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14.
Juli '21

Wo sind Sie versichert? Warum die Krankenversicherung Ihres Beraters (k)eine Rolle spielt


Die Frage nach meiner eigenen Versicherung kommt fast in jeder Beratung. „Wo ist denn mein Berater PKV versichert?“

Das ist auch gut so und legim. In einem anderen Beitrag habe ich bereits zu der Frage geschrieben, warum Freunde und Bekannte keine guten Ratgeber sind. Kleiner Tipp am Rande. Vergleichsrechner sind es auch nicht. Mehr dazu aber später, oder in einem anderen Beitrag.

In der privaten Krankenversicherung, das erzähle ich nun schon seit über 20 Jahren, spielt die Leistung des Vertrages eine entscheidende Rolle. Versicherer garantieren als einzigen Baustein mit den Bedingungen einen Leistungsumfang, welcher die vertraglich garantierten Leistungen abbildet. Diesen kann der Versicherer weder heute noch in Zukunft ändern. Diese Garantie einen festen Leistungsrahmen zu kaufen, welchen sie bis ins hohe Alter in ihrem Versicherungsschutz behalten ist ein wesentlicher Unterschied gegenüber der gesetzlichen Krankenkasse.

Mehr zu Systemunterschieden finden Sie auch in meinem Leitfaden.

Es gibt für den Versicherer keine Möglichkeit, ihnen einmal zugesagte Leistungen aus dem Vertrag zu streichen. Natürlich kann es in der Zukunft notwendig werden, den eigenen Versicherungsschutz anzupassen oder (zum Beispiel aus finanziellen Gründen) diesen zu reduzieren. Daher ist es in Bezug auf den Leistungsumfangs heute ebenso wichtig, sich bei der Auswahl des Versicherers Alternativen im Tarifwerk anzuschauen.

Leistung entscheidet heute, Flexibilität über das „Morgen“

Es nützt ihnen überhaupt nichts, einen hochleistungsfähigen Tarif zu wählen, welchen sie sich in wenigen Jahren nicht mehr leisten können. Ist der Versicherungsschutz unterhalb dieses Tarifes bei dem Versicherer dann ungeeignet, dann müssen sie vielleicht aus finanziellen Gründen reduzieren. Danach bleibt Ihnen nur einen deutlich schlechteren Versicherungsschutz, im schlimmsten Fall für den Rest ihres Lebens.

Meine eigene Private Krankenversicherung wurde vor über 20 Jahren deshalb so ausgewählt, weil mein Berater seinen eigenen Kopf hatte.

„Das machen wir jetzt so, oder gar nicht. Sonst geh bitte woanders hin.“

Um vielleicht auch meine Beratungsphilosophie ein bisschen besser zu verstehen, erzähle ich Ihnen eine kurze Geschichte zu meiner Tarifauswahl.

Ich war damals Anfang 20 und habe mich mit dem Thema Private Krankenversicherung eher so nebenbei beschäftigt. Kurz nach der Ausbildung und während eines Studiums war da nicht so richtig viel Zeit und auch nicht die nötige Lust vorhanden. Also habe ich mich an einen Berater gewandt, und diesen damals in seinem Büro besucht. Wir haben uns über viele mögliche Szenarien ausgetauscht, die in der Zukunft passieren könnten. Nun konnte ich mir in dem Alter schwer vorstellen chronische Diagnosen zu haben, Unfälle zu erleiden oder eine Familie zu gründen, kam alles anders. All diese Punkte sind aber möglich und bestimmen die Auswahl des Versicherungsschutzes.

Nie krank oder Millionär, dann reicht Basisschutz

Wüsste ich heute, dass ich niemals krank werde, bräuchte ich keinen guten Versicherungsschutz. Würde ich vielleicht die billigste aller Varianten nehmen? Falls ich steinreich werde (Lotto und so) brauchte ich dann überhaupt sowas? Kann ich es einfach selbst zahlen oder hohe Selbstbeteiligungen nutzen? Damals gab es vier Auswahlmöglichkeiten, angefangen von einem Einstiegsversicherungsschutz (das waren in meinem Fall die damaligen Tarife für die neuen Bundesländer der Signal, NO/NOZ), dann zwei Varianten des mittleren Versicherungsschutzes und ein Top-Tarif. Die Beitragsunterschiede in diesen Bereichen lagen zwischen dem billigsten und dem (damals) besten Versicherungsschutz bei fast 75%.

Ich stand also als junger Mensch vor der Entscheidung, will ich den besten Versicherungsschutz oder will ich eine hochwertigen Versicherungsschutz. Schutz, welchen ich vielleicht die nächsten Jahre und Jahrzehnte nicht brauche. Kann ich das Geld nicht lieber für Auto, Computer, Reisen, Party ausgeben? Mir passiert doch nix, oder?

Berater PKV – Konsequenz und Ehrlichkeit des Beraters

Nach ein paar Tagen und einigen Überlegungen fand unser nächste Gespräch statt. Ich hatte mich entschieden mir einen reduzierten Versicherungsschutz zu „gönnen“ und dafür nicht zu viel Geld zu investieren. Mein Berater war damals sehr direkt. Er meinte: „Wenn du nachher nach Hause fährst, da an der Ecke ist das Versicherungsbüro der Signal, schließe es gern dort ab.“

Mein Gesicht muss wohl etwas erschrocken ausgesehen haben, da antwortete er ergänzend: „Bei dem Prämienunterschied und mit Deinem Eintrittsalter, werde ich Dir den billigen Versicherungsschutz nicht verkaufen, aber den Antrag kannst du natürlich wo anders stellen.“

Ich fuhr dann nach Hause und dachte über diesen Punkt kurz nach, hatte es dann aber wieder verworfen. Am nächsten Morgen entschied ich mich dann doch nochmal zu dem Makler zu fahren und fragte nochmal nach. Er erklärte mir dann, dass er in seiner beruflichen Laufbahn genügend Fälle gesehen habe, denen doch „nie etwas passiert wäre“ und wo es dann doch ganz anders kam.

Es kam wie es kommen musste. Ich entschied mich um, ob nun aus Verständnis oder Sympathie zu dem Berater kann ich nicht mehr sagen. Es wurde der bestmögliche Schutz, den ich innerlich immer noch nicht so recht „brauchte“. Ich muss zugeben, so richtig und 100% überzeugt war ich wohl damals nicht. Ich sah nicht so richtig den Grund darin, mehr Geld für einen Versicherungsschutz auszugeben, welchen ich doch gar nicht brauchen würde. Aber, die Entscheidung war getroffen, die Monatsbeiträge wurden abgebucht und dann war es auch schnell vergessen.

1. kommt es anders, 2. als man denkt

Es vergingen keine zwei Jahre, da fuhr ich im Februar hier auf „meiner“ Insel über eine Landstraße. Es war der 3. Februar 2000, da hatte einen recht schweren Verkehrsunfall. Es kommt wie Sie sich denken können. Notarzt, Krankenwagen, Intensivstation gefolgt von stationären Aufenthalten, Operation und Reha und Anschlussheilbehandlung. Heilmittel und Physiotherapie schlossen sich an. Es trat also keine zwei Jahre nach dem Abschluss genau das ein, was mir ja nie passieren würde.

Im Laufe dieser Behandlungen kamen dann noch ein, zwei, drei andere Erkrankungen dazu und schon da wusste ich: Die Wahl war richtig. Das war auch das erste Mal, dass ich überhaupt mit einem Einzelzimmer in einem Krankenhaus in Berührung kam. Ein Einzelzimmer was totlangweilig sein sollte, oder wo doch auch das Zweibettzimmer reicht?

Langeweile im Einzelzimmer? Brauche ich nicht!

Ja, natürlich werden Sie auch in einem Mehrbettzimmer gesund. Ob da nun ein, zwei oder vier Personen drinliegen, das ändert erst mal nichts. Aber, das Einzelzimmer schafft Ruhe. Es schafft aber gleichzeitig auch die Möglichkeit, dass ich mit meiner verbundenen Schulter einige Wochen im Krankhaus immer dann Besuch haben konnte, wann ich es wollte. Dabei war es nicht davon abhängig, wie es dem Bettnachbarn ging, was der hatte oder wann der Besuch hatte. Und das soll auch gar keine Laudatio auf ein Einbettzimmer werden, die Entscheidung müssen sie ganz für sich alleine treffen. Aber als es mir irgendwann besser ging, war ich sehr froh in meinem Zimmer tun und lassen zu können, was ich wollte.

Die Wahl ist der Punkt. Wer sich trotz Schutz gegen die Nutzung des Einzelzimmers entscheidet, bekommt meist etwas erstattet. Klar, denn die Versicherung spart auch Geld. Brauchen sie es aber wirklich, weil schwerkrank oder nicht mehr so schlimm, dass Sie telefonieren, arbeiten, Besuch empfangen wollen, ist es mehr als angenehm. Das Zimmer selbst lässt sich auch gut über ein Krankenhaustagegeld absichern. Mit der Wahlleistung „Privatarzt“ geht das so nicht, das habe ich im Beitrag „Krankenhaustagegeld ungeeignet für Chefarztbehandlung“ aufgeschrieben.

Dazu kamen in den Folgejahren noch einige andere Erkrankungen, bis hin zu einer heute bestehenden. Die schränkt mich jetzt nicht so weit ein, führt aber einmal im Jahr zu einem kurzen, stationären Aufenthalt und zudem zu ein paar Untersuchungen über das Jahr verteilt. Diese Untersuchungen und vor allem diese freie Auswahl des Arztes sind ein großes Privileg. Denn nur, weil ich den Arzt (und das muss gar nicht der Chefarzt sein, es kann auch gezielt ein Oberarzt in einer Klinik sein) selbst auswählen kann, nur deshalb lässt sich vieles beschleunigen. Ich bin sehr froh gut auf gehoben zu sein, in der Charité in Berlin und bei anderen Behandlern. Einige meiner Kunden kennen mein Erlebnis mit dem MRT Befund am Freitagnachmittag, vielleicht schreibe ich den auch nochmal auf.

Berater PKV – Beeinflusst die eigene Gesundheit, der eigene Tarif, die Beratung?

Ich glaube schon, dass eigene Erfahrungen des Beraters, eigene Erlebnisse im Krankenhaus oder bei Ärzten, seine Beratung beeinflusst. Das heißt keineswegs, dass sie sich für ein Einzelbettzimmer entscheiden müssen, nur weil ich eines habe. Das heißt auch nicht, dass sie nicht hohe Selbstbeteiligungen vereinbaren können, nur weil ich keine habe. Sie müssen auch keine Beitragsentlastungskomponente in ihren Vertrag integrieren, nur weil ich eine habe.

Eines „müssen“ Sie aber bei mir: Sie müssen verstehen wie ein Versicherungsschutz funktioniert und sollten sich dringend Gedanken darüber machen, was Ihnen in welchen Fällen wichtig ist.

Ich halte weder etwas vom „Klappern mit Sargdeckeln“, noch von der Angst vor dem Tanklaster. Klar kann Sie ein solcher überrollen, wenn Sie das Haus verlassen. Dennoch sollten Sie sich möglicher (Lebens-)Risiken bewusst sein und sollte sich klar vor Augen führen, dass sich Ereignisse ändern können. So kann die eigene Lebensplanung plötzlich komplett über den Haufen geworfen werden.

Kosten die Sie selbst übernehmen können, brauchen Sie nicht zu versichern. Eine Brille ist nicht entscheidend. Eine Vorsorge nett, aber nicht ruinös. 20.000 € Eigenanteil bei einer Prothese? Kosten vielleicht die eigene Altersvorsorge, belasten die Familienkasse oder schränken arg ein.

Was den Kunden finanziell ruiniert oder stark belastet, gehört abgesichert

Fragen sie ihren Berater ruhig, für welchen Versicherungsschutz er sich entschieden hat und warum. Nicht, weil sie dann auch diesen Versicherungsschutz bekommen sollen, sondern weil sie dann ein bisschen besser verstehen können wie ihr Berater so tickt. Wer sich selbst billig versichert, ohne zu wissen was er genau da tut und wie er die bestehenden oder noch kommenden Risiken ausgleichen kann, dem wird es schwer fallen glaubwürdig einen entsprechenden Versicherungsschutz zu vermitteln.

Wenn ich als Berater meinen eigenen Tarif nicht gelesen und verstanden habe, „das billigste Produkt“ entscheide, wie sollte es möglich sein einem Kunden den Sinn einer qualitativ hochwertigen Absicherung zu erklären.

Die Bedürfnisse können unterschiedlich sein, es ist durchaus denkbar, dass der Berater anderer Ansprüche hat. Wer Ärzte in der Familie hat und von denen behandelt wird, wer Millionen auf dem Konto hat und das Geld im Fall der Fälle dafür ausgibt, der hat einen anderen Anspruch. Dagegen spricht überhaupt nichts.

Ihre Tarifauswahl ist die eigene, nicht meine, nicht die des Nachbarn oder Kollegen.

Kommen wir nun wieder zurück zu ihrer Tarifauswahl, den die ist der Part, mit dem sie sich auseinandersetzen müssen. Die Information, wo ich versichert bin ist ein netter Nebeneffekt, löst aber ihr Problem nicht. Daher der dringenden Tipp: machen sie sich Gedanken über ihren Bedarf. Dabei berücksichtigen sie bitte nicht nur den heutigen Bedarf, also vielleicht auch die Vorstellung: „ich bin jung, gesund, mir passiert nichts.“, sondern insbesondere auch die zukünftige Entwicklung.

Manchmal kann es sich sehr schnell ändern.

Ich möchte aber dennoch auflösen. Mein Versicherungsschutz besteht seit nunmehr 1998 bei der HALLESCHE im Tarif NK (damals NK3 mit 300 € SB, heute NK 2 mit 600 € SB).

Berater PKV Krankenversicherung Hallesche NK seit 1998

Im Jahr 2001 kam dann die Beitragsentlastung im Alter hinzu. Ja, auch als (damals) selbstständiger halte ich diese weiter für richtig und sinnvoll, heute mehr denn je.

Nur wenn Sie sich der Risiken und (möglichen) Veränderungen bewusst sind, können sie entsprechend handeln.

Auch vergessen Sie bitte nicht, der eigene Schutz bestimmt auch den des (zukünftigen Kindes. Wer heute einen minderwertigen Versicherungsschutz wählt, der kann diesen auch mit Optionen aufwerten. Es spricht erstmal generell nichts dagegen, den heutigen Bedarf anders einzuschätzen, wenn er genug Veränderungsmöglichkeiten bietet. Wählen sie also heute einen reduzierten Versicherungsschutz, welcher mit Anwartschaften und Optionen versehen ist, um diesen später auch zu ändern, dann kann auch dies der richtige Weg sein. Dabei spielt auch die berufliche Situation und das Einkommen eine Rolle. Als junger Angestellter sind hohe Selbstbeteiligungen oder Einsteigertarife selten optimal.

Vermitteln sie bestimmte Tarife nicht?

Ja, vielleicht weil ich damals tief beeindruckt war von der Beraterentscheidung in meinem Fall. Aber auch, weil ich aus tiefster Überzeugung bestimmte Tarife, Versicherer und Tarifmodelle für viele Kunden für nicht passend halte.

Wenn ich also in einer Beratung der Auffassung bin, bestimmte Tarife passen nicht zu ihnen, dann sagen sie ich ihnen das auch. Wenn Sie im Anschluss und Aufklärung über die Risiken immer noch der Meinung sind, einen Tarif oder Versicherer zu wählen, von dem ich klar abrate, Ihre Entscheidung. Aber dann werde ich Ihnen diesen,  gegen meine Überzeugung und nur um der Provision Willen verkaufen, sicher nicht verkaufen.

Es gab in der Vergangenheit sicherlich Kunden, die dann woanders hin gingen und noch heute in diesen Tarifen versichert sind. In den letzten Jahren hatte ich fünf solcher Beratungen, welche nach einem Abschluss eines Tarifes, von dem ich abriet, auf die Nase gefallen sind. Vier von denen kamen wieder zurück, für zwei gab es mit den Erkrankungen keine Chance auf eine Lösung. Ob sich dann eine solche Entscheidung dann revidieren lässt, ist schwer zu sagen und scheitert dann oft am Gesundheitszustand.

Ihr Geldbeutel, Ihr Leben, Ihre Entscheidung

Letztendlich müssen sie die Entscheidung für sich, Ihre Absicherung und Ihr Leben treffen. Das was ich tun kann, ist ihnen eine Hilfestellung geben. Ich werde Sie über Leistungen und Lücken aufklären und auf Gefahren hinweisen. Dennoch kann Ihnen niemand außer Sie selbst sagen, was sie für ein Haus bauen sollen, welches Auto sie kaufen sollen oder welche Krankenversicherung sie wählen. Der Berater kann nur unterstützen, Hilfestellung geben und ihnen zeigen wo versteckte Risiken liegen.

Am Ende ist es aber Ihr Leben, Ihre finanzielle Zukunft bei Krankheit und sie sind auch die/derjenige, die/der dann mit den Konsequenzen dieser Entscheidung leben muss.

Ich möchte aber weiter in den Spiegel schauen können und mir nicht vorwerfen, falsch beraten zu haben. Nicht heute und nicht in 10, 20 oder 30 Jahren.

Seien sie also gewiss, ich werde Ihnen nichts gegen meine eigene Überzeugung empfehlen. Das werden ihnen sicherlich Kunden bestätigen können, welche vor zehn, zwölf oder gar 15 Jahren ihre Krankenversicherung hier gewählt haben. Auf meiner Homepage unter Referenzen ganz bis ans Ende scrollen. Dort finden sie solche Erfahrungen und Beschreibungen von Kunden. Kunden, welche nun schon 10, 12, 15 Jahre bei „ihrer PKV“ sind und weiterhin die Entscheidung für die passende halten.

Für ihre Wahl, für oder gegen ein System der GKV oder PKV und für ihre Tarifentscheidung tragen Sie jedoch die letzte Verantwortung. Daher braucht es BeraterInnen, welche Sie in die Lage versetzen, solche Entscheidungen fundiert treffen zu können.

Die einzige und ehrlichste Hilfe, ist die Hilfe zur Selbsthilfe!

© Alfred Selacher (*1945), Schweizer Lebenskünstler

Bevor Sie nun auf die Suche nach Vergleichsportalen sind, auch die können Ihnen nicht den Tarif empfehlen. Vielleicht ist der an erster Stelle, der geschickte Formulierungen wählt um in der Software nach oben zu? Vielleicht der, der 602 € für eine Brille zahlt und nicht nur 600. Einer der „nach bester Medizin klingt“, den Namen aber nicht verdient?

Für den Anbieter sind die Tarife immer toll. Klar zeigt man gern, was der Tarif kann. Aber ist es nicht wichtiger zu wissen, was er nicht kann?

Daher… Lassen Sie sich ausbilden. Lernen Sie und verstehen. Sie werden am Ende sehen: Es ist nicht so schwer und (Zitat eines Kunden): „Versicherungsbedingungen lesen macht sogar Spaß, auch wenn ich mir das nie vorstellen konnte.

Unter den folgenden links habe ich ihnen weitere Informationen zusammengestellt.

Beratungsseite zur PKV

Artikel zur Tarifauswahl

14.
Juni '21

Digitaler Impfpass – so bekommen Sie ihren digitalen Impfpass auf dem Handy


Heute ist es soweit, Ihr Digitaler Impfpass (das Digitale Impfzertifikat) kommt auf das Smartphone. Auch wenn es gar nicht direkt etwas mit der Krankenversicherung zu tun hat, indirekt schon. Heute, den 14. Juni 2021 soll es soweit sein, die digitale Version des gelben Impfpasses oder der Impfbescheinigung kommt auf das Smartphone. Damit sollen Reisen erleichtert werden und ein bisschen Papier abgebaut.

Auch wenn viele der Fragen bereits besprochen sind, bleiben immer wieder Rückfragen übrig. Interessanterweise habe ich im LiveChat hier in den letzten Tagen genau davon einige gehabt. Um es nicht jeden Tag neu zu schreiben, schreibe ich es einmal auf. Ich als altes Faultier.

Daher hier ganz kurz zusammengefasst die wichtigsten Fragen zum digitalen Impfpass:

  • 1.) Ab wann bekomme ich den digitalen Impfpass?

  • 2.) Kann ich meinen gelben Impfpass weiter nutzen?

  • 3.) Gilt meine Impfbescheinigung weiter?

  • 4.) Wer kann den Impfpass ausstellen?

  • 5.) Was muss ich mitnehmen um den neuen, digitalen, Pass zu bekommen?

  • 6.) Was, wenn ich kein Smartphone habe?

  • 7.) Welche Apps kann ich nutzen, um den Pass anzuzeigen?

Das sind sicher nicht alle Fragen, aber einige die immer wieder gestellt werden und wurden. Daher eine kurze Zusammenfassung der Antworten. Schreiben Sie gern Ihre Erfahrungen in die Kommentare.

Eine Bitte noch. Egal ob Impfzentrum, Apotheke, Hausarzt. Ja, es ist eine Dienstleistung, welche auch bezahlt wird. Aber: SEIEN SIE BITTE NETT zu den Mitarbeiter:Innen, die machen auch nur Ihren Job und haben es nicht verdient angemault zu werden.

1.) Digitaler Impfpass – Ab wann bekomme ich den?

Nach der Einführung in der letzten Woche, sollen die Apotheken heute (Montag, 14.6.21) den neuen, digitalen Impfpass ausstellen können. Dabei muss nicht jede Apotheke mitmachen, auch nicht jede wird zu Beginn dabei sein. Auch für Apotheken ist es ein logistischer Aufwand, es müssen Mitarbeiter dazu abgestellt und geschult werden. Welche Apotheken dabei sind, hat der Deutsche Apothekerverband (DAV) auf seiner Internetseite zusammengestellt und bietet eine Suchfunktion an. Heute Morgen wird dort noch an der Seite gebaut, seien Sie also bitte etwas geduldig.

Digitaler Impfpass DAV Suche

Auf der Seite „Mein-Apothekenmanager.de“ wurde die Suche erweitert. So lässt sich hier nach Serviceleistungen suchen. Neben der bisher schon verfügbaren Suche nach Apotheken mit Schnelltests, kann nun auch nach Apotheken gesucht werden, die den digitalen Impfpass ausstellen.

2.) Digitaler Impfpass – Kann ich meinen gelben Impfpass weiter nutzen?

Natürlich können Sie. Ob Sie den gelben Impfpass (der auch für alle anderen Impfungen gilt) nutzen, oder eine Impfbescheinigung SARS-CoV-2 Ihres Arztes oder Impfzentrums, oder / und das digitale Impfzertifikat, das bleibt Ihnen überlassen. Weder ersetzt eines das andere, noch werden Sie gezwungen nur dies, oder das zu nutzen. Die digitale Version soll Ihnen nur die Nutzung erleichtern. Ich habe mein Handy öfter dabei, um nicht zu sagen immer.

Viele Funktionen, wofür es früher andere Utensilien brauchte (Kreditkarte, Kundenkarten etc.) sind heute einfach und selbstverständlich auf dem Handy verfügbar. Daher… wer will nutzt, wer nicht der lässt es.

3.) Digitaler Impfpass – Gilt meine Impfbescheinigung weiter?

Sicher. Siehe Punkt 2. Alles bleibt wie bisher. Welche der drei Optionen, die für Sie passende ist, entscheiden Sie selbst.

4.) Digitaler Impfpass – Wer kann den Impfpass ausstellen?

Ihr neuer Digitaler Impfpass kann an verschiedenen Stellen ausgestellt werden. Nicht alle werden es heute, jetzt und sofort können und anbieten, aber mittelfristig wird es einige Optionen geben. Die oben unter dem Punkt 1.) erwähnte Suche zeigt Ihnen die erste Anlaufstelle. Die Apotheken.

Zweite Option: Arztpraxen. Sind Sie bei einem Hausarzt oder Facharzt geimpft worden, dann können Sie auch hier (in den kommenden Tagen und Wochen) den Digitalen Impfpass, oder richtig das Digitale Impfzertifikat bekommen. Ob und inwieweit Arztpraxen auch die Ausstellung anbieten, wenn Sie woanders geimpft worden sind, das erfragen Sie bitte bei der Praxis direkt.

Dritte Option: Impfzentrum. Sollten Sie in einem Impfzentrum geimpft worden sein, so kann auch dieses (nicht gleich heute) das Zertifikat ausstellen. Hier gibt es Unterschiede in den Bundesländern. Einige Bundesländer planen zudem den automatischen Versand der Zertifikate für alle, die bereits zweimal geimpft worden sind. (oder bei dem Johnson & J. Impfstoff nur einmal).

Für alle Optionen gilt. Es wird langsam anlaufen und zeitweise sicher etwas holprig. Es ist für alle neu. Mitarbeiter in Apotheken, bei Ärzten und in Zentren. Bitte seien Sie nett!

Der digitale Impfpass ist eine ERGÄNZUNG, Sie haben ja auch so einen Nachweis.

Hier einmal ein Beispiel es es Kunden, welcher heute geimpft wurde. Dieser bekam im Impfzentrum den QR Code gleich mit.

Corona Warn App Impfpass Digital

5.) Digitaler Impfpass – Was muss ich mitnehmen um den neuen, digitalen, Pass zu bekommen?

Wenn Sie eine solche Apotheke für die Ausstellung nutzen möchten, gehen Sie mit dem Originalimpfpass und einem Lichtbildausweis dort hin. Nach Vorlage der Dokumente erstellt die Apotheke dann einen QR Code, welchen Sie mit den Apps (Siehe Punkt 7) scannen können und dann nutzen.

Generell gelten erstmal auch die gleichen Voraussetzungen für Ärzte und Impfzentren. Einige haben die Informationen auch vor Ort gespeichert und wenn es Ihr Hausarzt ist, sollte der auch eine Krankenakte mit den Daten haben. Bei allen schadet es nicht, einfach den Nachweis der erfolgten Impfungen und einen Ausweis mitzunehmen. Spart Zeit für alle und macht es einfacher.

6.) Digitaler Impfpass – Was, wenn ich kein Smartphone habe?

Dann haben Sie keins und müssen sich auch keins kaufen. Wie bereits unter 2.) und 3.) beschrieben wird niemand gezwungen das Zertifikat digital zu nutzen. Es ist eine ERGÄNZUNG zu den bisherigen Möglichkeiten und kein Ersatz. Daher nutzen Sie ganz beruhigt einfach die beiden anderen Optionen weiter.

Für den Impfausweis ist eine Hülle (Hüllen für Impfausweis bei Amazon) vielleicht ganz hilfreich, die kostet nur ein paar Euro und schützt den Pass, damit er nach vielem Vorzeigen nicht so zerfleddert aussieht wie mein alter Reisepass.

7.) Digitaler Impfpass – Welche Apps kann ich nutzen, um den Pass anzuzeigen?

Nach aktuellem Stand gibt es dazu mehrere Möglichkeiten. Je nachdem welches Smartphone-Betriebssystem Sie nutzen, können Sie auch hier unter Alternativen auswählen.

Zuerst einmal die Corona Warn App des Bundes. Diese bietet in der aktuellen Version für Apple iOS Geräte schon eine solche Funktion an.

Download der CORONA WARN APP für APPLE Geräte

In der Android Version ist ebenfalls ein Update angekündigt vorhanden. Jetzt lässt sich das digitale Impfzertifikat auch hier einfügen. Danke H. für den Hinweis.

Download der CORONA WARN APP für Android Geräte

Haben Sie die App(s) schon, dann hilft ein Update.

Eine Möglichkeit ist die neue

CovPass App. Auch diese zeigt das digitale Zertifikat an und erfüllt somit als eigenständige App die Funktion.

CovPass App für Apple Geräte, hier für Android Geräte

und hier für HUAWEI Geräte

Also, lassen wir Ärzten und Apotheken noch ein, zwei, drei Tage Zeit und überrennen Sie nicht alle gleich heute. Mit etwas Vorbereitung bekommt jeder seinen Pass und langfristig auch hoffentlich jeder der mag seine Impfung.

In der Suche (siehe Punkt 1) sieht das bei mir dann so aus:

Digitaler Impfpass Rügen Apotheke

8.) Digitaler Impfpass – Wann kann ich den Pass bekommen?

Generell ist der Pass dann vollständig, wenn die vollständige Impfung abgeschlossen ist. Dabei muss es sich um einen, in der EU (von der EMA) zugelassenen Impfstoff handeln. Bei Biontech/Pfizer und Moderna also nach der zweiten Impfung, bei Johnson & J. nach der ersten Impfung. Danach müssen noch 2 Wochen vergehen, um den entsprechenden Schutz aufzubauen.

Aber: Auch bei erst einer erfolgten Impfung, lässt sich die schon eintragen. Aus Erfahrung von Lesern heute, verlangen einige Apotheken hier einen Zeitraum von 21 Tagen nach der ersten Impfung. Warum es sinnvoll sein kann? Es gibt Länder, welche auch nach der ersten Impfung selbst schon Vorteile (weniger Testen, mehr Freiheiten) ermöglichen. So zum Beispiel Österreich und Tschechien. Daher, wenn Sie die erste Impfung habt und auf die zweite wartet, diese lässt sich schon eintragen.

10.
Juni '21

Durch Vorauszahlung der Krankenversicherung (PKV) kräftig Steuern sparen


Durch die Vorauszahlung der Krankenversicherung lassen sich bei vielen Versicherten beachtliche Summen sparen. Sogar zweistellige Renditen sind hier (abhängig von Steuersatz und persönlicher Situation) keine Seltenheit. Das Thema ist nicht nur jedes Jahr aufs Neue interessant, sondern wird leider oft bis ins Jahresende geschoben und dann unter Stress und Hektik versucht zu lösen. Warum es aber sinnvoll ist, für wen es passt und wie viel Sie denn überhaupt wann und wohin zahlen können, das schauen wir uns hier einmal genauer an.

Dabei gilt generell: Suchen Sie sich hierbei professionelle Unterstützung und lassen sich hier steuerlich von Ihrem Steuerberater beraten. Der kann zwar Ihre Krankenversicherung nicht beurteilen, das ist auch nicht seine Baustelle. Er kann und wird Ihnen aber steuerlichen Rat geben.

Ich hatte bereits im 2017 und 2018 zu der Möglichkeit geschrieben, durch eine Vorauszahlung in der privaten Krankenversicherung einiges an Geld zu sparen. Das geht nicht immer und für alle, aber für einen Teil der Versicherten bringt dieses doch einige tausend Euro an Ersparnis. (Hinweis: Bei diesem Beitrag handelt es sich um ein Update des Ursprungsbeitrages aus 2018)

Vorauszahlung der Krankenversicherung – Für wen ist diese „Modell“ geeignet?

Geeignet ist das Modell am besten für die folgenden Personengruppen:

  • – privat versicherte Beamte mit Restkostenversicherung (ergänzend zur Beihilfe)

  • Selbstständige oder Freiberufler in der PKV (mit nicht mehr abzugsfähigen sonstigen Vorsorgeaufwendungen, zum Beispiel für Unfall-/ Haftpflicht-/ Lebens- und Berufsunfähigkeitsversicherungen, Arbeitslosenversicherungen)

  • Arbeitnehmern in der PKV, wenn diese entweder ledig oder mit einer/m ebenfalls PKV Versicherten/m Partner verheiratet sind

  • – wenn im Jahr der Vorauszahlung ein hoher Grenzsteuersatz droht (zum Beispiel auch Abfindungen, Sonderzahlungen etc.)

In den meisten Fällen NICHT sinnvoll ist eine solche Vorauszahlung dann, wenn eine gesetzliche Krankenkasse besteht. Hier müssen die Beiträge vom Arbeitgeber monatlich abgeführt werden. Auch wenn ein Ehepartner gesetzlich und der andere privat versichert ist, führt es bei Zusammenveranlagung hier meist zu keinem sinnvollen Effekt.

Vorauszahlung der Krankenversicherung – Grundlage des Modells – Einkommensteuerrecht?

Erstmal muss beachtet werden, dass Beiträge zur privaten Krankenversicherung in zwei Teile aufgesplittert werden. Einen Teil bilden die Beiträge der so genannten Basisabsicherung, einen weiteren alle Mehrleistungen.

Vereinfacht gesagt muss der Versicherer berechnen, wie viel Geld Ihres Beitrages er kalkulatorisch benötigt, um die Basisabsicherung zu bieten. Danach ergeben sich die Restbeiträge, die für „Komfortleistungen“ gelten. Haben Sie sehr leistungsfähige Tarife der PKV, welche weit über der Versorgung der GKV liegen und zum Beispiel Wahlleistungen, das Einbettzimmer oder andere Vorteile bieten, dann sind diese Mehrleistungen nicht mehr Basisschutz.

Als grobe Orientierung: Bei Tarifen mit viel Leistung, liegt der Prozentsatz hier bei ca. 80%. Damit unterliegen von einem Beitrag von 800 € in der PKV, dann zum Beispiel 640 € der Basisabsicherung, der Rest nicht.Vorauszahlung der Krankenversicherung Rechner

Höchstabzugsbetragsgrenze gilt nicht für die „Beiträge zur Basisabsicherung“

Der Hintergrund des Modells ist recht einfach erklärt. Normalerweise werden die Beiträge zur Basiskranken- und Pflegepflichtversicherung steuerlich angerechnet. Auch die Beträge, welche tatsächlich ausgegeben werden und die Höchstbeiträge überschreiten werden angerechnet und haben einen steuerlichen Effekt. Das gilt aber eben nur für den Basisschutz. Ist der PKV Tarif leistungsfähiger, ist der aufgewendete Beitrag nur anteilig zu berücksichtigen.

Warum das so ist? Es ist gerecht. Denn wer nicht in der PKV versichert ist oder sich aus anderen Gründen für eine GKV plus Zusatzversicherungen entschieden hat, der bekommt auch die Beiträge für den Zusatzschutz nicht als „Basisabsicherung“ anerkannt. Daher ist es nur logisch, den Beitrag mit enthaltenen Zusatzversicherungen zu kürzen.

Auch alle anderen Versicherungen wie Arbeitslosen-, Haftpflicht- und Unfallversicherungen, Schutz gegen Berufsunfähigkeit und einige Lebensversicherungen sind theoretisch anrechenbar. Aber in der Praxis wirken sich diese meist nicht aus, da für die Steuerpflichtigen Höchstbeiträge bestehen und diese meist schon durch die Krankenversicherung dann ausgeschöpft werden.

Hier kommt nun der Effekt ins Spiel. Während die Beträge der „anderen Versicherungen“ auf 1.900 oder 2.800 € pro Jahr begrenzt sind, ist es die Basisabsicherung nicht. Keine Angst, wir machen das gleich in Zahlen.

Vorauszahlung der Krankenversicherung – ein Beispiel in Zahlen

Nehmen wir an, wir haben einen Beitrag zur PKV von 800 €, wovon 640 € auf die Basisabsicherung entfallen. Unser Selbstständige hat einen Steuersatz von 35% und keinen Anspruch auf einen Arbeitgeberzuschuss.

Für andere Versicherungen (Berufsunfähigkeit, Lebensversicherungen, Unfall- und Haftpflicht) wendet dieser jährlich nochmals 3.000 € auf.

Beispiel OHNE Vorauszahlung

Der Höchstbeitrag der abzugsfähigen Beträge liegt bei ihm bei 2.800 € pro Jahr (+ die Beträge zur Basisabsicherung). Somit kann unser Kunde hier 7.680 € (Basisabsicherung, 640 * 12) anrechnen lassen. Die anderen Versicherungen bleiben aber dabei unberücksichtigt, denn die maximalen 2.800 € sind bereits aufgebraucht.

Beispiel MIT Vorauszahlung

Zahlt der Kunde nun aber die Beiträge für ein, zwei oder maximal drei Jahre im Voraus, dann sieht die Situation etwas anders aus.

Im Jahr der Vorauszahlung kann dieser nun nicht nur die 7.680 € für das laufende Jahr zahlen, sondern auch maximal drei weitere Jahresbeiträge überweisen. Hat er diese 27.648 € auch noch und überweist diese an den Versicherer, so ist in den kommenden Jahren KEINE Beitragszahlung der Basisabsicherung mehr nötig, ist ja schon bezahlt.

Stattdessen stehen die max. 2.800 € (oder eben 1.900 €, wenn AG Zuschuss besteht) voll für die anderen Versicherungen zur Verfügung. Es lassen sich also Beiträge steuerlich berücksichtigen, welche sonst aufgrund der maximalen Begrenzung „hinten runtergefallen wären“.

Mehr anrechenbare Beiträge = weniger zu versteuerndes Einkommen = weniger Steuern.

Bei der Vorauszahlung für EIN Jahr und der Anrechnung von somit 2.800 € mehr, bedeutet dieses eine Steuerersparnis von 980 €. (35% Steuersatz).

DAZU KOMMEN noch die Rabatte der PKV, welche einige unternehmen gewähren. (Auflistung unten) Hier sind stellenweise zwischen 4 und 0,5% Rabatt möglich.

In unserem Beispiel kommt der Versicherte somit auf eine Ersparnis von 1.417 € bei einer Vorauszahlung von nur EINEM Jahr. Auf den Jahresbetrag von 9.600 € (der durch Rabatt nur bei 9.216 € lag), ergibt das einen „Gewinn“ von 14,8%.

„Spielt“ der Kunde das Modell mit einer 3-Jahresvorauszahlung, so bleiben ganze 4.253 € Ersparnis übrig. Bezogen auf den (rabattierten) Vorauszahlungsbetrag somit 15,38%.

Vorauszahlung der Krankenversicherung – Vorteile 

  • – Je nach Versicherer erhalten Sie bis zu 4% Skonto, wenn die Beiträge vorausgezahlt werden, einige Versicherer geben aber auch keinen Rabatt

  • bei Arbeitnehmern wirkt der Rabatt doppelt, denn auch auf den AG Anteil gibt es den, denn den Arbeitgeberzuschuss bekommen Sie weiterhin monatlich.

  • – dazu kommt- je nach persönlichen Verhältnissen- eine Steuerersparnis in nicht unerheblicher Höhe

  • – bei einer Änderung des Vertrages (Beitragsanpassung oder auch Kündigung der PKV) ergeben sich Änderungen

  • – Endet der PKV Vertrag, gibt es aber alle zu viel gezahlten Beiträge auch wieder zurück, es ist also nur ein GUTHABEN bei der PKV

Vorauszahlung der Krankenversicherung – Nachteile

  • – Kapital muss da sein und muss bis Mitte Dezember an den Versicherer überwiesen werden

  • – maximal lassen sich DREI Jahresbeiträge (also 36 Monate) die Beiträge vorauszahlen

  • – auch der Arbeitgeberanteil muss vorausgezahlt werden

  • – nur sinnvoll, wenn andere Vorsorgeaufwendungen vorhanden sind (Arbeitslosen-, Haftpflicht-, Unfall- oder Berufsunfähigkeitsversicherungen, Komfortleistungen aus der PKV, Krankentagegeldschutz und einige Lebensversicherungen)

Wo liegen die Höchstbeiträge für die „übrigen Vorsorgeaufwendungen“?

Um den für Sie richtigen Höchstbeitrag zu ermitteln, ist zunächst eine Frage wichtig.

Sind Sie Beihilfeberechtigte(r) oder Arbeitnehmer mit einem steuerfreien AG Zuschuss?

Dann gelten für Sie maximal 1.900 EUR pro Jahr als Höchstbetrag.

Sind Sie Steuerpflichtige(r) und zahlen die Beiträge zur Krankenversicherung allein?

Dann beträgt Ihr Höchstbetrag der abzugsfähigen Vorsorgeaufwendungen 2.800 EUR pro Jahr.

Bei zusammen veranlagten Ehepartnern wird zunächst für jeden Ehegatten nach dessen persönlichen Verhältnissen der Freibetrag bestimmt. Diese werden dann zu dem gemeinsamen Höchstbetrag addiert.

Ist einer selbstständig und einer Angestellt, sind es also 2.800 + 1.900 EUR = 4.700 EUR. Bei zwei Angestellten dann 1.900 + 1.900 EUR = 3.800 EUR und so weiter.

Vorauszahlung der Krankenversicherung – Arbeitnehmer mit steuerfreiem Arbeitgeberzuschuss mit niedrigeren Abzugsbeträgen

Bekommen Sie noch bis zur Hälfte des PKV Beitrages von Ihrem Arbeitgeber erstattet, so wird der Höchstbetrag für die anderen Versicherungen von 2.800 € auf 1.900 € reduziert. Nehmen wir sonst gleiche Voraussetzungen an, wie unser selbstständiger Musterkunde vorhin, so ergeben sich folgende Beträge:

  • – bei einem Jahr Vorauszahlung: 1.085 €
  • – bei drei Jahren Vorauszahlung: 3.256,73 €

Der Rabatt, welchen die Krankenversicherung gibt, steht Ihnen aber allein zu. Der Arbeitgeber zahlt weiter normal monatlich seinen Zuschuss zur PKV.

Zur besseren Darstellung finden Sie einen kleinen Modellrechner, welchen Sie für eine erste Übersicht nutzen können. Dieser Rechner und auch der Artikel können und sollen keineswegs eine steuerliche Beratung ersetzen, sondern geben Ihnen einen Anhaltspunkt der Auswirkungen. Bei steuerlichen Fragen stehen Ihnen Ihr Steuerberater oder andere zur Steuerberatung berechtigte Personen zur Verfügung, bitte wenden Sie sich dann an diese.

Modellrechner PKV Vorauszahlung HIER ALS Excel Datei herunterladen

Vorauszahlung Krankenversicherung Angestellter

Zählen auch Beiträge meiner Kinder dazu?

Ja, wenn die Kinder (für deren Unterhalt Sie verantwortlich sind) in der privaten Krankenversicherung versichert sind, dann sind auch deren Beiträge (für die Sie dann aufkommen müssen) steuerlich berücksichtigungsfähig. Somit wirkt sich eine Vorauszahlung dort auch entsprechend aus.

Was passiert bei einer Beitragsanpassung?

Muss der Krankenversicherer den Beitrag anpassen, so ändert auch eine bereits geleistete Vorauszahlung nichts. Die Anpassung gilt auch für die Beiträge, welche bereits bezahlt wurden. Dabei erhalten die Kunden dann eine Nachberechnung über den Betrag, der der Erhöhung entspricht und zahlen den dann entweder nach (was aber meist nicht sinnvoll ist) oder die Vorauszahlung verkürzt sich um den entsprechenden Betrag. Dann wären zum Beispiel statt 30 nur 28 Beiträge vorausgezahlt, je nachdem wie die Anpassung ausfällt. In dem Jahr, in dem die Anrechnungsbeträge für andere Versicherungen genutzt werden, sollte dann auch ein solcher Betrag nicht nachgezahlt werden.

Bekomme ich den Arbeitgeberanteil weiter?

Klar, denn nur weil Sie etwas vorauszahlen, ändert sich an dem Zuschuss des Arbeitgebers natürlich nichts. Hier zahlt dieser ihnen weiter den monatlich steuerfreien Zuschuss auf Ihr Gehalt.

Achtung: Bei Arbeitnehmern ist dieses- wie oben erwähnt- dann eine steuerfreie Einnahme in dem jeweiligen Jahr wo keine KV Beiträge gezahlt werden. Diese meldet der Arbeitgeber aber automatisch an das Finanzamt.

Vorauszahlung der Krankenversicherung – Was muss ich bis wann tun?

Bei den meisten Gesellschaften liegt die Frist MITTE DEZEMBER. Bis zu dem Datum müssen auch die Beträge bezahlt sein, damit diese noch steuerlich wirken sollen. Daher wenden Sie sich möglichst schnell an die Gesellschaft und fragen die genauen Beträge an.

Zunächst einmal können Sie überschlägig selbst ermitteln, welche Liquidität hierzu erforderlich ist. Ist diese vorhanden und können Sie diese auch kurzfristig an den Versicherer überweisen, so gehen Sie am besten wie folgt vor.

Für die Anfrage per Mail/ Fax können Sie folgendes Muster verwenden:

„Sehr geehrte Damen und Herren,

ich möchte bei meinem Vertrag zur privaten Krankenversicherung mit der Versicherungsnummer: ________ die Vorauszahlung nutzen. Bitte teilen Sie mir mit, in welchem Umfang dieses bei Ihnen möglich ist und beantworten die folgenden Fragen:

1.) Wie hoch ist der Nachlass bei jährlicher Zahlweise?
2.) Für welchen Zeitraum ist eine Vorauszahlung der Beiträge zur PKV und Pflege maximal in meinem Vertrag möglich?
3.) Bitte nennen Sie mir die Vorauszahlungsbeträge für die a.) Vorauszahlung für ein Jahr und b.) maximal mögliche Vorauszahlung.
4.) Bis zu welchem Termin muss der Betrag bei Ihnen eingehen?
5.) Bitte nennen Sie mir eine Bankverbindung oder teilen Sie mir mit, wie ich eine geänderte Lastschrift bei Ihnen beauftragen kann.
Für Ihre Mühe vielen Dank!

Die Antwort können Sie mir, aufgrund der knappen Frist bis zum Jahresende, auch gern per E-Mail an: _______ zukommen lassen.

Mit freundlichen Grüßen

XXX“

Nachdem Sie die Antworten und Beträge erhalten haben, weisen Sie den Betrag entsprechend an und lehnen sich zurück. Viel Erfolg!

(PS: Wer solche Vorauszahlung schon nutzt, posten Sie gern die gewährten Rabatte und maximalen Vorauszahlungen hier unter dem Beitrag als Kommentar, so sammeln wir diese mal branchenweit)

ARAG, BARMENIA, NÜRNBERGER KV = 4% Nachlass

CONCORDIA, HALLESCHE, HANSE MERKUR, MÜNCHENER VEREIN = 3% Nachlass

AXA = 2% Nachlass

SDK, SIGNAL = 1% Nachlass

RuV = 0,5% Nachlass

KEIN NACHLASS geben derzeit: ALLIANZ. ALTE OLDENBURGER, BBKK, UKV, Debeka, DKV, LKH, UNIVERSA

Grundlage ist unter anderem der §10 Abs. 1 Nr. 3 EStG. Die Erklärungen können Sie in den Ausführungen des Bundesfinanzministeriums nachlesen:

26.
Mai '21

Kopie der Krankenakte und der Patientenunterlagen nach Schließung der Praxis


Ärztliche Unterlagen sind wichtig und können auch nach Jahren in der Verlaufskontrolle oder bei der Diagnose und Anamnese sehr wichtig werden. Die eigene Krankenakte anfordern ist daher eine wichtige Tätigkeit. Nicht nur Versicherungen benötigen ggf. zur Prüfung von Leistungsansprüchen eine Auskunft zu Behandlungen vor Antragstellung oder eine Information zu einem Krankheitsverlauf, auch Patienten und neue Behandler benötigen diese.

Zuerst einmal ist es wichtig zu wissen, wie Sie überhaupt an eine Krankenakte kommen. Dazu habe ich Ihnen in zwei Beiträgen MUSTERFORMULARE zur Anforderung der Krankenakte und auch detaillierte Informationen zusammengestellt.

So kommen Sie an eine Kopie Ihrer Krankenakte/ der Patientenunterlagen

–> Anforderung der Krankenakte in Kopie für Sie oder den neuen Arzt

Grundlage ist hier §10 Berufsordnung der Ärzte und §630g BGB

–> Anforderung der Krankenakte als kostenlose Kopie

Grundlage ist hier die Datenschutzgrundverordnung (DSGVO)

–> Musterformulare und Anschreiben zur Anforderung der Kopie der Patientenunterlagen

–> Was Sie tun können, wenn der Arzt die Herausgabe verweigert oder Sie zum persönlichen Vorbeikommen auffordert

Doch nachdem das alles ganz wunderbar bei Ärzten und Krankenhäusern funktioniert und auch meist nicht zu großen Problemen führt, erwartet uns in Zukunft immer Häufiger ein anderes Problem. Die Ärzte werden immer älter und finden immer weniger Nachfolger. Praxen bleiben leer oder werden durch neue Kollegen übernommen und diese erhalten nicht immer alle Akten. Daher ist es wichtig zu wissen, wo denn nun die Krankenakten gelagert sind und wie Sie an diese kommen.

Praxis geschlossen – Krankenakte verloren?

Zunächst einmal legt der Gesetzgeber dem Arzt zahlreiche Dokumentations- und Informationspflichten auf und viele Ärzte kommen diese gewissenhaft und problemlos nach. Doch auch Ärzte sind nur Menschen und werden einmal schwer krank, haben Unfälle oder schließen Praxen aus Altersgründen. Daher ist es hier wichtig und gut zu wissen, wie Sie dann immer noch an eine Akte kommen und welche gesetzlichen Grundlagen hier gelten.

Auch sind die Zuständigkeiten nicht klar. Wenn eine Arztpraxis plötzlich nicht mehr existiert und nicht gerade im Wohnhaus des Arztes untergebracht war und somit der Arzt noch erreichbar ist, dann wird es schnell zu einem Problem. Neben den Kassenärztlichen Vereinigungen oder den Ärztekammern gilt es hier einen Kontakt zu finden. Daher schauen wir uns zwei Fälle getrennt an. Einmal den der regulären Schließung und einmal den der Übergabe der Praxis.

Ein Bundesland, nämlich Rheinland-Pfalz hat hier eine Regelung in sein Heilberufsgesetz geschrieben, welches hier helfen soll. Dort heulst es in Paragraph 22:

(2) Die Kammermitglieder haben beim Ausscheiden aus einer eigenen Niederlassungg oder bei deren Schließung dafür zu sorgen, dass die in Ausübung ihres Berufs gefertigten medizinischen und pflegerischen Aufzeichnungen und sonstigen dort vorhandenen Patientenunterlagen nach den Vorschriften der Schweigepflicht und des Datenschutzes untergebracht und nur für Berechtigte zugänglich gemacht werden. Kommt ein Kammermitglied dieser Pflicht nicht nach, ist die Kammer verpflichtet, die Unterlagen im Rahmen der Verwaltungsvollstreckung zu verwahren und zu verwalten. Die Kammern können auch gemeinsame Einrichtungen zur Aufbewahrung und Verwaltung errichten oder nutzen; das Nähere regelt die Satzung.

Praxis an neuen Arzt übergeben

Sollte der neue Arzt eine bestehende Praxis übernommen haben, so können hier meist auch die Patientenakten weiter eingesehen werden. Jedoch ist es datenschutzrechtlich nicht einfach möglich, dass hier der alte Arzt es einfach an den neuen übergibt. Es könnte ja sein, dass Sie als Patient oder Patientin gerade diesem Arzt keine Einsicht geben möchten. Daher sind hier Lösungen wie geschützte Datenräume (physisch wie virtuell) denkbar und werden teilweise auch so praktiziert. Dabei werden die Akten unter Verschluss gehalten, bis Sie dem neuen Arzt die Verwendung gestatten.

(mehr …)

09.
März '21

Rückwirkend versicherungspflichtig in der GKV- was wird nun mit der Privaten Krankenversicherung?


Ein immer wieder auftretendes Problem und eine der oft gestellten Fragen im LiveChat betrifft das Thema „rückwirkend versicherungspflichtig“? Zunächst stellt sich die Frage, wie jemand überhaupt in eine solche Situation kommen kann, denn eigentlich kann man ja nur gesetzlich oder privat kranken(voll)versichert sein und nicht beides gleichzeitig. Da das Thema in jedem Jahr erneut aufkommt und es tausende Euro Nachzahlungen erfordern kann, überarbeite ich hier einen fast sieben Jahre alten Artikel nochmals und ergänze den mit aktuellen Beispielen und Zahlen. Die Situation rückwirkend versicherungspflichtig zu sein oder zu werden ist weiterhin gleich.

Dabei passiert das im Wesentlichen in zwei unterschiedlichen Situationen. Einmal werden Arbeitnehmer rückwirkend versicherungspflichtig, wenn sich bei einer Sozialversicherungsprüfung des Arbeitgebers eine falsche Meldung und Erfassung herausstellt. Andererseits werden Gesellschafter und Geschäftsführer rückwirkend versicherungspflichtig, wenn hier von einer „Selbstständigkeit“ oder zumindest nicht Sozialversicherungspflicht ausgegangen wurde, diese aber nicht zutrifft. Für beide ist die Situation vergleichbar in vielen Punkten, aber dennoch unterscheiden sich die finanziellen und SV-rechtlichen Folgen. Auch die Frage, was mit doppelt gezahlten Beiträgen denn nun wird und wer haftbar ist, beschäftigt viele.

Rückwirkend versicherungspflichtig – als Arbeitnehmer

Auch wenn der Fall schon einige Jahre alt ist, gilt dieser auch heute genauso und führt auch jetzt noch zu identischen Ergebnissen. Unser Arbeitnehmer war bei einem Softwareunternehmen angestellt und bezog Gehalt. Schon vor der Tätigkeit dort, hatte er eine andere Beschäftigung und wart auch dort in der privaten Krankenversicherung (PKV) versichert. Nach dem Wechsel zum neuen Arbeitgeber, wollte er auch dableiben. Also, ab in die Gehaltsverhandlungen mit dem neuen „Chef“. Klar war Hr. S. sich darüber, dass sein Gehalt über der Jahresarbeitentgeltgrenze, der sogenannten JAEG, liegen muss. Diese ändert sich Jahr für Jahr.

Im Jahr 2021 ist diese, wie in den Vorjahren, leicht angestiegen und liegt nun bei 64.350 € Bruttojahreseinkommen. Liegt ein Angestellter UNTER dieser Grenze, dann ist er automatisch und ohne Wahlrecht in der gesetzlichen Krankenkasse pflichtversichert, liegt er darüber, kann er wählen. Doch um zu beurteilen was individuell zutrifft, ist eine ganz andere Frage entscheidend.

Was gehört zur Jahresentgeltgrenze, welche Einkommensbestandteile zählen denn dazu?

Wenn Sie den Link nutzen, dann kommen Sie dort zu einer Aufzählung und auch Beispielen. Wichtig ist noch zu wissen, der Arbeitgeber ist für die Meldung verantwortlich und haftet zunächst einmal auch dafür. (was bei Nachzahlungen dennoch zu gemeinsamer Pflicht führt, dazu aber später mehr)

Aber zurück zu Hr. S. In den Gehaltsverhandlungen wurde man sich einig. Es gab Bonusvereinbarungen, Sonderzahlungen und sogar einen Firmenwagen. Für diesen zahlte unser Arbeitnehmer den so genannten geldwerten Vorteil. Die private Krankenversicherung unseres Kunden freute auch den Arbeitgeber. Denn da der Beitrag in der privaten Versicherung die 768 € pro Monat (ohne Pflegeversicherung) in 2021 nicht erreichte, sparte auch der Arbeitgeber etwas an Zuschuss zur Krankenversicherung. Die genauen Zahlen und Grenzen finden Sie in dem Beitrag:

Sozialversicherungswerte 2021 – Arbeitgeberzuschuss, JAEG und Beitragsbemessungsgrenzen

Doch es kam, wie es kommen musste, sonst wäre der Fall hier nicht unser Beispiel. Kaum ein Jahr nach Beginn der Beschäftigung bekam der Arbeitgeber Post. Die Rentenversicherung Bund wollte eine Prüfung durchführen. Das ist nichts Ungewöhnliches, den Arbeitgeber oder Arbeitnehmer hat auch niemand „angeschwärzt“, sondern diese regelmäßige Prüfung findet immer mal wieder statt. Dabei gibt es keine Garantie wann, aber irgendwann ist jeder Arbeitgeber einmal an der Reihe. Die Grundalge für eine solche Prüfung Bildes das Sozialgesetzbuch Nummer Vier. In dem schönen Paragrafen 28p heißt es dann also:

§ 28p SGB IV Prüfung bei den Arbeitgebern

(1) Die Träger der Rentenversicherung prüfen bei den Arbeitgebern, ob diese ihre Meldepflichten und ihre sonstigen Pflichten nach diesem Gesetzbuch, die im Zusammenhang mit dem Gesamtsozialversicherungsbeitrag stehen, ordnungsgemäß erfüllen; sie prüfen insbesondere die Richtigkeit der Beitragszahlungen und der Meldungen (§ 28a) mindestens alle vier Jahre. Die Prüfung soll in kürzeren Zeitabständen erfolgen, wenn der Arbeitgeber dies verlangt. Die Einzugsstelle unterrichtet den für den Arbeitgeber zuständigen Träger der Rentenversicherung, wenn sie eine alsbaldige Prüfung bei dem Arbeitgeber für erforderlich hält.

Die Prüfung umfasst auch die Entgeltunterlagen der Beschäftigten, für die Beiträge nicht gezahlt wurden. Die Träger der Rentenversicherung erlassen im Rahmen der Prüfung Verwaltungsakte zur Versicherungspflicht und Beitragshöhe in der Kranken-, Pflege- und Rentenversicherung sowie nach dem Recht der Arbeitsförderung einschließlich der Widerspruchsbescheide gegenüber den Arbeitgebern; insoweit gelten § 28h Absatz 2 sowie § 93 in Verbindung mit § 89 Absatz 5 des Zehnten Buches nicht. Die landwirtschaftliche Krankenkasse nimmt abweichend von Satz 1 die Prüfung für die bei ihr versicherten mitarbeitenden Familienangehörigen vor.

(1a) Die Prüfung nach Absatz 1 umfasst die ordnungsgemäße Erfüllung der Meldepflichten nach dem Künstlersozialversicherungsgesetz und die rechtzeitige und vollständige Entrichtung der Künstlersozialabgabe durch die Arbeitgeber. Die Prüfung erfolgt 1. mindestens alle vier Jahre bei den Arbeitgebern, die als abgabepflichtige Unternehmer nach § 24 des Künstlersozialversicherungsgesetzes bei der Künstlersozialkasse erfasst wurden, 2. mindestens alle vier Jahre bei den Arbeitgebern mit mehr als 19 Beschäftigten und 3. bei mindestens 40 Prozent der im jeweiligen Kalenderjahr zur Prüfung nach Absatz 1 anstehenden Arbeitgeber mit weniger als 20 Beschäftigten.

Zusammengefasst. Mindestens alle vier Jahre soll geprüft werden. Möchte der Arbeitgeber es vorher (auch um mehr Sicherheit zu haben), kann er dieses verlangen und es soll ermöglicht werden. Auch ein Steuerberater ist hier kein so guter Ratgeber. Von vielen Fällen, die bei mir so landen, hatten die Steuerberater auch wenig Ahnung. Das heißt keineswegs, dass Sie diesen nicht fragen können und dass ein Lohnbüro es nicht wissen kann, ist aber oft eben nicht so.

Lohnbüro, Steuerberater, oder wer auch immer schuld

Unser Arbeitgeber war also davon ausgegangen (weil er falsche Lohnbestandteile dazu gerechnet hatte), dass Hr. S. über der JAEG liegt und damit freiwillig versichert ist. Somit konnte er- nach Auffassung beider- in der Privaten Krankenversicherung (PKV) versichert werden, bzw. bleiben. Beiträge an die gesetzliche Krankenkasse wurden also, anders im Vergleich zu Beiträgen zur Arbeitslosen- und Rentenversicherung, hier nicht abgeführt.

Das sahen die Prüfer am Ende leider anders. Denn im Ergebnis der Prüfung wurde ein Bescheid erlassen, welcher Hr. S. als Pflichtmitglied in der gesetzlichen Krankenkasse sah und dieses auch bestätigte. Auch ein Widerspruch und eine neue Prüfung brachten hier nichts, es blieb bei der rückwirkenden Pflicht zur gesetzlichen Krankenversicherung. Der Arbeitgeber hatte sich geirrt und Fahrtkosten, Überstunden und nicht garantierte, erfolgsabhängige Leistungen im Entgelt berücksichtigt.

Auch die, bei Beginn des Arbeitsverhältnisses abgeschlossene, Direktversicherung wurde nicht korrekt berücksichtigt. Diese mindert das SV-pflichtige Einkommen (das ist ja unter anderem einer der Vorteile, Zahlung aus dem Brutto) und führt damit zur Versicherungspflicht. Auch wenn der Artikel dazu schon älter ist, lesen Sie gern einmal den:

Lesetipp: Wie der Abschluss oder die Erhöhung einer Direktversicherung Sie rückwirkend versicherungspflichtig macht

Die Folge für unseren Hr. S.? Er muss rückwirkend zurück in die gesetzliche Krankenkasse, welche ihn auch aufnehmen muss. Einen Grund zur Ablehnung hat diese Kasse nicht. Hr. S. muss sich also rückwirkend für eine gesetzliche Krankenkasse entscheiden und diese dem Arbeitgeber mitteilen. Tut er das nicht, muss der Arbeitgeber eine Wahl treffen und die Beiträge nachträglich dort abführen. Im Bescheid sieht das dann so aus:

rückwirkend versicherungspflichtig

Doch nun geht der Aufwand und Ärger erst los. Der Arbeitgeber erhält mit dem Bescheid eine Aufforderung und Berechnung der Nachzahlung. Binnen eines Monats muss dieser nun dafür sorgen, dass Beiträge abgeführt werden, teilweise eben Jahre zurück. Schauen wir uns das einmal in Zahlen (am Beispiel 2020) an. Dabei sind die Beträge beachtlich. So ergeben sich (geschätzt) folgende Werte:

SV pflichtiges Bruttoeinkommen 01. 01. bis 31.12. 4.980 EUR monatlich (p.a. 59.760 EUR)

abzuführende Beiträge für die gesetzliche Krankenkasse (GKV) 14,6% (gesamt AG+AN) = 727,08 EUR

abzuführen für den GKV Zusatzbeitrag (bei der gewählten Kasse 1%) (gesamt AG+AN) = 49,80 EUR

abzuführende Beiträge Pflege Vers. 3,05% (gesamt AG+AN, AN hat Kinder) = 151,89 EUR

monatlich nicht abgeführt sind somit 928,77 EUR bzw. für das Jahr 11.145,24 EUR

Zusätzlich hat der Arbeitgeber bereits an den AN für die PKV einen Zuschuss von 3.600 € (300 EUR * 12) gezahlt. Dieses hätte er nicht tun dürfen und weiterhin wären von den 11.145,24 € die Hälfte dem Arbeitnehmer vom Lohn abzuziehen gewesen.

Zusammengefasst bedeutet das also: Der Arbeitgeber hat dem Arbeitnehmer falsch, 3.600 € steuerfreien Zuschuss zur Privaten Krankenversicherung ausgezahlt. Der Arbeitnehmer hat seine PKV komplett aus eigenen Mitteln + Zuschuss bezahlt und diese auch genutzt bzw. gehabt. Dabei spielt es erstmal keine Rolle, ob er krank ist.

Was passiert nun?

Der Arbeitgeber will nun erstmal den Arbeitgeberzuschuss zurückhaben. Weiterhin von den 11.145,24 €, die er an die Krankenkasse überweisen muss, ebenso die Hälfte, denn die schuldet der Arbeitnehmer. Zunächst einmal kommt der AG, wenn der Bescheid rechtskräftig ist, um eine Nachzahlung nicht drum herum. Der Arbeitnehmer hat aber noch ein anderes Problem. Zum einen hat er solche Beträge im Zweifel nicht mal so herumliegen, um diese binnen eines Monats an den AG zu erstatten, zum anderen hat er ja auch monatlich 600 EUR an seine private Krankenversicherung gezahlt, in gutem Glauben, das der Vertrag so richtig besteht.

Wäre er krank gewesen oder hat er sogar Leistungen eingereicht, so hat der Versicherer hier auch entsprechenden Schutz geboten, denn auch der hatte rechtmäßig einen Vertrag mit dem Kunden. Theoretisch kann sogar (wenn sich das jemand leisten kann und will) beides bestehen, also eine Gesetzliche Krankenkasse und eine private Krankenversicherung. (sollten Sie so etwas machen wollen, lassen Sie sich beraten und passen bitte auf, wer wann informiert werden muss!)

Rückwirkend versicherungspflichtig – PKV kann mir das ja erstatten, oder doch nicht?

Daraufhin schickte der Arbeitnehmer diese Informationen gleich an seine PKV und wollte die Beiträge von denen erstattet haben. Schließlich konnte er nicht wissen, dass er nicht in der PKV bleiben konnte und Rechnungen habe er auch keine eingereicht. Zur Verwunderung bestätigte ihm aber die Private Krankenversicherung (PKV) nur, dass diese jetzt, nach Kenntnis der Versicherungspflicht, den Vertrag aufheben wollen und eine Rückerstattung der Beiträge für das Jahr 2020 käme so gar nicht infrage, „leider könne man da nichts machen“, so schrieb ihm die PKV freundlich, aber bestimmt.

Unser Hr. S. staunte nicht schlecht. Es kann doch nicht sein, dass er nun zahlen soll, die „böse PKV“ aber das Geld behalten will und ihm so gar nichts erstatten muss? So geht das nicht und die Aufregung nahm seinen Lauf.

Ach du Schreck- und nun? Wer hat denn nun recht?

Recht hat in dem Fall die private Krankenversicherung, denn der Vertrag mit dieser ist rechtmäßig zu Stande gekommen und bestand ohne Einschränkung. Daher hat der Kunde (außer aus Kulanz) keine Chance die Beiträge für die PKV erstattet zu bekommen, die Beiträge zur GKV muss er aber dennoch nachzahlen.

Versetzen wir uns einmal in die Lage des Krankenversicherers und auch des Kunden. Was wäre passiert, wäre der Kunde dann ins Krankenhaus gekommen und hätte die PKV gefragt. Klar hätten diese leisten müssen, diese waren „im Risiko“ und haben dafür gesorgt, dass Gesundheitskosten wie vertraglich vereinbart übernommen werden. Auch die PKV kann im Leistungsfall nicht einfach sagen „ach, erstmal schauen wir ob vielleicht doch eine Pflicht zur GLV vorliegt, solange zahlen wir nichts!“. Dann wäre unser Hr. S. ebenso sauer und verärgert. Er hat also einen Vertrag geschlossen, den hat der Krankenversicherer angenommen und eingehalten. Also stehen ihm hierzu auch die Prämien zu.

Ob jetzt der Arbeitgeber, der Arbeitnehmer, das Steuerbüro oder sonst jemand dafür verantwortlich ist das es so kam, spielt hierbei keine Rolle. Der Krankenversicherer hat rechtmäßig nach Bekanntwerden der Versicherungspflicht und des entsprechenden Nachweises den Vertrag zum 31. 3. beendet. Grundlage hierfür ist der §13.3 der Musterbedingungen der Privaten Krankenversicherung (MB/KK)

Später kann der Versicherungsnehmer die Krankheitskostenversicherung oder eine dafür bestehende Anwartschaftsversicherung zum Ende des Monats kündigen, in dem er den Eintritt der Versicherungspflicht nachweist. Dem Versicherer steht der Beitrag in diesem Fall bis zum Ende des Versicherungsvertrages zu.

Den Nachweis der Versicherungspflicht hat unser Arbeitnehmer nun erbracht, denn eine gesetzliche Kasse hat ihm eine Annahmebestätigung ausgestellt und die Erfüllung der GKV Pflicht und der Versicherungspflicht im Allgemeinen nachgewiesen. Das ändert aber an der Situation erstmal wenig, denn Beiträge in der PKV sind gezahlt, der Arbeitgeber will den Zuschuss weiter zurück und die GKV will Beiträge.

Auch wenn unser Hr. S. nicht verstehen kann, warum er nun in eine gesetzliche Kasse rückwirkend Beiträge zahlen soll, wo er doch gar nicht krank werden kann rückwirkend und auch garantiert keinerlei Leistungen aus der GKV mehr bekommen kann. Selbst Arztbesuche in der Vergangenheit lassen sich nicht mehr von „Privatabrechnung“ in eine „GKV Abrechnung“ ändern. Auch der Arzt kann nämlich darauf vertrauen, dass die Angaben des Kunden richtig sind, wenn er die Praxis aufsucht. Auch lassen sich einige Privatpraxen von Kassenpatienten gar nicht erst aufsuchen. Mehr dazu im Beitrag „Als Kassenpatient in eine Privatpraxis, was zahlt meine Kasse?

Rückwirkend versicherungspflichtig – was kann unser Arbeitgeber und der Arbeitnehmer nun noch machen?

Als Arbeitgeber können Sie zunächst nichts mit / bei dem PKV Vertrag unternehmen, denn Sie sind nicht Vertragspartner des Versicherers. Für den Arbeitgeber gelten die Regelungen im Bescheid der Rentenversicherung und der dort enthaltenen Regelungen. Der Arbeitgeber muss somit erstmal nachzahlen.

Klar kann dieser auch Beiträge mit dem Lohnbüro verrechnen lassen und sich so das Geld schnell beim Arbeitnehmer zurückholen. So wird einfach mit laufendem Lohn verrechnet, was den Arbeitnehmer in Bedrängnis bringen kann. Daher gilt hier ggf. gemeinsam nach Lösungen zu suchen. Ratenzahlungen bei der Rentenversicherung zu vereinbaren, dann ebenfalls Vereinbarungen zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer. Problematischer wird es dann noch, wenn der Versicherte vielleicht gar nicht mehr beschäftigt ist, dann endet es leider oft in Gerichtsverfahren und bösem Streit, obwohl die Regelungen eindeutig sind.

Der Versicherungsnehmer, der Arbeitnehmer sollte den Versicherer zunächst schnellstmöglich von der eingetretenen Versicherungspflicht in Kenntnis setzen und hier erstmal darüber sorgen, dass nicht noch weitere Beiträge anfallen. Im zweiten Schritt geht es um die Frage einer gemeinsamen, vielleicht kulanten Lösung. Das bedeutet nicht, dass Kulanz hier bedeutet der Kunde bekommt alle Beiträge zurück, der Versicherer ggf. Beitragsrückerstattung oder erstattete Leistungen. Sondern eine gemeinsame Lösung muss das Ziel sein. Ich habe in den letzten zwanzig Jahren einige solcher Fälle gesehen und erlebt. Von vollständigen Erstattungen aller Beiträge (in sehr großen Ausnahmen), über eine „halbe-halbe“ Lösung und damit einer Teilerstattung, bis hin zur kompletten Ablehnung habe ich alles gesehen. Dazwischen gibt es Modalitäten wie „wir erstatten anteilig die Beiträge, verrechnen aber Rückerstattungen und Leistungen und erwarten die Umstellung in eine Zusatzversicherung“.

Ob der Versicherer das „Spiel mitmacht“ wird von verschiedenen Faktoren abhängen. Nicht nur der bisherige Vertragsverlauf, eventuelle Beitragsrückstände etc., auch die Frage ob Leistungen eingereicht wurden spielen eine Rolle. Ist dieses der Fall, so wird es noch komplizierter und fast unmöglich Geld zurück zu erhalten. Dennoch sollten Sie wissen, wo Sie stehen. Auch ein Anwalt ist hier nicht immer die beste Lösung. Ich habe fast einmal im Monat Anfragen von Anwälten, frei nach dem Motto „was soll ich denn meinem Mandanten raten?“ oder „erstmal schreibe ich denen und wir fordern alle Beiträge zurück“.

Sorry liebe Anwälte, aber nicht immer ist der Holzhammer die beste Methode. Manchmal ist es besser, wenn der Kunde selbst etwas unternimmt, manchmal hat auch der Vertreter der Gesellschaft (wenn dort abgeschlossen) oder der Makler auf dem kurzen Weg eine Lösung. Es geht hier auch nicht um Rechtsberatung und Tätigkeiten, die weder Makler noch Vertreter darf, dennoch ist gegen ein kurzes Telefonat mit Gesellschaften (gerade, wenn man lange mit denen arbeitet) nichts einzuwenden. Klar ist aber, rechtlich muss der Versicherer hier nicht zurückzahlen, daher sollte sich auch weder Kunde noch Anwalt wie die Axt im Walde aufführen.

Rückwirkend versicherungspflichtig – Wie lassen sich solche Situationen verhindern?

Wenn Sie oder der Arbeitgeber nicht sicher sind ob ein Arbeitnehmer rückwirkend versicherungspflichtig ist oder wird, sollten Sie direkt handeln. So klären Sie dieses vor Aufnahme des Arbeitsverhältnisses verbindlich über die Rentenversicherung oder die gesetzliche Krankenkasse den Status. Das ist bürokratisch, nervig und am Ende haftet der Arbeitgeber mit. Damit haben von Beginn an alle Beteiligten ein Interesse daran, hier möglichst saubere, klare und vor allem rechtsverbindliche Lösungen zu finden und Klarheit ab Beginn zu schaffen.

Vielleicht ist das Ergebnis (GKV-Pflicht) dann nicht das gewünschte, aber alles ist besser, statt am Ende zehntausende Euro Nachzahlung zu haben. Tritt eine Pflicht ein und kann sich das vielleicht in Zukunft ändern, dann denken Optionen nach, sichern sich Ansprüche und Leistungen durch Zusatzversicherungen und einiges mehr. Kurzum: Suchen Sie sich Hilfe, lassen Sie sich beraten.

Hilfe bietet auch die Statusfeststellung der Rentenversicherung Bund, welche eine solche Situation VORAB klären kann. Alle Unterlagen, Anträge und Informationen dazu finden Sie hier:

–> Statusfeststellung Krankenversicherung

Auch wenn dieses nicht speziell für die Arbeitnehmer, sondern eher für selbstständige ist, helfen Ihnen die Anträge und dort angegebenen Kontakte auch dort weiter, auch wenn Sie angestellt sind.

Bei dem Abschluss einer betrieblichen Altersvorsorge achten Sie zudem peinlich genau darauf, ob hier keine Versicherungspflicht eintritt.

Rückwirkend versicherungspflichtig – als Gesellschafter & Geschäftsführer oder Selbstständiger

Sie haben bis hier gelesen? Glückwunsch und Danke! Sie sehen wie komplex das Thema ist, daher nehme ich den Teil für die zweite Berufsgruppe mit in einen neuen Beitrag. Wann der genau erscheinen wird, je nach Zeit, kann ich noch nicht sagen. Aber wenn, verlinke ich den hier. Einen (ganz, ganz alten Beitrag dazu schon hier, der muss aber dringend aktualisiert werden)