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27.
Juni '13

Wo bekomme ich eine unabhängige Beratung zu Versicherungsfragen?


Eine immer wieder währende Frage, eine immer wieder interessante Antwort. So auch im Chat der Zeitschrift Finanztest zum Thema Berufsunfähigkeit am Mittwoch dieser Woche. Grade bei komplexen Themen, existenziellen Risiken oder der Vorsorge für einen sorgenfreien Lebensabend ist dem Verbraucher eines besonders wichtig, unabhängig und fair beraten zu werden.

Was genau ist „unabhängig“?

unabhängig„Seien wir ehrlich zueinander.“ Das trifft es ganz gut, hat einmal ein Kunde zu mir gesagt. Grundlage jeder fairen Beratung ist zunächst einmal Ehrlichkeit, Ehrlichkeit des Kunden gegenüber dem Berater, damit dieser die Situation und den Bedarf richtig einschätzen kann und seine Tipps und Ratschläge fundiert geben kann. Genau so aber Ehrlichkeit des Beraters, offene und nachvollziehbare Tipps und Ratschläge für die entsprechenden Produkte.

Zudem soll die Beratung „unabhängig“ sein. Doch was ist das eigentlich? Und kann ein Berater, der ja mit seiner Beratung Geld verdient oder für die Beratung Geld bekommt, unabhängig sein und neutral beraten? Dazu sind zunächst einige Begrifflichkeiten der unterschiedlichen Typen von Beratern zu klären, welche in der Praxis immer wieder einmal durcheinander geworfen werden. Da wird von „Mein Makler von der Gesellschaft XYZ“ genauso gesprochen, wie dem „unabhängigem Vertreter“.

Welche Arten von Beratern gibt es überhaupt?

BeratertypenDie Breite an Beratern ist schwer zu überblicken, zumal sich diese nach außen hin oftmals gleich anfühlen, es aber im Detail nicht sind. Dazu zunächst einmal ein kleiner schematischer Überblick über die Beratertypen. Jede Form von Berater hat neben einigen typischen Vorteilen auch Nachteile, die der Kunde kennen sollte bevor er entscheidet.

Der Versicherungsvertreter:

Der Vertreter ist, wie der Name schon sagt, ein Vertreter eines Unternehmens, hier eines Versicherungsunternehmens. Dieses beauftragt den Vertreter, die eigenen Produkte an den Mann oder die Frau zu bringen, dafür erhält er eine Provision. Ob der Versicherungsvertreter bei dem Unternehmen angestellt, oder in Form eines Handelsvertreters bei dem Unternehmen unter Vertrag steht, das spielt bei der Ausübung seiner Tätigkeit eine untergeordnete Rolle. Rechtlich gesehen ist er jedoch auf der Seite des Versicherungsunternehmens und kann/ darf nur dessen Produkte vertreiben.

Eine Sonderform hiervon ist der Mehrfachagent. Grundsätzlich ist dieser auch auf der Seite des Unternehmens und vergleichbar mit dem Vertreter, jedoch ist er nicht auf eine Gesellschaft beschränkt, sondern vertreibt die Produkte mehrerer Unternehmen. Dabei ist noch wichtig zu wissen, dass dieser zwar aus mehreren Produkten auswählen kann, eine solche Beratung aber immer noch nicht unabhängig ist, denn hier besteht eine rechtliche Bindung an die Interessen des Versicherungsunternehmens.

Haftung: Für falsche Ratschläge, Fehlberatungen oder Entscheidungen die zum Nachteil des Kunden ausfallen, haftet der Berater und mit ihm die Gesellschaft. Dabei ist (soweit beweisbar) eine Kenntnis des

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15.
Mai '13

Nun auch die Bundesverbraucherzentralen und die Bertelsmann Stiftung mit einer Idee zur „integrierten Krankenversicherung“


Nachdem vor einiger Zeit die Bundesärtzekammer mit einem Konzept für die Gesundheitsvorsorge an die Öffentlichkeit ging, kommt nun die Bertelsmanstiftung und die Bundesverbraucherzentralen mit einer Idee wie es doch alles so einfach gehen könnte. Erstaunlich ist das nicht, denn es ist ja bald Bundestagswahl und so unterstützt man die stiftungsnahen Parteien eben so gut es geht. Aber der Reihe nach.

„Gerecht, nachhaltig, effizient“ 

So überschreibt die Stiftung ihr Papier, welches sich zunächst auch auf die gravierenden Probleme der derzeitigen Gesundheitssysteme stürzt. So sind laut der Stiftung drei „grundlegende Herausforderungen“ zu lösen. Neben der Einnahmeschwäche stehen die Gerechtigkeit und die einseitige Grenzbelastung auf dem Plan. Es wird konsequent davon ausgegangen, das es kein weiterführendes duales System geben kann, denn so heißt es: „Grundlage der Berechnung ist dabei immer eine bereits verwirklichte Integration von GKV und PKV.“

Gleichzeitig wird davon ausgegangen, dass sich das neue System einer integrierten Krankenversicherung im „Hinblick auf grundsätzliche Ausgestaltungsmerkmale an der heutigen GKV orientiert“.

Es wird eine Festlegung auf ein Umlagesystem (anstatt Kapitaldeckung) unterstellt und daher nach meiner Meinung keines der Probleme wirklich angegangen, denn eine Kapitaldeckung ist allein aufgrund der demographischen Entwicklung unumgänglich.

Drei Szenerien

Die Studie selbst spricht von drei unterschiedlichen Szenerien. In der ersten Variante wird von einem steuerfinanzierten Sozialausgleich für den einkommensunabhängigen Zusatzbeitrag ausgegangen und somit die Steuermittel indirekt zur Finanzierung herangezogen. Bei der direkten Heranziehung der Steuermitteln geht das 2. Szenario von einem pauschalen Zuschuss an den Gesundheitsfond aus. Das Szenario drei spricht von einer „Ausweitung der Beitragspflicht auf weitere Einkommensarten bis zur bzw. ohne Beitragsbemessungsgrenze“

In der Studie werden diese Szenerien hinsichtlich der Kriterien Gerechtigkeit, Nachhaltigkeit und Effizienz bewertet.

Reformschritte

In dem Zehn-Punkte-Plan schlägt die Stiftung nach der Klärung von 4 Schlüsselfragen genau 6 Reformschritte vor. Diese sind in der folgenden Grafik recht gut zu erkennen, ggf. klicken um die Grafik zu vergrößern.

(c) Bertelsmann Stiftung, Zehn-Punkte-Plan, 2013

(c) Bertelsmann Stiftung, Zehn-Punkte-Plan, 2013

Da scheinen die verfassungsrechtlichen Bedenken der Punkte 7 bis 10 noch nicht richtig angekommen oder durchdacht zu sein, anscheinend. Etwas verwundert bin ich auch über die Tatsache, dass sich hier anscheinend nur auf Modelle der SPD und Die Grünen „gestützt wird“ und alles drum herum einfach ignoriert zu werden scheint. Aber gut- so ist auch dieses Papier ein Positionspapier welches mit Blick auf den Wahlkampf betrachtet werden sollte.

Wer sich das Ganze komplett antun möchte, dem seien die folgenden Links empfohlen:

10 Punkte Integrierte Krankenversicherung

Zusammenfassung Studie Integrierte Krankenversicherung

Studie zur Finanzierung einer integrierten Krankenversicherung

Zudem noch ein Video: Stefan Etgeton über eine Reform der Krankenversicherung