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14.
Juli '21

Wo sind Sie versichert? Warum die Krankenversicherung Ihres Beraters (k)eine Rolle spielt


Die Frage nach meiner eigenen Versicherung kommt fast in jeder Beratung. „Wo ist denn mein Berater PKV versichert?“

Das ist auch gut so und legim. In einem anderen Beitrag habe ich bereits zu der Frage geschrieben, warum Freunde und Bekannte keine guten Ratgeber sind. Kleiner Tipp am Rande. Vergleichsrechner sind es auch nicht. Mehr dazu aber später, oder in einem anderen Beitrag.

In der privaten Krankenversicherung, das erzähle ich nun schon seit über 20 Jahren, spielt die Leistung des Vertrages eine entscheidende Rolle. Versicherer garantieren als einzigen Baustein mit den Bedingungen einen Leistungsumfang, welcher die vertraglich garantierten Leistungen abbildet. Diesen kann der Versicherer weder heute noch in Zukunft ändern. Diese Garantie einen festen Leistungsrahmen zu kaufen, welchen sie bis ins hohe Alter in ihrem Versicherungsschutz behalten ist ein wesentlicher Unterschied gegenüber der gesetzlichen Krankenkasse.

Mehr zu Systemunterschieden finden Sie auch in meinem Leitfaden.

Es gibt für den Versicherer keine Möglichkeit, ihnen einmal zugesagte Leistungen aus dem Vertrag zu streichen. Natürlich kann es in der Zukunft notwendig werden, den eigenen Versicherungsschutz anzupassen oder (zum Beispiel aus finanziellen Gründen) diesen zu reduzieren. Daher ist es in Bezug auf den Leistungsumfangs heute ebenso wichtig, sich bei der Auswahl des Versicherers Alternativen im Tarifwerk anzuschauen.

Leistung entscheidet heute, Flexibilität über das „Morgen“

Es nützt ihnen überhaupt nichts, einen hochleistungsfähigen Tarif zu wählen, welchen sie sich in wenigen Jahren nicht mehr leisten können. Ist der Versicherungsschutz unterhalb dieses Tarifes bei dem Versicherer dann ungeeignet, dann müssen sie vielleicht aus finanziellen Gründen reduzieren. Danach bleibt Ihnen nur einen deutlich schlechteren Versicherungsschutz, im schlimmsten Fall für den Rest ihres Lebens.

Meine eigene Private Krankenversicherung wurde vor über 20 Jahren deshalb so ausgewählt, weil mein Berater seinen eigenen Kopf hatte.

„Das machen wir jetzt so, oder gar nicht. Sonst geh bitte woanders hin.“

Um vielleicht auch meine Beratungsphilosophie ein bisschen besser zu verstehen, erzähle ich Ihnen eine kurze Geschichte zu meiner Tarifauswahl.

Ich war damals Anfang 20 und habe mich mit dem Thema Private Krankenversicherung eher so nebenbei beschäftigt. Kurz nach der Ausbildung und während eines Studiums war da nicht so richtig viel Zeit und auch nicht die nötige Lust vorhanden. Also habe ich mich an einen Berater gewandt, und diesen damals in seinem Büro besucht. Wir haben uns über viele mögliche Szenarien ausgetauscht, die in der Zukunft passieren könnten. Nun konnte ich mir in dem Alter schwer vorstellen chronische Diagnosen zu haben, Unfälle zu erleiden oder eine Familie zu gründen, kam alles anders. All diese Punkte sind aber möglich und bestimmen die Auswahl des Versicherungsschutzes.

Nie krank oder Millionär, dann reicht Basisschutz

Wüsste ich heute, dass ich niemals krank werde, bräuchte ich keinen guten Versicherungsschutz. Würde ich vielleicht die billigste aller Varianten nehmen? Falls ich steinreich werde (Lotto und so) brauchte ich dann überhaupt sowas? Kann ich es einfach selbst zahlen oder hohe Selbstbeteiligungen nutzen? Damals gab es vier Auswahlmöglichkeiten, angefangen von einem Einstiegsversicherungsschutz (das waren in meinem Fall die damaligen Tarife für die neuen Bundesländer der Signal, NO/NOZ), dann zwei Varianten des mittleren Versicherungsschutzes und ein Top-Tarif. Die Beitragsunterschiede in diesen Bereichen lagen zwischen dem billigsten und dem (damals) besten Versicherungsschutz bei fast 75%.

Ich stand also als junger Mensch vor der Entscheidung, will ich den besten Versicherungsschutz oder will ich eine hochwertigen Versicherungsschutz. Schutz, welchen ich vielleicht die nächsten Jahre und Jahrzehnte nicht brauche. Kann ich das Geld nicht lieber für Auto, Computer, Reisen, Party ausgeben? Mir passiert doch nix, oder?

Berater PKV – Konsequenz und Ehrlichkeit des Beraters

Nach ein paar Tagen und einigen Überlegungen fand unser nächste Gespräch statt. Ich hatte mich entschieden mir einen reduzierten Versicherungsschutz zu „gönnen“ und dafür nicht zu viel Geld zu investieren. Mein Berater war damals sehr direkt. Er meinte: „Wenn du nachher nach Hause fährst, da an der Ecke ist das Versicherungsbüro der Signal, schließe es gern dort ab.“

Mein Gesicht muss wohl etwas erschrocken ausgesehen haben, da antwortete er ergänzend: „Bei dem Prämienunterschied und mit Deinem Eintrittsalter, werde ich Dir den billigen Versicherungsschutz nicht verkaufen, aber den Antrag kannst du natürlich wo anders stellen.“

Ich fuhr dann nach Hause und dachte über diesen Punkt kurz nach, hatte es dann aber wieder verworfen. Am nächsten Morgen entschied ich mich dann doch nochmal zu dem Makler zu fahren und fragte nochmal nach. Er erklärte mir dann, dass er in seiner beruflichen Laufbahn genügend Fälle gesehen habe, denen doch „nie etwas passiert wäre“ und wo es dann doch ganz anders kam.

Es kam wie es kommen musste. Ich entschied mich um, ob nun aus Verständnis oder Sympathie zu dem Berater kann ich nicht mehr sagen. Es wurde der bestmögliche Schutz, den ich innerlich immer noch nicht so recht „brauchte“. Ich muss zugeben, so richtig und 100% überzeugt war ich wohl damals nicht. Ich sah nicht so richtig den Grund darin, mehr Geld für einen Versicherungsschutz auszugeben, welchen ich doch gar nicht brauchen würde. Aber, die Entscheidung war getroffen, die Monatsbeiträge wurden abgebucht und dann war es auch schnell vergessen.

1. kommt es anders, 2. als man denkt

Es vergingen keine zwei Jahre, da fuhr ich im Februar hier auf „meiner“ Insel über eine Landstraße. Es war der 3. Februar 2000, da hatte einen recht schweren Verkehrsunfall. Es kommt wie Sie sich denken können. Notarzt, Krankenwagen, Intensivstation gefolgt von stationären Aufenthalten, Operation und Reha und Anschlussheilbehandlung. Heilmittel und Physiotherapie schlossen sich an. Es trat also keine zwei Jahre nach dem Abschluss genau das ein, was mir ja nie passieren würde.

Im Laufe dieser Behandlungen kamen dann noch ein, zwei, drei andere Erkrankungen dazu und schon da wusste ich: Die Wahl war richtig. Das war auch das erste Mal, dass ich überhaupt mit einem Einzelzimmer in einem Krankenhaus in Berührung kam. Ein Einzelzimmer was totlangweilig sein sollte, oder wo doch auch das Zweibettzimmer reicht?

Langeweile im Einzelzimmer? Brauche ich nicht!

Ja, natürlich werden Sie auch in einem Mehrbettzimmer gesund. Ob da nun ein, zwei oder vier Personen drinliegen, das ändert erst mal nichts. Aber, das Einzelzimmer schafft Ruhe. Es schafft aber gleichzeitig auch die Möglichkeit, dass ich mit meiner verbundenen Schulter einige Wochen im Krankhaus immer dann Besuch haben konnte, wann ich es wollte. Dabei war es nicht davon abhängig, wie es dem Bettnachbarn ging, was der hatte oder wann der Besuch hatte. Und das soll auch gar keine Laudatio auf ein Einbettzimmer werden, die Entscheidung müssen sie ganz für sich alleine treffen. Aber als es mir irgendwann besser ging, war ich sehr froh in meinem Zimmer tun und lassen zu können, was ich wollte.

Die Wahl ist der Punkt. Wer sich trotz Schutz gegen die Nutzung des Einzelzimmers entscheidet, bekommt meist etwas erstattet. Klar, denn die Versicherung spart auch Geld. Brauchen sie es aber wirklich, weil schwerkrank oder nicht mehr so schlimm, dass Sie telefonieren, arbeiten, Besuch empfangen wollen, ist es mehr als angenehm. Das Zimmer selbst lässt sich auch gut über ein Krankenhaustagegeld absichern. Mit der Wahlleistung „Privatarzt“ geht das so nicht, das habe ich im Beitrag „Krankenhaustagegeld ungeeignet für Chefarztbehandlung“ aufgeschrieben.

Dazu kamen in den Folgejahren noch einige andere Erkrankungen, bis hin zu einer heute bestehenden. Die schränkt mich jetzt nicht so weit ein, führt aber einmal im Jahr zu einem kurzen, stationären Aufenthalt und zudem zu ein paar Untersuchungen über das Jahr verteilt. Diese Untersuchungen und vor allem diese freie Auswahl des Arztes sind ein großes Privileg. Denn nur, weil ich den Arzt (und das muss gar nicht der Chefarzt sein, es kann auch gezielt ein Oberarzt in einer Klinik sein) selbst auswählen kann, nur deshalb lässt sich vieles beschleunigen. Ich bin sehr froh gut auf gehoben zu sein, in der Charité in Berlin und bei anderen Behandlern. Einige meiner Kunden kennen mein Erlebnis mit dem MRT Befund am Freitagnachmittag, vielleicht schreibe ich den auch nochmal auf.

Berater PKV – Beeinflusst die eigene Gesundheit, der eigene Tarif, die Beratung?

Ich glaube schon, dass eigene Erfahrungen des Beraters, eigene Erlebnisse im Krankenhaus oder bei Ärzten, seine Beratung beeinflusst. Das heißt keineswegs, dass sie sich für ein Einzelbettzimmer entscheiden müssen, nur weil ich eines habe. Das heißt auch nicht, dass sie nicht hohe Selbstbeteiligungen vereinbaren können, nur weil ich keine habe. Sie müssen auch keine Beitragsentlastungskomponente in ihren Vertrag integrieren, nur weil ich eine habe.

Eines „müssen“ Sie aber bei mir: Sie müssen verstehen wie ein Versicherungsschutz funktioniert und sollten sich dringend Gedanken darüber machen, was Ihnen in welchen Fällen wichtig ist.

Ich halte weder etwas vom „Klappern mit Sargdeckeln“, noch von der Angst vor dem Tanklaster. Klar kann Sie ein solcher überrollen, wenn Sie das Haus verlassen. Dennoch sollten Sie sich möglicher (Lebens-)Risiken bewusst sein und sollte sich klar vor Augen führen, dass sich Ereignisse ändern können. So kann die eigene Lebensplanung plötzlich komplett über den Haufen geworfen werden.

Kosten die Sie selbst übernehmen können, brauchen Sie nicht zu versichern. Eine Brille ist nicht entscheidend. Eine Vorsorge nett, aber nicht ruinös. 20.000 € Eigenanteil bei einer Prothese? Kosten vielleicht die eigene Altersvorsorge, belasten die Familienkasse oder schränken arg ein.

Was den Kunden finanziell ruiniert oder stark belastet, gehört abgesichert

Fragen sie ihren Berater ruhig, für welchen Versicherungsschutz er sich entschieden hat und warum. Nicht, weil sie dann auch diesen Versicherungsschutz bekommen sollen, sondern weil sie dann ein bisschen besser verstehen können wie ihr Berater so tickt. Wer sich selbst billig versichert, ohne zu wissen was er genau da tut und wie er die bestehenden oder noch kommenden Risiken ausgleichen kann, dem wird es schwer fallen glaubwürdig einen entsprechenden Versicherungsschutz zu vermitteln.

Wenn ich als Berater meinen eigenen Tarif nicht gelesen und verstanden habe, „das billigste Produkt“ entscheide, wie sollte es möglich sein einem Kunden den Sinn einer qualitativ hochwertigen Absicherung zu erklären.

Die Bedürfnisse können unterschiedlich sein, es ist durchaus denkbar, dass der Berater anderer Ansprüche hat. Wer Ärzte in der Familie hat und von denen behandelt wird, wer Millionen auf dem Konto hat und das Geld im Fall der Fälle dafür ausgibt, der hat einen anderen Anspruch. Dagegen spricht überhaupt nichts.

Ihre Tarifauswahl ist die eigene, nicht meine, nicht die des Nachbarn oder Kollegen.

Kommen wir nun wieder zurück zu ihrer Tarifauswahl, den die ist der Part, mit dem sie sich auseinandersetzen müssen. Die Information, wo ich versichert bin ist ein netter Nebeneffekt, löst aber ihr Problem nicht. Daher der dringenden Tipp: machen sie sich Gedanken über ihren Bedarf. Dabei berücksichtigen sie bitte nicht nur den heutigen Bedarf, also vielleicht auch die Vorstellung: „ich bin jung, gesund, mir passiert nichts.“, sondern insbesondere auch die zukünftige Entwicklung.

Manchmal kann es sich sehr schnell ändern.

Ich möchte aber dennoch auflösen. Mein Versicherungsschutz besteht seit nunmehr 1998 bei der HALLESCHE im Tarif NK (damals NK3 mit 300 € SB, heute NK 2 mit 600 € SB).

Berater PKV Krankenversicherung Hallesche NK seit 1998

Im Jahr 2001 kam dann die Beitragsentlastung im Alter hinzu. Ja, auch als (damals) selbstständiger halte ich diese weiter für richtig und sinnvoll, heute mehr denn je.

Nur wenn Sie sich der Risiken und (möglichen) Veränderungen bewusst sind, können sie entsprechend handeln.

Auch vergessen Sie bitte nicht, der eigene Schutz bestimmt auch den des (zukünftigen Kindes. Wer heute einen minderwertigen Versicherungsschutz wählt, der kann diesen auch mit Optionen aufwerten. Es spricht erstmal generell nichts dagegen, den heutigen Bedarf anders einzuschätzen, wenn er genug Veränderungsmöglichkeiten bietet. Wählen sie also heute einen reduzierten Versicherungsschutz, welcher mit Anwartschaften und Optionen versehen ist, um diesen später auch zu ändern, dann kann auch dies der richtige Weg sein. Dabei spielt auch die berufliche Situation und das Einkommen eine Rolle. Als junger Angestellter sind hohe Selbstbeteiligungen oder Einsteigertarife selten optimal.

Vermitteln sie bestimmte Tarife nicht?

Ja, vielleicht weil ich damals tief beeindruckt war von der Beraterentscheidung in meinem Fall. Aber auch, weil ich aus tiefster Überzeugung bestimmte Tarife, Versicherer und Tarifmodelle für viele Kunden für nicht passend halte.

Wenn ich also in einer Beratung der Auffassung bin, bestimmte Tarife passen nicht zu ihnen, dann sagen sie ich ihnen das auch. Wenn Sie im Anschluss und Aufklärung über die Risiken immer noch der Meinung sind, einen Tarif oder Versicherer zu wählen, von dem ich klar abrate, Ihre Entscheidung. Aber dann werde ich Ihnen diesen,  gegen meine Überzeugung und nur um der Provision Willen verkaufen, sicher nicht verkaufen.

Es gab in der Vergangenheit sicherlich Kunden, die dann woanders hin gingen und noch heute in diesen Tarifen versichert sind. In den letzten Jahren hatte ich fünf solcher Beratungen, welche nach einem Abschluss eines Tarifes, von dem ich abriet, auf die Nase gefallen sind. Vier von denen kamen wieder zurück, für zwei gab es mit den Erkrankungen keine Chance auf eine Lösung. Ob sich dann eine solche Entscheidung dann revidieren lässt, ist schwer zu sagen und scheitert dann oft am Gesundheitszustand.

Ihr Geldbeutel, Ihr Leben, Ihre Entscheidung

Letztendlich müssen sie die Entscheidung für sich, Ihre Absicherung und Ihr Leben treffen. Das was ich tun kann, ist ihnen eine Hilfestellung geben. Ich werde Sie über Leistungen und Lücken aufklären und auf Gefahren hinweisen. Dennoch kann Ihnen niemand außer Sie selbst sagen, was sie für ein Haus bauen sollen, welches Auto sie kaufen sollen oder welche Krankenversicherung sie wählen. Der Berater kann nur unterstützen, Hilfestellung geben und ihnen zeigen wo versteckte Risiken liegen.

Am Ende ist es aber Ihr Leben, Ihre finanzielle Zukunft bei Krankheit und sie sind auch die/derjenige, die/der dann mit den Konsequenzen dieser Entscheidung leben muss.

Ich möchte aber weiter in den Spiegel schauen können und mir nicht vorwerfen, falsch beraten zu haben. Nicht heute und nicht in 10, 20 oder 30 Jahren.

Seien sie also gewiss, ich werde Ihnen nichts gegen meine eigene Überzeugung empfehlen. Das werden ihnen sicherlich Kunden bestätigen können, welche vor zehn, zwölf oder gar 15 Jahren ihre Krankenversicherung hier gewählt haben. Auf meiner Homepage unter Referenzen ganz bis ans Ende scrollen. Dort finden sie solche Erfahrungen und Beschreibungen von Kunden. Kunden, welche nun schon 10, 12, 15 Jahre bei „ihrer PKV“ sind und weiterhin die Entscheidung für die passende halten.

Für ihre Wahl, für oder gegen ein System der GKV oder PKV und für ihre Tarifentscheidung tragen Sie jedoch die letzte Verantwortung. Daher braucht es BeraterInnen, welche Sie in die Lage versetzen, solche Entscheidungen fundiert treffen zu können.

Die einzige und ehrlichste Hilfe, ist die Hilfe zur Selbsthilfe!

© Alfred Selacher (*1945), Schweizer Lebenskünstler

Bevor Sie nun auf die Suche nach Vergleichsportalen sind, auch die können Ihnen nicht den Tarif empfehlen. Vielleicht ist der an erster Stelle, der geschickte Formulierungen wählt um in der Software nach oben zu? Vielleicht der, der 602 € für eine Brille zahlt und nicht nur 600. Einer der „nach bester Medizin klingt“, den Namen aber nicht verdient?

Für den Anbieter sind die Tarife immer toll. Klar zeigt man gern, was der Tarif kann. Aber ist es nicht wichtiger zu wissen, was er nicht kann?

Daher… Lassen Sie sich ausbilden. Lernen Sie und verstehen. Sie werden am Ende sehen: Es ist nicht so schwer und (Zitat eines Kunden): „Versicherungsbedingungen lesen macht sogar Spaß, auch wenn ich mir das nie vorstellen konnte.

Unter den folgenden links habe ich ihnen weitere Informationen zusammengestellt.

Beratungsseite zur PKV

Artikel zur Tarifauswahl

21.
Februar '19

Wer solche Berater hat, braucht keine Feinde – warum Qualifizierung des Beraters elementar ist


Es gibt so Anfragen und Geschichten Schicksale, da fällt einem auch als Makler wenig bis nichts mehr zu ein. Zwei davon hatte ich gleich heute im Postfach. Eine drehte sich um Wucherhonorare eines „Kollegen“ bei einem Tarifwechsel (die erzähle ich vielleicht später einmal) und eine betrifft eine junge Frau, schwerbehindert, mit psychischen Erkrankungen und nun ohne bezahlbaren Versicherungsschutz. Hier zeigt sich wieder einmal, warum Sie Aussagen Ihres Beraters hinterfragen sollten und sich Aussagen nach dem Motto „das brauchen Sie so nicht aufschreiben/ angeben“ schriftlich bestätigen lassen sollten. Meist bekommen Sie eine solche Bestätigung dann nicht und wissen: „hier ist etwas faul“. Die Verzweiflung war schon nach dem ersten Absatz klar zu erkennen, hieß es doch in der Anfrage:

„Sehr geehrter Herr Henning,

über einen Bekannten meiner Großtante XXX bekam ich ihre Kontaktdaten. Derzeit stehe ich vor einem riesen Problem, es ist etwas unübersichtlich deshalb hoffe ich dass ich es dennoch klar formuliert habe.“

Bis Ende August war alles gut. Die junge Dame war bei den Eltern in der gesetzlichen Krankenkasse, genauer der Familienversicherung mitversichert und hat so einige Vorerkrankungen. Darunter durchaus schwerwiegende. Angegeben war jedoch eine Verhaltenstherapie in 2014 mit unter 25 Sitzungen. All das was nun folgt fehlte im Antrag. Wohlgemerkt, der Antrag wurde mit Hilfe eines Beraters in 2018 gestellt und die Interessentin fragte mehrfach nach, ob diese auch ja nichts vergessen hat, da auch hier Krankenakte und weitere Unterlagen vorlagen.

„Ich war mir unsicher ob alle Angaben gemacht wurden und fragte nach. Rückmeldung war, dass sonstige Leistungen abgesichert seien.“

Es ist mir völlig schleierhaft, weil man einer angehenden Beamtin (noch Ausbildung, dann auf Probe, irgendwann auf Lebenszeit verbeamtet) unter Kenntnis dieser Diagnosen überhaupt zur PKV raten kann.

Öffnungsaktion gleich mit kaputtgemacht

Denn mit einer Antragstellung jetzt, also ohne den Anspruch auf die Öffnungsaktion zu prüfen und ggf. später zu nutzen, verbaut er der Kundin auch diese Chance. Mit der Öffnungsaktion für Beamte (neuerdings auch Beamte auf Widerruf) sichern einige Unternehmen der PKV zu, Antragsteller mit einem Zuschlag von 30% auch dann zu versichern, wenn diese sonst abgelehnt werden.

Doch diese Anträge (von Kunden die die PKV eigentlich nicht möchte) werden eben nicht mit einer Courtage vergütet. Daher zahlen Kunden regelmäßig ein Honorar an Ihren Berater. Das wollte der Makler hier wohl nicht nehmen oder seiner Kundin anbieten und so versuchte er mit halben Angaben einen normalen Antrag. Das ging -natürlich- nach hinten los.

Vorvertragliche Anzeigepflicht verletzt – Rauswurf

Klar musste der Versicherer hier reagieren. Denn die Geschickte musste kommen wie es kommen musste.

Ende September diagnostizierte mein neuer Hausarzt Sodbrennen und eine mittelschwere depressive Episode und überwies mich zum Therapeuten. Dieser sagte mir ein Reha Aufenthalt wäre das Beste. Da eine ambulante Behandlung für den Anfang zu kostspielig und aufwendig wäre. Also stellte ich einen Antrag und die Reha wurde genehmigt. Daraufhin erhielt ich ein Schreiben des Onlinemaklers, dass wohl ein Fehler unterlaufen sei und ich nachweisen müsste, dass ich in den letzten 5 Jahren unter 25 psychotherapeutische Sitzungen hatte. Also sagte ich den Aufnahmetermin in der Rehaklinik ab. Kümmerte mich um den Nachweis und bekam dann das OK des Onlinemaklers.

Wenn ich das so lese (und danach weitere Details erfrage) stellen sich mir erschrocken einige Fragen.

1. Wie kam und kommt der Makler denn dazu, ein „OK“ für etwas zu geben?

Für was auch? Leistungsentscheidungen trifft der Versicherer. Prüfungen der Verletzung der vorvertraglichen Anzeigepflicht passieren auch beim Versicherer. Wollte der Berater hier nun ein zweites Mal „Gesundheitsfragen optimieren“?

2. Warum soll die Kundin bestätigen, dass diese nur 25 Sitzungen hatte? Was laut vorliegender Bescheinigung der Klinik falsch ist.

Klar, es liegt die Vermutung nahe, das hier getrickst wurde, denn bei über 245 Sitzungen in den letzten Jahren hätte der Versicherer gar nicht erst angefangen, sondern gleich abgelehnt. Zudem ist hier wohl etwas mit den Jahren nur so halb korrekt angegeben worden.

Am Ende kommt es wie es kommen musste, die Kundin erhält (was verständlich ist bei den Diagnosen aus dem Screenshot oben) KEIN Angebot zur Weiterversicherung mit Zuschlag, sondern muss zwingend gekündigt werden. Juristisch richtig ist es noch nicht einmal eine Kündigung, sondern ein Rücktritt vom Vertrag. Denn klar, auch im Sinne der anderen Versicherten hätte es hier nie zu einem Vertrag kommen dürfen und die Kosten der nun anstehenden stationären Behandlung (einer längeren Psychotherapie) kann nicht dem Kollektiv zu Lasten angetreten werden.

Der Versicherer tut also aus seiner Sicht das einzig richtige und tritt vom Vertrag zurück. Damit endet der Versicherungsschutz und auch für die angefragten Leistungen besteht (rückwirkend) kein Anspruch. OK, das ist das eine Problem, aber was kann die Kundin nun tun? Aufgrund der Versicherungspflicht kann und darf diese nicht ohne Schutz sein, was in dem konkreten Fall bei den bestehenden Erkrankungen durchaus auch fatal wäre.

Die Dame befindet sich in Ausbildung, bekommt also weniger Geld im Vergleich zu Angestellten, aber 50% Beihilfe. Damit müssen die restlichen 50% entsprechend versichert werden. Ein anderer privater Versicherer kann und wird sie aber nicht aufnehmen, gerade mit der akuten Behandlung, den Beschwerden und der Vorgeschichte inkl. Rücktritt. Daher stellt sich die Frage:

Welche Möglichkeiten einer anderen Versicherung bleiben nun?

Zunächst einmal, eine Rückkehr einfach in die GKV und/ oder die Familienversicherung der Eltern ist nicht möglich. Gem. §5 und 6 ff. des Sozialgesetzbuches V ist eine solche Versicherbarkeit nicht möglich und selbst wenn die GKV wollte, sie DARF NICHT. Durch das Erklären des Austritts und damit des Verlassens der GKV ist eine Rückkehr nun, wo die PKV zurück getreten ist, nicht mehr möglich.

Daher muss nun überlegt werden, was alternativ als Versicherung in Frage kommt.

Abbruch der Ausbildung

Beendet die Kundin die Ausbildung und bricht diese ab, so wäre hier eine erneute Familienversicherung denkbar und zu prüfen, damit ist aber die Ausbildung weg. Auch sind die Voraussetzungen der Familienversicherung (u.a. jünger 23 Jahre) zu prüfen und zu erfüllen, ist aber insgesamt eher keine Option

Auch wenn es eine andere Ausbildung wird, bei der dann nicht mehr der Status Beamtin greift, sondern zum Beispiel eine klassische Azubistelle in der freien Wirtschaft, auch dann tritt ggf. Versicherungspflicht in der GKV ein. Diese wird dann nach §5 ff. SGB V begründet und führt zu einer Rückkehr in die GKV. ACHTUNG: Mal schnell eben in die GKV und dann ne Woche später zurück in die Ausbildung ist nicht möglich und verstößt gegen das SGB V, das geht nach hinten los, sobald es auffliegt.

Verbleib in der Ausbildung

Damit bliebe die Frage, wie eine Versicherung dann sichergestellt werden kann, da die PKV sie ja nun bereits nicht mehr will. Die Lösung in dem Fall liegt im Basistarif. Sie kann also bei allen Unternehmen der PKV (außer dem, welches gerade zurücktrat) einen Antrag auf Versicherung im Basistarif stellen. Dabei ist zu beachten, dass der Basistarif einen sogenannten Annahmezwang hat. Das heißt nicht, dass hier nichts anzugeben ist, es heißt nur man darf nicht ablehnen.

Der Beitrag ist hier abhängig vom Höchstbeitrag der GKV (Zahlen 2019 hier), welcher für die Kranken- und Pflegeversicherung zusammen bei ca. 812 EUR plus. ZUSATZbeitrag. Zum Vergleich noch etwas detailliertere Zahlen.

Gesetzliche Krankenkasse ohne ZUSATZbeitrag: 662,48 €

Gesetzliche Krankenkasse mit durchschnittlichem ZUSATZbeitrag (0,9%): 703,31 €

Gesetzliche Krankenkasse mit höchstem ZUSATZbeitrag (1,7%): 739,62 €

DAZU kommt die Pflegeversicherung

Gesetzliche Pflegeversicherung OHNE KINDER: 149,74 €

Gesetzliche Pflegeversicherung MIT KINDERN: 138,39 €

Für Beihilfeberechtigte ist der Beitrag demnach prozentual zu zahlen. In unserem Fall zahlt die Dame also 50% des Beitrages, da hier eine 50%ige Beihilfe vorliegt. Am Ende fallen so etwas über 400 EUR monatlicher Beitrag an (statt der knapp 110, welche zuvor zu zahlen gewesen wären). Jetzt werden die ersten rufen: „Nein, vorher kamen noch Risikozuschläge dazu“. Das ist auch durchaus korrekt, nur wären die im Rahmen der Öffnungsaktion auf 30% gedeckelt, diese hat der unfähige Vermittler aus Sicht auf seine Provision dann gleich mit verhindert.

Öffnungsaktion bei späterer Verbeamtung

Bei einer vernünftigen Beratung und der Angabe aller Gesundheitsangaben wäre hier der einzig sinnvolle und richtige Rat gewesen, nach der Vorprüfung in der GKV zu bleiben. Denn bei einer späteren Verbeamtung könnte sonst die Öffnungsaktion genutzt werden. Hierbei verpflichtet sich der Versicherer zu einer Annahme des Antrages mit maximal 30% Risikozuschlag.

Dieses ist jedoch nur bei erster Antragstellung möglich, diese Option hat der „tolle Makler“ hier für die Kundin gleich mit zerstört.

Risikovoranfragen und Weitblick sind elementar

Wie bereits in einem anderen Artikel geschrieben, es ist elementar wichtig sich an einen Berater zu wenden, der weiß was er da tut. Es geht eben nicht nur darum heute möglichst schnell einen Antrag zu stellen und einen Schutz zu finden der für ein paar Wochen hält. Viel wichtiger ist es- gerade bei vielen Vorerkrankungen- auch in Hinblick auf die Zukunft die richtigen Entscheidungen zu treffen.

Anonyme Voranfragen bei Berufsunfähigkeit und Krankenversicherung – warum es einen qualifizierten Berater braucht

10.
Mai '17

Wenn der (Honorar-)Berater keine Ahnung hat – eine Geschichte über Nutzen, Schaden und dem Wunsch nach Unabhängigkeit


In den letzten Wochen und Monaten gibt es eine immer wieder geführte Diskussion zum Thema Vergütung in der Versicherungsberatung. Um eines vorweg zu nehmen, es gibt in jeder Gruppe von Beratern gute, weniger gute und solche die falsch in ihrem Beruf sind.

Honorarberatung = Unabhängigkeit = Qualität?

Eine weit verbreitete Meinung ist hingegen, dass eine Honorarberatung allein deshalb besser ist, weil es für den Berater keine erfolgsabhängige Vergütung gibt, also keine Vergütung die davon abhängig ist einen Vertrag abgeschlossen zu haben. Doch ist damit eine Beratung zwangsweise besser? Ich habe in meinem Beitrag zu den Vergütungen bereits ausführlich erklärt, wie eine solche Entlohnung bei mir speziell aussieht.

In der Honorarberatung ist das anders, es wird ein fester Stundensatz für die Beratung bezahlt. Wie viel Qualität ich damit kaufe, wie lange eine Beratung dauert oder ob hier ein Anreiz geschaffen werden könnte, sich besonders lange Zeit zu lassen, steht auf einem anderen Blatt. Die Grundlage für diesen Beitrag ist jedoch eine ganz andere Erfahrung, die weniger etwas mit dem Vergütungsmodell zu tun hat, sondern eher der Ahnungslosigkeit eines Beraters.

Drei Stunden PKV Beratung?

Vor einiger Zeit erhielt ich eine Anfrage, da ein Interessent anscheinend auf der Suche nach einer privaten Krankenversicherung war.

„ich habe jetzt zweimal nach Infos bezüglich eines PKV-Antrags gegoogelt, und bin zweimal auf Ihrem sehr hilfreichen Blog gelandet.“

Hier ging es nicht mehr darum, die Frage nach dem Sinn der privaten Krankenversicherung zu stellen, sondern hier war es sodann schon ein Schritt weiter. Jemand hatte Fragen bezüglich eines Antrages zur privaten Krankenversicherung, und dazu „Tante Google“ bemüht. Nachdem er mehrmals auf meiner Seite und in dem Blog gelandet war, schrieb er mir daraufhin eine E-Mail. Hilfe bei der Suche nach der privaten Krankenversicherung, oder richtiger Weise Hilfe bei der Antragstellung für einen bereits ausgewählten Tarif, das war es nach dem er suchte.

Nachdem wir uns dann auf einen Telefontermin verständigt hatten, telefonierten wir zusammen und ich hinterfragte zunächst einmal etwas mehr zur Situation. Da erzählte mir der Herr, er macht sich bald selbstständig und hatte sich damit an einen Berater zur Gründungsberatung gewandt. In dieser Gründungsberatung wurde ihm auch die Versicherungsberatung angeboten, bei der Gelegenheit hat man also in einem Gespräch gegen ein Honorar zur privaten Krankenversicherung beraten.

Soweit nichts ungewöhnliches, die Honorarberatung ist nichts anderes als ein anderes Modell der Vergütung eine Beratungsleistung. Doch was ich dann nach und nach an weiteren Informationen bekam, machte mich nicht nur traurig, es ärgert mich maßlos. Zeigt es doch einmal mehr wie wichtig eine gute und qualifizierte Beratung ist, dass diese keinesfalls von der Art der Vergütung abhängen muss.

Gesellschaftsauswahl, Bedürfnisse, Alternativen?

Die Beratung war nicht wirklich Zeit intensiv, denn in drei Stunden sollte das Thema schon (inklusive der Gründungsberatung) abgeschlossen sein. Nachdem ich mittlerweile weiß, wer der Berater ist habe ich mir die Homepage einmal etwas genauer angeschaut. Paradoxerweise bietet man dort eine Honorarberatung an, ist aber gleichzeitig als Versicherungsmakler in dem Vermittlerregister registriert. Parallel zu der Honorarberatung wird auf der Seite auch gleich noch die Tätigkeit als Versicherungsmakler angeboten.

Ach ja, Gründungsberatung, Geldanlage und Verwaltung und viele andere Tätigkeiten macht man gleich mit, und das Ganze mit vier Beratern in einer kleinen GmbH. Beeindruckend!

In diversen E-Mails und weiteren Gesprächen kamen dann weitere Details zum Vorschein. So gab es nach dieser relativ kurzen Beratung auch gleich den Vorschlag einen entsprechenden Antrag zu stellen. Als Schritt davor sollte eine Risikovoranfrage gewählt werden, die sie jedoch nicht anonym, sondern mit entsprechenden persönlichen Daten.

Nicht anonyme Risiko Voranfrage, ein Maklerpool und keine Ahnung

Der Interessent hatte hier schon entsprechende Vorarbeit geleistet und sich auf die Suche nach der gesundheitlichen Vorgeschichte gemacht. Dabei gab es bereits eine Übersicht mit entsprechenden Erkrankungen, Behandlungen und Beschwerden in der Vergangenheit, welche als erste Übersicht für den Berater gar nicht so ungeeignet ist. Für eine Risikovoranfrage. Diese jedoch nicht.

Bei der Durchsicht der Erkrankungen und Beschwerden fanden sich neben Allergien, Beschwerden des Herzens, orthopädischen Beschwerden noch weitere „Kleinigkeiten“. Der Honorarberater hat sich diese Liste zwar zu eigen gemacht, diese aber kommentarlos mit einem (meiner Sicht völlig ungeeignetem) Formular eines Maklerpools zur Voranfrage an die Gesellschaften geschickt. Keine Anonymisierung, keine Vorbereitung der Unterlagen, keine Nachfrage nach weiteren Details, nur die Stichworte.

Eine solche Liste kann jedoch nur die erste Grundlage für weitere Recherche und weitere Fragebögen sein. Wenn ich als Berater Erkrankungen aus dem Bereich des allergischen Spektrums sehe, dann ist es eine zwingende Voraussetzung diese weiter abzuklären. Abzuklären bevor diese an die Gesellschaften gehen. Stellen Sie sich jemanden mit einer Pollenallergie vor, am besten stellen Sie sich zwei Menschen mit einer solchen Erkrankung vor.

Unser Interessent 1 hat eine Pollenallergie, welche jeweils im Frühjahr mit einem freiverkäuflichen Medikament aus der Apotheke behandelt wird, nach wenigen Tagen oder Wochen wieder verschwindet und keine weiteren Beschwerden verursacht.

Unser Interessent 2 hat eine Pollenallergie, welche im Frühjahr auftritt, sich im Sommer etwas bessert und Arztbesuche erforderlich macht. Bei diesen Besuchen bekommt er Kortison haltige Medikamente, zur Notfallversorgung hatte ein Asthmaspray in der Tasche und wenn es ganz schlimm ist, dann sucht er mehrfach die Woche einen Arzt auf.

Würden Sie als Risikoprüfer einer privaten Krankenversicherung ein identisches Risiko sehen? Ein identisches Risiko nur, weil beide Interessenten die gleiche Diagnose gestellt bekam? Nur für den Fall, dass Sie nur die Diagnose genannt bekommen, ist eine andere Einschätzung nicht möglich.

Die Qualität der Risikovoranfrage bestimmt die Qualität der Entscheidung

Die Aufbereitung der Unterlagen für den Risikoprüfer ist eine elementare Aufgabe des Beraters. Natürlich muss der Kunde die Informationen besorgen, Arztanfragen machen und zusammentragen wann und wo er in Behandlung war. Solche Informationen kann der Berater nicht haben. Wenn mir als Berater aber eine Information über eine Allergie vorliegt, dann ist es meine (Entschuldigung) verdammte Pflicht und mein Job den Kunden darauf hinzuweisen, hier sind weitere Unterlagen zu besorgen, Details zu klären und Fragebögen zu beantworten.

Gebe ich als Berater nur einfach eine Liste mit Diagnosen weiter, so riskiere ich für den Kunden nicht nur einen hohen Risikozuschlag, da eine Ablehnung, sondern verbaue ihm auch die Chance einen sinnvollen und angemessenen Versicherungsschutz. Und genau so ist es hier gelaufen.

Der Berater hat (verzeihen Sie die deutlichen Worte) anscheinend überhaupt keine Ahnung von dem was er da tut. Es wurden Tarife ausgewählt die überhaupt nicht sinnvoll auf den Bedarf passen konnten, die so weit auseinanderliegen, dass diese unmöglich auf ein Anforderungsprofil des Kunden gemeinsam passen können.

Weiterhin wurden hier völlig unqualifiziert Informationen an Gesellschaften weitergegeben, Diagnosen nicht verbindlich geklärt, keine zusätzlichen Erläuterungen und Erklärungen eingeholt und damit Ablehnungen riskiert. Nein, nicht nur riskiert, die Ablehnungen liegen zwischenzeitlich vor.

Jetzt unterstellen wir mal der Berater hätte zufällig mit einer Tarifempfehlung richtiggelegen. (hat er hier nicht, könnte aber sein) Möchte ich nach einer weiteren Beratung vielleicht bei der gleichen Gesellschaft einen Antrag stellen, eine neue Risikovoranfrage machen und doch ein Versicherungsschutz ermöglichen, so habe ich nun das Problem, dass dieser alte Berater „verbrannte Erde“ hinterlassen hat.

Bei einer erneuten Risikoprüfung (wenn diese anonym erfolgt dann spätestens bei dem Antrag) fallen dieser alten Angaben auf, müssen mühsam ge-/erklärt und revidiert werden und verhindern bei einigen Gesellschaften ganz generell die Antragstellung.

Qualifikation entscheidet, nicht der Beraterstatus

Hier hat sich jemand an das Thema private Krankenversicherung gewagt, der anscheinend überhaupt keine Ahnung davon hat. Das interessante an dieser Konstellation ist jedoch, hier wurde eine Honorarberatung angeboten, also ein Stundensatz dafür kassiert, eine Beratungsleistung zu erbringen. Die Risiko Voranfrage hingegen, sind als Versicherungsmakler über einen Maklerpool eingereicht worden. Auch die Antragstellung wird mit großer Wahrscheinlichkeit dann über diesen Weg erfolgen, denn eine Risikovoranfrage macht natürlich nur Sinn, wenn ich bei einer späteren Antragstellung das Ergebnis dieser verwerten kann.

Wenn dem so wäre, so wurde die Beratung zum einen als Honorar abgerechnet, zum anderen wird die Vergütung bei Abschluss der privaten Krankenversicherung als Versicherungsmakler kassiert. Ein unhaltbarer Zustand, der nicht nur rechtlich verboten ist, sondern auch zu dem gegenüber dem Endkunden fragwürdig.

Doch eines zeigt sich hier insgesamt sehr deutlich, und auch das ist völlig unabhängig von dem beruflichen Status des Beraters. Wer von dem Thema der Produkte die er berät keine Ahnung hat, der sollte bitte die Finger davonlassen. Insbesondere bei so langfristigen und elementaren Themen wie der privaten Krankenversicherung, sämtlichen biometrischen Risiken und lebenslangen Verträgen, aber auch der Altersvorsorge und allen anderen Versicherungssparten.

Der von sich behauptet mit vier Beratern alle erdenklichen Bereiche der Versicherung-, Geldanlage-, betriebswirtschaftlichen-und Gründungsberatung abdecken zu können, der hat entweder von allen Themen keine Ahnung, oder überschätzt sich selbst maßlos.

Und wie geht es richtig?

Generell gibt es natürlich verschiedene Wege, welche zum Ziel führen. Misstrauisch sollten sie immer dann werden, wenn Ihnen „alles aus einer Hand“ angeboten wird und der- oder diejenige behaupten, sie können alles abdecken. Das mag in einem Unternehmen mit 150 Mitarbeitern und Beratern durchaus funktionieren, dass man alle Bereiche abdecken kann. In einem3,4 Berater starken Team, ist schlichtweg unmöglich.

Hinterfragen Sie ruhig einmal den rechtlichen Status des Beraters, fragen Sie nach Referenzen und schauen Sie sich einfach auf der Homepage einmal um. Damit meine ich keine bunten Bewertungssterne, damit meine ich tatsächlich echte Referenzen. Schauen Sie sich einmal die Qualifikation des Beraters an, bemühen sie „Tante Google“ um sich ein Bild über ihren Gegenübern zu machen.

In meinem letzten Artikel zu der Frage, ob sie mehrere Berater gleichzeitig beschäftigen sollten, bin ich schon einmal mit diesem Thema der Qualität einer Beratung in Berührung gekommen. Natürlich sollen Sie (wie dort geschrieben) nicht mehrere Berater mit dem gleichen Thema beauftragen, aber sie sollen sich zunächst einmal ein gutes Gefühl zu ihrem Gegenüber verschaffen. Sie sollten immer dann hinterfragen wie die konkreten Tätigkeiten aussehen, wenn ihnen unzählige verschiedene Beratungsfelder aus einer Hand angeboten werden.

Werfen sie durchaus mal ein Blick ins Impressum oder in die erst Information und hinterfragen sie durchaus auch das Vergütungsmodell des Beraters.

Beratung, Risikovoranfrage, Antrag?!

Gerade hier in zu beratungsintensiven Sparten geht es zunächst einmal um die Frage ob das System private Krankenversicherung überhaupt geeignet ist, dabei spielen Familienplanung, berufliche Ziele und Ausrichtung, private Wünsche und auch die eigene Planung fürs Alter eine Rolle.

Sind diese Fragen geklärt, geht es an die Fragen zum Produkt. In meinen Auswahlkriterien zur privaten Krankenversicherung habe ich eine umfangreiche Anzahl an Fragen aufgelistet, die sie sich zunächst einmal selbst stellen sollten und für sich die passenden Antworten finden.

Zu einer vernünftigen Beratung in der privaten Krankenversicherung gehören auch Aspekte wie die steuerliche Auswirkung der Beiträge (dabei geht es mir nicht um die Steuerberatung, diese sollen bitte Spezialisten dafür tun). Ein Hinweis auf die generellen Auswirkungen der Beiträge erwarte ich aber schon. Ebenfalls geht es um die Frage der Selbstbeteiligung, der Tarifkalkulation, Altersrückstellungen, Wechselmöglichkeiten und vor allem um den Leistungsumfang des Tarifes.

Wenn all diese Fragen geklärt sind und mehrere Tarife in der engeren Auswahl sind, erst dann geht es mit der Risikoeinschätzung weiter. Dabei sind umfangreiche ärztliche Unterlagen hilfreich und nötig, Fragebögen der Gesellschaften bei Vorerkrankungen zwingend auszufüllen und damit dem Risikoprüfer eine umfangreiche Information an die Hand zu geben um das Risiko verbindlich einzuschätzen.

Nach den Schilderungen hier ist leider keiner dieser Bereiche vernünftig beraten worden und zufriedenstellend erfolgt. Glück für den Kunden in diesem Fall, er hat sich weitere Hilfe geholt und überlegt ob die Entscheidung richtig war. Doch was wäre gewesen, wenn es nicht so wäre, wäre der Antrag gegebenenfalls mit einem hohen Risikozuschlag angenommen und der Kunde hätte das Angebot akzeptiert? Hätte sich dann langfristig einen schlechten und vor allem unpassenden Versicherungsschutz eingekauft, aber darauf vertraut, dass er eine neutrale und unabhängige Beratung gegen Honorar bekommen hat. In diesem speziellen Fall wäre wohl noch eine Courtage für den Makler geflossen.

Dieser Fall zeigt einmal mehr, eine spezialisierte Beratung ist elementar wichtig. Kann aber ebenso gut gegen Honorar oder gegen eine erfolgsabhängige Vergütung erfolgen. Eine Honorarberatung allein ist keinesfalls ein Garant für Unabhängigkeit und Qualität.

Bitte fragen Sie also daher bei all ihren Entscheidungen immer die Empfehlung, die Grundlagen und den Berater.

Ich wünsche Ihnen eine gesunde Zeit und…  bitte bleiben sie skeptisch!