in jedem Fall der gleichzeitige Abschluss mit der BU, nicht nachher, nicht später, zeitgleich. Aber hier ist es auch Aufgabe des Vermittlers den Kunden auf solche Möglichkeiten hinzuweisen. Weiterhin sind bestehende Verträge bei anderen Unternehmen unbedingt zu berücksichtigen und diese Versicherer im Rahmen der vertraglichen Obliegenheiten zu benachrichtigen. Interessant ist aber die Absicherungsmöglichkeit von Studenten, dazu in einem weiteren Beitrag mehr.

Ob ein solches ergänzendes Krankentaggeld notwenig ist oder bereits mit einem bestehenden Vertrag abgedeckt ist, das hängt auch davon ab welcher BU Schutz besteht. Durch die kürzlich bei einigen Unternehmen eingeführten Regelungen zur BU Leistung auch bei bestehender Arbeitsunfähigkeit ist auch hier eine entsprechende Absicherung und die Schließung der Lücke gegeben.

Lesehinweis: Leistungen aus der Berufsunfähigkeitsversicherung bei längerer Krankschreibung auch ohne BU

09.
Juli '12

Gastbeitrag: Was passiert mit meiner privaten Krankenversicherung, wenn ich meinen Beamtenstatus aufgebe und keinen Beihilfeanspruch mehr habe?


Viele Beamte wechseln nach einer Zeit im Beamtenstatus in die freie Wirtschaft. Professoren, wissenschaftliche Mitarbeiter aber auch Lehrer finden oftmals in der privaten Wirtschaft nicht nur ein besseres Gehalt, sondern auch vergleichbare Sicherheit. Doch gerade dann stellen sich viele Fragen.

Kann ich in der privaten Krankenversicherung bleiben?

Beamte (und Angehörige), die Ihren Beihilfeanspruch verlieren, weil Sie aus dem Beamtenverhältnis ausscheiden, werden in der GKV nicht immer versicherungspflichtig. Wenn Sie im Anschluss an das Beamtenverhältnis z.B. selbständig/freiberuflich tätig werden, oder in einer neuen Anstellung über ein entsprechendes Einkommen oberhalb der Jahresarbeitsentgeltgrenze (2012 JAEG 50.850€) verdienen, bleibt die Versicherungsfreiheit bestehen und die PKV muss dann in Tarife mit 100% Leistungsanspruch umgestellt werden. Das dieses ohne erneute Gesundheitsprüfung beantragt werden kann ergibt sich aus dem § 199 des Versicherungsvertragsgesetz.

§ 199
 Beihilfeempfänger

(2) Ändert sich bei einer versicherten Person mit Anspruch auf Beihilfe nach den Grundsätzen des öffentlichen Dienstes der Beihilfebemessungssatz oder entfällt der Beihilfeanspruch, hat der Versicherungsnehmer Anspruch darauf, dass der Versicherer den Versicherungsschutz im Rahmen der bestehenden Krankheitskostentarife so anpasst, dass dadurch der veränderte Beihilfebemessungssatz oder der weggefallene Beihilfeanspruch ausgeglichen wird. Wird der Antrag innerhalb von sechs Monaten nach der Änderung gestellt, hat der Versicherer den angepassten Versicherungsschutz ohne Risikoprüfung oder Wartezeiten zu gewähren.

Auf den ersten Blick scheint die Lösung ausreichen und problemfrei zu sein. Etwas wichtiges wird dabei aber oft übersehen: Nur bereits bestehender Versicherungsschutz kann aufgestockt werden, eine Nachversicherung von nun fehlenden Tarifbausteinen ohne erneute Gesundheitsprüfung ist in den wenigsten Tarifen vorgesehen und verbirgt sich ein existenzbedrohendes Risiko.
Hier ist insbesondere das Krankentagegeld zu nennen, da es beim Beamten nicht versichert wird. Das ist auch logisch, denn das Risiko von Einkommenseinbußen bei längerer Krankheit wie bspw. bei Freiberuflern oder Angestellten besteht hier nicht, da die Besoldung im Krankheitsfall weiter gezahlt wird. Somit handelt es sich hier auch nicht um eine „Aufstockung“ sondern um einen zusätzlichen Abschluss. Die nachträgliche Versicherung ist dann nur mit einer erneuten Gesundheitsprüfung möglich. Wenn sich der Gesundheitszustand aber geändert hat und ggf. Erkrankungen eingetreten sind kann der Versicherer diese zusätzliche Versicherung auch ablehnen. Das fehlen einer Krankentagegeldabsicherung ist dann ein existenzbedrohendes finanzielles Risiko!

Kommt das überhaupt vor?
(mehr …)

16.
April '12

Gastbeitrag: „Darf’s ein bisschen mehr sein? – Risikoprüfung, Ausschlüsse und Zuschläge in der Berufsunfähigkeitsversicherung, von Hubert Mayer


Keine Sorge, Sie sind schon richtig hier im PKV-BU-Blog und im folgenden Beitrag geht es auch nicht um die Wurst – oder irgendwie schon, aber nur im übertragenen Sinne. Der heutige Beitrag befasst sich mit der Risikoprüfung in der Berufsunfähigkeitsversicherung (BUV) bzw. der Lebensversicherung (LV). Warum muss ein Antragsteller manchmal mehr zahlen, also einen Risikozuschlag in Kauf nehmen? Warum einen Ausschluss? Und kann man auch statt eines Zuschlages einen Ausschluss vereinbaren? Diese Fragen sollen hier angerissen und erläutert werden.

Die Tarifprämie

Zunächst einmal muss festgehalten werden, dass Basis für ein Angebot für eine Berufsunfähigkeitsversicherung oder eine Lebensversicherung eine durchschnittlich gesunde Person ist. Angebote werden grundsätzlich auf dieser Basis erstellt. Die Höhe der Prämie richtet sich dann nach Geschlecht, Eintrittsalter, Laufzeit (geplante Dauer des Versicherungsschutzes), Absicherungshöhe (monatliche Rente bei Berufsunfähigkeit bzw. Altersrente oder Versicherungssumme in der LV) und bei der BUV auch noch insbesondere nach dem ausgeübten Beruf. Der Beruf wird auch bei den Einschätzungen, die später erläutert werden, wieder eine Rolle spielen. Dass beispielsweise ein Straßenbauer eine höhere Prämie für eine gleich hohe Absicherung zahlt wie ein Betriebswirt, dürfte allen Lesen dieses Blogs bekannt sein.

Warum steigt der (Tarif-) Beitrag aber so stark an, wenn die Laufzeit eines Vertrages über das Alter 60 hinaus geht?

Eigentlich auch leicht zu erklären: Die Eintrittswahrscheinlichkeit steigt zum einen sehr stark an, was sowohl mit dem objektiv steigenden Krankheitsrisiko erklärt werden kann als auch mit dem erhöhten subjektiven Risiko, vorzeitig aus dem Beruf auszusteigen und „noch ein wenig Leistung mitnehmen“ – hat man doch all die Jahre sonst „umsonst“ Beiträge gezahlt (hat man natürlich nicht, man bekam die Gegenleistung Versicherungsschutz). Andererseits muss auch eine frühzeitig erbrachte Rente aufgrund von Berufsunfähigkeit entsprechend länger erbracht werden – und das in Zeiten mit einer recht niedrigen Reaktivierungswahrscheinlichkeit (also der Möglichkeit, dass jemand nach einer Zeit der Berufsunfähigkeit wieder eine berufliche Tätigkeit ausübt). (mehr …)

19.
Januar '11

Gastbeitrag: Richtiges Verhalten im Schadensfall


Hier lesen Sie einen Gastbeitrag meines Kollegen Wolfgang Ruch

Häufig wird über Versicherungsgesellschaften geschimpft, da diese im Schadensfall nicht das Geld ausbezahlen, was die Kunden erwarten. Häufig liegt dies jedoch am Fehlverhalten des Kunden, welches durch einfache Verhaltensregeln behoben werden kann.

In der Kommunikation mit Kunden unterscheide ich folgende Bereiche:

a) Richtiges Verhalten vor dem Schadensfall

b) Richtiges Verhalten im Schadensfall

c) Richtiges Verhalten nach dem Schadensfall

Zu a) Richtiges Verhalten vor dem Schadensfall:

Kunden von Herrn Hennig kennen das schon aus seinen vielen Blogbeiträgen im Zusammenhang mit der PKV. Man muss sich genau die Frage stellen, ist diese Versicherung das richtige für mich und wenn ja, welche Leistungen wünsche ich. Der Preis (Beitrag) ist dann das Ergebnis dieser Wahl.

So muss man dies auch bei den verschiedenen Sachversicherungen des Privathaushaltes sehen (Haftpflicht, Hausrat, Rechtschutz, Wohngebäude etc.)

Welchen Versicherungsschutz möchte ich versichert haben.

Hier am Beispiel einer Wohngebäudeversicherung:

– Wie hoch muss die Versicherungssumme sein?

– Sollen Elementarschäden mitversichert sein?

– Habe ich eine Fußbodenheizung, ein Aquarium oder ein Schwimmbad im Haus?

– Wollen Sie z.B. grobe Fahrlässigkeit mitversichert haben?

Feuer, Leitungswasser, Sturm- und Hagel haben i.d.R. alle Wohngebäudeversicherungen abgesichert. Es kommt auf die kleinen Bausteine im Versicherungsschutz an. Diese stehen nicht auf der Police, sondern in den 30 Seiten beigefügten Versicherungsbedingungen. Das ist das Kleingedruckte, das die Kunden meist nicht lesen…

Damit haben Sie einen passenden Versicherungsschutz und wissen, was versichert ist.

Der 1. Schritt, damit in der Schadenregulierung kein böses Erwachen kommt.

Informationen zu verschiedenen Versicherungen finden Sie unter:

www.ruch-finanzberatung.de und dann unter Versicherungsvergleiche.

Zu b) Richtiges Verhalten im Schadensfall:

Der Bundesgerichtshof (BGH) hat in einem Urteil die Verpflichtung eines Kunden im Schadenfall wie folgt beschrieben:

„Ein Versicherungsnehmer hat sich im Schadensfall so zu verhalten, als wäre er nicht versichert.“

D.h., Sie brauchen in einem lichterloh brennenden Haus nicht den Helden spielen, um ihre Möbel zu retten und sich dabei in Lebensgefahr zu bringen. Ein Anruf bei der Feuerwehr genügt. Das gemütliche Abwarten, bis alles auf die Grundmauern runtergebrannt ist, da man sowieso neu bauen wollte, ist sicherlich kein richtiges Verhalten.

Als nächstes ist unverzüglich, das heißt im juristendeutsch: ohne schuldhaftes verzögern, die Versicherungsgesellschaft über den Schaden zu informieren.

Zu c) Richtiges Verhalten nach dem Schadensfall:

Hier passieren die meisten Fehler der Kunden. Eine Versicherungsgesellschaft muss sich einen Eindruck von dem Schadensereignis machen können. D.h., der Schaden sollte nicht schon beseitigt sein oder defekte Gegenstände weggeworfen.

Weiterhin ist umgehend das von der Versicherung übermittelte Schadensformular vollständig auszufüllen und zurückzusenden. Dabei sollte natürlich auf die Formulierung des Textes geachtet werden. Falsche Angaben führen zum Verlust des Versicherungsschutzes, unglückliche Wortwahl durch Ausschlüsse in den Bedingungen aber teilweise auch.

So wird bei einem Feuerbrand durch einen brennenden Weihnachtsbaum sehr genau darauf geachtet, wie lange man den Raum verlassen hat. Da kann es um den Grund und um die Dauer gehen, die über die Erstattung des abgebrannten Hauses oder den fehlenden Versicherungsschutz entscheiden.

Tipp: lassen Sie sich bei der Schadensregulierung von einem Fachmann helfen!

Bei Fragen wenden Sie sich gerne an mich und mein Team.

Tel: 03303 / 548 265

Fax: 03303 / 548 266

e-mail: info@ruch-finanzberatung.de

homepage: www.ruch-finanzberatung.de

17.
Januar '11

Gastbeitrag: Dienstunfähigkeitsversicherung: Anbieter auf dem Rückzug?


Nachdem zuletzt auch ERGO die Dienstunfähigkeitsklausel in seinen Bedingungen geändert hat, wird es für Beamte immer schwieriger, eine private Absicherung ohne erhebliche Einschränkungen zu finden.

Die Vermutung liegt nahe, dass Versicherer weitere Pensionierungswellen und damit verbundene hohe Kosten fürchten. Und sich weitere Versicherer aus der „Beamtenabsicherung“ zurückziehen.

Noch gibt es eine kleine Anzahl Versicherer (ca.10), die Berufsunfähigkeitsversicherungen mit Dienstunfähigkeitsklauseln bieten, doch die Klauseln sind sehr unterschiedlich, und nicht alle leisten das, was sich der Versicherte hiervon verspricht.

Wünschenswert wäre z.B. , dass der Versicherer, sobald der Dienstherr den Beamten für dienstunfähig erklärt, sich der Entscheidung des Dienstherren anschließt , ohne weitere (möglicherweise einschränkende/ verzögernde) Prüfungen vornehmen zu können . Die sollte gleichermaßen für Beamte auf Widerruf, Probe und Lebenszeit gelten.

Die Klauseln vieler Anbieter sind aber nicht eindeutig formuliert.

Hier einige Beispiele:

Sofern keine besonderen beruflichen oder gesundheitlichen Risiken vorliegen, gilt für Beamte im öffentlichen Dienst auf Lebenszeit, auf Widerruf oder auf Probe die Versetzung in den Ruhestand bzw. die Entlassung wegen Dienstunfähigkeit und begrenzter Dienstunfähigkeit ausschließlich aus gesundheitlichen Gründen als vollständige Berufsunfähigkeit.

oder

Berufsunfähigkeit kann von Beamten auch durch Vorlage der Verfügung über die Entlassung oder dauernde Versetzung in den Ruhestand belegt werden, wenn gleichzeitig nachgewiesen wird, dass diese Verfügung nach ärztlicher Beurteilung und ausschließlich wegen eines körperlichen Gebrechens oder einer Schwäche der körperlichen oder geistigen Kräfte erfolgt (Vorlage des amtsärztlichen Gutachtens). In diesem Fall werden wir keine weiteren Untersuchungen gemäß § 4 Absatz 2 durch von uns beauftragte Ärzte verlangen. Die Leistungen werden dann ab dem Entlassungs- bzw. Versetzungstermin erbracht. Der Ausschluss der Verweisung (siehe Absatz 1) gilt auch hier.

Berufsunfähigkeit liegt auch vor, wenn ein versicherter Beamter vor Erreichen der gesetzlich vorgesehenen Altersgrenze infolge seines Gesundheitszustandes wegen dauernder Dienstunfähigkeit aufgrund eines amtsärztlichen Zeugnisses … in den Ruhestand versetzt wird.

Bei Entlassung wegen Dienstunfähigkeit gilt dies längstens für einen Zeitraum von 24 Monaten. Danach muss Berufsunfähigkeit nach den Absätzen 1 bis 4 vorliegen, die der Versicherte zu beantragen und nachzuweisen hat.

oder auch

Werden vor Vollendung des 46. Lebensjahres der versicherten Person Leistungen wegen Berufsunfähigkeit beantragt, gilt bei Beamten des öffentlichen Dienstes gilt die Versetzung in den Ruhestand wegen allgemeiner Dienstunfähigkeit bzw. die Entlassung wegen allgemeiner Dienstunfähigkeit als Berufsunfähigkeit.

Bei der Auswahl einer geeigneten Versicherung sollte beispielsweise darauf geachtet werden, dass keine Einschränkungen beim versicherten Beamtenstatus bestehen, der Versicherer möglichst keine zusätzliche Prüfung des vornimmt, die Dienstunfähigkeitsklausel für die Dauer des Vertrages / Berufslebens als Beamter bestand hat.

Hinzu kommt dass nicht alleine die Ausgestaltung der Dienstunfähigkeitsklausel entscheidend ist. Vielmehr sind beispielsweise auch zu prüfen, ob der Ruhestandsbeamte zum auf einen anderen Beruf verwiesen werden kann, ob / welche Ausschlüsse bestehen oder ob sich eine Rente auch steigenden Kosten anpasst.

Näheres zur Dienstunfähigkeit, geeignete Klauseln, Ruhegehaltsansprüchen oder zur vertraglichen Ausgestaltung finden Sie auch im Leitfaden für Beamte.

Die Links im Text führen zur Seite von Lars Ulrich Harms – Versicherungsmakler, Spezialist für Beihilfe ergänzende private Krankenversicherungen und Dienstunfähigkeitsversicherungen. Hier erhalten Sie auch Hilfe bei der Vertragsgestaltung und einer passenden Produktwahl.