Handelsblatt zur Berufsunfähigkeit Teil 3 mit neuen Gründen gegen die Absicherung, die meist keine sind

Sven Hennig

Es gibt eine weitere Fortsetzung der Handelsblatt BU Saga, scheint zumindest so. Doch damit Sie einen Überblick bekommen worüber wir hier reden, zunächst einmal

Was bisher geschah

In der letzten Woche veröffentlichte das Jugendmagazin des Handelsblattes „Orange“ einen Artikel zur Berufsunfähigkeit und fragte nach, bei einem „Experten“ im eigenen Hause, Martin Dowideit. In meiner Antwort auf den fachlichen Unsinn der dort geschrieben war, gibt ich auf die falschen Aussagen ein.

Presse: Handelsblatt rät von Berufsunfähigkeitsversicherung ab und muss dafür nicht gerade stehen

Erfreulich war es jedoch, als ein junger, anderer Redakteur des Orange Magazins nun reagierte und auf die Kritik der Makler, Berater und Experten einging, leider ging das kräftig daneben und endete mit meinem Nachweis der ungenügenden, maximal ausreichenden Leistung des Autors.

Orange by Handelsblatt zur Berufsunfähigkeit – Unsinn die Zweite und mit fatalen Folgen für die Leser

Nun könnte der geneigte Leser ja annehmen: „Fehler erkannt, korrigiert und Haken dran“. Leider scheint die Kritikfähigkeit nicht so richtig gut ausgeprägt, denn der „Experte Martin Dowideit“ kann das so nicht eingestehen, trotz Nachweis der eigenen Fehler. Nein, nun wird nachgelegt und es geht zunächst einmal um die „bösen Versicherungsvermittler“ und daher teilt er in seinem Artikel nun erneut aus und nennt neun vermeintliche Gründe gegen eine BU Absicherung, doch schauen wir uns diese einmal näher an. Den vollständigen Artikel gibt es auf der Seite des Handelsblattes unter:

Bloß nichts Kritisches zur Berufsunfähigkeitsversicherung

Fangen wir mit der Aussage im Artikel an:

„Um diese heftige Reaktion muss man verstehen, dass die Berufsunfähigkeitsversicherung zunächst einmal vor dem allgemeinen Lebensrisiko schützt, etwa durch einen Krankheit oder einen Unfall nicht mehr den eigenen Beruf ausüben zu können.“

Ich habe den Satz auch nach dreimal lesen nicht ganz verstanden, liegt aber wahrscheinlich an mir. Richtig ist in natürlich, die Berufsunfähigkeitsversicherung schützt gegen die finanziellen Folgen, seinen Beruf nicht mehr ausüben zu können. Damit schützt diese auch gegen die Altersarmut, oder woraus wird bitte die Altersvorsorge bezahlt, aus dem eigenen Einkommen, richtig. Aber das ist auch gar nicht der Punkt.

Interessant ist zudem auch die weitere Aussage:

Wer eine BU besonders nötig hat, muss dafür am meisten zahlen.

Richtig ist aber: Wer gefährlich(ere) Tätigkeiten ausübt, der muss mehr für seinen Schutz zahlen. Ob die Einstufung der Berufe durch die Versicherer immer so nachvollziehbar oder korrekt ist sei einmal dahin gestellt. Richtig ist aber, ein Grundrisiko zu erkranken ist bei allen gleich. Ob ich Krebs bekomme, an chronischen Krankheiten leider oder mir in der Freizeit einen Unfall zuziehe, das Risiko ist zunächst einmal gleich. Dabei spielt es keine Rolle ob ich im Büro sitze oder auf dem Dach arbeite. Aber: Natürlich gibt es weitere Risiken die eben davon abhängig sind wie meine berufliche Tätigkeit aussieht.

Auch spielen gefährliche Tätigkeiten in der Freizeit eine Rolle und beeinflussen mein Risiko maßgeblich. Etwas anderes verkennt er aber. Leide ich unter einem „kaputten Bein“, so kann ich natürlich noch an meinem Schreibtisch sitzen oder eine andere Bürotätigkeit ausüben. Auf das Dach kann ich aber vielleicht nicht mehr. Somit kann eine identische Krankheit, eine Unfallfolge oder dergleichen bei dem einen versicherten zur Berufsunfähigkeit (in seinem Beruf) führen, bei dem anderen aber vielleicht nicht. Daher unterscheiden sich hier auch die Prämien. Ist doch gar nicht so schwer nachzuvollziehen, oder?

9 Gründe gegen eine Berufsunfähigkeitsversicherung

Schauen wir uns also die Gründe und Anregungen einmal genauer an, die einen „Experten“ oder eben auch den Kunden darüber nachdenken lassen, keinen BU Schutz für sich abzuschließen:

Dennoch mag jemand zu dem Ergebnis kommen, dass er eine solche Absicherung nicht braucht oder möchte. Einige Gründe seien hier skizziert:

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Der erste Grund sind, laut Handelsblatt, die monatlichen Belastungen. Natürlich spielt die Frage der Bezahlbarkeit einer BU eine entscheidende Rolle. Der beste Schutz nützt gar nichts, wenn dieser nach einigen Monaten nicht mehr bedient werden kann und dann wieder gekündigt wird/ werden muss. Aber: Die Prämien zur BU Absicherung unterscheiden sich zwischen Anbietern, Eintrittsalter und Gesundheitszustand. Zudem geht es Datum eine sinnvolle Absicherung zu wählen. Das muss nicht immer und jederzeit die 100% Superschutz-Absicherung sein, es kann auch durchaus in jungen Jahren eine Absicherung zum Start mit entsprechenden Optionen sein. Dennoch ist eine Absicherung in jungen Jahren die Grundlage, das genau ist ja auch die Leserschaft des Orange Magazins.

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Ach, Vorerkrankungen und risikoreiche Berufsbilder führen zu höheren Preisen? Gefährliche Hobbys auch? Wie oben erklärt lassen sich genau solche höheren Preise durch einen rechtzeitigen Abschluss vermeiden, denn später hinzukommende Hobbys oder der neue Beruf führen nicht zu einer automatischen Anpassung der Prämie, falls der Vertrag in jungen Jahren bereits bestand.

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Das stimmt, die bösen Versicherungen zahlen ja nie. Daher muss mit der Unsicherheit gelebt werden, am Ende doch um seine Leistung kämpfen zu müssen. Dazu rate nicht nur ich zu einer Rechtsschutzabsicherung, denn die Kosten im Streitfall sind hoch. Nein, auch die richtige Wahl des Versicherungsschutzes, klare und deutliche Formulierungen, Vermeidung von „Interpretationsspielraum“ bei Aussagen in den Bedingungen und vor allem das sorgfältige Ausfüllen des Antrages führen zu sichererem Schutz. Natürlich muss und wird der Versicherer seine Leistung prüfen, natürlich gibt es auch Unternehmen welche dieses sehr lang hinziehen und eher auf Taktik der Verzögerung setzen, das aber als Grund zum Nichtabschluss eines Schutzes zu nehmen ist lächerlich.

Es ist so, als ob ich ein Haus ohne Dach baue, denn schließlich kann ich das Geld lieber sparen, es könnte doch sein mein Dach ist undicht und es regnet trotzdem rein. Oder?

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Wie schon im Punkt davor erwähnt, hier lässt sich zumindest mit einer Absicherung vorsorgen. Zudem bieten Versicherer immer bessere Bedingungen, Übergangslösungen bei Arbeitsunfähigkeit und vieles mehr an. Ob jeder das alles braucht steht auf einem anderen Blatt, aber angeboten wird es zumindest.

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Das ist der Grund wofür? Dafür das ich mich nicht beraten lasse, dafür das der Berater keine Vergütung bekommen soll und darf, denn schließlich muss diese bezahlt werden? Das gilt ebenso für die laufende Betreuung im Vertrag, erkennen von Veränderungsbedarf und mehr. Gehe ich deshalb nicht zum Arzt weil eine Vorsorge ja Geld kostet? Nein, ich kaufe als Versicherter ein Produkt, dieses wird mir von einem Berater empfohlen und dieser verdient damit Geld.

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Ja, es mah Familien geben wo einige hunderttausend Euro kein Problem sind. Nehmen wir aber nur 1.000 Euro monatliche Rente, einen BU Fall mit Mitte 30 und somit dreißig Jahren Laufzeit. Also reden wir auch hier im schlimmsten Fall über:

1.000 * 12 Monate * 30 Jahre = 360.000 Euro

Diese Summen haben die wenigsten Familien in der Tasche oder auf der hohen Kannte und auch das „absparen vom monatlichen Einkommen“ dürfte vielen schwer fallen. Natürlich gibt es Menschen die soviel Rücklagen oder feste Einkommen haben, diese leben auch im Falle einer BU weiter und arbeiten nur aus Spaß an der Freude oder aus Langeweile, viele dürften das hingegen nicht sein.

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Eine positive was? Die Vorgaben für den Erhalt der gesetzlichen Erwerbsminderungsrente sind doch ganz eindeutig geregelt und unterliegen klaren Vorgaben. Was genau bedarf es da „positiv zu beurteilen“?

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Was genau möchte uns der Autor sagen? Ist das die verzweifelte Suche nach Gründen gegen eine Absicherung? Wer im Leistungsfall zu 50% seinen Beruf (so wie er vorher war) nicht mehr ausüben kann, der bezieht eine Leistung. Ausgenommen sind hier die Fälle, wo auf einen anderen Beruf verwiesen werden kann, da hier dann kein Einkommensverlust eintritt oder der Versicherte eine konkrete Tätigkeit mit gleicher Lebensstellung ausübt. Wer aber neben einer BU Rente teilweise in anderen Tätigkeiten arbeiten kann und möchte, der hält sich an die Vorgaben in dem Vertrag und den Bedingungen und kann das tun. Genau das tun auch einige meiner Leistungsfälle, weil es denen einfach zu langweilig ist und diese leichte Tätigkeiten durchaus verrichten können.

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Oh stimmt, ich mache lieber keine Absicherung, denn wenn ich Hartz IV bekomme wird ggf. eine privat versicherte Rente angerechnet oder mir daher der staatliche Zuschuss gekürzt. WAS für eine Einstellung zur eigenen Absicherung. Frei nach dem Motto „dann bekomme ich lieber was vom Staat und quäle mich auf einer Versorgung auf dem Niveau von Hartz IV herum, bevor ich mich für eine ordentliche Absicherung entscheide.

Und nein, auch im Alter wird es nicht besser dann, oder wo kommen die Beiträge zur Rente her? Diese Ansicht kann ich leider nicht teilen. Ich sorge nicht vor- wird schon irgendwer machen. Das ist nichts mit dem ich mich identifizieren kann.

Risiken sind individuell verschieden

und nicht jeder braucht einen 100% Superschutz des gesamten Einkommens. Je nach persönlicher (Familien-) oder finanzieller Situation können Teile des Schutzes über privates Vermögen oder anderweitige Vorsorge ausgeglichen werden.

Dieser Artikel von Martin Dowideit ist aber eher ein rechtfertigen der ersten, falschen Aussage und die Suche nach irgendwelchen Gründen. Auch hier bestätigt sich leider meiner Auffassung nach das, was ich bereits in dem ersten Artikel schrieb. In der BU (und nicht nur da) ist es wichtig ein individuelles Konzept zur Absicherung zu finden, die persönliche Situation zu berücksichtigen und immer wieder zu hinterfragen.

BU Schutz ist eben nichts was heute gemacht und dann dreißig Jahre in der Schublade verschwindet. Der wächst mit, passt sich an und schrumpft auch wieder, sobald eigene Absicherung vorhanden ist.

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2 Antworten zu “Handelsblatt zur Berufsunfähigkeit Teil 3 mit neuen Gründen gegen die Absicherung, die meist keine sind”

  1. Michael Peters Says:

    ich denke, der Ansatz BU ist völlig überbewertet. Jährlich werden tausenden Friseuer- ubd Bäckerazubis BU Versicherungen verkauft. Nicht um diese abzusichern, sondern um Geld zu verdienen. Hat der AZUBI nun die Versicherung und es stellt sich nach wenigen Monaten eine Allergie ein, ist dieser BU. Will dieser Mensch nun Rest seines Lebens Rentenbezieher sein, oder sucht er sich einen neuen Beruf?
    Wenn man mal Lebenläufe ananlysiert, wird man feststellen, dass über 70% nicht mehr in ihren erlernten Berufen arbeiten. Häufigste Gründe sind Umorientierung wegen Arbeitsplatzverlust, schlechte Arbeitsbedingungen, keine Lust mehr. Alle diese Menschen sind in der gleichen Lage gewesen, wie ein BU-Fall – nur, sie haben es ohne Versicherung lösen müssen und das sind ungleich mehr Menschen, als die „Versicherungsfälle“. Wozu dann eine BU-Versicherung?
    Anders sieht es bei Erwerbsunfähigkeit (EU) aus! Da rd. 80% der BU-Rentenempfänger EU sind, ist hier anzusetzen. Von den verbleibenden 20% sind etliche über 50%-Marke „gehoben“ worden und dann bleiben noch ein paar Prozent für BU-Rentenempänger von 51- 79% über. Dafür das ganz große Fass BU aufzumachen, ist über das Ziel hinausgeschossen. Es ist für die Versicherungsgesellschaften und die Vermittler eine Gelddruckmaschiene.

  2. Günzel Says:

    Die Aussicht von der Familie gestütz werden zu können.
    1.) Mit 1000 € im Monat kann man vegietieren aber nicht leben.
    2.) Nach meinen Erfahrungen liegt der Übergang von Vegetieren zum Leben bei 1500 € monatlich.
    3.)Wenn die Eltern nicht mehr können, dann beträgt die Unterstützung 0 €.
    4.) Praxisfall
    Vor einer Disco streiten sich zwei Männer. Ein Dritter will schlichten. Die beiden wenden sich gegen den Schlichter. Der Schlichter ist jetzt Pflegefall. Die zwei haben vergessen nach seinem Beruf zu fragen. Der Geschädigte hat einen Prozess beginnen lassen. Strietwert fünf Millionen. Der Handelsblattredkateur hätte als Makler diese Kosten sicher aus seiner Portokasse bezahlt. Vor dem schreiben eines Artikels sollte man sich vielleicht sachkundig machen.

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