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14.
Februar '19

Beitragsentlastung im Alter für die Private Krankenversicherung


Bereits im Jahr 2011 habe ich in einem Artikel Informationen zur Beitragsentlastung im Alter zusammengestellt. Aufgrund einiger Änderungen, vieler Fragen und immer wieder auftretenden Unklarheiten nutze ich die Gelegenheit um eine Aktualisierung vorzunehmen. Dabei geht es um die oft und wiederkehrende Frage der Beitragsentlastung im Alter.

  • Wie kann ich meine Beiträge stabilisieren?

  • Ist der Abschluss eines Beitragsentlastungsbausteines sinnvoll?

  • Zahlt mein Arbeitgeber auch einen Zuschuss für die Beitragsentlastung?

  • Sinkt durch eine Beitragsentlastung mein Zuschuss der Rentenversicherung im Alter?

  • Was passiert bei Kündigung des Bausteins?

  • Was passiert wenn ich wieder in die GKV zurück muss?

Nicht nur diese Fragen kommen immer und immer wieder und bieten sich daher für eine weitere und genauere Erklärung an. Haben Sie aber weitere Fragen zum Thema Beitragsentlastung im Alter, dann stellen Sie diese gern in den Kommentaren unter dem Beitrag und ich werde Antworten entsprechend ergänzen.

  • Wie kann ich meine Beiträge stabilisieren?

Generell sind beide Systeme zur Gesundheitsvorsorge (also GKV oder PKV) Steigerungen unterworfen. Im System der gesetzlich versicherten ändern sich die Jahresarbeitentgeltgrenze (Werte 2019 hier) und die Beitragssätze der gesetzlichen Kassen. Wer PKV versichert ist, der bekommt über eine Beitragsanpassung ebenfalls die Auswirkungen von gestiegenen Kosten oder geringeren Zinsen, aber eben auch die (erfreulicherweise) steigende Lebenserwartung zu spüren. Hier möchten viele Versicherte vorsorgen und gegensteuern.

EINE, nicht „die“ Lösung, sind so genannte Beitragsentlastungsbausteine in der PKV. Vereinfacht ist dieses eine Art Vorsorgesparen. Sie zahlen heute einen (zusätzlichen) Beitragsanteil an den Versicherer und dieser verspricht garantiert Ihnen hierzu eine monatliche Minderung der Beiträge im Alter.

Geld fließt also heute in den Topf hinein und wird im Alter (ab einem bestimmten Datum, welches Sie bei einigen Unternehmen selbst wählen können) entnommen.

Andere Möglichkeiten sind das Fondsparen, Riester- oder Rürup Verträge, Rentenversicherungen und viele weitere Möglichkeiten Geld anzusparen. Ein großer Unterschied zu allen, nur die Beitragsentlastungskomponente ist arbeitgeberzuschussfähig, dazu aber später mehr.

  • Ist der Abschluss eines Beitragsentlastungsbausteines sinnvoll?

Eine pauschale Antwort ist hier weder sinnvoll noch möglich. Dazu sind die Anforderungen und Verläufe der Versicherten viel zu unterschiedlich, als das es eine allgemeingültige Lösung auch nur ansatzweise geben könnte.

Aber. Es gibt durchaus Konstellationen, da ist ein solcher Baustein (mit all seinen Vor- und Nachteilen) einer anderen Form der Beitragsminderung im Alter vorzuziehen.

Nicht nur (wie oft vermutet) bei Angestellten, auch Selbstständige können von einem solchen Baustein profitieren.

Generell gilt aber auch hier, eine Private Krankenversicherung muss man sich leisten können und wollen. Ausführliche Hinweise und Erklärungen finden Sie hier im Beitrag.

  • Wo ist der Haken?

Wie jedes Modell, jeder Tarif und alles andere auf der Welt hat auch der Beitragsentlastungsbaustein Nachteile. Diese sollten Sie kennen und für sich hinterfragen bevor Sie einen solchen Tarif abschließen oder diesen nachträglich anpassen.

Zu beachten ist hierbei, dass bei dem Modell mit laufender Beitragszahlung (Sie können auch einen solchen Baustein gegen Einmalzahlung abschließen) dieser laufende Beitrag auch in der Entlastungsphase weiter zu zahlen ist. Kostet der Baustein also 50 EUR und Sie bekommen eine Entlastung von 200 EUR, so sind es effektiv nur 150 EUR reale Entlastung.

  • Zahlt mein Arbeitgeber auch einen Zuschuss für die Beitragsentlastung?

Ja, das tut er. Der Arbeitgeber beteiligt sich auch an dem Beitragsanteil, welcher für die Entlastung im Alter sorgt. Das bedeutet vereinfacht, schon heute zahlt Ihr Arbeitgeber einen Teil Ihrer Krankenversicherungsbeiträge im Alter. Dabei ist es völlig unabhängig davon, wo Sie bis dahin noch alles arbeiten und wie sich die Krankenversicherung weiter entwickelt.

Maßhebend dazu ist der Höchstzuschuss des Arbeitgebers. Im Jahr 2019 hat sich dieser durch die Rückkehr zur Paritätischen Versorgung erneut erhöht und auch durch die neue JAEG wird der Zuschuss jährlich nach oben angepasst.

Bis zu einem Maximalbetrag von 351 EUR pro Monat beteiligt sich der Arbeitgeber an der Krankenversicherung. Alle Zahlen und Daten des Jahres 2019 finden Sie hier.

Arbeitgeberzuschuss 2019 und Sozialversicherungswerte 2019

  • Sinkt durch eine Beitragsentlastung mein Zuschuss der Rentenversicherung im Alter?

Auch diese Frage kommt durchaus öfter vor, sei es in Kommentaren oder E-Mails, aber auch im LiveChat hier auf der Seite. Und ja, es kann durchaus passieren. Um zu verstehen warum, schauen wir uns erst einmal die Verteilung des Beitrages im Alter an. Einen Zuschuss von der Rentenversicherung erhält dann derjenige, der dort eine Altersrente bezieht und privat Krankenversichert ist. Dabei ist auch hier eine Obergrenze vorhanden und es werden nicht einfach 50% des Beitrages übernommen.

Ähnlich des Arbeitgeberzuschusses bekommt der Rentner mit einer Altersrente von der Rentenversicherung nun einen Zuschuss zu seiner PKV, wenn er diesen dann beantragt. Die Rentenversicherung Bund hat dazu umfangreiche Informationen auf deren Webseite zusammengestellt und stellt auch die nötigen Formulare bereit.

Erfüllen der PKV Vertrag und der Versicherungsnehmer die Voraussetzungen, so wird bis maximal 50% des Beitrages zur PKV bezuschusst. Dabei ist auch zu berücksichtigen, dass der Beitrag in der PKV im Alter verändert wird. Mit Ablauf des 60. Lebensjahres sinkt dieser um 10%, da dann der gesetzliche Zuschlag entfällt. (Was das ist? Hier nachlesen –> gesetzlicher Zuschlag)

Weiterhin entfällt zum Ende des Erwerbslebens der Baustein zur Krankentagegeldversicherung. Nehmen wir nun an, der versicherte Rentner hat/ hätte einen Beitrag von 700 EUR zu zahlen, was je nach Kaufkraft heute oder zukünftig eine andere Zahl sein kann, als wir uns das heute vorstellen.

Als Rentner bekommt er dann eine (heute hochgerechnete) Rente von 2.500 EUR monatlich. Der Beitragszuschuss richtet sich immer nach dem Betrag, den die Rentenversicherung für eine GKV zahlen müsste, also die Hälfte des allgemeinen Beitragssatzes von 14,6%, also 7,3% + den halben ZUSATZbeitrag (durchschnittlich 0,9%, also 0,45%).

Also bekäme unser Rentner aus dem Beispiel von seiner Rentenkasse einen Zuschuss von:

7,3% + 0,45% = 7,75% * 2.500 EUR Rente = 193,85 EUR ZUSCHUSS

Der Höchstzuschuss beträgt aber maximal 50% des Beitrages zur PKV, also 350 EUR.

Mit einer versicherten Beitragsreduzierung von 400 EUR monatlich sähe das dann etwas anders aus. Hat unser versicherte mit Hilfe seiner damaligen Arbeitgeber immer wieder in die Beitragsentlastung eingezahlt und bekommt nun die Ausbeute, so reduziert sich sein Krankenversicherungsbeitrag.

Sein Krankenversicherer will nun monatlich statt der 700 EUR nur noch 300 EUR Beitrag von ihm. Der Zuschuss der Rentenversicherung sinkt damit aber auf 150 EUR, da 50% die obere Grenze sind.

  • Was passiert bei Kündigung des Bausteins?

Hier sind die Vertragsbedingungen elementar und sollten in jedem Fall vorher beachtet werden. Die Versicherer sehen unterschiedliche Regelungen vor. Theoretisch ist auch eine Mitgabe der gebildeten Rückstellungen an einen anderen Versicherer möglich. Ebenso eine Verrechnung mit laufenden Verträgen. Eine allgemeingültige Lösung gibt es hier aber nicht.

  • Was passiert wenn ich wieder in die GKV zurück muss?

Auch ein Rückkehr in die GKV und damit eine Kündigung der privaten Vollversicherung führt zur Beendigung des Beitragsentlastungsbausteines gem. den vereinbarten Bedingungen.

Ein Beispiel der Hallesche KV und deren Beitragsentlastungsbaustein MBZ flex

4.1.1 Beendigung der substitutiven Krankheitskostenversicherung

Endet die substitutiven Krankheitskostenversicherung, wird die MBZ.flex in Verbindung mit einer beim Versicherer anderweitig bestehenden Krankheitskostenversicherung beitragsfrei weiter geführt. Die vereinbarte Beitragsermäßigung vermindert sich dadurch auf höchstens 100% des zu diesem Zeitpunkt zu zahlenden monatlichen Beitrags zur Krankheitskostenversicherung und beginnt immer in dem Jahr, in dem die versicherte Person das 67. Lebensjahr vollendet.

Hier wird also aus der Voll- eine Zusatzversicherung als Ergänzung zur GKV und die Beitragsentlastung im Alter wird beitragsfrei und greift dann mit 67.

  • Kann ich die Höhe der Beitragsentlastung ändern?

Ja, die Anpassung des Entlastungsbetrages ist bei nahezu allen Unternehmen möglich und auch sinnvoll. Warum? Verändert sich der PKV Beitrag, so ist es sinnvoll auch den Entlastungsbetrag anzupassen.

Aber auch zur optimalen Anpassung an den Arbeitgeberzuschuss ist eine solche Überprüfung regelmäßig sinnvoll.

Mehr Informationen und spezielle Erklärungen zu Tarifen zur Beitragsentlastung finden Sie

HIER unter dem tag –> Beitragsentlastung

19.
Mai '15

Garantierte Rentensteigerung, Leistungsdynamik, Anpassung bei bestehender Berufsunfähigkeit- eine der wichtig(st)en Optionen in der BU-Absicherung


Die Versicherer verwenden völlig unterschiedliche Bezeichnungen dafür, der eine nennt es „garantierte Rentensteigerung“ ein anderer schreibt lieber über „Leistungsdynamik“ und wieder andere verwenden noch andere Namen und Bezeichnungen. Alle haben jedoch eines gemeinsam, sie bezeichnen einen wichtigen Baustein in der privaten Berufsunfähigkeitsversicherung, einen Baustein der die Absicherung für die Zukunft garantieren und aktuell halten soll.

Bereits in der Vergangenheit habe ich über die Möglichkeit einer garantierten Rentensteigerung in der privaten Berufsunfähigkeitsversicherung geschrieben halte diese weiterhin für eine wichtige Option. Hiermit wird die Möglichkeit geschaffen, eine versicherte Rente auch dann zu erhöhen, wenn bereits der Leistungsfall eingetreten ist. Im Gegensatz zu der dynamischen Erhöhung, welche eine Anpassung der Versichertenrente und des Beitrages vor Eintritt des Leistungsfalles ermöglicht, handelt es sich bei dieser Option um eine Rentenerhöhung nach Eintritt der Berufsunfähigkeit. Ist diese Möglichkeit in dem eigenen Vertrag nicht vorhanden, so bedeutet dieses auch, jemand der vielleicht mit Anfang 40 berufsunfähig wird muss mit der Rente zum Rentenalter auskommen.

Wird die versicherte Person erst kurz vor dem Rentenalter berufsunfähig, so reicht die versicherte Rente unter Umständen auch dann aus, wenn diese nicht erhöht wird. Je früher jedoch eine Berufsunfähigkeit eintritt und der Versicherer seine Rentenzahlung erbringt, desto wichtiger wird die Erhöhung. Eine Anpassung der Rente auf eigenen Wunsch ist dann, aufgrund des eingetretenen Leistungsfalles und des Gesundheitszustandes nicht mehr möglich. Diese mögliche Rentenerhöhung soll unter anderem dafür sorgen, dass eine Entwertung des Geldes und/oder eine Steigerung der Lebenshaltungskosten nicht dazu führen muss, dass die versicherte Berufsunfähigkeitsrente zu klein ist. Dazu hier ein Blick auf die Entwicklung der Inflation in Deutschland, angefangen im Jahre 1970.

Inflationsrate

Natürlich gab es auch hier Jahre, in denen die Inflation sehr klein oder (wie 1986) sogar negativ war. Andererseits gab es viele Jahre in denen diese deutlich über 2 % lag. In den Verträgen zur privaten Berufsunfähigkeitsversicherung ist oftmals nur ein feststehender Prozentsatz versicherbar. Einige Versicherer lassen zudem eine Leistungsdynamik zwischen einem und 3 % zu.

Das ist aber ein ganz schöner Mehrbeitrag, warum?

In einer Beratung schrieb mir eine Kundin folgende E-Mail:

Hätte nicht gedacht, dass die Rentensteigerung, die ja nur im Leistungsfall eintritt, so viel an Beitrag kostet.
Die Rente steigt ja nur um 2 % p.a., nachdem man berufsunfähig geworden ist, d.h. wenn mit 66 der Fall eintritt, steigt diese nur noch 1x auf dann 2040 € richtig?
Interessant ist es demnach v.a., wenn man jung BU wird... (…) Garantierte Rentensteigerung im Leistungsfall von 2% p.a. ist uns jedenfalls keine 13,50 € Unterschied im Monatsbeitrag wert

Die Argumentation ist durchaus berechtigt und interessant, denn für denn Versicherer bedeutet die Vereinbarung einer solchen Steigerung eine immens hohe Mehrleistung. Warum das so ist, lässt sich sehr einfach an der folgenden Tabelle ersehen. Unterstellen wir eine versicherte Rente von 2.000 € und eine garantierte Rentensteigerung von 2 % und tritt der Leistungsfall zum Beispiel mit 33 Jahren ein, so bedeutet die Versicherte Option eine Mehrleistung des Versicherers von 359,867 €, bei dauerhaft bestehende Berufsunfähigkeit. In dieser Tabelle lässt sich gut erkennen, wie sich die Rente durch die jährliche Anpassung erhöht und wie hoch der Unterschied zu der Ursprungsrente pro Monat bzw. pro Jahr ist.

Mehrleistung garantiete Rentensteigerung

Selbst wenn die Berufsunfähigkeit „erst“ mit 60 Jahren eintreten sollte, so reden wir immer noch über sieben Jahre, in denen die Rente um jährlich 2 % steigt. Sie später die Berufsunfähigkeit eintritt, desto weniger Jahre bis zum Ablauf sind natürlich vorhanden, um die Rente jährlich steigen zu lassen. Wer natürlich bis zu diesem Zeitpunkt eine dynamische Rentenerhöhung Jahr für Jahr mitgemacht hat, für den ist die Rente zu diesem Zeitpunkt auf ein durchaus ausreichendes Maß gestiegen, der Beitrag natürlich ebenfalls.

Mehrleistung bis 67

Kann ich die garantierte Rentensteigerung nachträglich ein-oder ausschließen?

Wurde bei Vertragsbeginn eine solche Rentensteigerung im Leistungsfall beantragt, kann diese auch wieder ausgeschlossen werden. Die Versicherer haben hierzu unterschiedliche Regelungen, hier zum Beispiel die Aussage in den Versicherungsbedingungen der Alten Leipziger.

Eine vereinbarte garantierte Rentensteigerung kann während der Beitragszahlungsdauer zum Beginn des nächstfolgenden Monats, frühestens zum Schluss des ersten Versicherungsjahrs, verringert bzw. ganz ausgeschlossen werden.

Wer also sich zu Beginn des Vertrages für eine solche Option entschieden hat, durch veränderte Umstände oder durch eine dynamisch angepasste Rente aber nun ausreichend hoch versichert ist oder eigene Rücklagen zusätzlich gebildet hat, der kann diesen Baustein wieder aus dem Vertrag entfernen und zahlt dann weniger Beitrag. Für die Vergangenheit, in der der Schutz standen hat, sind die Beiträge natürlich „verbraucht“. Klar, denn bei eingetretenen Versicherungsfall hätte auch die jährliche Anpassung stattgefunden.

Ein späterer (Wieder-)Einschluss dieser Komponente in den Vertrag führt natürlich zu einer neuen Gesundheitsprüfung, und einem höheren Beitrag.

Ich bin schon versichert, wie bekomme ich diese Option in meinen Vertrag?

Wenn Sie bereits einen Versicherungsschutz haben und eine solche garantierte Rentensteigerung dort nicht enthalten ist, so kann dieses mehr Gründe haben. War eine solche Option bei Vertragsabschluss gar nicht verfügbar, so kann dieser auch nachträglich nicht ohne weiteres eingeschlossen werden. Hierzu müsste dann eine Umstellung heute gültigen Tarife stattfinden, die jedoch ein neues Eintrittsalter und/oder eine neue Gesundheitsprüfung zur Folge. Einige Gesellschaften verzichten bei gleicher Rentenhöhe oder bieten eine vereinfachte Gesundheitsprüfung an. Es gibt durchaus Fälle, wo trotz höherem Eintrittsalters die Prämie gegenüber der ursprünglichen Vertragsgestaltung sinkt, da die Gesellschaften in den letzten Jahren eine differenziertere Berufsgruppen Einstufung eingeführt haben. Daher ist eine generelle Aussage schlecht möglich.

War eine solche Leistungsdynamik schon bei Vertragsabschluss vorhanden, Sie haben sich aber dagegen entschieden, so kann diese mit entsprechender Gesundheitsprüfung heute meist den Vertrag eingeschlossen. Die zu zahlende Mehrbeiträge werden dann ab dem Zeitpunkt des Einflusses erhoben.

Bevor Sie also jetzt voreilig handeln, lesen Sie bitte auch den Beitrag zur Überprüfung einer bestehenden Berufsunfähigkeitsversicherung und schauen sich einmal genau die Auswahlkriterien für die Berufsunfähigkeitsversicherung an.

14.
Januar '14

Steuerlich geförderte Tarif für für die Absicherung gegen Berufsunfähigkeit, besser als ungefördert?


„Ihr Vertrag wird sogar steuerlich gefördert.“

Solche Aussage scheint ja vertrieblich irgendwie das Allheilmittel zu sein. Schon in der Vergangenheit haben einige Vertriebe diese vermeintliche Chance genutzt und Vertragskonstellationen angeboten, wo die Prämien teilweise steuerlich absetzbar waren. Natürlich klingt es gut, einen Teil der investierten Beiträge über die Einkommensteuer wieder zurück zu bekommen. Doch ist es wirklich so gut wie es klingt?

In meinem damaligen Beitrag zur Kombination eines Rürup-Vertrages und der Absicherung gegen Berufsunfähigkeit habe ich bereits ausführlich dazu geschrieben. Doch in diesem Jahr kommt eine neue Konstellation dazu, denn der Gesetzgeber hat im letzten Jahr mit dem Altersvorsorge-Verbesserungsgesetz (AltvVerbG) eine gesetzliche Grundlage geschaffen, nachdem auch die Absicherung gegen Berufsunfähigkeit in bestimmten Konstellationen steuerlich begünstigt wird. Um in den Genuss einer solchen Forderung zukommen sind bestimmte Voraussetzungen nötig.

BU_Produkte

Was genau wird gefördert?

Die staatlichen Änderungen finden sich im Einkommensteuergesetz wieder. Demnach wurde der Paragraph 10 ergänzt, und enthält nun einen Passus zur Förderung von der Absicherung gegen das Risiko Berufsunfähigkeit. Genau heißt es dort:

10 EStG – Art der Aufwendungen

(1) Sonderausgaben sind die folgenden Aufwendungen, wenn sie weder Betriebsausgaben noch Werbungskosten sind oder wie Betriebsausgaben oder Werbungskosten behandelt werden:

2.b) Beiträge des Steuerpflichtigen

bb) für seine Absicherung gegen den Eintritt der Berufsunfähigkeit oder der verminderten Erwerbsfähigkeit (Versicherungsfall), wenn der Vertrag nur die Zahlung einer monatlichen, auf das Leben des Steuerpflichtigen bezogenen lebenslangen Leibrente für einen Versicherungsfall vorsieht, der bis zur Vollendung des 67. Lebensjahres eingetreten ist. Der Vertrag kann die Beendigung der Rentenzahlung wegen eines medizinisch begründeten Wegfalls der Berufsunfähigkeit oder der verminderten Erwerbsfähigkeit vorsehen. Die Höhe der zugesagten Rente kann vom Alter des Steuerpflichtigen bei Eintritt des Versicherungsfalls abhängig gemacht werden, wenn der Steuerpflichtige das 55. Lebensjahr vollendet hat.

Zusammengefasst bedeutet das, ein Vertrag ist nur unter zwei ganz elementaren Voraussetzungen überhaupt förderfähig. Die erste entscheidende Voraussetzung ist die Versicherung mit einer lebenslangen Rente bei Berufsunfähigkeit, die zweite ist das der Versicherungsschutz bis zum gesetzlichen Rentenalter von 67 Jahren bestehen muss. Nur wenn diese beiden Voraussetzungen erfüllt sind, ist überhaupt an eine steuerliche Förderung dieses Vertrages zu denken.

Welche Anbieter bieten solche Verträge an?

Derzeit ist die Antwort ganz einfach: keiner! Die steuerlich geförderten Verträge für die Berufsunfähigkeitsabsicherung sind derzeit nicht vorhanden, das keinen Versicherer gibt der einen solchen Tarif anbietet. Es gibt zwar Anbieter mit Produkten einer „lebenslangen“ Rente, jedoch sind bei diesen die Kriterien auch nicht vollständig erfüllt. Meist handelt es sich um Einschränkungen des Alters oder der konkreten Ausgestaltung der lebenslangen Rente.

Dann doch lieber ein Produkt ohne Förderung?

Aus verschiedenen Kreisen werden die Vorgaben des Gesetzgebers an einer steuerliche Förderung kritisiert, da der Versicherungsschutz stellenweise über das hinausgeht was (versicherungstechnisch) sinnvoll erscheint. Wird einem Versicherungsnehmer eine lebenslange Rente garantiert, die zudem auch noch bis zu dem 67. Lebensjahr eintreten kann, so macht es eine entsprechende Absicherung sehr teuer. Der Grund ist einfach, mit steigendem Alter steigt auch die Wahrscheinlichkeit berufsunfähig zu werden. Gerade die letzten Jahre gehören zu den teuersten Jahren und treiben damit die Prämie in die Höhe. Während man bei einem „normalen“ Vertrag das Endalter entsprechend modifizieren kann, vielleicht dann auf das 65. oder sogar 63. Lebensjahr ausweichen, so geht das bei Verträgen mit steuerlicher Förderung nicht. Das führt in der Praxis jedoch auch dazu, dass die Verträge (so erste Schätzungen) doppelt oder gar dreimal so teuer sein werden als bestehende Produkte.

Wer sich also derzeit Gedanken über eine entsprechende Absicherung gegen das Risiko von Berufsunfähigkeit macht, der sollte sich nicht ausschließlich auf die steuerliche Förderung konzentrieren, sondern sich vielmehr Gedanken zu dem entsprechenden Versicherungsschutz, der Ausgestaltung der Bedingungen und der Qualität der Leistung machen. Es ist viel wichtiger einen ausgewogenen, mit guten Bedingungen versehenen, Versicherungsschutz zu bekommen und es macht daher durchaus Sinn auf eine steuerliche Förderung bewusst zu verzichten.

Wie wähle ich einen „guten Versicherungsschutz“ am besten aus?

Gerade in der Absicherung gegen das Risiko Berufsunfähigkeit und damit in der entscheidenden Absicherung die das Einkommen des Versicherten sichern muss, falls er nicht bearbeiten kann, ist eine sorgfältige Auswahl des Bedingungswerkes das einzig entscheidende. Natürlich ist die  Prämie die am Ende zu zahlen ist wichtig und muss bezahlbar bleiben, auf der anderen Seite nützt ein vermeintlich günstiger Versicherungsschutz Klippen in den Bedingungen überhaupt gar nichts. Im Fall der Fälle würde der Versicherer dann eine Möglichkeit finden nicht zu leisten und alle bereits Zeiten Beiträge wären „futsch“.

Machen Sie sich also rechtzeitig vor Auswahl des sprechenden Versicherungsschutzes und vor allem vor Abschluss eines solchen Vertrages Gedanken darüber, welche Kriterien für Sie wichtig sind. Ich habe Ihnen in meinem „Leitfaden Berufsunfähigkeit“ nicht nur Informationen zusammengestellt, sondern auch unterschiedliche Aussagen aus den Versicherungsbedingungen gegenübergestellt um Ihnen eine Möglichkeit zu geben, diese besser zu verstehen.

Danach sollten sie sich ebenfalls Gedanken machen, welche Rentenhöhe die richtige für Ihre Situation ist. Der  Kriterienfragebogen zur Berufsunfähigkeitsabsicherung soll Ihnen dabei helfen, das für Sie Wichtige herauszufiltern.

Wann soll ich einen Versicherungsschutz abschließen?

Der Versicherungsschutz gegen das Risiko der Berufsunfähigkeit ist nicht nur von dem persönlichen Gesundheitszustand abhängig, insbesondere spielt auch der ausgeübte Beruf (und die damit zusammenhängenden Berufsgruppe), das aktuelle Alter und der gewünschte Versicherungsumfang eine entscheidende Rolle für die Prämie.

Aus diesem Grund macht es Sinn sich möglichst frühzeitig (in jungen Jahren und meist ohne großartige Vorerkrankungen) um einen entsprechenden Versicherungsschutz zu bemühen. Ist das versäumt worden oder besteht derzeit ein Versicherungsschutz der nicht den Wünschen entspricht, so muss geprüft werden wie diese angepasst werden kann. In jedem Falle sollte man sich mit einer solchen Prüfung nicht wirklich viel Zeit lassen, denn weder kennen wir unseren Gesundheitszustand morgen, übermorgen oder in der nächsten Woche noch können wir die Zukunft vorhersagen. Daher gilt ganz vereinfacht: lieber heute als morgen um eine entsprechende Absicherung kümmern.

27.
Mai '13

Berufsunfähigkeitsrenten lieber auf mehrere Anbieter aufteilen, oder „alles bei einem Versicherer“?


Als ich in der letzten Woche über die Frage nach einer ärztlichen Untersuchung und den SuperGau der dabei entstandenen Diagnosen schrieb, kamen sowohl im Blog, auf Facebook oder auch per Mail fragen, ob man nicht lieber den Versicherungsschutz streuen sollte und bei mehren, statt nur einem Anbieter einen Teil der benötigten Rente(n) abschließen sollte.

„Macht es im Fall einer so hohen Berufsunfähigkeitsrente nicht Sinn, diese bei mehreren Anbietern abzusichern? Zum einen ist dann sicher die Beantwortung der Gesundheitsfragen wie beschrieben nicht mit einer ärztlichen Untersuchung verbunden, zum anderen ist dann im Leistungsfall durch die Streuung auf mehrere Versicherer das Volumen je Vertrag je Versicherer nicht so groß.“

BU Kombi

Welche (vermeintlichen) Argumente sprechen dafür?

  • Risikostreuung, vielleicht zahlt der eine, wenn ein anderer (noch) nicht leistet
  • keine ärztliche Untersuchung, da unter der Untersuchungsgrenze
  • alte Verträge die bereits vorhanden sind
  • unterschiedliche Risikoeinschätzungen

Diese Gründe schauen wir uns also einmal genauer an und gucken, was dafür oder eben auch dagegen spricht. Die Risikostreuung ist ein Argument, welches bei einem Aktienkauf sicher eine sinnvolle Option ist, bei der Absicherung der Berufsunfähigkeit ist dieses aber keine, wenn, ja wenn der Schutz sorgfältig ausgewählt wurde und die Bedingungen dem entsprechen, was an Absicherungsbedarf benötigt und gewünscht wird. Ein sauberes Bedingungswerk (beispielhafte Aussagen im Leitfaden zur Berufsunfähigkeit) ist deutlich mehr wert, als im Leistungsfall „an zwei Fronten“ mit Versicherern diskutieren zu müssen, wo dann jeder unterschiedliche Vorgaben zur Leistungsprüfung und den Nachweisen hat/ haben kann.

Der Grund, wenn ich es verteile benötige ich keine Untersuchung, der bringt so bei den meisten Anbietern auch keinen Erfolg. (mehr …)

15.
März '12

ARD Panorama Bericht zur Privaten Krankenversicherung – einseitig, polemisch und zudem schlecht recherchiert


Im Moment ist das hetzen gegen die Unternehmen der Privaten Krankenversicherung und die dort Versicherten ja gerade mal in. Egal ob Bild, Focus Money oder Financial Times, jeder meint was dazu sagen zu können und auch zu müssen. Schade nur, dass ganz oft Tatsachen „vergessen“ werden oder Sachverhalte unvollständig dargestellt sind. Die „böse PKV die nicht zahlt“ klingt ja auch besser als „nicht versichertes Hilfsmittel wird auch nicht erstattet“.

(c) ARD

Auch die ARD hat mit Ihrem Magazin Panorama einen Beitrag hierzu leisten wollen. Entschlossen hat man sich hier mal wieder das Thema „Unbezahlbarkeit der privaten Krankenversicherung im Rentenalter“ zu wählen, das klingt immer schön und zieht viele Zuschauer an. Leider wissen viele nicht, welche Fakten denn eigentlich dahinter stehen, daher hier mal eine Reihe von Fragen und Antworten dazu.

Wer sollte in die Private Krankenversicherung?

Wie bereits in einem meiner älteren Blogbeiträge feststellt, ist die Private Krankenversicherung (PKV) keineswegs für alle geeignet. Selbst wenn Sie es sich finanziell leisten können ist für viele Selbstständige, Existenzgründer und Ich-AG’s die private Krankenversicherung nicht die richtige Wahl. Auch bei Paaren die mehr als zwei Kinder planen, ist genau zu überlegen ob es wirtschaftlich leistbar ist.

Wie ist das nun eigentlich mit den Beiträgen (im Alter)?

Um die beiden Systeme vergleichbar zu machen, gehe ich von folgendem Fall aus.

Ein Angestellter Kunde, derzeit 30 Jahre alt, wechselt von der gesetzlichen Krankenkasse (GKV) in die Private Krankenversicherung (PKV). Nach derzeitiger Planung hat dieser ein Jahresbruttoeinkommen von 55.000 EUR. Im Alter wird er eine gesetzliche Rente (Stand Hochrechnung heute) von 2.000 EUR bekommen, dazu weitere Einkünfte aus Kapitalvermögen, Mieten und einer privaten Rentenversicherung von 1.500 EUR monatlich. In Rente soll unser Modellkunde mit 67 gehen. Weiterhin gehen wir davon aus, das ein eventuell anzulegendes Kapital mit 3% p.a. verzinst wird. Zur Vereinfachung sind keine Beitragssteigerungen und auch keine Anpassungen der Beitragsbemessungsgrenze in der Modellrechnung berücksichtigt, da beide Systeme steigen und es in der GKV Beitragssatzerhöhungen und Anpassung der Grenzen geben kann. (Beispiel: Arbeitgeberzuschuss, Beitragsbemessungsgrenze und Versicherungspflichtgrenze für das Jahr 2012)

1. Zeitraum: 30. bis 40. Labensjahr:

Unser GKV versicherter Kunde zahlt monatlich als Arbeitnehmer knapp 360 EUR Beitrag inkl. der Pflegeversicherung und dem erhören Beitrag für die Kinderlosigkeit in der Pflegevers.
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