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01.
November '16

Die 1-Minuten-BU von Knip – ein Marketing Gag der zum Verlust des Versicherungsschutzes führen kann, aber keine seriöse Beratung


Zunächst einmal ist es mehr als positiv, dass auf die Wichtigkeit und Notwendigkeit einer Berufsunfähigkeitsversicherung hingewiesen wird, dabei ist es völlig egal von wem dieses geschieht.

Artikel: Warum es unverantwortlich ist keinen BU Schutz zu haben

Und auch wenn das Handelsblatt in seiner unsäglichen Geschichte vor einigen Wochen eine etwas andere Meinung vertreten hat, hat man selbst dort dieses inzwischen revidiert. Doch gerade die Berufsunfähigkeitsversicherung, die Absicherung der eigenen Arbeitskraft und damit die Sicherung aller anderen Vorhaben im Leben, gehört zu den wichtigsten Vorhaben.

Artikel: Ohne Einkommen ist alles andere nichts

Ohne ein regelmäßiges Einkommen sind die Finanzierung der laufenden Ausgaben, die Bezahlung der Ausbildung der Kinder, eigene (Urlaubs-) Reisen natürlich auch die Altersvorsorge nicht möglich. Wer kein Einkommen mehr erzielen kann, da er krankheits- oder unfallbedingt keine Erwerbstätigkeit mehr nachgehen kann, der benötigt jemanden der für dieses Einkommen sorgt, die Berufsunfähigkeitsversicherung.

Nun haben die sogenannten Insurtechs, also Unternehmen die eine Verwaltung ihrer Versicherungen über eine App auf dem Smartphone anbieten, auch „schon“ das Thema und die Wichtigkeit der Berufsunfähigkeitsversicherung erkannt.

Artikel: Knip, Clark und Co – ein neuer Ansatz der Beratung?

Getreu nach dem Motto „die Geister die ich rief“ muss natürlich speziell bei diesen Fintechs alles möglichst einfach, unkompliziert und mit wenigen Klicks erledigt sein. Da wundert es mich nicht, dass man dort die so wichtige Berufsunfähigkeitsversicherung, also die Absicherung der eigenen Arbeitskraft als „1-Minuten-Produkt“ bewirbt. In seinem aktuellen TV Spot heißt es an wörtlich:

„Dabei dauert es nur eine Minute sich vor dem Ernstfall (Anmerkung: Berufsunfähigkeit) zu schützen. Nimm dir jetzt die Zeit!“

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Als gewissenhafter Berater und jemand der sich bereits seit über 16 Jahren mit dem Thema Berufsunfähigkeitsversicherung beschäftigt sträuben sich mir die Nackenhaare. Hier wird suggeriert, dass eine Absicherung gegen das elementare Risiko der Berufsunfähigkeit mit einem Zeitaufwand von nur einer Minute möglich sein soll. Hier wird eine Illusion geschaffen die nur ein einziges Ziel hat, den möglichen Interessenten auf die eigene Internetseite zu locken.

Lassen Sie mich eines vorwegnehmen. Ich habe genau das getan, ich habe mich der Website umgesehen und versucht eine Berufsunfähigkeitsversicherung zu berechnen. Unabhängig davon, dass selbst ich (und im Gegensatz zu dem Laien weiß ich sogar wo ich klicken muss und was vielleicht wichtig sein könnte) in einer Minute nicht ansatzweise so einen sinnvollen Vorschlag gekommen bin, ist diese „1 Minuten BU“ ein wahrer Hohn. Wer ernsthaft glaubt, dass die Auswahl einer existenzsichernden und damit „lebenswichtigen“ (zumindest finanziell) Police innerhalb von einer Minute erledigt sein kann, der glaubt auch das Zitronenfalter Zitronen falten.

Schauen wir uns doch die „Beratung“ einmal etwas genauer an und wählen dabei einen Musterkunden. Dieser Kunde in meinem Test war ein Diplom-Informatiker. Ich habe ein fiktives Bruttoeinkommen von 3.200 €/ netto 2.000€ vorgegeben, dazu ein Endalter bis zum 67. Lebensjahr.

knip-bu-dateneingabeNach Eingabe dieser Daten (mehr wird auch nicht abgefragt) offeriert mir der Onlineanbieter sofort die drei passenden Angebote.

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Cool, geht jedoch ganz schnell und in wenigen Minuten kann ich mich entscheiden. Die Kriterien zum Versicherungsumfang sind auf einer Seite zusammengefasst, und es gibt sogenannte Comfortleistungen. Zum unterstützen meiner Auswahl ist der mittlere Tarif mit dem Zusatz „unsere Preis/Leistung Empfehlung passen zu deiner Lebenssituation“ noch farblich hervorgehoben. Für 90,55 € im Monat bekomme ich einen Versicherungsschutz von 1.500 € monatliche Rente.

Stopp! Warum stehen denn da 1.500 €? Ich habe doch gerade bei meinem Nettoeinkommen 2.000 € vorgegeben und das Bruttoeinkommen beträgt 3.200 €? Selbst wenn ich eine Rechnung von 65 % des Bruttoeinkommens (wie das einige Gesellschaften tun) zu Grunde legt, liegt meine versicherbare Rente bei knapp 2.000€. Das kann der Onlinerechner natürlich nicht wissen, denn das Bruttoeinkommen wird gar nicht erst abgefragt.

Doch im oberen Bereich des Bildschirms geht es eine Möglichkeit das Angebot zu individualisieren. „Super“ denke ich und klicke drauf. Daraufhin erscheint die folgende, durchaus interessante Auswahlmaske.

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Geht also der Onlinerechner davon aus, ich hätte keinen Schulabschluss. Klingt logisch, habe ich doch als Beruf Informatiker eingegeben, dazu braucht man sicherlich keine Ausbildung. Also korrigiere ich diesen Unsinn auf Diplom. Klicke danach auf Filter anwenden und warten was passiert.

Es folgen drei neue Angebote, dummerweise ist das günstigste Angebot von 63 auf 68€ angestiegen, was angesichts der besseren Berufsausbildung völliger Unfug ist. Aber ich als unbedarfte Kunde tue genau das was von mir erwartet wird und klicke auf „online beantragen“ unter dem mittleren Angebot, schließlich ist dieses die Empfehlung des Anbieters.knip-bu-drei-angebote-ii

Zu meiner großen Überraschung funktioniert ab jetzt fast nichts mehr. Meinen Namen, das Geschlecht und mein Geburtsdatum kann ich noch eingeben, ebenso meine Handynummer zur Verifikation. Den Code der mir per SMS umgehend auf mein Smartphone geschickt wird gebe ich sofort ein. Ebenso trage ich dann auf der folgenden Seite meine Anschrift und Bankverbindung ein. Interessant ist die Unterschrift im Feld darunter. Nach meiner Unterschrift sieht das nicht aus, wie sollte es auch schließlich habe ich nirgendwo unterschrieben.

knip-bu-pers-datenIch ging weiter und komme zur nächsten Seite mit Gesundheitsfragen. Um den Versicherungsschutz auf mich und meinen Versicherer abstimmen zu können, dazu benötigt Knip nun meine Gesundheitsangaben. Naiv wie ich bin dachte ich ernsthaft, die Produktauswahl wäre beendet und man hätte mir bereits eine Empfehlung gegeben?

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Übrigens funktioniert bei dem Klick auf die Dokumente auf der rechten Seite nur die Beratungsdokumentation (hier ein Beispiel) und die erst Information. Wer jedoch glaubt er könnte den Versicherungsvertrag oder die zugrundeliegenden Versicherungsbedingungen einmal nachlesen, der wird enttäuscht.

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Nachdem es bei meinem Versuch gestern gar keine Informationen gab, erhalte ich heute beim Klick auf „Erstinformation“ eine Information für Vertriebspartner. Das ist nett, bringt aber rein gar nichts und ist am Ende auch nichts für den Kunden. Klick auf „Versicherungsvertrag“ und „AVB“ führen zu einer Fehlermeldung und dem Hinweis diese Infos gibt es erst im Antrag. Die „Beratungsdokumentation“ gibt es hier nachzulesen.knip-bu-fehler-i

Doch nun mache ich mich an das Ausfüllen der Gesundheitsfragen, kommen jedoch nicht wirklich weiter. Nachdem ich die Frage nach bestehenden Erkrankungen der letzten fünf Jahre wahrheitsgemäß mit ja beantwortet habe, geht es nicht mehr weiter.

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Nachdem ich dann auf die Kontaktvariante E-Mail geklickt habe, kommt nur noch ein Hinweis, dass ich es jetzt geschafft habe und man mir die Unterlagen zusenden wird. Blöd nur, dass diese nicht kamen.

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Viel interessanter ist jedoch etwas Anderes, denn während mir die Produktempfehlung von einem Beitrag von über 90 € verkauft werden sollte, ergab die Berechnung bei der AXA direkt eine Prämie von 76,53 € und damit eine viel geringere Prämie. Über die Laufzeit gesehen hätte ich bei einem voreiligen Abschluss über Knip immerhin 4.710,72 € zu viel bezahlt.

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Ebenfalls fragwürdig ist die Produktempfehlung selbst, denn andere Anbieter weisen einen durchaus umfangreicheren Versicherungsschutz auf und bieten diesen für eine geringere (als die von Knip ausgewiesene) Prämie an. So müsste ich für einen vergleichsweise identischen Versicherungsschutz mit 1.500 € Rente bis zum 67. Lebensjahr und einem umfangreicheren Bedingungswerk bei der Alte Leipziger Versicherung nur 83 statt 90 € Monatsprämie zahlen, auch hier immer noch eine Ersparnis von 2.352 € über die Vertragslaufzeit von 28 Jahren.

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Auch die Gesundheitsfragen in dem Formular bei Knip sind nicht identisch mit den Gesundheitsfragen im Antrag der AXA. Das führt dazu, dass selbst bei wahrheitsgemäßer Beantwortung aller Fragen eine Abweichung zu den Angaben im Antrag besteht. Mal unterstellt der Interessent bekommt nach diesem Onlineformular den Antrag noch per E-Mail zugeschickt und vertraut darauf, dass seine Angaben richtig übernommen worden, besteht hier eine weitere große Gefahr. Durch die abweichenden Formulierungen entsteht die Gefahr einer Verletzung der vorvertraglichen Anzeigepflicht. Dieses führt zu einer Verweigerung des Versicherungsschutzes im Leistungsfall und am Ende war die gesamte Police nichts wert.

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Es scheint sich übrigens nicht um ein Problem in der Datenübermittlung an die AXA zu handeln, sondern um ein generelles technisches Problem. Alternativ habe ich ein Angebot für eine Altenpflegerin mit einer monatlichen BU Rente von 1.500 € berechnet. Hier wird als Empfehlung ein Versicherungsschutz bei der Allianz ausgesprochen, mit einer monatlichen Rente bis zum 67. Lebensjahr und einer Prämie von 355,19 €. Klickt der Interessent hier auf die Dokumente und erwartet dann seinen Versicherungsvertrag oder die erst Information, so bekommt er ein Musterangebot für Max Muster einer Rente von 1000 € und einer Prämie von 60 €. Die Schnittstellen zu den Versicherern scheinen hier also nicht nur manchmal, sondern ganz generell nicht zu funktionieren, und eine entsprechende Aufbereitung der Angebote findet nicht statt.

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Eine 1-Minuten-BU ist eine Marketinglüge

Hier wird bewusst versucht ein kompliziertes und beratungsintensives Thema irgendwie kompatibel mit dem Ansatz eines Insurtechs zu machen. Mit dem heutigen Stand ist dieses jedoch nicht machbar und ein Abschluss über diesen Weg nicht zu empfehlen.

Der Interessent bekommt unpassende und viel zu teure Angebote, bekommt keine umfangreichen Leistungsvergleiche und Vertragsinformationen und ihm werden wahllos drei Tarife auf den Bildschirm geworfen. Zudem scheint in der Berechnungsroutine einiges nicht zu funktionieren, denn selbst nach Eingabe eines höherwertigen Berufsabschlusses (in unserem Fall dem Diplom) erscheint im zweiten Schritt eine höhere Prämie.

Zusammengefasst sich das Angebot zur 1-Minuten-BU wie folgt beschreiben

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Nach den derzeitigen Informationen und mit dem derzeitigen Ablauf ist von einem online Abschluss über die Knip Plattform dringend abzuraten. Das von Knip online gestellte Video mit dem BU Experten (der keiner zu sein scheint) ist noch viel schlimmer… Dazu mehr in einem anderen Artikel. Generell stehe ich jedoch auch der neuen Entwicklung sehr positiv gegenüber, habe ich doch bereits vor 16 Jahren mit der Onlineberatung begonnen und berate seit dem ausschließlich im Rahmen der Fernberatung am Telefon und online. Eine App und damit ein schneller Kontakt mit dem Berater und die Verfügbarkeit von Informationen über den eigen Vertrag kann durchaus hilfreich sein.

Jedoch dauert bei mir eine Beratung zu Berufsunfähigkeit mehrere Stunden, erfordert die Auswahl mit passenden Kriterien und ein individuelles Ausarbeiten und Festlegen der Berufsgruppe, der Risikofaktoren und der Erstellung eines persönlichen Angebots. Erst das Zusammenspiel aller Faktoren führt zu einer individuell passenden Absicherung und bedarfsgerechten Konditionen Weitere Informationen finden Sie auch unter folgenden Links. Bei Fragen sprechen Sie mich gern an, eins kann ich aber versprechen: Ohne einige Stunden investierte Zeit werden Sie niemals zu einem passenden Schutz kommen.

04.
August '16

Pokémon Trainer Unfallversicherung von Knip – warum Du die lieber nicht abschließen solltest und was dennoch sinnvoll ist


Nicht zum ersten Mal erkläre ich hier, dass ich einige Schritte im Marketing von Knip, Clark & anderen Fintechs (richtiger Insurtechs) sehr mag. Die Gründer der Apps „mischen den Markt etwas auf“ und zeigen auch den Versicherern, aber auch Versicherungsvertretern und -maklern das hier Veränderungen stattfinden können und werden. Ob das positiv oder negativ zu bewerten ist, das will ich mal vollkommen dahingestellt lassen, ich habe in meinem Artikel

Sind die Fintechs „Clark, Knip, Getsafe, mobilversichert.de
 & Co“ wirklich kostenlos? Nicht ganz, SIE bezahlen mit IHREN Daten und Ihrem bisherigen Betreuer

ausführlich erklärt wie das Modell aussieht und wo die Vor- und Nachteile liegen. In den letzten Tagen und Wochen machten zwei andere Punkte „Schlagzeilen“. Zuerst einmal Pokémon Go, das Spiel das mittlerweile schon von über 16 Millionen Menschen in Deutschland gespielt wurde oder wird. Menschen treffen sich in Parks, in der Stadt, laufen über Wiesen und sammeln kleine, elektronische Figuren auf Ihrem Smartphone. Einen Haken hat die Sache jedoch, wer ständig auf sein Smartphone schaut, der hat manchmal einfach keinen Blick für seine Umwelt.

Wenn Spieler nur gegeneinander laufen, dann ist das nicht tragisch, gibt eine Beule, tut etwas weh und gut. Schlimmer wird es dann, wenn beim Pokémon Go Spielen die Umwelt total vergessen wird und da kann es schnell einmal zu einem Unfall kommen. OK, ganz so schlimm und tragisch wie die Anbieter dieser Police sehe ich das nicht, wenn man auch nur einigermaßen aufpasst, aber das Risiko besteht natürlich.

Pokemon Go

Pokémon Go „Trainer (Unfall-)Versicherung?

Eines muss man Dennis Just, dem Gründer des „App-Maklers“ Knip lassen, kreative Idee haben er und sein Team durchaus und so springen diese auf den Pokémon Go Hype auf und versuchen dabei ein Geschäft zu machen. Das ist legitim, ob das so aufgeht und es für den Kunden am Ende sinnvoll ist, das schauen wir uns hier einmal an.

Die Unfallversicherung, welche mit dem Zusatz „Pokémon-Versicherung“ durch Knip vertrieben wird, ist nichts besondres, es ist eine „stinknormale“ Unfallversicherung, Risikoträger ist hier die Barmenia Versicherung aus Wuppertal. Dazu schreibt Knip auf der Homepage folgendes:

Knip Pokemon Versicherung 2-8-16

Quelle: Homepage Knip, 3. August 2016

Es handelt sich also um einen normalen Unfallschutz der Barmenia, welcher auch so abzuschließen ist. Aber: Der Schutz endet automatisch nach einem Jahr, sicher ist dann der Hype um das Spiel wieder vorbei, oder warum ist der Schutz dann nicht mehr nötig?

Zudem bekommt Ihr/Sie den Unfallschutz geschenkt, wenn Ihr Euch bis zum 15. 08. 2016 entscheidet. Doch Moment…

Welche Voraussetzungen müssen denn erfüllt werden?

Auch hier finden wir die nötigen Informationen auf der Website von Knip. Dort heisst es, es sind drei Schritte nötig.

1.) Ihr müsst Euch die App laden (und Knip Kunde werden)

2.) Ihr müsst ein Maklermandat bei Knip unterschreiben (Anm. und werft damit Euren bisherigen Berater oder Vertreter raus und die Verträge werden durch Knip betreut!)

3.) mindestens eine Police muss in der App enthalten sein und von Knip verwaltet werden (Anm. also in den Bestand von Knip übergehen)

4.) Ihr müsst die Pokémon Versicherung mobil bestellen (nur bis 15.8. ist diese kostenlos)

OK, das relativiert das „tolle Angebot“ schon wieder

Warum? Nun, schauen wir uns an was andere Anbieter gemacht haben. Für eine Kundenempfehlung bei Clark, einem Mitbewerber von Knip, gab es einige Zeit lang bis zu 150€ Prämie für den Werber. Anders gesagt, es gab 4 solcher Unfallversicherungen a‘ 35€ Jahresbeitrag.

Für einen kostenlosen Unfallschutz von 30.000 Euro bei Invalidität setzt Ihr Euren gewohnten Berater vor die Tür. Was da genau passiert und wie es abläuft, das habe ich in dem oben verlinkten Beitrag erklärt.

Ist der Unfallschutz für Pokémon’s (bzw. -trainer) denn gut?

Klare Antwort. Nein. Es ist nichts halbes und nicht ganzes. Natürlich klingen 30.000€ Grundsumme nicht schlecht, so kommt bei einem Unfall wenigstens ein bisschen Geld, richtig? Nicht ganz. Dazu schauen wir uns einmal ein Beispiel an. Für die Berechnung einer Zahlung gilt in der Unfallversicherung die so genannte Gliedertaxe. Das ist nichts anderes als eine Tabelle, die den Umfang der Leistung regelt. Zu finden unter dem Punkt 2.1.2.2.1. der Bedingungen.

Wichtig ist auch, es muss ein DAUERHAFTER Schaden bleiben, eine so genante Invalidität.

 

Invalidität: Die versicherte Person hat eine Invalidität erlitten. Eine Invalidität liegt vor, wenn unfallbedingt – die körperliche oder geistige Leistungsfähigkeit -dauerhaft beeinträchtigt ist. Dauerhaft ist eine Beeinträchtigung, wenn – sie voraussichtlich länger als drei Jahre bestehen wird und – eine Änderung dieses Zustands nicht zu erwarten ist.

Nur ein gebrochener Arm „reicht nicht aus“ um eine Leistung zu bekommen, das ist zwar in einigen anderen Versicherungstarifen durchaus versicherbar, hier aber nicht enthalten. Ist der Arm nun komplett gebrauchsunfähig und das dauerhaft, so können MAXIMAL 70% Invalidität entstehen.

Arm max. 70% von 30.000 Euro = maximal 21.000 Euro

Hand max. 60% von 30.000 Euro = maximal 18.000 Euro

Auge max. 80% von 30.000 Euro = 24.000 Euro

Gehör auf einem Ohr 50%, auf zwei Ohren 80% (nicht 100!)

Wer also seinen Arm nicht mehr richtig bewegen kann, weil die Schulter nach einem Autounfall, Pokémon Unfall oder was auch immer sonst für einem UNFALL geschädigt ist und auch hier dauerhaft, der erhält dann etwas Geld.

Natürlich sind solche Zahlungen „nett“, es ist immer hilfreich Geld zu bekommen, jedoch muss es ausreichend und passend sein.

Niemand weiss wann der Unfall passiert

Daher kann das Geld aus der Unfallversicherung normalerweise nicht ausgegeben werden, sondern sollte dazu dienen davon zu zehren. Doch was passiert bei einer vollständigen Erblindung oder dem Verlust des Hörens auf beiden Ohren durch einen Unfall? Gigantische 24.000 Euro werden ausgezahlt.

OK, was bekommen wir heute bei einer sicheren und langfristigen Geldanlage, sagen wir, 3%? Das entspricht bei einer Auszahlung von 24.000 Euro somit immerhin 720 Euro Zinsen im Jahr oder anders, 60 Euro im Monat. Was fangt Ihr damit an?

Klar bleiben die 24.000 Euro dann theoretisch liegen, aber weil eben nicht planbar ist ob und wann der Unfall eintritt, deshalb müssen sie das auch. Diese Summen sind leider viel zu gering und nahezu lächerlich.

Machen wir es doch mal richtig!

Schauen wir uns einen passenden Unfall-Schutz an, einen der in der Lage ist den Bedarf auch ordentlich zu decken. Nehmen wir einen Schutz mit einer Invaliditätssumme von 100.000 Euro und einer Progression 500%, also einer Steigerung von maximal 500%. Die Entschädigung bei einer verbesserten Gliedertaxe liegt dann bei Verlust beider Ohren bei 100% Invalidität, also 500.000 Euro.

Bekommt Ihr dann 500.000 Euro und müsst diese auch mit „nur 3% Rendite“ anlegen, so sind das im Jahr 15.000 € Ertrag oder anders, 1.250 Euro im Monat. Auch die werden nicht reichen um lebenslang davon leben zu können, auch hier ist eine ordentliche Absicherung bei Berufsunfähigkeit Pflicht.

Aber das ist doch dann teuer?

Ist es? Der Schutz mit max. 500.000 Euro bei Vollinvalidität ist problemlos bei guten Bedingungen für 85 Euro Jahresprämie, also 7 Euro im Monat zu bekommen, verbesserte Bedingungen, mehr Leistung und weniger Ärger.

Schüler sind bereits zur Hälfte der genannten Prämie versicherbar. Dennoch ist der Preis hier nicht alles. Es geht vielmehr um Mehrleistungen, saubere Bedingungen, Zahlungen auch bei Knochenbrüchen und vieles mehr.

Zahlt meine bestehende Unfallversicherung nicht?

Doch, natürlich zahlt auch ein bestehender Unfallschutz für Eure Unfälle wähnend des Pokémon Go spielens, es sei denn es greifen Ausschlüsse oder Einschränkungen. Im Auto und als dessen Fahrer greift auch hier die Vollkaskoversicherung des Autos. Mindestens ebenso wichtig, wenn nicht wichtiger ist ein entsprechender Haftpflichtschutz, dazu aber mehr in einem anderen Beitrag.

Egal welchen Schutz es betrifft und egal ob schon vorhanden oder neu, wichtig ist, er muss passen! Leider ist das bei vielen Unfallversicherungen am Markt leider auch nicht der Fall. Da wurden irgendwelche Verträge unterschrieben, manche mit Beitragsrückgewähr (cool, gibt Geld zurück, oder?) und andere völlig am Bedarf vorbei. Sind ja „nur 10, 15, 20 Euro im Monat, die fallen oftmals einfach nicht auf und liegen so rum.

Ich zahle Euch die 35 Euro der Pokémon Versicherung

Ja, richtig gelesen. Ich halte den Abschluss einer so geringen Police für völligen Unsinn. Es erzeugt eine falsche Erwartung und führt zu Stress, Ärger und Unterversicherung. Bevor Ihr also so einen Unsinn kauft und damit Eurem bestehenden Berater noch die Betreuung wegnehmen müsst um diesen oder andere Verträge in eine App zu übertragen, ich zahle die 35 Euro.

Warum ich das tue? Weil ich glaube das eine Versicherung mit den oben genannten Summen nicht ausreicht, eine trügerische Sicherheit bietet die keine ist und am Ende zu mehr Stress und Problemen führt. Für jeden Kunden ist ein ordentlicher Unfallschutz wichtig. Dieser sollte aber angemessen sein, egal ob geschenkt oder selbst bezahlt. Weiterhin macht es nur Sinn, wenn dieser auch auf bestehenden Versicherungsschutz abgestimmt ist, geprüft wird ob und welcher Schutz bei Berufsunfähigkeit besteht und die Versicherungen in einem ordentlichen „Gesamtpaket“ mit den bestehenden Policen stehen.

Bedingung für die 35€: Ihr entscheidet Euch für einen ordentlichen, bedarfsgerechten Unfallschutz bis zum 31.12.2016 und wir finden einen passenden Vertrag dazu. Ist dem so, so erhaltet Ihr nach Erhalt der Police den Betrag von 35 Euro ausgezahlt. Als Guthaben auf Eurem Vertrag, als Amazon Gutschein oder was auch immer. Dazu ist es auch nicht nötig andere Verträge in meine Betreuung zu geben (Wie Ihr HIER lesen könnt, ich bin nur in den Bereichen Krankenschutz, Berufsunfähigkeit und biometrische Risiken inkl. Unfallschutz beratend tätig) und Pokémon spielen müsst Ihr auch nicht.

Alle weiteren Infos erhaltet Ihr nach einer Kontaktaufnahme. Entweder über das Kontaktformular, oder per E-Mail, oder den LiveChat links oder sonst wie.

Und jetzt: GO POKÉMON! und viel Spaß Euch!

16.
Februar '16

Liebe Fintechs, wir müssen reden, schon wieder


Hey Knip, Clark & Co,

eigentlich mag ich Euch, ich mag Innovation, ich liebe mein iPhone und iPad und frage mich manchmal, was wir eigentlich davor gemacht haben, also vor Euch und meinem iPhone. Ich bin technikaffine, reise viel, erledige den Großteil meiner Einkäufe im Netz und nutze all das, was neu, modern und innovativ ist.  Aus Eurer Sicht bin ICH also die Zielgruppe, vielleicht sogar der optimale Kunde.

Schon in meinem Beitrag vor einigen Wochen habe ich- aus Sicht des Beraters- erklärt, warum Eure Nutzer genau schauen sollen was Sie denn da unterschreiben und was genau mit den „alten Beratern“ besteht. Nachdem ihr mir vorletzte Woche dann noch 150€ pro Kunde angeboten habt, stellen sich mir auch als Kunde einige Fragen. Die Deutsche Vermögensberatung, die ja naturgemäß ein Problem mit Maklern hat, schrieb ja bereits in den letzten Tagen etwas zu Euch und ich muss zugeben, in einigen Punkten liegen die mehr als richtig. In der Onlineausgabe von „Das Investment“ stehe ich im Titelbild dem Geschäftsführer von Clark gegenüber, obwohl wir beide Makler sind.

DasInvestment

Ihr müsst Euch aber gar nicht verteidigen. Wenn Clark der Meinung ist, sich die Kunden mit solchen Aktionen kaufen zu müssen und es sich leisten kann, bitte sehr, immer los. Es spricht doch gar nichts dagegen, seine eigene Wachstums- und Werbestrategie zu haben und sich genau hier zu positionieren.

Zudem glaube ich gar nicht, das der klassische, spezialisierte Makler wirklich ein so großer Wettbewerber von Euch Fintechs ist. Zum einen will jeder von Euch mit seiner App wachsen, jeder will so schnell wie möglich groß werden. Wäre es anders, hättet ihr auch etwas falsch gemacht.

Wir haben heute am Markt aber zwei Arten von Apps und „online Verwaltern“. Die eine Gruppe, Knip, Clark & Co wollen die Verträge verwalten und den Kunden klauen kaufen. Die zweite Gruppe glaubt auch an den Erfolg der „Versicherungen in der Hosentasche“ und der Innovation im Markt, glaubt aber weiter an persönliche Betreuung und die Qualität der Berater und arbeitet daher mit dem Berater/ Makler und nicht gegen ihn. Simplr ist so ein Kandidat, aber nicht der alleinige.

Was habe ich als Kunde von Euch?

OK, ihr habt was, was der klassische Berater (vielleicht) nicht hat. Versicherungsvertreter, Versicherungsmakler, Versicherungsberater, (–> unterschiedliche Vermittler) das sind (in den Augen vieler) diese komischen Typen, die abends am Wohnzimmertisch bei dem Kunden sitzen, ihnen irgendwelche Produkte verkaufen wollen (oder müssen) und doch eigentlich per se unbeliebt und böse sind, oder?

Aber Hey, ihr macht das ja alles besser.

Clark

Ihr versprecht Geld zu sparen, genau das zu finden was auf den Kunden am besten passt und ihn endlich optimal zu versichern.

Ich bin nicht der SACH Profi, aber meine spezialisierten Kollegen aus dem Bereich erzählen mir immer und immer wieder, wie aufwändig, aber vor allem wie sinnvoll es ist vor Ort zu sein und ein Gebäude zu sehen, Risiken zu bewerten und Sicherungen an Haus und Wohnung zu (mehr …)

07.
Januar '16

Sind die Fintechs „Clark, Knip, Getsafe, mobilversichert.de
 & Co“ wirklich kostenlos? Nicht ganz, SIE bezahlen mit IHREN Daten und Ihrem bisherigen Betreuer


Fintechs sind derzeit in aller Munde. Fintech, zusammengesetzt aus „Finanz…“ und „Technik“ ist dieses anscheinend der neuste Schrei in der Versicherungswelt, im Vertrieb und bei Investoren. So bieten verschiedene Unternehmen (einige Namen in der Überschrift) angeblich den einfachsten und unkompliziertesten Weg an um Versicherungen und teilweise Finanzverträge zu verwalten, online kostenlos überprüfen zu lassen und so die Police immer auf dem Smartphone dabei zu haben.Fintechs GrafikIch persönlich bin sehr technikinteressiert, Neuerungen aufgeschlossen und als Makler tätig. Somit interessiert mich privat wie beruflich sowohl das Geschäftsmodell, aber insbesondere auch die Abwicklung dieser Unternehmen und die Frage, wie das alles kostenlos geht.

Was sind FinTechs (rechtlich)?

Schauen wir uns die Unternehmen und die, die dahinter stehen einfach mal an. Diese Auswahl hier ist exemplarisch und nicht vollständig, da immer wieder neue Anbieter dazukommen und jeder etwas vom großen Kuchen abhaben will.

Clark „Dein digitaler Versicherungsmanager“

Clark

Clark verspricht mit dem Chaos in den Papieren aufzuräumen (dazu muss man ja erst einmal Chaos haben). Weiterhin lautet das Versprechen, Unterlagen zu digitalisieren, diese immer und überall verfügbar zu machen und somit die Police ständig dabei zu haben. Interessant finde ich, das auf nahezu der gesamten Website eines nicht deutlich gesagt wird- Clark ist Versicherungsmakler, also nichts anderes wie viele Kollegen und ich auch. Es heisst zwar:

  • Clark ist von der deutschen Industrie- und Handelskammer als Versicherungsmakler nach § 34 d Abs. 1 der Gewerbeordnung zugelassen.

Aber wussten Sie das dieses bedeutet das es ein Versicherungsmakler ist? In der gesetzlich vorgeschriebenen Erstinformation steht es natürlich drin, „Die Clark Germany GmbH ist tätig als Versicherungsmakler im Sinne des § 34 d Abs. 1 der Gewerbeordnung. Die Erlaubnis nach § 34d Abs. 1 GewO wurde am 01.06.2015 erteilt.“ aber sonst wird der Begriff vermieden. Warum?

Weiterhin ist eine Zusammenarbeit mit Clark (und damit die grandiosen bis zu 40% Spartipps) nur möglich, wenn… ja wenn…

„Um deine Verträge zu betreuen zu können, benötigen deine rechtliche Erlaubnis in Form einer Maklervollmacht.

Und damit ist die App und das FinTech eben nicht mehr kostenfrei, sondern wird vom Versicherer in Form einer laufenden Courtage bezahlt, genau wie jeder andere Makler auch. Ihre Verträge werden dem bisherigen Betreuer dann „weggenommen“ und zu Clark übertragen. Wenn Sie das wollen ist das OK, dann kann der bestehende Makler auch wenig für Sie tun. Wenn nicht, dann sollten Sie dieses vorher überlegen.

Erreichbarkeit? Nix für Frühaufsteher. Clark ist erreichbar Montag bis Freitag zwischen 9 und 20 Uhr.

Knip „Dein digitaler Versicherungsmanager“

KnipGleicher Slogan, gleiche Idee wie Clark. Hätte sich ja auch einer mal was anderes einfallen lassen können, oder? Aber Spaß beiseite. Auch Knip macht genau das. Es ist ein FinTech welches die Policen digitalisiert, ihr Eure Daten eingebt und ein Maklermandat unterschrieben müsst. Auch Knip ist Versicherungsmakler und ist seinen Investoren über 15 Millionen Franken wert, wie kürzlich berichtet wurde. Daran lässt sich leicht erkennen, das hier großes Potential von den Investoren gesehen wird, denn viele Versicherungsverträge liegen derzeit in den Direktbeständen der Versicherer, der Kunde meldet sich dort wenn er was will und der Versicherer wickelt es ab. Dafür spart der Versicherer sich eine Courtage. Die Verträge die bei Makler angeschlossen wurden oder durch diese betreut werden. verursachen bei Versicherern damit erstmal Kosten, Kosten in Form von Courtagen für die Betreuung, dieses Geld möchten Fintechs einsammeln.

Auch Knip ist als Makler registriert:

„Berufsbezeichnung:
Versicherungsmakler mit Erlaubnis nach § 34d Absatz 1“

Apps auf dem Smartphone suggerieren eine „immer Verfügbarkeit“ von Informationen. Das ist es aber nur bedingt, denn auch die FinTechs sind nicht rund um die Uhr erreichbar, was in vielen Fällen auch nicht nötig ist.

„Wir freuen uns, von dir zu hören! Du erreichst uns Montag bis Freitag von 8:00-18:00 Uhr“

GetSafe „Deine Versicherungen, Deine App“

GetSafe

Auch aus Heidelberg gibt es wenig neues. Warum? Auch Getsaafe macht erst einmal nichts anders. Man lädt die App herunter, beauftragt den Versicherungsmakler

Wir sind als Versicherungsmakler mit Erlaubnis gemäß § 34d Abs. 1 GewO bei der Industrie- und Handelskammer Rhein-Neckar in L 1, 2, 68161 Mannheim zugelassen

Einer der Gründer hat sich schon mehrfach versucht, erst Musik, dann einen Couponvertrieb, nun Versicherungen. Erfahrungen in der Gründung hat er damit wohl, ob das auch im Fachthema so ist, kann und will ich nicht beurteilen, dazu lassen sich aber Menschen einstellen. Auch bei Getsafe ist also wenige Neues zu sehen. Nachdem der Maklerauftrag erteilt ist und somit die Verträge in den Bestand des Anbieters übertragen wurden, werden diese (mehr …)