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19.
August '19

Nach PKV Wechsel folgt höhere Lohnsteuer – so beugen Sie bösen Überraschungen vor


Auch wenn ich in der Vergangenheit schon einmal etwas dazu geschrieben habe, auch die Welt der PKV und GKV dreht sich weiter. So ist es durchaus nach einigen Jahren an der Zeit, einiges zu aktualisieren und weitere Informationen zu ergänzen.

Leider scheint in vielen Beratungen so einiges unterzugehen, schließlich möchte der Berater nicht abschrecken. Warum Sie mit einer PKV bzw. einem Wechsel in eine solche kein Geld sparen, niemals nie, das habe ich bereits in vielen Beiträgen erklärt. Doch eine Anfrage im Live Chat heute morgen, erinnerte mich wieder an mein offenes ToDo. Woher kommt denn eine solche Erhöhung und warum wird aus einer vermeintlichen Ersparnis am Ende sogar ein höherer Beitrag bzw. ein geringeres Nettoeinkommen?

Das hat recht einfach zu erklärende Gründe, diese und die Grundlagen einer solchen „Verschiebung des Einkommens“ schauen wir uns hiermit einmal genauer an. Dabei klären wir einmal folgende Fragen:

  • – Wie kommt es zu einem geringeren Netto nach dem PKV Wechsel?

  • – Warum ist meine Lohnsteuer nun höher, obwohl ich den Top Tarif versichert habe?

  • – Ändert sich das wieder?

  • – Wie kann ich das „Steuerproblem“ verhindern?

Wie kommt es zu einem geringeren Netto nach dem PKV Wechsel?

Oft wird es zunächst gar nicht direkt bemerkt. Der Wechsel ist vollzogen, die private Krankenversicherung hat Bescheinigungen geschickt und Sie haben lustig Unterlagen versandt (wie hier beschrieben) und dann, dann kommt die erste Gehaltsabrechnung.

Um uns die Zahlen einmal etwas genauer anzusehen, nehmen wir einen Musterkunden als Beispiel. Konkret Zahlen und Fakten helfen uns hier, um das komplexe Thema zu verstehen und nicht nur in der Theorie „im Dunkeln“ zu tappen. Unser Kunde ist 35 Jahre alt, hat ein Bruttoeinkommen von 5.500 € (und zur Vereinfachung auch nur 12 Gehälter). Dabei ist er (noch) Kinderlos, in keiner Kirche und zahlt in der Steuerklasse 1 als lediger seine Steuern.

Zunächst ist es einmal wichtig eine Grundlage zu haben, diese bildet die bisherige Mitgliedschaft in der GKV (hier die DAK als bundesweite Kasse, mit 1,5% Zusatzbeitrag.) Von seinem Bruttogehalt bleiben nach Abzug aller Kosten 3.210,86 € übrig. Denn natürlich sind die Krankenversicherung und die Lohnsteuer nicht die einzigen, welche auch etwas vom „Kuchen“ abbekommen möchten.

Wichtige Eckdaten aus der Abrechnung sind für uns:

Lohnsteuer: 1.197,25 €

Solidaritätszuschlag: 65,84 €

und ein verbleibendes Netto nach Krankenversicherung von 3.210,86 €

Zu beachten hier aber, es sind keinerlei Zusatzversicherungen enthalten. Würde unsere Kunde aber solche zur Erhöhung der Leistungen abschließen (und damit ambulant, stationär, zahnärztlich und das Krankentagegeld -auf 120 €- aufstocken, so kämen hier gut 70-90 € dazu, bei Kostenerstattungstarifen noch mehr.

Diese Daten nehmen wir aber als Eckdaten, um von hieraus den Wechsel in die PKV zu betrachten und uns dann dort die Zahlen anzusehen. Dazu habe ich mir zwei Tarife herausgesucht und zwei Modelle. Einmal einen sehr leistungsfähigen Tarif mit einem höheren Beitrag, mit dem beginnen wir auch:

Der Tarif stellt einen „Premiumtarif“ dar. Auch wenn ich den Begriff nicht mag, er beschreibt Tarife mit sehr hohen Leistungsansprüchen. Als Beispiel und wirklich nur sehr vereinfacht sind daher im Tarif Leistungen enthalten, wie zum Beispiel:

  • – Einbettzimmer

  • – Wahlleistung Chefarzt/ Privatarzt

  • – Weltgeltung- Zahnersatzleistungen >= 90%

  • – Honorare über der Gebührenordnung und deren Höchstsätzen

  • – 120 € pro Tag Krankengeld- Heilpraktiker, Naturheilkunde und viele mehr

Der Beitrag zur Krankenversicherung liegt hier bis auf wenige Cent bei dem Betrag, der auch für die gesetzliche Krankenkasse angefallen ist und ist somit recht gut vergleichbar. Dabei sind die Leistungen natürlich unterschiedlich, wie eben bereits geschrieben. Der Beitrag für die PFLEGEPFLICHT jedoch liegt bei unserem Musterkunden bei knapp einem Viertel des Beitrages der gesetzlichen Pflegepflicht, obwohl die Leistungen identisch sind.

Doch auch wenn diese Zahlen somit im KV Bereich fast identisch sind und für die Pflegepflichtversicherung sogar 113 € monatlich weniger abgezogen werden (vor AG Anteil), so sinkt das Nettoeinkommen von 3.210 € auf 3.140 € (also um 70 € monatlich).

Doch wie kommt der geringere Nettolohn nun zustande? Schauen Sie einmal genauer auf die Aufstellung der Abrechnung. Dort finden Sie zwei Positionen, welche deutlich angestiegen sind.

Lohnsteuer: 1.310,75 € (statt 1.197,25 €, also +113,50 €)

Solidaritätszuschlag: 72,09 € (statt 65,84 €, also +6,25 €)

und ein verbleibendes Netto nach Krankenversicherung von 3.140,24 € (statt 3.210,86 €, also minus 70,62 €)

Aus der Summe all dieser Beträge und der reduzierten Pflegepflichtversicherung verbleibt damit am Ende ein Minus von 70 € monatlich. Dabei sind Faktoren wie eine Beitragsrückerstattung, höhere Leistungen und dergleichen auch hier nicht berücksichtigt. Vorhin bei der GKV haben wie die Zusatzversicherungen ja auch nicht berücksichtigt.

Warum ist meine Lohnsteuer nun höher, obwohl ich den Top Tarif versichert habe?

Das ist die Frage aller Fragen, denn die Beiträge sind doch hier sogar fast auf den Cent genau gleich. Dennoch gibt es einen Unterschied. Wie sagte einmal einer der Professoren so schön. „Ein Blick ins Gesetz erleichtert die Rechtsfindung.“ und in diesem Fall hilft und ein Blick in das Einkommensteuergesetz, genauer hier der Paragraph 10.

Einkommensteuergesetz (EStG)
§ 10
(1) Sonderausgaben sind die folgenden Aufwendungen, wenn sie weder Betriebsausgaben noch Werbungskosten sind oder wie Betriebsausgaben oder Werbungskosten behandelt werden:

Beiträge zu a)
(…) 2 Für Beiträge zur gesetzlichen Krankenversicherung sind dies die nach dem Dritten Titel des Ersten Abschnitts des Achten Kapitels des Fünften Buches Sozialgesetzbuch oder die nach dem Sechsten Abschnitt des Zweiten Gesetzes über die Krankenversicherung der Landwirte festgesetzten Beiträge.

3 Für Beiträge zu einer privaten Krankenversicherung sind dies die Beitragsanteile, die auf Vertragsleistungen entfallen, die, mit Ausnahme der auf das Krankengeld entfallenden Beitragsanteile, in Art, Umfang und Höhe den Leistungen nach dem Dritten Kapitel des Fünften Buches Sozialgesetzbuch vergleichbar sind;

(…) 4 Wenn sich aus den Krankenversicherungsbeiträgen nach Satz 2 ein Anspruch auf Krankengeld oder ein Anspruch auf eine Leistung, die anstelle von Krankengeld gewährt wird, ergeben kann, ist der jeweilige Beitrag um 4 Prozent zu vermindern;

So, sind wir nun schlauer? Ja, sind wird. Denn:

Für einen Versicherten in der gesetzlichen Krankenkasse sind die Beiträge vollständig, bis auf die 4% für das Krankengeld, anrechenbar.

Für einen Versicherten in der Privaten Krankenversicherung müssen wir jedoch den Beitrag hier „zerpflücken“. Anhand (fiktiver, aber nicht unrealistischer) Zahlen machen wir das dann auch einmal. So zerlegen wir die 100% des Beitrages der privaten Krankenversicherung (ohne das Krankentaggeld) wie folgt:

Hier ist nun schnell zu erkennen, was noch zur Anrechnung übrig bleibt. Von den Beitragsanteilen sind nur die drei Elemente mit dem Basisschutz zu berücksichtigen, also 54,60% + 9,88% und 15,11%. In Summe ergibt dieses also 79,59% des gezahlten Beitrages. Nur dieser „Basisanteil“ ist für die Minderung der Steuer relevant.

Damit werden, wenn wir bei den Beiträgen aus unseren Beispielen bleiben, bei der GKV 730,54 € abzüglich 4% für das Krankentagegeld = 701,34 € anrechenbar und finden Berücksichtigung. Unser privat Versicherter Kunde jedoch, der hat folgende Rechnung:

Beitrag zur PKV von 730,03 € minus 61,20 € für das Krankentagegeld = 668,83 €

von diesem Betrag sind nun die oben ermittelten 79,59% anzurechnen, also 532,21 €

Und auch hier wäre noch der AG Zuschuss zu berücksichtigen.

Obwohl also der GKV und der PKV Versicherte fast gleiche Zahlbeiträge haben, sind einmal 701 € und einmal nur 532 € anrechenbar.

Der Hintergrund ist durchaus verständlich. Der Gesetzgeber möchte natürlich nur die Leistungen berücksichtigen und begünstigen, welche allen zustehen. Klar kann auch der GKV Versicherte Kunde weitere Leistungen im Rahmen von Zusatzversicherungen (ohne entsprechende Anrechnung bei der Lohnsteuer) berücksichtigen und damit ist es wieder ausgeglichen.

Hätte ein PKV Tarif nun keine Leistungen für Heilpraktiker, keine Ein- oder Zweibettzimmer oder keine besonderen Leistungen, so wäre dieser dann auch zu einem höheren Prozentsatz anrechenbar.

Ändert sich das wieder?

Im Rahmen der Einkommenssteuererklärung sind am Jahresende zudem alle anderen Beträge und auch Erstattungen anzugeben. Benommen Sie also zum Beispiel Leistungen zurück, so mindern diese nochmals den steuerlichen Aufwand. So kann zum Beispiel die

einen solchen negativen Effekt haben. Daher sind hier neben Gedankenspielen auch Gespräche mit dem Steuerberater sinnvoll. Gerade bei Versicherten mit hohem oder höheren Steuersätzen kann ein Einreichen selbst weniger Rechnungen sinnvoll sein. So verlieren Sie im Zweifel zwar die Beitragsrückerstattung, aber der steuerliche Effekt kann durchaus höher sein. Daher ist eine pauschale und einfache Aussage „Ab welchem Betrag soll ich meine Rechnungen einreichen“ nicht (mehr) möglich. Vor 2010 sah das anders aus.

Wie kann ich das „Steuerproblem“ verhindern?

Neben dem nun ausführlich erklärten steuerlichen Effekt, gibt es aber noch den Arbeitgeberzuschuss und die Tarifleistungen. Daher sollte keineswegs die Steuer oder eine gestiegene Lohnsteuer den Ausschlag für oder gegen einen Tarif geben. Aber: Es spielt eine Rolle!

Auch der Arbeitgeberzuschuss spielt hier eine Rolle. Nehmen wir zum Vergleich noch einen „besonderen Tarif“, den COMFORT der Continentalen. Dieser Tarif hat eine so genannte fallgebundene (und unkalkulierbare) Selbstbeteiligung, ist aber billig.

In unserem Beispiel liegt der Beitrag hier unter 400 €. Dadurch sinkt aber auch der Zuschuss des Arbeitgebers auf einen geringen Betrag von hier 187 €. Über die RISIKEN der fallbezogenen Selbstbeteiligung im Tarif COMFORT der Continentalen habe ich bereits in anderen Beiträgen geschrieben.

Doch für unseren Fall bedeutet dieses, ein höheres Nettoeinkommen. Dabei gut zu sehen, die Lohnsteuer ist sogar noch ein klein wenig höher im Vergleich zu dem TopTarif, aber durch den geringen Beitrag ergibt sich dennoch ein Nettoeinkommen, welches über dem der GKV liegt.

Die richtige Mischung macht es aus

Am Ende ist es wie überall. Es gibt gar kein richtig oder falsch, es gibt aber Beratungsbedarf und damit eine Aufklärung zu dem Thema PKV und Steuer. Dieses sollte in den ersten Analysen / Vorschlägen angesprochen werden. Daher finden meine Mandanten solche Informationen auch in der ersten E-Mail, welche sich mit Tarifen und Analysen beschäftigt und damit auch diesen Punkt zum Nachlesen.

Es ist niemals gut, wenn es im Nachhinein eine Überraschung gibt mit der nicht gerechnet wurde. Zurück zu unserem Fall aus dem Chat…

Können sie mir das erklären?

Ja, kann ich und habe ich mit diesem Beitrag dann auch detailliert getan. Obwohl hier also ein Wechsel in die PKV erfolgte und der Beitrag ca. 80 € unter der GKV liegt, dennoch ist das ausgezahlte Nettoeinkommen am Ende geringer.

Grund: Das Finanzamt, oder besser das Einkommensteuergesetz.

29.
November '17

Mehr Geld vom Arbeitgeber – wie der AG die Selbstbeteiligung in der privaten Krankenversicherung steuerfrei erstatten kann


… und warum dieses eine gute Idee sein kann, lesen Sie in diesem Beitrag. Bereits im Jahr 2009 habe ich hierzu einen Beitrag veröffentlicht und es häufen sich die Anfragen vor dem Hintergrund „ist das denn noch aktuell“ und wo steht das, wie geht das, was kann/ muss ich meinem Arbeitgeber schicken und sagen. Da das Jahresende nun wieder naht und Macheiner sich nun Gedanken zu dem Einreichen der Rechnungen in der Privaten Krankenversicherung macht, hier einige Hinweise und die Beantwortung der mistgestellten Fragen. In diesem Beitrag finden Sie insbesondere Informationen und Antworten zu den folgenden Fragen:

1.) Was ist die Selbstbeteiligung?

2.) Kann der Arbeitgeber diese steuerfrei erstatten?

3.) Wo ist das gesetzlich geregelt?

4.) Was muss ich für Unterlagen besorgen?

5.) Wie wirkt sich die steuerfreie Erstattung aus?

1.) Selbstbeteiligung in der privaten Krankenversicherung

Eine Selbstbeteiligung ist ein Eigenanteil in der privaten Krankenversicherung, welcher auf einen absoluten oder prozentualen Betrag festgelegt ist. Der Gesetzgeber hat zudem den maximalen Betrag einer möglichen Selbstbeteiligung in jedweden Tarifen der PKV (nach 2012) auf einen Maximalbetrag von 5.000 € gedeckelt.

Mehr dazu im Beitrag: „Selbstbeteiligung in der Privaten Krankenversicherung

Diese Selbstbeteiligung muss der Arbeitnehmer aber allein zahlen. Der Arbeitgeber hat zwar die Verpflichtung (gem. § 257 SGB V) einen Arbeitgeberzuschuss zu zahlen und damit die Hätte des Beitrages zu erstatten. Die Höchstbeiträge für diesen Zuschuss ändern sich, welche Werte in 2018 gelten finden Sie im Beitrag zu dem

Arbeitgeberzuschuss und den Sozialversicherungswerten 2018

Wer aber nun den Arbeitgeber noch etwas mehr beteiligen möchte, der kann eine andere Möglichkeit nutzen. Die Erstattung der Selbstbeteiligung.

2.) Kann der Arbeitgeber diese steuerfrei erstatten?

Ja, kann er, wenn er denn will. Eine Verpflichtung zur Erstattung der Selbstbeteiligung gibt es nicht, aber manchmal ist es bei den Gehaltsverhandlungen durchaus ein Argument sich hier eine weitere „Leistung“ vom Arbeitgeber zu holen. ABER ACHTUNG, es geht nicht pauschal und ist an Voraussetzungen gebunden. Bei der Erstattung sind einige Voraussetzungen zu beachten.

a.) es darf nur die tatsächlich in Anspruch genommene Leistung erstattet werden, also eine SB muss verbraucht sein (nur eine im Vertrag zu haben, reicht nicht aus)

b.) Rechnungen müssen wirklich eingereicht sein, der Versicherer bestätigt dann den „Verbrauch“ der Selbstbescheinigung. Dabei kann dieses erst rückwirkend erfolgen. Sie können als so genannte Bescheinigung aber auch die Leistungsabrechnung verwenden, welche Ihnen den Abzug der SB ausweist. Zum Beispiel so:

c.) Der Versicherer muss also bestätigen, die SB wurde verbraucht und wir hätten den Betrag erstattet, wäre da nicht die vertraglich vereinbarte Selbstbeteiligung gewesen.

d.) Der maximale, steuerfrei zu erstattende Betrag (rückwirkend) ist auf einen Höchstbetrag von 600 € pro Jahr begrenzt. Es kann also im Januar erfüllt sein, oder auch erst im Dezember. Grundlage finden Sie unten unter Punkt 3.)

3.) Wo ist das gesetzlich geregelt?

Regelungen finden sich hier im SGB V (für den AG Zuschuss) und in den so genannten Lohnsteuerrichtlinien 2015 (gelten aktuell noch) und haben hiermit so eine Bildung für die Finanzämter. Das bedeutet nicht, dass nicht ein Sachbearbeiter es dennoch erstmal ablehnen kann, dieses sollte dann ggf. mit Hilfe der steuerberatenden Berufe weiter verfolgt werden.

R 3.11 LStR 2015 – Beihilfen und Unterstützungen, die wegen Hilfsbedürftigkeit gewährt werden (§ 3 Nr. 11 EStG)

Beihilfen und Unterstützungen aus öffentlichen Mitteln

(1) Steuerfrei sind

(2) Unterstützungen, die von privaten Arbeitgebern an einzelne Arbeitnehmer gezahlt werden, sind steuerfrei, wenn die Unterstützungen dem Anlass nach gerechtfertigt sind, z. B. in Krankheits- und Unglücksfällen.

Voraussetzung für die Steuerfreiheit ist, dass die Unterstützungen

1. aus einer mit eigenen Mitteln des Arbeitgebers geschaffenen, aber von ihm unabhängigen und mit ausreichender Selbständigkeit ausgestatteten Einrichtung gewährt werden. Das gilt nicht nur für bürgerlich-rechtlich selbständige Unterstützungskassen, sondern auch für steuerlich selbständige Unterstützungskassen ohne bürgerlich-rechtliche Rechtspersönlichkeit, auf deren Verwaltung der Arbeitgeber keinen maßgebenden Einfluss hat;
2. aus Beträgen gezahlt werden, die der Arbeitgeber dem Betriebsrat oder sonstigen Vertretern der Arbeitnehmer zu dem Zweck überweist, aus diesen Beträgen Unterstützungen an die Arbeitnehmer ohne maßgebenden Einfluss des Arbeitgebers zu gewähren;
3. vom Arbeitgeber selbst erst nach Anhörung des Betriebsrats oder sonstiger Vertreter der Arbeitnehmer gewährt oder nach einheitlichen Grundsätzen bewilligt werden, denen der Betriebsrat oder sonstige Vertreter der Arbeitnehmer zugestimmt haben.

Die Voraussetzungen des Satzes 2 Nr. 1 bis 3 brauchen nicht vorzuliegen, wenn der Betrieb weniger als fünf Arbeitnehmer beschäftigt.

Die Unterstützungen sind bis zu einem Betrag von 600 Euro je Kalenderjahr steuerfrei.

Der 600 Euro übersteigende Betrag gehört nur dann nicht zum steuerpflichtigen Arbeitslohn, wenn er aus Anlass eines besonderen Notfalls gewährt wird.

Bei der Beurteilung, ob ein solcher Notfall vorliegt, sind auch die Einkommensverhältnisse und der Familienstand des Arbeitnehmers zu berücksichtigen; drohende oder bereits eingetretene Arbeitslosigkeit begründet für sich keinen besonderen Notfall im Sinne dieser Vorschrift.

Steuerfrei sind auch Leistungen des Arbeitgebers zur Aufrechterhaltung und Erfüllung eines Beihilfeanspruchs nach beamtenrechtlichen Vorschriften sowie zum Ausgleich von Beihilfeaufwendungen früherer Arbeitgeber im Falle der Beurlaubung oder Gestellung von Arbeitnehmern oder des Übergangs des öffentlich-rechtlichen Dienstverhältnisses auf den privaten Arbeitgeber, wenn Versicherungsfreiheit in der gesetzlichen Krankenversicherung nach § 6 Abs. 1 Nr. 2 SGB V besteht.

4.) Was muss ich für Unterlagen besorgen?

Zunächst einmal müssen Sie nachweisen, dass diese Selbstbeteiligung auch angefallen ist, wie eben bereits geschrieben. Dazu kann die oben genannte Bescheinigung einer Leistungsauszahlung genutzt werden, wenn diese klar ausweist wie hoch der Betrag für die jährliche Selbstbeteiligung ist UND das diese auch genutzt wurde.

Alternativ kann die private Krankenversicherung auch bestätigen, dass die Selbstbeteiligung auch „verbraucht wurde“.

Dazu muss der Arbeitgeber natürlich wollen. Dann ist diese Bescheinigung bei dem Arbeitgeber oder dem zuständigen Lohnbüro einzu (mehr …)

03.
Juli '17

Rechnungen selbst bezahlt um die PKV Beitragsrückerstattung bekommen, dann kein Steuerabzug. Urteil 11 K 11327/16


Wer seine Rechnungen in der privaten Krankenversicherung nicht einreicht, weil diese nicht oder nur in sehr geringer Höhe angefallen sind und daher ein Einreichen dieser auf den ersten Blick nicht sinnvoll erscheint, der kann sich „ins eigene Fleisch schneiden“. Warum es nicht immer richtig sein muss, Rechnungen aufzuheben, das schauen wir uns heute einmal genauer an.

Wann sollte ich Rechnungen einreichen?

Grundsätzlich hängt das entscheidend von dem gewählten Vertrag in der privaten Krankenversicherung (PKV) und dem Selbstbeteiligungsmodell ab. Dabei gibt es ganz unterschiedliche Arten der Selbstbeteiligung, diese habe ich bereits in meinem Beitrag:

Selbstbeteiligungen in der privaten Krankenversicherung

erläutert. Wer also einen Vertrag mit einer Eigenbeteiligung hat, der zahlt in der Regel einen geringeren Beitrag. Grund dafür ist natürlich, dass der Versicherer für einen Teil der Kosten nicht aufkommen muss, und damit bei kleinen Rechnungen auch nicht ganz unerhebliche Verwaltungskosten sparen kann.

Wer nun zum Beispiel 500 € Eigenbeteiligung pro Jahr vereinbart hat, aber nur 300 € für Arztkosten aufgewendet hat, der bekommt hier keine Erstattung. Übersteigt der Betrag allerdings die Selbstbeteiligung und sind bei unserem Beispiel 700 € Kosten angefallen, so könnte unser Versicherter diese Rechnungen einreichen und bekäme die Differenz erstattet. 700 € Arztkosten bei 500 € Selbstbeteiligung bedeuten also 200 € Erstattung von seinem privaten Krankenversicherer.

Ist das sinnvoll? Was ist mit der Beitragsrückerstattung?

Doch oftmals stellt sich die Frage, ob das sinnvoll ist. Verspricht der private Krankenversicherer bei Leistungsfreiheit eine Rückerstattung von einem, anderthalb oder gar zwei Monatsbeiträgen des gezahlten Beitrages, so geht das große Grübeln los. Unterstellen wir einen Beitrag von 500 € monatlich (dabei berücksichtigen wir nur den reinen Krankenversicherungsbeitrag, nicht den gesetzlichen Zuschlag, nicht das Krankentagegeld und auch nicht die Pflegeversicherung) so sprechen wir hier über eine mögliche Beitragsrückerstattung von 500-1000 €. Daher bleiben dem Versicherten mehrere Möglichkeiten:

Möglichkeit 1: Der Versicherte reicht keine Rechnung ein, erhält dafür eine Beitragsrückerstattung von 500 € und zahlt aus dieser Erstattung die fehlenden 200 € Arztkosten.

Möglichkeit 2: Der Versicherte reicht die Rechnung sofort ein, bekommt 200 € Erstattung aufgrund der angefallenen Kosten, jedoch keine Beitragsrückerstattung mehr.

Der Fall aus dem Urteil des Finanzgerichtes Berlin-Brandenburg, Aktenzeichen: 11 K 11327/16

Mit der Möglichkeit 1 hatte sich vor kurzem das Finanzgericht Berlin-Brandenburg zu beschäftigen. Ein Versicherter hatte sich genau für diese Variante entschieden, er hatte zwar eine Beitragsrückerstattung bekommen, davon aber seine bereits angefallenen Arztkosten beglichen. In seiner Steuererklärung gab er jedoch die Beiträge zu der privaten Krankenversicherung als steuerlich wirksamer Aufwendungen an, die Beitragsrückerstattung ließ er unberücksichtigt.

Nachdem das Finanzamt Kenntnis von der Beitragsrückerstattung bekam, machte es folgende Rechnung geltend:

 gezahlte Beiträge zur privaten Krankenversicherung

–  abzüglich erhaltener Beitragsrückerstattung

————————————————————————–

=  steuerlich wirksamer Aufwand für die Krankenversicherung

Dieser Rechnung wollte der Steuerpflichtige nicht zustimmen, er wandte dazu ein, der Betrag für seine Arztkosten überschreite die erhaltene Beitragsrückerstattung deutlich. Seine Aufwendungen sollten deshalb als außergewöhnliche Belastungen zu berücksichtigen sein. Da es keine Möglichkeit der Einigung gab, landete der Fall vor dem zuständigen Finanzgericht. Dieses teilte jedoch die Auffassung des Steuerpflichtigen nicht und argumentierte wie folgt:

Die Urteilsbegründung:

Sonderausgaben liegen, nach Auffassung der Richter, hier ausdrücklich nicht vor. Die private Zahlung der Arztrechnungen sind hier nicht, wie in Paragraf zehn Abs. 1 Nummer 3 Satz 1a des Einkommensteuergesetzes gefordert, als Beitrag zu einer privaten Krankenversicherung anzusehen. Diese privat veranlasste Bezahlung von Arztrechnungen ist nicht dem Beitrag zur privaten Krankenversicherung gleichzusetzen.

Auch der Wunsch nach Anrechnung als außergewöhnliche Belastungen im Sinne des Paragrafen 33 des Einkommensteuergesetzes fand bei den Richtern kein Gehör. Nach der Grundentscheidung des Gesetzgebers fallen unter die außergewöhnlichen Belastungen zwar auch die Krankheitskosten, diese finden steuerlich aber nur dann eine Berücksichtigung, wenn der Steuerpflichtige „ihnen nicht entgehen kann“. Dies ist jedoch hier nicht gegeben, da der Mann freiwillig auf die Erstattung seiner privaten Krankenversicherung (zugunsten der möglichen Beitragsrückerstattung) verzichtet hat.

Damit folgt das Gericht vollumfänglich der Argumentation des Finanzamtes und der Versicherte kann dieser selbst bezahlten Arztkosten weder als Beitrag zur privaten Krankenversicherung, noch als außergewöhnliche Belastungen ansetzen. Grundtenor: schließlich habe er sich freiwillig und ohne vertragliche Verpflichtung für diese Abrechnungsvariante entschieden.

„Das Gericht hat wegen der grundsätzlichen Bedeutung der Rechtsfrage die Revision zum Bundesfinanzhof zugelassen.“

Können Rechnungen noch nachträglich eingereicht werden?

In der privaten Krankenversicherung gelten die gesetzlichen Verjährungsfristen von drei Jahren. Wer also bereits eine Steuererklärung, zum Beispiel für das Jahr 2015 abgegeben, hat und nun merkt den gleichen Fehler gemacht zu haben, der kann diesen unter Umständen noch korrigieren. Voraussetzung dafür ist natürlich, dass der Steuerbescheid hier noch nicht rechtskräftig ist. Reicht der Versicherte im Nachhinein noch Rechnungen bei seiner privaten Krankenversicherung ein, obwohl diese bereits eine Beitragsrückerstattung ausgezahlt hat, so wird der Versicherer hier eine entsprechende Verrechnung vornehmen. Die Rechnungen werden, soweit leistungspflichtig, auch im Nachhinein noch gestattet, eine vielleicht schon bezahlte Beitragsrückerstattung wird entsprechend verrechnet.

Was sollten Sie tun?

Daher sollten Sie immer genau überlegen, welche Variante hier die für sie sinnvollste ist und dabei gegebenenfalls den Rat eines Steuerberaters einholen. Es kann durchaus sinnvoll sein, auch kleine Rechnungen einzureichen, welche nur ganz knapp über der vereinbarten Selbstbeteiligung liegen. Insbesondere durch die steuerliche Anrechnung der Krankenversicherungsbeiträge kann es gerade bei höheren Steuersätzen zu einem deutlichen Vorteil führen.

12.
März '15

Krankentagegeld zwar steuerfrei, unterliegt aber (in der GKV) der Progression (Urteil des Bundesfinanzhofes III R 36/13)


In dem gestern veröffentlichten Urteil bestätigt der Bundesfinanzhof seine Auffassung, das es auch nach Einführung des so genannten Basistarifs rechtmäßig ist, einen Unterschied zwischen Krankentagegeld aus der gesetzlichen (GKV) und der privaten Krankenversicherung (PKV) zu machen.

Krankentagegeld steuerfrei

Die Leistungen zum Krankengeld, ungeachtet der Tatsache ob diese von einer gesetzlichen Krankenkasse oder einer privaten Krankenversicherung gezahlt werden, sind steuerfreie Leistungen im Sinne des Einkommensteuergesetzes. Das bedeutet zunächst, diese Beträge sind nicht mit der Einkommensteuer belegt und fließen dem Steuerpflichtigen brutto wie netto zu.

Progressionsvorbehalt

Nun gibt es Einkünfte, welche zwar steuerfrei sind, aber die Steuer der anderen Einkünfte im jeweiligen Jahr erhöhen. Da die Einkommensteuer in Deutschland abhängig von der Höhe des Einkommens ist, zahlen Sie prozentual mehr Steuern, je mehr Sie verdienen. Nehmen wir also ein Beispiel, welches das etwas verdeutlichen soll.

Hat ein Arbeitnehmer ein zu versteuerndes Einkommen im Jahr 2015 von 40.000 €, so zahlt dieser in der Grundtabelle hierfür 8.976 € Steuern, also 22%. Der Grenzsteuersatz liegt bei 36%. Inklusive Solidaritätszuschlag und Kirchensteuer ergibt sich ein durchschnittlicher Steuersatz von 26 und ein Grenzsteuersatz von 41%. Nehmen wir weiter an, der Kunde kann aufgrund von Krankheit nur noch ein halbes Jahr arbeiten und hat daher (vereinfacht) auch nur das halbe zu versteuernde Einkommen, also 20.000 €. Dann sind mitnichten die Hälfte der bisherigen Einkommensteuer, sondern nur 2.634 € zu zahlen. Dabei ist der Durchschnittssteuersatz dann bei 13, der Grenzsteuersatz bei 27%.

KT Einkommen Steuer

Da er aber vom halben Einkommen nicht leben kann, hat unser Kunde vorgesorgt und ein versichertes Krankentagegeld. Genau hier ergibt sich nun der entscheidende Unterschied zwischen gesetzlicher und privater Versicherung. Ist der Kunde gesetzlich versichert, so ist das Krankentagegeld steuerfrei unterliegt aber dabei dem Progressionsvorbehalt. Der BFH meint hierzu:

Auch nach der Einführung des sog. Basistarifs in der privaten Krankenversicherung ist es verfassungsrechtlich nicht zu beanstanden, dass zwar das Krankengeld aus der gesetzlichen Krankenversicherung, nicht aber das Krankentagegeld aus einer privaten Krankenversicherung in den Progressionsvorbehalt nach § 32b Abs. 1 Satz 1 Nr. 1 Buchst. b EStG einbezogen wird.

Das bedeutet in der Praxis (mehr …)

03.
Februar '14

Die Krankenversicherung im Voraus bezahlen und damit eine Menge Steuern sparen? Das sollten Sie dabei beachten.


UPDATE: HIER ZUM aktualisierten Beitrag in 2017 und neue Exceltabelle zur Berechnung

Durch Vorauszahlung der Privaten Krankenversicherung kräftig sparen

Die Ausgaben für die freiwillige gesetzliche (GKV) oder die private Krankenversicherung (PKV) stellen mit mehreren hundert Euro jeden Monat einen der größten Posten in der Liste der festen Kosten dar. Dennoch kann es Sinn machen diese nicht nur monatlich, sondern weit im Voraus zu zahlen und damit mehrere Tausend Euro vorab an seinen Versicherer oder die Krankenkasse zu überweisen.

Warum und was es bring?

Ein ganz legaler Steuertick bring eine massive Ersparnis und daher um ein Vielfaches mehr als die derzeit mageren Zinsen bei Geldanlagen. Zudem ist es eine völlig risikolose Variante aus dem eigenen Geld etwas mehr zu machen. Der Grund in dieser Möglichkeit liegt im Einkommensteuergesetz. Seit 2010 lassen sich die Beiträge für die Krankenversicherung teilweise von der Steuer absetzen bzw. werden als Sonderausgaben angesetzt. Dabei werden nicht 100% der Beiträge berücksichtigt, sondern je nach Vertrag etwas um die 70-80%, denn der Gesetzgeber lässt nur die Ausgaben steuermindernd zu, welche der so genannten Basisabsicherung entsprechen. Wer also Wahlleistungen für privatärztliche Behandlung versichert hat, der kann diese genau so wenig absetzen, wie Leistungen für Naturheilverfahren oder weitere Extras. Der Versicherer weisst aber den Anteil des Beitrages extra aus, welcher der Basisabsicherung entspricht.
Normalerweise wird der Beitrag monatlich an den Versicherer überwiesen oder dieser bucht den Betrag im Lastschriftverfahren ab. Wer aber etwas Geld „auf der Hohen Kante hat“, der sollte überlegen ob der nicht Beiträge für die Krankenversicherung im Voraus an den Versicherer überweist.

Für wen kommt es in Frage?

In den Genuss dieser Möglichkeit kommen nicht nur privat verischerte Arbeitnehmer, Selbstständige und Beamte, auch freiwillig in der GKV versicherte können diese legale Steueroptimierung nutzen.
Wer in der GKV als Arbeitnehmer pflichtversichert ist, der kommt leider nicht in den Genuss, denn hier führt der Arbeitgeber monatlich die Beiträge ab und der Versicherte kann sich nicht für eine Vorauszahlung entscheiden.

Wie es geht?

Grundvoraussetzung ist natürlich, das ein Jahresbeitrag oder mehr (bis zu 1,5 Jahren im Voraus ist eine solche Vorauszahlung möglich) erst einmal vorhanden ist. Sind die Mittel für eine sofortige Zahlung verfügbar, so sollten Sie zunächst Ihren Berater oder den Versicherer ansprechen und diesen bitten, eine solche Vorauszahlung zu prüfen. Nicht bei allen Unternehmen ist es machbar die kompletten 2,5 Jahre voraus zu zahlen.

Selbst dann ist eine Ersparnis möglich, denn auch ein Jahresbeitrag im Voraus bedeutet schon eine deutliche Ersparnis. Zudem gewähren die Unternehmen einen Rabatt von 3 bis zu 5% auf den Beitrag, wenn dieser ein Jahr im Voraus gezahlt wird.

Doch der eigentliche Effekt resultiert aus dem Steuerspareffekt. Wer seine Beiträge bis zu 2,5 Jahre im Voraus entrichtet, der kann diese Beiträge schon in der Steuererklärung für 2014 komplett ansetzen. Dadurch sinkt nicht nur die Steuer im aktuellen Jahr, in den kommenden Jahren lassen sich zudem auch noch andere Versicherungen ansetzen, welche sonst unberücksichtigt geblieben werden das die Höchstbeiträge bereits ausgeschöpft worden sind.
Generell lasen sich Versicherungen bis zu 2.800 EUR ansetzen, jedoch ist dieser Betrag meist schon durch die Krankenversicherung ausgeschöpft und so bleiben andere Absicherungen unberücksichtigt.
Schauen wir uns das an einem Beispiel einmal genauer an:

PKV_Vorauszahlung

Was passiert bei Beitragsanpassung?

Falls der Versicherer für die Zeit der im Voraus gezahlten Beiträge eine Anpassung vornehmen muss, so endet die Vorauszahlung hieran nichts. Die bereits gezahlten Beiträge werden in diesem Falle verrechnet und reichen dann vielleicht keine 18, sondern nur noch 17 Monate. (mehr …)