Unisextarife – warum „teurer“ nicht immer schlechter sein muss

Sven Hennig

In einem Artikel des Stern online aus der letzten Woche beschwerte sich Hr. Kleinlein vom Bund der Versicherten über höhere Prämien in den neuen Unisextarifen der privaten Krankenversicherung, angeblich würde es für Männer teurer, für Frauen aber nicht billiger. Warum nur?

Klar verkaufen sich schlechte Nachrichten besser als gute und darum wird dann auch nicht weiter auf die Unterschiede der einzelnen Tarife eingegangen, denn die Unisextarife sind bei den meisten Unternehmen so gar nicht mehr mit den alten Tarifen zu vergleichen.

Unterschiede oftmals im Detail

Auch wenn diese äußerlich oftmals nur durch einen kleinen Zusatz, einen Punkt oder einen weiteren Buchstaben zu unterscheiden sind, so ist es „innen“ doch oftmals ganz anders. Es ist einfach „mehr drin“ in den neuen Tarifen. Das liegt zum einen an der Tatsache, das viele Gesellschaften die so genannten Mindestkriterien in Ihre Tarife eingeführt haben und somit die Empfehlungen des PKV Verbandes umgesetzt haben, zum anderen sind auch weitere Verbesserungen eingeflossen.

Diese „Mehrleistungen“ gelten eben nicht für die alten Tarife und die Bestände, sondern ausschließlich für die neuen Tarife. Wer bisher in einem Tarif versichert ist und diese Leistungen dennoch für sich haben möchte, der kann in die neuen Tarife umstellen. Ob das Sinn macht und für wen genau, dass lässt sich pauschal nicht sagen, hierzu ist eine genaue Analyse nötig.

Weitere Unterschiede in den Tarifen

Wer aber eine solche Umstellung vornimmt, der muss auch mit allen anderen Umständen leben. So sind die neuen Tarife nicht mehr mit einem Zins von 3,5% kalkuliert. Das ist der Zins, den der Versicherer für die Alterungsrückstellungen ansetzt und mit dem diese (kalkulatorisch) verzinst werden. Da die Entwicklung der Zinsmärkte auch an den Privaten Krankenversicherern nicht spurlos vorüber geht und auch diese von geringeren Zinserträgen betroffen sind, wurde die Senkung durch die Aktuare empfohlen. So finden wir heute neben dem 2,75% Zins, auch Gesellschaften welche mit 2,5% kalkulieren und somit noch etwas mehr Sicherheit einbauen.

Erwirtschaftet der Versicherer aber dennoch höhere Erträge, so kommen diese auch den Versicherten zu Gute und sind ein zusätzlicher Ertrag. Somit ist eine Senkung des kalkulierten Zinses nicht unbedingt schlecht, schafft er doch mehr Sicherheit in der Kalkulation, auch wenn dieser erstmal zu höheren Beiträgen führt.

Fazit

1.) ist es sowieso nicht mehr zu ändern. Eine Wahlmöglichkeit besteht nicht und wessen Antrag nicht mehr angenommen wurde oder wer noch keine Chance hatte einen solchen Antrag zu stellen, der muss mit den neuen Tarifen leben

2.) Die neuen Unisextarife bieten eine Vielzahl von Leistungsverbesserungen, die natürlich zu bezahlen sind. In meinem Beitrag zu den neuen Tarifprämien der Süddeutschen Krankenversicherung (SDK) finden Sie ein Schaubild welches die Auswirkung der einzelnen Unterschiede auf die Prämien verdeutlicht. Dort ist gut zu erkennen, welch (kleiner) Anteil auf Unisex und welcher Teil auf Mehrleistungen oder veränderten Garantiezins entfällt.

3.) Wenn Sie heute versichert sind und überlegen Ihren Schutz zu verändern, sei es weil er nicht passt, Sie unzufrieden sind oder weshalb auch immer, dann überlegen Sie dieses genau, aber: es kann durchaus Sinn machen.

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