Tarifwechsel in der privaten Krankenversicherung

Sven Hennig

Wer die Wahl hat, hat die Qual. Jeder, der nicht zu den Krankenversicherungspflichtigen gehört, also jeder, der kein Arbeitnehmer ist oder die Versicherungspflichtgrenze von 56.250 Euro pro Jahr übersteigt, kann wählen, ob er sich gesetzlich oder privat krankenversichern möchte. Während die Höhe der Beitragssätze in der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) festgelegt ist, allerdings seit 2016 mit einem Zusatzbeitrag versehen werden kann, werden bei den privaten Krankenversicherungen (PKV) die Tarife nach statistischen Angaben berechnet. Und zwar danach, wie viel die medizinische Versorgung eines Versicherten im Laufe seines Lebens – statistisch gesehen – kosten wird. Dabei setzt sich der Beitrag aus dem Risikoanteil, dem Verwaltungskostenanteil und dem Sparanteil zusammen. Und dann wäre da noch die Leistung: Je mehr man als Versicherter haben möchte, umso höher werden die Beiträge.

Geld sparen durch Tarifwechsel innerhalb der VersicherungDas heißt aber nun nicht, dass die Beiträge in der PKV immer stabil bleiben. So werden Beiträge regelmäßig angepasst. Grund dafür sind zum einen die Fortschritte in der Medizin, zum anderen die immer höhere Lebenserwartung. Diese Erhöhungen können auf Dauer gesehen für den Versicherten teuer werden. Die Lösung: Ein Tarifwechsel innerhalb der Versicherung, der erheblich Geld sparen lässt. Dabei gibt es jedoch einiges zu beachten!

Wann sich ein Tarifwechsel lohnt

In schöner Regelmäßigkeit kreieren private Krankenversicherungen neue Tarife, von denen bereits Versicherte allerdings wenig bis gar nichts mitbekommen. Denn die Versicherungen präsentieren diese Tarife nur denen, die als Neukunden angelockt werden sollen. Und diese erhalten natürlich weitaus günstigere Preise. Das heißt aber nicht, dass alteingesessene Kunden nicht auch in den Genuss dieser günstigeren Tarife kommen können – und das bei oftmals gleichen Leistungen. Was der Kunde, der sparen möchte, jetzt tun muss ist einfach: Vergleichen! Im Idealfall mit einem guten Versicherungsberater. Der Experte von Krankenversicherung.com ist überzeugt: „Wer seinen Vertrag vom Experten untersuchen lässt, kann oft erhebliche Prämieneinsparungen erzielen.“ Auf keinen Fall sollte direkt die Versicherung nach einem günstigeren Tarif angefragt werden, da diese natürlich kaum Interesse haben wird, von bereits Versicherten für gleiche Leistungen weniger Geld zu bekommen. Und auch bei der Eigensuche nach einem günstigeren Tarif kann man schnell den Überblick verlieren, denn Versicherer haben oftmals mehrere hundert Tarife im Angebot.

Das sollte man bei einem Tarifwechsel wissen:

  • Versicherte in einem Alttarif – der oftmals gar nicht mehr angeboten wird – zahlen mehr, weil
    • das Durchschnittsalter der Tarifgemeinschaft steigt
    • die Versicherten häufiger krank werden
    • für Behandlungen höhere Kosten gezahlt werden müssen
  • Höhere Kosten in Tarifen entstehen, wenn viele Gesunde wechseln. Der Experte spricht dabei von „Entmischung“. Ergo halten sich die Einnahmen und die Kosten nicht mehr die Waage, die Tarife werden erhöht!
  • Je länger man in einem Tarif versichert ist, umso vielversprechender ist es, einen Tarifwechsel zu vollziehen.
  • Sofern ein Wechsel in einen Tarif mit besseren Leistungen erwägt wird, muss man damit rechnen, dass der Versicherte einen Risikozuschlag verlangen kann.
  • Auch eine erneute Gesundheitsprüfung oder eine Wartezeit, in der die höheren Leistungen nicht in Anspruch genommen werden können, ist möglich.
  • Bei einer negativen Gesundheitsprüfung kann der Versicherer die höheren Leistungen ausschließen.

Im Übrigen ist ein Tarifwechsel immer einem Versicherungswechsel vorzuziehen. Der Grund sind vor allem die sogenannten Altersrückstellungen. Diese werden von Versicherungen angelegt, da damit zu rechnen ist, dass im Alter häufigere Behandlungen notwendig sind. Damit die Versicherungsprämien bezahlbar bleiben, werden die Altersrückstellungen angespart. Bei einem Tarifwechsel bleiben diese erhalten, bei einem Versicherungswechsel nicht.

Versicherer versuchen den Tarifwechsel ihrer Kunden zu verhindernTarifwechsel in der privaten Krankenversicherungen

Dass die Versicherungsgesellschaften wenig Interesse daran haben, für die gleiche Leistung weniger Geld einzunehmen, liegt auf der Hand. Aus diesem Grund versuchen viele Versicherer dem Kunden Steine in den Weg zu legen und kommen oft mit Behauptungen daher, die so nicht stimmen:

  • Ein Tarifwechsel kann nur gegen eine Gesundheitsprüfung stattfinden.
  • Ein Tarifwechsel ist an einen Risikozuschlag gebunden.
  • Der günstigere Tarif ist nur für Neukunden.
  • Der Tarif kann nur von bestimmten Jahrgängen abgeschlossen werden.
  • Es ist nicht möglich, bei gleichem Versicherungsschutz weniger zu zahlen. Dies ist unvereinbar!
  • Das Wechselverfahren ist kompliziert und zeitaufwändig.

Durch diese Behauptungen soll ein Tarifwechsel verhindert werden, dann dieser lässt die Versicherungsgesellschaften das Geld, das durch niedrigere Prämien gespart wird, verlieren und gleichzeitig werden die attraktiven Tarife für Neukunden kaputtgemacht.

Kein Wunder, dass die Versicherungsunternehmen so reagieren. Auch wenn die privaten Zusatzversicherungen in den letzten Jahren gestiegen sind, die Zahl der Versicherten mit Krankenvollversicherung stagniert.

Jahr Krankenvollversicherung Priv. Pflegeversicherung Priv. Zusatzversicherung

Jahr Krankenvollversicherung Priv. Pflegeversicherung Priv. Zusatzversicherung
2009 8.811.000 9.534.000 21.478.000
2010 8.896.000 9.593.000 21.969.000
2011 8.976.000 9.667.000 22.499.000
2012 8.956.000 9.620.000 23.071.000
2013 8.890.000 9.538.000 23.895.000
2014 8.834.000 9.473.000 24.342.000

Quelle: de.statista.com

Tarifwechsel: Beispiele und Ersparnisse

Spätestens zum Jahresende hin werden viele Versicherte der PKV daran erinnert, dass die Versicherungsprämien der Krankenversicherung steigen. Denn dann flattern regelmäßig Schreiben ins Haus, die eine Erhöhung für das kommende Jahr vorsehen. Spätestens dann sollte man aktiv werden und die Erhöhung nicht einfach hinnehmen. Ein paar unverbindliche Rechenbeispiele sollen die Ersparnis bei einem Tarifwechsel deutlich machen.

• Ein 40-jährigen Selbstständiger zahlt bisher 427,00 € monatlich. Durch einen Tarifwechsel reduziert sich die Versicherungsprämie auf monatlich 323,00 €. Das ist eine Ersparnis von 104 € im Monat. Davon gehen einmalige Beratungskosten für den Versicherungsexperten in Höhe von 742,56 € weg, bleibt für das erste Jahr eine Ersparnis von 505,44 €. Nach dem zweiten Jahr hat man sich bereits 1.753,44 € gespart und nach fünf Jahren sind es 5.497,44 €.
• Ein 49-jähriger Angestellter, der über der Versicherungspflichtgrenze liegt, zahlt in seinem alten Tarif 620,00 €. Nach dem Wechsel in einen neuen Tarif zahlt er nur noch 330,00 €, eine Ersparnis von 290,00 € monatlich. Abzüglich der Beratungskosten von 2.070,60 € spart er sich im ersten Jahr nach dem Wechsel 1.409,40 €. Nach dem zweiten Jahr hat er sich 4.889,40 € gespart, nach fünf Jahren 15.329,40 €.
• Eine 74-jährige Rentnerin zahlt 735,00 € in ihrem alten Tarif und wechselt in einen neuen, in dem sie nur noch 506,00 € monatlich zahlen muss. Die Ersparnis von 229,00 € im Monat bedeutet – abzüglich der Beratungskosten von 1.635,06 € eine Ersparnis von 1.112,94 € im ersten Jahr. Nach dem zweiten Jahr hat sie bereits 3.860,94 € eingespart, nach dem fünften Jahr sind es 12.104,94 €.

Diese Rechenbeispiele zeigen deutlich, wie sinnvoll es ist, die Tarife der privaten Krankenversicherung zu vergleichen und im Fall des Falles zu wechseln.

Disclaimer: Bei dem Artikel handelt es sich um einen Gastbeitrag, welcher hier im Blog veröffentlicht wird.

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