Archiv für die Kategorie ‘Allgemein’

23.
November '18

Dynamik – wird es dann jedes Jahr teurer und muss ich das hinnehmen?


Die Dynamik ist, auch wenn es nur ein kleiner Baustein im Vertrag ist, immer noch etwas was zu Verwirrungen führt. Aufgrund vieler Rückfragen hier einmal einige Erklärungen zur dynamischen Erhöhung, welche sich zum Beispiel in einer Berufsunfähigkeitsversicherung finden sollte.

Was ist die Dynamik?

Die dynamische Erhöhung ist nichts anderes, als ein Versprechen des Versicherers Ihnen jedes Jahr eine Dynamisierung, also eine Erhöhung des Versicherungsschutzes anzubieten. Die Betonung liegt auf anzubieten, denn es ist lediglich ein Angebot, welches der Versicherer Ihnen jährlich macht/ machen muss.

Dabei wird der monatliche Beitrag und gleichzeitig die Leistung des Vertrages (also zum Beispiel die BU Rente) um einen vorher vereinbarten Prozentsatz erhöht. Sie wissen also heute schon, wie das Angebot der Erhöhung in den nächsten Jahres aussieht. Bei einigen Unternehmen lassen sich unterschiedliche Modelle wählen.

  • – Erhöhung des Beitrages und der Leistung um X Prozent der Anfangsbeträge (Rente, Beitrag)

  • – Erhöhung um X Prozent des Vorjahresbeitrages

  • – Erhöhung um den Anstiegsbetrag der gesetzlichen Rentenversicherung

Je nachdem was vereinbart ist, bekommen Sie alle 12 Monate von Ihrem Versicherer Post mit den neuen Werten für das Folgejahr. Dieses Angebot können Sie annahmen oder ablehnen, mehr dazu und auch die zu beachtenden Punkte finden Sie weiter unten.

Sollte ich diese bei Vertragsabschluss wählen?

Ja, das sollten Sie immer. Es ist kein Nachteil eine dynamische Anpassung zu wählen. Der entscheidende Vorteil liegt aber dann in der MÖGLICHKEIT von einer Erhöhung der versicherten Rente (und natürlich des Beitrages) bei Bedarf Gebrauch zu machen. Der entscheidende und wichtigste Aspekt dabei, es ist eine Anpassung ohne neue Gesundheitsprüfung. Auch wenn Sie also krank werden, andere oder neue Gebrechen und Beschwerden dazukommen, so bekommen Sie hierfür bei Nutzung der Dynamik keinen Zuschlag, keinen Ausschluss oder sonstige Einschränkungen.

Warum ist diese Anpassung wichtig?

Dafür gibt es mehrere Gründe. Auf der einen Seite lässt sich damit die Entwertung des Geldes über die Jahre ausgleichen. So kann eine Nutzung der Dynamik verhindern, dass eine Rente von 2.000 EUR zu Beginn im weiteren Verlauf (und unter Berücksichtigung der Inflation) nur noch 1.800 EUR wert ist und irgendwann nicht mehr reicht. Der

Inflationsausgleich

ist somit ein ganz entscheidender Aspekt. Aber auch ein anderer Grund spricht für die Dynamik. Egal ob Sie tarifgebunden beschäftigt sind, oder Ihr Arbeitgeber eigene Regeln hat, eine

Einkommenssteigerung

in regelmäßigen Abständen kann auch hier ausgeglichen werden. Damit ist keineswegs ein Karrieresprung und damit sofort 200, 300, 500 EUR monatlich höherer Bedarf gemeint, aber eine normale Einkommensentwicklung ist damit schon auszugleichen. Für Karrieresprünge gibt es zum Beispiel die Nachversicherungsgarantie.

Was passiert, wenn ich diese nicht nutzen möchte?

Bei Vertragsabschluss bekommen Sie meist schon eine Tabelle, wie sich eine solche dynamische Anpassung entwickelt. Genau das verstört aber oft, denn wie oft höre ich dann „dann zahle ich ja 500 EUR für meine BU“. Klar, wenn ich jedes Jahr die Leistung mitmache dann ist das vielleicht einmal so. Eine 5% Dynamik bei einer Rente zum Start von 2.000 EUR ist dann aber auch im 10. Jahr auf 3.100 EUR gestiegen. Prozentual hat sich der Beitrag dann auch verändert, hier von 101 auf 164 EUR Zahlbeitrag. (der Unterschied zwischen Brutto- und Nettobeitrag ist hier erklärt)Setzen Sie hingegen zwei Jahre aus und machen nur einmal die Dynamik mit, dann sähe das wie folgt aus:

Dabei ist dann natürlich auch die Rente geringer, es sind nach 10 Jahren nur 2.389 EUR, statt der ursprünglich versicherten 2.000 EUR. Dennoch ist alle drei Jahre eine gute Zeit. Denn eines ist noch zu beachten:

Dynamik wird ausgeschlossen

Bei den meisten Unternehmen wird bei der 3. Ablehnung ausgeschlossen. Wer also zweimal ablehnt, sollte im dritten Jahr gut überlegen ob er das nochmal tut. Nach 3 Jahren sind zudem auch aus Gründen der Inflation 5% Anpassung durchaus nicht so verkehrt. Schließt der Versicherer die Dynamik aus, so ist diese nur mit einer neuen Gesundheitsprüfung wieder in den Vertrag zu bekommen.

Wann Sie diese immer mitmachen sollten?

Gerade wer aber krank ist, Vorerkrankungen hat, die bei einem neuen Antrag zu Zuschlägen oder Ausschlüssen führen, der ist mit einer dynamischen Anpassung sehr gut bedient. Denn bevor Sie einen eingeschränkten Vertrag bekommen, machen Sie einfach jedes Jahr die Dynamik mit und erhöhen somit Ihren Schutz. Dabei ist noch auf die Angemessenheit zu achten, einige Gesellschaften weisen hier ab bestimmten Rentenhöhen explizit darauf hin. Aber so lässt sich der Schutz auch dann noch erhöhen, wenn schon neue Erkrankungen vorliegen.

Nicht zu verwechseln ist diese Dynamik aber mit der so genannten Leistungsdynamik oder auch „garantierte Rentensteigerung„. Die habe ich unter folgendem Link erklärt.

Garantierte Rentensteigerung, Leistungsdynamik, Anpassung bei bestehender Berufsunfähigkeit- eine der wichtig(st)en Optionen in der BU-Absicherung

15.
Oktober '18

Anruf vom Dachverband der PKV und im Anschluss von einem Vertrieb – so fallen Sie nicht auf Betrüger herein


Eine ganze Reihe von Lesern erhält in den letzten Tagen und Wochen sonderbare Anrufe. Da melden sich Damen und Herren am Telefon und behaupten Sie kämen von einem

„Dachverband der Privaten Krankenversicherung, der PKV“

oder dem

„Verband der privaten Krankenkassen“

Dabei wird dann auch gleich eine Münchener Nummer, oder noch schlimmer eine Nummer aus Köln angezeigt. Dabei ist Köln auch der Sitz des Verbandes der Privaten Krankenversicherung, den gibt es wirklich.

Die beiden anderen Verbände sind aber nur eine Betrugsmasche, denn beide gibt es in Wirklichkeit nicht. Durch geschickte Fragen versuchen die Anrufer zunächst einmal herauszubekommen wo die angerufenen versichert sind. Einige Angerufene äußern auch den Verdacht, „die müssen von dem alten Vertreter/ Berater irgendwie meine Daten bekommen haben“. Nur so ist es zu erklären, dass diese Tarife wissen konnten.

Stichprobe zur Zufriedenheit oder eine Umfrage unter Versicherten – alles nur eine Betrugsmasche?

Bei dem Anruf wird dann vorgegeben, man wende sich als Verband an Versicherte, denn „die Versicherungsunternehmen geben oft falsche Informationen an die Kunden und erhöhen die Beiträge zu stark“, dem „wolle man nun nachgehen und braucht dazu einige Daten.“

Durch eine geschickte Fragetechnik entlockt man dem Angerufenen nun weitere Daten und Details zu seinem Tarif. Klar funktionieren Suggestivfragen wie „Sie zahlen doch sicher auch zu viel Beitrag“ oder „Sie haben sich auch über die letzte Anpassung geärgert“ dazu nur allzu gut.

Der Anruf wird nie eine Umfrage oder eine wirkliche Stichprobe, das ginge schon allein aus rechtlichen Gründen und dem Datenschutz nicht. Doch was dann passiert ist noch viel schlimmer.

Das es kein Einzelfall ist, zeigen schon knapp 9 Fälle aus den letzten Tagen. Auch sind hier Daten bekannt, wo noch keiner weiss woher die kommen können.

Terminbestätigung von MainCompass als helfender Berater

Bereits in der Vergangenheit habe ich über einige sonderbare Fälle dieses Vertriebes gesprochen. Nun taucht er Name auch hier wieder auf. So schreibt ein Betroffener heute im LiveChat und erzählt weitere Details im anschließenden Telefonat. Dabei habe er sich dann zu einem Termin bei sich zu Hause überreden lassen. Schließlich klang es gut und man wollte sich das einmal anhören. Doch dann die Verwunderung. Nicht der angebliche Verband schickte die Bestätigung, sondern ein Unternehmen namens MainCompass bestätigt einen Beratertermin.

Jetzt stellt sich zunächst einmal die Frage, wie der neue Berater an die Daten aus dem Telefonat des angeblichen Verbandes gekommen ist. Dazu kann ich nur spekulieren und behaupte es daher auch nicht. Es gibt aber für mein Verständnis nur zwei Möglichkeiten.

Variante 1.) Main Compass kauft so genannte Leads

Das ist in der Branche und auch in anderen nicht unüblich. Ein Callcenter vereinbart im Auftrag Termine, führt Anrufe durch und nimmt dem kaufenden Unternehmen damit Arbeit und BackOffice Tätigkeiten ab. Daran ist nichts auszusetzen, wenn die Daten rechtmäßig erworben wurden. Eine der größeren Plattformen für Datensätze (welche ausdrücklich NICHTS mit dem Fall zu tun hat, sondern nur als Beispiel dient) ist finanzen.de, diese bieten Beratern Datensätze an.

Hier ein Überblick über die Preise. Auszug der Angebotsseite von finanzen.de

Wäre ein solcher Datensatz also regulär und legal zu Stande gekommen, dann würde der Berater für einen reinen Kontakt ca. 150 EUR zahlen. Wird dann noch ein Termin vereinbart und „vorqualifiziert- also weitere Daten mitgeliefert, sind schnell 200-250 EUR fällig. Wohlgemerkt, es geht NUR um die Kontaktdaten des Angerufenen.

Würde diese Variante zutreffen, so muss der Datenabnehmer (also hier der Berater) natürlich auch sicherstellen, dass die Daten rechtmäßig und gemäß den aktuellen datenschutzrechtlichen Bestimmungen erhoben wurden. Ob und wieweit der Abnehmer gemeinsam mit dem Callcenter dafür haftet weiß ich aber nicht, das fragen Sie am besten einen Juristen oder den Datenschutzbeauftragten.

Variante 2.) Main Compass hat selbst angerufen/ anrufen lassen

Die zweite Möglichkeit wäre natürlich, dass man einfach unter einer falschen Nummer oder einem falschen Namen angerufen hat. Das möchte und will ich natürlich niemandem unterstellen, ich zeige nur eine weitere Möglichkeit, wie man an die Daten gekommen sein kann.

Denn wenn kurz nach dem Anruf des Verbandes eine Terminbestätigung per Mail von MainCompass kommt, dann stellt sich der Kunde/ Interessent schon die Frage, wie das so geht und vor allem wer denn derjenige ist. Hier wird ein Termin mit einem Berater bestätigt, welcher so vorher in nicht in Erscheinung trat.

Aber da ja alle Berater ehrlich sind und sich auch in den anderen Fallen sicher nur bedauerliche Einzelfälle und Irrtümer gehäuft haben, ist es sicher ein dummes Missverständnis und es wird sich schnell aufklären. Aber wie gesagt, eine der beiden Varianten muss es gewesen sein, sonst wären die Daten nicht dort, wo diese nun sind.

Spannend wäre zudem auch die Datenschutzerklärung, welche die Weitergabe regelt. Der „Dachverband der PKV“ müsste ja nun auch eine solche haben.

Der RICHTIGE PKV Verband ist auch schon „dran“

Auch dem wirklichen PKV Verband, welches aber ein Mitgliedsverband der Unternehmen ist, ist hierüber keinesfalls amüsiert. Auch hier wird geprüft, was genau sich unter der Behauptung und Vorgabe falscher Tatsachen abspielt. Leider ist es ähnlich wie mit anderen Fakeanrufen. Dem Herr zu werden ist extrem schwer bis unmöglich.

So langsam reagieren auch Versicherer

In den vergangenen Beiträgen zu den bedauerlichen Einzelfällen habe ich einige Fälle geschildert. Dabei geht es um falsche Angaben im Antrag, in einem anderen Fall um Vergessene Kündigungen und damit zwei Verträge und in einem wieder anderen um angebliche Voranfragen, welche sich dann als Antrag herausstellen.

Alle Beiträge können Sie hier nachlesen. -So geht Beratung nicht- nie!-

Was Sie tun können, um nicht auf so eine Masche hereinzufallen?

Seriöse Berater rufen Sie nicht als so genannte ColdCalls (welche zudem noch verboten sind) an. Daher beachten Sie einige Regeln.

  • – Der Kontakt geht von Ihnen aus

  • – Falls nicht, es handelt sich um einen Berater, der Sie schon kennt/ betreut

  • – Geben Sie am Telefon keine Details zu Verträgen heraus

  • – Beantworten Sie keine Fragen zu Versicherungsstatus oder persönlichen Umständen

  • – Werden Ihnen Termine bestätigt, überlegen Sie ob Sie diese auch wollen und vereinbart haben

  • – Jeden Termin können Sie auch absagen/ die Tür zu lassen

  • – Fragen Sie ggf. bei Ihrem Versicherer nach, wenn sich jemand als der ausgibt

  • – Bitten Sie um eine Rückrufnummer und geben an, Sie melden sich zurück

Leider klappt das nicht immer. Die Fragetechnik/ Überredung muss so gut sein (ich kann es live ja nicht bewerten, mich ruft man ja leider nicht an), dass die Menschen darauf hereinfallen.

Erste Versicherer reagieren

Auf meine Anfrage bei einem betroffenen Krankenversicherer erhielt ich zwischenzeitlich eine Rückinfo. Dieser ist, neben dem echten PKV Verband, um eine Lösung bemüht. Daher

„werden wir jeden einzelnen Antrag des Vertriebspartners manuell nachtelefonieren und uns vergewissern, ob die Antragstellung auch dem Kundenwunsch entspricht“,

so der Vorstand mir gegenüber telefonisch. Denn wenn der

„Kunde einen Antrag bei uns stellt, sollte er das auch wissen und wollen“ und auch „über die Folgen des Antrages und der Anzeigepflichtverletzung aufgeklärt sein“.

Dieses Vorgehen gelte zunächst bis auf Weiteres und für alle Anträge dieses Partners. Danach wolle man sich ein Bild über den Ablauf und die Qualität machen und diese besser bewerten und einschätzen.

Sind Sie auch betroffen?

Haben Sie gewechselt und wollten das gar nicht? Wurden Ihnen Anträge als „harmlose Voranfragen“ angeboten oder gesagt „bestimmte Erkrankungen können Sie einfach weglassen“? Falls ja, es gibt durchaus Lösungsmöglichkeiten. Dazu zählt zum einen das Freigabeverfahren, zum anderen die Rückabwicklung der bestehenden Verträge, Schadenersatz und mehr. Dazu wenden Sie sich aber bitte an die entsprechenden Stellen. Das kann der Versicherer sein, dabei schreiben Sie am besten direkt an den Vorstand.

Beachten Sie auch die Folgen einer generellen Maklervollmacht, auf die Gefahren habe ich hier hingewiesen.

Die Gefahr der uneingeschränkten Maklervollmacht – und schon sind Ihre Rechte weg

 

11.
Oktober '18

Wenn Arzt oder Krankenhaus die Zusendung der Krankenakte verweigern


In über zwanzig Jahren in der Branche erlebt man durchaus spannende, aber auch haarsträubende Sachen. Nun ist es kein Geheimnis, dass die Einsicht in die eigene Krankenakte bis auf ganz wenige Einzelfälle ein verbrieftes Recht ist. Gerade bei dem (geplanten) Abschluss einer Versicherung mit Gesundheitsfragen, aber auch aus rein persönlichem Interesse sollte und möchten die Patienten wissen, was in der Krankenakte geschrieben steht.

Mit diesem Artikel erhalten Sie

  • – Informationen zur Beschaffung Ihrer Krankenakte
  • – Hintergrundwissen zu der rechtlichen Voraussetzung
  • – Hinweise, falls der Arzt oder das Krankenhaus die Zusendung verweigert
  • – Hinweise was zu tun ist, wenn der Arzt auf eine Anfrage Ihrer Versicherung besteht
  • – ein kostenfreies Musterformular zum Versand an Arzt und Krankenhaus
  • – einen Hinweis auf Auskunft nach der Datenschutzgrundverordnung (DSGVO)

Schon in der Vergangenheit schrieb ich über die Beschaffung der Krankenakte, um eine vorvertragliche Anzeigepflichtverletzung zu vermeiden. Anscheinend versuchen aber einige Ärzte und Krankenhäuser jetzt eine neue Masche, daher hier noch einmal etwas detailliertere Informationen dazu.

Warum ist der Auszug aus der Krankenakte wichtig?

Nicht erst seit dem Abrechnungsskandal in der gesetzlichen Krankenversicherung in den letzten Jahren ist klar, der Patient sollte wissen was in seiner Akte steht. Auch wenn es viele Ärzte und Behandler gibt, welche sehr sauber arbeiten und einen großartigen Job machen, gibt es auch hier schwarze Schafe. Da werden dann schnell einmal Diagnosen dazu erfunden, um so einen höheren Betrag abrechnen zu können.

Aus harmlosen Rückenbeschwerden wird ein Bandscheibenvorfall, aus der Magengrippe schnell eine chronische Entzündung der Magenschleimhaut. Klar interessiert es den (GKV versicherten) Patienten zunächst nicht, da die Abrechnung direkt mit der Kasse erfolgt. Doch was passiert, wenn später in einem Leistungsfall der Kranken(zusatz)- oder Berufsunfähigkeitsversicherung der Versicherer nachforscht? Was passiert, wenn sich dort Diagnosen finden, welche dem Kunden so nicht bekannt waren?

Wollen Sie dann anfangen zu diskutieren und mit dem Arzt (der dann vielleicht schon an einen Nachfolger übergeben hat) zu verhandeln, was, warum und wie in Ihrer Akte steht? Sicher nicht, zumal das Kind dann meist in den Brunnen gefallen ist.

Wer sagt, dass mein Arzt mir die Akte auch aushändigen muss?

Es gibt eine Reihe von gesetzlichen Grundlagen, welche ein Auskunftsrecht des Patienten regeln. Dennoch bedeutet es nicht, dass Sie das Original einfach beim Arzt abholen können, denn dieses steht dem Arzt natürlich zu. Eine Kopie hingegen kann er Ihnen nicht verweigern.

Grundlage ist zunächst der Paragraph 10 der Berufsordnung für Ärzte. Dieser regelt gleich mehrere Verpflichtungen für den Arzt und die Rechte des Patienten. Daher zerlegen wir den Paragraphen einmal etwas und schauen uns an was der Arzt kann und darf:

§ 10 MBO-Ä 1997 – Dokumentationspflicht

(1) Ärztinnen und Ärzte haben über die in Ausübung ihres Berufes gemachten Feststellungen und getroffenen Maßnahmen die erforderlichen Aufzeichnungen zu machen. Diese sind nicht nur Gedächtnisstützen für die Ärztin oder den Arzt, sie dienen auch dem Interesse der Patientin oder des Patienten an einer ordnungsgemäßen Dokumentation.

Zunächst ist es kein „ich schreibe mal etwas auf“, sondern der Arzt MUSS eine Krankenakte führen und dokumentieren. Das tun die Ärzte auch. Doch oft weigern diese sich, die Akte dann herauszugeben. Aber auch das findet sich in der Berufsordnung, nun dem Absatz zwei des gleichen Paragraphen.

(2) Ärztinnen und Ärzte haben Patientinnen und Patienten auf deren Verlangen in die sie betreffende Dokumentation Einsicht zu gewähren, soweit der Einsichtnahme nicht erhebliche therapeutische Gründe oder erhebliche Rechte der Ärztin, des Arztes oder Dritter entgegenstehen. Auf Verlangen sind der Patientin oder dem Patienten Kopien der Unterlagen gegen Erstattung der Kosten herauszugeben.

Ja, es gibt einige, insbesondere psychische Erkrankungen, wonach eine solche Herausgabe problematisch ist. Dieses bedarf aber ganz speziellen Gründen und muss medizinisch begründbar sein. Selbst dann ist eine Herausgabe an einen anderen Arzt durchaus denkbar und auch hier besteht ein entsprechender Anspruch des Patienten. Doch zunächst ist nun klar, wenn Sie eine Kopie möchten, dann bekommen Sie auch eine, ob es dem Arzt passt oder nicht.

Der Arzt verlangt, dass die Versicherung direkt anfragt, und nun?

Das ist leider ein neuerdings häufiger vorkommendes Problem. Einige Ärzte versprechen sich dadurch ein Honorar, denn wenn die Versicherung spezielle Fragen stellt oder andere Angaben und Einschätzungen vom Arzt anfordert, dann kann dieser eine solche Leistung abrechnen. Möglich wäre hier die Gebührenziffer 80 oder 85, ggf. auch noch weitere. Diese wären dann entsprechend mit dem Steigerungssatz zu erhöhen.

Sollte also Ihr Arzt oder das Krankenhaus auf eine Anfrage der Versicherung bestehen, oder gar andere Auskünfte komplett verweigern, erklären Sie freundlich aber bestimmt den Hintergrund. Sie möchten die Krankenakte für sich, ebenso möchten Sie nicht vorab Daten an die Versicherung geben, um sich die Möglichkeit der anonymen Voranfrage nicht zu verbauen.

Der Arzt oder das Krankenhaus verweigern die Zusendung, nur Abholung sei möglich?

Eine weitere „Masche“ um es dem Patienten schwerer zu machen, es wird angeboten die Akte beim Arzt einsehen zu können, aber Kopien werden verweigert. Oder aber es ist wie in diesem Fall, welcher mit im LiveChat mehrfach vorgetragen wurde.

Hier sehen wir schon das nächste Problem. Bedingt durch Umzug, eine neue Arbeitsstelle oder einfach private Gründe, kann eine Zusendung per Post der einzig praktikable Weg sein. Das Krankenhaus hier verweigert das aber. Es will (und beruft sich dabei auf den Datenschutz) eine Zusendung verhindern.

Zunächst einmal, DATENSCHUTZ IST WICHTIG. Schließlich möchten Sie auch nicht, dass jemand anderes einfach so Ihre Krankenakte abholen soll und Einsicht in sehr vertrauliche Unterlagen bekommt. Daher ist es zwingend erforderlich, die berechtigten Interessen und die eigene Identität nachzuweisen.

Den Patienten aber deshalb dazu zu zwingen hunderte Kilometer zu fahren, nur um eine Auskunft aus der Akte zu bekommen? Sicher nicht. Doch wie können Sie eine solche „sichere Übertragung“ ermöglichen, ohne dort vorbei zu fahren?

Kopie des Personalausweises mit Anschrift, ggf. mit Beglaubigung

Zunächst einmal werden Sie um einen Nachweis Ihrer Identität nicht umhin kommen. Einfach und unkompliziert ist dieses mit einer Kopie des Personalausweises (auf dem sind Ausweisnummer und andere irrelevante Daten zu schwärzen) möglich. Sollte der Arzt es darauf anlegen Sie zu ärgern, so wird er ggf. zusätzlich auf einer Beglaubigung bestehen. Nur so ist sichergestellt, dass auch Sie den Ausweis kopiert haben und jemand das Original eingesehen hat.

Eine Beglaubigung ist bei offiziellen Stellen (wie zum Beispiel Stadtverwaltung, Landkreis) oder auch bei jedem Notar möglich. Dieser verlangt dafür eine Gebühr von 10-20 Euro, bestätigt Ihnen aber dann die Richtigkeit der Kopie.

Diese reichen Sie dann bei dem Arzt oder Krankenhaus ein und weisen so das berechtigte Interesse nach.

Zusendung wird dennoch verweigert?

Jetzt argumentieren die Krankenhäuser oder einige Ärzte immer noch, man kann es Ihnen nicht zusenden, schließlich könne den Brief ja jeder lesen. Auch das lässt sich aber lösen. Der Weg dazu, das Einschreiben eigenhändig. Ein Service der Deutschen Post.

Mit dieser besonderen Variante des Einschreibens wird dieses nur gegen Unterschrift und nur Ihnen persönlich, oder einem ausdrücklich Bevollmächtigten, ausgehändigt. Somit geht der Absender sicher, dass diese Unterlagen nicht in falsche Hände gelangen können. Hierfür fallen bei dem Absender Kosten an. Diese liegen (in 2018) für ein Einschreiben/eigenhändig bei 4,65 EUR zzgl. dem normalen Porto je nach Größe des Briefes.

Bieten Sie dem Absender also diese Variante zusätzlich an und erklären auch, die Kosten zu übernehmen, so haben wir auch diese „Verhinderungstaktik“ erledigt. Ein weiterer Weg kann auch die Zusendung an Ihren Hausarzt sein, dort können Sie dann die Unterlagen persönlich und gegen Unterschrift abholen.

Was passiert bei Schließung der Praxis?

Auch hierfür hat der Paragraph 10 eine Lösung. Dort heißt es:

(3) Ärztliche Aufzeichnungen sind für die Dauer von zehn Jahren nach Abschluss der Behandlung aufzubewahren, soweit nicht nach gesetzlichen Vorschriften eine längere Aufbewahrungspflicht besteht.

(4) Nach Aufgabe der Praxis haben Ärztinnen und Ärzte ihre ärztlichen Aufzeichnungen und Untersuchungsbefunde gemäß Absatz 3 aufzubewahren oder dafür Sorge zu tragen, dass sie in gehörige Obhut gegeben werden. Ärztinnen und Ärzte, denen bei einer Praxisaufgabe oder Praxisübergabe ärztliche Aufzeichnungen über Patientinnen und Patienten in Obhut gegeben werden, müssen diese Aufzeichnungen unter Verschluss halten und dürfen sie nur mit Einwilligung der Patientin oder des Patienten einsehen oder weitergeben.

(5) Aufzeichnungen auf elektronischen Datenträgern oder anderen Speichermedien bedürfen besonderer Sicherungs- und Schutzmaßnahmen, um deren Veränderung, Vernichtung oder unrechtmäßige Verwendung zu verhindern. 2Ärztinnen und Ärzte haben hierbei die Empfehlungen der Ärztekammer zu beachten.

Gibt es also keinen Nachfolger, so muss der Arzt selbst dafür sorgen, dass Sie zehn Jahre lang an Ihre Unterlagen kommen. Da dieses in der Realität jedoch schwer werden kann, gerade wenn dann Kontaktdaten fehlen, empfiehlt sich bei Umzug immer direkt eine Kopie mitzunehmen, oder direkt bei Abschluss der Behandlung alle Daten zu kopieren.

Weiterhin sollten Sie sich regelmäßig um ein Update Ihrer Akte kümmern, es spricht nichts dagegen einmal im Jahr eine solche Kopie zu verlangen.

Warum kann die die Unterlagen nicht per E-Mail bekommen?

Nun, das liegt in der Sicherheit der E-Mail und der fehlenden Kontrolle wer diese liest. Ausgenommen sich sicherer E-Maildienste wie die damals eingeführte DE Mail, aber auf diese Diskussion würde ich es gar nicht erst ankommen lassen.

Die Anforderung kann ggf. noch per Mail erfolgen, wenn es sich um unterschriebene und gescannte Unterlagen handelt. Dennoch würde ich diese Anforderung immer per Post im Original senden, am besten auch per Einschreiben um einen Nachweis des Zugangs zu haben.

Krankenhausentlassungsbericht oder Krankenakte?

Krankenhäuser versenden oft einen Entlassungsbericht oder geben Ihnen den mit. Ich für meinen Teil möchte aber- nicht unbedingt zur Freude der Klinik- gern die Kopie der kompletten Krankenakte haben. Nicht weil ich dem Arzt im Bericht nicht glaube, sondern weil mir Laborbefunde oder weitere Unterlagen und Werte aus der Akte wichtig sind und eine Aussage/ Kopie von Tageswerten aus dem Labor nun einmal aussagekräftiger ist, als ein Satz im Entlassungsbericht a la „Der Laborwert ging über den Aufenthalt auf den Normalwert zurück.“

Das kann auch für eine spätere/ weitere Behandlung wichtig sein.

Welche Kosten muss ich tragen?

Wie wir vorhin im Paragraphen 10 schon gelesen haben, sind die Kosten für die Kopien von dem Patienten zu tragen. Kosten für das Anfertigen der Kopien oder weitergehende Kosten jedoch nicht.

Zudem sollten die Kosten angemessen sein. Die Gebührenordnung nennt dabei für Kopien Kosten von 0,17 EUR pro Seite. Ich persönlich halte sogar 30 Cent für durchaus noch „im Rahmen“. Vielmehr sollte es aber nicht sein.

Auch glauben anscheinend einige Ärzte dazu noch die Arbeitszeit für das Kopieren abrechnen zu können. Dafür gibt es aber meines Erachtens keine rechtliche Grundlage.

Wollen Sie die Unterlagen zugesandt haben, so müssen Sie natürlich auch die Kosten für den Versand und ggf. das Einschreiben zahlen. Schickt der Arzt es mit einem normalen Brief an Ihre Anschrift, können Sie bei der Anforderung auch einen Freiumschlag beilegen.

Musterbrief zur Anforderung

Ich habe meinen, seit Jahren genutzten, Musterbrief zum Jahresbeginn nochmals angepasst. Dieser steht Ihnen auch weiterhin zum kostenfreien Download und Verwendung zur Verfügung.

Laden Sie diesen bitte zuerst herunter und speichern diesen lokal auf Ihrem Computer. Danach lassen sich die Felder in der pdf ausfüllen und dann ausdrucken/ speichern und an den Arzt bzw. das Krankenhaus versenden.

DOWNLOAD als ausfüllbare PDF – Musterformular Anforderung Patientenakte/ Krankenakte

DOWNLOAD als ausfüllbare WORD – Musterformular Anforderung Patientenakte/ Krankenakte

12.
September '18

ACHTUNG! Wenn Ihr Bruttogehalt in 2018 zwischen 59.400€ und 60.750€ liegt


Neues Jahr, neues Glück und so gibt es auch im Jahr 2018 eine Gruppe von Arbeitnehmern, welche genau in dieser „Lücke“ liegen. Dabei geht es um das Jahreseinkommen, welches für die JAEG (Jahresarbeitentgeltgrenze) eine wichtige Rolle spielt.

Was gehört alles zur JAEG? –> HIER NACHLESEN

Nun gibt es auch zum 01. 01. 2019 eine Veränderung der JAEG und damit fallen Menschen aus der Versicherungsfreiheit heraus und werden wieder versicherungspflichtig.

Arbeitgeberzuschuss 2019 und Sozialversicherungswerte 2019 -vorläufige Werte-

Auch gibt es die Arbeitnehmer, welche bisher dachten „ich kann mich ab 01. 01. privat versichern“ und nun mit dem Einkommen unter der neuen Grenze liegen. Daher schauen wir uns heute die unterschiedlichen Konstellationen einmal an und betrachten dabei die

  • bisher PKV versicherten Arbeitnehmer mit einem Einkommen zwischen 59.400€ und 60.750€
  • bisher noch GKV versicherten Arbeitnehmer mit einem Einkommen zwischen 59.400€ und 60.750€
  • Arbeitnehmer mit neuem Arbeitsvertrag ab 01. 01. 19 und einem Einkommen zwischen 59.400€ und 60.750€

Alle drei Fälle haben einige Besonderheiten, welche es separat zu betrachten gilt. Daher beginnen wir mit denen, für die eine solche Änderung gravierende Folgen haben kann. Die bisher privat versicherten Arbeitnehmer, die die neue Grenze nicht erreichen.

Fall 1: Sie sind bisher privat krankenversichert mit einem Einkommen zwischen 59.400€ und 60.750€

Für Sie ändert sich einiges ab dem 01. 01., es sei denn das Einkommen erhöht sich noch. Wer aber in 2018 (!!) ein Einkommen über 59.400€ hat und privat krankenversichert ist, für den kann es ab dem 01. 01. zu einer Versicherungspflicht und damit der Rückkehr in die gesetzliche Krankenkasse kommen.

Warum?

Erhöht der Gesetzgeber die Jahresarbeitentgeltgrenze und fällt der Arbeitnehmer DURCH DIESE ERHÖHUNG unter die neue Grenze, so tritt zunächst einmal Versicherungspflicht in der gesetzlichen Krankenkasse ein. Wer also zum Beispiel 60.000€ Bruttojahreseinkommen in 2018 hatte, der verlässt seine PKV zum 01.01.2019, denn die neue Grenze in 2019 wird nicht erreicht.

Es gilt eine Besonderheit – in der PKV bleiben wenn gewünscht

Fallen Sie unter die neue Grenze, weil sich diese in 2019 erhöht, so haben Sie eine Wahl. Anders sieht es aber aus, wenn sich Ihr Einkommen verringert, dann gibt es keine Wahlmöglichkeit. Grundlage für die Wahl in der PKV zu bleiben oder in die GKV zu wechseln sind die Regelungen in §8 des Sozialgesetzbuches V.

§ 8 SGB V Befreiung von der Versicherungspflicht

(1) Auf Antrag wird von der Versicherungspflicht befreit, wer versicherungspflichtig wird1.
wegen Änderung der Jahresarbeitsentgeltgrenze nach § 6 Abs. 6 Satz 2 oder Abs. 7,
(…)
(2) Der Antrag ist innerhalb von drei Monaten nach Beginn der Versicherungspflicht bei der Krankenkasse zu stellen. Die Befreiung wirkt vom Beginn der Versicherungspflicht an, wenn seit diesem Zeitpunkt noch keine Leistungen in Anspruch genommen wurden, sonst vom Beginn des Kalendermonats an, der auf die Antragstellung folgt. Die Befreiung kann nicht widerrufen werden. Die Befreiung wird nur wirksam, wenn das Mitglied das Bestehen eines anderweitigen Anspruchs auf Absicherung im Krankheitsfall nachweist.

Dabei müssen mehrere Punkte beachtet werden. Bitte bedenken Sie auch, dass es hier Fristen gibt. Allein durch das Verstreichen der Frist kann die Möglichkeit der Befreiung entfallen und eine solche nicht mehr machbar sein.

1.) Der Antrag muss bei der (letzten) Krankenkasse gestellt werden, NICHT bei der PKV

2.) Der Antrag KANN vor dem 1.1. gestellt werden und sollte das auch. Sonst bleiben aber noch drei Monate nach dem 1. Januar Zeit. Hier ist es wichtig, dass der Antrag NUR DANN noch rückwirkend gilt, wenn keine Leistungen der GKV genutzt werden. Sonst müssen Sie dennoch erst in die GKV

3.) Es muss ein anderweitiger Versicherungsschutz nachgewiesen werden.

Befreiung ist FÜR DIESEN GRUND unwiderruflich

Aber nicht für andere. Diese Formulierung ist für viele eher abschreckend. Da folgen direkt Fragen wie: „Was ist wenn ich mal arbeitslos werde?“ Dann tritt aber aus einem anderen Grund eine Versicherungspflicht ein. Auch wenn Sie später ein anderes Einkommen haben und dadurch unter der Grenze liegen, werden Sie wieder versicherungspflichtig. Nur für den Grund der Erhöhung der Grenze und damit eintretender Versicherungspflicht sind Sie befreit. Wird also die JAEG in 2020 wieder erhöht und Sie rutschen erneut drunter, dann tritt für diesen Grund KEINE neue Versicherungspflicht ein.

FAZIT: Wer heute privat versichert ist und durch die neue JAEG unter die Grenze rutscht (ohne dass sich das Einkommen reduziert), der kann sich befreien lassen und in der PKV bleiben, ODER in die GKV zurückkehren. (dann bitte Anwartschaft und Zusatzversicherung ohne Gesundheitsprüfung bedenken)

Fall 2: Sie sind bisher gesetzlich krankenversichert mit einem Einkommen zwischen 59.400€ und 60.750€

Sie hatten sich schon gefreut? Mit 60.500 EUR Jahreseinkommen sollten Sie die Grenze in 2018 überschreiten und wollten sich ab 01. Januar 2019 privat versichert? Leider muss ich Sie dann enttäuschen. Ein Verlassen der gesetzlichen Krankenkasse ist nur dann möglich, wenn nicht nur die Grenze 2018, sondern auch die voraussichtliche Grenze 2019 überschritten würde. Das ist bei 60.500 € nicht der Fall. Grundlage ist hier der §5 des, Sie ahnen es, Sozialgesetzbuches V.

§ 6 SGB V Versicherungsfreiheit

(…)
(4) Wird die Jahresarbeitsentgeltgrenze überschritten, endet die Versicherungspflicht mit Ablauf des Kalenderjahres, in dem sie überschritten wird. Dies gilt nicht, wenn das Entgelt die vom Beginn des nächsten Kalenderjahres an geltende Jahresarbeitsentgeltgrenze nicht übersteigt. Rückwirkende Erhöhungen des Entgelts werden dem Kalenderjahr zugerechnet, in dem der Anspruch auf das erhöhte Entgelt entstanden ist.

Nur wer beide Grenzen überschritten hat bzw. überschreiten wird, der kann sich ab 2019 entscheiden. Sollte es also der Wunsch sein, sich in der privaten Krankenversicherung versichern zu wollen, so MUSS IHR EINKOMMEN 2018 auch die neue Grenze von 60.750€ überschreiten. Daher:

1.) Prüfen Sie Ihr Jahreseinkommen 2018 rechtzeitig

2.) Liegt es knapp unter den 60.750€ ist es nun eine gute Gelegenheit mit dem Arbeitgeber zu verhandeln

3.) Die Lohnerhöhung muss dauerhaft sein, Sonderzahlungen oder Urlaubs-/ Weihnachtsgelder müssen vertraglich vereinbart gezahlt werden.

4.) einmalige Sonderzahlungen reichen unter Umständen nicht aus

Fall 3: Neuer Arbeitsvertrag mit einem Einkommen zwischen 59.400€ und 60.750€

Egal ob Sie zum 01.10, 01. 11., 01. 12. oder erst in 2019 einen neuen Job beginnen. Mit einem Einkommen in dem oben genannten Bereich, also unter 60.750€ können Sie unter Umständen ab dem 01. 01. 2019 nicht mehr in der PKV bleiben. Beginnt das Arbeitsverhältnis noch in 2018 und erreicht Ihr Einkommen (hochgerechnet) den Wert 2018, so wären Sie zunächst für 2018 noch freiwillig versichert und könnten in die PKV.

Ab dem 01. Januar gilt dann aber der FALL 1 hier aus dem Beitrag und Sie müssen Ihre Befreiungsoptionen nutzen. Tun Sie dieses nicht, werden Sie in 2019 wieder in der GKV versichert sein.

Beginnt der neue Arbeitsvertrag erst am 01. Januar oder später, so muss das dort vereinbarte Jahresgehalt (hochgerechnet auf 12 Monate) die neue Grenze für 2019 (60.750) überschreiten.

Auch hier gilt. Verhandeln Sie rechtzeig mit Ihrem Arbeitgeber, denn am Ende des Jahres wird diese Gestaltung meist deutlich schwieriger.

In den nächsten Beiträgen beschäftigen wir uns dann mit Fragen zum Thema Gestaltung. Dazu gehören die Hinzunahme oder die Herausnahme von einer betrieblichen Altersvorsorge um so unter oder über die Grenze zu kommen und das gewünschte Ziel (Wechsel in die PKV, Rückkehr in die GKV) zu erreichen.

Weitere Zahlen und Sozialversicherungswerte finden Sie hier:

Sozialversicherungswerte für 2019 steigen deutlich – höhere Grenze für den PKV Wechsel

10.
September '18

Sozialversicherungswerte für 2019 steigen deutlich – höhere Grenze für den PKV Wechsel


Alle vorläufigen Werte, inkl. Arbeitgeberzuschuss und Berechnung der Höchstbeiträge finden Sie hier.

Arbeitgeberzuschuss 2019 und Sozialversicherungswerte 2019

Es ist Anfang September und normalerweise hatten wir in den letzten Jahren zumindest schon alle vorläufigen Zahlen für das kommende Jahr. Dieses Jahr ist es anders, denn erst am 18. September 2018 soll über die neuen Beitragssätze der Arbeitslosen- und Rentenversicherung beraten werden. Dennoch will Focus Money Online (diese geben das Redaktionsnetzwerk Deutschland als Quelle an) schon einige Werte ab 2019 erfahren haben.

ACHTUNG: Es handelt sich hier um VORLÄUFIGE Zahlen und es ist noch nicht klar, wie die Beitragssätze der Kranken-, Renten-, Arbeitslosen- und Pflegeversicherung im kommenden Jahr aussehen. Daher lässt sich auch der neue Arbeitgeberzuschuss, der dann ebenfalls steigt, noch nicht berechnen.

Soweit aber die nun vorläufigen Werte bekannt sind, möchte ich Ihnen diese natürlich nicht vorenthalten. Daher hier eine erste Information über die Werte, wie Sie im Jahr 2019 voraussichtlich aussehen werden.

Versicherungspflichtgrenze Krankenversicherung 2019

Die Grenze, ab der sich Versicherte für eine gesetzliche oder private Krankenversicherung entscheiden können, die so genannte JAEG (Jahresarbeitentgeltgrenze) steigt im Jahr 2019 auf 60.750 EUR und damit um 1.350 EUR.

NEUE JAEG 2019: 60.750 EUR p.a. oder 5.062,50 EUR p. Monat

Beitragsbemessungsgrenzen 2019

Auch die Grenzen zur Beitragsbemessung steigen weiter an. So findet auch in diesem Jahr eine Anpassung der Grenzen an die allgemeine Lohnentwicklung statt. Dabei ergeben sich für das Jahr 2019 folgende, voraussichtliche Werte.

Beitragsbemessungsgrenze (BBG) in der Krankenversicherung 2019: 54.450 EUR p.a. oder 4.537,50 EUR p. Monat

Die Beitragsbemessungsgrenzen für die Rentenversicherung sind weiter nach Ost und West getrennt.

Beitragsbemessungsgrenze Rente OST: 73.800 EUR p.a. oder 6.150 EUR p. Monat (+ 4.200 EUR p.a.)

Beitragsbemessungsgrenze Rente WEST: 80.400 EUR p.a. oder 6.700 EUR p. Monat (+ 2.400 EUR p.a.)

Auch kommt eine weitere Neuigkeit hinzu, wie ich bereits vor einigen Monaten schrieb. Die PARITÄTISCHE Versorgung in der Krankenversicherung kehrt zurück. Damit steigt für weitere PKV Versicherte der Zuschuss der Arbeitgeber deutlich an.

Rückkehr zur paritätischen Versorgung in der GKV – mehr Arbeitgeberzuschuss für PKV Versicherte

Weitere Zahlen, die Entwicklung des Arbeitgeberzuschusses und auch die zusammengefassten Sozialversicherungswerte 2019 finden Sie hier im Blog, sobald alle Zahlen bekannt sind. Alle bisher bekannten Zahlen hier in der Übersicht.

Diese Übersicht steht Ihnen kostenfrei als BILDDATEI oder auch als PDF zum Download zur Verfügung.