Warum ich keine Angebote für die Private Krankenversicherung verschicke

Sven Hennig

Die private Krankenversicherung gehört mit Abstand zu den beratungsintensivsten Versicherungssparten in Deutschland. Wir sprechen über eine (unter Umständen) lebenslange Entscheidung, eine Entscheidung die nicht ohne weiteres wieder revidiert werden kann und daher genauestens überlegt werden sollte. (Eine private Krankenversicherung muss man sich leisten können und wollen) Beitragsanpassungen in der privaten Krankenversicherung sind manchmal ärgerlich, oftmals verständlich und nachvollziehbar und dennoch führen diese immer wieder zu den Gedanken und Überlegungen den Vertrag zu kündigen und zu einem anderen Versicherer zu wechseln. In einer Anfrage der letzten Woche ging es genau darum. Jemand war bereits seit 2010 in einem Tarif der privaten Krankenversicherung versichert und hat nun im Rahmen der Beitragsanpassung eine Erhöhung bekommen.

Beitragserhöhung und die Kündigungsmöglichkeiten

Eine Beitragserhöhung in der privaten Krankenversicherung bedeutet auch ein Sonderkündigungsrecht. Dieses Recht lässt sich innerhalb bestimmter Fristen ausüben und bietet dem Versicherten die Möglichkeit sich nach einem anderen Tarif oder einem anderen Versicherer umzusehen. Der Wechsel der privaten Krankenversicherung hingegen bedeutet immer einen (teilweisen) Verlust der Alterungsrückstellungen, bedeutet eine neue Gesundheitsprüfung und bedeutet den Neubeginn von Wartezeiten und Summenbegrenzungen. Die Entscheidung für oder gegen einen Tarif sollte daher sehr sorgfältig gewählt werden.

„Sind Sie bitte so nett und erstellen mir ein Angebot der xxx“

Dieser Wunsch eines Kunden mag durchaus legitim sein, er möchte ein Angebot, eine für sich passende Empfehlung für oder gegen einen Tarif. In diesem Fall gab es sogar eine konkrete Vorgabe zur Gesellschaft, nicht jedoch final zu dem Tarif. Sollte es doch ein Tarif sein welcher keine absolute Selbstbeteiligung enthält sondern eine sogenannte fallbezogene. Damit ist die Versichererauswahl arg beschränkt, denn es gibt nur die Continentale mit den Tarifen Economy und Comfort, die eine solche fallbezogene Selbstbeteiligung anbieten. Nun hat dieser Tarif durchaus Vorteile, ebenso wie er mindestens genauso viele Nachteile hat. (Lesehinweis: Kommentar zur Einführung des Continentale-Tarifs)

Doch darum soll es in diesem Artikel gar nicht gehen, es geht darum wie Sie zu dem richtigen, für Sie passenden Tarif der privaten Krankenversicherung kommen. Natürlich können Sie hingehen und können jedem oder mehreren Beratern eine E-Mail schreiben mit dem Hinweis, Sie bräuchten ein Angebot. Genauso wie man das mit dem Einbau einer Heizung, der Renovierung des Bades oder anderen Sachen tut, die man sich anschaffen möchte. Der entscheidende Unterschied liegt jedoch darin, dass Sie nicht eine „schnelle Anschaffung“ tätigen, sondern eine Lebensentscheidung treffen.

Das Angebot ist nur so gut, wie die Fragen die davor gestellt wurden

Ich verwende in meiner Beratung einen sogenannten Kriterienfragebogen. Dieser Fragebogen ist vier Seiten lang und enthält unterschiedlichste Fragen zu dem eigenen Wunsch an die zukünftige private Krankenversicherung. Diese Wünsche sollten Sie für sich so spontan als möglich festlegen, denn es gibt mir in der Beratung einen ersten Hinweis darauf, was Sie gern hätten wenn Sie es frei entscheiden. Ohne Hintergedanken über den Preis, das Unternehmen oder andere Vorgaben- einfach Wünsche festlegen. Das bedeutet auch, das diese Anforderungen, die Sie in dem Kriterienfragebogen zunächst festlegen in 99,9% der Fälle nicht erfüllbar sind. Das macht auch gar nichts, denn genau darum geht es. Es geht darum zu verstehen welche eigenen Anforderungen erfüllbar sind, wo Abstriche gemacht werden müssen und welche Vorgaben in der Tarifkombination oder bei der gewünschten Gesellschaft gar nicht vorhanden und damit nicht machbar sind. Würde ich dem Wunsch nachkommen und diesem Interessenten ein Angebot der Gesellschaft XY schicken, vielleicht sogar beider Tarife die diese anbietet, dann verstieße ich hiermit gegen die eigenen Qualitätsmaßstäbe und den eigenen Anspruch an meine Beratung. Eine private Krankenversicherung ist eine so lebenslange Entscheidung, dass ich es persönlich nicht verantworten kann und möchte, dass diese auf  Zuruf  zum Angebot führt. Natürlich muss der Interessent am Ende wissen welcher Tarif in Frage kommt, welche Bausteine er braucht und was diese kosten. Natürlich muss er (irgendwann im Laufe der Beratung) die Unterlagen gemäß Vertragsversicherungsgesetz bekommen, natürlich muss er auch wissen welche Belastung in Form von Beiträgen auf ihn zukommt. Diese Entscheidungen lassen sich aber erst dann begründet treffen und damit auch erst dann begründet Empfehlungen abgeben, wenn ich als Berater einschätzen kann, welche Ansprüche Sie an ihren eigenen Versicherungsschutz haben.

Dabei hilft mir der Kriterienfragebogen als erster Anhaltspunkt. Im Anschluss an den Fragebogen ist ein längeres Telefonat erforderlich um

  • –  persönliche Verhältnisse in Beruf und Familienplanung zu klären
  • –  persönliche Wünsche hinsichtlich spezieller Leistungen zu klären
  • –  individuelle Vorgaben und zukünftige Veränderungen zu berücksichtigen

Erst unter Kenntnis all dieser Umstände und Berücksichtigung des Wissens über Gesellschaften, Tarife und Beitragsentwicklungen, erst jetzt kann ich einen fundierten Rat und eine Empfehlung für mehrere Tarife abgeben. Es wird am Ende dennoch niemals eine konkrete Empfehlung für einen Tarif dabei herauskommen. In den meisten Fällen wird Ihnen der Berater, und genauso tue ich das auch, eine Empfehlung oder eine Entscheidungsgrundlage liefern und Ihnen am Ende die Vor- und Nachteile der einzelnen Optionen aufzeigen. Mit der Ausarbeitung der Leistungsinhalte und der Gegenüberstellung von Leistung- und Sicherungsprämie sollen Sie eine Möglichkeit erhalten selbst eine Entscheidung zu treffen. Eine Entscheidung, die Sie fundiert und begründet an Hand von nachvollziehbaren Fakten treffen können. Unterbreite ich Ihnen hingegen nur ein Angebot einer Gesellschaft, welches ja durchaus aus zwei Tarifen bestehen könnte, ist das nicht nur ein recht deutlicher Verstoß gegen die Verpflichtungen des Maklers, sondern auch widerstrebt dieses meinen eigenen Ansprüchen an eine qualifizierte Beratung zur privaten Krankenversicherung. Diese Beratung ist deshalb so umfangreich, weil es so viele unterschiedliche Punkte gibt die berücksichtigt werden müssen.

Nur wenn Sie wissen was es gibt, können Sie entscheiden was Sie wollen

Diese Aussage verwende ich häufig in den ersten Gesprächen oder in der ersten Email. Denn eins ist klar: Nur wenn Ihnen jemand erklärt welche Möglichkeiten, welche Leistungen und welche Erweiterungen Sie in Ihren Versicherungsschutz einkaufen können, nur dann können Sie überlegen ob es Ihnen wichtig ist.

Denken wir zurück an die Automobilindustrie und die Einführung des Airbags. Heute würde sich niemand mehr ein neues Fahrzeug ohne Airbag kaufen, wenn aber damals der Verkäufer nicht gesagt hätte: „Schau mal hier lieber Kunde wir haben eine ganz neue Innovation, eine Innovation welche Dir mehr Sicherheit bietet.“ dann hätte vermutlich auch damals niemand für den Airbag als Ausstattung entschieden. Niemand wäre auf die Idee gekommen, dass ein mit Luft gefüllter Sack der irgendwo aus dem Lenkrad herausspringt das Sicherheitsbedürfnis während des Autofahrens befriedigen könnte. Und nur weil es jemanden gibt der Ihnen sagt was es gibt, nur deshalb können Sie entscheiden was Sie wollen. So, oder zumindest so ähnlich ist es in der privaten Krankenversicherung. Wenn ich Ihnen sage, dass Sie Hospizleistungen absichern können, dann können Sie sich überlegen ob Ihnen die wichtig sind oder ob Sie die Kosten alleine tragen. Wenn ich Ihnen sage, dass es Versicherer gibt die Vorsorgeuntersuchungen außerhalb der Selbstbeteiligung bezahlen, nur dann können Sie überlegen ob Ihnen das wichtig ist oder ob Sie die Vorsorgeuntersuchungen einfach sowieso selber zahlen wollen. Und nur dann, wenn ich Ihnen sage, dass es neben der fallbezogenen noch eine absolute und auch eine prozentuale Selbstbeteiligung gibt und diese sich sowohl steuerlich als auch vertragsrechtlich anders auswirken, nur dann können Sie die Möglichkeiten vergleichen und sich in Ruhe eine Meinung bilden. Und erst wenn Sie sich diese Meinung gebildet haben, erst dann ist es möglich final und verbindlich eine Entscheidung zu treffen.

Es tut mir leid, Angebote verschicken ist nicht.

Das mag jetzt hart klingen ist es aber gar nicht. Ich möchte, dass Sie verstehen welche Art von Versicherungsschutz Sie kaufen. Ich möchte, dass Sie verstehen welchen Umfang an Versicherungsschutz es gegeben hätte. Wenn Sie sich dann, unter Kenntnis dessen was es gegeben hat, dagegen entscheiden und sich für eine abgespeckte Version des Versicherungsschutzes entscheiden, dann ist das vollkommen in Ordnung. Auch hier: nicht jeden Luxus den es gibt, muss man auch haben. Dennoch gibt es viele Leistungsbereiche die mittlerweile in verschiedenste Tarife der privaten Krankenversicherung Einzug gehalten haben, die noch vor Jahren nur im Luxussegment zu finden waren. Wir finden Mindestleistungen, wir finden Leistungserweiterungen und wir finden Zusatzbausteine. All diese Punkte müssen Sie aber zunächst einmal kennen, verstehen um dann zu entscheiden in welchem Umfang der Versicherungsschutz wichtig ist.

Der richtige Weg zur privaten Krankenversicherung

Und das ist genau der Grund, warum ich einfache Angebote auf Anforderung eines Interessenten nicht verschicken möchte und werde. Schicke ich genau diesem Interessenten dieses eine Angebot,  nehme ich ihm die Entscheidungsmöglichkeit für den Rest des Marktes. Der Weg zur richtigen und damit meine ich passenden privaten Krankenversicherung, führt über eine ausführliche Analyse, mehrere Gespräche und als nächsten Schritt die erste Auswertung. Erst viel später kommen Risikovoranfragen, Arztanfragen und Risikoeinschätzungen dazu  und erst am Ende wenn die Tarifentscheidung aufgrund von Leistungskriterien, Unternehmenskennzahlen und den persönlichen Wünschen. Natürlich spielt die Risikoentscheidung eine Rolle und ist das letzte i-Tüpfelchen zum fällen einer Entscheidung. Der Weg, sich von vornherein auf einen Tarif festzulegen und im Zweifel sogar nur bei diesem Versicherer Risikovoranfragen zu starten, führt bei vorhandenen Vorerkrankungen zu einer verzerrten Wahrnehmung des Marktes. Denn wer nur einen Versicherer fragt, wie er bestimmte Erkrankungen hinsichtlich des Risikos einschätzt, der wird nie erfahren was die anderen gedacht haben. Und es gibt niemals nur einen einzigen Tarif oder einen einzigen Versicherer der auf das persönliche Leistungsniveau passt. Es gibt eine Reihe von Versicherern die entsprechende Tarife, Tarifkombinationen oder -bausteine anbieten um den persönlichen Bedarf abzudecken. Dabei spielen neben heutigen Leistungsvorgaben genauso zukünftige Entwicklungen hinsichtlich der eigenen beruflichen, privaten und familiären Planung eine Rolle. Daher führt der Weg zur passenden privaten Krankenversicherung über die folgenden Schritte:

1.     Überlegen Sie sich welche Leistungen Ihnen wichtig sind. Bei der Auswahl der verschiedenen Leistungsbausteine hilft Ihnen ein Überblick in meinem Leitfaden zur privaten Krankenversicherung (LINK).

2.     Füllen Sie den Kriterienfragebogen so spontan als möglich aus, nachdem Sie die Informationen über die Auswahlkriterien zur privaten Krankenversicherung sorgfältig gelesen haben.

3.     Nehmen Sie sich Zeit für ein erstes, längeres Telefonat. In diesem besprechen wir viele Fragen die gar nicht in dem Fragebogen auftauchen, denn sonst hätte dieser zahn statt nur vier Seiten. Hier überlegen wir gemeinsam wie sich zukünftig die eigene Situation ändern könnte oder vielleicht sogar schon ändern wird und welche Folgen dieses für den Versicherungsschutz haben kann.

4.     Als nächstes erhalten Sie eine erste Auswahl von drei, vier oder vielleicht fünf Tarifen und Gesellschaften der privaten Krankenversicherung, aufgrund derer Sie zunächst einmal überlegen können ob das was die Tarife bieten gleichzusetzen ist mit dem was Sie gern hätten. Sie werden immer Tarife finden welche Leistungen anbieten, die Ihnen sogar zu viel sind, ebenso gut werden Sie in fast jedem Tarif Leistungen finden die vielleicht etwas anders/ etwas besserer gelöst werden können. Wenn Sie diese Tarifauswahl als Grundlage nehmen und markieren sich beim Lesen in jedem Text und jeder Formulierung mit der ersten Farbe (das kann grün sein) die Punkte welche für Sie positiv aussehen und machen das Gleiche in rot mit den negativen Punkten, so können wir diese im nächsten Telefonat besprechen.

5.     In dem nun folgenden Telefonat besprechen wir die Tarife und die Details der Leistungsaussagen. Hier kommen wir zurück auf Ihre farblichen Markierungen und versuchen den Tarif zu finden, der die größtmögliche Übereinstimmung mit Ihren Vorgaben besitzt. Also den Tarif mit den (bildlich gesprochen) meisten grünen Punkten. Natürlich hat der Tarif nicht nur grüne sondern auch rote Punkte. Durch etwas Nachjustierung und Veränderung der Tarifauswahl oder des Einschlusses von Zusatzbausteinen lassen sich diese “roten Punkte“ in grüne umwandeln.

6.     Jetzt sind wir soweit, dass wir bei einer weiteren Tarifauswahl gelandet sind und bei dieser verfeinerten Auswahl uns an die Voranfragen starten können. Jetzt heißt es also Arztakten zusammensammeln, Fragebögen ggf. auszufüllen und die Gesundheitsfragen aus dem zukünftigen Antrag zu beantworten.

7.     Nachdem die Risikoentscheidungen vorliegen erfolgt die letzte Feinjustierung. Jetzt sind wir in der Situation, dass wir Tarifprämien und auch die Endprämien inklusive individueller Zuschläge bereits kennen und uns anhand derer Zahlen für die finale Ausgestaltung entscheiden können.  Jetzt ist es an der Zeit sich über die Höhe des Krankentagegeldes, den möglichen Einschluss einer Beitragsentlastungskomponente oder weiterer Zusatzbausteine Gedanken zu machen.

8.     Nun kommen wir zur finalen Auswahl des entsprechenden Tarifes. Nachdem dieses geschehen ist können wir jetzt den Antrag stellen.

9.     Nachdem der Versicherer den Antrag so wie gestellt angenommen hat (das wird er tun, falls sich die Voranfragen aus der Risikovoranfrage nicht verändert haben), halten Sie bald die Police in den Händen und können nun den Versicherer wechseln. Dabei spielt es keine Rolle ob Sie aus der gesetzlichen oder einer anderen privaten Krankenversicherung kommen, in jedem Falle sind die Abläufe nahezu identisch.

Mit diesem Artikel möchte ich Ihnen eine Hilfestellung geben, eine Hilfestellung dafür, wie Sie zur passenden Auswahl des entsprechenden Tarifes kommen. Ich möchte Ihnen aber auch erklären, wie meine Beratungsphilosophie ist, warum ich manche Sachen und manche Entscheidungen für mich getroffen habe und warum das Versenden von Angeboten zur privaten Krankenversicherung nicht möglich ist. Zumindest dann nicht, wenn die Vorgespräche und die Auswahl über den Fragebogen bisher nicht erfolgt sind.  Ich helfe Ihnen wirklich gern weiter und unterstütze Sie bei der Auswahl mit dem, teilweise recht langwierigen und schwierigen, Prozess für die Entscheidungsfindung für die private Krankenversicherung. Am Ende können wir durchaus gemeinsam zu der Entscheidung kommen, dass der Weg in die private Krankenversicherung nicht der richtige für Sie ist. Auch dann gilt es danach zu schauen, ob Zusatzversicherungen oder andere Möglichkeiten den gewünschten Leistungsumfang abdecken können. Wenn Sie weitere Fragen haben können Sie gern über das Kontaktformular (LINK) oder den Live Chat auf der linken Seite dieser Internetseite stellen.

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3 Antworten zu “Warum ich keine Angebote für die Private Krankenversicherung verschicke”

  1. Sven Klebba Says:

    Sehr interessant.Jahrelang zu „nett“ gewesen.

  2. Simon - Tarifwechsel Says:

    Es hat Spaß gemacht Ihren Beitrag zu lesen.
    Mit den vielen Absätzen ist es verständlicher einen Artikel zu lesen, gerade bei einem Thema wie dem PKV Tarifwechsel.

  3. Sven Hennig Says:

    Danke Ihnen. Dennoch sind die Kommentare nicht dazu da, Werbung für eine Adressensammelseite zu machen.

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