Archiv für die Kategorie ‘Allgemein’

21.
Februar '17

„Die besten Tarife für….“ warum Sie es ignorieren oder die Zeitung verbrennen soll(t)en


Egal ob (Fach-) Zeitschriften, Onlineportale oder meist zweifelhafte E-Mail Newsletter, diese Überschrift haben Sie bestimmt schon einmal irgendwo gelesen.

„Die besten Tarife für Angestellte/ Selbstständige/ Sportler/ Warmduscher oder sonst wen.“

Und hier beginnt auch das eigentliche Problem, hier werden für verschiedene Sparten in der Versicherungswirtschaft Rankings und Ratings aufgestellt, welche eine zweifelhafte Auswahl und Sicherheit vermitteln. Oft dienen solche Überschriften als „Aufreißer“ für einen Artikel und am Ende finden sie dann Tabellen oder Übersichten mit dem besten Tarif.

Das Dumme an der ganzen Sache ist nur, dass es den besten Tarif eben nun einmal nicht gibt und auch nicht geben kann. Speziell bei der Absicherung von biometrischen Risiken, also zum Beispiel der Absicherung der Arbeitskraft bei Berufsunfähigkeit, der Absicherung der Gesundheit durch eine private Kranken(zusatz)versicherung oder auch des eigenen Lebensabends durch eine entsprechende Altersvorsorge.

Wer ein wenig länger darüber nachdenkt wird schnell den Grund meiner Skepsis erkennen. Nur weil ein Produkt für mich passt, passt es für Sie noch lange nicht, Nein es kann sogar gänzlich falsch sein und eine solche Auswahl große Risiken bergen.

Warum „ziehen“ solche Artikel (Leser an)

Das Problem bei der Auswahl des passenden Versicherungsschutzes ist oftmals die Unübersichtlichkeit und die Unverständlichkeit von Versicherungsbedingungen. Da liegen dann plötzlich einhundert Seiten kleingedruckter Text vor Ihnen und Sie hadern mit sich selbst. Gedanken wie „Soll ich das wirklich alles lesen?“ oder „Muss ich das jetzt lesen?“ schwirren Ihnen durch den Kopf und eigentlich sagt ihr innerer Schweinehund: „Lass es bleiben und vertraue dem Versicherer oder deinem Berater/ Vertreter“. Auch Aussagen wie

„Ach, irgendwie sind die Bedingungen doch alle gleich und ein Wort/ ein Satz mehr oder weniger kann doch nicht so schlimm sein.“

höre ich immer wieder.

Das ist auch durchaus nachvollziehbar, denn (außer mir und ein paar Kollegen) gibt es wohl niemanden der so etwas gern liest, über Stunden Bedingungen auswertet, mit Textmarker „bewaffnet“ und vor Bergen von Papier. Und natürlich ähneln sich Versicherungsbedingungen in ganz vielen Aussagen und es finden sich gleiche Sätze bei dem einen und anderen Versicherer wieder. Doch nicht in den Gemeinsamkeiten, sondern in den Unterschieden liegt die Gefahr.

Link: Leitfaden zur Berufsunfähigkeitsversicherung

Wenn sie eben auf den oben stehenden Link geklickt haben und dort ein wenig blättern, dann finden Sie gegenübergestellte Versicherungsbedingungen, welche sich oftmals nur in wenigen Worten unterscheiden. Diese Wortwahl ist es aber, die am Ende bei der Beantragung der versicherten Rente darüber entscheidet, ob eine Leistung erbracht wird oder eben nicht. Es sind keinesfalls die Versicherer die immer nach Auswegen suchen, die böse sind und nie zahlen wollen, es ist oft der große Unterschied zwischen dem was abgeschlossen wurde (und damit versichertes) und der (oftmals falschen) Erwartungshaltung. Da wird in blumigen Worten ausgemalt, dass sie doch den absoluten Luxus und Superschutz in ihrer privaten Krankenversicherung gekauft haben (oder kaufen sollen), dummerweise „vergisst“ ihr Berater Ihnen die Ausschlüsse, Einschränkungen und sonstigen Beschränkungen des Tarifes zu erklären und Sie glauben ihm und gehen von einem High End Schutz aus. Einen Schutz den sie so jedoch gar nicht haben. (mehr …)

10.
Februar '17

Ist die Beitragsanpassung der AXA ab 2000 nun unwirksam? Urteil des Amtsgerichtes Potsdam Urteil AG Potsdam zur Beitragsanpassung der AXA, Az. 29 C 122/16


Jaaaaa, die Beitragsanpassung ist unwirksam und alle Kunden der AXA Krankenversicherung bekommen seit dem Jahr 2000 Ihre angepassten Beiträge zurück gezahlt, aber nur…

Schaut man sich die Presseartikel der letzten Tage an, so mag das so scheinen. Nicht nur in den Fachmedien, auch in Publikumszeitschriften und Zeitungen sorgt momentan ein Urteil eines Amtsgerichtes für Aufregung und (wohl übertriebene) Hoffnung.

Worum geht es bei dem Urteil des AG Potsdam, Az. 29 C 122/16

Ein Amtsgericht hatte sich mit der Rechtmäßigkeit der Beitragsanpassung in der Privaten Krankenversicherung (PKV) der Axa Krankenversicherung zu beschäftigen und tat dieses natürlich auch. So hatte ein Versicherter der AXA gegen seinen Versicherer geklagt und wollte die Rechtmäßigkeit der Beitragsanpassung seines Vertrages überprüft wissen.

Eine solche Beitragsanpassung ist in der Privaten Krankenversicherung möglich, wenn die Vorgaben und gesetzlichen Grundlagen erfüllt werden. Eine dieser Grundlagen findet sich in dem § 203 des Versicherungsvertragsgesetzes. Um etwas mehr Licht ins Dunkel zu bringen, schauen wir uns aber zunächst einmal den Paragraphen an und dort heißt es:

§ 203 Prämien- und Bedingungsanpassung

(2) Ist bei einer Krankenversicherung das ordentliche Kündigungsrecht des Versicherers gesetzlich oder vertraglich ausgeschlossen, ist der Versicherer bei einer nicht nur als vorübergehend anzusehenden Veränderung einer für die Prämienkalkulation maßgeblichen Rechnungsgrundlage berechtigt, die Prämie entsprechend den berichtigten Rechnungsgrundlagen auch für bestehende Versicherungsverhältnisse neu festzusetzen, sofern ein unabhängiger Treuhänder die technischen Berechnungsgrundlagen überprüft und der Prämienanpassung zugestimmt hat.

Es reicht also nicht einfach aus eine solche Anpassung zu berechnen und dann die entsprechenden Schreiben zu versenden, auch muss diese Anpassung von einem unabhängigen Treuhändler „abgesegnet“ werden. Ist eine solche Überprüfung unterlassen worden oder war der Treuhändler nicht unabhängig, so kann dieses ein Grund für eine unrechtmäßige Beitragsanpassung sein.

In dem Urteil geht es speziell um die Beitragsanpassungen im Jahr 2012/13 und die Klage betrifft ausschließlich die Tarife Vision 1-4500 und TV442. Diese Tarife wurden bei dem  Kläger angepasst, nachdem ein Treuhändler dieser Anpassung zugestimmt haben soll. Der Treuhändler ist inzwischen verstorben, war aber zuvor 15 Jahre für die Axa tätig und bekam einen Treuhändlerlohn.

Im Klageverfahren wirft der Kläger der Axa nun vor, der Treuhändler hätte (da die Axa keine Angaben macht) wohl geschätzte 150.000€ Honorar pro Jahr bekommen und hier sei nicht mehr von einer Unabhängigkeit auszugehen und die Anpassung daher unwirksam.

„Es sei demnach von einer wirtschaftlichen Abhängigkeit des Treuhänders von der Beklagten auszugehen. Infolge der unwirksamen Prämienerhöhungen habe er an die Beklagte 1.071,12 € zu viel gezahlt. Wegen der Berechnung wird auf die Klageschrift Bezug genommen. Den genannten Betrag habe ihm die Beklagte ebenso zu erstatten wie daraus gezogene Nutzungen.“

Wie begründet das Gericht sein Urteil?

Die entscheidende Streitfrage ist hier, ob der Treuhändler unabhängig war. Eine solche Unabhängigkeit muss der Versicherer gegenüber der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungen als Aufsichtsbehörde nachweise und auch nur dieser gegenüber, so argumentiert zumindest die Axa.

Der Kläger stellt hier bei der Frage nach der Unabhängigkeit zunächst darauf ab, wie es bei Wirtschaftsprüfern zu handhaben ist. Der entsprechende Paragraph 319 Absatz 3 Nr. 5 im Handelsgesetzbuch (HGB) regelt hier eine Grenze von 30%. Genauer heisst es dort:

(3) Ein Wirtschaftsprüfer oder vereidigter Buchprüfer ist insbesondere von der Abschlussprüfung ausgeschlossen, wenn er oder eine Person, mit der er seinen Beruf gemeinsam ausübt,

5.
in den letzten fünf Jahren jeweils mehr als dreißig vom Hundert der Gesamteinnahmen aus seiner beruflichen Tätigkeit von der zu prüfenden Kapitalgesellschaft und von Unternehmen, an denen die zu prüfende Kapitalgesellschaft mehr als zwanzig vom Hundert der Anteile besitzt, bezogen hat und dies auch im laufenden Geschäftsjahr zu erwarten ist; zur Vermeidung von Härtefällen kann die Wirtschaftsprüferkammer befristete Ausnahmegenehmigungen erteilen.

Er ist dann nicht mehr unabhängig und kann die Interessen nicht ohne wirtschaftlichen Zwang vertreten. Auf diese Art der Unabhängigkeit stellt auch der Kläger ab und das Gericht folgt diesem Vortrag.

In der Begründung heisst es sodann:

Von Unabhängigkeit im dargestellten Sinne kann im vorliegenden Fall nicht ausgegangen werden. Der Kläger hat substantiiert und nachvollziehbar vorgetragen, ohne dass dies die Beklagte ebenso substantiiert bestritten hätte, dass der Treuhänder im maßgeblichen Zeitraum mit der Prüfung aller von der Beklagten vorgenommenen Prämienanpassungen befasst war. Nachvollziehbar erscheint ferner sein Vortrag, dass angesichts der Vielzahl der von der Beklagten angebotenen Tarife es sich um ein großes Treuhändermandat handelt, für das mindestens eine jährliche Vergütung von 150.000,00 € anzusetzen ist.

Auch wenn die dargestellte starre 30 %-Grenze des § 319 Abs. 3 Nr. 5 HGB nicht zur Anwendung kommt, so wäre der böse Schein im oben dargestellten Sinne nur dann zu vermeiden, das heißt nur dann von einer unbeeinflussten Amtsausführung des Treuhänders auszugehen, wenn hier das Jahreseinkommen des Treuhänders im maßgeblichen Zeitraum immer deutlich über 500.000,00 € gelegen hätte. Dann könnte wohl angenommen werden, dass er auf die Zuwendungen der Beklagten nicht angewiesen war und unabhängig entscheiden konnte. Dass hier aber solche Einkommensverhältnisse des Treuhänders vorlagen, ist weder ersichtlich noch wird dies von der entsprechend darlegungs- und beweisbelasteten Beklagten erläutert. Trotz der substantiierten Darstellung des Klägers behauptet sie lediglich pauschal, die genannte 30 % Grenze sei einerseits nicht maßgeblich, andererseits durch ihre Zahlungen an den Treuhänder nicht erreicht. Sämtliche Spekulationen des Klägers zu den Bezügen des Treuhänders seien reine Spekulation. Unter Berücksichtigung der Erkenntnismöglichkeiten des Klägers ist jedoch davon auszugehen, dass ihm gegenüber der mit weitreichenderen Kenntnissen ausgestatteten Beklagten nichts übrig bleibt, als eine Schätzung der Einkommenssituation des Treuhänders.

Diese erscheint, wie dargestellt, nachvollziehbar. Die mit weitreichenderen Kenntnissen ausgestattete Beklagte hätte zum entsprechenden Vortrag des Klägers zumindest im Rahmen ihrer erhöhten sekundären Darlegungslast gemäß der gerichtlichen Aufforderung in der mündlichen Verhandlung vom 02.08.2016 substantiiert Stellung nehmen können und müssen, indem sie einfach die tatsächlichen Einkommensverhältnisse des Treuhänders offen gelegt hätte. Das hat sie indes nicht getan.

Hat das Urteil Folgen für alle Versicherten?

Zunächst einmal handelt es sich um ein (einfaches) Amtsgerichtsurteil, also ein Urteil der 1. Instanz. Die Axa hat bereits angekündigt in Berufung gegangen zu sein und will hier eine höhere Entscheidung zur Prüfung und ggf. anderweitigen Auslegung des Begriffs der Unabhängigkeit anrufen.

Generell gilt das Urteil auch nur für den Einzelfall und keineswegs für alle Versicherten, nicht einmal die im identischen Tarif. Wer also auch in den Tarifen versichert ist oder war, der muss selbst den Klageweg bestreiten und fristwahrend entsprechende Maßnahmen ergreifen.

Auch ist es hier noch nicht klar, wie und ob sich das Berufungsgericht anderweitig positioniert oder die Axa im Verfahren einfach die Unabhängigkeit entsprechend be-/ nachweisen kann.

Unwirksam vielleicht, aber Vorsicht mit voreiligen Schlüssen

Wer nun also den Berichten geglaubt hat und meint(e) seine Anpassungen wären nun unwirksam, dem sei nur geraten sich weiterhin individuellen juristischen Rat zu holen und dann die eigenen Chancen und Risiken für einen Prozess anzuloten. Keineswegs sind die Anpassungen generell oder auch nur für eine Gruppe von Versicherten unwirksam.

Was tun, falls Sie woanders versichert sind?

Auch hier steht Ihnen jederzeit und bei jeder Beitragsanpassung die Möglichkeit frei, eine solche Anpassung von einem Sachverständigen überprüfen zu lassen. Dieses bedingt auch ein entsprechendes Auskunftsrecht und der Versicherer muss seine Beitragsanpassung belegen und die Richtigkeit beweisen.

Daher sollten Sie diesen Weg bei berechtigten Zweifeln durchaus gehen, die Kosten sind nicht derart utopisch und ggf. besteht auch hier Schutz durch eine Rechtsschutzversicherung.

Die vollständige Entscheidung finden Sie im Downloadbereich. Hier können Sie das Urteil und die vollständigen Entscheidungsgründe nachlesen und ggf. mit Ihrem Anwalt besprechen. (c) des Urteils liegt bei dem entsprechenden Gericht.

Urteil des AG Potsdam zur Beitragsanpassung der AXA, Az. 29 C 122/16

 

02.
Februar '17

Hilfe- ich habe keine Versicherung – was tun, wenn die private Krankenversicherung rückwirkend kündigt?


Ein immer wiederkehrendes Szenario und leider häufen sich die Fälle derzeit mal wieder. Ich möchte und werde hier keine Namen von einigen Vertrieben oder gar Namen einzelner Berater nennen und sicherlich ist nicht immer der Berater (mit-) schuld. Dennoch gab es in den ersten vier Wochen des Jahres einige Hilferufe von Menschen, welche den Blog hier lesen oder einfach durch Google bei der Suche hier landeten.

Es geht um Rücktritte, Anfechtungen, rückwirkende Risikozuschläge (nennt sich dann auch rückwirkende Vertragsanpassung) und weitere Fälle. Eines haben aber alle gemeinsam. Zunächst einmal ist der Versicherungsschutz keinesfalls mehr wie er war. Mit dem ersten Schreiben des Versicherers kommt das böse Erwachen und die Ratlosigkeit, daher möchte ich diesen Beitrag nutzen um einige grundlegende Fragen zu beantworten.

Eines ist auch klar, ohne jemanden „der sich damit (wirklich) auskennt“ wird es kaum gehen, allein hier zu agieren macht es in vielen Fällen noch schlimmer. Daher sind der Berater, Rechtsanwälte aber auch Versicherungsberater mit einer Spezialisierung auf die Private Krankenversicherung oder zumindest auf Rücktritt und Anzeigepflichtverletzung die richtigen Ansprechpartner. Doch einige allgemeine Fragen lassen sich durchaus auch allgemein beantworten und schaffen zumindest weitere Klarheit. Generell gilt: Auch der Versicherer hat zunächst einmal kein Interesse an einem Rücktritt oder einer rückwirkenden Anfechtung eines Vertrages. Schließlich macht es ihm Arbeit, der Kunde hat Ärger und „Stress“ und so wird dieses vorher genau geprüft. Auf der anderen Seite sind Versicherer auch für Ihr Kollektiv aller Versicherten verantwortlich und so müssen diese im Interesse aller handeln. Daher gilt es zu überprüfen ob die Angaben im Antrag richtig und vollständig gemacht wurden.

Zunächst geht es also um die Frage nach den unterschiedlichen Begriffen. Daher greife ich diese auf und versuche einen kurzen Überblick mit den passenden Paragraphen zu geben.

Der Rücktritt vom Vertrag

Grundlage für einen solchen Rücktritt ist der Paragraph 19 des Versicherungsvertragsgesetzes (VVG). Hier regelt der Gesetzgeber was passiert, hat der Antragsteller unrichtige oder nicht vollständige Angaben über seinen Gesundheitszustand gemacht.

§ 19 Anzeigepflicht

(1) Der Versicherungsnehmer hat bis zur Abgabe seiner Vertragserklärung die ihm bekannten Gefahrumstände, die für den Entschluss des Versicherers, den Vertrag mit dem vereinbarten Inhalt zu schließen, erheblich sind und nach denen der Versicherer in Textform gefragt hat, dem Versicherer anzuzeigen. Stellt der Versicherer nach der Vertragserklärung des Versicherungsnehmers, aber vor Vertragsannahme Fragen im Sinn des Satzes 1, ist der Versicherungsnehmer auch insoweit zur Anzeige verpflichtet.

(2) Verletzt der Versicherungsnehmer seine Anzeigepflicht nach Absatz 1, kann der Versicherer vom Vertrag zurücktreten.
(3) Das Rücktrittsrecht des Versicherers ist ausgeschlossen, wenn der Versicherungsnehmer die Anzeigepflicht weder vorsätzlich noch grob fahrlässig verletzt hat. In diesem Fall hat der Versicherer das Recht, den Vertrag unter Einhaltung einer Frist von einem Monat zu kündigen.
(4) Das Rücktrittsrecht des Versicherers wegen grob fahrlässiger Verletzung der Anzeigepflicht und sein Kündigungsrecht nach Absatz 3 Satz 2 sind ausgeschlossen, wenn er den Vertrag auch bei Kenntnis der nicht angezeigten Umstände, wenn auch zu anderen Bedingungen, geschlossen hätte. Die anderen Bedingungen werden auf Verlangen des Versicherers rückwirkend, bei einer vom Versicherungsnehmer nicht zu vertretenden Pflichtverletzung ab der laufenden Versicherungsperiode Vertragsbestandteil.
(5) Dem Versicherer stehen die Rechte nach den Absätzen 2 bis 4 nur zu, wenn er den Versicherungsnehmer durch gesonderte Mitteilung in Textform auf die Folgen einer Anzeigepflichtverletzung hingewiesen hat. Die Rechte sind ausgeschlossen, wenn der Versicherer den nicht angezeigten Gefahrumstand oder die Unrichtigkeit der Anzeige kannte.
(6) Erhöht sich im Fall des Absatzes 4 Satz 2 durch eine Vertragsänderung die Prämie um mehr als 10 Prozent oder schließt der Versicherer die Gefahrabsicherung für den nicht angezeigten Umstand aus, kann der Versicherungsnehmer den Vertrag innerhalb eines Monats nach Zugang der Mitteilung des Versicherers ohne Einhaltung einer Frist kündigen. Der Versicherer hat den Versicherungsnehmer in der Mitteilung auf dieses Recht hinzuweisen.

Was bedeutet der Rücktritt nun für Sie als Kunden?

Zunächst einmal bedeutet der Rücktritt, der Vertrag hat nicht bestanden. Der Versicherer macht einen „Schritt zurück“ und tut so, als habe er mit Ihnen nie einen Vertrag geschlossen. Dadurch ergibt sich meist ein weiteres Problem, was ist mit den bereits bezahlten oder gerade eingereichten Rechnungen?

Der Versicherer bekommt in den meisten Fällen durch eingereichte Rechnungen Kenntnis von einer Erkrankung oder vermutet aufgrund eines Rezeptes oder einer anderen Verordnung eine schon bestehende und anzeigepflichtige Erkrankung. Nun muss er reagieren und dabei bestimmte Fristen beachten.

§ 21 Ausübung der Rechte des Versicherers

(1) Der Versicherer muss die ihm nach § 19 Abs. 2 bis 4 zustehenden Rechte innerhalb eines Monats schriftlich geltend machen. Die Frist beginnt mit dem Zeitpunkt, zu dem der Versicherer von der Verletzung der Anzeigepflicht, die das von ihm geltend gemachte Recht begründet, Kenntnis erlangt. Der Versicherer hat bei der Ausübung seiner Rechte die Umstände anzugeben, auf die er seine Erklärung stützt; er darf nachträglich weitere Umstände zur Begründung seiner Erklärung angeben, wenn für diese die Frist nach Satz 1 nicht verstrichen ist.

Tritt er [der Versicherer] nun vom Vertrag zurück, so hatten Sie nie einen. Also sind die bestehenden Rechnungen auch nicht zu bezahlen, da hier kein Vertrag und damit auch keine Leistungspflicht bestanden hat.

(2) Im Fall eines Rücktrittes nach § 19 Abs. 2 nach Eintritt des Versicherungsfalles ist der Versicherer nicht zur Leistung verpflichtet, es sei denn, die Verletzung der Anzeigepflicht bezieht sich auf einen Umstand, der weder für den Eintritt oder die Feststellung des Versicherungsfalles noch für die Feststellung oder den Umfang der Leistungspflicht des Versicherers ursächlich ist. Hat der Versicherungsnehmer die Anzeigepflicht arglistig verletzt, ist der Versicherer nicht zur Leistung verpflichtet.

Das ist insbesondere dann nicht nur ärgerlich sondern finanziell problematisch, falls der Versicherer schon Rechnungen erstattet hat. Und nein, eine Aufrechnung der Rechnungen mit den bereits bezahlten Beiträgen erfolgt nicht generell, sondern, diese Beiträge stehen dem Versicherer ggf. dennoch zu, obwohl Leistungen nicht erbracht werden müssen oder zurückgefordert werden. Das ist auch nachvollziehbar, denn wäre dem anders, dann könnte es der „böse Kunde“ genau darauf anlegen. Passiert mir was und es fällt nicht auf ist alles gut. Fällt es auf, so bekomme ich meine Beiträge wieder und zahle davon die Arztkosten (verbunden mit dem Risiko das es natürlich nicht reicht).

Tritt der Versicherer nicht zurück, weil weder vorsätzlich oder grob fahrlässig etwas falsch oder nicht angeben wurde, so besteht unter Umständen ein Kündigungsrecht.

(4) Das Rücktrittsrecht des Versicherers wegen grob fahrlässiger Verletzung der Anzeigepflicht und sein Kündigungsrecht nach Absatz 3 Satz 2 sind ausgeschlossen, wenn er den Vertrag auch bei Kenntnis der nicht angezeigten Umstände, wenn auch zu anderen Bedingungen, geschlossen hätte. Die anderen Bedingungen werden auf Verlangen des Versicherers rückwirkend, bei einer vom Versicherungsnehmer nicht zu vertretenden Pflichtverletzung ab der laufenden Versicherungsperiode Vertragsbestandteil.

Die Rechte bestehen nicht ewig

(3) Die Rechte des Versicherers nach § 19 Abs. 2 bis 4 erlöschen nach Ablauf von fünf Jahren nach Vertragsschluss; dies gilt nicht für Versicherungsfälle, die vor Ablauf dieser Frist eingetreten sind. Hat der Versicherungsnehmer die Anzeigepflicht vorsätzlich oder arglistig verletzt, beläuft sich die Frist auf zehn Jahre.

§ 22 Arglistige Täuschung

Das Recht des Versicherers, den Vertrag wegen arglistiger Täuschung anzufechten, bleibt unberührt.

Weiterhin kann ein Rücktritt aber dann ausgeschlossen sein, wenn der Versicherer den Vertrag damals auch dann angenommen hätte, wären ihm alle Umstände bekannt gewesen. Das ist meist im Nachhinein schwer (mehr …)

24.
Januar '17

Unter den TOP 3 der deutschen Versicherungsblogs – Sieger in fachlicher Qualität


Deutschland deine Versicherungen, oder wie sonst Liese sich die Branche umschreiben.

Daher freue ich mich besonders, unter die TOP 3 der deutschen Versicherungsblogs gewählt worden zu sein, einer der drei besten Blogs die Endkunden (und viele Kollegen) informieren, unterstützen und auf Missstände aufmerksam machen. So habe ich unzählige Male über die Wichtigkeit von Gesundheitsfragen, die richtige und vollständige Beantwortung aller Antragsfragen aber auch über schwarze Schafe der Branche berichtet. Im Rahmen einer Studie hat sich die Agentur 3m5 der Sache einmal angenommen und sich mit den relevanten, deutschen Blogs beschäftigt.

Link: Artikel zur Studie bei 3m5

Als Kriterien wurden folgende Eckdaten zu Grunde gelegt:

Das Thema Versicherungen muss in Form allgemeiner Beiträge zu einer oder mehreren Versicherungssparten als eines der zentralen Themen behandelt werden. So ist beispielsweise der Karriereblog eines Versicherungsunternehmens nicht relevant für die vorliegende Untersuchung.
Die Postings müssen in chronologischer Reihenfolge erfolgen.
Der Blog muss noch betrieben werden. Hierfür muss er in den letzten sechs Wochen (01.08.2016 bis 15.09.2016) des Untersuchungszeitraums (01.02.2016 bis 15.09.2016) mindestens zwei Beiträge aufweisen.
Die Leser müssen die Möglichkeit haben, die einzelnen Beiträge zu kommentieren, eine reine Aneinanderreihung von Artikeln ist nicht ausreichend. Gerade diese Partizipationsmöglichkeit ist ja zentral für Social Media bzw. das Web 2.0.
Der Blog muss sich seinem Zweck nach an Endkunden richten. Blogs zum Thema Versicherungen, welche sich an ein Fachpublikum richten, werden nicht betrachtet.
In der Kategorie Corporate werden nur jene Blogs des Gesamtunternehmens betrachtet, die Blogs einzelner Agenturen oder Geschäftsstellen finden keine Berücksichtigung.
Der Blog muss in seinem Impressum eine deutsche Adresse verzeichnen. Deutschsprachige Blogs aus Österreich und der Schweiz werden nicht erfasst.

Nachdem sich die Tester durch diverse Blogs und Beiträge gelesen haben wurden diese bewertet und in Form eines Rankings festgelegt. Knapp hinter dem Bund der Versicherten reichte es dann zu einem guten Platz drei, eigentlich schade. Aber lesen Sie selbst.

3. Platz
Blog Versicherungsmakler Sven Hennig (PKV-BU-Blog)
(70,21 Punkte)
Der führende der ersten Wertungsrunde muss sich nun mit dem dritten Platz zufriedengeben. Besonders negativ vielen die Navigationsmöglichkeiten sowie das Design auf. Dieser Teilnehmer erhielt die mit Abstand schlechteste Bewertung in der Kategorie Nutzerfreundlichkeit – Unübersichtlichkeit und nicht zu findende Suchfunktion waren die Hauptkritikpunkte. Unter dem Design leidet auch die unterdurchschnittliche Bewertung des Gesamteindrucks. Hervorzuheben ist demgegenüber die höchste Punktzahl in der Kategorie fachliche Qualität. Die Anzahl der Nutzerkommentare unter den Beiträgen mit Versicherungsbezug ist ebenfalls eine der höchsten, im Punkt Quantität ist dieser Teilnehmer ebenfalls in den Spitzenrängen zu finden. Somit reicht es schließlich doch noch zu Platz 3. http://www.online-pkv.de/pkv-bu-blog/

Nachdem ich mit meinem Blog in der ersten Wertungsrunde führend war und

die höchste Punktzahl in der Kategorie fachliche Qualität

erhielt, musste ich leider bei dem Design und der Nutzerfreundlichkeit Rückschläge einstecken. Hieran gibt es auch nur bedingt etwas zu rütteln. Klar, der Blog ist in dieser Form schon seit 2007 am Netz, das Internet und die Art der Nutzung hat sich verändert und richtet sich immer stärker auf mobile Nutzer aus. Die „vielen Navigationsmöglichkeiten“ sind auch der Tatsache geschuldet, dass mein Blog in der Hauptseite eingebunden sein soll und in vielen Beiträgen und Ergänzungen immer wieder auf die Hauptseite und dort enthaltene Dokumente und weitere Informationen verweist.

Aber, klar und vollkommen richtig, das Design muss ein neues werden. Nicht nur mobil besser erreichbar, auch eine Auffrischung des Designs und die Nutzung mobiler Technologien steht auf der To-Do Liste. Im Frühjahr diesen Jahres wird hoffentlich die neue Seite und damit auch das neu gestaltete Blog online sein, bleiben Sie gespannt.

Ich freue mich jedoch sehr über die Auszeichnung mit der höchsten Punktzahl bei fachlicher Qualität. Schon zu Beginn war mir dieser Punkt elementar wichtig. Schon immer wollte (und habe) ich nie etwas „nur mal schnell“ geschrieben, schon immer ginge und geht es um fundierte und belegbare Fakten und Beiträge.

So fing es an

Am 26.04.2007 gab es den ersten Beitrag, passend mit dem Titel „Versicherungen billiger und besser – geht das?“ und viele Beiträge und Berichte sind genau dazu entstanden. Dazu, wie Sie für sich den besten und passenden Schutz zu einem angemessenen, nicht billigen, Preis bekommen. In über eintausend Beiträgen habe ich erklärt, Probleme aufgezeigt, über Urteile und neue Produkte geschrieben und nie, niemals einen bezahlten oder beauftragten Beitrag geschrieben. Ich habe das Blog schon immer als eine Art „Infoportal“ gesehen, eine Informationsquelle für Kunden, Interessenten und Kollegen. Viele meiner Stammkunden lesen das Blog mehrfach wöchentlich, einige sogar täglich und das obwohl die Entscheidung für ein Produkt, für einen Versicherer längst zu deren Zufriedenheit erledigt ist.

Informieren und Aufklären, genau das waren die Ziele die sich über die Jahre immer mehr und mehr ausgeprägt haben.

Wie soll es weiter gehen?

Neben den Anpassungen am Design und der Einführung neuer Technologien wird es auch weiter Anpassungen an den Inhalten geben. Oft greife ich Fragen auf, nutze aktuelle Fälle um anonym auf Fehler und Probleme aufmerksam zu machen und habe auch kein Problem damit schwarze Schafe an den Pranger zu stellen.

Die Suchmaske habe ich gestern gleich einmal etwas hervorgehoben und diese so etwas deutlicher dargestellt, soweit es derzeit mit kleinen Eingriffen und vor der Neugestaltung der Seite sinnvoll und machbar ist. Der größte Schritt liegt noch vor mir und verlangt noch einiges an Arbeit ab, damit es einem modernen und „hübschen Design“ entspricht. Aber: Fachliche Kompetenz und fundierte Beiträge stehen auch weiterhin vor Design und grafischen Anpassungen.

Gibt es Bereiche die Ihnen fehlen?

Fragen welche Sie gern beantwortet hätten und die Sie im Blog derzeit nicht finden oder nicht ausreichend beleuchtet sehen? Weit über zwei Millionen Seitenaufrufen im letzten Jahr, drei und mehr Seiten pro Nutzer und über eine halbe Million Nutzer besuchen mich hier und lesen mit. Viele kommen danach mit konkreten Fragen, einem Problem und nutzen den LiveChat oder andere Kontaktmöglichkeiten.

Schreiben Sie mir gern in die Kommentare hier unter dem Beitrag oder schicken auch eine Mail an pkv@online-pkv.de falls Ihnen etwas fehlt, Sie eine Idee für einen Beitrag oder selbst ein aktuelles Problem haben. Oft entstanden viele Beiträge (die am ende vielen halfen) aus den Fragen und Problemen einzelner Leser.

Vielen Dank

und nicht nur nach der Studie möchte ich mich bei allen treuen Lesern recht herzlich bedanken. Sie machen mit mir gemeinsam den Blog zu dem Medium welches er ist, gemeinsam mit Ihnen mache ich gern so weiter. Vielen Dank!

13.
Dezember '16

Die Versicherungsvertreter, die tausende Euro Provision kassieren…


Auslöser für diesen Beitrag ist eine kleine Diskussion bei Facebook, welche sich zunächst einmal auf die Frage bezog, wer einen Berater für eine PKV empfehlen kann. (Ich hoffe der Autor lässt den Beitrag auf „öffentlich“, wenn dem so ist, so kann jeder die Kommentare und auch meine Diskussion mit Andreas hier nachlesen.

Losgelöst von der Frage, ob die private Krankenversicherung überhaupt geeignet ist um für die persönliche Gesundheitsvorsorge die richtige Wahl zu sein, losgelöst auch von dem Fall ob man überhaupt in die private Krankenversicherung sollte oder darf, möchte ich den Punkt mit der hohen Provision einmal herausnehmen. In einem weiteren Beitrag werde ich im Laufe dieser Woche noch erklären, warum viele Selbständige nicht in die private Krankenversicherung sollten Auch werde ich beleuchten ob und wann eine Zusatzversicherung zur gesetzlichen Krankenkasse die bessere Option ist.

Bereits in der Vergangenheit habe ich mehrfach erklärt, dass man sich die private Krankenversicherung leisten können und wollen muss.

Artikelhinweis: Eine private Krankenversicherung muss man sich leisten können und wollen

Aber auch wenn die Diskussion am Ende gar nicht gegen mich gehen sollte, sondern sich auf die Branche bezog, möchte ich trotzdem diesen immer wieder im Hinterkopf bestehenden Punkt „die Berater verdienen viel zu viel Geld und beraten daher nicht objektiv“ einmal aufgreifen und mit einigen Zahlen belegen.

PKV-Vermittlung in diesen Provisionsdimensionen wird es in ein paar Jahren nicht mehr geben. Und die Beratungsqualität wird deshalb nicht schlechter. Du scheinst tatsächlich einer der „Guten“ zu sein, deshalb geht das hier gegen die Branche, nicht gegen Dich.

Doch bevor wir zu den Zahlen kommen, schauen wir uns doch einmal die unterschiedlichen Möglichkeiten der Berater und auch die unterschiedlichen Arten von Beratertypen an.

Artikelhinweis: Wo bekomme ich unabhängige Beratung in Versicherungsfragen?

Die private Krankenversicherung gehört unstreitig mit Abstand zu den Sparten, welche (wenn es richtig gemacht wird) eine Lebensentscheidung nach sich zieht und welche daher eine sehr aufwendige Beratung ist. Aus diesem Grund bin ich auch der Meinung, dass vielen Beratern (ganz gleich ob diese Versicherungsvertreter, Versicherungsmakler oder Mitarbeiter in Versicherung vertrieben sind) die Beratung für die private Krankenversicherung einfach verboten werden sollte. Deutlich strengere Zugangsvoraussetzungen und regelmäßige Weiterbildungen sollten zwingend erforderlich sein um solche lebensentscheidenden Produkte wie die private Krankenversicherung, eine Absicherung gegen Risiken bei Berufsunfähigkeit und ähnliches beraten zu dürfen. Das Problem dabei, die heutige Schwelle zur Beratung ist deutlich niedriger, zu niedrig. Wer glaubt ein Berater könne alle Bereiche abdecken, der wird schnell enttäuscht werden. Spezialisten und Kooperationen, gerade in so lebensentscheidenden Sparten, sichern die Qualität der Beratung.

Auch provisionsgetriebene Strukturvertriebe haben den Ruf der Versicherungsbranche, besonders der Vermittlung der privaten Krankenversicherung mehr Schaden zugefügt als diese vertragen konnte. Mehmet Göker ist ein solches Beispiel und hat mit der MEG AG gezeigt wie geldgetrieben die Branche war, oder vielleicht stellenweise noch ist.

Für den Kunden, der sich für eine private Krankenversicherung interessiert ist es daher oftmals schwierig bis unmöglich sich vorab den richtigen Berater auszuwählen. Leider herrscht jedoch auch bei vielen Kunden der Ansatz, eine Beratung muss schnell gehen, ich möchte nicht viel Zeit investieren und insgeheim sind viele froh über kurze, knackige Informationen und einen schnellen Abschluss. Zum Glück kann ich das für die Interessenten, die bei mir anfragen, so nicht bestätigen. Das hat aber am Ende auch ganz andere Gründe, dazu komme ich gleich noch.

Für die Beratung zur PKV müssen Sie (als Kunde) Zeit und Arbeit investieren- Hausaufgaben machen

Wer sich mit dem Thema private Krankenversicherung beschäftigt, der merkt schnell wie undurchsichtig und schwierig das Modell und die Versicherungsbedingungen sind. Dabei sind Versicherungsbedingungen eines einzelnen Tarifes schnell mehr als 30 Seiten lang und das ist nur ein Tarif. Wer sich einen Marktüberblick verschaffen möchte, der liest schnell mal 100-200 Seiten „langweiliges Versicherungdeutsch“. Um sich aber für oder gegen etwas entscheiden zu können, muss man ja zumindest einmal wissen was es gibt, oder?

Das ist aber genau der Punkt, der viele abschreckt. Nun aber kommt der Zeitpunkt der Popup Fenster und schnellen Vergleichsrechner. Ein paar Mal im Internet gesucht, und werbefinanzierte Seiten bieten ihre Dienstleistung an.

Da werden schnelle Vergleiche versprochen und „nur wenige Angaben müssen Sie machen, wir erstellen sofort ihren Vergleich“. In Wirklichkeit ist es in vielen Fällen nahe an einem legalen Betrug. Nach Eingabe der persönlichen Daten und nach Abfrage von drei, vier oder fünf Wünschen zur Erstattungshöhe des Zahnersatzes, 1-Bett oder Zweibettzimmer und wenn es hoch kommt noch der Höhe der Selbstbeteiligung soll ein Vergleich folgen, der kommt aber nicht. Stattdessen werden die Angaben an einen Berater weitergeleitet, der sich „schnellstmöglich bei Ihnen meldet“. Das ist ein bisschen so, als würden sie sich ein Auto kaufen wollen. Ich frage Sie welche Farbe es haben, ob es ein Lenkrad und wie viele Sitze es haben soll. Danach gebe ich eine Empfehlung ab. Glauben Sie ernsthaft, dass man eine private Krankenversicherung über 200 unterschiedlichen Leistungsmerkmalen mit einem 4-Fragen-Onlineformular als Grundlage beraten kann? Wer das glaubt, der wird auch sein Auto zu kaufen wie eben beschrieben. Nur ein solcher Fehlkauf lässt sich beim Auto korrigieren, ggf. mit Verlust, in der PKV im schlimmsten Fall nie mehr.

Doch die private Krankenversicherung funktioniert anders. Sie bedarf vieler Gespräche, umfangreiche Analysen und ist niemals identisch. Es nützt Ihnen überhaupt gar nichts wenn der Freund/die Familie/die Kollegen oder sonst irgendwer mit seiner Krankenversicherung zufrieden ist und sie deshalb auch dort hingehen. Oftmals sind junge Menschen zufrieden und auf Nachfrage räumen diese ein, noch nie etwas gehabt zu haben. Die Leistungsfähigkeit entscheidet sich aber nicht bei der Einreichung einer Rechnung für eine Erkältung, sie entscheidet sich am Ende erst dann, wenn chronisch und  schwere Krankheiten auftreten.

Hauptsache billig ist keine Option

Der Preis ist jedoch das Kriterium, was sich am schnellsten vergleichen lässt. Da werden einfache Zahlen in eine Tabelle geschrieben und gegenübergestellt, da werden in Tarifvergleichen auf zwei Seiten die Vorteile eines Tarifes in den Vordergrund gehoben. Dummerweise werden dabei die Nachteile, Ausschlüsse und Einschränkungen der Tarife oftmals vergessen. Wer sich ernsthaft mit dem Thema private Krankenversicherung beschäftigen möchte, der muss sich auf einen langen Beratungsmarathon einstellen. Wenn Sie die folgenden Fragen nicht mit ja beantworten können dann lassen Sie das Thema private Krankenversicherung bitte ganz bleiben.

  • – Sie sind bereit 100 Seiten und mehr zu lesen?
  • – Sie möchten den Umfang ihres Gesundheitsschutzes mitbestimmen und sind bereit umfangreiche Fragebögen auszufüllen?
  • – Sie haben kein Problem damit 10 Stunden und mehr Beratungszeit am Telefon oder bei ihrem Berater zu verbringen?
  • – Sie wollen nachvollziehen können warum Ihr Berater Ihnen eine Empfehlung gibt oder von einem Tarif abrät?

Damit haben wir schon einmal die erste Hürde geschaffen. Wer diese nicht „überspringen möchte“ der wird einen für sich passenden Versicherungsschutz in der privaten Krankenversicherung nicht finden.

Wie die Beratung abläuft

Zunächst einmal müssen Sie etwas tun, nicht der Berater, nicht der Versicherer, sondern SIE! Machen Sie sich ausführlich Gedanken was sie sich unter IHREM persönlichen Versicherungsschutz vorstellen. Überlegen Sie sich genau wo sie bereit sind mit Einschränkungen und Ausschüssen zu leben, wo sie umfangreicheren Versicherungsschutz wünschen und vor allem wie Ihre Lebensplanung aus. Eine Hilfestellung bieten Ihnen dabei der

Allein in dem Fragebogen werden Sie viele Fragen und Begriffe lesen, wovon Sie bisher nicht einmal wussten, dass es diese gibt. Sich mit Krankheitsfolgen und Leistungen auseinandersetzen müssen, wo Sie bisher gehofft hatten nicht einmal darüber nachdenken zu müssen diese zu bekommen, oder bekommen zu können.

Diese Unterlagen habe ich vor längerer Zeit entworfen, passe diese immer wieder den aktuellen Gegebenheiten an und orientiere meine Beratung unter anderem an diesen Fragen. Wer nicht bereit ist einen solchen Fragebogen auszufüllen, den kann und will ich nicht beraten. Allein schon deshalb, weil ich damit erreichen möchte, dass diejenigen die in die PKV wechseln auch wissen was sie tun. Es geht in vielen Fällen eben nicht darum wie toll ein Tarif in einigen Punkten ist, es geht darum wo Lücken sind, wo Einschränkungen herrschen. Am Ende ist das Ziel jeder Beratung Ihnen zu zeigen WAS SIE KAUFEN.

Nachdem dieser erste Schritt abgeschlossen ist, beginnt die eigentliche Beratung. In einem ersten Gespräch geht es vorwiegend um allgemeine Fragen. Fragen zu

  • – Familienplanung
  • – beruflichen Ausrichtung
  • – Wünschen und Fragen zu allgemeinen Themen der Gesundheitsabsicherung
  • – aber auch hypothetische Betrachtungen nach dem Schema „was passiert, wenn ich …. dieses und jedes verändere“

Ein solches Gespräch dauert mindestens eine, meistens aber mehrere Stunden. Das ist zum Teil auch davon abhängig wie viel sich die-/ derjenige vorher schon mit dem Thema beschäftigt hat und welche allgemeinen Fragen noch bestehen. Oftmals wird aber aus der Selbsteinschätzung „ich habe schon viel gelesen und kenne mich gut aus“ nach dem ersten Telefonat ein „das es so viele Sachen zu beachten gibt wusste ich gar nicht“.

In einem weiteren Gespräch geht es dann die eigentlichen Fragen der Absicherung. Welche Leistungen sollen enthalten sein, was passiert im Alter, bei beruflichen Veränderungen, bei Nachwuchs? Was ist eigentlich anders gegenüber der gesetzlichen Krankenkasse und kann ich mich in Teilbereichen auch verschlechtern? Wie verändere ich meinen Versicherungsschutz, den ich mir vielleicht irgendwann nicht mehr leisten kann? Gibt es Möglichkeiten Leistungen anzupassen und auch wieder zu verbessern? Und vieles mehr…

Im nächsten Schritt geht es in eine erste Auswahl von Gesellschaften und Tarifen. Dabei nützt ein Vergleichsprogramm und eine entsprechende Software jedoch nur dann etwas, wenn der der es bedient auch weiß was er da tut. Für solche Software investiere ich Monat für Monat knapp 400 €. Natürlich könnte ich mich auf ein Programm beschränken, natürlich könnte ich mich auf Software von Versicherern konzentrieren, schließlich ist diese kostenlos. Zu einer objektiven und unabhängigen Beratung gehört aber auch, dass die Datenbasis stimmt. Dieses erreiche ich genau über diesen Weg. Software ist für mich nicht nur ein Tool, auch eine Sammlung aller Bedingungen, Formulare, tausende Druckstücke im Speicher und vieles mehr.

Dabei ersetzt keine Software das Wissen des Beraters, die Erfahrung und die Bewertung unterschiedlichster Punkte. Eine Software manipulierbar. Wenn ich möchte, dass ein Tarif an oberster Stelle steht, dann nennen Sie mir den Tarif, geben Sie mir eine Stunde Zeit und ich baue Ihnen die Kriterien dazu. Das was ich damit sagen will ist aber insbesondere: was aus der Software als Ergebnis herauskommt, ist entscheidend davon abhängig wie viel Qualität bei den Eingaben geherrscht hat.

Doch nun steht der nächste Schritt der Beratung an. Nachdem sie also Unterlagen in aufbereiteter Form bekommen haben, meine Kunden haben bis hierhin schon in etwa 100-150 Seiten gelesen und sich mit einem Textmarker bewaffnet Sachen angestrichen die zu Fragen geführt haben, unverständlich sind oder noch besprochen werden müssen, geht es endlich weiter. In mehreren Stunden folgender Beratung nehmen wir die Tarife und Versicherungsbedingungen auseinander. Wir schauen uns an wo die Lücken, aber auch die Vorteile des jeweiligen Tarifes liegen und besprechen diverse Optionen. Spätestens jetzt kommen meist andere Tarife in Spiel, die Tarife die Kollegen, Freunde, Bekannte oder andere Berater in den Raum geworfen haben. Auch hier der gleiche Prozess. Abgleich mit den Wünschen, auseinandernehmen der Bedingungen und wieder einige Stunden Telefonate, E-Mails und mehr.

Das schönte Lob für mich ist hier oft: „Oh, ich glaube jetzt weiss ich mehr als meine letzten drei Berater mit denen ich sprach“.

Sind wir so weit gekommen geht es an die nähere Auswahl und Fakten zu den Unternehmen, der Tarifstruktur und wir gehen den nächsten Schritt in eine mögliche Auswahl. Jetzt folgt auch die Prüfung, ob eine Zusatzversicherung parallel zur gesetzlichen Krankenkasse nicht die passendere Möglichkeit sein kann. Auch hier wieder die Fragen welche Vor-und Nachteile hierin begründet liegen, welche Einkunftsarten im Alter zu einem Beitrag in der gesetzlichen Krankenkasse führen und vieles mehr.

Geht die Entscheidung in Richtung private Krankenversicherung, also möchte sich jemand nun vielleicht privat versichern, heißt das noch lange nicht, dass es auch eine sinnvolle Versicherbarkeit gibt. Jetzt geht es an das Aufbereiten von Gesundheitsangaben und die Vorbereitung der Voranfragen. Hier lässt sich die Arbeit wieder etwas aufteilen. Während der Berater sich mit der Vorbereitung der Unterlagen beschäftigt, besorgt der Interessent zunächst einmal alle nötigen medizinischen Unterlagen. Dieses können Attest von Ärzten sein, die Anforderung von Gesundheitsakten, Operationsberichten, Entlassungsberichten aus dem Krankenhaus und auch das Ausfüllen von Fragebögen bestehenden Erkrankungen.

Nachdem all diese Unterlagen nach einigen Stunden Beratung und Besprechung soweit aufbereitet sind, gehen diese zunächst einmal an die unterschiedlichen Versicherer. Während der Risikoprüfung und ersten Einschätzung kommen immer wieder Rückfragen, Nachfragen zu medizinischen Unterlagen und der medizinischen Vorgeschichte und irgendwann eine erste Einschätzung. Oftmals ist diese Einschätzung nicht sofort so, wie wir diese gerne hätten. Risikozuschläge sind wichtig und wenn ein Versicherer zu lax in der Annahmepolitik ist, dann tut es den Beständen nicht gut. Auf der anderen Seite möchte niemand unnötig Beitrag zahlen. Etwas mehr Erklärung dazu habe ich in meinem Beitrag bereits beschrieben:

Artikelhinweis: „Wer nimmt mich ohne Zuschlag oder Risikozuschlag

Nachdem all diese Einschätzungen vorliegen, die Details zur Vertragsgestaltung, Zusatzbausteinen für die Beitragsentlastung im Alter oder die richtige Berechnung des Krankentagegeldes abgeschlossen sind, beginnen wir mit der eigentlichen Antragstellung. Infolge dieser und des bereits vorgeprüften Antrages nimmt der Versicherer den Antrag nun wie gewünscht an. Es wird eine Police erstellt, einige Unterlagen hin und her geschickt und gemeinsam mit unseren Kunden überwache ich die weiteren Schritte Denn keineswegs ist nach dem Antrag Beratung vorbei, denn wie es weitergeht lesen Sie hier:

Lesetipp: Nach dem Abschluss- die Beratung ist nicht zu Ende

Bis zu diesem Zeitpunkt hat ihr Berater (wenn er sorgfältig und ausführlich gemacht hat) irgendwas um die 30 oder mehr Stunden Beratung-und Recherchezeit investiert, investiert ohne auch nur einen Cent verdient zu haben. Endet jetzt die Beratung, oder Interessenten kommen zu dem Ergebnis, dass die gesetzliche Krankenkasse die bessere Option ist, oder weil Sie die Höhe des Risikozuschlag unakzeptabel finden, so bleibt es auch bei einem Verdienst von null Euro. Gleiches gilt auch dann , wenn Sie sich einfach noch nicht sicher sind und sich daher gegen einen Wechsel entscheiden. Alles kein Problem und es entstehen Ihnen keinerlei Kosten.

Klar würde ich es gut finden, wenn ich diese Beratung in einigen Fällen abrechnen könnte, einfach ein Honorar für zehn, zwanzig oder mehr Stunden Beratung nehmen. Selbst wenn ich es niedrig ansetzen wollen würde, reden wir hier über vierstellige Beträge. Vierstellige Beträge dafür, dass sie eine freie Wahl haben, dass sie sich auch kurz vor dem Abschluss und nach all der erfolgten Beratung dagegen entscheiden können.

In vielen Fällen habe ich großes Glück, kann vorher einschätzen ob bestimmte Erkrankungen überhaupt zu einer sinnvollen Versicherungsmöglichkeit führen, kann schon in ersten Gesprächen Tipps und Ratschläge geben und gegebenenfalls zu einer Zusatzversicherung und im Verbleib in der gesetzlichen Krankenkasse raten. Aber am Ende ist es IHRE Entscheidung, ihre Gesundheitsvorsorge und ihr Portmonee.

Ich bin absolut keinem Interessenten oder Kunden auch nur ansatzweise böse der sich im letzten Schritt dagegen entscheidet. Sei es, weil er sich nicht sicher ist, lieber noch mal überlegen will und das Thema vielleicht im nächsten Jahr noch einmal angehen möchte. Kunden mit denen habe ich schon 2012 zum Thema private Krankenversicherung gesprochen, immer mal wieder E-Mails ausgetauscht, Unterlagen hin und her geschickt und Denkanstöße gegeben. Der finale Entschluss den Wechsel doch zu vollziehen, kam in 2016. Oder kommt eben gar nicht, auch in Ordnung. Ich habe überhaupt nichts davon, wenn Sie heute eine Entscheidung treffen die sich in Monaten oder wenigen Jahren wieder bereuen. Ja, ich bin ein schlechter Verkäufer, ein sehr schlechter sogar. Überreden, verkauften und Zeitdruck sind so gar nicht meins.

Die hohe Provision

Ja, Beratung zur privaten Krankenversicherung wird auf den ersten Blick gut bezahlt, auch auf den zweiten Blick kann ich sehr gut davon leben. Das kann ich aber auch, weil ich auf der einen Seite meinen Job mit viel Herzblut mache und ein wunderbares Kundenklientel besitze, da ich seit über zehn Jahren nicht einen Euro in Werbung, Datensätze, gekaufte Adressen oder sonst irgendwas investiert habe und mich einer der Spezialisten im Bereich der PKV positionieren konnte.

Ich liebe mein Job und wer schon einmal eine Beratung bei mir in Anspruch genommen hat, oder nur eine Frage hatte die sich oftmals schnell beantworten lässt, der wird das bestätigen können. Bestätigen, dass sich das mit einer gewissen Leidenschaft ausüben und dabei Fragen gern und schnell auch mal irgendwann nachts beantworte. Eben weil es für mich keine „Arbeit“ ist, sondern etwas was mir Spaß macht, viel Spaß! Und: ich habe überhaupt gar kein Problem gegen einen Abschluss zu argumentieren.

Wer in die PKV wechselt weil er es will und verstanden hat was er da tut der soll es tun, wer nicht soll es aber bitte auch lassen.

Gerade heute, wenige Minuten bevor dieses Thema bei Facebook zu der Diskussion geführt hat, hatte ich eine Anfrage von einem bereits Privatversicherten, der gern wechseln wollte. Meine Antwort in der E-Mail, nach Erhalt des Fragebogens und weiterer Informationen war:

Ich möchte ganz ehrlich sein. Natürlich findet sich ein Versicherungsschutz der heute noch etwas billiger ist, jedoch ist das Ihr Problem nicht.

Der Tarif den Sie derzeit haben ist, abgesehen von der aktuellen Anpassung, bisher ein sehr beitragsstabiler Tarif gewesen. Die aktuelle Anpassung hat verschiedene Gründe, unter anderem die niedrigeren Zinsen. Diese sind aufzufangen, was mit der aktuellen Anpassung passiert ist. Und bei allen Versicherern gleichermaßen zu deutlichen Anpassungen geführt hat.

Bei einer so langen Vorversicherungszeit, den Alterungsrückstellungen die sie nicht mitnehmen können und damit verlieren und eine weitere Nachteilen, halte ich es nicht für sinnvoll (auch wenn es etwas gegen das eigene Geschäft spricht) mit dem Versicherer heute zu wechseln.

Ich bin mir übrigens noch nicht sicher ob die Botschaft bei ihm so angekommen ist, oder ob der Interessent vielleicht bei einem anderen Berater doch wechselt.

Nehmen wir also einen privaten Krankenversicherungsschutz für einen Angestellten. Eine Auswahl des hochwertigen Versicherungsschutzes, einer passenden Gesellschaft und am Ende vielleicht einem Monatsbeitrag von 550 €. In diesem enthalten sind Bausteine mit Pflegepflichtversicherung, der gesetzliche Zuschlag von 10 % für die zusätzlichen Altersrückstellungen und andere Bausteine. Nehmen wir also an, daraus resultiert ein bewertbarer Monatsbeitrag (also der Beitrag aus dem sich meine Courtage berechnet) von 460 € monatlich.

Bei einem Courtagesatz von 6-9 MOB (das ist der maximale Satz den ein Versicherer dem Berater/ Vertrieb zahlen darf) resultiert hieraus eine Courtage von 2.760 bis 4.140 €, brutto.

Wie jeder andere auch, zahle ich hiervon meine laufenden Betriebskosten, Software wie oben erwähnt, Weiterbildungen und dergleichen und lebe davon. Ja, gern mache ich das zudem auch noch. Bei billigen Tarifen ist die Vergütung dementsprechend niedriger. Über das System kann man streiten, ist aber eben so wie es ist.

Dieser Courtage / Provision stehen somit ca. 20, eher aber 30-40 Std. Beratung gegenüber und wir reden von einer erfolgreichen Vermittlung, nicht von Fällen wo sich der Kunde dagegen entschied, es gesundheitlich nicht sinnvoll zu versichern war und mehr. Das entspricht einem Stundensatz von irgendwas zwischen 70 und 130 € brutto, vor Steuern und Kosten.

Einer Beratung die am Ende zu einem passenden ausgewogenen, lebenslangen Versicherungsschutz führt, oder eben zu der Entscheidung den Wechsel nicht zu vollziehen. Natürlich ist die Zahl an sich eine große Summe und wir reden über viel Geld Damit habe ich auch grundsätzlich kein Problem, denn ich glaube, dass meine Beratung diesen Betrag wert ist.

Würde ich- um zu der Behauptung aus dem ersten Zitat zurück zu kommen- bei weniger Courtage schlechter beraten oder würde die Qualität dann nicht sinken? Würde Sie, nicht weil der Berater schlechter berät, sondern weil in kürzerer Zeit mehr Beratungen absolviert werden müssen, mehr damit laufende Betriebskosten weiter gezahlt werden müssen und es sich auch für den Berater rechnet. So werden mehr Beratungen in weniger Zeit gequetscht. Ich möchte aber für meine Kunden die Zeit haben die diese für sich brauchen um sinnvoll zu entscheiden. Sind das 50 Std. ist es genau so gut, als ob jemand nach 20 Stunden entscheiden kann was er will.

Natürlich gebe ich all den Kritikern recht, dass eine schnelle Beratung in ein oder zwei Stunden bei einer solchen Vergütung völlig überbezahlt ist und damit unangemessen. Doch mit Einführung der verlängerten Stornohaftungszeit von 60 Monaten sollte auch der Berater ein Interesse daran haben sauber und vernünftig gearbeitet zu haben. Denn beendet der Kunde seinen Vertrag, reduziert die Leistungen (und damit den Beitrag), tritt der Versicherer wegen falscher Angaben zurück oder endet der Vertrag auch sonst irgendwelchen Gründen, zahlt der Vermittler seine Vergütung anteilig zurück. Verdient wird somit immer nur 1/60stel, also in unserem Beispiel maximal 69 € pro Vertragsmonat für die ersten 60 Monate. Das sichert mehr Qualität und verhindert dieses „nach einem Jahr umdecken zu einem anderen Versicherer“.

In der privaten Krankenversicherung gibt es Zeiten, in denen mit einem laufenden Vertrag wenig Aufwand besteht. Ist der Kunde gesund und gibt es keine Veränderungen so besteht der Vertrag, läuft einfach vor sich hin. Hier reichen dann pro Jahr ein bis zwei Stunden um Änderungen abzufragen, an die Anpassung von Krankengeld zu erinnern und mehr. Die Qualität des Beraters zeigt sich aber dann, wenn etwas nicht so funktioniert wie es soll. Sei es, weil Probleme beim Einreichen von Rechnungen gibt, weil Verträge an neue Gegebenheiten angepasst werden müssen, weil sich persönliche Umstände verändert haben oder vieles mehr. Diese Leistungen kaufen Sie mit der Courtage mit. Die laufende Vergütung, welche bei den meisten Gesellschaften erst ab dem zweiten oder dritten Jahr gezahlt wird, die sogenannte Bestandsvergütung beträgt 1 bis 2% des bewerteten Jahresbeitrages, also durchschnittlich etwa 50-60 € pro JAHR und Vertrag. Dafür und damit sind alle Beratungsleistungen abgegolten und für den Kunden und Versicherten auch in den nächsten Jahrzehnten kostenfrei.

Gute Beratung kostet Geld

Und damit möchte ich mit einigen Erklärungen in diesem Beitrag auch zum Schluss kommen. Ich möchte keineswegs ein Urteil über die Branche fällen. Es gibt gute Berater, es gibt schlechte Verkäufer, wie in allen Bereichen des Lebens. Ein Steuerberater ist gut, aber ist er gut, wenn er viel Geld herausgeholt hat, oder gut, wenn er Nachzahlungen verhindert und rechtzeitig gut berät, so das der Kunde aber am Ende dennoch etwas (nach-)zahlen muss?

Es ist wie immer eine Betrachtungsweise und ich kann durchaus Menschen verstehen, die meinen das allein zu können, ohne Berater, ohne Vermittler. Da wir aber in der PKV keine so genannten Nettotarife haben, wird damit die Prämie nicht anders, die einkalkulierten Kosten bleiben dann bei dem Versicherer, dem Vergleichsportal, dem Onlinerechner oder mehr. Also nutzen Sie qualifizierte Beratung, bezahlt haben Sie diese eh schon.

Es gibt Berater und Makler welche 200 bis 300 € für eine Adresse, also einen Interessenten zahlen, einem dem vorgegaukelt wurde er bekommt gleich nach dem Ausfüllen der Fragen einen Onlinevergleich. Melden Sie sich einmal bei einem Affiliate Programm an, dort wird Ihnen als Betreiber einer Webseite viel Geld für die PKV Datensätze geboten, wenn Sie nur Werbung auf Ihrer Seite dafür machen. Das alles ist aber ein System welches ich nicht gutheißen kann.

Qualifizierte Beratung wird immer Geld kosten, ob in Form einer einkalkulierten Vergütung oder einer extra bezahlten, durch Honorar. Es wird immer Dumpinganbieter geben, immer welche die es billiger machen, zu denen will und werde ich nicht gehören. Nach über 20 Jahren in der Branche, über 1200 Blogbeiträgen mit Erklärungen, Fragebögen, Analysen und einigen hundert betreuten Kunden werde ich auch weiterhin genauso beraten wie bisher. Auch solche „Dienstleistung“ ist Aufwand, braucht Zeit und kostet daher indirekt Geld. Diese Zeit kann und will ich aber gern investieren, geht aber nur weil die Vergütung sonst passt.

Wer das nicht möchte, wem das zu teuer ist oder wer meint das ist zu viel was die Gesellschaft mir dafür zahlt- bitte. Jeder kann gern und für sich ganz allein eine Entscheidung treffen, es selbst oder woanders zu machen. Auch sehe ich nicht ein meine Courtage abzugeben, also in Form einer (verbotenen) Provisionsweitergabe. Warum? Weil Beratung, Aufwand und Haftung nun mal Geld kosten, über Jahre und dauerhaft und ich auch nicht zum Bäcker gehe und über seinen Verdienst handeln möchte. Passen mir die Preise bei dem nicht, gehe ich eben zum Discounter, jeder kann und sollte das auch völlig wertfrei für sich entscheiden.

Schauen Sie sich einmal unter dem Punkt REFERENZEN hier auf der Seite um, ich habe kein Problem damit Ihnen Namen und Kontaktdaten von einigen (die dem zustimmen) zu geben, sprechen Sie gern einmal mit denen. Ich bin schon ein bisschen stolz darauf, was heute in dem Facebookbeitrag passiert ist. Es fragt jemand nach PKV Beratung, unterschiedliche Menschen und noch nicht mal alles meine Kunden, empfehlen mich. Egal ob als Kommentar oder als Nachricht an den Ersteller der Frage- hat mich zudem sehr gefreut. Seit über 10 Jahren kommen meine Kunden ausschließlich über Empfehlungen oder die ausführlichen Informationen auf der Website zu mir, kann also so ganz falsch nicht sein der, mein Weg.

Wie auch in dem Facebook Post als Kommentar geschrieben, Private Krankenversicherung ist nichts für jeden, nicht für jeden Kunden aber auch definitiv erst recht nicht für jeden Berater. Wer heute billiger kauft, kauft vielleicht zweimal oder wird seine Entscheidung zumindest irgendwann bereuen. Wer heute aus der GKV wechselt, viel Geld spart und das verprasst, auch der wird irgendwann (zu recht) auf die Nase fallen. Wer glaubt bessere Leistungen für viel weniger Geld zu bekommen, der braucht Beratung, die sogar kostenfrei- Telefonnummer hier auf der Seite, Live Chat auch.

Im Augenblick ist wieder Wechselzeit, die Zeit in der Berater Kunden überreden müssen und werden zu wechseln. Das dieses in einigen Fällen sinnvoll sein kann ist unbestritten, meist aber macht es wenig Sinn einen Wechsel aus einer langjährigen Versicherung zu einer anderen zu machen.

UND NUN? Entscheiden Sie, lesen Sie, verstehen Sie was Sie da kaufen und machen Sie es richtig. Wenn Ihr Berater gut ist und war, Sie ausführlich und zu Ihrer Zufriedenheit beraten hat, „gönnen Sie Ihm auch die Vergütung“. War das nicht so und hatten Sie das Gefühl etwas schnell verkauft zu bekommen, dann treffen Sie Ihre Entscheidung und lassen sich anderweitig beraten. Ganz einfach!