Absicherung gegen das Risiko Berufsunfähigkeit und warum lieber jetzt als gleich sinnvoll ist

Sven Hennig

Dass die Absicherung der eigenen Arbeitskraft gegen das Risiko der Berufsunfähigkeit richtig ist und neben der privaten Haftpflichtversicherung mit Abstand zu den wichtigsten Produkten überhaupt gehört, dass es mittlerweile hinreichend bekannt. Sogar die oft sehr versicherungskritischen Verbraucherschützer lassen hieran nicht ansatzweise einen Zweifel.

Doch in vielen Fällen ist nicht alleine der Wunsch nach einer solchen Absicherung ausreichend, vielmehr ist es immer schwieriger eine entsprechende Versicherung zu bekommen, da die Versicherer zunehmend wählerischer werden. Der Grund ist auch relativ einfach, denn sprechen wir doch in der Risikoabsicherung über sehr hohe Versicherungssummen und am Ende im Vergleich doch geringe Prämien. (Auch wenn natürlich für den Einzelnen eine Berufsunfähigkeit Absicherung natürlich dennoch viel Geld kostet)

So ergab sich in der letzten Woche in einem Forum unter Maklerkollegen eine interessante Diskussion darüber, dass es doch in der Annahme immer öfter zu ausschließen oder relativ hohen Risikozuschlägen bei Anträgen auf Berufsunfähigkeit kommt. Eine sehr interessante Aussage eines Kollegen bewegte mich dann am Ende zu diesem Beitrag, denn er schrieb:

Mein Problem ist eher wie kann man das Problem lösen und auch Jungen Leuten eine BU ermöglichen bzw. den Zugang zu Ihnen finden. Das sollte wie schon oft erwähnt eigentlich in der Schule schon angesprochen werden…denn ich war auch mal jung und wollte nichts von BU etc. wissen

Doch warum ist eine frühzeitige Beantragung so wichtig?

Die Absicherung gegen das Risiko von Berufsunfähigkeit und den daraus resultierenden finanziellen Folgen ist natürlich nur dann möglich, wenn die Antragsprüfung positiv ausfällt. Das Ziel jedoch nur dann, wenn entweder keine gesundheitlichen Beeinträchtigungen bestehen, oder auf der anderen Seite diese so gering sind dass sie (statistisch gesehen) keine Auswirkungen auf den möglichen Eintritt eines Leistungsfalles haben. Eine frühzeitige Beantragung für die eigenen Kinder, Enkel und die Ansprache des Themas bei Eltern und jungen Leuten ist daher sicherlich unerlässlich. Es ist durchaus nachvollziehbar, das man mit dem ersten Geld genug andere Wünsche hat. Das eigener Auto, Motorrad, der erste Urlaub und auch sonst gibt es Tausende Wünsche. Wer denkt schon in jungen Jahren daran, dass es auch anders kommen könnte. Da kommt der „pessimistische Makler oder Berater“ und will nun etwas erzählen von Statistiken, Gefahren, und Risiken im Leben.

 „mir passiert schon nichts“ oder „in meinem Job werde ich nicht berufsunfähig

 aber auch: „Aus Kostengründen habe ich mich gegen eine Berufsunfähigkeitsversicherung entschieden

Solche Aussagen höre ich nicht nur einmal, sondern oft und ich will und werde weder meine Kunden noch deren Kinder versuchen zu belehren oder bekehren, dass versicherbar dennoch versuche ist gezielt auf bestimmte Punkte hinzuweisen und die eigene Entscheidung in die richtige Richtung zu fördern.

Warum ist es so wichtig sich früh zu versichern?

Schauen Sie sich doch einmal in Ihrem Bekannten und Verwandtenkreis um. Da geht es schon bei Schülern in den unteren stufenlos, der eine hat Kopfschmerzen, steht unter „Stress“, Allergien gehören genauso zur Tagesordnung wie eine Vielzahl anderer Beschwerden. Jetzt stellen Sie sich vor, Sie wären Versicherer und so ein junger Mensch will sich bei ihnen gegen das Risiko einer späteren Berufsunfähigkeit versichern. Nehmen wir auch nur eine kleine monatliche Rente von vielleicht 500 € zum Start, so reden wir bei einem Eintrittsalter von 15 Jahren und einer Laufzeit von über 50 Jahren auch hier schnell im Bereich von 300.000 € und mehr.

Doch dabei bleibt es natürlich nicht, denn wir alle wollen gute Bedingungswerke, umfangreiche Leistungen und Optionen und haben daher auch Nachversicherungsgarantien, Erhöhung Optionen und Veränderungsmöglichkeiten des geplanten Versicherungsschutzes. Gerade die Produkte im Bereich der „Einsteiger-BU“ bieten hier vielfältige Möglichkeiten den Versicherungsschutz später an das neue Leben, den neuen Bedarf anzupassen.

Schnell steigen natürlich dann die möglichen Leistungen für den Versicherer problemlos auf siebenstellige Beträge und natürlich möchte der Versicherer bei Antragstellung so weit als möglich bewerben, wie hoch denn das mögliche Risiko sein kann.

Wie beschränken Versicherer das Risiko bei bekannten Vorerkrankungen?

Im Rahmen der Antragsprüfung gibt es grundsätzlich mehrere Möglichkeiten für den Versicherer.

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Die Normalannahme ist der Optimalzustand für den Antragsteller, denn hier bekommt er den vollen Versicherungsschutz zu der vom Versicherer kalkuliertem Prämie. Doch in vielen Fällen sprechen Vorerkrankungen und Einschränkungen gegen eine solche Annahmemöglichkeit und nun greifen zwei weitere Optionen. Die erste besteht in einem Ausschluss. Der Versicherer schließt also bestimmte Erkrankungen oder Körperteile vom Versicherungsschutz aus. Dabei kommt es entscheidend darauf an, wie eine solche Klausel formuliert ist. Hat der Antragsteller beispielsweise in der Vergangenheit Rückenprobleme gehabt, so ist eine Klausel zum Ausschluss von Wirbelsäulenerkrankungen denkbar, welche lauten kann:

„Ausgeschlossen vom Versicherungsschutz sind Erkrankungen der Wirbelsäule und Folgen.“

Würden Sie eine solche Klausel unterschreiben? Ich nicht, bzw. nur im äußersten Notfall. Warum? Weil es auch im Bereich der Wirbelsäule unzählige Erkrankungen gibt, die unabhängig von einer bestehenden Vorerkrankung bei einem gesunden wie einem bereits einmal erkrankten Kunden auftreten können. Eine Anführungsstriche unten besser formulierte Klausel“ kann jedoch zum Beispiel lauten:

„Ausgeschlossen vom Versicherungsschutz sind Erkrankungen der Wirbelsäule und deren Folgen. Nicht erfasst von diesem Ausschluss sind jedoch unfallbedingte Erkrankungen, Tumore und knöcherne Verletzungen.“

Bei der zweiten Variante ist der Ausschluss deutlich besser vertretbar, denn hier werden Erkrankungen die auch bei einem gesunden Versicherten mit gleicher Wahrscheinlichkeit auftreten können, von dem Ausschluss nicht erfasst und sichern somit einen größeren Bereich in dem der Versicherer tatsächlich leisten muss.

Option 2: Zuschlag statt Ausschluss?

Es gibt durchaus Versicherer, welche lieber einen Zuschlag auf die kalkulierte Versicherungsprämie anbieten, oder in manchen Fällen dem Versicherungsnehmer die Wahl lassen ob er sich für den Ausschluss oder für eine Zusatzprämie entscheidet. Andere Versicherer hingegen bieten bei abgrenzbaren Erkrankungen und klaren Krankheitsbildern nur einen Ausschluss an. Für den Versicherer ist der Ausschluss natürlich besser, da man die bereits vorhandenen Erkrankung Bilder gar nicht erst in die Leistungsprüfung einbeziehen muss. Für den Versicherungsnehmer hingegen kann ein Zuschlag durchaus die bessere Variante sein.

Natürlich ist es davon abhängig welche Erkrankungsbilder genau vorhanden sind, weiterhin fallen die Einschätzungen je nach Berufsbild unterschiedlich aus. Kann man bei einem Versicherten mit einer Bürotätigkeit einer Allergie noch mit einem Zuschlag versichern, so wird das bei anderen Berufen unter Umständen gar nicht erst funktionieren. Für den Versicherer ist das Risiko dann einfach zu hoch und auch mit einem (noch bezahlbaren) Zuschlag nicht zu kalkulieren.

Schlechtere Bedingungen ohne Ausschluss oder besseres Bedingungswerke mit Ausschluss?

Ein immer wieder gestellte Frage beschäftigt sich damit, ob man eine alte Berufsunfähigkeitsversicherung mit gegebenenfalls lückenhaften Bedingungen lieber bestehen lassen sollte, anstatt diese gegen ein neues Produkt (mit klareren und besseren Bedingungen) dafür aber mit einem Ausschluss in bestimmten Bereichen auszutauschen.

Link: Wie beende ich eine unpassende Berufsunfähigkeitsversicherung

Auch diese Frage lässt sich pauschal und allgemeingültig nicht beantworten, jedoch bedarf es hier einer besonderen Abwägung. Auf der einen Seite nützt mir einer Absicherung mit einem lückenhaften Bedingungswerke recht wenig, da der Versicherer natürlich diese Möglichkeiten zur Leistungsverweigerung nutzen wird und muss. Auf der anderen Seite steht dagegen ein neues Produkt und ein Ausschluss für eine Erkrankung, welche vielleicht die Ursache für einen potentiellen Leistungsfall sein kann. Welches die bessere Wahl ist, hängt unter anderem von den entscheidenden Unterschieden in den Versicherungsbedingungen ab, weiterhin natürlich von der genauen Formulierung des Ausschlusses.

Um die Versicherungsbedingungen und die darin enthaltenen Formulierungen was besser beurteilen zu können, habe ich Ihnen in meinem Leitfaden zur Berufsunfähigkeit unterschiedlicher Aussagen aus Versicherungsbedingungen gegenübergestellt.

Fazit:

Wenn Sie also noch jung sind, gesund und noch keine (oder keine ausreichende) Absicherung gegen das Risiko der Berufsunfähigkeit haben, sollten Sie sich zeitnah damit auseinandersetzen. Ja, ich weiß es gehört nicht zu den beliebtesten Themen über die man sich gerne Gedanken macht, macht Arbeit und kostet zudem auch noch Geld. Dennoch ist es eine der wichtigsten Absicherungen überhaupt, daher macht es Sinn sich frühzeitig dazu Gedanken zu machen.

Haben Sie bereits eine Versicherung abgeschlossen, oder vielleicht von den Eltern „übernommen“ so macht es durchaus Sinn, sich diese hinsichtlich der Bedingungen und der „Richtigen Rentenhöhe bei Berufsunfähigkeit“ einmal genau anzuschauen, dieser anzupassen und gegebenenfalls auch zu verändern. Eine Absicherung über wenige hundert Euro oder mit einem unzureichenden Endalter bis 50 oder weniger, die können Sie sich auch ganz sparen und von dem Geld etwas anderes tun. Ausnahme: Wenn die eigene Altersvorsorge so aufgebaut ist, dass sie natürlich recht früh zur Verfügung steht oder ausreichend privates Vermögen vorhanden ist.

Nach dieser Überprüfung und gegebenenfalls Anpassung der bestehenden Police oder dem Abschluss einer neuen Police sollten Sie noch auf genügend Veränderungsmöglichkeiten achten, das ist zum einen eine dynamische Anpassung, das sind Nachversicherungsgarantien und Erhöhungsoptionen und natürlich auch die garantierte Rentensteigerung im Leistungsfall.

Und nun hoffen wir natürlich, dass trotz regelmäßiger Beitragszahlung nichts passiert!

Ein letzter Tipp noch: Glauben Sie nicht jedem x-beliebigen Test, ein Test kann eine persönliche und individuelle Analyse niemals ersetzen!  Warum nicht alle, als sehr gut getesteten, Tarife auch wirklich gut sind.

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