Die passende Versicherung gegen Berufsunfähigkeit und der Weg dorthin – Teil II

Sven Hennig

Gestern hab es den Teil I hier, für alle die ihn verpasst haben. Die passende Versicherung gegen Berufsunfähigkeit und der Weg dorthin – Teil I

Alle (Versicherungen) sind böse, grausam und schrecklich gemein und wollen nur eins, Ihr Geld. Dieses Vorurteil hält sich ebenso hartnäckig wie es falsch ist. Natürlich ist es teilweise schwer an seine Leistung zu kommen. Gerade bei der Absicherung der Arbeitskraft geht es um gigantisch hohe Summen. Wer bei nur 2.000 EUR versicherter Rente mit 40 Jahren berufsunfähig wird, den erwarten (wenn der Zustand dauerhaft ist) mehr als 648.000 EUR. Klar das hier der Versicherer so genau als möglich prüft, oder zahlen Sie eine Rechnung die unberechtigt ist?

Es ist für den Anspruchsteller, der dann eh schon mit seiner Krankheit zu kämpfen hat, sehr schwer nachvollziehbar das immer wieder neue Bescheinigungen, Gutachten und Fragebögen gefordert werden, es ist nervig, anstrengend und macht mürbe. Das will ich keineswegs in Frage stellen und auch nicht bestreiten.

Auf der anderen Seite ist die Leistungsprüfung das wichtigste Argument um berechtigte Ansprüche richtig zu bewerten und zu begleichen, unberechtigte aber ebenso abzuwehren und damit die Beiträge im Griff zu behalten, oder zahlen Sie ab morgen gern den doppelten Beitrag?

Sie sehen, jede Medaille hat immer zwei Seiten und schlechte Nachrichten verbreiten sich besser als gute. Wie viele Bekannte kennen Sie, die gern erzählen „ich bin krank, jetzt sogar berufsunfähig und mein Versicherer hat schnell 2.000 EUR pro Monat überweisen?

Keinen? Gibt es deshalb keinen? Ich kenne einige, aber mit Krankheiten und Geld geht man nicht hausieren und es klingt zudem besser wenn man sagen kann „mein Versicherer will nicht zahlen und bringt mich um mein Geld“ als sagen zu müssen: „Ich habe bei der Antragstellung nicht alles angegeben“ oder „ich bin noch nicht zu 50% berufsunfähig“. Klar kann man die Grenze zur Rentenzahlung auch bei 25% ansetzen, was natürlich zu höheren Prämien führen muss, die dann wieder niemand zahlen will?

Ausschließen lässt sich eine Auseinandersetzung im Leistungsfall nicht, das Risiko minimieren geht aber schon. Gerade wenn Sie bei Antragstellung alle Angaben richtig machen, sich Mühe bei der Auswahl des Versicherers und des passenden Tarifs geben und die Versicherungsbedingungen nicht nur abheften sondern auch (versuchen) zu verstehen, dann wird es auch im Leistungsfall leichter. Eine Rechtsschutzversicherung hilft dennoch, denn durch die hohen Streitwerte (Kosten für Rechtsstreite steigen ab 01. 08. 2013- Absicherung gerade bei hohen Streitwerten wichtig) entstehen auch hohe Anwalts- und Gerichtskosten und es wäre nicht nur schade sondern fatal, wenn Ihr berechtigter Anspruch nicht durchsetzbar wäre.

Ist teuer gleich gut?

Versicherungsschutz mit Leistungen von mehreren hunderttausend Euro kostet Geld, manchmal auch viel Geld und das gerade bei denen, die wenig verdienen. Daher gilt es hier sich für um einen entsprechenden Schutz zu kümmern. Wenn es bei Ihnen schon „etwas später ist“, so denken Sie auch bei ihren Kindern daran, ein BU Schutz kann auch in jungen Jahren abgeschlossen werden. Dann sogar noch zu sehr günstigen Prämien und mit der Garantie versichert zu bleiben, auch es es ein risikoreicherer Beruf wird.

Dennoch unterscheiden sich die Prämien für eine Absicherung gegen die finanzielle Folgen von Berufsunfähigkeit sehr stark. Aber weder „teuer = gut“ noch „billig ist immer schlecht“ gilt hier. Es kommt entscheidend auf die Aussagen in den Bedingungen an, sehr auf die Einstufung in die richtige Berufsgruppe (was ein Lottospiel sein kann) und auf die Annahmepolitik. Zuschläge und Ausschüsse können einen guten Schutz zunichte machen, ebenso bedeutet eine Annahme in einem schlechten Tarif aber dafür ohne Einschränkungen ebenso nichts Gutes.

Wie komme ich zum passenden Schutz?

Sie brauchen Hilfe. Ja, das glaube ich wirklich und nicht nur weil ich damit mein Geld verdiene. Die Auswahl des passenden Tarifs ist die 1. Herausforderung, weiter geht es mit der richtigen Einstufung in die passende Berufsgruppe, welche entscheidend für die zu zahlende Prämie ist und danach folgt die Antragstellung und das Verhandeln mit dem Versicherer über Zuschläge, Ausschlüsse und Einschränkungen.

Glauben Sie mir, mehr als 95% aller Antragsteller sind damit vollkommen überfordert und kommen so zu keinem, oder einem eingeschränkten Schutz der im Fall der Fälle die Leistung kostet.

Daher der gut gemeinte Tipp: Suchen Sie sich einen spezialisierten Berater. Dieser sollte nicht nur „in der Branche tätig sein“ sondern auch noch über entsprechende Erfahrung und Wissen zum Thema verfügen.

Lesen Sie mit ihm zusammen Bedingungen und verstehen Sie diese. Wenn Sie etwas nicht überblicken, so FRAGEN SIE NACH, löchern Sie den Berater solange mit Ihren Fragen, bis Sie guten Gewissens eine Entscheidung treffen können und wenn es länger dauert, dann dauert es eben länger.

Wichtig sind hierbei viele unterschiedliche Auswahlkriterien, welche Sie auch hier noch einmal zusammengefasst im KRITERIENFRAGEBOGEN nachlesen können. Überlegen Sie sich gut wie lange Sie Ihre Rente brauchen. Wenn diese mit 60 endet, Sie dann aber noch keine Altersrente beziehen oder hier hohe Abschläge nötig sind, dann macht es keinen Sinn. Also immer die Rente bis zum persönlich passenden Endalter abschließen und vor allem in der richtigen Rentenhöhe.

Einmal angelehnt, immer abgelehnt?

Wer schon einmal einen Antrag gestellt hat und dieser abgelehnt oder mit Einschränkungen angenommen wurde, der hat es schwerer. Stellen Sie also nicht übereilt Anträge sondern nutzen Sie die Möglichkeiten Ihres Beraters Ausschreibungen und Voranfragen zu stellen und so gemeinsam mit Ihnen auszuloten, welcher Versicherer welchen Schutz für Sie anbietet.

Falls Sie nicht wissen ob schon mal etwas abgelehnt wurde und es vielleicht gespeichert ist, so können Sie in der HIS Datenbank eine Selbstauskunft anfordern und finden dort entsprechende Informationen. Ich habe Ihnen in einem extra Blogbeitrag aufgeschrieben, wie Sie an eine Selbstauskunft aus dem Hinweis- und Informationssystem (HIS) kommen.

„Aber ich habe doch schon eine BU.“

Das haben einige, viele aber zu niedrig, schlechteBedingungen oder sonst einen eingeschränkten Versicherungsschutz. Daher gilt es in jedem Fall die bestehende Absicherung regelmäßig zu überprüfen UND GGF ANZUPASSEN, denn nur ein ausreichender Schutz ist ein richtiger Schutz. 500 EUR monatliche Rente mögen vielleicht als Schüler gereicht haben und die Eltern haben es gut gemeint, machen heute bei einem höheren Einkommen aber absolut keinen Sinn mehr. Das Geld ist bei einem schönen Essen einmal im Monat dann tatsächlich besser angelegt.

Daher überprüfen Sie Ihren Vertrag JETZT, nicht morgen, nicht nächste Woche oder wenn mal „Zeit ist“, sondern jetzt. Schauen Sie sich die Rentenhöhe an, lassen Sie das Bedingungswerk durch einen Experten überprüfen und stellen Sie den Schutz auf ein solides Fundament- wie bei einem Haus gilt hier auch- bei schlechtem Fundament stützt es alles in sich zusammen, das Einkommen, die Rente, die Altersvorsorge und das (finanzielle) Leben.

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