Warum billig, billiger, am billigsten in der Privaten Krankenversicherung eben kein Argument ist

Sven Hennig

Ich sehe es schon kommen. Es ist 2015, in einer Talkshow sitzt ein weinender Kunde, welcher von dem bösen Versicherer die Rechnung für medizinische Leistungen nicht erstattet bekam, oder (und) zudem seine Beiträge in den letzten Jahren stark gestiegen sind. Stärker als in der gesetzlichen Kasse, stärker als bei Kollegen, Freunden oder Bekannten. Dann ist der Versicherer böse, das Mitleid des Moderators und der Zuschauer ist dem armen Mann sicher.

Aber wie kommt es zu solchen Szenen?

Ein Grund für verärgerte Kunden, schnell steigende Beiträge und damit unliebsamen Frust sind auch solche Mails, welche MaklerbetreuerInnen an Makler, Berater und Vertreter senden. Immer verbunden mit der „Message“: „Schau her lieber Berater, wir sind billiger als die anderes, es kostet lediglich knapp 200 Euro deinen Kunden privat zu versichern.“

DER START FIT WURDE BEI EINEM TEST VON KRANKENVOLLVERSICHERUNG DER ZEITSCHRIFT TESTSIEGER!

In der aktuellen Ausgabe der Zeitschrift wurden in Zusammenarbeit mit dem Analysehaus KVPro Krankenvollversicherungen getestet. Der Start Fit wird in der Kategorie bis 1.000 EUR Selbstbehalt Testsieger mit der Höchstnote „sehr gut“. Der Top Fit erreicht eine hervorragendes Ergebnis im Preis-, Leistungsvergleich und ebenfalls die Gesamtnote „sehr gut“. Der Pro Fit landet mit der Gesamtnote „sehr gut“ ebenfalls in der Spitzengruppe bei der Kategorie der Tarife ohne Selbstbeteiligung. Hier der Link zum Artikel:

In der Anlage finden Sie die Testergebnisse als pdf. Mit Versicherungsbeginn 01.01.2014 steht Ihnen auch unser STARTFIT KVS3

MIT EINER JÄHRLICHEN SELBSTBETEILIGUNG VON 1.000€ zum Verkauf zur Verfügung. Die HanseMerkur erweitert ihr Produktportfolio damit um einen weiteren höchst attraktiven Baustein.

35-Jährige zahlen dafür inklusive des Gesetzlichen Zuschlags LEDIGLICH 207,89€.

Machen Sie den Wettbewerbsvergleich. Bei Rückfragen stehe ich Ihnen sehr gerne zur Verfügung.

Da wird wieder einmal auf den Preis geguckt, und nur auf den. Schaut man sich den Test im Detail an, so erkennt man einige sehr eigenwillige Punkte und Bewertungen, dazu aber mehr in einem anderen Beitrag.

Aber ich will doch günstigen Versicherungsschutz?!

Bei der Suche nach dem passenden Versicherungsschutz ist es wichtig auf die Leistungen zu schauen. Entscheidend ist zunächst einmal, welche Leistungen einem persönlich wichtig sind, welche Leistungen selbst getragen werden können und wie die eigene  Situation heute und auch die Planung in Zukunft aussieht.

Gegen ein ausgewogenes Preis-Leistungsverhältnis spricht absolut nichts. Auch gegen einen Blick auf die heute zu zahlende Prämie spricht nichts, aber eben nicht billig, sondern ausgewogen. Anscheinend ist das aber bei der Dame hier noch nicht angekommen.

Soll ich denn dann zur Hanse Merkur wechseln?

Nein, sollen Sie nicht. Unter bestimmten Umständen können Sie das natürlich tun, wenn die Leistungen im Tarif denen entsprechen die Sie für sich wünschen, die Lücken und (versteckten oder offen formulierten) Einschränkungen von Ihnen akzeptiert werden und sie nebenbei Geld zurücklegen können, um für das Alter und die Beitragssteigerungen vorzubeugen. Es wäre hellseherisch zu prognostizieren, welche Tarife wie stark ansteigen, das geht heute und auch in Zukunft nicht. Dennoch ist es bei Tarifen die sehr billig sind eher wahrscheinlich, das hier auch Bedarf an Anpassungen besteht. Das sollten Sie- ungeachtet der Gesellschaft- immer im Hinterkopf haben. Ein Tarif der sehr vorsichtig und ausgewogen kalkuliert ist (und daher nicht billig sein kann) muss auch nicht immer und in alle Ewigkeit beitragsstabil sein, die Wahrscheinlichkeit ist aber eben eher höher.

Wie lassen sich solche, eingangs geschilderten, Szenerien vermeiden?

Zunächst einmal sollten Sie genau überlegen, ob die Private Krankenversicherung das richtige System für Sie ist. Eine PKV muss man sich leisten können und wollen und sich darüber im Klaren sein: „Leistung kostet Geld“.  Wer sich heute als Selbstständiger oder Neugründer eigener eigenen Existenz die (Mundest-)Beiträge in der gesetzlichen Krankenkasse (GKV) nicht leisten kann, der ist in der PKV falsch aufgehoben, auch wenn der Tarif (heute) billiger sein kann.

Wenn Sie zudem noch berücksichtigen, was für einen Leistungsumgang, Versicherer, welche Rechtsform und dergleichen Sie wählen, dann sind Sie schon einmal auf einem guten Weg. Eine Garantie gibt es in keinem der Systeme und am Ende hat ein solcher Versicherungsschutz immer viel mit Vertrauen zu tun.

Nur zur Erklärung: Ich habe nichts gegen die Hanse Merkur, weder gegen den Versicherer noch gegen die Tarife, wenn diese denn dann auf den Bedarf passen und nicht als „wir sind die besten“ verkauft werden. Bereits damals habe ich zum Tarif Start Fit etwas in dieser Hinsicht geschrieben, aber auch zu den neuen Tarifen in der Unisexwelt gibt es einiges zu sagen. Auch lässt sich von einer Mail einer Maklerbetreuerin nicht auf das ganze Unternehmen schließen, das soll es auch nicht. Was mich (und viele Kollegen, was die Diskussion in Fachforen zeigt) stört, das so die Probleme von morgen heran gezüchtet werden und die gesamte Branche in Misskredit kommt.

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4 Antworten zu “Warum billig, billiger, am billigsten in der Privaten Krankenversicherung eben kein Argument ist”

  1. Sepp78 Says:

    Meines Erachtens sind die Klinkenputzer und Türeintreter die schlimmsten in Sachen Billig-PKV. Ich selbst wurde 2006 von einem solchen „Strukturvertrieb“ in einen PKV-Vertrag mit dem Geldargument gedrängt, damals als Existenzgründer. Klar war ich damals froh um jeden Cent den ich sparen konnte, lag der Monatsüberschuss doch gerade mal bei 500 EUR. Ich habe dem Strukturvertriebler eben vertraut, der mir das Blaue vom Himmel herunter gelobt hat. Natürlich war das Blauäugig, ich hatte damals aber ganz andere Sorgen und war froh, um jedes Ding, um das ich mich nicht kümmern musste.

    Der Beitrag explodierte dann in Folge und hatte sich bis zum Ende des Jahres 2010 verdreifacht. Daraufhin habe ich dann einen Makler gesucht und mich mal „gescheit“ beraten lassen. Habe dann den Versicherer gewechselt und bin seither hoch zufrieden, die Leistungen passen und die Beiträge sind recht stabil, dafür halt nicht billig.

    Das Hauptproblem liegt hier imho. in zwei Bereichen, die Strukturvertriebler haben null Ahnung von PKV und Verkaufen nur über den Preis. Abschlüsse zählen und nicht Kundenzufriedenheit. Denn wer erst mal unterschrieben hat, kommt ja so leicht nicht mehr wo anders hin, zumindest ist der Wechsel mühselig (Versicherungspflicht) und auch Kostenintensiv (Altersrückstellungen gehen flöten).

    Der andere Punkt ist der, dass gerade Existenzgründer vom Staat geradezu in die PKV getrieben werden, ohne dass sie sich diese eigentlich leisten können. Stichwort Mindestverbeitragung in der GKV. Wer ist da nicht versucht, bei knapper Kasse doch den PKV-Vertrag beim Strukturvertriebler für 120 EUR im Monat zu unterzeichnen statt 360 EUR an die GKV zu zahlen bei einem sehr kleinen Gewinn in der Gründungsphase.

    Heute bin ich froh, dass ich es geschafft habe. Ich verdiene gut, aber eine gute aber nicht preiswerte PKV und bin zufrieden. blicke aber auf einen 5 jährigen PKV Alptraum zurück in dem ich mit Beitragsanpassungen von 50% und mehr konfrontiert war. Ursächlich war sicher meine eigene Naivität und Gutgläubigkeit, aber auch der Umstand, dass von der Versicherungsbranche diese schamlos ausgenutzt wurde und die Beratung ohne Dokumentation sehr einseitig erfolgte. Eigentlich hätten bei mir die Alarmglocken klingeln müssen, denn Argumente und Offerten waren zu gut, um wahr zu sein. Nun ja, ich habe viel Lehrgeld bezahlt. Ausbaden muss das nun aber mein heutiger Makler, da ich extrem kritisch geworden bin in Sachen Versicherungen und das nicht nur im Bereich PKV sondern auch bei anderen Versicherungen wie Rentenversicherung, BU etc. Imho schadet sich die Versicherungsbranche mit diesen Unseriösen Methoden selbst mehr als sie nutzen daraus zieht. Man muss aber zur Verteidigung auch sagen, es gibt neben den vielen schwarzen Schafen auch gute Leute, wie Herrn Hennig oder mein örtlicher Makler, die für den Kunden arbeiten und an einer langfristigen Geschäftsbeziehung zu einem zufriedenen Kunden interessiert sind und nicht in der Hauptsache so viel wie möglich verkaufen möchten. Der Umstand, dass der Strukturvertriebler Experte in PKV, Haftpflicht, Rentenversicherung, Lebensversicherung, div. Sachversicherungen und auch noch Kapitalanlagen verkaufen will, sollte einen aufhorchen lassen, zumindest wenn einem sein Vermögen was wert ist.

  2. Andreas Joachim Says:

    Sie sprechen mir aus dem Herzen. Ich kann dieses Marktgeschreie nicht mehr hören. „Wir sind die billigsten, wir sind die besten, die anderen erhöhen dieses Jahr um so und soviel Prozent.“ Meistens schreien die am lautesten, die sicher selber an die Nase fassen müssten.

  3. Ilona Says:

    Es ist doch immer wieder das Selbe. Jeder will maximale Leistung haben aber das ganze am Besten für Umme. Da helfen auch tolle Seiten wie http://www.privatekrankenversicheXXXXXX nicht weiter die Mindestbeiträge kommunizieren und dann keiner mehr bereit ist die Beiträge zu zahlen, die für eine gute Leistung nun mal fällig werden.
    Danke für einen solch kritischen Kommentar zum Thema!

  4. ute Says:

    Alle sparen am falschen ende, selber schuld.

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