Der Bauchladen – Versicherungsmakler sollen auch Strom- und Gastarife vergleichen

Sven Hennig

Über einigen Unsinn im recht undurchsichtigen Markt der unterschiedlichen Makler, Vertreter und Vermittler hatte ich in der Vergangenheit bereits geschrieben. Da ging es um Adress-/ Leadhändler, vermeintlich billige Angebote und die tollsten Tests und Rechner.

Doch manchmal frage ich mich auch nach über 16 Jahren in dieser Branche noch, ob es nicht mit dem Unsinn endlich einmal ein Ende hat. Und während ich noch darüber nachdenke macht es „bing“ und ich erhalte folgende Mail (auszugsweise)

Energiemakler24 – ein neues, bundesweit einmaliges Vertriebssystem exklusiv für Versicherungsmakler und Finanzberater – ist gestartet. Energiemakler24 bietet Versicherungsmaklern ab sofort die Möglichkeit, mit dem Angebot von Strom- und Gastarifvergleichen ihr Produkt- und Beratungsportfolio zu ergänzen und sich ein lukratives Zusatzgeschäft zu sichern. Makler können für ihre Kunden mehr als 1.000 Strom- und Gasanbieter vergleichen und bei jedem Anbieterwechsel kräftig mitverdienen – und das bei minimalem Zeitaufwand.

Weiterhin schreibt man mir, als Moderator einer Gruppe für Versicherungsmakler bei XING:

Die Teilnahme ist zu jeden Zeitpunkt kostenlos und unverbindlich. Wir würden uns sehr freuen, wenn Sie dieses Thema in Ihrer Gruppe platzieren würden und Ihren Kollegen so helfen, vom boomenden Markt des Strom- und Gasanbieterwechsels zu profitieren.

Erst dachte ich, es wäre ein Scherz. Vielleicht hat man mich auch einfach nur verwechselt oder so etwas? Aber nein, es war ernst gemeint und da sieht man einmal wieder, was die weitverbreitete Meinung zu sein scheint.

„Der Versicherungsmakler braucht bestimmt noch Geld.“

„Der Versicherungsmakler hat ja eh Kontakte, die können wir ja mal schnell für uns nutzen.“

Was glaubt so ein Anbieter eigentlich mit wem er spricht? Die Unterschiede zwischen Maklern, Vertretern, Beratern oder Mehrfachagenten sind schon schwer zu verstehen, das gebe ich durchaus zu. Aber alle vermitteln VERSICHERUNGEN bzw. beraten in diesem Bereich.

Die Kundendaten für solche Art von Werbung (denn nichts anderes wäre das dann ja) zu verwenden halte ich nicht nur für bedenklich, sondern frage mich wie dieses mit dem Maklerauftrag, dem Mandat und dem Datenschutz zu vereinbaren wäre, Ganz abgesehen von dem Bild was der „Kollege“ von sich abgibt.

Nebenbei wären vielleicht auch noch Heizdecken zu verkaufen, Kosmetik- oder sonstige Artikel- eben alles wo noch ein paar Cent zu verdienen sind.

Schon bei ein, zwei Sparten ist der Berater völlig ausgelastet. Spezialisiert sich dieser zum Beispiel auf die Sach- und Gewerbekunden, die Private Krankenversicherung und die Absicherung der Arbeitskraft oder Investmentanlagen, so geht „nebenbei“ fast nichts anderes mehr. So komplex und so oft ändern sich die Produkte, der Markt und die Bedingungen, da ist lernen, weiterbilden und umsetzen ausreichend.

Aber es gibt ja noch diese Provision… Sicher finden sich „Kollegen“, die das nutzen und der Meinung sind „das lasse ich mir doch nicht entgehen“. Schauen Sie mal auf die Website des Anbieters, da heißt es:

Provisionen

Für jeden Strom-, Ökostrom- oder Gasantrag erhält der Vertriebspartner eine Provision in Höhe von derzeit 20,00 Euro netto. Wenn Sie einen Vertriebspartner geworben haben, verdienen Sie zusätzlich mit. Für jeden Strom-, Ökostrom- oder Gasantrag, der über Ihren geworbenen Vertriebspartner erfolgte, erhalten Sie eine Provision in Höhe von 1,00 Euro netto.

Wie sehen Sie das?

Bauchladen oder Spezialist?

Würden Sie auch den Strom noch beim Berater kaufen oder ist Ihnen das vielleicht schon passiert?

Wie haben Sie reagiert?

Tags: , ,

4 Antworten zu “Der Bauchladen – Versicherungsmakler sollen auch Strom- und Gastarife vergleichen”

  1. Jan Meister Says:

    Also ich finde, das dies für manche Makler ein durchaus guter Zusatzverdienst sein kann über den sich der Kunde auch noch freut. Ansprechen würde ich es bei jedem Kunden. Der Strom Markt ist doch reine Abzocke, dem Kunden hier den Hinweis zu geben dort locker 300 Euro im Jahr bei gleicher Leistung einzusparen, ist doch ein netter Service.

    Warum so negativ?

  2. Thomas Schäfer Says:

    Ich finde da – ehrlich gesagt – nichts verwerfliches dabei. Die Finanzen der Kunden sind doch heute ohnehin arg strapaziert. Oftmals lassen sich über einen Strom- und/oder Gasanbieterwechsel Einsparungen erzielen, die der Kunde anderweitig bzw. in seine eigene Vorsorge investieren kann. Wenn ich als Makler dabei auch noch verdiene ist dies doch eine Win-win-Situation für beide Seiten. Und sind wir mal ehrlich, jeder Kunde freut sich über 100, 200 oder sogar 300 Euro Einsparungen im Jahr, bei gleicher Lebensqualität. Ich betrachte diese Option durchaus als Kundenbindungsprogramm. Zudem lassen sich hierüber auch Empfehlungen generieren. Insofern bin ich dieser Thematik durchaus positiv eingestellt!

  3. Birgit Elstner Says:

    Und wo bleibt dabei das Spezialistentum? Oder lassen Sie Ihr Auto auch beim Mofahändler reparieren? Denn der kennt sich ja auch mit Motoren aus…
    Hilfe! In welcher Welt leben wir eigentlich. Würde sich jeder um das kümmern, von dem er etwas versteht und sonst Fachleute befragen, wären die finanziellen Verluste mancher Menschen deutlich geringer…

  4. Ralf Kraudelt Says:

    Einem „Spezialisten“, der noch irgendwelchen Kleinkram verkaufen will, würde ich sofort den Rücken kehren. Der ist vielleicht Spezialist im Geldverdienen, aber nicht Spezialist in seinem Fach. Mir ist punktgenaue Beratung wichtig. Jede Form von Gemischtwarenladen hat bislang versucht, mich als Kunden durch weitere atypische Angebote zu vereinnahmen: Banken, Sparkassen, Versicherungsunternehmen, Kundendienstleister (ein Handwerker, der mir eine Versicherung verkaufen wollte), Stromversorger, Telefonanbieter, Post, … Bislang hatte niemand mein Wohl im Sinn, wenn ich deren Angebote mit anderen am Markt zu findenden verglichen habe.

Schreiben Sie eine Antwort.