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24.
September '19

Private Krankenversicherung – vorsorglich kündigen um dann zu wechseln? Das müssen Sie beachten!


Eine Frage, die sich in den letzten Tagen im LiveChat häuft, denn der 30.09. und damit der letzte Kündigungstermin für die meisten Verträge in der privaten Krankenversicherung rückt näher. Während eine Kündigung in der gesetzlichen Krankenkasse risikolos möglich ist, stellen sich bei privat Krankenversicherten andere Fragen und Herausforderungen. Damit Sie hier nicht in eine Falle tappen, hier einmal einige Fakten dazu zusammengefasst.

Insbesondere schauen wir uns in diesem Artikel an:

  • – wie die Kündigungsfristen sind

  • – wann Sie kündigen müssen

  • – wann und unter welchen Voraussetzungen die Kündigung wirksam wird

  • – welche Risiken bestehen bei einer vorsorglichen Kündigung

  • – gibt es Alternativen

Bei der privaten Krankenversicherung handelt es sich um einen Vertrag, welchen Sie mit Ihrem Versicherer geschlossen haben. Neben den Allgemeinen Versicherungsbedingungen gelten hier die gesetzlichen Grundlagen, so unter anderem das Versicherungsvertragsgesetz.

Wie ist die Kündigungsfrist meiner privaten Krankenversicherung?

Generell gilt in der Privaten Krankenversicherung eine Frist von drei Monaten zum Ende des laufenden Versicherungsjahres. Dabei ist jedoch zu beachten, dass nicht bei allen Unternehmen das Versicherungsjahr auch dem Kalenderjahr entspricht.

So gelten in den meisten Verträgen der Alten Oldenburger, der Barmenia, der BK oder auch der Continentalen nicht das Kalenderjahr, sondern das Versicherungsjahr. Auch Versicherer wie die Debeka, Hallesche oder Inter und auch Signal Iduna oder Universa setzen nicht das Kalenderjahr an.

Möchten Sie einen solchen Vertrag daher wirksam kündigen, so ist dieses mit einer Frist von drei Monaten zum Ende des Versicherungsjahres möglich. Ein Beispiel?

Ihr Vertrag begann am 01. 04. 2018 und Sie möchten diesen kündigen. Dann muss die Kündigung bis drei Monate vor diesem Termin, also vor dem 01. 01. bei dem Unternehmen eingehen. Wären Sie nun aber bei der Continentalen versichert und möchten kündigen, so gilt eine Mindestvertragslaufzeit von 2 Jahren, erst danach können Sie kündigen. Bedeutet in unserem Fall:

Beginn war 01. 04. 2018, zwei Jahre Mindestlaufzeit enden am 01.04.2020 –> Kündigung bis 31.12.2019 mit Wirkung zum 01.04.2020

Haben wir aber einen Versicherer bei dem Versicherungsjahr = Kalenderjahr ist, so ist es etwas anders. Nehmen wir auch hier einen:

Beginn am 01.04.2018 und eine Mindestvertragslaufzeit von 2 Jahren. Diese endet normalerweise am 01.04.2020. Durch die Tatsache der Kündigung zum Ende des Kalenderjahres, ist dieser Vertrag bei einer Kündigung bis 30.09.2020 aber erst zum 01.01.2021 kündbar.

Gibt es andere „besondere“ Kündigungsmöglichkeiten?

Neben der ordentlichen Kündigung gibt es noch einige andere Gründe. So ist

  • – Eintritt der Versicherungspflicht/ Familienversicherung

ein solcher Grund. Dieser kann durch Arbeitslosigkeit (und dem Bezug von ALG I) oder auch durch eine Aufnahme einer nichtselbstständigen Tätigkeit unter der JAEG eintreten. Wer durch das Anheben der Grenze in 2020 unter diese rutscht, auch für den tritt unter Umständen Versicherungspflicht ein. Mehr Details dazu hier. Auch ein

  • – dauerhafter Wegzug ins Ausland

kann ein solcher Grund sein.

Ebenfalls gibt es auch im laufenden Vertragsverhältnis einen Grund, die

  • – Beitragsanpassung

Ändert (erhöht) der Versicherer die Beiträge, so ergibt sich dadurch ein Sonderkündigungsrecht. In diesem Jahr (2019) betrifft das tatsächlich (soweit bekannt) recht wenige Verträge. Bei der größten Anzahl der Vollversicherten erwartet und keine Beitragsanpassung zum 01.01.2020.

Wann und unter welchen Voraussetzungen die Kündigung wirksam wird

Das größte Problem in solchen Fällen ist aber, dass den Versicherten die Voraussetzungen und nötigen Schritte nicht klar sind. Dabei hat sich vor einigen Jahren, mit Eintritt der Versicherungspflicht, einiges geändert. Eine wichtige Grundlage bildet die Versicherungspflicht. Dazu heißt es im Versicherungsvertragsgesetz. Maßgebend sind hier der §205 in Verbindung mit dem §193.

Gesetz über den Versicherungsvertrag (Versicherungsvertragsgesetz – VVG)
§ 205 Kündigung des Versicherungsnehmers
(…)
(6) Abweichend von den Absätzen 1 bis 5 kann der Versicherungsnehmer eine Versicherung, die eine Pflicht aus § 193 Abs. 3 Satz 1 erfüllt, nur dann kündigen, wenn er bei einem anderen Versicherer für die versicherte Person einen neuen Vertrag abschließt, der dieser Pflicht genügt. Die Kündigung wird nur wirksam, wenn der Versicherungsnehmer innerhalb von zwei Monaten nach der Kündigungserklärung nachweist, dass die versicherte Person bei einem neuen Versicherer ohne Unterbrechung versichert ist; liegt der Termin, zu dem die Kündigung ausgesprochen wurde, mehr als zwei Monate nach der Kündigungserklärung, muss der Nachweis bis zu diesem Termin erbracht werden.

und dazu heißt es in §193:

Gesetz über den Versicherungsvertrag (Versicherungsvertragsgesetz – VVG)
§ 193 Versicherte Person; Versicherungspflicht
(…)
(3) Jede Person mit Wohnsitz im Inland ist verpflichtet, bei einem in Deutschland zum Geschäftsbetrieb zugelassenen Versicherungsunternehmen für sich selbst und für die von ihr gesetzlich vertretenen Personen, soweit diese nicht selbst Verträge abschließen können, eine Krankheitskostenversicherung, die mindestens eine Kostenerstattung für ambulante und stationäre Heilbehandlung umfasst und bei der die für tariflich vorgesehene Leistungen vereinbarten absoluten und prozentualen Selbstbehalte für ambulante und stationäre Heilbehandlung für jede zu versichernde Person auf eine betragsmäßige Auswirkung von kalenderjährlich 5.000 Euro begrenzt ist, abzuschließen und aufrechtzuerhalten; für Beihilfeberechtigte ergeben sich die möglichen Selbstbehalte durch eine sinngemäße Anwendung des durch den Beihilfesatz nicht gedeckten Vom-Hundert-Anteils auf den Höchstbetrag von 5.000 Euro. (…)

Das bedeutet, Sie müssen

  • – rechtzeitig (3 Monate vor Ende des Vers.-/ Kalenderjahres kündigen

  • – bis dahin eine Bestätigung der neuen Versicherung einreichen

Nur dann wird Ihre Kündigung auch wirksam und Sie können den Versicherer wechseln.

Mehr Infos und Urteile zur Folgeversicherung finden Sie hier.

Welche Risiken bestehen bei einer vorsorglichen Kündigung?

Jetzt ist es nicht mehr lang bis zum 30. September und einige kommen dann gern auf die Idee: „ich kündige einmal vorsorglich“ und schaue dann weiter.

Während für gesetzlich Versicherte eine Kündigung der GKV risikolos möglich ist, sieht das in der PKV etwas anders aus. Die Kündigung ist zunächst eine einseitige Willenserklärung. Wer also seinem Vertragspartner (hier dem Versicherer) erklärt: „ich will kündigen“, der kann das natürlich tun. Die Vorgaben der Versicherungspflicht erstrecken sich aber nur auf die Leistungen im ambulanten und stationären Bereich. Dabei müssen wir hier genauer die Tarife unterscheiden.

Ich habe einen Kompakttarif (ambulant, stationär, Zahn in einem Tarif)

Besteht Ihre Krankenversicherung aus einem solchen Kompakttarif, also einem Tarif welcher Leistungen für ambulante, stationäre und zahnärztliche Leistungen enthält (zum Beispiel der AZP Tarif oder KVS der Hanse Merkur), dann ist nur eine Kündigung des kompletten Tarifs möglich. Reichen Sie hier die Folgeversicherungsbestätigung dann nicht ein, so wird auch diese Kündigung für alle (ambulant, stationär, Zahn) Teile NICHT wirksam. Ihr Risiko für die Kündigung ist also sehr begrenzt. (siehe Abschnitt „Kündigung zurückziehen“)

Ich habe einen Kompakttarif (ambulant + stationär in einem Tarif und einen Zahnbaustein)

Sind Sie aber zum Beispiel im AXA VITAL Tarif versichert und haben auch den Zahnbaustein ZPro versichert, so sieht das anders aus. Durch die Kündigung wird die Axa Ihnen diese vorsorglich für den VITAL bestätigen (Sie müssen ja noch einen Nachweis der Folgeversicherung erbringen), für den Zahnbaustein aber erfolgt die Bestätigung sofort, da dieser nicht der Pflicht unterliegt.

Damit ist die Kündigung für den Zahnbaustein zum Ablauf des Versicherungs-/ Kalenderjahres wirksam.

Ich habe einen Bausteintarif (einzelner Tarif für ambulant, stationär und Zahn)

Wer bei der Süddeutschen Krankenversicherung (SDK) oder zum Beispiel auch bei der Alten Oldenburger versichert ist, der hat so genannte Bausteintarife. Das erkennen Sie, wenn Sie einen ambulanten, einen stationären und einen Zahnbaustein haben. Auch wenn diese in einem Vertrag sind und nur eine Nummer haben, so unterliegen nicht alle Bausteine der Versicherungspflicht.

Heißt aber auch hier: Kündigen Sie den Gesamtvertrag, so müssen Sie (nur) für ambulant und Zahn einen neuen Schutz nachweisen und nur diese Kündigungsteile sind solange schwebend unwirksam. (bzw. richtiger: sie werden erst mit Nachweis der Folgeversicherung wirksam.

Krankentagegeld

Ebenfalls problematisch sind damit hohe Krankentagegelder, wie diese bei Angestellten über der JAEG durchaus üblich sind. Nehmen wir auch hier eine Kündigung an, welche der Versicherer schnell bestätigt. Vielleicht auch deshalb, weil Sie Vorerkrankungen haben und er durchaus „froh ist“, das Risiko los zu werden. In der gesetzlichen Krankenversicherung existiert (aufgrund der Beitragsbemessungsgrenze) eine Begrenzung des Krankentagegeldes. Die Berechnung finden Sie unter dem Punkt „Krankentagegeld„.

Alle Teile des Versicherungsschutzes, welche somit nicht der Pflicht unterliegen, werden daher sofort gekündigt. Auch Bausteine zur Pflegeergänzung, Beitragsentlastung, Kurtagegelder, Krankenhaustagegeld, Optionen oder Auslandsbausteine. Nur die, die der Pflicht genügen müssen, sind unter dem Vorbehalt des Nachweises der Folgeversicherung.

Dann ziehe ich meine Kündigung zurück?

und genau hier beginnt das Problem. Eine Kündigung ist, als einseitige Willenserklärung, dann wirksam. Möchten Sie hier Ihre Meinung ändern und doch bei dem alten Unternehmen bleiben, so ist das Ihr gutes Recht. Aber:

  • – der Versicherer muss einer Rücknahme zustimmen (Ausnahme: Versicherungspflichtbausteine)

  • – der Versicherer kann einen neuen Antrag und neue Gesundheitsangaben verlangen

  • – er führt eine neue Risikoprüfung durch

  • – er bewertet ggf. alles was er aus dem Vertragsverlauf weiß

Das bedeutet auch: Selbst das, was in dem neuen Antrag nicht mehr anzugeben wäre (da die Fristen vorbei sind), selbst das kann der Versicherer hier berücksichtigen. Hatten Sie vor 8 Jahren eine Krebserkrankung und nun müssen Sie nur noch 5 Jahre rückwirkend angeben, so mag das für andere Unternehmen stimmen. Der eigene Versicherer wird diese Information natürlich verwerten.

Kündigung möglich – aber bitte überlegt!

Wenn Sie also die Absicht haben noch vor dem 30. September zu kündigen, dann sollten Sie das überlegt tun. Gelingt es Ihnen nicht einen neuen Schutz zu erhalten und diesen auch final beantragen zu können, so überlegen Sie sich eine Kündigung (also eine vorsorgliche) bitte gut.

Zu oft werden schnell neue Verträge geschlossen und alte beendet und das, ohne die Risiken zu kennen. Auch das Risiko von zwei Verträgen beachten Sie bitte.

Vordrucke für eine Kündigung habe ich Ihnen im Downloadbereich unter „Kündigungsvordrucke“ zusammengestellt. Aber wie gesagt, lassen Sie sich beraten und überlegen genau.

Weitere Informationen finden Sie auch unter den Punkten:

23.
Mai '19

Axa Krankenversicherung mit neuem Tarif ActiveMe – Innovation oder Flop? Eine ausführliche Analyse


Da sitze ich nun hier. Warte seit Wochen gespannt auf die angekündigte und innovative Krankenversicherung der Axa. Ein neuer Vollkostentarif soll es werden. Seit einigen Wochen rührt die Axa die Werbetrommel bei den Vermittlern und verspricht Innovation, Veränderungen und eine Anpassung an die neue Zielgruppe der Axa. Man wolle ein Gesundheitsversicherer werden, kein Krankenversicherer.

Klingt besser, wird wohl bei einem innovativen Marketing-meet-up herausgekommen sein. Aber lassen wir uns überraschen, dachte ich.

Nachdem dann gestern die ersten Unterlagen eintrudelten, sahen diese auch ganz vielversprechend aus. OK, es ist weiterhin aus Sicht der Versicherer nicht nötig dem Makler oder Berater Bedingungen zu schicken, es reicht aus Prospekte und Sales Seiten zu verlinken. Nur dank eines direkten Kontaktes liegen mir die Bedingungen vor. Die Axa selbst hat in dem innovativen Newsletter nur Prospekte verteilt und recht nichts sagende Sales-Seiten verlinkt. (Wollen Sie mal schauen? aber pssst!)

In der Vergangenheit hatte die Axa ja ein weniger glückliches Händchen mit der Krankenversicherung. Versagen in der Kalkulation, Treuhändlerstreit und mehr Baustellen als man bedienen kann. Aber das ändert sich nun. Mit dem neuen und innovativen Vollkostentarif.

Mit dem neuen Tarif möchte man sich wandeln. Von der reinen Kostenerstattung, hin zu einem Gesundheitsdienstleister.

Tarif ActiveMe – Bonus für…

  • – Nichtraucher
  • – Sportler
  • – Blutspender
  • – Kranke in speziellen Programmen

So will man locken, mit Geld. Jeder der bestimmte Kriterien erfüllt, bekommt welches. Ganz unabhängig von der Leistungsfreiheit im Tarif und der normalen Rückerstattung. Solange es jeder auch in der Steuer angibt, alles gut.

Tarif ActiveMe – Bedingungen eher „geht so“

Nicht schlecht, das möchte ich damit keinesfalls pauschal sagen, aber auch nichts welches besonders innovativ ist oder den Namen „Innovation“ verdienen würde.

Aber ich habe es nicht in eine Analyse mit über 3.000 Worten geschrieben, damit ich es hier in den Beitrag nochmals schreibe. Daher bin ich einfach so frei und verlinke Ihnen hier die vollständige

Tarifanalyse AXA ActiveMe

Als kostenfreie PDF zum Download. Bei einem heißen Kaffee und mit ganz viel Spaß beim Lesen. Lehnen Sie sich zurück, schnappen sich den Ausdruck und lesen!

Weitere Unterlagen zum AXA ActiveMe Tarif

Ein etwas vorweg gegriffenes…

Fazit

Zunächst noch einen Blick auf eine andere Formulierung, welche ich noch nicht ansprach. Die Axa hat natürlich, allein schon weil man es dann bewerben kann, eine Beitragsbefreiung bei Elternzeit. Zumindest schriebt man das.

Schauen wir uns die Regelungen dann unter Punkt E.) in den Tarifbedingungen an, werden schnell die Einschränkungen klar.

Während der ersten 2 Monate des Bezuges von Elterngeldreduziert sich der für diesen Tarif zu
zahlende monatliche Beitrag um 50%. Die Beitragsreduzierung gilt nur für die versicherte Person, die Elterngeld bezieht und nur, wenn für die Person keine besonderen Bedingungen für Personen in Berufsausbildung bestehen. Der Antrag auf Reduzierung des Beitrages ist innerhalb von 3 Monaten nach Bezugsbeginn des Elterngeldes zu stellen und nachzuweisen. Die Beitragsreduktion ist ausgeschlossen, wenn bei Beantragung dieses Tarifes die Schwangerschaft bereits festgestellt oder das Kind bereits entbunden wurde.

ZWEIganze Monate und zudem natürlich nur für den Tarif selbst, nicht für den Zahnschutz, nicht für andere Bausteine. Aber klar, bewerben kann man es nun natürlich.

In Summe betrachtet ist der Tarif ganz nett und sicher durchaus eine Option für bisher AXA Versicherte. In der Hoffnung hier die Beiträge besser in den Griff zu bekommen und die Kalkulation sauber durchdacht zu haben, keine so schlechte Wahl.

Innovationen suche ich auch nach dem dritten Lesen noch. Neu ist außer ein wenig Bonus, der Zuschuss zu einer App (z.Bsp. bei Tinitus, 19 EUR monatlich nach ärztlicher Verordnung) oder auch einem Bonus bei Nichtrauchern nicht wirklich etwas.
Was hier als Innovation verkauft und angekündigt wird, haben auch andere Mitbewerber, teilweise sogar schon lange.

Bonuszahlungen sind möglich bei Nichtrauchern, einem passenden BMI, Teilnahme an Impfungen, Sport oder Blutspenden oder bei Patientenprogrammen bei bestimmten Erkrankungen.

14.
Juni '17

Meine Kollegen/ Freunde sind bei … versichert. Warum Freunde und Bekannte kein guter Ratgeber bei der Auswahl der privaten Krankenversicherung sind


Der Dschungel der Tarife in der privaten Krankenversicherung ist oftmals schier unübersichtlich und kaum zu überblicken. Da ist es nur verständlich, wenn Sie versuchen sich bei der Auswahl einiger Hilfsmittel zu bedienen. Neben Onlinevergleichsrechnen, welche zumindest für die private Krankenversicherung ungeeignet sind, stützen viele Interessenten ihre Entscheidung auf den Rat von Freunden, Bekannten und Kollegen.

„Wenn meine Freunde/Kollegen dort versichert sind, dann kann es ja nicht schlecht sein, diese sind bei Gesellschaft XYZ zufrieden“. 

Warum solche Hinweise und Tipps aber eher fatale Folgen haben können und für die Entscheidung für oder gegen einen Tarif und eine Gesellschaft nicht geeignet sind, das schauen wir uns einmal im Detail an.

Beginnen wir mit der Gesellschaft oder den Tarif, in dem die Bekannten und Freunde versichert sind. Bevor sie sich also auf so eine Empfehlung verlassen, machen Sie sich Gedanken zu folgenden Fragen:

  • –  Wie wurde der Versicherungsschutz ausgewählt?
  • –  Warum sind die Kollegen dort versichert und welche Alternativen gab es?
  • –  Welche Vorerkrankungen bestanden bei den Kollegen?
  • –  Hatten diese schon Zusatzversicherungen dort?
  • –  Wie und durch wen erfolgte die Beratung?

Eine der wichtigsten Fragen, um eine solche Empfehlung hier bewerten zu können ist die, wie denn bei den Freunden der Versicherungsschutz ausgewählt wurde. Gab es eine Beratung durch einzelne Versicherungsvertreter einer Gesellschaft, wurde vielleicht ein Makler oder ein anderer Berater gegen Honorar genutzt?

Lesetip: Wo bekomme ich unabhängige Beratung in Finanz- und Versicherungsfragen?

Welche Anforderungen und welches familiäre und berufliche Umfeld lagen der Beratung zu Grunde, sind diese Kriterien zu 100 % mit Ihren vergleichbar? Oftmals stellt sich dann gleich die Frage, wie Sie es beurteilen sollen, kennen Sie doch all diese Kriterien und Anforderungen aus der damaligen Beratung gar nicht. Ganz vereinfacht gefragt: Kaufen Sie das gleiche Auto, das gleiche Haus und/ oder sieht Ihre Wohnungseinrichtung auch so aus wie die Ihrer Kollegen?

Nicht? Warum nicht?

Weil Sie Ihren eigenen Geschmack haben? Weil Sie individuell sind? Weil Sie Kinder haben oder wollen, die Kollegen und Freunde vielleicht nicht?

Sehr schnell merken Sie nun, eine Beratung einer Person ist nicht auf die andere übertragbar. Selbst wenn es Übereinstimmungen gibt, wenn Kriterien wie

  • –  beruflicher Status (angestellt oder selbstständig)
  • –  Einkommen
  • –  Ausbildung

übereinstimmen, so ist die Anforderung an einen passenden Versicherungsschutz doch etwas ganz anderes. So individuell wie ein Haus, eine Einrichtung, der eigene Geschmack, so individuell ist auch die Auswahl des Versicherungsschutzes.

„Aber die Abwicklung bei Gesellschaft XYZ ist gut, mein Kollege bekommt alles erstattet“

Auch dieses ist ein beliebtes Argument. Wird doch von vielen befürchtet keine ausreichende Erstattung im Leistungsfall zu bekommen, lange hinter Rechnungen und deren Erstattung hinterher zu laufen und dann am Ende Ärger zu haben? So werden bereits versicherte immer mal wieder gefragt, wie zufrieden diese denn sind. Werden Rechnungen abgerechnet und schnell bezahlt? Gab es Probleme bei der Abrechnung oder prüft der Versicherer zu streng und fragt viel?

Gerade bei jüngeren Kunden die bereits privat versichert sind kommt dann schnell die Aussage „Ich bin zufrieden mit meiner PKV“. Hinterfragen Sie bitte solche Aussagen, hinterfragen Sie insbesondere aufgrund welcher Daten, (mehr …)

05.
Mai '17

Der Focus glänzt mal wieder mit Wissen über die Private Krankenversicherung – nicht


Eigentlich habe ich mir abgewöhnt falsche und unsinnige Aussagen in Presseerzeugnissen zu kommentieren, dieses „tote Papier“ ist leider sehr anfällig für „schnelle Recherche“ und reißerische Aussagen, was nicht bedeutet es wäre im Internet anders. Als ich heute am Flughafen an einem Zeitungsstand vorbeilief, fiel mir dieser Titel der aktuellen Ausgabe des „Focus Magazins“ auf, mit dem Titel:

„Zwei-Klassen-Medizin … und wie Sie trotzdem die perfekte Behandlung bekommen“

(c) Focus, Titelbild der Ausgabe vom 29.04.2017

Ergänzt wurde das Cover dann noch mit einem gelben Sticker „113 Versicherer im Test – Was Ihre Kasse jetzt noch zahlt“.

Hier geht das Elend schon wieder los. Was ist die Intention? Um was wird es wohl in dem mehrseitigen Artikel und der langen Tabelle gehen? Um Krankenversicherer, also private? Oder doch um Krankenkassen, also gesetzliche?

Und warum eigentliche „Was Ihre Kasse jetzt noch zahlt“, ich kann mich nicht erinnern, es habe gerade jetzt eine größere Kürzung oder Leistungsreduktion in der gesetzlichen Kasse gegeben? (Eher Veränderungen zu Gunsten der Versicherten, im Heil- und Hilfsmitelgesetz) Aber gut, der Autor oder besser die beiden Autoren, Kurt-Martin Mayer und Matthias Kowalski, werden sich schon etwas dabei gedacht haben. So ein Titel bringt vielleicht Leser, Leser die etwas über die Unterschiede der einzelnen Versicherer erfahren möchten und sich Hilfe bei der Auswahl erhoffen.

Da es bekanntlich unhöflich ist, eine Zeitung schon „ungekauft“ um Geschäft zu lesen, wird der eine oder andere diese 4,20 Euro sicher investiert haben. Kleiner Tipp falls noch nicht geschehen- lassen Sie es bleiben.

Allein der Anspruch in einem Artikel einen sinnvollen Vergleich anstellen zu wollen, einen mit den Leistungen der 113 Krankenkassen, wovon Sie eine Reihe nur nutzen können falls Sie in bestimmten Bundesländern leben, ist leicht irrwitzig. Aber vielleicht erwarten Sie ja auch etwas anderes? Eine Erklärung warum es zur Zwei-Klassen-Medizin kommt, eine Aussage zu den privaten Versicherungen und deren Tücken, dann haben Sie leider etwas hohe Erwartungen und wissen wohl um den Unterschied zwischen privaten Versicherungen und gesetzlichen Kassen, vielleicht mögen Sie es den Autoren einmal schreiben.

Einen Tarifvergleich kann man nicht in eine Zeitung pressen, Unterschiede zu Systemen und Informationen über die Modelle der beiden Wege im Gesundheitswesen, der gesetzlichen Krankenkassen und privaten Krankenversicherung aber schon. Nach einer nichtssagenden Titel-Doppelseite auf 73 und 74 geht es auf Seite 75 nun los mit dem Text.

Los geht es schon vor dem Text mit einem Klischeebild. Ein Wartezimmer im Look einer Zigarrenlounge, eines welches (so die Bildbeschreibung) ein Berliner Zahnarzt für seine Privatpatienten anbietet. Klar gibt es sowas, kenne ich aus eigener Erfahrung. Aber ist das ein Grund so meinen Zahnarzt auszuwählen? Sicher nicht! Wer meinen Artikel zu der Versorgung mit Implantaten gelesen hat,

LINK: Implantate, Narkose und die Erfahrung und Erstattung der PKV

der hat auch gesehen, was der Arzt dort abgerechnet hat. Keinen Höchstsatz, keinen Schnickschnack und dennoch hat er (so ein Kollege) eine sehr gute Arbeit abgeliefert und eine durchaus ansehnliche Praxis, einen OP, aber eben kein Zigarrenzimmer. Wer darauf Wert legt, der kann dieses aber natürlich nutzen. Am Ende sind es Komfortleistungen für die bezahlt wird/ werden muss. Ein Berliner Orthopäde bei dem ich einmal war, hatte zwei Wartezimmer, eines für PKV Versicherte und Selbstzahler und eines für GKV Patienten. Warum? In dem einen stellte er Kaffee und Softdrinks kostenfrei, im anderen selbige gegen Bezahlung zur Verfügung. Es ist am Ende eine Frage der Wirtschaftlichkeit. Eine zwingend erforderliche Dienstleistung ist es sicher nicht.

Nach der Geschichte über die Brustkrebspatientin und den Gentest (den so die meisten Kassen nicht bezahlen (dürfen), geht es dann weiter.

Zwei Rubriken oder Spalten fallen mir auf den ersten Blick auf, überschrieben mit:

Für wen lohnt sich die private Krankenkasse?

und

„Für wen lohnt sich die gesetzliche Krankenkasse“

Abgesehen davon, dass schon der Ansatz falsch ist, es geht eben nicht um lohnen. Also um „mehr raus zu bekommen“ als einzuzahlen, es geht um eine passende Absicherung der Leistungen, die mich privat an meine finanzielle Grenze bringen und diese übersteigen.

Die Besonderheiten der Privaten Krankenversicherung

Daher geht es auch in der privaten Krankenversicherung nicht um Brillenleistungen oder ein Krankenhaustagegeld, es geht um elementare und wichtige Leistungen bei schweren Unfällen, dauerhaften Erkrankungen und hohen kosten. Mehr dazu habe ich aber schon in meiner Rubrik

Auswahlkriterien für die Private Krankenversicherung

erklärt und zusammengefasst. Doch der Focus glänzt nun unter der Überschrift „wann sich die private KV lohnt“ mit falschen Aussagen.

„Beamte müssen sich (noch) privat versichern, Selbstständige und Besserverdienende haben die Wahl.“

Ach ja? und warum „noch“? Alle derzeit angedachten Änderungen und Pläne gehören in die Schublade „Wahlkampf“. Davon habe ich in meinen 20 Jahren in der Tätigkeit schon einige gesehen, gelesen und wieder sterben sehen. Wo genau hat der Focus denn diese Aussage her? Auch Beamte müssen nichts. Wer als Beamter in der gesetzlichen Kasse bleiben möchte, der kann das genauso guttun. Eine Pflicht zur Privaten Krankenversicherung gibt es für Beamte ebenso wenig, für andere. (unter bestimmten Voraussetzungen und Vorversicherungszeiten kann es möglich sein, keinen Zugang zur GKV zu haben, das sind aber die Ausnahmen)
Selbstständige und Freiberufler die keine Voraussetzungen für eine Pflicht in der GKV erfüllen, können sich frei entscheiden in welches System diese wollen. Eine solche Entscheidung kann aber langfristig bindend sein und sollte daher gut überlegt sein, schrieb ich bereits im Artikel:

„Eine private Krankenversicherung muss man sich leisten können und wollen.“

Weiterhin kommt der Focus mit einer anderen Idee um die Ecke, einer die gleich zwei Fehler enthält. Er schreibt:

„Nur bis zu einem Alter von 35 ist ein Eintritt in die Privaten erwägenswert und nur ohne gewichtige Vorerkrankungen. Sonst drohen Behandlungsausschlüsse oder Risikozuschläge.“

Lieber Focus, einem 40jährigen, gutverdienenden Angestellten ist es nach Eurer Auffassung verboten in die PKV zu wechseln? Jetzt wo er Geld hat, jetzt wo er merkte wie wichtig ihm Gesundheit ist und vielleicht wo Entscheidungen zu Kinderwunsch und Familie gefallen sind? Diese generelle Altersgrenze ist Unsinn.

Klar gilt, je früher desto besser. Aber seien wir mal ehrlich, die Einkommensgrenzen und damit die Wahl hat der Versicherte nicht mit 18 oder 20, sondern erst später. Eine entsprechende Vorausschau und damit die Nutzung von Anwartschaften und Optionen sichert entsprechende Rechte und ermöglicht auch später eine begründete und fundierte Wechselentscheidung.

Und gleich noch etwas. In der privaten (Voll-)Krankenversicherung gibt es keine Ausschlüsse oder Beschränkungen der Leistungen durch Vorerkrankungen. Höhere Risiken werden mit einem Angebot eines Riskozuschlages ausgeglichen, aber Leistungen werden NICHT ausgeschlossen. Es wäre auch fatal, würde der Kunde mit einer Verletzung des Knies bei einem Antrag eine PKV bekommen, die „Leistungen bei Behandlungen der Knie“ ausschließen würde. Daher ist dieses- schon allein wegen der Pflicht zur Versicherung- nicht möglich. Ein fehlender Zahn bei Antragstellung kann- für den ersten Zahnersatz- ausgeschlossen werden, das ist soweit auch richtig, denn das brennende Haus ist einfach nicht mehr gegen Feuer versicherbar.

Laut Focus liegen die „Stärken der PKV“ in den Bereichen: „Zahn-Inlays, Heilpraktiker, Vitamine, Privatkliniken, weltweiter Schutz und Mehrleistungen der privaten Pflegeversicherung“.

Autsch, da hat aber einer das System so gar nicht verstanden. Zahn-Inlays, OK, das mag gerade noch so sein. Heilpraktiker auch, wobei diese ja selbst in der folgenden GKV Leistungstabelle als neue Stärke der GKV angepriesen werden.

Aber VITAMINE?? Was bitte soll das? Nahrungsergänzungen sind auch in der PKV nicht mit einer medizinisch notwenigen (und das ist zwingende Voraussetzung) Behandlung zu verwechseln. Klar gibt es Diagnosen und Stoffwechselerkrankungen, hier bekommen aber auch GKV Versicherte mit passenden Diagnosen eine Leistung.

Mehrleistungen in der Pflegeversicherung? Ja, in einer Pflegezusatzversicherung mit Pfegetagegeld, Pflegerente und Pflegekosten. Diese Zusatzversicherung ist jedoch auch für jeden gesetzlich versicherten Kunden abschließbar. Die Leistungen der Pflegepflichtversicherung sind hingegen identisch, nur die Prämien sind andere.

Stärken der Privaten liegen sicher eher in der Wahl- und Kombinationsmöglichkeit, in der Anpassbarkeit des Schutzes an den Bedarf und der Garantie der Leistungen laut Vertrag. Kein Bundesausschuss und auch kein Gesetzgeber können diese Leistungen hier reduzieren oder anpassen, wenn der Versicherte das nicht will.

Als Schwächen werden dann (zugegeben richtig) eine oft nicht transparente Beitragskalkulation und komplizierte Wechselmöglichkeiten genannt. Hier sind Berater und Versicherer gefragt und durchaus auf einem guten Weg. Warum nun hier schwache „Kurleistungen und Leistungen bei Psychotherapie“ genannt werden, nun gut. Auch hier ist die Frage: Was will ich als Versicherter? Welche Leistungen sind mir wichtig, genau die sollte ich auch absichern. Und nein, der Hinweis auf eine Vergleichsplattform ist keine adäquate Beratung. Auch Tabellen und Test sind generell hierbei ungeeignet.

Gleiche Betrachtung bei der GKV- Stärken und Schwächen

nach FOCUS Meinung.

Stark soll die GKV deshalb sein, weil diese sich „wegen der kostenlosen Familienversicherung besonders für große Haushalte rentiert“. Oh, genau das ist leider auch in vielen Bereichen das Problem. Das „Rosienenpicken“. Solange ich aus der PKV mehr raus bekomme nutze ich die, dann später die GKV? Mehr Infos dazu auch in meinem Beitrag:

„Mein Kind muss ja dann auch in die PKV“

Und für Besserverdienende lohnt sich die GKV, meint der Focus. Warum? Weil der Beitrag ab einem Einkommen von 4.350 Euro (als Grenze der Beitragsbemessung) nicht weiter steigt. Ah, super Idee lieber Focus. Blöd nur wenn die Grenze, wie in den letzten 20 Jahren, nahezu jährlich erhöht wird. Dazu kommen Zusatzbeiträge und damit steigende Höchstbelastungen in der GKV.

Die Abrechnung über Chipkarte, das Angebot von Gesundheitskursen und ein 18-Monate Wechselrecht sind tatsächlich Merkmale und teilweise sogar Stärken der GKV, unumstritten. Die PKV muss man wollen, das System PKV muss man verstehen und wollen und auch die „Mehrarbeit“ muss man verstehen, den Arzt auch einmal kritisch hinterfragen und sich im Klaren sein was genau man sich dort kauft.

Warum dann aber bei den Stärken der Privaten stand:

„Vorteile für weibliche Singles. Single-Frauen genießen in den Unisextarifen der Privaten einige Vorteile“

kann uns wohl auch nur einer der beiden Autoren erklären. Empfehlenswert hier vielleicht ein Gespräch mit einem Aktuar oder anderen Fachleuten zum Thema Kalkulation der PKV.

Aber wenigstens bei den Schwächen der GKV scheint man sich belesen zu haben. So werden Wartezeiten beim Arzt, viele Zuzahlungen, „wirtschaftliche Leistungen“ und Rentenbeiträge angesprochen. Auch der Hinweis auf die Beitragshöhe und Änderungen durch die Politik sind da, na wenigstens etwas.

Noch zur Erklärung:

Was zahlt die gesetzliche Kasse?

Regelungen welche Leistungen in der gesetzlichen Krankenkasse bezahlt werden (dürfen) finden sich im Sozialgesetzbuch V. Dieses schreibt eine medizinisch notwenige und wirtschaftliche Versorgung vor, eine wirtschaftliche bedeutet aber auch, keine unsinnigen, umstrittenen und nicht nachgewiesenen Methoden zu bezahlen. Der große Nachteil: Der so genannte „gemeinsame Bundesausschuss“ tagt im Verborgenen und entscheidet über die Hinzunahme oder das Herausstreichen von Behandlungsmethoden für gesetzlich Versicherte. Eine Einzelfallprüfung, also eine Entscheidung für einen Patienten erfolgt so nicht, es geht eher um einen generellen Leistungskatalog. Das bedeutet aber auch, es ist ein langwieriger Prozess und nicht immer bei nachgewiesener Sinnhaftigkeit schafft es eine Methode auch in den Katalog der GKV.

Darüberhinausgehende Leistungen sind der Kasse nur unter bestimmten Voraussetzungen erlaubt. So erntete die Techniker Krankenkasse erst kürzlich einen gewaltigen „Shitstorm“ im Netz, nachdem diese Kosten für eine homöopathische Behandlung übernehmen will. Der Aufreger dabei? „Ihr verschwendet meine Gelder.“ „Ich will nicht meine Beiträge für solchen Unsinn und ohne Wirksamkeit verschwendet wissen.“ Nachvollziehbare Gedanken? Vielleicht. Aber am Ende entscheidet die Kasse nur über einen sehr, sehr kleinen Teil des Leistungskataloges. Dennoch resultieren hieraus Zusatzleistungen. Dazu zählen zum Beispiel.

  • – zuzahlungsfreie Medikamente
  • – Brillen bei Kindern für den Sport
  • – Mehrleistungen bei Kieferorthopädie
  • – erweiterte Kostenübernahme bei Vorsorgeuntersuchungen
  • – Mehrleistungen bei künstlicher Befruchtung
  • – Zuschuss zu alternativer Medizin
  • – Gesundheitskurse
  • – Osteopathie und vieles mehr

Dazu bieten verschiedene Kassen besondere Services an. Kooperationsärzte mit schnellen Terminen, Hilfe bei dem Einholen einer Zweitmeinung, Hebammenzuschüsse und vieles mehr, aber alles im Vergleich zu den normalen Leistungen eher ein kleiner Teil. Durch solche Leistungen heben sich Kassen von den anderen ab, bieten einer bestimmten Zielgruppe bestimmte Leistungen.

Die dann aufgestellte Tabelle bewertet in Rubriken die allgemeinen Services, digitale Zusatzleistungen, Spartarife und Mehrleistungen und listet einige Besonderheiten der Kasse auf. Eine Hilfestellung wer eine neue Kasse sucht? Ja- eine kleine. Dennoch wird es schwer all diese Leistungen in eine Tabelle zu pressen, daher haben Vergleichsportale und digitale Assistenten bei der Kassenauswahl die Nase hier vorn. Ein Beispiel? Der Kassenfinder…

Auch zu dem Thema

„Wie komme ich aus der privaten Versicherung wieder heraus“

haben die Autoren eine eigenwillige Meinung.

So schrieben sie auf der Seite 78 in der weiteren Spalte dann auch gleich:

„Wer längere Zeit weniger als 57.600 € verdient“ kann zurück in die GKV. Der Satz „Umstritten ist, wie lange man unterhalb dieser Grenze bleiben muss. Ein Jahr kann dafür reichen, manchmal sind zwei gefordert“

Manchmal? Kann reichen? Was genau ist an einem Gesetz, den Hinweisen des GKV Spitzenverbandes und klaren Aussagen nicht zu verstehen? Nach Eurer Auffassung lieber FOCUS ist es Würfeln? Also mal ein, mal zweimal weniger Jahre?

Artikel: Änderungen der GKV und Hinweise dazu

Schade, ein Blick ins Gesetz erleichtert die Rechtsfindung, hat mal jemand gesagt (ich habe vergessen wer). Wird eine Versicherungspflicht ausgelöst, dieses kann auch durch einen Tag Arbeitslosengeldbezug passieren“, kann gem. SGB V danach die Weiterversicherung erklärt werden. Diese Weiterversicherung ist an Voraussetzungen und Vorgaben gebunden,welche im Paragraphen 9 des Sozialgesetzbuches V geregelt sind. Natürlich sind reine Umgehungstatbestände notfalls rechtlich zu prüfen, aber die Aussage im Artikel ist so schlichtweg Unsinn. Auch die Aussagen zur Familien-GmbH und zur Aufgabe der selbstständigen Tätigkeit (die dann laut Artikel nach einem Jahr eine Familienversicherung ermöglicht) ist so leider… Unsinn!

Mit dem Thema Versicherungspflicht und die Rückkehr in der GKV sind Spezialisten und Experten über Wochen pro Fall beschäftigt, Ihr glaubt doch nicht ernsthaft das mit drei bis fünf Sätzen in einem Artikel unterbringen zu können und dann auch noch mit wenigen richtigen Aussagen?

Ein Artikel den „Mann und Frau“ getrost nicht lesen braucht

Was nutzen Informationen die schlichtweg falsch und ungenau sind und was helfen diese bei der Findung der richtigen Entscheidung? Nichts. Daher, lassen Sie die Finger von dem Artikel. Kaufen Sie sich für die 4,20 Euro dieses FOCUS einen Kaffee, setzen Sie sich in die Sonne und genießen Sie den Frühling. Oder gehen Sie ein Eis essen, Eis ist übrigens immer gut. 🙂

Bei Fragen zu so wichtigen Themen, lebenslangen Entscheidungen, fragen Sie bitte Experten und Menschen die sich damit auskennen, diese Autoren gehören wohl noch nicht dazu, aber vielleicht haben ja auch diese jetzt Neues gelernt.

01.
April '16

Produktnews: Private Krankenversicherer führen Schutz ohne Gesundheitsprüfung aber mit Beitragsgarantie ein für alle ein und implantieren die Versichertenkarte


UPDATE: Wie viele von Ihnen gemerkt haben erschien der Artikel am 1.4. und war somit -leider- ein Aprilscherz

Die Private Krankenversicherung, die zweite Säule im Versicherungssystem in Deutschland, ist nur für einen ausgewählten Personenkreis geöffnet. Wer genau sich in der Privaten Krankenversicherung (bisher) versichern durfte, das habe ich unter dem Punkt Private Krankenversicherung hier auf meiner Seite zusammengestellt. Bisher dürfen nur Beamte, Selbstständige oder Angestellte über der Jahresarbeitentgeldgrenze die gesetzliche Krankenkasse (GKV) verlassen und sich um ihren Versicherungsschutz selbst kümmern. Das ändert sich nun. Wie das Bundesgesundheitsministerium in Abstimmung mit dem Verband der Privaten Krankenversicherer heute bekannt gab, wird es ab sofort einen besonderen Tarif geben, mit dem auch alle bisher versicherungspflichtigen Personen in die PKV wechseln können. Heftiger Widerstand kam dagegen vom Spitzenverband der gesetzlichen Krankenkassen. Dieser befürchtet eine massive Abwanderung von Versicherten und damit eine Schmälerung der Versichertenkollektive in der GKV. Damit wäre der Risikoausgleich im Umlageverfahren gefährdet, so eine Sprecherin des Verbandes. Doch schauen wir uns zunächst einmal die Details an.

H1: Wer darf den Tarif nutzen?

Die Erklärung ist simpel. ALLE. Jeder der in Deutschland einen Wohnsitz hat und damit auch der Versicherungspflicht in Deutschland unterliegt, kann zukünftig selbst entscheiden in welchem System er versichert sein möchte.
So wurde neben der bereits im Gesetz verankerten Kündigungsfrist (derzeit ist eine GKV zum Ende des übernächsten Monats kündbar) ein einmaliges Sonderkündigungsrecht zum 1. Juli 2016 eingeführt. Wer sich dann für den neuen Tarif entscheidet, kann vom 1.7. bis 31.12. jederzeit mit Frist zum Montag der kommenden Woche das System verlassen.

Welche Leistungen enthält der neue Tarif

Zunächst einmal wurde eine Grundleistung geschaffen. Jedwede Leistung, also auch das Krankengeld bei Erkrankung der Kinder, die Mutter-Kind-Kuren und sonstige Leistungen in der gesetzlichen Krankenkasse sind automatisch mitversichert. „Alle Leistungen, welche in der gesetzlichen Krankenkasse enthalten sind, waren oder sein werden sind automatisch auch in unserem Tarif mitversichert, so Stefan Reker, Sprecher des PKV Verbandes. Dazu haben wir den Tarif stark aufgewertet, da wir an das System der kapitalgedeckten Finanzierung glauben und allen Menschen in Deutschland die Möglichkeit geben wollen, sich mit umfangreichen Leistungen zu versichern und nicht mehr monatelang auf einen Arzttermin warten zu müssen.PKV Einheiutstarif ab 1.7.2016

Die genauen Leistungen finden Sie in den Versicherungsbedingungen, welche ebenfalls endlich stark vereinfacht und verständlich sein sollen. Diese werden nur noch drei Seiten umfassen und dabei ist das Deckblatt schon mitgezählt, so ein Sprecher weiter.

Wie hoch werden die Beiträge sein?

Auch wenn mir eine detaillierte Beitragsübersicht noch nicht vorliegt (die reiche ich umgehend nach Erhalt als Download nach), so stehen die Prämien bereits fest. Diese sind gestaffelt nach dem Eintrittsalter und verändern sich während der Laufzeit. Jeweils mit erreichen der nächsten Altersstufe steigt der Beitrag dann auf den neuen Betrag. Eine Anpassung oder sonstige Veränderung der Beiträge ist bis zum Jahr 2035 vertraglich ausgeschlossen.

Kinder von 0 bis 3 Jahren zahlen monatlich 29 €
Kinder von 3 bis 14 Jahren zahlen 39 €
Jugendliche bis 21 Jahren werden mit 69 € berechnet
Studenten erhalten einen kostenfreien Versicherungsschutz für das 1. Semester
Erwachsene von 21 bis 41 müssen 139 € monatlich zahlen
für Versicherte ab dem 41. bis zum 67. Lebensjahr fallen 179 € an
67jährige bis 99 Jahren erhalten 40 € Nachlass von der Rentenversicherung und zahlen somit 139 €
ab dem 100. Geburtstag ist der Versicherungsschutz bis zum Lebensende kostenfrei

Wer sich für eine Selbstbeteiligung von 600 € pro Jahr entscheidet (das ist die einzig angebotene SB Stufe), der bekommt einen weiteren Rabatt in Höhe von 20 € monatlich.

Was zahlt mein Arbeitgeber?

Eine der einschneidendsten Veränderungen ist der WEGFALL des Arbeitgeberzuschusses, welcher derzeit 50% beträgt. Sowohl für Arbeitnehmer wird es eine spürbare Entlastung, aber auch für die Versicherten, so ein Sprecher der Barmenia Krankenversicherung. Hierbei spart uns allein die nicht mehr erforderliche Arbeitgeberbescheinigung jährlich über 100.000 € an Porto und Kosten für das Papier und den Druck.

Ich bin aber nicht gesund, kann ich dennoch wechseln?

Ja, eine Gesundheitsprüfung ist in dem neuen Einheitstarif ausgeschlossen, der Versicherungsschutz beginnt jedoch auch bei Vorerkrankungen erst am folgenden Montag nach dem Abschluss und gilt dann auch für vorhandene Krankheiten. Wer bereits in Behandlung ist, der sollte mit seinem Arzt besprechen ob diese Behandlung ggf. ein paar Tage unterbrochen oder ausgesetzt werden kann, damit ein reibungsloser Wechsel möglich ist.

Implantierter Chip statt Versichertenkarte.

Anstelle der bisher teuren Versichertenkarte, welche bei jeder Änderung von persönlichen Daten neu erstellt werden muss und enorme Kosten verursacht, wird dem Versicherten nach Abschluss des Vertrages ein kleiner, Stecknadelkopf großer Chip in die rechte Hand implantiert.FAZ Chip Implantieren Dieser kann von außen neu beschrieben und ausgelesen werden. Bereits auf der Cebit, der Messe für neue Technologien, wurde diese Möglichkeit im März gezeigt und erfolgreich praktiziert. Durch Klick auf das Bild unten kommen Sie direkt auf den FAZ Artikel, welcher in einem Video das implantieren zeigt.

Wie beantrage ich den Versicherungsschutz?

Ab dem 1.5. wird hier ein Antragsformular zur Verfügung stehen. Nur über dieses spezielle Formular ist ein Antrag und der Abschluss möglich. Benötigt werden neben den persönlichen Daten die Daten zur Krankenversicherung der letzten 3 Jahre. Wer bisher nicht versichert ist, kann gegen eine Zahlung von 50 € Strafbeitrag einmalig ebenfalls aufgenommen werden.

Für Angestellte und Selbstständige ist im Beitrag das Krankentagegeld in Höhe des Nettoeinkommens automatisch versichert. Die Pflegepflichtversicherung ist ebenfalls ab dem 1.7. kostenfrei enthalten.

Bitte gedulden Sie sich mit weiteren Anfragen zu diesem Tarif noch einige Tage, ich aktualisiere die Infos hier, sobald mir weiteres vorliegt.