Meine Kollegen/ Freunde sind bei … versichert. Warum Freunde und Bekannte kein guter Ratgeber bei der Auswahl der privaten Krankenversicherung sind

Sven Hennig

Der Dschungel der Tarife in der privaten Krankenversicherung ist oftmals schier unübersichtlich und kaum zu überblicken. Da ist es nur verständlich, wenn Sie versuchen sich bei der Auswahl einiger Hilfsmittel zu bedienen. Neben Onlinevergleichsrechnen, welche zumindest für die private Krankenversicherung ungeeignet sind, stützen viele Interessenten ihre Entscheidung auf den Rat von Freunden, Bekannten und Kollegen.

„Wenn meine Freunde/Kollegen dort versichert sind, dann kann es ja nicht schlecht sein, diese sind bei Gesellschaft XYZ zufrieden“. 

Warum solche Hinweise und Tipps aber eher fatale Folgen haben können und für die Entscheidung für oder gegen einen Tarif und eine Gesellschaft nicht geeignet sind, das schauen wir uns einmal im Detail an.

Beginnen wir mit der Gesellschaft oder den Tarif, in dem die Bekannten und Freunde versichert sind. Bevor sie sich also auf so eine Empfehlung verlassen, machen Sie sich Gedanken zu folgenden Fragen:

  • –  Wie wurde der Versicherungsschutz ausgewählt?
  • –  Warum sind die Kollegen dort versichert und welche Alternativen gab es?
  • –  Welche Vorerkrankungen bestanden bei den Kollegen?
  • –  Hatten diese schon Zusatzversicherungen dort?
  • –  Wie und durch wen erfolgte die Beratung?

Eine der wichtigsten Fragen, um eine solche Empfehlung hier bewerten zu können ist die, wie denn bei den Freunden der Versicherungsschutz ausgewählt wurde. Gab es eine Beratung durch einzelne Versicherungsvertreter einer Gesellschaft, wurde vielleicht ein Makler oder ein anderer Berater gegen Honorar genutzt?

Lesetip: Wo bekomme ich unabhängige Beratung in Finanz- und Versicherungsfragen?

Welche Anforderungen und welches familiäre und berufliche Umfeld lagen der Beratung zu Grunde, sind diese Kriterien zu 100 % mit Ihren vergleichbar? Oftmals stellt sich dann gleich die Frage, wie Sie es beurteilen sollen, kennen Sie doch all diese Kriterien und Anforderungen aus der damaligen Beratung gar nicht. Ganz vereinfacht gefragt: Kaufen Sie das gleiche Auto, das gleiche Haus und/ oder sieht Ihre Wohnungseinrichtung auch so aus wie die Ihrer Kollegen?

Nicht? Warum nicht?

Weil Sie Ihren eigenen Geschmack haben? Weil Sie individuell sind? Weil Sie Kinder haben oder wollen, die Kollegen und Freunde vielleicht nicht?

Sehr schnell merken Sie nun, eine Beratung einer Person ist nicht auf die andere übertragbar. Selbst wenn es Übereinstimmungen gibt, wenn Kriterien wie

  • –  beruflicher Status (angestellt oder selbstständig)
  • –  Einkommen
  • –  Ausbildung

übereinstimmen, so ist die Anforderung an einen passenden Versicherungsschutz doch etwas ganz anderes. So individuell wie ein Haus, eine Einrichtung, der eigene Geschmack, so individuell ist auch die Auswahl des Versicherungsschutzes.

„Aber die Abwicklung bei Gesellschaft XYZ ist gut, mein Kollege bekommt alles erstattet“

Auch dieses ist ein beliebtes Argument. Wird doch von vielen befürchtet keine ausreichende Erstattung im Leistungsfall zu bekommen, lange hinter Rechnungen und deren Erstattung hinterher zu laufen und dann am Ende Ärger zu haben? So werden bereits versicherte immer mal wieder gefragt, wie zufrieden diese denn sind. Werden Rechnungen abgerechnet und schnell bezahlt? Gab es Probleme bei der Abrechnung oder prüft der Versicherer zu streng und fragt viel?

Gerade bei jüngeren Kunden die bereits privat versichert sind kommt dann schnell die Aussage „Ich bin zufrieden mit meiner PKV“. Hinterfragen Sie bitte solche Aussagen, hinterfragen Sie insbesondere aufgrund welcher Daten, Fakten und Erfahrungen diese erfolgte.

Wer gesund ist und nur einmal zur Vorsorge und einmal wegen einer Grippe zum Arzt geht, die Rechnung am besten noch online oder über die RechnungsApp einreicht, der wird binnen Tagen die Erstattung auf seinem Konto sehen und „zufrieden“ sein. Klar, ist auch durchaus richtig, sagt aber absolut gart nichts über die wirkliche Qualität der Versicherung aus. Weder über deren Abwicklung, noch den Leistungsumfang, noch über irgendetwas sonst.

Insbesondere die Frage welche Leistungen denn abgerechnet wurden und wie diese behandelt wurden ist interessant. Nur wer hier mit Menschen spricht, welche auch nennenswerte Erkrankungen hatten, Rechnungen eingereicht haben, nur der wird sich eine einigermaßen fundierte Meinung bilden können. Aber selbst die reicht so nicht für eine Empfehlung aus. Warum? Weil es auch hier davon abhängig ist wie und in welchem Umfang ich versichert bin.

Fragt der Versicherer viel nach?

Gerade in den ersten Jahren ist eine Nachfrage nach  Vorerkrankungen im Rahmen einer Prüfung der vorvertraglichen Anzeigepflicht durchaus berechtigt. Klar mag das der ein- oder andere eher als lästig empfinden, wenn der Versicherer eine Entbindung von der Schweigepflicht will.

Lesetip: Der Versicherer will eine Entbindung von der Schweigepflicht nach eingereichter Rechnung

Ja will er und warum auch nicht. Gerade eine sorgfältige Prüfung zu Beginn eines Vertrages, nach ersten eingereichten Rechnungen, macht niemand zum Spaß. Diese kosten Geld, binden Mitarbeiterkapazitäten und müssen dennoch gemacht werden. Und nein, es macht niemand um Sie zu ärgern, sondern um zu prüfen ob die Angaben aus dem Antrag stimmen, ob nichts vergessen oder bewusst weggelassen wurde. Nur so und nur wenn eine solche Prüfung auch nachher noch erfolgt, lassen sich Risiken korrekt einschätzen und Bestände beitragsstabil halten.

Auch hier- wieder zwei Seiten. Der eine (Kunde) möchte so schnell als möglich eine Rechnung bezahlt haben. Der Versicherer möchte dieses auch, aber hat auch eine Verpflichtung gegenüber den anderen Versicherten. Eine Verpflichtung gegenüber seinem Kollektiv hier genau zu prüfen, ob niemand mit falschen Angaben zu Unrecht Versicherungsschutz bekommen oder keinen Risikozuschlag gezahlt hat.

Zahlt der Versicherer Rechnung XYZ nicht?

Auch das ist so ein Phänomen. „Meine PKV zahlt (dieses/jenes) nicht!“ hört man immer wieder, liest man in Foren und diversen Internetgruppen. Natürlich gibt es auch in der PKV Versicherer und Tarife, wo die Leistungen stark begrenzt sind. Mindestens ebenso gibt es Unternehmen, welche immer wieder versuchen um Leistungen herum zu kommen, das ist zumindest genau so unschön. Aber: oftmals sind die wirklichen Tarifleistungen weit weg von dem, was der Kunde glaubt versichert zu haben.

In einigen Beratungen wird so getan, als wäre jede PKV der Super-Luxus-Schutz, ist es aber nicht. Wer aber denkt, er habe den TOPSCHUTZ versichert, der ist (zurecht) enttäuscht, wenn der Versicherer auf eingereichte Rechnungen antwortet:

„Leider sind die Leistungen für XYZ nicht versichert.“

Natürlich ist die Enttäuschung dann groß und kann auch zudem finanzielle Folgen haben. Das zeigt aber, hier wurden in der Beratung gravierende Fehler gemacht und auf Berater- oder Kundenseite hab es große Missverständnisse. Haben Ihre Kollegen denn auch bei Abschluss die Bedingungen gelesen? Haben diese hinterfragt welche Ausschlüsse und Beschränkungen ein Tarif hat und das bevor dieser abgeschlossen wurde?

Testen Sie es doch einfach, fragen Sie einmal nach:

„Welche Leistungen hast Du ausgeschlossen, was war Dir nicht wichtig und wo ist der Tarif schlechter als die GKV?“

Wer hier antwortet „keine“ und „gar nicht“, dem würde ich keine Empfehlung für eine Gesellschaft oder gar einen Tarif zutrauen und jedweden Tip sehr mit Vorsicht genießen. Aussagen wie „schau Dir doch Tarif X von Gesellschaft Y einmal an“ sind nicht zu beanstanden. Hier wird der Blick oft auf einen Tarif gelenkt, den Sie dann mit Ihren Auswahlkriterien vergleichen sollten. Aber wichtiger als die Frage was ein Tarif zahlt ist immer, was er nicht zahlt. Beschäftigen Sie sich daher mit den Bedingungen. Klar sind 30, 40 oder 50 Seiten Kleingedrucktes nicht unbedingt die spannende Samstagabend Lektüre, oder doch?

Lesen Sie Bedingungen und hinterfragen Aussagen. Lesen Sie Tarife (nicht Prospekte) und überlegen sich, welche Leistungen für Sie persönlich wichtig sind.

Was ist IHNEN wichtig?

Erst wenn Sie für sich ein Anforderungsprofil schaffen, festlegen was Ihnen persönlich heute und vielleicht in Zukunft wichtig ist, wo Ihre Bedürfnisse liegen und welche Leistungen Sie hier versichern möchten, erst dann haben Sie eine Grundlage für die Tarifauswahl.

Lesetip: Den besten Tarif in der PKV bitte

Nicht nur, aber auch aus diesem Grund ist die Frage wo denn Ihr Berater versichert ist, welchen Schutz er für sich selbst gewählt hat, völlig sinnfrei. Das was mir als Berater wichtig ist, das spielt bei Ihrem Auswahlprozess keine Rolle, nicht ansatzweise. Nur weil meine Anforderungen (bei mir in 1998) die waren, welche zu einem Tarif und einem Versicherer geführt haben, sind das weder heute noch waren es damals Ihre Anforderungen. Solche Kriterien verändern sich aber durchaus während der Jahre, auch ich würde- obwohl ich sehr zufrieden bin- heute sicher anders wählen. Nicht weil mein Tarif schlecht ist, sondern weil es am Markt Alternativen gibt, die damals so undenkbar waren.

Ich beantworte die Frage dennoch immer wieder und gern. Mein Versicherungsschutz sieht also so aus:

Hallesche NK, dazu KHT, Krankengeld in verschiedenen Stufen, Beitragsentlastung im Alter, Pflegepflicht

Diesen Schutz habe ich bereits seit einigen Jahren, nicht nur aus wirtschaftlichen, auch auch gesundheitlichen Gründen ist ein Wechsel weder sinnvoll noch möglich. Den würde ich heute aber auch nicht machen und auch nie einem dort versicherten Kunden empfehlen. Warum? Zu Entscheidungen muss man stehen. Ich habe damals bewusst genau den Tarif „gekauft“, genau den Schutz gewollt und nur minimal angepasst über die letzten Jahre. Auch heute halte ich den Tarif (ist bei mir ja noch die alte Bisexwelt) für die richtige Wahl- FÜR MICH!

Weder für meine Bekannten, Freunde, Kollegen ist oder muss dieser ebenfalls die richtige Wahl sein. Nicht einmal mit fast identischen Anforderungen muss dieser Tarif heute richtig sein.

So geht Ihre Tarifauswahl!

Schauen Sie sich um. Lesen Sie Internetseiten, Blogs, lesen Sie in Büchern zur PKV, zur Krankenversicherung allgemein und machen Sie sich schlau. So schlau wie es Ihnen möglich ist. Eine kleine Hilfe dabei ist mein

Aber auch mit den Übersichten zu den

kommen Sie etwas weiter. Weiter, weil Sie sich Gedanken machen müssen. Gedanken über den Wunsch was versichert sein soll, über das was Ihnen (heute) nicht so wichtig ist und auch über das was zukünftig an Veränderungen ansteht oder anstehen KÖNNTE. Wenn Ihnen das noch nicht ausreicht, auch nicht um den Fragebogen zu beantworten, so gibt es noch 45 Minuten Videoanleitung dazu, Erklärungen warum was genau wie wichtig sein könnte oder werden kann. Diese erhalten Sie gern auf Wunsch per Mail- dazu bitte diese Anfrage zur PKV oder den LiveChat verwenden.

Und noch etwas, einen Krankenversicherer der „kulant ist, den möchten Sie nicht„.

Sie kaufen nicht das gleiche Auto wie Freunde und Kollegen, Sie bauen nicht das gleiche Haus, haben nicht die gleichen Kinder- nein, Sie sind individuell. Lassen Sie Ihre Krankenversicherung AUF SIE PASSEN, nicht anders herum!

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