ACHTUNG! Nicht jeder Arbeitnehmer wird durch Überschreiten der Grenze versicherungsfrei ab Januar

Sven Hennig

Es ist ein leidiges Thema und viele Lohnbuchhaltungen oder Personalabteilungen sind auch hier überfordert. Das liegt zum einen an sich ständig ändernden Gesetzen, zum anderen an komplizierten Regelungen. Dazu kommen viele „Steuerspartricks“ oder „Modelle zum Sparen von Sozialversicherungsbeiträgen.

Auch in diesem Jahr wird es wieder eine große Anzahl Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer geben, welche glauben ab dem 01. Januar versicherungsfrei zu sein und es dann am Ende doch nicht sind. Das führt zu Stress und Frust und ließe sich bei rechtzeitiger Planung manchmal sogar ganz sauber und legal lösen.

Einkommen im aktuellen Jahr über der Versicherungspflichtgrenze?

Das ist schon einmal eine gute Voraussetzung. Denn nur wer bei einem laufenden Arbeitsverhältnis im aktuellen Jahr die Grenz überschreitet, nur der kann zum 01. Januar des Folgejahres überhaupt aus der Versicherungspflicht heraus fallen. Dazu muss das JAHRESbrutto im Jahr 2019 die Grenze von 60.750 € überschreiten. Es ist durchaus ausreichend, wenn dieses mit dem Dezembergehalt passiert und auch das 13. oder 14. Gehalt zählen hier hinzu.

Dabei ist der Monatsverdient hier nicht das entscheidende Kriterium, auch wenn dieses gern einmal heruntergerechnet wird. Die erste und somit wichtigste Voraussetzung bei einem laufenden Arbeitsverhältnis ist hier dann ein Jahreseinkommen über der aktuellen Grenze. Diese finden Sie für das Jahr 2019 unter dem Beitrag „Sozialversicherungswerte 2019

Die neuen Werte ab 2020 finden Sie in meinem Beitrag:

Sozialversicherungsgrößen / Rechengrößen und Arbeitgeberzuschuss 2020

Aber das allein reicht eben nicht aus.

Reicht das Einkommen 2019 auch aus, um die Grenze des Folgejahres zu überschreiten?

Denn nur wenn Ihr Einkommen aus dem AKTUELLEN JAHR auch die voraussichtliche Grenze für das Folgejahr erreicht, nur dann tritt auch mit Ablauf des Jahres Versicherungsfreiheit ein. Schaffen Sie zwar die Hürde in 2019, aber bleiben mit dem Einkommen unter der geplanten neuen Grenze 2020 (62.550 €), so bleiben Sie weiterhin versicherungspflichtig in der gesetzlichen Krankenkasse.

Ein Wechsel ist dann nicht möglich, auch dann nicht, wenn es doch für das aktuelle Jahr gereicht hat.

Wie hoch genau die neuen Grenze in 2020 sein wird, das werden wir erst im Verlauf des Monats September als vorläufigen und im Dezember als endgültigen Wert wissen. Gehen Sie aber von einer Steigerung der Grenze um 1.300 bis 1.800 € aus, so ist dieses ein Anhaltspunkt und damit ein Richtwert.

Es sind somit die 1.800 € gewesen. Ihr Einkommen muss somit in 2019 die Grenze von (2020) in Höhe von 62.550 € überschritten haben. In dem nun folgenden Schema können Sie dieses anhand Ihrer Einkommensdaten selbst prüfen. Durch Klick auf das Bild erhalten Sie die kostenlose pdf Datei, welche Sie auch im Downloadbereich finden.

Aber ich bekomme doch noch…

Gerade die Arbeitnehmer, die gern in die Private Versicherung wechseln möchten, die fiebern dem Termin entgegen. Sage ich denen dann im LiveChat, es geht nicht weil… kommen meist ganz viele andere Einkünfte um die Ecke. Da sind Erfolgsbeteiligungen, Boni, Prämien und vieles mehr.

Oftmals sind diese Einkommensbestandteile aber an Voraussetzungen geknüpft und vom Erfolg (des Unternehmens oder des Arbeitnehmers) abhängig und nicht garantiert.

Einige Einkommensbestandteile lassen sich jedoch auch hochrechnen und werden dazu gezählt, wenn diese in den letzten Jahren regelmäßig gezahlt wurden und mit „sicherer Wahrscheinlichkeit eine Weiterzahlung anzunehmen ist“. Dabei kann es zum Beispiel passieren, dass eine Tantieme über die letzten Jahre immer ausgezahlt wurde. Einmal waren es 3.000, einmal 10.000, einmal aber auch 4.000 oder 5.000 €. Auch wenn es im Arbeitsvertrag keine Garantie zu der Zahlung gibt und es bei „schlechtem Geschäft“ dann keine geben würde, ist hier dennoch eine hinreichende Wahrscheinlichkeit da. Also nimmt die Krankenkasse / der Arbeitnehmer einen Betrag von 3.000 € an und unterstellt diesen auch für die Hochrechnung.

Welche Einkünfte sonst noch zum Einkommen zählen und die Jahresarbeitentgeltgrenze beeinflussen, das habe ich in einem anderen Beitrag zusammengefasst.

Welche Einkünfte zählen zur Jahresarbeitentgeldgrenze (JAEG) und bestimmen die Versicherungspflicht mit

Mit der richtigen Planung zum passenden Ergebnis?

Zunächst einmal ist entscheidend wo Sie hin wollen. Einige möchten in keinem Fall versicherungsfrei werden, denn dann ändern sich zum Beispiel auch die Regelungen in der Elternzeit und schnell ist die beitragsfreie GKV Mitgliedschaft vorbei. Andere wiederum möchten genau das, die GKV verlassen. Hier macht es sich bezahlt, sich bei knappem Über- oder Unterschreiten der Grenze mit dem Arbeitgeber gemeinsam eine Lösung zu überlegen. Eine Lösung, welche rechtssicher und langfristig tragbar ist.

Dabei kann eine Umwandlung von Gehalt via betrieblicher Altersvorsorge das Einkommen reduzieren, eine Beendigung eines solchen Modells die Versicherungsfreiheit wieder hervorrufen. Auch ist es bei vielen Arbeitgebern durchaus möglich Einkommensbestandteile anders zu gestalten oder flexible Bestandteile umzuwandeln.

Das bedarf aber etwas Vorarbeit und daher ist es mehr als sinnvoll, solche Modelle jetzt und nicht im November oder Dezember zu besprechen.

Auch ist der Weg zur passenden PKV durchaus etwas länger und daher auch hier… nicht erst im Dezember anfangen.

Das müssen Sie wissen!

  • – für den Wechsel in die PKV müssen Sie mit dem Gehalt des aktuellen Jahres die jetzige und die JAEG des Folgejahres überschreiten

  • – mit einer Anwartschaft und der passenden Gestaltung geht es noch ein Jahr jünger in die PKV

  • – Umstellung/ Anpassung der Einkommensbestandteile sollten rechtzeitig besprochen werden

  • rechtzeitig mit der Auswahl der Tarife beginnen, dabei Optionen und Anwartschaften beachten

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