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02.
März '18

Psychologiestudium: Wenn das Studium die (Versicherungs-) Chancen in der Zukunft komplett zerstört und wie Sie dem entgehen können


Nicht zum ersten Mal liegt der Fall einer Psychologiestudentin auf meinem Tisch, eine wo sich die Chancen auf einen vernünftigen Versicherungsschutz für die nächsten Jahrzehnte erledigt haben, eine wo eine wichtige Absicherung bei Berufsunfähigkeit auf absehbare Jahre nicht zu bekommen ist. Aber auch hier eine, welche nichts davon gewusst hat, wie das Psychologiestudium und die dortigen Anforderungen eine Versicherungsfähigkeit in privaten Krankenversicherung (ganz egal ob Voll- oder Zusatzversicherung) und jedweder Absicherung bei Berufsunfähigkeit komplett zerstört haben. Alles nur deshalb, weil niemand vorher beraten und aufgeklärt hat, nun ist es zu spät.

Was ist das Problem bei Psychologiestudenten

Nein, ich meine nicht das Vorurteil, das Psychologen und auch Psychologiestudenten selbst Bedarf an Therapie haben, nichts dergleichen mag ich unterstellen und behaupten. Es geht einfach um die Anforderungen in dem Psychologiestudium. Dazu ist ein Blick ins Gesetz eine große Hilfe, denn dort heißt es:

Ausbildungs- und Prüfungsverordnung für Psychologische Psychotherapeuten (PsychTh-APrV)

§ 5 Selbsterfahrung

(1) Die Selbsterfahrung nach § 1 Abs. 3 Satz 1 richtet sich nach dem wissenschaftlich anerkannten psychotherapeutischen Verfahren, das Gegenstand der vertieften Ausbildung ist, und umfaßt mindestens 120 Stunden. Gegenstand der Selbsterfahrung sind die Reflexion oder Modifikation persönlicher Voraussetzungen für das therapeutische Erleben und Handeln unter Einbeziehung biographischer Aspekte sowie bedeutsame Aspekte des Erlebens und Handelns im Zusammenhang mit einer therapeutischen Beziehung und mit der persönlichen Entwicklung im Ausbildungsverlauf.
(2) Die Selbsterfahrung findet bei von der Ausbildungsstätte anerkannten Selbsterfahrungsleitern, die als Supervisoren nach § 4 Abs. 3 Satz 1 oder Abs. 4 anerkannt sind, statt, zu denen der Ausbildungsteilnehmer keine verwandtschaftlichen Beziehungen hat und nicht in wirtschaftlichen oder dienstlichen Abhängigkeiten steht. § 4 Abs. 3 Satz 2 gilt entsprechend.

In der Ausbildung zu einem Therapeuten werden die Studenten also selbst zum Patienten und dabei spielt es keine Rolle ob es eine medizinische Diagnose gibt. Gehen wir mal von „nur“ 80 Euro pro Sitzung aus und überschlagen einmal die Kosten:

mind. 120 Sitzungen a 80 € = 9.600 EUR

dazu kommen weitere Sitzungen in der Selbsterfahrung (ca. 50)

Kosten, welche Studenten ohne einen weiteren Kredit meist nicht aufbringen können. Was liegt da näher, als einen Therapeuten zu wählen, welcher das auch abrechnen kann. Voraussetzung hier, um es bei einer gesetzlichen Krankenkasse oder auch einer privaten Krankenversicherung (der Eltern oder der als StudentIn) abzurechnen ist eine Diagnose. Gibt es die nicht, heißt es selbst zahlen.

Leider schrecken daher viele davor zurück und eine Diagnose wird sich wohl finden. Ängste, schlechter Schlaf, der Anfang einer Depression, Stress und Burnout, der ICD Katalog der „F-Diagnosen“ gibt so einiges her und auch für den Therapeuten ist es ein gutes Geschäft.

Bitte verstehen Sie mich nicht falsch. Ich möchte weder einem Berufsstand noch einzelnen Therapeuten unrecht tun, ich kenne davon aber einige Fälle, Fälle wo sich für einige 50, 75, 100 Sitzungen schnell eine Abrechnungsdiagnose fand. Ich möchte gar nicht bestreiten, dass es diese auch bei den Patienten gab, nur ist diese dann das k.o. für alles weiter. Aber schauen wir einmal der Reihe nach.

Eine solche Rechnung könnte so aussehen.

Nun sehen wir hier keine Diagnose, somit wäre die Rechnung so nicht bei der Krankenversicherung abrechenbar. Aber dennoch abgabefähig.

Das K.O. Kriterium für jeden Antrag der Kranken- oder Berufsunfähigkeitsversicherung

Schauen wir, um das Problem besser zu verstehen, einmal in den Antrag einer typischen Versicherung. Nehmen wir einmal eine beliebige Krankenversicherung und dann weiterhin einen Antrag auf Absicherung bei Berufsunfähigkeit, welche für Studenten mindestens genau so wichtig ist.

Nehmen wir erst einmal den Antrag auf Krankenversicherung:

Da steht nichts von „war die Behandlung nötig oder wurde diese aus Selbsterleben oder für Studienzwecke durchgeführt?“, sondern wurde diese durchgeführt und das ist bei 120 oder mehr Sitzungen nicht zu leugnen.

Auch in der Berufsunfähigkeit sieht das in den Anträgen ähnlich aus. Nehmen wir den Antrag der Condor zum Vergleich und sehen gleich einen Unterschied.

Über die Frage 1h ließe sich noch diskutieren. Besteht eine Erkrankung, hm, vielleicht nicht wenn die Rechnungen alle selbst bezahlt wurden und auch als Selbsterfahrung deklariert wurden. Damit wäre diese Frage wahrheitsgemäß mit nein zu beantworten. Weiter geht es aber in der Frage 5. Dort wird nicht mehr gefragt ob die Behandlung nötig war oder warum, sondern nur noch ob länger als 2 Wochen eine solche Behandlung durchgeführt wurde. Damit sind auch die anzugeben, die selbst bezahlt sind und es stellt sich hier nicht mehr die Frage nach dem Abschluss, denn der ist damit gestorben.

Alle Anträge, Anwartschaften, Optionen müssen vor dem Studium gestellt werden

Nun, es ist kein Geheimnis, ein früher Abschluss ist nicht nur preiswerter, er verhindert auch Klauseln und Ausschlüsse, denn meist sind dort weniger gesundheitliche Probleme vorhanden. Daher sollten Sie damit nicht warten, sondern vor dem Studium entsprechende Vorsorge treffen.

Das kann entweder durch einen frühen Abschluss einer Berufsunfähigkeitsversicherung als Schüler oder spätestens als Student sein, oder aber durch die Nutzung von Anwartschaften und Optionen, wie diese auch für Kinder machmal benötigt werden.

Option auf späteren Versicherungsschutz, doch welches ist der richtige Tarif, welche die richtige Gesellschaft?

Auch wenn das geld knapp ist, es ist nicht anders lösbar

Studenten haben gewöhnlich wenig oder gar kein Geld und klar kann ich verstehen, Studium ist teuer, die WG muss bezahlt werden, leben und Party machen möchte man auch noch und ja, die Studienzeit soll auch Spaß machen. Manchmal bleiben nur die Eltern, welche dann bereit sind einzuspringen und noch eine gewisse Zeit den Versicherungsschutz bezahlen können.

Verpasst man hier die Möglichkeit, ist eine spätere Lösung ausgeschlossen. Wer also zu Beginn des Studiums keine Berufsunfähigkeitsversicherung hat, der wird nach der Therapie oder Selbsterfahrung auch mindestens fünf, bei vielen Unternehmen zehn Jahre, auch keine mehr bekommen. Einen Schutz, der elementar wichtig ist und wo es eher unverantwortlich ist, keinen zu haben. Nicht nur das „bisschen Geld“ während des Studiums muss abgesichert werden. Wer zahlt für den Rest des Lebens, die Altersvorsorge und alles weitere, wenn hier aufgrund Berufsunfähigkeit nie gearbeitet werden kann?

Die Lösung

Doch wie ist es nun lösbar? Da gibt es grundsätzlich mehrere Möglichkeiten.

Krankenversicherung

Eine ist eine Option.

4 Euro monatlich für die Sicherheit später wechseln zu können

11 Euro für stationären Zusatzschutz mit enthaltener Option

Mit beiden Bausteinen ist eines sicher. Endet die Versicherungspflicht in der GKV und möchte der Versicherte die Option nutzen, so fallen keine neuen Gesundheitsprüfungen an, der Gesundheitszustand ist damit eingefroren.

Berufsunfähigkeitsschutz

Hier gibt es so etwas leider nicht. Wer einen Schutz für BU möchte, der muss den auch bezahlen. Doch gerade die Beiträge in der BU Absicherung sind nicht unbedingt klein. Lösungen können hier sein:

verminderter Anfangsbeitrag für eine gewisse Zeit

reduzierter Schutz zu Beginn und Nachversicherungsgarantien

reduzieren des Endalters (nur wenn eine Garantie zur Erhöhung besteht)

Mit diesen Möglichkeiten lassen sich auch hier Absicherungen und Lösungen finden, welche später eine angepasste und bezahlbare Absicherung sicherstellen und verhindern, diese aufgrund der Therapie oder anderer Gesundheitsfragen nicht mehr zu bekommen.

Auch wenn Verbraucherschützer das etwas anders sehen und leider den Sinn nicht so recht verstanden haben, aber das lesen Sie am besten gern selbst.

Warum Verbraucherschützer pleite wären – haarsträubende Aussagen zur Absicherung gegen Berufsunfähigkeit für Studenten

Wer sich nicht kümmert, verbaut sich seine (Absicherungs-)zukunft und wird diesen einmal leichtsinnig gemachten Fehler nie mehr korrigieren können. Daher.

Sie kennen Studenten, Kinder die das Studium ins Auge fassen? Leiten Sie diesen Artikel weiter. Egal wo am Ende die Absicherung abgeschlossen wird und wie diese von der Gesellschaft oder dem Tarif aussieht, alles ist ein Anfang und nichts ist schlimmer als keine Absicherung zu haben und später zu bekommen. 

17.
Juli '13

Psychotherapie, Coaching und die Antragstellung für Versicherungen mit Gesundheitsfragen


Es ist ein immer wiederkehrendes Problem und auch ich habe in der Vergangenheit einiges dazu geschrieben. In den letzten Tagen und Wochen häufen sich wieder Anfragen wie diese:

„Ich überlege daher in die PKV zu wechseln. Jedoch ergibt sich bei mir das Problem, dass ich bis vor einem Jahr eine ambulante Psychotherapie in Anspruch genommen habe.“

Grundsätzlich ist eine pauschale Antwort ob eine Versicherungsmöglichkeit besteht, oder eben eine Ablehnung erfolgen wird, nicht möglich und von verschiedenen Faktoren abhängig, die sehr genau betrachtet werden müssen. Dabei spielt nicht nur die Risikopolitik der jeweiligen Gesellschaft eine Rolle, sondern insbesondere sind vor allen weiteren Prüfungen grundsätzliche Fragen abzuklären.

1.) Wann begann die Behandlung?

Hierbei ist der genaue Zeitpunkt wichtig um zu prüfen wie weit welche Gesundheitsfragen zu beantworten sind und welche Angaben gemacht werden müssen. Wichtiger ist jedoch noch das Ende der Behandlung, siehe Frage weiter unten.

2.) Was war der Auslöser der Behandlung?

Neben plötzlichen tragischen (von außen kommenden) Ereignissen wie Tod eines Angehörigen oder Freundes, Folgen bei Opfern von Straftaten oder schwere Krankheiten in der Familie sind auch andere Auslöser für eine Therapie möglich. Bei den „von innen kommenden Ereignissen“ kann es sich neben Depressionen, Ängsten und Anpassungsstörungen auch um Auslöser wie „Aufarbeitung der Kindheit“ oder „Beziehungsprobleme“ handeln. Weitere Auslöser sind Prüfungsängste oder berufliche Probleme, welche oft im Rahmen eines „Coaching“ behandelt werden und nicht immer als „psychotherapeutische Behandlung“ wahrgenommen werden/ wurden.

3.) Wie viele Sitzungen wurden absolviert?

Die Gesamtzahl der Sitzungen ist genauso entscheidend wie die Intensität der Behandlung. Wurde wöchentlich oder in größeren Abständen behandelt? Wie haben sich die Abstände der Sitzungen während der Behandlung verändert? Gab es nach Abschluss noch weitere Kontrolluntersuchungen bzw. weitere Gespräche um den Erfolg nach einer längeren (mehr …)

17.
Februar '12

Psychotherapie und die Private Krankenversicherung – abgebrochene Therapie besser als zu Ende geführte?


 

Die Psychotherapie ist für viele Private Krankenversicherungen (PKV) nach wie vor ein „rotes Tuch“. Kunden mit einer solchen Behandlung in der Krankengeschichte werden nicht selten ohne weitere Prüfung abgelehnt. Auch wenn einige Gesellschaften mittlerweile die Antragsfragen geändert haben und somit ihre Abfragezeiträume von teilweise 10 auf 5 oder gar 3 Jahre reduziert haben, immer noch ist eine durchgeführte Therapie in diesem Zeitraum ein k.o. Kriterium.

Warum führt Psychotherapie so häufig zur Ablehnung?

Der Grund der Ablehnung bei den meisten Unternehmen ist gar nicht die Therapie selbst und deren Kosten, sondern das „Drum-Herum“. Gerade bei psychischen und psychosomatischen Erkrankungen liegen hier zum Teil deutlich höhere Kostenrisiken in der Diagnostik, als in der Behandlung selbst. Um das zu verdeutlichen, hier ein Beispiel aus dem eigenen Kundenkreis:

Ein Rechtsanwalt mit eigener Kanzlei leidet seit einigen Monaten unter Kopfschmerzen, Magenbeschwerden und Unwohlsein. Nachdem er es mit den üblichen Hausmitteln allein versucht zu beheben, geht er nach 3 Wochen zu seinem Hausarzt und bittet um eine Untersuchung und Abklärung. Dieser beginnt mit der üblichen Untersuchung, nimmt Blut ab und beginnt mit einer weiterführenden Diagnostik. Nach weiteren 3 Wochen ergibt sich immer noch kein organischer Befund, aber auch keine Änderung der Beschwerden. Es werden wegen der Bauschmerzen ein MRT (Magnetresonaztomographie) des Bauches angeordnet, verbunden mit der Gabe seinen Kontrastmittels und im weiteren Verlauf noch ein CT (Computertomogramm). Auch diese bringen nur unauffällige Befunde und keine Änderung der Beschwerden. Nach weiteren Untersuchungen und Blutabnahmen vermutet der Arzt eine Überlastung durch den Aufbau der eigenen Kanzlei der letzten Jahre und der starken Arbeitsbelastung und schlägt eine begleitende Psychotherapie vor. Diese soll zunächst auf 20 Sitzungen begrenzt sein.

Die Kosten: 

Für die Untersuchungen beim Hausarzt sind insgesamt über 6 Wochen knappe 450 EUR entstanden, dazu etwa 350 EUR für Labore und die Erstellung von Blutwerten. Das MRT und CT schlugen insgesamt mit knappen 900 EUR zu buche. Die Psychotherapiekosten betrugen pro Sitzung knappe 100 EUR (max. also 2.000 EUR für die geplanten Sitzungen).

Nach den ersten 5 Sitzungen beendete der Kunde seine Therapie, da er nun „wisse mit sich umzugehen und erkenne, wo seine Grenzen sind“. Er teile sich seine Zeit besser ein, kann abends besser abschalten und brauchte einfach nur mal „ein paar Tipps“, wie er selber sagt.

Die Gesamtkosten lagen also hier bei 2.200 EUR. Für einen privaten Krankenversicherer doch gar keine so großen Summen, sollte man meinen.

Doch warum lehnen dann die meisten Unternehmen solche Kunden dennoch schnell ab?

Der Grund ist das „individuelle Risiko“. Kunden die schon einmal eine solche Therapie gemacht haben oder psychosomatische Beschwerden haben, neigen aus versicherungsmedizinischer Sicht oft dazu, dieses auch wieder einmal in Anspruch zu nehmen. In meinem geschilderten Fall war es nach 2 Jahren so. Der damals nicht versicherte Kunden war durch den Weggang einer Mitarbeiterin der Kanzlei nun plötzlich in alte Muster zurückgefallen. Nur waren es diesmal nicht die Magenschmerzen, sondern er bekam undefinierbare rote Flecken auf der Haut. Auch hier erfolgte weitere Abklärung und umfangreiche Diagnostik und eine anschließende, diesmal aber 25 Sitzungen lange, Therapie zur Bewältigung von Stress. Im Nachhinein betrachtet hat der Versicherer mit der damaligen Ablehnung genau das richtige getan, er hat in seinem Kundenbestand Leistungen vermieden, indem er „erhöhte Risiken“ nicht aufgenommen hat.

Gibt es Unterschiede bei unterschiedlichen Ursachen der Therapie?

Ja, ganz deutliche sogar. Nimmt ein Antragsteller die Hilfe von Psychologen oder Psychotherapeuten in Anspruch, weil sich ein extremes Ereignis in seinem Leben zugetragen hat, so ist die Bewertung aus Sicht der Versicherung meist deutlich positiver. Wer also nach einer Scheidung, nach dem Tod naher Angehöriger oder gar als Opfer einer Gewaltstraftat den Weg zum Psychologen gesucht hat, der hat genau das richtige getan. Nicht das Verkriechen und das „ach ich komm schon damit zurecht“, sondern der Weg sich professionelle Hilfe zu holen wird hier seitens der Risikoprüfer als positives Signal bewertet.
(mehr …)

12.
September '11

Psychotherapie – das k.o. Kriterium für den Abschluss einer Berufsunfähigkeitsversicherung?


Bereits in vorangegangenen Blogbeiträgen schrieb ich über das Risiko, mit einer abgeschlossenen Psychotherapie keine Private Krankenversicherung zu bekommen. So pauschal ist so eine Aussage natürlich nicht zu treffen. Entscheidend kommt es bei der Betrachtung auf einige wichtige Faktoren an.

1.) Was war die genaue Ursache der Therapie?

2.) Wurden Medikamente eingekommen, falls ja welche und wie lange?

3.) Wie viele Sitzungen wurden absolviert und in welchen Abständen?

4.) Wurde die Behandlung beendet oder abgebrochen?

und viele andere Fragen mehr. Doch anders als in der Privaten Krankenversicherung, wo es oftmals ein generelles k.o. Kriterium ist, kann in der Berufsunfähigkeitsversicherung mit zwei Vertragseinschränkungen gearbeitet werden. Der Ausschluss oder ein Beitragszuschlag.

Der Beitragszuschlag richtet sich nach den oben genannten Faktoren und wird von einigen Unternehmen angeboten. Andere wiederum lehnen das Risiko komplett ab, da diese einen Ausschluss nicht dulden wollen. Der Grund ist recht einfach.

Eine psychische oder psychosomatische Erkrankung gehört zu den so genannten „nicht abgrenzbaren“ Krankheitsbildern. Das bedeutet für den Versicherer die Schwierigkeit, das dieser das Risiko nicht so klar abgrenzen kann, das es in einen Ausschluss formuliert werden kann. Zum besseren Verständnis ein Beispiel:

Stellen Sie sich vor, der Versicherer bekommt einen Antrag, nachdem der Kunde vor einigen Jahren eine Psychotherapie wegen Prüfungsstress in Anspruch genommen hat. Nun (würde er) formuliert er einen Ausschluss, der lauten könnte:

Ausgeschlossen vom Versicherungsschutz sind psychische und psychosomatische Erkrankungen und deren Folgen.“

Würden Sie einen solchen Ausschluss unterschreiben und den gewünschten Versicherungsschutz ohne einen Beitragszuschlag somit bekommen? Ich nicht. Warum?

Die Erkrankung ist nicht begrenzbar, nicht abgrenzbar von anderen Erkrankungen. So ist Stress bei der Abwicklung des Leistungsfalls zur Berufsunfähigkeit schon heute vorprogrammiert.

Leidet der Kunde später an einem Magengeschwür, Herz- Kreislauferkrankungen oder dergleichen, wer will denn dann mit Sicherheit sagen, dass hier keine psychischen oder psychosomatischen Einflüsse vorliegen und der Versicherungsschutz deshalb nicht besteht?

Bei einer Unmenge von Erkrankungen spielt die psychosomatische Komponente eine große Rolle. Hat der Kunde damit seinen Leistungsanspruch mit dem oben genannten Ausschluss verspielt? Wozu hat er denn dann eine Berufsunfähigkeitsversicherung abgeschlossen?

Die Lösung?!

Einige Unternehmen decken das Risiko dennoch ein, wenn zwischen der letzten Behandlung und der Antragstellung ausreichende Zeit vergangen ist. Einen generellen Zeitraum von x Jahren gibt es dabei aber nicht. Wichtiger dabei ist die Beantwortung der Fragen vom Anfang dieses Beitrages. Damit kann der Risikoprüfer sehr genau und sehr individuell sehen, welche Art von Erkrankung es war und vor allem wie genau dieses behandelt wurde und es sich entwickelt hat.

Was Sie nie tun sollten:

1.)Stellen Sie nie finale und verbindliche Anträge. Diese werden bei einer Ablehnung entsprechend abgabepflichtig bei weiteren Anträgen und verhindern, eine vielleicht sonst mögliche, Aufnahme.

Stattdessen wenden Sie sich an einen qualifizierten und spezialisierten Berater und bitten diesen Voranfragen zu stellen. Diese machen Arbeit- nicht nur für den Berater- auch für Sie. Sie müssen Befunde besorgen, eine eigene Beurteilung der Erkrankung, des Verlaufes und der Folgen schreiben und erklären wie es „aus Ihrer Sicht“ war.

2.) Suchen Sie die Versicherung nie danach aus, wer Sie mit einem möglichst kleinen Zuschlag nimmt.

Es geht bei der Absicherung der eigenen Arbeitskraft / des eigenen Einkommens immer zunächst nur um die Frage der Bedingungen. Nur wenn diese klar, sauber und deutlich formuliert sind, nur dann werden Sie im Leistungsfall „gute Karten haben“, ihre Versicherte BU Rente auch zu bekommen. Wie stark sich Formulierungen unterscheiden können, dass lesen Sie am besten in Gegenüberstellungen in meinem Leitfaden zur Berufsunfähigkeitsversicherung einmal nach. Sie werden erkennen, wie manchmal schon ein kleines Wort über Rente oder keine Zahlung entscheiden kann.

3.) Entscheiden Sie sich immer für das bestmögliche Bedingungswerk, ggf. auch mit einem Zuschlag.

Bevor Sie sich zu einem Abschluss bei einem zweit- oder drittklassigen Bedingungenwerk ohne Zuschlag hinreissen lassen, wählen Sie die (wenn auch teurere) Variante bei einem Unternehmen mit klar definierten Bedingungen. Es ist im Leistungsfall schlichtweg egal, ob Sie 10, 15 oder gar 20 Euro im Monat weniger gezahlt haben, wenn Sie dann doch keine Leistung bekommen. Dann ist der komplette Vertrag „für die Katz“ und auch die vermeintliche Ersparnis hat nicht gebracht.

Weitere Informationen die bei der Vorplanung wichtig sind:

Brutto- oder Nettobeitrag in der Berufsunfähigkeitsversicherung – was zahl ich denn nun eigentlich?

Der Finanztest Artikel „Die 50 besten Versicherungen“ zur Berufsunfähigkeit oder: Haben die ihre Testergebnisse gewürfelt?

Richtige Rentenhöhe oder gar keine Berufsunfähigskeitsabsicherung

18.
November '10

Axa führt Ergänzungsbaustein für Psychotherapie im Elementar (EL) Tarif ein. EPT-N


Das der großer „Run“ auf die möglichen GKV Kunden, die nun in die private Krankenversicherung wechseln können, beginnt oder bereits im Gang ist, wissen wir nicht erst sei dem der Bundestag den Entfall der 3-Jahresregel durch das GKV Finanzierungsgesetz (GKV-FinG) beschlossen hat. Versicherer loben Sonderaktionen aus, bieten Garantien und verändert ihre Tarife und Bedingungen.

Auch die Axa Krankenversicherung verbessert die Leistungen im Tarif Elementar (EL) durch einen Zusatzbaustein. (Ein) Manko dieses Tarifs ist die fehlende Leistung bei Psychotherapie. In den Tarifbedingungen des Tarifes EL-N heißt es dazu:

A. Leistungen des Versicherers

(2) Erstattung bei ambulanter Heilbehandlung

Nicht erstattungsfähig sind Aufwendungen für ambulante Psychotherapie, Behandlungen und Verordnungen durch Heilpraktiker, Fahrtkosten zu einer ambulanten Behandlung, Sterilisation, Schwangerschaftsunterbrechungen aus nicht medizinischen Gründen sowie ambulante Kuren und Rehabilitationsmaßnahmen (siehe auch unter B. Leistungsausschlüsse).

Klar, die anderen Ausschlüsse kann man immer noch nicht ändern, aber dafür bietet die Axa und der Markt genügend Alternativen an anderen Tarifen an. Aber der Punkt „ambulante Psychotherapie“ ist nun zumindest einschließbar, gegen eigenen Beitrag und mit Leistungslimitierung. Aber eines nach dem anderen:

Was also tut die Axa:

Ab sofort bietet der Versicherer seinen (Neu-)kunden einen ergänzenden Tarifbaustein unter dem Namen EPT-N an.  Aufgrund der Aufnahmebedingungen ist jedoch davon auszugehen, das dieser Tarif nur bei gleichzeitigem Neuabschluss und nicht nachträglich möglich ist. In den Tarifbedingungen heißt es:

Aufnahmefähig sind Personen, die gleichzeitig mit Tarif EPT-N den Tarif EL-N oder EL Bonus-N bei uns abschließen.

weiter heißt es aber dann:

Versicherungsfähig sind Personen, für die beim Versicherer eine Krankheitskostenvollversicherung ohne Leistungen für ambulante Psychotherapie besteht.

Hiermit beantwortet sich auch die Frage, ob es auch als Ergänzung zu anderen PKV Tarifen bei anderen Gesellschaften abschließbar ist. Nein. Denn nur wenn „beim Versicherer“ ein entsprechender Tarif der PKV besteht, ist der Baustein wählbar.

Und was zahlt der Tarif dann?

Auch hierzu finden sich in den Tarifbedingungen entsprechende Regelungen. Dabei werden prozentual und mit Sitzungszahlbegrenzung die Kosten erstattet. Den folgenden Wortlaut finden wir in den Bedingungen wieder:

Für medizinisch notwendige ambulante psychotherapeutische Behandlung werden erstattungsfähige Aufwendungen zu 75% erstattet. Die Leistungen sind auf 30 Sitzungen je Versicherungsjahr begrenzt.

Geleistet wird für psychotherapeutische Behandlungen durch niedergelassene ärztliche Psychotherapeuten, sowie den im Arztregister eingetragenen, in eigener Praxis tätigen psychologischen Psychotherapeu- ten bzw. Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeuten.

Und was kostet der Tarif EPT-N nun?

Hier ein paar Beispiele:

Eintrittsalter 20Männer 3,63 EUR monatlich und Frauen 8,03 EUR

Eintrittsalter 30 – Männer 4,73 EUR und Frauen 11,66 EUR

Eintrittsalter 40 – Männer 5,06 EUR und Frauen 12,98 EUR

Eintrittsalter 50 – Männer 5,17 EUR und Frauen 13,42 EUR

Die Beiträge sind jeweils inkl. des obligatorischen, 10%igen gesetzlichen Beitragszuschlages angegeben. Bis zu dem Arbeitgeberhöchstzuschuss sind diese Beiträge auch zur Hälfte vom Arbeitgeber zu tragen, da es sich um einen Baustein in der Krankenkostenvollversicherung handelt.

Ob ein solcher Tarifbaustein für Sie Sinn macht oder ob Sie sich aufgrund der Auswahlkriterien generell für einen anderen Tarif entscheiden, müssen Sie nach sorgfältiger Beratung frü sich entscheiden. Auf jeden Fall ist es löblich solch eine Option anzubieten.

Weitere Beiträge zur Axa Krankenversicherung

Auswahlkriterien zur PKV

Leitfaden zur Privaten Krankenversicherung (PKV)