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30.
August '18

Was kostet eigentlich? Ein kurzer Arztbesuch in den USA


Wer mich so auf anderen Plattformen liest (twitter, facebook etc.) hat sicher mitbekommen: das ist gesundheitlich nicht unbedingt mein Jahr. Das ganze Jahr war nicht so berauschend und die letzten Diagnosen erst recht nicht. Doch darum geht es auch hier und jetzt gar nicht. Sondern um eine Fortsetzung der Reihe:

Was kostet eigentlich? –> Hier gibt es die anderen Beiträge dazu

Wer in den USA Urlaub macht, dem kann auch durchaus etwas passieren und das können auch nur einfache Schmerzen in Bauch oder Rücken sein. Dazu muss man zunächst aber einiges mehr über das System dort verstehen. Dieses teilt sich für die Akutbehandlung im Wesentlichen in mehrere Teile auf:

Urgent Care

So etwas wie die erste Anlaufstelle, oft 24 Std. rund um die Uhr offen, aber nicht zu verwechseln mit einer Notaufnahme in Deutschland. Hier arbeiten Schwestern, weiter ausgebildete Mediziner aber nicht zwingend spezielle Ärzte oder Notfallmediziner. Diese „Urgent Care“ Stationen kann jeder besuchen, egal ob Amerikaner oder nicht. Während viele Amerikaner einfach Ihre Versichertenkarte zücken, ist es bei den deutschen Patienten eine Kreditkarte.

Meine Beschwerden waren Bauch- und Rückenschmerzen, wobei ich irgendwann nicht mehr wusste was mir eigentlich wehtut. (Hinweis: Im Notfall oder einem Unfall könnt Ihr natürlich via 9-1-1 den Rettungswagen rufen. Hier aber bedenken, die Rettungssanitäter haben weitaus weniger Befugnisse im Vergleich zu Deutschland. Hier gilt das Prinzip „einsammeln und abtransportieren“

Doch zurück zu den Urgent Care „Stationen“. Mein Besuch, die Schilderung der Beschwerden (alles nachts um 1) und eine kurze Feststellung der Vitalwerte (plus ph Wert des Urins) dauerte knapp 30 Minuten.

KOSTEN PAUSCHAL: 169 US$, also knapp 145 EUR

Diese Kosten sind sofort vor Ort mit Kreditkarte zu bezahlen. Medikamente, Spritzen gegen die Schmerzen oder was auch immer gibt es da nicht.

Da man nicht weiter wusste und es auch nicht schnell mit einem Rezept zu lösen war (welches man sich dann im CVS oder der Pharmacy holt), wurde mir empfohlen einen Emergency Room aufzusuchen. Das wiederum ist vergleichbar mit einer deutschen Notaufnahme, meist angegliedert an ein Krankenhaus. Dazu gibt es einen Zettel mit dem was man bisher gemacht hat. Theoretisch kann man auch direkt dorthin, ist aber nicht der übliche Weg.

Emergency Room

Hier werdet Ihr bei Unfällen etc. mit dem Rettungswagen hingefahren, oder fahrt eben mit dem Taxi, falls Ihr aus dem Hotel, vom Urgent Care oder sonst wo her kommt. Auch hier gibt es erst einmal eine Datenerfassung. Um 2 Uhr morgens mit Schmerzen so mittelmäßig spannend. Aber entgegen aller Gerüchte braucht es nicht als allererstes die Kreditkarte (später schon). Also wurde ich aufgenommen und meine Beschwerden erfragt, der Bericht vom Urgent Care gelesen und dergleichen.

Maßnahmen waren dann:

  • Blut abgenommen
  • Urinstatus festgestellt
  • Kanüle im Arm gelegt
  • Schmerzmittel verabreicht

So, jetzt ging es endlich, nach fünf Stunden Quälerei. Jetzt entschied man sich den Schmerzen weiter auf den Grund zu gehen und machte ein CT. Ist ein sehr beliebtes Mittel, gern immer und überall, oder zumindest oft. Bei so einer Computertomografie sieht man schnell relativ viel, als fuhr man mich im Rollstuhl auch dahin. CT war in wenigen Minuten fertig und dann wurde ich mit einem Arztbrief in der Tasche auch entlassen. (Mehr oder minder auf eigenen Wunsch, da ich unbedingt nach Deutschland ins Krankenhaus wollte)

KOSTEN PAUSCHAL: 1.150 US$, also knapp 1.015 EUR

Auch diese Kosten sind bei Entlassung dort zu zahlen. Eine andere Variante, die geht bei einigen PKV oder auch Auslandsversicherungen (aber nicht die Regel), eine Abtretung der Kosten und damit eine Direktzahlung. Dieses ist aber eher bei hohen stationären Kosten üblich und sinnvoll. Bei so einer Behandlung wie hier, hätte ich sonst solange warten müssen, bis die Kostenübernahmeerklärung da ist. Nachts/ morgens in Deutschland derweil etwas schwierig.

Dazu kommen noch ca. 40 EUR Fahrtkosten, also vom Urgent Care zum Emergency Room und wieder zurück ins Hotel. Alles in Allem kein ganz billiges Vergnügen. So haben mich knapp 4 Std. Behandlungen

insgesamt ca. 1.200 EUR

gekostet. Es handelt sich aber nur um ambulante Behandlungen.

Spannende Frage, was hätte ich (wenn privat versichert) in Deutschland wohl dafür zahlen müssen?

Nun, ganz so vergleichbar ist es nicht, hier wäre der „Urgent Care“ eher nicht angefallen, sondern nachts um 2 eher direkt die Notaufnahme. Wären dort annähernd die identischen Behandlungen gemacht worden, so sähe das im Urgent Care und in der Notaufnahme so aus.

Gebührenziffer Bezeichnung Grundbetrag Satz Endbetrag
1 Eingehende Beratung 8,74 € 2,3 20,10 €
C Zuschlag nachts 18,85 € 2,3 43,36 €
8 Ganzkörperstatus 15,15 € 2,3 34,85 €
3652 Streifentest im Urin 2,04 € 1,8 3,67 €
101,97 €

EMERGENCY ROOM

1 Eingehende Beratung 8,74 € 2,3 20,10 €
C Zuschlag nachts 18,85 € 2,3 43,36 €
8 Ganzkörperstatus 15,15 € 2,3 34,85 €
3652 Streifentest im Urin 2,04 € 1,8 3,67 €
250
Blutentnahme, Vene
2,33 € 2,3 5,36 €
253 Injektion, intravenös 4,08 € 2,3 9,38 €
253 Injektion, intravenös 4,08 € 2,3 9,38 €
253 Injektion, intravenös 4,08 € 2,3 9,38 €
5372 Ct, Abdomen 155,51 € 1,8 279,92 €
415,40 €

 

Gut zu sehen, hier werden Einzelleistungen abgerechnet, keine Pauschalen und damit wären wohl die Kosten nicht doppelt angefallen, denn untersucht hätte man ja nur einmal. Es sind also durchaus Kostenunterschiede zu sehen, wobei in Deutschland auch noch höhere Kosten, also mit Begründung bis zum 3,5fachen Satz abrechenbar wären.

Wer erstattet solche Kosten?

Zunächst einmal die meisten privaten Vollversicherungen. Zudem ist eine einfache und günstige Auslandsreisekrankenversicherung (zum Beispiel diese) eine Möglichkeit.

Auch viele Kreditkarten enthalten eine solche Police. Hier ist darauf zu achten, ob diese nicht an einen Karteneinsatz gebunden sind oder sich nur auf geschäftliche/ private Reisen beziehen.

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