Wechsel von der gesetzlichen in die private Krankenversicherung – Teil III

Sven Hennig

Guten Morgen,

nachdem ich bereits hier im Teil I und Teil II über den „Vergleich GKV / PKV“ der GEK geschrieben habe, erreichte mich von dem betreffenden Kunden noch ein E-Mailverkehr, den ich Ihnen nicht vorenthalten möchte.

Der Kunde kam der Bitte nach einen Fragebogen zur Zufriedenheit zu beantworten und schrieb noch folgenden Text:

Hallo Herr XXXX,

noch ein paar Worte zu der Kündigung und zu Ihrem Wunsch, der Darlegung der Gründe.

Die Gründe der Kündigung liegen nicht explizit bei der GEK. Es sind vielmehr die gesamten Gründe und Entwicklung der letzten Zeit.

-für über 600€ bekomme ich einen perfekten Rundumschutz bei der PKV
-ggf. bei Nichtinanspruchnahme sogar Geld zurück
-frühzeitige Termine bei Fachärzten europaweit

Meine Entscheidung war keine Kosten, sondern eine Leistungsentscheidung, was ich als vordergründig in einer Versicherung sehe.

Dem Anhang entnehmen Sie bitte den Fragebogen und eien Kopie zur Pflegeversicherung.

Mit freundlichen Grüßen
XXXXX

Damit ist m.E. klar kommuniziert, dass es hier nicht um das sparen weniger Euro geht, sondern dem Versicherten an einer Verbesserung seiner Leistungen gelegen war/ ist. Aber gut- hier die Antwort (Kommentare, Hervorhebungen und Anmerkungen von mir dazwischen)

Sehr geehrter Herr XXXX,

vielen Dank für Ihre schnelle und ehrliche Rückantwort zu Ihrer Kündigung. Natürlich verlieren wir nur ungern einen Kunden.

Lassen Sie mich aber noch kurz zu Ihrer Begründung etwas sagen. Sicherlich bietet die private Krankenversicherung (PKV) einige Leistungsvorteile, die Ihnen vom entsprechenden Vertreter wohl auch schmackhaft gemacht wurden. Allerdings gibt es auch Leistungen in der
gesetzlichen Krankenversicherung und speziell bei Ihrer GEK, die es so in der Privatversicherung nicht gibt.

Das ist sicherlich so richtig. Wenn ich mir die Breiche häusliche Pflege, Familienversicherung etc. anschaue ist das so, keine Frage. Jedoch sind die hier genannten „einige Leistungsvorteile“ sicher etwas über das man trefflich diskutieren kann.

Insofern ist die Aussage, die Privatversicherung bietet im Leistungsbereich mehr, so nicht richtig. Erkundigen Sie sich hierzu doch bei der Verbraucherzentrale, die neutral
den Vergleich anstellt – denn sowohl Ihr Privatversicherungsagent als auch die GEK ist natürlich in gewisser Weise voreingenommen.

Naja, das ist wohl mehr der Wunsch der Vater des Gedanken. Schaut man sich den Vergleich GKV/ PKV im ersten und zweiten Teil meiner Beiträge an, so ist das vielleicht so. Stellt man es aber korrekt dar und bleibt bei den Fakten, dann nicht. Und über „Neutralität“ Dritter werde ich hier nichts schreiben.

Viele Leistungen werden von der PKV gar nicht oder unzureichend bezahlt, dies ist auch Grund dafür, dass immer mehr Privatversicherte total unzufrieden sind (unzufriedener übrigens als in der gesetzlichen
Krankenversicherung) und gerne wieder in die gesetzlichen
Krankenversicherung zurück kehren würden.

Das ist sicher so. Problematisch ist das aus meiner Sicht auch deshalb, weil von vielen Beratern die PKV als „Wir zahlen alles“ Schutz verkauft wird und der Versicherte mit einer Erwartung daran geht das es auch so ist. Anders als in der GKV haben wir in der PKV jedoch vertraglich vereinbarte und garantierte Leistungen, die eben bezahlt werden oder auch nicht versichert sind. Jeder kann seinen Schutz so gestalten wie er es möchte. Der eine bekommt eben das genannte Hilfsmittel, die Prothese oder die Versorgung durch den Privatarzt, der andere nicht, da er es nicht versichert hat. Problematisch ist es nur dann, wenn er denkt er hätte es versichert, weil es ihm so „verkauft“ wurde. Solange Berater Angst davor haben dem Kunden auch zu sagen was nicht versichert ist, wird es auch dieses Problem immer geben.

Gerade in der politischen Gemengelage hat die PKV große
Schwierigkeiten, in Zukunft Ihr System bezahlbar darzustellen – in der PKV fehlt „frisches Geld“, da nur noch ein Bruchteil der Versicherten in die PKV (im Gegensatz zu früher) wechselt. Beitragssprünge von 25 % (wie bereits Anfang des Jahres 2009) werden zukünftig immer häufiger werden und Leistungseinschränkungen immer notwendiger.

Solche Aussagen sind zwar (auf bestimmte Tarife bezogen) nicht unbedingt falsch, sie sind aber bewusst verzerrt dargestellt. Warum? Nun, wir haben in der Privaten Krankenversicherung, gleich der GKV mit steigenden Kosten zu tun. Auch die steigende Lebenserwartung zwingt Versicherer Ihre Kalkulation zu überdenken. Daher ist es bei der Auswahl der richtigen PKV eben noch wichtiger denn je, neben der Frage was man gern versichern möchte auch das Bedingungswerk und das Unternehmen konkret und im Detail anzuschauen.

Und noch etwas: Ihre Entscheidung – vorausgesetzt sie bleiben einkommensstabil – ist eine endgiltige Entscheidung. Ein Wechsel in die gesetzliche Krankenversicherung ist nie mehr möglich!

Mir fallen spontan mehrere Gründe für eine Rückkehr ein, aber das war hier nicht der Grund warum das geschrieben wurde. Richtig ist, verändert sich der berufliche Status und das Einkommen nicht, so gibt es keine direkte Möglichkeit der Rückkehr. Bei Arbeitslosigkeit, Reduzierung der Arbeitszeit etc. ist es jedoch u.U. möglich- wenn denn überhaupt gewollt.

Im Klartext: Die Überalterung wie in der gesetzlichen
Krankenversicherung wird nun auch die Privatversicherung treffen, die Schere zwischen Leistung und Beitrag wird in den nächsten Jahren in der PKV dramatisch auseinander gehen.

… sagte ihm seine Glaskugel 😉

Mein Tipp: Erkundigen Sie sich an neutraler Stelle. Gerne stehe ich Ihnen auch auf Wunsch persönlich Rede und Antwort. Rufen Sie mich einfach an.

(…)

Wie bereits im ersten Teil dieser Serie geschrieben, es geht nicht darum das nur das eine oder andere System gut oder schlecht ist. Es muss individuell geprüft werden was tatsächlich für die jeweilige Person und Situation am besten ist. Der Vergleich ist auch durchaus berechtigt, wenn er richtig ist und nachprüfbare Fakten enthält. Schade das es hier nicht so war.

Auf der anderen Seite gilt eben auch für die Berater der PKV, dass es unmöglich ist ein solches Produkt in einer Stunde zu „beraten“ und dem Kunden eine „Du hast jetzt einen Top Schutz mit allem drin“ verbunden mit „und die Hälfte der GKV Beiträge gespart“ zu verkaufen. Das ist ebenso unseriös.

Bei der Auswahl der entsprechenden Kriterien und zur Vorbereitung mit Ihrem Berater können Sie gern meinen Leitfaden und den Auswahlkriterien nutzen.

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