Artikel mit ‘Berechnung’ getagged

26.
April '19

Die Lücke im Krankentagegeld – 100 € pro Tag sind keine 3.000 Euro monatlich


Das ist ein typischer Denkfehler, der taucht in meinen Beratungen immer und immer wieder auf.

„Aber ich brauche doch keine 3.000 Euro, das ist ja mehr als ich heute netto habe.“

Wirklich?

Wie berechnet sich das Krankentagegeld und was bleibt übrig?

Wer sich mit dem Thema Private Krankenversicherung beschäftigt, der wird sich auch mit dem Thema Krankentagegeld befassen müssen. Dieses sichert für Angestellte nach der 6. Woche (für Selbstständige und Freiberufler auch vorher) das Einkommen und ersetzt somit die Zahlungen des Arbeitgebers.

Doch der große Trugschluss ist noch ein ganz anderer. Wer also glaubt er versichert heute 100 EUR Krankentagegeld, der wird keineswegs 3.000 EUR im Monat zur Verfügung haben.

Bereits unter dem Punkt „Krankengeld“ hier auf der Seite finden Sie weitere Erklärungen dazu. Es sind von dem ausgezahlten Geld noch weitere Kosten zu bestreiten. In der Praxis sieht das dann wie folgt aus:

verbleibender Betrag 1.546,70 €

verbleibender Betrag 1.546,70 €

Tagessatz Krankengeld 100,00 €
ausgezahlter Betrag (30 Tage) 3.000,00 €
– abzüglich Rentenversicherung (freiwillig): – 753,30 €
– abzüglich Beitrag zur Krankenversicherung (AG+AN Anteil) – 700,00 €

Das versicherte Krankengeld, welches immer für 30 Tage und nicht nur für Arbeitstage gezahlt wird, ist damit nicht der Betrag, welcher auch ausgezahlt wird.

Die Arbeitslosenversicherung läuft übrigens ebenfalls weiter, wird Ihnen aber nicht abgezogen. Der dazu notwendige Beitrag wird durch das PKV Unternehmen direkt an die Bundesanstalt für Arbeit gezahlt und Ihnen nicht berechnet.

Auch ist es wichtig die Rentenversicherung zu prüfen und dort die Weiterversicherung zu beantragen. Es passiert NICHT AUTOMATISCH. Sie müssen einen Antrag auf Weiterversicherung bei der Rentenversicherung stellen. Hierzu sollten Sie dieses innerhalb der Frist von 3 Monaten tun, nur dann ist eine rückwirkende und nahtlose Versicherung möglich.

Dazu muss ein Antrag bei der zuständigen gesetzlichen Rentenversicherung gestellt werden. Das entsprechende Formular finden Sie hier.

Wer kann auf Antrag versicherungspflichtig werden?

(…) Ebenfalls berechtigt sind Personen, die arbeitsunfähig sind oder an einer Leistung zur medizinischen Rehabilitation teilnehmen, wenn sie keinen Anspruch auf Krankengeld aus der gesetzlichen Krankenversicherung haben (Versicherungspflicht auf Antrag für Zeiten der Arbeitsunfähigkeit oder Rehabilitation). Dazu gehören Personen, die ohne Anspruch auf Krankengeld versichert oder nicht in der gesetzlichen Krankenversicherung versichert sind (z. B. privat Krankenversicherte). Voraussetzung ist jedoch, dass sie im letzten Jahr vor Beginn der Arbeitsunfähigkeit oder Rehabilitation in der gesetzlichen Rentenversicherung zuletzt versicherungspflichtig waren.

Wie hoch sind die Beiträge für die Rentenversicherung?

Bei Arbeitsunfähigen und Rehabilitanden, die keinen Anspruch auf Krankengeld aus der gesetzlichen Krankenversicherung haben, wird der Rentenversicherungsbeitrag aus einem Betrag in Hohe von 80 % des zuletzt für einen vollen Kalendermonat versicherten Arbeitsentgelts oder Arbeitseinkommens berechnet. Die Rentenversicherungsbeiträge sind in diesen Fällen vom Antragsteller (Versicherten) alleine in voller Hohe zu tragen.

Es ist also das Einkommen im letzten vollen Monat vor der Krankheit maßgebend. Dabei wird dann nur 80% des damaligen Einkommens zu Grunde gelegt und dieser mit dem geltenden Rentenversicherungsbeitrag multipliziert. Ungeachtet der letztendlichen Höhe, eines ist klar. Es wird ein deutlicher Betrag abgezogen und keineswegs sollte man darauf verzichten diese „freiwillige“ Zahlung auf Antrag abzulehnen. Nur so entstehen keine Lücken im Beitragsverlauf und es bleiben weitere Leistungen der Rentenversicherung erhalten.

In unserem Beispiel bleiben also von den 3.000 Euro versichertem Krankentagegeld 1.546 EUR übrig. Selbst wenn keine Beiträge zur Rentenversicherung gezahlt würden, wären es nur 2.246 EUR.

Der Weg zur richtigen Krankentagegeldhöhe

Um nun aber den passenden Betrag zu ermitteln, lässt sich dieses einfach zurückrechnen. Zunächst einmal müssen Sie überlegen, welchen Betrag Sie am Ende benötigen. Wie hoch ist Ihr Nettoeinkommen heute und wie gut kommen Sie damit aus? Was entfällt an Kosten wenn Sie nicht mehr zur Arbeit fahren müssen? und… entfallen diese wirklich? Was ist mit den Kosten der Arztbesuche? Wann verlieren Sie den Anspruch auf den Dienstwagen/ Firmenwagen und wenn Sie den behalten dürfen, wie hoch sind die Kosten? (meist werden die 1% geldwerter Vorteil auch dann weiterberechnet und sind an den Arbeitgeber zu erstatten). Ist der Betrag klar, bildet dieser den Bedarf.

Bedarf im Krankheitsfall (muss nicht dem Netto entsprechen)

dazu kommen Rentenbeiträge (18,6% von 80% des Bruttoeinkommens vor Krankheit)

plus die Arbeitgeber- und Arbeitnehmeranteile der PKV

= Krankentagegeld pro Monat

/ 30 = Tagegeld

Auch hier ein Beispiel in Zahlen. Unser Musterkunde hat ein Bruttoeinkommen von 5.500 EUR, Steuerklasse eins und damit ein Nettoeinkommen von 3.120 EUR. Dazu kommt ein geldwerter Vorteil von 450 EUR und damit ein ausgezahltes Netto von 2.670 EUR. Diese 450 EUR sind auch im Krankheitsfall weiter zu zahlen, sonst könnte unser Musterkunde auf keine weiteren Zahlungen verzichten und möchte daher sein Nettoeinkommen auch weiterhin bekommen. Auch der Beitrag zur PKV (PLUS AG ANTEIL) läuft natürlich weiter.

Bruttoeinkommen 5.500,00 €
bisheriges Netto 3.120,00 €
geldwerter Vorteil 450,00 €
Auszahlungsbetrag 2.670,00 €
Rückrechnung der Krankengeldbeträge
Bedarf im Krankheitsfall 2.670,00 €
plus geldwerter Vorteil 450,00 €
Rentenversicherungsbeiträge (18,6% von 80% des Brutto) 814,00 €
Beitrag zur Privaten KV (inkl. AG Anteil) 700,00 €
 
Bedarf im Krankheitsfall 4.634,00 €
Tagessatz 154 €

Mit einem versicherten Krankengeld vom 155 EUR ist somit der Bedarf gut abzusichern. Das macht natürlich nur dann Sinn, wenn Sie das Krankengeld regelmäßig überprüfen und an sich ändernde Gegebenheiten anpassen.

Anpassung des Krankengeldes – denken Sie daran

22.
April '15

Aus dem Beratungsalltag: längere Laufzeit, längerer Versicherungsschutz, weniger Beitrag- oder doch nicht?


Manchmal sind es die kleinen Dinge, welche Beratung Alltag zu etwas Verwunderung führen. So auch in diesem Fall. Es geht um eine Absicherung für den Fall der Berufsunfähigkeit in unterschiedlichen Konstellationen.

Um den Hintergrund zu verstehen, zunächst einmal eine kurze Erklärung der entsprechenden Begriffe.

(Versicherungs-)Endalter:

hierbei handelt es sich um das Alter, bis zu welchem der Versicherungsschutz besteht und ein Leistungsfall eintreten kann. Oftmals ist dieses Versicherungsendalter identisch mit dem so genannten Leistungsendalter.

(Leistungs-)Endalter:

hierbei handelt es sich nicht um das Alter, bis zu welchem Versicherungsschutz besteht, sondern bis zu welchem eine vereinbarte Rente ausgezahlt wird. Dieses kann je nach Tarif und Gesellschaft durchaus auch nachdem eigentlichen Inhalte des Vertrages liegen. So kann eine Berufsunfähigkeit bis zum 65. Lebensjahr zum Beispiel eingetreten sein, wenn dem so ist wird die Rente aber es zum 67. Lebensjahr gezahlt. Tritt hingegen die Berufsunfähigkeit zum 66. Lebensjahr ein, würde keine Rente gezahlt werden.

(Beitrags-)Endalter:

und dieses wiederum beschreibt nun das Alter, bis zu welchem die Beiträge gezahlt werden müssen.

In einer Beratung haben wir nach der Ermittlung des Bedarfes (und bevor jetzt die große Empörung losbricht, die 1.000 € Rente sind vollkommen ausreichend im Hinblick auf die gegebenen Umstände des Kunden) unterschiedliche Szenerien für das Endalter berechnet. Klar ist ja auch, dass ein Versicherungsschutz nicht zwingend bis zum 67. Lebensjahr benötigt wird, da der Kunde eigene Absicherung für die restlichen zwei Jahren betreibt.

In dem ersten Modell genießt der Kunde Versicherungsschutz bis zum 65. Lebensjahr, tritt bis zu diesem Zeitpunkt der Versicherungsfall ein, so wird die Rente bis zum 67. Lebensjahr gezahlt.Condor 65 67

Ausgehend von dem heutigen Eintrittsalter besteht also für die nächsten 32 Jahre Versicherungsschutz in Höhe der monatlichen Rente von 1.000 €. Für den Versicherer besteht das potentielle Risiko (dynamische Anpassungen und garantierte Rentensteigerung lassen wir einmal (mehr …)

02.
Februar '15

Die richtige Rentenhöhe in der Berufsunfähigkeitsversicherung- wie komme ich zur passenden Rente


Das ist eine der wichtigsten Fragen, denn neben dem passenden Bedingungswerk und damit den wichtigen Auswahlkriterien für eine passenden Berufsunfähigkeitsversicherung ist die Höhe der Rente entscheidend. Nur wenn diese Passt, nur dann ist der Schutz auch sinnvoll. Ist dem nicht so, dann lassen Sie es ganz und gehen vom Geld essen.

Was provokant klingt, meine ich vollkommen ernst. Bevor Sie 50 € für eine kleine BU Rente ausgeben und diese im Leistungsfall nicht einmal reicht um „nicht zum Sozialamt zu müssen“, dann lassen Sie es ganz. Das soll natürlich keine Anleitung zum „wie rede ich mir den wichtigen Schutz meiner Arbeitskraft aus“ sein, sondern nur verdeutlichen das pauschale Aussagen a la „75% vom Bruttoeinkommen“, 60% com „Nettoeinkommen“ als richtige Rente vollkommener Unsinn sind.

BU Rentenhöhe

Doch wie kommen ich dann zur passenden Berufsunfähigkeitsrente?

Die Ermittlung der richtigen Berufsunfähigkeitsrente ist mit etwas Arbeit verbunden, denn zunächst geht es darum, Ihre laufenden Kosten und ggf. zukünftige Verpflichtungen möglichst genau zu erfassen. Erst damit wird es möglich eine individuell richtige Rente zu berechnen.

Das Nettoeinkommen kann eine Grundlage sein, daher fangen wir hiermit an. Sollten Sie jedoch eine ungünstige Kombination der Steuerklassen mit Ihrem/r PartnerIn gewählt haben (also Fünf-Drei), dann berücksichtigen Sie bitte hier auch die Steuer in der IV-IV und rechnen Sie sich auch die Steuerklasse I einmal aus. Nein, ich glaube nicht das Sie sich bei eintretender Berufsunfähigkeit scheiden lassen, dennoch ist es gut zu wissen was dann übrig wäre. (mehr …)

02.
November '12

Krankentagegeld – was gehört eigentlich alles zum Nettoeinkommen und welche Gefahren lauern beim Krankengeld


In der täglichen Praxis begegnen einem immer einmal wieder recht interessante Fragen, die nicht nur für den Einzelnen sondern oftmals für alle interessant sind. Eine solche Frage habe ich heute per E-Mail erhalten, diese betrifft die Frage: „Was gehört eigentlich alles zum Nettoeinkommen in der privaten Krankentagegeldversicherung?“  Denn in der Frage der Absicherung des Tagegeldes gibt es völlig unterschiedliche Auffassungen. Die wenigsten Versicherer habe in deren Bedingungen klare Regelungen dafür getroffen, welche Bestandteile (Gehalts- oder sonstiger Einkommensbestandteile) tatsächlich zum Einkommen gehören. Das führt in der Praxis leider dazu, dass im Leistungsfall der Versicherer berechtigterweise prüft ob das versicherte Krankentagegeld das „Nettoeinkommen“ überschreitet und somit gegebenenfalls eine Überversicherung vorliegt.

Sinn und Zweck der Krankentagegeldversicherung

Die Krankentagegeldversicherung hat den Zweck, das wegfallende Einkommen im Falle der versicherten Arbeitsunfähigkeit zu ersetzen. Grundlage für die Absicherung sind die Musterbedingungen für die Krankentagegeldversicherung (MB/KT).  Aus rechtlicher Sicht handelt es sich bei der Krankentagegeldversicherung um eine so genannte Summenversicherung. Das hat in der Praxis zur Folge, dass nicht der Ersatz eines Schadens (konkreter Ausfall) sondern eine (versicherte) Summe im leistungsfrei zu ersetzen ist. Dennoch soll natürlich im Leistungsfall nicht mehr Geld zur Verfügung stehen, als der Versicherte vorher-zu gesunden Tagen- aus seiner Arbeitstätigkeit als Einkommen zur Verfügung stand. Deshalb finden sich in den Bedingungen entsprechende Regelungen zur maximalen Höhe der Versicherungsleistung, aber auch zur möglichen Herabsetzung durch den Versicherer.

Berechnung des Nettoeinkommens
(mehr …)