Archiv für September 2009

30.
September '09

Ausbaugarantie in der Berufsunfähigkeitsversicherung


Manche bestehende Verträge für die Absicherung der Berufsunfähigkeit entsprechend lange nicht dem, was versichert sein soll. Klar sollten Sie sich zu Vertragsabschluss ausführliche Gedanken machen wann der Schutz benötigt wird, wie lange und natürlich bis wann und in welcher Höhe.

Bei Vertragsbeginn entscheiden Sie sich für eine Laufzeit und eine Rentenhöhe. Die Höhe der Versicherten Rente lässt sich bei einigen Gesellschaften und Tarifen oft im Rahmen einer so genannten Nachversicherungsgarantie anpassen.

Wie funktioniert die Nachversicherungsgarantie?

Bei bestimmten, vertraglich definierten Ereignissen (Heirat, Geburt eines Kindes, Hausbau, Selbstständigkeit etc.) lassen sich die vorhandenen Leistungen (Höhe der Rente) in bestimmten Grenzen anpassen und das ganze ohne Gesundheitsprüfung.

Doch was passiert bei einem „falsch abgeschlossenen Endalter“? Also was ist wenn der Schutz nur bis 60 gilt und nun festgestellt wird das das gar nicht reicht? Auch dafür gibt es eine Lösung.

Einige Versicherer, jüngst auch die Alte Leipziger bei Ihren Bedingungsverbesserungen, hat eine so genannte Ausbaugarantie eingeführt. Diese ermöglicht unter bestimmten Kriterien eine Verlängerung des Endalters auf max. 67. Die Voraussetzungen sind genau in den Bedingungen beschrieben und lassen somit eine Verbesserung der Versicherungsleistungen zu.

Denken Sie also bei der Auswahl des richtigen Versicherers auch an mögliche Veränderungs- und Anpassungsmöglichkeiten, denn ihr Leben ist flexibel, der Vertrag sollte es auch sein.

Weiterführende Informationen:

Auswahlkriterien zur BU und Fragebogen

29.
September '09

Umwandlung in die Vario Tarife (Central KV)


Am Wochenende rief mich eine Interessentin an, welche derzeit in dem Tarif CV3H der Central versichert ist. Die Beitragsanpassungen der Central im Neu- und Bestandsgeschäft hatte ich bereits vor einiger Zeit hier beschrieben.

Die Anruferin berichtete sie wisse ja schon, das der Tarif angepasst würde, in Ihrem Fall (CV3H, seit 2003 versichert) um ca. 54 EUR monatlich für Sie, dazu 15 EUR Anpassung für Ihre Tochter. Das sind schon Größenordnungen die man nicht mehr so einfach hinnehmen mag. Aber gut, daran wird die Kundin nur wenig ändern können.

Auf meine Frage woher Sie das wisse teilte diese mit, ein Berater sei vorbei gekommen und habe ihr erzählt sie möge doch in die neuen Vario Tarife umstellen. (Link zur Tarifanalyse) Natürlich ist der Wechsel sinnvoll und ratsam und ein bisschen sparen kann Sie auch noch. „Auch funktioniert dieser Wechsel sogar ohne Gesundheitsprüfung“, so der Berater weiter.

Allein hierbei würde ich mir Gedanken machen, denn Wechsel mit Leistungsverbesserungen müssen zwingend eine neue Risikoprüfung zur Folge haben. Haben Sie dieses nicht und sind keine vertraglich vereinbarten Optionen enthalten, so muss dieses irgendeinen „Haken“ haben. Ein Wechsel ist aber auch nicht in jeden Tarif der Vario Serie möglich sondern eben nur in einige Kombinationen.

Komisch ist, das auch Tarifwechsel in schlechtere Leistungen angeboten werden und nicht im Detail auf die Unterschiede eingegangen wird. Woher soll die Kundin diese kennen?

Schauen Sie sich auch in den Bedingungen einmal die Wechseloptionen an und lesen die Regelung sehr genau. Wie und wann gilt diese für Neukunden und wie für Bestandskunden? Spannend!

Daher der Hinweis:

Lassen Sie sich nicht pauschal zu einem Wechsel bewegen. Klar kann diese sinnvoll und angebracht sein. Versuchen Sie aber alle Eventualitäten soweit als möglich zu hinterfragen und lassen sich am besten die Unterschiede (insbesondere die Nachteile) schriftliche bestätigen.

28.
September '09

Angemessene Beträge bei Heilmitteln – was Sie wissen sollten


Immer wieder passiert es und auch noch ohne das der Versicherte davon wusste. Der Versicherte schaut in seine Versicherungsbedingungen und da finden wir folgende Fomulierung:

Als Heilmittel gelten die zur Beseitigung und Linderung von Krankheiten oder Unfallfolgen dienenden Anwendungen und Behandlungen wie Inhalationen, Krankengymnastik und Übungsbehandlungen, Massagen, Hydrotherapie und Packungen, Wärmebehandlung, Elektrotherapie sowie Lichttherapie.

Ergänzend dazu ist angeführt:

Die Erstattung erfolgt zu 100%.

manchmal noch erweitert um den Nachsatz

… in angemessenen Sätzen.

Als konkretes Beispiel aus der letzten Woche nehmen wir eine Rechnung eines Physiotherapeuten, welcher folgende Kosten in Rechnung stellte.

Da ging der Kunde von einer 100% Erstattung aus, musste sich aber einen Besseren belehren lassen, denn diese Kosten seien nicht angemessen. Empfinden Sie Kosten für eine Krankengymnastik bei Rückenbeschwerden in Höhe von 26,80 EUR für eine Behandlung angemessen?

Das wird sich sehr schwerlich beurteilen lassen und auch davon abhängig sein wo Sie wohnen. Hier, im idyllischen Norden ist das unter Umständen noch zu bekommen, in der Frankfurter City wahrscheinlich nicht. Der Versicherer sag das (auch bei dem Kunden) anders und schrieb:

Und nun? Woher sollte der Kunde wissen welche Sätze angemessen sind? Darauf rief er bei seinem Versicherer, der HUK Coburg Krankenversicherung, an und fragte nach. Er bekam die Aussage man nutze hierzu die „Beihilfesätze„. Komisch dachte der Kunde und fragte nach. „Ich bin doch gar nicht beihilfeberechtigt und auch kein Beamter oder Angestellter im Öffentlichen Dienst. Können Sie mir bitte eine Liste senden?“ Antwort: Nein, die finden Sie im Internet. „Und auf welcher Grundlage machen Sie das?“ wollte der Kunde weiter wissen. Antwort: „Wir machen das immer so.“

(Anmerkung: Ich habe dazu den Versicherer angeschrieben und um Antwort gebeten. Diese stelle ich dann gern hier ein.)

Da verlässt sich ein Kunde auf eine Aussage in den Bedingungen (wobei bei der HUK keinerlei Formulierung zu „angemessen“ oder „100%“ drin steht, sondern nur der oben zuerst zitierte Text. Noch schlimmer, denn hier haben andere Versicherer eine ergänzende Formulierung angefügt und schreiben:

Die Erstattung erfolgt maximal zu beihifefähigen Höchstsätzen.

Diese finden Sie in den Beihilfevorschriften des Bundes (Direktlink) oder der Länder. Wenn Sie Beamter sind, dann kennen Sie diese womöglich. Doch wer als „normaler“ Versicherter mit einem privatrechtlichen Vertrag macht sich Gedanken über Beihilfesätze??? Und was ist, wenn der Gesetzgeber die Beihilfesätze ändert?

Schauen Sie mal in Ihren eigenen PKV Vertrag- was finden Sie dort bei Hilfsmitteln? Fragen Sie sonst telefonisch nach und bestehen auf einer schriftlichen Aussage. Sollte es ein eigenes Verzeichnis in dem Unternehmen geben, so lassen Sie sich dieses übersenden und vergleichen dieses mal mit den Beihilfesätzen. (Ab Seite 45)

Beachten Sie bitte auch noch:

Sind die Sätze an die Inflation angepasst? Wann werden diese überprüft?

In unserem Fall der KG Behandlung finden wir die Lösung auf Seite 45 der Beihilfevorschriften des Bundes. Maximalbetrag laut Beihilfe 19,50 EUR. Somit hätte unser Kunde hier nur 195 EUR statt den bezahlten 265,80 EUR bekommen. Das entspricht einer zusätzlichen Eigenbeteiligung von 70,80 EUR oder anders gesagt 26% des Rechnungsbetrages. Ob das bei Vertragsabschluss so gewollt war?

Nun ist dieser Betrag überschaubar und schnell bezahlt. Bedenken Sie doch bei Schlaganfällen, Unfällen mit Knochenverletzungen etc. sind oft langfristige Behandlungen nötig. 100 Behandlungen sind da keine Seltenheit und somit drohen hohe Eigenbeteiligungen.

Daher wählen Sie Ihre Krankenversicherung bewusst aus und beachten die Auswahlkriterien. (Link zu Kriterien und Fragebogen)

28.
September '09

Erweiterung des Glossars – Begriffe zur PKV, BU und zu Versicherungen


Wie den treuen Lesern bereits bekannt ist, wird der Glossar auf meiner Seite immer wieder erweitert und ergänzt. Manchmal weil einfach viele Fragen zu einem bestimmten Begriff kommen, manchmal weil es neue Begriffe und gesetzliche Regelungen gibt oder „einfach nur so“.

Hier nun eine kurze Zusammenfassung der neuen Begriffe im Glossar. (zum aufrufen einfach anklicken)

Chefarzt-/ Privatarztbehandlung

Krankenhausambulanzen

Kindernachversicherung

Zahnstaffeln

Auch dieses ist wieder ein kleiner Schritt in die Richtung meine Seite zu einem umfassenden Informationsportal auszubauen und Begriffe zu erklären, allgemeine Fragen zu beantworten und auch Erklärungen zu geben. Eine persönliche Beratung kann diese nicht ersetzten, unterstützen schon.

Ihnen fehlt noch etwas? Schreiben Sie mir einfach eine Nachricht.

25.
September '09

Grundregeln zum Abschluss der richtigen Privaten Krankenversicherung (PKV)


Eines gleich vorweg. Die beste und idealste geeignete PKV werden Sie auch hier nicht finden. Auch wenn Ihnen Zeitschriften, Tests und vermeintliche Berater das tollste aller Produkte verkaufen wollen, das gibt es eben gerade nicht und das ist auch verständlich.

Ich erkläre Ihnen auch gern warum:

Die Private Krankenversicherung (PKV) ist, anders als die gesetzliche Krankenkasse (GKV) fast vollständig frei kombinierbar. Sie können Leistungen auswählen, sich für oder gegen Leistungsbausteine entscheiden und so das für Sie geeignete Produkt finden.

Sie können Heilpraktiker, Zahnersatz und Brillenleistungen ab- oder anwählen, können sich entscheiden ob Sie im Ein- oder Zweibettzimmer liegen wollen und vom Chefarzt behandelt werden möchten. Das alles sind aber keine Kriterien die geeignet sind ein lebenslanges Produkt auszuwählen. Oh, werden Sie jetzt vielleicht denken, danach hat mich mein Berater aber gefragt.

Ich hoffe nicht das es die einzigen Fragen waren, denn dann hatte diese- so hart das klingen mag- keine Ahnung von dem was er erzählt. Wurden auch Fragen nach geplanten Auslandsaufenthalten, gezielter Behandlung(smöglichkeit) im Ausland, Gemischten Anstalten, Arzthonoraren, Transportkosten, Nährmitteln oder Heil- und Hilfsmitteln gestellt? Wenn nicht fragen Sie nach oder wechseln Sie Ihren Berater. Sie kaufen sonst schnell die „Katze im Sack“.

Der entscheidende Nachteil ist dabei aber, dass auch elementare und heute nicht zu übersehende Lücken in dem Versicherungsschutz auftauchen können. Dieses passiert zum einen dadurch, das Ihnen die Kosten in den einzelnen Leistungsbereichen gar nicht bewusst sein können- woher auch. Zum anderen wird die PKV immer als das „wir zahlen alles“ Produkt dargestellt und es gibt nicht wirklich viele Berater die Ihnen sagen was nicht im Versicherungsschutz eingeschlossen ist.

Schlimm ist das aber deshalb, weil Sie damit im schlimmsten Fall in ein finanzielles Loch rutschen und das dann, wenn ein Wechsel nicht mehr möglich ist.

Daher folgende Grundregeln:

– Fragen, Fragen, Fragen… fragen sie alles nach, was Sie nicht verstehen, wo Sie unsicher sind oder was Sie vom Umfang nicht überblicken können

– Bedienen Sie sich umfangreicher Kriterien und wählen Sie sorgfältig aus. (Link Kriterienkatalog und Fragebogen)

– Lassen Sie sich nicht unter Zeitdruck setzen. Natürlich gibt es Termine und Fristen an die man sich halten muss, auch die GKV ist an bestimmte Kündigungsfristen gebunden wie die Private Krankenversicherung auch- aber eine Entscheidung unter Zeitdruck ist immer nachteilig

– Wenn Sie sich nicht sicher sind ob die Empfehlung richtig ist, fragen Sie einen zweiten Berater

– Achten Sie darauf das der Berater qualifiziert ist und Ihnen anhand der konkreten Bedingungen erklären kann welche Leistungen versichert oder ausgeschlossen sind

– Verlassen Sie sich keinesfalls auf Prospekte, blumige Aussagen oder ähnliches, sondern kämpfen sich durch die Bedingungen (auch wenn es schwer fällt)

Sie werden sehen, wenn Sie diese Ratschläge berücksichtigen und sich ausreichend Zeit nehmen, so wird es zu dem geeigneten Produkt führen und ihnen lebenslang eine für Sie passende Versorgung bescheren. Tun Sie es nicht und entscheiden sich kurzfristig für ein billiges Produkt, so werden Leistungsausschlüsse, Einschränkungen und versteckte Eigenbeteiligungen im „Worst-Case-FalL“ schnell zum finanziellen und im schlimmsten Fall auch gesundheitlichen Desaster.