Focus Money testet die besten PKV-Angebote – eigenwillig und ungeeignet

Sven Hennig

Neues Jahr, neues Glück. Zumindest hat man sich das anscheinend beim Focus Money PKV Test mit dem Titel: „Die besten PKV-Angebote im Check: Hier finden Sie den für Sie passenden Tarif“ gedacht. Zumindest Geld müssen Sie hierfür nicht ausgeben, da der Test vollständig online zur Verfügung steht. Warum Sie das Geld für so einen Test auch lieber nicht ausgeben sollten, das schauen wir uns hier einmal gemeinsam an. Auch in der Vergangenheit hatte Focus Money mit den PKV Tests nicht wirklich viel Glück, Wissen leider auch nicht. Die letzte Glanzleistung hatte sich Focus Money bereits in 2017 geleistet, wobei auch die Tests in 2009 und -10 nicht besser waren. Alle Beiträge zum Focus Money PKV Test finden Sie hier.

Eines sei aber vorab erwähnt. Es ist ein wenig besser geworden, also zumindest der Ansatz und die Unterstützung, die man sich geholt hat. KVpro mit ins Boot zu nehmen und sich so zumindest Fachwissen einkaufen zu können ist ganz gut gedacht. Leider auch diesmal schlecht bzw. falsch umgesetzt.Focus Money PKV Test 2020

Es nützt eben wenig sich externer Experten zu bedienen, wenn man dann doch sein eigenes Muster drum herum strickt. Klar, muss am Ende ja auch etwas werden, wofür es Abnehmer gibt. So werden zumindest einige der „Testsieger“ mit einem Urteil werben und das Siegel oder Sonderdrucke kaufen.

Focus Money PKV Test – die Testsieger

Wer also demnächst ein Siegel von einem „Focus Money Urteil“ liest, der sollte vorher auch den Test und die Details hierzu gelesen und verstanden haben. Dabei können folgende Versicherer mit Siegeln werben, mal sehen wer es auch tun wird.

  • Allianz mit dem Tarif AktiMed Best – sehr gut

  • Alte Oldenburger mit der Tarifkombination A112, K20, Z100/80 – sehr gut

  • Axa mit den Tarifen Vital-300U, KHR-U, Prem Zahn-U) – sehr gut

  • Barmenia mit dem Tarif expert 2+ (EXP2) – sehr gut

  • Bayrische Beamten mit dem Tarif Gesundheit Vario – sehr gut

  • Concordia mit der Kombination VV Plus, AV2, SV1, ZV1 – sehr gut

  • DKV mit dem Tarif BestMed Komfort BMK/1 – sehr gut

  • Generali (vorher Central) mit dem GesundPro1 – vertrieben über die DVAG Dt. Vermögensberatung – sehr gut

  • Gothaer mit dem Tarif MediVita 500, MediMPlus und MediNaturaP, MediPrävent und MediClinic – sehr gut

  • Hanse Merkur mit dem Tarif AZP „Pro Fit“ – sehr gut – hier Details zum Tarif

  • Debeka mit dem Tarif N – hervorragend

  • Hallesche mit dem Tarif NK.2 – hervorragend – fragwürdige Tarifauswahl, da NK Bonus vorhanden

  • Inter mit der Kombination AM12, S1, Z9 – sehr gut

  • SDK mit den Tarifen ? – stimmen hier leider nicht – aber sehr gut

  • Signal Iduna Tarife sind ebenfalls falsch im Test – aber sehr gut

  • UKV mit dem Gesundheit Vario – sehr gut

  • Universa mit dem Uni-A 620, uni.ST1/100 und uni-ZA100 – sehr gut

  • R+V mit dem Agil Premium – sehr gut

  • Dt. Ring, Tarif Prime – befriedigend, gäbe aber andere Tarife für den Test

Schon auf den ersten Blick zeigen sich offensichtliche Fehler. Beim Dt. Ring gäbe es durchaus andere Tarife, welche die fragwürdigen Mindestkriterien der Tester erfüllen können. Der Prime ist leistungsmäßig und ohne SB gänzlich anders zu bewerten und schwer vergleichbar.

Der SDK und der Signal wurden hier Tarife angedichtet, welche diese gar nicht haben.

Signal Iduna Focus Money

Die Signal besitzt keinen solchen Tarif, dieser gehörter UKV oder BBKK, dann stimmen aber die Beiträge nicht

SDK Focus Money

Auch die SDK hat keinen solchen Tarif, sondern Bausteintarife. Auch hier passen die Beiträge nicht. Diese Tarife gehören übrigens zur Signal

Sie können ja einmal in den nächsten Wochen auf die Internetseiten der Versicherer schauen und sehen, wer denn nun mit dem Testsiegel wirbt und sich dann Ihr eigenes Bild machen. Wir schauen uns nun aber einmal die Mindestkriterien und den Aufbau des Tests an. Schon in der Vergangenheit habe ich in diesem Beitrag erklärt, warum solche Tests zur Tarifauswahl ungeeignet und sogar gefährlich sind. Das gilt und galt auch bei den PKV Tests in Finanztest, auch hier ist es nicht anders.

Focus Money PKV Test – Zusammensetzung der Gesamtbewertung

Bei der Gewichtung der Kriterien hat Focus Money auch im PKV Test 2020 so gar nichts gelernt. Schauen wir uns daher zunächst einmal an, welche drei großen Kriterien in die Gesamtnote einfließen:

Kapitalstärke des Unternehmens – zu 20%

Einleitend schreibt Focus Money im Test dann auch: „Auf die Bonität des Anbieters achten“ und weiter „Auch bei privaten Krankenversicherungspolicen ist die Finanzstärke des Anbieters wichtig, ….“. Die Frage welches Rating man denn genutzt hat, löst Focus Money pragmatisch.

„Haben PKV Gesellschaften mehrere Beurteilungen, gilt jeweils das beste Rating.“

Klar, sich die Mühe zu machen und das aktuellste oder einen Mittelwert zu wählen, das macht Arbeit und vielleicht auch das Ergebnis schlechter. Daher nehmen wir einfach das beste Rating, wird schon irgendwie stimmen. Und falls nicht, macht ja nix, ist ja nicht unser Rating. Zumindest bildet aber Focus Money einige Ratings in der Auswahl ab und zeigt diese auch online in einer Tabelle.

(heutiger) Beitrag – zu 40%

Den heute zu zahlenden Beitrag hat Focus Money dann auch gleich mit fast der Hälfte der Gesamtnote bewertet. Das ist insbesondere zum Jahresende mehr als fragwürdig, da Anpassungen der Beiträge anstehen und bei den Gesellschaften ganz unterschiedlich ausfallen. Auch eine Angabe wann denn dieser Tarif das letzte Mal angepasst wurde und so zumindest eine grobe Einschätzung einer solchen Beitragszahl fehlt im Test gänzlich. Zudem ist es eine absolute Momentaufnahme und keinerlei Garantie für die Zukunft. Warum diese momentane Aufnahme nahezu ohne jedwede Aussagekraft dann fast die Hälfte der Gesamtnote ausmachen soll, das vermag ich hier nicht zu beurteilen.

Ein Versicherer, welcher bewusst neue Tarife knapp kalkuliert an den Markt bringt, der wird hier mit einer besseren Bewertung belohnt. Versicherer, die aber vorsichtig und nachhaltig kalkulieren und damit (berechtigt) höhere Beiträge für hohe Leistungen haben, werden abgestraft.

Focus Money PKV Test Gewichtung

(vertraglich garantierter) Leistungsumfang des Tarifes – zu 40%

Kommen wir nun zu dem wichtigen Punkt, die Leistungen des Tarifes. Dieser, und nur dieser, Punkt ist der einzig garantierte Part in den gesamten Testbedingungen. Nur die Leistungen sind vertraglich garantiert und können vom Versicherer nicht einseitig geändert werden.

Mit dieser wichtigen Vertragsgrundlage entscheide ich in Zukunft darüber, ob und welche Leistungen ich aus meinem Vertrag bekommen und welche ich auch rechtssicher einklagen kann. Bei dem Abschluss eines PKV Vertrages kaufen Sie Bedingungen (garantiert), einen aktuellen Beitrag (nicht garantiert) und ein Unternehmen und eine Kapitalstärke (nicht garantiert). Welchem der Bereiche messen Sie die höchste Bedeutung bei?

Es ist natürlich wichtig Beiträge bezahlbar und kalkulierbar zu halten. Aber diese Aufteilung widerspricht einer vernünftigen Bewertung schon deshalb, weil es 60% der Gesamtnote nicht garantierte Anteile enthält die morgen, oder spätestens am 1.1. 2021 wieder ganz anders aussehen können.

Focus Money PKV Test – Kriterien für einen Topschutz (lt. Focus)

Nun wird das eine mehrteilige Reihe im Focus und begonnen wurde mit den Toptarifen der Branche. Also schauen wir einmal genauer auf die Kriterien, welche für den 35jährigen Musterkunden zu Grunde gelegt wurden. Der Kunde (egal ob männlich oder weiblich, da Unisextarife) ist Angestellt und somit wird auch in der Betrachtung des Focus nur der Arbeitnehmeranteil zu Grunde gelegt.

Damit der Tarif überhaupt ein TOP Schutz sein kann, müssen folgende Merkmale erfüllt sein.

  • – maximaler Selbstbehalt (ambulant, stationär, Zahn) von maximal 750 € pro Jahr
  • – es müssen 110 € Krankentagegeld versicherbar sein (warum das irgendwo nicht gehen sollte, erschließt sich nicht)
  • – ambulant freie Arztwahl, also kein Primär- oder Hausarzttarif
  • – Erstattung bis Höchstsätze GOÄ
  • – 100% Kostenübernahme für allo-dargepatische und homöopathische Arzneimittel
  • – 80% für Psychotherapie
  • – offener Hilfsmittelkatalog
  • – Erstattung von Krankenfahrstühlen
  • – Erstattung von Heilpraktikerleistungen
  • – stationär mind. Zweibettzimmer + Privatarzt
  • – stationär bis GOÄ Höchstsätze
  • – stationäre Transportkosten und 6 Wochen Psychotherapie
  • – Zahnleistungen mind. 75% Zahnersatz, 70% Inlays, 90% für Zahnbehandlung
  • – Gnathologie und Material-Laborkosten müssen übernommen werden

Welche eine spannende Auswahl. Und ohne auf jedes einzelne Kriterium eingehen zu wollen. TOP Tarife beschreiben diese Kriterien ganz sicher nicht. Einen guten, durchschnittlichen Schutz in jedem Fall. TOP bedeutet aber auch Leistungen über die Höchstsätze der Gebührenordnung. Die doch so wichtige Erstattung von Zuckerkügelchen scheint dem Autor oder Tester scheinbar aber ein persönliches Anliegen zu sein, was sonst hat das in einer KRANKENversicherung zu suchen? Ob der Versicherer hier bei den 80% Psychotherapie vielleicht auf eine bestimmte Anzahl Sitzungen begrenzt oder gar nur bestimmte Behandler zulässt, ist auch egal.

Fragwürdig ist auch die Anforderung an einige andere Bereiche. Keine Qualitäts- oder Ausstattungsanforderungen an Hilfsmittel, keine an Heilmittel. Kein Wort zu Höchstgrenzen, Betragsbegrenzungen bei Rollstühlen, nichts zu ambulanten Transporten bei schweren Krankheiten.

Auch im stationären Bereich reichen anscheinend GOÄ Höchstsätze, keine „Top-Leistungen“ in einem Toptarif. Spannender Ansatz. Das einige der Tarife (z.Bsp. Hallesche NK) die gesetzten Mindestkriterien zum Beispiel bei Zahnersatz nicht erfüllen liegt wohl auch an einer eigenwilligen Darstellung der Software. Der Tarif NK zahlt 100% für die ersten 550 € pro Jahr, danach 75% bei Zahnbehandlung. Wie das mit 90% Zahnbehandlung in Einklang zu bringen ist, das beantworte wohl nur die Mathematik des Focus.

Focus Money PKV Test – Selbstbeteiligung und „eSB“

Wie, den Begriff eSB haben Sie noch nie gehört? Nun, hier wird der normale Selbstbehalt nicht als Maßstab genommen. Entgegen der üblichen Regelung den maximalen Selbstbehalt (denn das ist der Betrag, den Sie schlichtweg haben müssen, weil er anfallen kann)zu nehmen, wird hier mit statistischen Wahrscheinlichkeiten gerechnet. Hier wird also hinterfragt wie oft der durchschnittliche Kunde mit 35 zum Arzt geht, welche Kosten dadurch entstehen und diese Kosten werden dann wiederum als „fiktiver SB“ angenommen.

Blöd nur, wenn Sie den PKV Schutz auch nutzen (müssen) und dummerweise auch noch krank sind. Dann interessiert Sie nämlich die Statistik und das was andere Kunden so haben gar nicht. Sie sind der-/diejenige, welche die volle Selbstbeteiligung plötzlich aus eigener Tasche bezahlen muss. Ist das Geld dann nicht da oder nicht eingeplant, weil man Ihnen den Tarif schön gerechnet hat, dann sieht es eher düster aus.

Nochmals ganz deutlich:

Die Private Krankenversicherung ist kein Sparschwein – sie sichert Gesundheitsleistungen

Auch ist eine Beitragsrückerstattung keine kalkulierbare Größe und die Zahlen die Focus Money hier auswirft sind irreführend und verleiten zu falschen Annahmen. Klar ist es nett, falls der Versicherer Ihnen Geld zurückzahlt da Sie gesund sind. Bedenken Sie dabei bitte aber 1.) die steuerlichen Auswirkungen und 2.) die nicht planbare Zahlung. Bis auf wenige garantierte Modelle ist die Rückzahlung vom Versicherer jederzeit für die Zukunft änderbar und zu kürzen oder kann gestrichen werden.

Focus Money nimmt aber diesen eSB Betrag, schlägt den auf den Arbeitnehmeranteil drauf und vergibt dann eine Note. bis 330 € ist die Note 1, über 510 € die Note 6. Dabei sind hier Tarife in dem Vergleich, welche sich in unzähligen Bereichen und Kriterien unterscheiden. Tarife, welche von Mittelklasse bis High End Schutz gehen können und dennoch wird diese unsinnige Einstufung vorgenommen.

Focus Money PKV Test – fragwürdige Tarifauswahl

Neben den offensichtlichen Fehlern im Test, Tarifen die es bei Gesellschaften gar nicht gibt und handwerklichen Fehlern geht es noch weiter. Da werden Tarife und Kombinationen einfach vergessen. Beispiel Hallesche. Der Tarif NK2 mit 600 € SB wird berücksichtigt. Der Tarif NK Bonus (ohne SB, 60 € monatlicher Bonus, sonst gleiche Leistungen) findet in der Betrachtung aber nicht statt.

Für den Tarif NK Bonus sähe das dann so aus: (Werte in ROT)

Hallesche

Tarifkombination: NK.2, PVN, KT.43 / NK.Bonus, PVN, KT43
KVpro-Leistungsrating: A++ / A++
Monatsbeitrag: 599,35 / 655,22
Arbeitnehmer-Anteil (AN): 299,68 / 327,61
jährl. max. Selbstbehalt: 600 / 0 – abzüglich BONUS 720 € garantiert
erwarteter Selbstbehalt (eSB)1: 503,25 / 0
AN-Anteil inkl. eSB2: 341,62 / 327,61 ohne Bonus, 267,61 mit Bonus
BRE bei Leistungsfreiheit von Finanzstärke (von) Bewertung 1 Jahr: 468,74 / 519,22
BRE bei Leistungsfreiheit von Finanzstärke (von) Bewertung 2 Jahren: 703,11 / 778,83
BRE bei Leistungsfreiheit von Finanzstärke (von) Bewertung 3 Jahren: 937,48 / 1.038,44
Finanzstärke (von): A+ (Assekurata, B)
Bewertung: Hervorragend

Bei der Inter gibt es zudem auch Tarife, die diese gar nicht haben. Das sind im Übrigen Tarife der SDK, die hatten aber schon die Tarife der Signal. Was dazu kommt. Eine Selbstbeteiligung von 600 € wie der Focus schreibt, die gibt es aber auch in den Tarifen AM12 der SDK nicht, die übrigens 480 € SB ambulant haben.

Tarife der Inter bei Focus Money

Tarife der Inter – gibt es aber so gar nicht und gehören zur SDK, die SB gibt es aber auch hier nicht mit 600 €

Focus Money PKV Test – falsche Tarife, falsche Daten, unbrauchbarer Test

Leider muss sich hier der Focus oder die Focus Money Redaktion durchaus die Frage gefallen lassen, wer diesen Unsinn abgesegnet hat – keine Ahnung. Der Test strotzt vor falschen Angaben und Annahmen, gibt sehr eigenwillige Tipp und Hinweise und zielt anscheinend auf das Verkaufen von Testsiegeln ab.

Bevor Sie sich also an so einem Test orientieren und damit lebenslange falsche und fatale Entscheidungen treffen, suchen Sie sich Hilfe und beschäftigen sich mit dem Thema. Die Auswahl ist nicht einfach, die Auswahl einer PKV geht nicht schnell und Beratung kostet Zeit und macht Arbeit. In meinem Beitrag vom Wochenende habe ich Ihnen den Ablauf einer PKV Beratung beschrieben.

Individuelle Beratung zu Berufsunfähigkeit und PKV – Vorbereitung auf Ihr Beratungsgespräch

Beschäftigen Sie sich zudem mit den AUSWAHLKRITERIEN einer Privaten Krankenversicherung und lesen den Leitfaden zur Privaten Krankenversicherung und schauen sich einmal den Kriterienfragebogen an. Schnell werden Sie erkennen welche Fragen notwendig sind, um eine fundierte Beratung zu erhalten. Das was Focus Money hier veröffentlicht ist fahrlässig und falsch. Würde ich als Makler so einen Mist beraten müsste ich dafür haften. Leider müssen das Journalisten nicht.

Bei Fragen nutzen Sie gern den LiveChat oder das die Kontaktseite.

Weiterführende Links:

Übrigens… wenn Sie Versicherer finden, welche mit diesem Siegel werben, dann gern hier als Kommentar posten.

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