Tarifwechsel nach § 204 VVG statt Kündigung bei Beitragsanpassung in der Privaten Krankenversicherung

Sven Hennig

Viele Versicherte in der Privaten Krankenversicherung (PKV) werden in diesen Tagen Post von Ihrem Versicherer bekommen. Oft ist diese nicht unbedingt angenehm, denn es wird mitgeteilt, dass eine Anpassung der Beiträge erforderlich ist. Abhängig von der Höhe der Anpassung und dem bisherigen Beitragsverlauf im eigenen Vertrag, denken viele schnell über eine Kündigung des Versicherungsschutzes nach. Dieses ist jedoch nicht in jedem Fall ratsam, wie bereits im Beitrag „Nicht voreilig kündigen bei Beitragsanpassung“ ausführlich beschrieben.

Nun teilen sich jedoch die Versicherten in mehrere „Gruppen“ mit unterschiedlichen Optionen.

Alle gemeinsam haben in der Regel das Ziel, ihren Versicherungsschutz zu optimieren, die Beiträge zu senken oder zumindest zu stabilisieren. Dabei stellt sich oftmals heraus, dass bei Vertragsabschluss nicht alle oder nicht die richtigen Auswahlkriterien berücksichtigt wurden. So glaubt mancher Versicherte „er fahre eine Luxuslimousine“ und der Vertrag erweist sich als „Kleinwagen“.

Die jungen und gesunden Versicherten, noch nicht allzulang bei dem jeweiligen Unternehmen versichert, Tarif nicht optimal.

Diese haben es in der Regel noch leicht, einen Tarif-/ Versichererwechsel zu realisieren. Dabei sollte die Auswahl sorgfältig getroffen werden, jedoch dann verbindlich sein.

Die mehrere Jahre Versicherten, einige Vorerkrankungen, Tarifwahl auch hier nicht optimal.

Hier wird es schon komplizierter, ein Tarifwechsel und auch der Wechsel des Unternehmens ist aber durchaus noch denkbar, wenn dadurch langfristig ein besseres Ergebnis erzielt werden kann und der Tarif besser zu den eigenen Wünschen passt. Oft ist hier dann jedoch mit (neuen) Risikoaufschlägen zu rechnen.

Die langjährig Versicherten, oftmals schon „älter“ und mit mehreren Vorerkrankungen, Tarif ist teuer geworden und erreicht schon den Arbeitgeberhöchstzuschuss.

Hier stellt sich die Frage nach einem neuen Unternehmen nicht (mehr). Entweder wäre dabei ein deutlich höheres Eintrittsalter zu berücksichtigen oder es sprechen gravierende Vorerkrankungen gegen eine neue Risikoprüfung.

Doch auch diesen Versicherten stehen Möglichkeiten offen, den Tarif innerhalb des eigenen Unternehmens zu wechseln und sich somit nicht nur in marktgerechte und neuere Tarife zu bewegen, sondern auch die Prämie deutlich zu senken. Grundlage für ein solches Wechselrecht ist der § 204 Versicherungsvertragsgesetz (VVG)

(1) Bei bestehendem Versicherungsverhältnis kann der Versicherungsnehmer vom Versicherer verlangen, dass dieser

1. Anträge auf Wechsel in andere Tarife mit gleichartigem Versicherungsschutz unter Anrechnung der aus dem Vertrag erworbenen Rechte und der Alterungsrückstellung annimmt; soweit die Leistungen in dem Tarif, in den der Versicherungsnehmer wechseln will, höher oder umfassender sind als in dem bisherigen Tarif, kann der Versicherer für die Mehrleistung einen Leistungsausschluss oder einen angemessenen Risikozuschlag und insoweit auch eine Wartezeit verlangen; der Versicherungsnehmer kann die Vereinbarung eines Risikozuschlages und einer Wartezeit dadurch abwenden, dass er hinsichtlich der Mehrleistung einen Leistungsausschluss vereinbart;

Oftmals wird jedoch der Versicherer nicht unbedingt „freiwillig“ einen solchen Tarifwechsel anbieten. Begründet wird dieses oftmals damit, dass der Versicherungsschutz im neuen Tarif besser ist, Teilbereiche besser leistet und somit nicht gleichartig sei.

Sie sollten sich dadurch aber nicht entmutigen lassen und beharrlich bleiben. Fragen Sie schriftlich und unter setzen einer angemessenen Frist bei dem Unternehmen an. Verlangen Sie ausdrücklich einen Tarifwechsel gemäß §204 VVG und dem Hinweis, die Mehrleistungen ausschließen zu wollen (falls eine Risikoprüfung einen Abschluss verhindert).

„Sehr geehrte Damen und Herren,

bitte unterbreiten Sie mir für meinen Vertrag Nr. ….. ein Angebot für einen Tarifwechsel gemäß § 204 VVG. Sollten keine leistungsgleichen Tarife vorhanden sein, so unterbreiten Sie mir bitte ein Angebot unter Ausschluss der Mehrleistungen. Ergeben sich Verschlechterungen in dem neuen Tarif, so informieren Sie mich bitte schriftlich über solche.

Ich weise ausdrücklich darauf hin, dass ich ein Interesse an einer Prämiensenkung habe und daher einen solchen Tarifwechsel ernsthaft in Erwägung ziehe.“

In vielen anderen Blogbeiträgen zum Thema Beitragsanpassungen und Beitragsentwicklung finden Sie in den Kommentaren zum Teil interessante Aussagen zur Beitragsentwicklung. Daher steuern Sie vorzeitig dagegen und versuchen sich sorgfältig mit den Tarifen, Versicherungsbedingungen und (soweit möglich) dem Unternehmen zu beschäftigen.

Weitere Informationen:

Auswahlkriterien zur Privaten Krankenversicherung

Reale Beitragsentwicklung in verschiedenen Tarifen

Beitragsanpassungen 2011

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6 Antworten zu “Tarifwechsel nach § 204 VVG statt Kündigung bei Beitragsanpassung in der Privaten Krankenversicherung”

  1. Mario APitius Says:

    Hallo Herr Hennig,

    ist ein Tarifwechsel nach §204 auch insoweit möglich, das ich meine Alterungsrückstellungen auch in einen Zusatztarif überführen lassen kann?
    Ich bin nach Einbettzimmer/Wahlarzt voll PKV versichert und möchte zum 01.01. zu einem Wettbewerber wechseln, welcher keine stationären Wahlleistungen anbietet. Gern möchte ich bei meiner alten PKV die RRückstellungen nicht voll verlieren und beantrage laut §204 die Anrechnung der Rückstelllungen in den Zweibettzimmer/Wahlarzt Tarif! Das muss doch somit auch gestattet werden, oder? Ich weise doch die Folgeversicherung nach, und da besteht ein 100% Schutz für stationäre Leistungen.
    Was meinen Sie?

  2. Kündigung der privaten Krankenversicherung nun länger möglich : PKV BU Blog Says:

    […] andere Gründe für eine Beendigung des Versicherungsverhältnisses sprechen können. Auch eine Tarifwechsel gemäß §204 VVG sollte zuvor in jedem Fall geprüft werden. Ist eine Beendigung dennoch gewünscht, so haben sich […]

  3. Aktuelle Diskussion der Verbraucherzentrale “PKV braucht Reform” : PKV BU Blog Says:

    […] hier der Kundin keine Wechselmöglichkeiten nach §204 VVG angeboten wurden oder warum man einen Wechsel in den Basistarif nicht in Erwägung gezogen hat, […]

  4. Gibt es eine Steigerung von unseriös? Hier ein Beispiel zur PKV-Beratung einige Verkäufer : PKV BU Blog Says:

    […] zu finden. Soweit ist hieran nichts falsches festzustellen, spontan würde man sicherlich an einen Tarifwechsel nach Paragraph 204 VVG denken. Hintergrund dazu ist sicherlich auch die Tatsache, dass die Beiträge in den […]

  5. Risikozuschläge bei Tarifwechsel innerhalb der eigenen Privaten Krankenversicherung (PKV) : PKV BU Blog Says:

    […] Nutzer hat ein Problem beim Wechsel innerhalb seiner privaten Krankenversicherung. Dazu stellt er folgende […]

  6. Evi Honingh Says:

    Guten Tag, ich interessiere mich für einen PKV-Tarifwechsel nach § 204 VVG und erhalte teure Angebote. Gibt es auch einen kostenlosen PKV-Tarifwechsel?

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