Wenn der Arzt die Private Krankenversicherung empfiehlt – Unsinn in der täglichen Praxis

Sven Hennig

Es ist schon mehr als interessant, was einem so in der täglichen Beratungspraxis passiert. Ich bin immer wieder überrascht, dass mich nach mehr als 12 Jahren Beratung zur privaten Krankenversicherung (PKV) immer noch Anfragen erreichen, welche schlichtweg zum Kopfschütteln führen. Eine solche Anfrage erhielt ich in den letzten Tagen per Mail. Dabei handelte es sich um einen Kunden Interessenten welcher bereits im letzten Jahr den Wunsch hatte, in die private Krankenversicherung zu wechseln.

Nachdem dieses aus verschiedenen Gründen nicht geklappt hatte, erhielt ich also gestern folgende E-Mail:

Hallo Herr Hennig,

nach Absprache mit meinem Arzt habe ich mich entschieden, in eine der folgenden PKV zu wechseln.

DEBEKA, Barmenia, HUK

können sie mir bitte einen dreier Vergleich (Leistungen und Prämien, Beitragsrückerstattung) erstellen.

Nicht nur, dass dieses die ganze E-Mail zu sein schien, auch der Inhalt war mehr als verwunderlich. Zum einen wunderte ich mich, dass hier pauschal Gesellschaften miteinander verglichen werden sollen und sich anscheinend keine Gedanken gemacht wurden welche Tarife tatsächlich in die engere Wahl gekommen sind. Weiterhin wundert mich, dass sich der Interessent „in Absprache mit seinem Arzt“ für diese 3 Gesellschaften entschieden haben will. Ungeachtet der Tatsache, dass aufgrund des Anforderungsprofils aus dem letzten Jahr klar ist dass diese Tarife nicht passen können, schrieb ich also zurück und bat um nähere Erklärung. Insbesondere wollte ich gern wissen, warum es gerade diese Auswahl sein soll und warum diese Auswahl so abschließend formuliert ist, denn es gibt eine Reihe von Versicherungsunternehmen die entsprechende Tarif anbieten.

Doch dann wurde es noch unverständlicher, denn anscheinend konnte sich auch der Interessent diese Gründe nicht erklären und der Arzt hat wohl in seiner Beratung zur privaten Krankenversicherung irgendetwas „nicht ganz richtig gemacht“.  Die Antwort auf meine E-Mail lautete also dann wie folgt:

ganz einfach und ehrlich:

Ich traue meinem Arzt wesentlich mehr als jeden „anderen Fachleuten“ (nichts für ungut) Er hat die Erfahrungen um Leistungsfall und nur das ist für mich entscheidend. Daher kommen für mich nur diese 3 in Frage (keine weitere Diskussion nötig) als 4. wäre noch der Hallesche NK1 von dem ich schon ein Angebot habe.

Das muss man sich dann tatsächlich einmal auf der Zunge zergehen lassen. Da schreibt mir ein Interessent und bittet um Unterlagen zu Tarifen zur privaten Krankenversicherung und sagt mir gleichzeitig das er der Beratung nicht traut? Besorgt muss ich mir da die Frage stellen, warum ich diese Anfrage überhaupt bekomme und warum ich mir Zeit nehmen solch einen Unsinn zu beantworten.

Ist der Arzt der bessere Berater?

Ohne Zweifel ist der Arzt eine Vertrauensperson vieler, und natürlich mit den medizinischen Gegebenheiten des Patienten bestens vertraut. Auch ist es überhaupt nicht falsch, den Hausarzt oder einen anderen Arzt des Vertrauens einfach einmal nach seinen „Erfahrungen“ mit dem einen oder anderen privaten Krankenversicherer zu fragen. Jedoch ist er eben Arzt und kein Spezialist für die private Krankenversicherung. Der Arzt hat unter Umständen ganz andere Fragen und ganz andere Anforderungen an einen privaten Krankenversicherer, als es der Kunde hätte.

Sind die Erfahrungen des Arztes mit der PKV überhaupt entscheidend?

Viele Ärzte haben mit dem einen oder anderen Krankenversicherer ein Problem. Sei es begründet in der Tatsache, dass der Versicherer eine Rechnung hinterfragt oder etwas an eine Abrechnung auszusetzen hat, all dieses wird den Ärzten kaum gefallen. Natürlich ist es nicht schön, wenn man versucht (vielleicht) etwas umfangreichere Leistungen abzurechnen und der Versicherer geht nun hin und streicht diese (weil zum Beispiel Leistungen nicht zusammen abbrechen Bar sind) wieder zusammen. So ein Versicherer wird wohl in den Augen des Arztes eher als negativ wahrgenommen, kann aber für den Kunden die durchaus richtige Wahl sein. Denn gut ist nicht der Versicherer der einfach alles ungeprüft zahlt, sondern der der seine tariflichen Leistungen erbringt aber eben auch gegen erhöhte Rechnungen vorgeht. Leider ist diese Erkenntnis bei dem einen oder anderen anscheinend nicht vorhanden. Hier wird also eine Lebensentscheidung (die die PKV normal ist) von einem Tipp eines Mediziners abhängig gemacht, welcher ganz andere Interessen als der Kunde hat.

Auch das abrechnen von Leistungen welche nicht zwingend medizinisch notwendig sind ist für den Arzt ein lukratives Geschäft. Es ist auch nicht Sinn der Krankenversicherung jede Leistung eines Arztes komplett zu bezahlen. Niemand zwingt den Kunden Leistungen die nicht medizinisch notwendig, aber aus seiner Sicht trotzdem sinnvoll sind, bei einem Mediziner in Anspruch zu nehmen und diese dann selbst zu bezahlen. Wenn eine solche Leistung dann aber von dem Versicherer auf der Rechnung moniert wird, ist dieser Versicherer dann plötzlich schlecht? In den Augen des Arztes ist er vielleicht kleinlich auch wenn eigentlich nur die tariflich versicherten Leistungen bezahlt.

Wie diese Anfrage nun ausging?

Nachdem ich dem Kunden mitgeteilt hatte, dass sich eine solche Beratung nicht übernehmen kann und will, da es sowohl aus Haftungssicht nicht vertretbar ist aber auch gegen mein grundsätzliches Verständnis von einer vernünftigen Beratung geht, schrieb mir dieser nun ein letztes Mal. In der nun folgenden mir wurde mir dann vorgeworfen, es gehe schließlich sowieso nur um die Provision und daher könne ich mit seiner Auswahl bestimmt nicht leben. Diese Behauptung finde ich persönlich nicht nur unfair, sondern sie ist einfach unsinnig. Ich hatte in der mir davor schon abgelehnt die Beratung durchzuführen, daher ist es mir vollkommen egal wo der Kunde sich nun letztendlich versichert.

Welche Art von Beratung dieser Kunden in Anspruch nimmt, oder ob sich ein „besonders qualifizierter Kollege“ nun doch dazu breitschlagen lässt, einfach auf Wunsch des Kunden dessen Vorschläge als Empfehlung auszusprechen, das entzieht sich meiner Kenntnis und interessiert mich würden auch nicht. Das was mich jedoch massiv an dieser Sache stört ist, dass erst eine Anfrage an einen Spezialisten gestellt wird um diesen dann vorzuschreiben welche Empfehlungen herzugeben hat.

Wie komme ich denn zu einer passenden privaten Krankenversicherung?

Die Auswahl einer privaten Krankenversicherung ist gar nicht so schwer wie es immer scheint. Es bedarf einer ausreichenden Vorarbeit, qualifizierten Beteiligten, und dem willen sich mit „Versicherungs-Deutsc“h auseinanderzusetzen. Dabei sollten jedoch keine Vorurteile bestehen. Wenn Sie das Gefühl haben bei einem Berater nicht gut aufgehoben zu sein, dann fragen Sie ihn einfach nicht an oder beenden die Beratung. Sowohl für den Berater als auch für Sie als Interessenten bringt es überhaupt gar nichts, wenn ein Grundvertrauen ich das. Natürlich sollen Sie Aussagen des Beraters hinterfragen, sich gern eine 2. und 3. Meinung holen und auch gern Ihren Arzt befragen, jedoch gebe ich auch keine Tipps für eine medizinisch notwendige Operation, sondern beschränke mich auf das was ich kann- die Beratung zur privaten Kranken Versicherung.

Wenn Sie also auf der Suche nach einer privaten Krankenversicherung sind, so machen sie sich zunächst bitter ausführlich Gedanken welche Leistungen in dem Versicherungsschutz enthalten sein müssen, welche Leistungen enthalten sein können und auf was sie auch verzichten können. Denken Sie dabei bitte daran, existenzbedrohende Leistungen müssen immer enthalten sein und Leistungen die sie auch (finanziell) selbst tragen können, auf diese können Sie möglicherweise verzichten.

Weitere Informationen zu den Unterschieden der beiden Systeme der gesetzlichen und privaten Krankenversicherung finden Sie in meinem Leitfaden, den Sie im Downloadbereich kostenfrei herunterladen können. Für die Festlegung von entsprechenden Auswahlkriterien habe ich Ihnen einige Fragen auf dieser Seite und im Kriterienfragebogen zur privaten Krankenversicherung zusammengestellt.

Auswahlkriterien zur Privaten Krankenversicherung 

Leitfaden zur Privaten Krankenversicherung

Kriterienfragebogen zur Priv. Krankenvers. (ausfüllbar)

Sollten Sie aber auch auf der Suche nach einer privaten Krankenversicherung sein und ihrer Berater von vornherein Misstrauen, oder ihm vorschreiben wollen welche Empfehlungen herzugeben hat, dann sollten Sie sich einen anderen Berater suchen denn das bringt weder Ihnen noch mir oder den Kollegen etwas. Gerade die Beratung zur privaten Krankenversicherung, also einem Produkt welches sie über Jahrzehnte mit sich herumtragen, setzt ein gewisses Grundvertrauen voraus und wenn dieses nicht gegeben ist, dann passen Interessent und Berater einfach nicht zusammen.

Zum Glück ist dieser Fall aber ein Einzelfall, und mir in den letzten 10 Jahren der Beratung noch kein einziges Mal passiert. Grundsätzlich ist es so, dass Interessenten welche bei mir eine Beratung zur privaten Krankenversicherung anfragen, sehr offen und vor allem sehr wissbegierig sind. Ich habe das große Glück als Berater mich mit Interessenten beschäftigen zu dürfen, welche bereit sind sich intensiv mit umfassenden Unterlagen und viel viel „Kleingedruckten“ zu beschäftigen-  Dafür auch an dieser Stelle einmal vielen Dank!

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