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Generali Vitality Berufsunfähigkeitsversicherung – Daten gegen Rabatt

Die Berufsunfähigkeit der Generali, mit dem Namen Vitality, ist derzeit einmal mehr im Gespräch. In meiem Beitrag aus 2016 habe ich diesen zur Einführung bereits beschrieben. Nun steht heute 812.6.24) die Verhandlung beim Bundesgerichtshof an. Unter dem Aktenzeichen IV ZR 437/22 verhandelt der BGH die Klage des BdV gegen den Versicherer, welche hier intransparente Regelungen sehen.

UPDATE 11.07.2024 Die Revision wurde verworfen, durchaus mit spannenden Begründungen gegen die Generali und deren Produkt Vitality. Link zum Urteil im Volltext.

UPDATE 12.06.2024 zu Generali Vitality (Der Ursprungsbeitrag erschien am 23.06.2016) : Heute ist etwas „Spaß“ am BGH, denn dieser verhandelt heute, genauer seit 28 Minuten, über Telematiktarife in der Berufsunfähigkeit.

Dabei geht es um die Fragen, ob ein Versicherer (hier die Generali) mit dem Vitality Tarif den Kunden “bevorteilen” darf, wenn Fitness und Arztbesuche nachgewiesen und dafür Punkte gesammelt werden und um Intransparenz der Regelungen. Oder ob eben andere Kunden benachteiligt werden.

PS: In erster Instand hatte der BdV übrigens gewonnen, nun warten wir also gespannt auf die BGH-Entscheidung.

Wie sehen Sie das? Ist es in Ordnung, wenn ein Versicherer Fitness, Vorsorge etc. belohnt oder andersherum schädliches Verhalten sanktioniert?

Aktenzeichen des BGH, falls jemand später das Urteil nachlesen möchte: IV ZR 437/22

Vorinstanzen: Landgericht München I – Urteil vom 28. Januar 2021 – 12 O 8721/20 Oberlandesgericht München – Urteil vom 31. März 2022 – 29 U 620/21

Der Bund der Versicherten will erreichen, dass folgende Klauseln, welche er für intransparent hölt, nicht mehr verwendet werden dürfen:

[UAbs. 6] Sofern wir keine termingerechte Information über das sonstige gesundheitsbewusste Verhalten erhalten, weil z.B. das … Vitality Programm gekündigt wurde oder der Übermittlung des … Vitality Status widersprochen wurde, wird Ihr Vertrag hinsichtlich dieser Überschüsse für die betroffenen Versicherungsjahre so behandelt, als hätte die versicherte Person sich nicht sonstig gesundheitsbewusst verhalten.
(…)
[UAbs. 8] Die Überschussanteile Ihrer Versicherung können steigen, wenn die versicherte Person durch sonstiges gesundheitsbewusstes Verhalten einen entsprechenden … Vitality Status erreicht, wodurch der Nettobeitrag sinken kann. Umgekehrt können die Überschussanteile Ihrer Versicherung aber auch sinken, wenn die versicherte Person sich weniger sonstig gesundheitsbewusst verhält und einen diesem Verhalten entsprechenden … Vitality Status erhält, wodurch der Nettobeitrag steigen kann. Der Nettobeitrag ergibt sich aus dem um die Überschussanteile reduzierten Betrag. Einzelheiten hierzu, insbesondere zu den von dem … Vitality Status abhängigen jährlichen Zu- oder Abnahmen Ihres Nettobeitrages, sowie zu den in jedem Versicherungsjahr geltenden Grenzwerten und Bezugsgrößen finden Sie in unserem jährlichen Geschäftsbericht; diese Werte werden jährlich im Rahmen der Überschussdeklaration neu festgesetzt.
(…)“

Auszug aus den Versicherungsbedingungen, „§ 20 Wie sind Sie an unseren Überschüssen beteiligt?“

Ursprungsartikel vom 23.06.2015

Gesünder leben mithilfe der Lebens-/ Berufsunfähigkeitsversicherung, genau das verspricht die Generali Lebensversicherung mit ihrem neuen Programm Vitality. Da schon vor Beginn des Programms im Juli dieses Jahres Berichte geschrieben und Kritiken laut werden, hier einmal etwas zusammengefasst die Erklärung, was Vitality ist, wie es funktioniert und was der Versicherungsnehmer (und natürlich die Versicherungsgesellschaft) davon hat.

Vitality – Die Idee hinter dem Produkt

Viele kennen Bonusprogramme aus verschiedenen Bereichen des Lebens und auch die eigene Gesundheit ist davon nicht ausgenommen. Wer heute in der gesetzlichen Krankenkasse versichert ist, der sammelt in dem Bonusheft Stempel beim Zahnarzt und genießt damit am Ende Vorteile in der Erstattung. Also hier eher kein „Geld zurück“ sondern eher ein „Mehr an Leistung“. Auch das Smartphone um sogenannte Fitness Tracker haben in der letzten Zeit einen enormen Zuspruch erfahren und werden immer beliebter. Viele Menschen lieben es ihren Trainingsfortschritt festzuhalten, zu sehen, ob bestimmte Trainingsmaßnahmen einen Erfolg bringen und um es mit einem Filmzitat des A Team zu sagen „Ich liebe es, wenn ein Plan funktioniert“.

generali Vitality liegt nun beim BGH IV ZR 437/22

Deutschland ist keineswegs der erste Markt, indem dieses Konzept ausprobiert und angetestet wird, in Südafrika ist die Markteinführung lange gewesen und das Produkt nach Aussagen der Macher erfolgreich. Bis zu 25 % Rabatt können Teilnehmer bei Discovery Südafrika bekommen, wenn sie die Voraussetzungen erfüllen. Wer sich gesund ernährt, sich fit hält und den entsprechenden Status dokumentiert, erhält für seine Versicherung einen Nachlass, Rabatte bei Einkäufen und Rabatte für Fitnessstudios und weitere Partner. Auch in Großbritannien existiert ein solches Modell bereits, die Discovery ist dort mit ihrem Produkt am Markt, bei der weltweiten Vermarktung soll die Hannover Rück helfen.

Vitality – Wer kann es nutzen?

Ab Juli 2016 wird dieses Modell derzeit bei zwei Produkten eingeführt. Es handelt sich um die Berufsunfähigkeitsversicherung der Generali Vitality und die Risikolebensversicherungen der Dialog Lebensversicherung. Die Kunden dieser beiden Gesellschaften können sich für das Programm entscheiden und damit von den Vorteilen zitieren. Eine Teilnahme ist natürlich freiwillig und kann auch während der Laufzeit verändert werden. Laut Auskunft des Versicherers entscheidet der Kunde aktiv selbst, ob er Daten an den Versicherer übermittelt oder sich (auch später noch) dagegen entscheidet.

Eine Ausweitung auf die Krankenversicherung ist derzeit geplant, angedacht ist ein Start in dieser Produktsparte im Jahr 2017.

Vitality – Wie es funktioniert

Für die Kunden, welche sich für das Produkt entscheiden, gibt es unterschiedliche Stufen. Als Erstes muss der Kunde in dem entsprechenden Kundenportal die dort hinterlegten Fragebögen ausfüllen. Damit werden Daten wie Größe, Gewicht, aber auch der Blutzucker oder Cholesterinspiegel erfasst. Ebenfalls interessiert den Versicherer, wie sportlich aktiv der Kunde ist und welche Essgewohnheiten er hat. Aus all diesen Daten wird ein (fiktives) Vitalität-Alter berechnet und dem Kunden angezeigt. Alleine diese Information (Sie sind älter als in Wirklichkeit) soll zu einem Anreiz verhelfen, mehr für sich zu tun.

Wer sich eine solche Einschätzung alleine nicht zutraut, der kann bei den Linda Apotheken einen kostenfreien Gesundheitscheck durchführen lassen. Ebenfalls bieten die Fitnessstudios der Fitness-First Kette einen vergünstigten Check-up an. Nachdem diese Eingaben im Kundenportal oder Check-up Untersuchungen gemacht sind, geht es weiter mit dem zweiten Schritt.

Aufgrund der gemachten Angaben schlägt das Programm auf Basis des aktuellen Gesundheitszustandes individuelle Ziele vor. Wer also einen zu hohen (jedoch medizinisch teilweise umstrittenen) Body-Mass-Index (BMI) hat, dem wird zur Reduzierung des Gewichtes geraten. Wer zu wenig Sport macht, dem wird hier eine Steigerung empfohlen. Ergeben sich aus den gemachten Angaben bedenkliche Gesundheitswerte, so geht das Programm hier zu einem Arztbesuch.

Freilich bleibt es auch nach so einer Empfehlung jedem selbst überlassen, welche konkreten Schritte er unternimmt, wie er diese auch durchhält. Viele kennen das vom Jahresanfang. Da werden Silvester hochgesteckt Ziele festgesetzt und spätestens nachdem die ersten Wochen des Jahres verstrichen sind, ist davon nichts mehr war. Dem beabsichtigt die Generali mit ihrem Programm entgegenzuwirken, es sollen kleinere und realistisch erreichbare Ziele gesteckt werden.

Für die Höhe der zu erreichenden Vorteile ist hier der sogenannte Status wichtig. Jeder Nutzer beginnt mit dem Bronzestatus und kann sich über die Laufzeit bis auf Silber, Gold und später Platin steigern. Für erreichte 15.000 Punkte steigt der Kunde in den Silberstatus, mit gleichen Steigerungsstufen dann in die jeweils weiteren Stufen auf. Die Generali erklärte, für eine Dreiviertelstunde Joggen gibt es 150 Punkte. Mehr tatsächlich zweimal die Woche und damit mehr als 100-mal im Jahr laufen geht, der hat den Silberstatus in der Tasche. Für 4.000 Punkte muss der Kunde erklären, dass er mit dem Rauchen aufgehört hat. Ob ein Nichtraucher bereits zu Beginn diese 4.000 Punkte bekommt, ist bisher nicht bekannt.

Generali Vitality – Die Vorteile

Mit gesunder Ernährung und damit einem längeren Leben und einem Gefühl von mehr Agilität und Fitness lockt man aber niemanden mehr „hinter dem Ofen hervor“. Am einfachsten lassen sich Menschen jedoch mit Geld motiviert. Hier einige Beispiele für die Rabatte und Vergünstigungen des Programms:

  • 40 % Nachlass auf Adidas Sportartikel
  • eine 40 % vergünstigte Mitgliedschaft in den Fitnessfirst Studios
  • 40 % Preisnachlass für einen Fitnesstracker bei Garmin oder Polar
  • – 39 % Rabatt bei den Weight Watchers
  • Preisnachlässe bei Kursen zur Raucherentwöhnung
  • bis zu 40 % Rabatt bei Expedia
  • 10 % Rabatt auf die Generali Berufsunfähigkeitsversicherung
  • 7 % Beitragsnachlass für die Dialog-Risikolebensversicherung

Die Rabatte in den Versicherungsprodukten können durch einen höheren Punktwert noch gesteigert werden. So lassen sich aus den 10 % in der Berufsunfähigkeitsversicherung auch 16 % Rabatt machen, aus den 7 % werden maximal 11 %. Doch wer jetzt glaubt er meldet sich an und tut dann nichts mehr, den muss ich leider enttäuschen. Der bei Abschluss angebotene Rabatt entfällt wieder, falls nach einer gewissen Zeit keine entsprechende Aktivität vorhanden ist.

Wer sich also auch während der Laufzeit gegen eine Datenweitergabe entscheidet und damit dem Versicherer die Möglichkeit nimmt, einen Prozess der Entwicklung zu kontrollieren, der muss dann wieder den normalen Beitrag zahlen.

Vitality – Die Kritik

Schauen wir uns einmal das Payback Programm an, so geben Menschen bereitwillig Auskunft über das kleinste Detail ihres Einkaufs, offenbaren Details wann sie wo, wie und was genau eingekauft haben und vieles mehr. So ähnlich ist es auch hier, denn die Kunden bezahlen mit ihren Daten. Kritiker werfen dem Versicherer vor, gute Kunden (oder zumindest gesund lebende Kunden) zu übervorteilen und ihnen dafür Daten zu entlocken. Das kann man so sehen, denn es werden natürlich einiges an Daten weitergegeben. Doch schauen wir uns realistisch einmal in unserem eigenen Leben um. Wir verwenden bereitwillig Armbänder, um unsere Fitness zu überprüfen, nutzen unser Smartphone zu sehen, wann wir wo gewesen sind, messen unseren Blutdruck und erfassen andere persönliche Parameter, um sie dann in eine App einzutragen. All diese Daten werden natürlich verwendet, ausgewertet und gespeichert. Wer das nicht will, der darf solche technischen Hilfsmittel nicht nutzen.

Auch wer sich für dieses Programm entscheidet, der weiß, dass der Versicherer Daten verwendet und im Gegenzug mit einem preislichen Nachlass bezahlt. Der Versicherer verspricht sich davon, dass die Kunden gesünder leben und damit am Ende länger leben. Das kann für die Risikolebensversicherung durchaus dazu führen, dass der Versicherer innerhalb der Vertragslaufzeit nicht leisten muss. Auch in der Berufsunfähigkeit gibt es eine Reihe von Erkrankungen, welche auf Bewegungsmangel und ungesunde Ernährung zurückzuführen sind, wir hier sein Bewusstsein stärkt nicht nur sich selbst, sondern auch dem Versicherer.

Generali Vitality – Soll ich meine bestehende Berufsunfähigkeitsversicherung nun wechseln?

Natürlich nicht. Dieses neue Produkt und der entsprechende Beitragsnachlass mag für den einen oder anderen ein interessanter Aspekt sein. Jedoch ist es absolut keinen Grund ein bestehendes Produkt, wenn es denn passend ist und sorgfältig ausgewählt war, zu kündigen. Ist das Produkt jedoch unpassend oder haben Sie sich bei Abschluss nicht genug Gedanken gemacht, so finden Sie in meinem Artikel: „Wie beende ich meine falsche, unpassende Berufsunfähigkeitsversicherung?“ einige Tipps und Hinweise, wie Sie reagieren sollten.

Das wichtigste Kriterium für eine Berufsunfähigkeitsversicherung sind die Leistungen. Nur wer hier ein besonderes Augenmerk auf die Auswahlkriterien für die Berufsunfähigkeitsversicherung legt und sich an den garantierten Leistungen in den Versicherungsbedingungen orientiert, nur der wird langfristig auch zufrieden sein, im Leistungsfall die versicherte Rente erhalten. In meinem Leitfaden zur Berufsunfähigkeitsversicherung finden Sie weitere, grundlegende Details.

Vitality – Erste Wahl bei Neuabschluss?

Auch wer sich heute erst neu für den Abschluss einer Berufsunfähigkeitsversicherung oder einer Risikolebensversicherung interessiert, der sollte bei all den Vorteilen, die ein solches Bonusprogramm bieten kann, niemals den Blick auf die wichtigen Dinge verlieren. Wichtig sind in diesem Zusammenhang neben den Versicherungsbedingungen auch die Daten zu dem Unternehmen, die Gesundheitsfragen in dem Antrag und die weiteren Vertragsdetails. Wichtige Leistungen wie eine garantierte Rentensteigerung, eine Leistung bei Arbeitsunfähigkeit über einen gewissen Zeitraum und viele andere Leistungspunkte spielen eine entscheidende Rolle.

Bei den Rabatten oder Bonusmodellen ist es am Ende wie in der Beitragsrückerstattung der Krankenversicherung oder der Prämien ihrer Krankenkasse. Wenn alle anderen Parameter passen, das Produkt und alle Rahmenbedingungen ihren Bedarf erfüllen, dann können Sie solche Vorteile gerne mitnehmen. Erfreuen Sie sich an den Rabatten, setzen Sie diese sinnvoll ein und so haben alle was davon. Niemals jedoch sollten Sie einen wichtigen, langfristigen Versicherungsvertrag nach einem Rabatt auswählen. Genauso wie niemals die Versicherungsprämie das erste und entscheidende Auswahlkriterium sein sollte.

Generali Vitality – Mein Fazit

Derzeit gibt es kritische Stimmen, die sich über die Verwendung von Daten beschweren und die sich über die Ausnutzung von jungen, gesunden Kunden echauffieren. Ich bin mir relativ sicher, dass wir in Zukunft noch mehr solche Tarifmodelle am Markt finden werden. Es wird niemand gezwungen, sich für einen solchen Tarif oder für eine solche Gesellschaft zu entscheiden, allerdings wird es genug Kunden geben, die bereitwillig ihre Daten preisgeben, um davon einen Vorteil zu erhalten. Darin ist auch grundsätzlich nichts Verwerfliches, solange sich alle Beteiligten von vornherein klar sind, was sie genau dort kaufen und unterschreiben. Gerade Menschen aus der jungen Zielgruppe könnte ich mir vorstellen.

Die Gefahr, die ich allerdings sehe, dass es wieder Vertreter und Berater geben wird, die den Rabatt und den vermeintlich günstigen Preis als Argument missbrauchten um den (jungen) Kunden in solch ein Produkt zu treiben. Und spätestens wenn der Rabatt das einzig plausible und vernünftige Argument für das Produkt ist, dann stimmt etwas nicht.

Lassen Sie sich also auch von einem Rabatt oder Bonussystem nicht locken, hinterfragen Sie insbesondere die Bedingungen, die Eckdaten des Vertrages und alle Modalitäten sorgfältig. Lassen sich lieber zusätzlich beraten und wählen Sie einen Makler ihres Vertrauens, um sich für ein langfristiges Produkt zu entscheiden. Die Arbeitskraft ist neben der Gesundheit das wichtigste Gut, was sie haben, wer dieses für einen vermeintlichen Rabatt in einem Fitnessstudio schlecht absichert, wird später mit den Folgen leben müssen.

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