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01.
November '16

Die 1-Minuten-BU von Knip – ein Marketing Gag der zum Verlust des Versicherungsschutzes führen kann, aber keine seriöse Beratung


Zunächst einmal ist es mehr als positiv, dass auf die Wichtigkeit und Notwendigkeit einer Berufsunfähigkeitsversicherung hingewiesen wird, dabei ist es völlig egal von wem dieses geschieht.

Artikel: Warum es unverantwortlich ist keinen BU Schutz zu haben

Und auch wenn das Handelsblatt in seiner unsäglichen Geschichte vor einigen Wochen eine etwas andere Meinung vertreten hat, hat man selbst dort dieses inzwischen revidiert. Doch gerade die Berufsunfähigkeitsversicherung, die Absicherung der eigenen Arbeitskraft und damit die Sicherung aller anderen Vorhaben im Leben, gehört zu den wichtigsten Vorhaben.

Artikel: Ohne Einkommen ist alles andere nichts

Ohne ein regelmäßiges Einkommen sind die Finanzierung der laufenden Ausgaben, die Bezahlung der Ausbildung der Kinder, eigene (Urlaubs-) Reisen natürlich auch die Altersvorsorge nicht möglich. Wer kein Einkommen mehr erzielen kann, da er krankheits- oder unfallbedingt keine Erwerbstätigkeit mehr nachgehen kann, der benötigt jemanden der für dieses Einkommen sorgt, die Berufsunfähigkeitsversicherung.

Nun haben die sogenannten Insurtechs, also Unternehmen die eine Verwaltung ihrer Versicherungen über eine App auf dem Smartphone anbieten, auch „schon“ das Thema und die Wichtigkeit der Berufsunfähigkeitsversicherung erkannt.

Artikel: Knip, Clark und Co – ein neuer Ansatz der Beratung?

Getreu nach dem Motto „die Geister die ich rief“ muss natürlich speziell bei diesen Fintechs alles möglichst einfach, unkompliziert und mit wenigen Klicks erledigt sein. Da wundert es mich nicht, dass man dort die so wichtige Berufsunfähigkeitsversicherung, also die Absicherung der eigenen Arbeitskraft als „1-Minuten-Produkt“ bewirbt. In seinem aktuellen TV Spot heißt es an wörtlich:

„Dabei dauert es nur eine Minute sich vor dem Ernstfall (Anmerkung: Berufsunfähigkeit) zu schützen. Nimm dir jetzt die Zeit!“

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Als gewissenhafter Berater und jemand der sich bereits seit über 16 Jahren mit dem Thema Berufsunfähigkeitsversicherung beschäftigt sträuben sich mir die Nackenhaare. Hier wird suggeriert, dass eine Absicherung gegen das elementare Risiko der Berufsunfähigkeit mit einem Zeitaufwand von nur einer Minute möglich sein soll. Hier wird eine Illusion geschaffen die nur ein einziges Ziel hat, den möglichen Interessenten auf die eigene Internetseite zu locken.

Lassen Sie mich eines vorwegnehmen. Ich habe genau das getan, ich habe mich der Website umgesehen und versucht eine Berufsunfähigkeitsversicherung zu berechnen. Unabhängig davon, dass selbst ich (und im Gegensatz zu dem Laien weiß ich sogar wo ich klicken muss und was vielleicht wichtig sein könnte) in einer Minute nicht ansatzweise so einen sinnvollen Vorschlag gekommen bin, ist diese „1 Minuten BU“ ein wahrer Hohn. Wer ernsthaft glaubt, dass die Auswahl einer existenzsichernden und damit „lebenswichtigen“ (zumindest finanziell) Police innerhalb von einer Minute erledigt sein kann, der glaubt auch das Zitronenfalter Zitronen falten.

Schauen wir uns doch die „Beratung“ einmal etwas genauer an und wählen dabei einen Musterkunden. Dieser Kunde in meinem Test war ein Diplom-Informatiker. Ich habe ein fiktives Bruttoeinkommen von 3.200 €/ netto 2.000€ vorgegeben, dazu ein Endalter bis zum 67. Lebensjahr.

knip-bu-dateneingabeNach Eingabe dieser Daten (mehr wird auch nicht abgefragt) offeriert mir der Onlineanbieter sofort die drei passenden Angebote.

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Cool, geht jedoch ganz schnell und in wenigen Minuten kann ich mich entscheiden. Die Kriterien zum Versicherungsumfang sind auf einer Seite zusammengefasst, und es gibt sogenannte Comfortleistungen. Zum unterstützen meiner Auswahl ist der mittlere Tarif mit dem Zusatz „unsere Preis/Leistung Empfehlung passen zu deiner Lebenssituation“ noch farblich hervorgehoben. Für 90,55 € im Monat bekomme ich einen Versicherungsschutz von 1.500 € monatliche Rente.

Stopp! Warum stehen denn da 1.500 €? Ich habe doch gerade bei meinem Nettoeinkommen 2.000 € vorgegeben und das Bruttoeinkommen beträgt 3.200 €? Selbst wenn ich eine Rechnung von 65 % des Bruttoeinkommens (wie das einige Gesellschaften tun) zu Grunde legt, liegt meine versicherbare Rente bei knapp 2.000€. Das kann der Onlinerechner natürlich nicht wissen, denn das Bruttoeinkommen wird gar nicht erst abgefragt.

Doch im oberen Bereich des Bildschirms geht es eine Möglichkeit das Angebot zu individualisieren. „Super“ denke ich und klicke drauf. Daraufhin erscheint die folgende, durchaus interessante Auswahlmaske.

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Geht also der Onlinerechner davon aus, ich hätte keinen Schulabschluss. Klingt logisch, habe ich doch als Beruf Informatiker eingegeben, dazu braucht man sicherlich keine Ausbildung. Also korrigiere ich diesen Unsinn auf Diplom. Klicke danach auf Filter anwenden und warten was passiert.

Es folgen drei neue Angebote, dummerweise ist das günstigste Angebot von 63 auf 68€ angestiegen, was angesichts der besseren Berufsausbildung völliger Unfug ist. Aber ich als unbedarfte Kunde tue genau das was von mir erwartet wird und klicke auf „online beantragen“ unter dem mittleren Angebot, schließlich ist dieses die Empfehlung des Anbieters.knip-bu-drei-angebote-ii

Zu meiner großen Überraschung funktioniert ab jetzt fast nichts mehr. Meinen Namen, das Geschlecht und mein Geburtsdatum kann ich noch eingeben, ebenso meine Handynummer zur Verifikation. Den Code der mir per SMS umgehend auf mein Smartphone geschickt wird gebe ich sofort ein. Ebenso trage ich dann auf der folgenden Seite meine Anschrift und Bankverbindung ein. Interessant ist die Unterschrift im Feld darunter. Nach meiner Unterschrift sieht das nicht aus, wie sollte es auch schließlich habe ich nirgendwo unterschrieben.

knip-bu-pers-datenIch ging weiter und komme zur nächsten Seite mit Gesundheitsfragen. Um den Versicherungsschutz auf mich und meinen Versicherer abstimmen zu können, dazu benötigt Knip nun meine Gesundheitsangaben. Naiv wie ich bin dachte ich ernsthaft, die Produktauswahl wäre beendet und man hätte mir bereits eine Empfehlung gegeben?

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Übrigens funktioniert bei dem Klick auf die Dokumente auf der rechten Seite nur die Beratungsdokumentation (hier ein Beispiel) und die erst Information. Wer jedoch glaubt er könnte den Versicherungsvertrag oder die zugrundeliegenden Versicherungsbedingungen einmal nachlesen, der wird enttäuscht.

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Nachdem es bei meinem Versuch gestern gar keine Informationen gab, erhalte ich heute beim Klick auf „Erstinformation“ eine Information für Vertriebspartner. Das ist nett, bringt aber rein gar nichts und ist am Ende auch nichts für den Kunden. Klick auf „Versicherungsvertrag“ und „AVB“ führen zu einer Fehlermeldung und dem Hinweis diese Infos gibt es erst im Antrag. Die „Beratungsdokumentation“ gibt es hier nachzulesen.knip-bu-fehler-i

Doch nun mache ich mich an das Ausfüllen der Gesundheitsfragen, kommen jedoch nicht wirklich weiter. Nachdem ich die Frage nach bestehenden Erkrankungen der letzten fünf Jahre wahrheitsgemäß mit ja beantwortet habe, geht es nicht mehr weiter.

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Nachdem ich dann auf die Kontaktvariante E-Mail geklickt habe, kommt nur noch ein Hinweis, dass ich es jetzt geschafft habe und man mir die Unterlagen zusenden wird. Blöd nur, dass diese nicht kamen.

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Viel interessanter ist jedoch etwas Anderes, denn während mir die Produktempfehlung von einem Beitrag von über 90 € verkauft werden sollte, ergab die Berechnung bei der AXA direkt eine Prämie von 76,53 € und damit eine viel geringere Prämie. Über die Laufzeit gesehen hätte ich bei einem voreiligen Abschluss über Knip immerhin 4.710,72 € zu viel bezahlt.

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Ebenfalls fragwürdig ist die Produktempfehlung selbst, denn andere Anbieter weisen einen durchaus umfangreicheren Versicherungsschutz auf und bieten diesen für eine geringere (als die von Knip ausgewiesene) Prämie an. So müsste ich für einen vergleichsweise identischen Versicherungsschutz mit 1.500 € Rente bis zum 67. Lebensjahr und einem umfangreicheren Bedingungswerk bei der Alte Leipziger Versicherung nur 83 statt 90 € Monatsprämie zahlen, auch hier immer noch eine Ersparnis von 2.352 € über die Vertragslaufzeit von 28 Jahren.

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Auch die Gesundheitsfragen in dem Formular bei Knip sind nicht identisch mit den Gesundheitsfragen im Antrag der AXA. Das führt dazu, dass selbst bei wahrheitsgemäßer Beantwortung aller Fragen eine Abweichung zu den Angaben im Antrag besteht. Mal unterstellt der Interessent bekommt nach diesem Onlineformular den Antrag noch per E-Mail zugeschickt und vertraut darauf, dass seine Angaben richtig übernommen worden, besteht hier eine weitere große Gefahr. Durch die abweichenden Formulierungen entsteht die Gefahr einer Verletzung der vorvertraglichen Anzeigepflicht. Dieses führt zu einer Verweigerung des Versicherungsschutzes im Leistungsfall und am Ende war die gesamte Police nichts wert.

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Es scheint sich übrigens nicht um ein Problem in der Datenübermittlung an die AXA zu handeln, sondern um ein generelles technisches Problem. Alternativ habe ich ein Angebot für eine Altenpflegerin mit einer monatlichen BU Rente von 1.500 € berechnet. Hier wird als Empfehlung ein Versicherungsschutz bei der Allianz ausgesprochen, mit einer monatlichen Rente bis zum 67. Lebensjahr und einer Prämie von 355,19 €. Klickt der Interessent hier auf die Dokumente und erwartet dann seinen Versicherungsvertrag oder die erst Information, so bekommt er ein Musterangebot für Max Muster einer Rente von 1000 € und einer Prämie von 60 €. Die Schnittstellen zu den Versicherern scheinen hier also nicht nur manchmal, sondern ganz generell nicht zu funktionieren, und eine entsprechende Aufbereitung der Angebote findet nicht statt.

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Eine 1-Minuten-BU ist eine Marketinglüge

Hier wird bewusst versucht ein kompliziertes und beratungsintensives Thema irgendwie kompatibel mit dem Ansatz eines Insurtechs zu machen. Mit dem heutigen Stand ist dieses jedoch nicht machbar und ein Abschluss über diesen Weg nicht zu empfehlen.

Der Interessent bekommt unpassende und viel zu teure Angebote, bekommt keine umfangreichen Leistungsvergleiche und Vertragsinformationen und ihm werden wahllos drei Tarife auf den Bildschirm geworfen. Zudem scheint in der Berechnungsroutine einiges nicht zu funktionieren, denn selbst nach Eingabe eines höherwertigen Berufsabschlusses (in unserem Fall dem Diplom) erscheint im zweiten Schritt eine höhere Prämie.

Zusammengefasst sich das Angebot zur 1-Minuten-BU wie folgt beschreiben

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Nach den derzeitigen Informationen und mit dem derzeitigen Ablauf ist von einem online Abschluss über die Knip Plattform dringend abzuraten. Das von Knip online gestellte Video mit dem BU Experten (der keiner zu sein scheint) ist noch viel schlimmer… Dazu mehr in einem anderen Artikel. Generell stehe ich jedoch auch der neuen Entwicklung sehr positiv gegenüber, habe ich doch bereits vor 16 Jahren mit der Onlineberatung begonnen und berate seit dem ausschließlich im Rahmen der Fernberatung am Telefon und online. Eine App und damit ein schneller Kontakt mit dem Berater und die Verfügbarkeit von Informationen über den eigen Vertrag kann durchaus hilfreich sein.

Jedoch dauert bei mir eine Beratung zu Berufsunfähigkeit mehrere Stunden, erfordert die Auswahl mit passenden Kriterien und ein individuelles Ausarbeiten und Festlegen der Berufsgruppe, der Risikofaktoren und der Erstellung eines persönlichen Angebots. Erst das Zusammenspiel aller Faktoren führt zu einer individuell passenden Absicherung und bedarfsgerechten Konditionen Weitere Informationen finden Sie auch unter folgenden Links. Bei Fragen sprechen Sie mich gern an, eins kann ich aber versprechen: Ohne einige Stunden investierte Zeit werden Sie niemals zu einem passenden Schutz kommen.

11.
Oktober '16

Handelsblatt zur Berufsunfähigkeit Teil 3 mit neuen Gründen gegen die Absicherung, die meist keine sind


Es gibt eine weitere Fortsetzung der Handelsblatt BU Saga, scheint zumindest so. Doch damit Sie einen Überblick bekommen worüber wir hier reden, zunächst einmal

Was bisher geschah

In der letzten Woche veröffentlichte das Jugendmagazin des Handelsblattes „Orange“ einen Artikel zur Berufsunfähigkeit und fragte nach, bei einem „Experten“ im eigenen Hause, Martin Dowideit. In meiner Antwort auf den fachlichen Unsinn der dort geschrieben war, gibt ich auf die falschen Aussagen ein.

Presse: Handelsblatt rät von Berufsunfähigkeitsversicherung ab und muss dafür nicht gerade stehen

Erfreulich war es jedoch, als ein junger, anderer Redakteur des Orange Magazins nun reagierte und auf die Kritik der Makler, Berater und Experten einging, leider ging das kräftig daneben und endete mit meinem Nachweis der ungenügenden, maximal ausreichenden Leistung des Autors.

Orange by Handelsblatt zur Berufsunfähigkeit – Unsinn die Zweite und mit fatalen Folgen für die Leser

Nun könnte der geneigte Leser ja annehmen: „Fehler erkannt, korrigiert und Haken dran“. Leider scheint die Kritikfähigkeit nicht so richtig gut ausgeprägt, denn der „Experte Martin Dowideit“ kann das so nicht eingestehen, trotz Nachweis der eigenen Fehler. Nein, nun wird nachgelegt und es geht zunächst einmal um die „bösen Versicherungsvermittler“ und daher teilt er in seinem Artikel nun erneut aus und nennt neun vermeintliche Gründe gegen eine BU Absicherung, doch schauen wir uns diese einmal näher an. Den vollständigen Artikel gibt es auf der Seite des Handelsblattes unter:

Bloß nichts Kritisches zur Berufsunfähigkeitsversicherung

Fangen wir mit der Aussage im Artikel an:

„Um diese heftige Reaktion muss man verstehen, dass die Berufsunfähigkeitsversicherung zunächst einmal vor dem allgemeinen Lebensrisiko schützt, etwa durch einen Krankheit oder einen Unfall nicht mehr den eigenen Beruf ausüben zu können.“

Ich habe den Satz auch nach dreimal lesen nicht ganz verstanden, liegt aber wahrscheinlich an mir. Richtig ist in natürlich, die Berufsunfähigkeitsversicherung schützt gegen die finanziellen Folgen, seinen Beruf nicht mehr ausüben zu können. Damit schützt diese auch gegen die Altersarmut, oder woraus wird bitte die Altersvorsorge bezahlt, aus dem eigenen Einkommen, richtig. Aber das ist auch gar nicht der Punkt.

Interessant ist zudem auch die weitere Aussage:

Wer eine BU besonders nötig hat, muss dafür am meisten zahlen.

Richtig ist aber: Wer gefährlich(ere) Tätigkeiten ausübt, der muss mehr für seinen Schutz zahlen. Ob die Einstufung der Berufe durch die Versicherer immer so nachvollziehbar oder korrekt ist sei einmal dahin gestellt. Richtig ist aber, ein Grundrisiko zu erkranken ist bei allen gleich. Ob ich Krebs bekomme, an chronischen Krankheiten leider oder mir in der Freizeit einen Unfall zuziehe, das Risiko ist zunächst einmal gleich. Dabei spielt es keine Rolle ob ich im Büro sitze oder auf dem Dach arbeite. Aber: Natürlich gibt es weitere Risiken die eben davon abhängig sind wie meine berufliche Tätigkeit aussieht.

Auch spielen gefährliche Tätigkeiten in der Freizeit eine Rolle und beeinflussen mein Risiko maßgeblich. Etwas anderes verkennt er aber. Leide ich unter einem „kaputten Bein“, so kann ich natürlich noch an meinem Schreibtisch sitzen oder eine andere Bürotätigkeit ausüben. Auf das Dach kann ich aber vielleicht nicht mehr. Somit kann eine identische Krankheit, eine Unfallfolge oder dergleichen bei dem einen versicherten zur Berufsunfähigkeit (in seinem Beruf) führen, bei dem anderen aber vielleicht nicht. Daher unterscheiden sich hier auch die Prämien. Ist doch gar nicht so schwer nachzuvollziehen, oder?

9 Gründe gegen eine Berufsunfähigkeitsversicherung

Schauen wir uns also die Gründe und Anregungen einmal genauer an, die einen „Experten“ oder eben auch den Kunden darüber nachdenken lassen, keinen BU Schutz für sich abzuschließen:

Dennoch mag jemand zu dem Ergebnis kommen, dass er eine solche Absicherung nicht braucht oder möchte. Einige Gründe seien hier skizziert:

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Der erste Grund sind, laut Handelsblatt, die monatlichen Belastungen. Natürlich spielt die Frage der Bezahlbarkeit einer BU eine entscheidende Rolle. Der beste Schutz nützt gar nichts, wenn dieser nach einigen Monaten nicht mehr bedient werden kann und dann wieder gekündigt wird/ werden muss. Aber: Die Prämien zur BU Absicherung unterscheiden sich zwischen (mehr …)

21.
September '16

Berufsunfähigkeit: Schmerzen müssen beweisbar und objektivierter sein, so das OLG Karlsruhe 12 U 79/16


Vor wenigen Tagen gab es ein interessantes Urteil des Oberlandesgerichtes Karlsruhe. Mit dem Aktenzeichen 12 U 79/16 hatte das OLG einen Leistungsfall zur Berufsunfähigkeit zu verhandeln, in welchem es um einen Schmerzzustand ging. Dieser sollte, so die Auffassung des Klägers, zu einer Berufsunfähigkeit geführt haben und somit auch den Versicherer zur Rentenzahlung verpflichten.

Die Vorinstanz, das Landgericht Karlsruhe, hatte diesen Fall bereits unter dem Aktenzeichen 10 O 326/14 am 10.03.2016 entschieden und hier die Auffassung des Versicherers gestützt. Doch schauen wir uns den Fall einmal etwas genauer an, so lässt sich auch die Entscheidung leichter nachvollziehen.

Der Sachverhalt

Ein Versicherter, von Beruf Fahrer und Lagerist, hatte bereits im Jahre 2008 Vorsorge getroffen und sich für einen Vertrag mit einer Rentenzahlung bei Berufsunfähigkeit entscheiden. Dieser sag unter anderem eine Leistung bei Berufsunfähigkeit vor, so heisst es dort in den Bedingungen:

„1. Vollständige Berufsunfähigkeit liegt vor, wenn die versicherte Person infolge Krankheit, Körperverletzung oder mehr als altersentsprechenden Kräfteverfalls, die ärztlich nachzuweisen sind, voraussichtlich auf Dauer (mindestens sechs Monate) außer Stande ist, ihren zuletzt ausgeübten Beruf, so wie er ohne gesundheitliche Beeinträchtigung ausgestaltet war, auszuüben …“

und weiter heisst es in den Bedingungen:

3. Ist die versicherte Person sechs Monate ununterbrochen infolge Krankheit, Körperverletzung oder mehr als altersentsprechenden Kräfteverfalls, die ärztlich nachzuweisen sind, vollständig oder teilweise außer Stande gewesen, ihren zuletzt ausgeübten Beruf, so wie er ohne gesundheitliche Beeinträchtigung ausgestaltet war, auszuüben und hat sie in dieser Zeit auch keine andere Tätigkeit ausgeübt, die ihrer bisherigen Lebensstellung entspricht …, gilt dieser Zustand bei Fortdauer von Anfang an als vollständige oder teilweise Berufsunfähigkeit.

Der Weg zur Berufsunfähigkeit

Seit längerem plagten den Versicherten nunmehr Schmerzen, insbesondere Rücken- und Schulterschmerzen. Diese sollten- so die Auffassung des Klägers- zu einer Berufsunfähigkeit führen und so verlangte dieser einige tausend Euro von seinem Versicherer.

Dieser sah das aber anders und verweigerte die Rentenzahlung. Interessant ist aber der zeitliche Ablauf (der, soweit vorab, dem Kunden noch „auf die Füße fallen wird“).

  • – seit 2011/2012 – verstärkte Schmerzen, die zur BU führen (sollten)
  • – 19.11.2012, Orthopäde attestiert „nicht mehr in dem Beruf arbeiten können“
  • – 23.11.2012 Anruf des Versicherten und Meldung der BU bei der Gesellschaft
  • – BU sei zum 19.12.2012 eingetreten
  • – Arbeitgeber kündigt deswegen dem Versicherten zu, 31.03.2013
  • – Arbeitnehmer arbeitet aber noch bis zum 18.12.2012
  • – 31.1.2013 bis 24.01.2014 Umschulung zum CNC Anwender

Die Anträge auf Leistung

Versichert sind in dem Vertrag etwa 600 Euro Monatsrente, diese führen für den Zeitraum (der Umschulung) zu einer Gesamtforderung von 7.150,77 Euro, inkl. Zinsen und vorgerichtlicher Anwaltskosten.

Zu Recht hat das Landgericht einen Anspruch auf Leistungen wegen Berufsunfähigkeit verneint, weil der Kläger den ihm obliegenden Beweis hierfür nicht geführt hat.

Entscheidender Grund der Ablehnung ist die Tatsache, dass die Berufsunfähigkeit (und die Schmerzen) nicht beweisbar waren. Der Kläger mag unstrittig Schmerzen gehabt haben, das bestätigt auch der Sachverständige in seiner Anhörung, jedoch scheinen diese nicht ausreichend und plausibel belegt worden zu sein. Zunächst einmal hat sich der Anwalt anscheinend auf die körperlichen Schmerzen gestützt, welche so medizinisch nicht belegbar waren.

Zwar ist es grundsätzlich richtig, dass als Krankheit im Sinne der Berufsunfähigkeitsversicherung auch Schmerzen, deren Ursache sich nicht klären lässt, in Betracht kommen (vgl. BGH VersR 1999, 838). In prozessualer Hinsicht stellt sich für den Versicherungsnehmer dort jedoch das Problem der Beweisbarkeit, da es sich bei Schmerzen und deren Ausmaß um subjektive Empfindungen handelt (vgl. dazu Neuhaus, Berufsunfähigkeitsversicherung, 3. Aufl., G.72 ff., 162; Benkel/Hirschberg, Lebens- und Berufsunfähigkeitsversicherung, 2. Aufl., § 2 BUZ 2008 Rn. 70; OLG Koblenz r+s 2003, 337; LG Nürnberg-Fürth r+s 2006, 338). Dabei ist zusätzlich zu berücksichtigen, dass die Feststellung bedingungsgemäßer Berufsunfähigkeit nach § 2 Abs. 1 ABB über das Vorliegen einer Krankheit und einer damit verbundenen Unfähigkeit zur Berufsausübung hinaus eine dauerhaft ungünstige Prognose erfordert (vgl. BGH VersR 2007, 383 mwN.), die bei unklaren Schmerzen entsprechend erschwert ist; gegebenenfalls kommt eine vermutete Berufsunfähigkeit nach § 2 Abs. 3 ABB (vgl. auch § 2 Abs. 3 BU-Musterbedingungen) in Betracht, wenn die versicherte Person sechs Monate ununterbrochen außerstande ist, ihren bisherigen Beruf auszuüben.

und weiterhin führt das Gericht aus:

Den Nachweis, dass subjektiv empfundene Schmerzen objektiv die Annahme der Berufsunfähigkeit rechtfertigen, kann der Versicherungsnehmer im Wesentlichen auf zwei Wegen führen, nämlich entweder durch den Nachweis körperlicher (vorliegend insbesondere orthopädischer oder neurologischer) Ursachen oder durch den Nachweis psychischer bzw. psychosomatischer Bedingtheit, die ihrerseits Krankheitswert aufweisen kann, wie insbesondere eine anhaltende somatoforme Schmerzstörung (vgl. dazu OLG Hamm VersR 1997, 817). Der Nachweis körperlicher Ursachen ist dem Kläger nicht gelungen; psychische Ursachen macht er nicht geltend. 

Das Problem hier scheint in der Geltendmachung zu liegen. Der Anwalt des Klägers hat sich hier augenscheinlich ausschließlich auf orthopädische Ursachen bezogen und die Psyche ganz außer Acht gelassen. Da in gerichtlichen Prozessen nicht nur die Tatsachen sondern auch bei der Beweisführung Fristen und Formalien einzuhalten sind, konnte eine BU hier nicht bewiesen werden. Nochmals: Das heisst keineswegs, der Versicherte war nicht berufsunfähig oder hatte gar keine Schmerzen. Es ist ihm eben nur nicht gelungen dieses (auch gegenüber dem Gericht) klar zu belegen und beweisen.

Ohne Spezialisten wird das nichts

Der Antrag auf Berufsunfähigkeit ist nicht ganz einfach und wie hier gut zu erkennen ist, ist die Begründung und nötige Beweisbarkeit elementar. Es nützt rein gar nichts zu glauben man sei BU, auch wenn Schmerzen vorhanden sind. Diese müssen- nachvollziehbar- belegt und beweisen werden. Gelingt dieses mit objektiven Untersuchungen und medizinischer Begutachtung nicht, so kann auch eine psychische Ursache in Frage kommen.

Elementar ist aber auch hier die Antragstellung und eine rechtzeitige Begleitung dieser durch Spezialisten. Wie ich bereits in meinem Beitrag

Nach sechs Monaten krank geschrieben automatisch berufsunfähig

bereits schrieb, sind zum Beispiel die Kollegen vom BU Expertenservice hier die richtige Wahl und/ oder Frau Angela Baumeister direkt. Wir wissen es nicht und kennen nicht jedes Detail des Prozesses, schaut man sich aber die Begründung der Richter an, so fehlt es hier an juristisch korrekt geführten Beweisen und eine Leistung wäre durchaus möglich gewesen. Auch darum ist eine Rechtsschutzversicherung durchaus angeraten.

Auch dieser Fall ist zudem ein Beispiel dafür, warum Prozessquoten nichts aussagen.

pdf: Urteil OLG Karlsruhe zu Schmerzen in der Berufsunfähigkeit und der Beweisbarkeit, Urteil Az. 12 U 79/16 vom 6.9.2016

05.
September '16

Prämien in der Berufsunfähigkeitsversicherung steigen zum 01.01.2017


Neues Jahr, neuer Beitrag. Der Anstieg von Prämien zur Berufsunfähigkeit und anderen Versicherungssparten mit altersabhängigen Prämien ist nicht ungewöhnlich, dennoch ist zum Anfang des Jahres 2017 einiges anders.

Warum steigen Prämien in der Berufsunfähigkeitsversicherung

Generell sind die Beiträge bei der Absicherung der Berufsunfähigkeit konstant. Einmal abgeschlossen ändert sich der (Brutto-)beitrag nicht mehr, es sei denn dynamische Erhöhungen setzen ein und passen den Beitrag und auch die versicherte Rente im gleichen Verhältnis an. Da dieses aber eine „freiwillige“ Erhöhung ist, welche nicht unter den Begriff „Beitragserhöhung“ fällt, soll es darum hier nicht gehen.

Brutto- und Nettobeitrag

In der Absicherung der BU gibt es zwei unterschiedliche Beiträge, beide finden Sie auf dem Versicherungsschein. Neben dem Bruttobeitrag, dem Betrag den der Versicherer tatsächlich kalkuliert hat um das Risiko zu decken, gibt es noch einen weiteren Beitrag. Der Nettobeitrag, immer der geringere der beiden genannten Beträge, nennen einige Unternehmen auch Zählbeitrag. Dieses ist der Betrag, welchen Sie monatlich oder jährlich auf Ihrem Konto sehen, der Betrag den Sie tatsachlich bezahlen.

Woher kommt die Differenz?

Nun, der Versicherer nimmt monatlich eine Vielzahl von Beiträgen ein. Nicht alles wird dabei zur Risikodeckung bzw. Auszahlung von bestehenden oder neuen Versicherungsleistungen verwendet und benötigt. Diese Beträge werden vom Versicherer angelegt, damit werden (im besten Fall) Zinsen und Kapitalerträge erwirtschaftet und diese den Kunden anteilig gutgeschrieben. Soweit zumindest die Theorie.

Wer sich einmal am Markt der Kapitalanlagen umsieht oder nur einmal die Zinsen eines Kontos, Festgeldes oder Sparbuches anschaut wird froh sein noch keine negativen Zinsen zu haben. Während die Zeiten mit 4% Zins auf das Tagesgeld einige Jahre zurück liegen, sind dafür heute die Zinsen im Bereich der Baufinanzierung sehr niedrig. So hat jede (Zins-)Situation immer zwei Seiten, aber dennoch: Für den Versicherer bedeutet die derzeitige Zinssituation jedoch weniger Erträge, damit weniger Geld welches auf den einzelnen Versicherungsnehmer entfällt und damit einen geringeren Abschlag.

Durch weniger Überschüsse (dem Betrag der bisher von Ihrem Bruttobeitrag abgezogen wird, quasi als vorgezogene Beteiligung an Kapitalerträgen) entsteht somit ein höherer Zahl-/ Nettobeitrag.

Bestands- wie Neukunden betroffen

Für den Neukunden bedeutet dieses von Beginn an einen höheren Beitrag. Oftmals werden in Vergleichen leider nur die Nettobeiträge verglichen. Da gibt es Versicherer mit sehr großen Spannen, welche mit deutlich kleineren und Versicherer bei denen Brutto- gleich Nettobeitrag ist. So kann ein Versicherungsschutz bei unterschiedlichen unternehmen schnell so aussehen:

Anbieter 1:
Brutto: 101,21 Euro, Zahlbeitrag: 52,32 Euro

Anbieter 2:
Bruttobeitrag: 89,65 Euro, Zahlbeitrag: 55,32 Euro

Anbieter 3:
Bruttobeitrag: 76,65 Euro, Zahlbeitrag: 76,65 Euro

Welchen Versicherungsschutz würden Sie wählen, wenn alle anderen Leistungen identisch wären?

Klar, Anbieter 1 bietet den geringsten Beitrag, schließlich ist es der Betrag der monatlich von Ihrem Konto abgebucht wird. Aber ist es wirklich die preiswerteste Wahl? Oder eignet sich Anbieter 2 nicht besser, denn hier bietet sich schließlich ein geringerer Bruttobeitrag an? Bei einer möglichen Erhöhung der Beiträge aufgrund geringerer Überschüsse wäre hier schon bei 89 und nicht erst bei 101,21 Euro Schluss.

Lesetip: Brutto- oder Nettobeitrag, was zahle ich eigentlich?

Garantiezins sinkt auf 0,9%

Mit der Senkung des Garantiezinses wird auch eine Anpassung des Beitrags erforderlich, denn wenn weniger „Zusatzertrag“ vorhanden ist, dann muss das Geld durch höhere Beträge gegenfinanziert werden. Das bedeutet aber auch, das eine Anpassung, ein Neuabschluss oder eine Änderung der BU-Absicherung dieses Jahr noch sinnvoll sein kann.

Eintrittsalter macht es zudem teurer

Viele Interessenten und Versicherten gegen davon aus, bis zu dem tatsächlichen Geburtstag das eine, und am Tag danach das nächste Eintrittsalter erreicht zu haben, dem ist aber nicht so. Bei den meisten Unternehmen, nahezu allen in der BU, ist die Zeitrechnung eine etwas andere. So ist es vollkommen egal, ob Sie am 1.Januar oder 31.Dezember Geburtstag haben, Sie sind das ganze Jahr gleich alt.

Eintrittsalter = aktuelles Jahr minus Geburtsjahr

Damit es klarer wird, hier ein Beispiel:

Nehmen wir an, Sie und am 5. August 1986 geboren. Dann hatten Sie gerade Geburtstag und sind 30 Jahre alt geworden. Versicherungstechnisch waren Sie dieses aber schon am 1. Januar. Ob Sie daher Ihren BU Schutz mit Beginn 1.1., 1.8. oder 1.12.2016 beantragen und beginnen lassen, das spielt keine Rolle für die Prämie.
Wird der Beginn aber der 1.1.2017, so sind Sie versicherungstechnisch 31 Jahre alt, obwohl Sie den Geburtstag erst acht Monate später feiern. Auch aus diesem Grund ist es sinnvoll sich rechtzeitig und im aktuellen Jahr um einen passenden Schutz zu bemühen. Der weitere und oftmals wichtigere Grund der Gesundheitsfragen und damit einhergehende Zuschläge oder gar eine Ablehnung sprechen sowieso für einen zeitigen Versicherungsschutz.

Gründe nicht bis 2017 zu warten gibt es somit einige:

  • – Neue gesundheitliche Beschwerden und Probleme machen einen Schutz schwieriger
  • – neuer Garantiezins verteuert die BU ggf.
  • – höheres Eintrittsalter zieht lebenslang höhere Prämien nach sich

Daher: Machen Sie sich rechtzeitig Gedanken zu dem benötigten Schutz und der möglichen Absicherung.

Lesetip: Warum es unverantwortlich ist, keinen BU Schutz zu haben

12.
Januar '16

Prozess- und Leistungsquoten in der BU und warum diese Zahl so gar nichts bei der Tarifauswahl bringt


P-r-o-z-e-s-s-e, B-e-s-c-h-w-e-r-d-e-n… klingt böse, oder? Diese beiden „Kennzahlen“ werden in diversen Tests, Vergleichen oder sonstigen Veröffentlichungen bei der Privaten Krankenversicherung oder Berufsunfähigkeitsversicherung immer mal wieder herausgeholt und sind angeblich wichtig bevor Sie Ihren Versicherungsschutz auswählen. Doch ist dem wirklich so und falls ja warum nicht?

Die Prozessquote

Was ist das?

Die Quote gibt an, wie viele Prozesse im Vergleich zu Leistungsfällen geführt wurden, nicht wie viele gewonnen oder verloren wurden. Der Branchendienst map-report veröffentlicht eine solche Quote seit Jahren. Auch das Unternehmen Morgen und Morgen (Hersteller von Vergleichssoftware und Ratingunternehmen) veröffentlicht eine solche Quote. Anders als der MapReport geht es hier jedoch um Leistungsprozesse welche verloren wurden.

So schreibt Morgen&Morgen:

In dieser Komponente wird die M&M BU-Prozessquote bewertet. Die M&M BU-Prozessquote setzt die Anzahl der verlorenen Prozesse ins Verhältnis zu den vom Versicherer abgelehnten Leistungsfällen. Hiermit soll bewertet werden, inwieweit der Versicherer „zu Unrecht“ Prozesse führt. Eine hohe „reine“ Prozessquote an sich ist nicht unbedingt schlecht, da der Versicherer natürlich das Recht haben muss, ungerechtfertigte Ansprüche notfalls per Gericht abzuwehren. Verlorene Prozesse sind allerdings in jedem Fall zu vermeiden.

Aussagekraft

Beide Quoten haben eins gemeinsam. So richtig aussagekräftig sind beide nicht. Warum? Beide Angaben dienen zwar dazu die Anzahl der Prozesse im Vergleich zur Anzahl der Verträge/ Prozesse in eine Quote zu sehen, werden aber von einer Vielzahl von Faktoren beeinflusst. So werden dabei zunächst einmal auch Prozesse berücksichtigt, welche durch den Versicherer gewonnen wurden.

Gleichzeitig fließen auch Prozesse und Klagen in diese Quoten mit ein, welche durch Fehler des Versicherungsnehmers oder des Beraters entstehen. Wer seinen Antrag nicht sorgfältig ausfüllt und Angaben (bewusst oder unbewusst, oder gar auf Anraten des Beraters) nicht sauber macht, der riskiert einen Rücktritt des Versicherers im Leistungsfall.

Weiterhin stieg in den letzten Jahren die Anzahl der Rechtsschutzversicherungen drastisch an. Das hat leider auch zur Folge, das sich für jeden noch so aussichtslosen Fall ein Anwalt findet, der es zumindest einmal versuchen kann und will. Egal also, ob der Versicherer vielleicht sogar gleich zu Beginn zu recht eine Leistung ablehnt, es wird erst einmal geklagt und damit verändert sich die Quote.

Der Versicherer muss aber- schon allein aus Verpflichtung gegenüber seinen anderen Kunden- eine unberechtigte Leistung auch ablehnen und dieses notfalls vor Gericht auch verteidigen. Prozesse werden aber nicht nur verloren weil der eine Recht hat, Recht haben und Recht bekommen sind leider verschiedene Paar Schuhe. Schaut man sich manchmal die Urteile zur Berufsunfähigkeit an, so fällt eines auf. Richter haben oftmals nicht die Ahnung, welche diese haben sollten. Erst die höheren Instanzen, spezialisierte Oberlandesgerichte und Senate sind in der Lage einen komplexen Fall der BU so sorgfältig zu beurteilen, das auch recht hat wer recht bekommt.

Beim Abschluss der BU geht es vielen Beratern leider eher um die schnelle Unterschrift und den Abschluss, als um eine sorgfältige Aufarbeitung der Gesundheitsfragen. Weiterhin will der Kunde natürlich keinen –> Zuschlag oder Ausschluss, sondern am besten eine „glatte Annahme“. Da wird dann der Versicherungsnehmer schnell einmal etwas gesünder oder ist spontan geheilt. Im Leistungsfall aber führt das zu einer Anfechtung, einem Rücktritt und am Ende zur Verweigerung der Leistung, gegen die natürlich geklagt werden muss, denn der böse Versicherer will ja nun nicht zahlen.

Fazit

Die Quote allein sagt somit rein gar nichts aus. Damit ist nicht sauber zu bewerten, welche Art von Prozessen geführt wird, wer diese gewonnen hat und warum. Viele ältere Bedingungen in der Berufsunfähigkeit sind leider mit schwammigen Aussagen in den Bedingungen versehen und lassen unterschiedliche Auslegungen zu. Jeder der (Prozess-)beteiligten meint also, es muss für ihn positiv ausgelegt werden. Der Versicherer sieht es naturgemäß anders als der Kunde und am Ende sind beide Parteien davon abhängig, wessen Ansicht der/die Richter eher teilen. Für die Auswahl des richtigen Versicherers ist es also viel wichtiger zu prüfen, wie genau die Aussagen in den Bedingungen formuliert sind, nur diese garantierten Leistungen kaufen Sie sich mit Ihrem Beitrag und auch nur diese können Sie vergleichen (und notfalls einklagen).

Lesen Sie in den kommenden Tagen: Beschwerdestatistik der PKV