Stern TV und Hr. Rudnik vom Bund der Versicherten zum Thema (private und gesetzliche) Krankenversicherung- oder fragen Sie den Blinden nach den Farben des Regenbogens

Sven Hennig

Es ist schon beeindruckend, wie man es bei den deutschen TV Anstalten schafft, „Spezialisten“ einzuladen und Themen so aufzubereiten, dass diese in die eine gewollte Richtung gehen. Ein solches Glanzstück durfte erleben, wer gestern Abend (10.10.2012, 22:15 Uhr) die Sendung sternTV eingeschaltet hat. Im Vorfeld hatte RTL auf seiner Hompage bereits berichtet, welche „Spezialisten“ man in der Sendung haben wird. Einer der ausgewiesenen Experten zum Thema Krankenversicherung sollte Hr. Rudnik vom Bund der Versicherten sein. Bevor Sie nun weiter lesen, machen Sie sich einmal schlau wer der BdV ist, wer ihn wie bezahlt und welche Ziele er somit verfolgen könnte, das aber nur am Rande.

Doch zurück zur Sendung. Wie immer geht es in solchen Formaten um „drastische Beispiele“ des bösen Versicherers, des nichtsahnenden und unbedarften Kunden. Eines der Beispiele lässt sich noch im Nachhinein auf der Homepage von sternTV nachlesen. So heißt es da im Detail:

Vor zehn Jahren hatte er bei der Allianz einen Vertrag mit einer fatalen Regelung geschlossen: Kosten für Hilfsmittel wie Rollstühle und Prothesen werden nur bis 2.500 Euro pro Jahr übernommen. Dadurch sind ihm rund 10.000 Euro eigene Kosten entstanden. Zwar hatte die Allianz ihm mehrfach ein Hochstufung seine Tarifs angeboten. Welche existenziellen Leistungseinschränkungen ihm im Fall der Fälle möglicherweise drohen, das war Austmeier nicht klar. Das bemängeln auch Experten: Die Köder-Tarife werden nicht bedarfsgerecht für Kunden entwickelt, sondern mit Blick auf den Preis, um beim Versicherungsvergleich zunächst gut abzuschneiden und den Kunden für sich zu gewinnen. Das hat dazu geführt, dass viele Billigtarife mit drastischen Leistungsausschüssen auf dem Markt sind.

Da hat also ein Kunde vor 10 Jahren den Schritt in einen Billigtarif vollzogen, mit einem Berater oder nicht, mit einem Makler oder nicht, um möglichst viel Geld zu sparen. Nur mal angenommen, dieser Billigtarif habe damals 300 EUR gekostet, was für viele dieser Tarife schon zuviel ist (man will ja billig), mit welcher Berechtigung kann und sollte dieser dann mehr, oder soviel leisten, wie in der gesetzlichen Krankenkasse (GKV)?

Es ist schlichtweg unmöglich aus dem einen in ein anderes System zu wechseln, dabei 50% und mehr an Beitrag zu sparen und dann auch noch der Meinung sein zu wollen, das hier die gleichen oder gar bessere Leistungen zur Verfügung stehen. Die Private Krankenversicherung ist kein Produkt, wo es auch nur ansatzweise gelingen würde, Geld zu sparen. Wie auch, bei gleichen oder besseren Leistungen (und möglicherweise höheren Arztkosten) muss auch hier das Geld „irgendwo her kommen“. In meinem Blogbeitrag „Eine private Krankenversicherung muss man sich leisten können und wollen“ habe ich im Detail genau zu diesem Thema geschrieben.

Das Problem ist aber leider ein anderes.

Es muss in der Beratung (bei meinen Kunden zum Glück nicht) immer billig sein. Auf der anderen Seite ist aber der Kunde nicht bereit (und der Berater vielfach nicht in der Lage) die Unterschiede und großen Gefahren einer falschen Tarifwahl darszustellen. Eine Leistung von 2.500 Eur für Prothesen ist schlichtweg zu wenig und das gleich aus zwei Gründen. Einer der Gründe liegt in der Tatsache, das der Betrag heute für eine Versorgung zu niedrig ist. Bei einem (üblichen) Preis von bis zum 25.000 Eur pro Prothese (wie in einem anderen Fall der Sendung) sind 2.500 EUR ein Tropfen auf den heißen Stein, aber nicht mehr. Zudem sind absolute Betragsgrenzen ein großes Problem, denn was sind 2.500 EUR heute, in 10, 20 oder 30 Jahren noch wert? Und bevor Sie narüber nachdenken- nein- es findet keine automatische Anpassung dieser Grenzen an die Inflation oder gar steigende Kosten statt.

Es ist viel schief gegangen in der PKV Beratung

Nicht nur bei dem Skandalvertrieb MEG aus Kassel, wo man der Meinung war in 20 Minuten müsste die PKV verkauft sein, auch andere Berater und Unternehmen haben genau das versucht. Eine Beratung zur Privaten Krankenversicherung dauert aber Stunden. Vielleicht nicht 20, aber irgendwas in der Mitte von 20 Minuten und 20 Stunden kommt schon hin. Daher ist der Ruf der Branche leider zu recht so katastrophal wie er ist. Doch es gibt eine Reihe von Kollegen, die die Beratung sehr, sehr ernst nehmen und durchaus auch einmal einen Wechsel in die PKV ablehnen. Nicht jeder Kunde ist für eine Private Krankenversicherung geeignet, nicht jeder passt in das System von Abrechnungen, Vorschüssen, Eigenverantwortung und Mithilfe. Existentzgründer sind in dem System meist generell falsch, genau wie die, die in die PKV wechseln weil es (heute) billiger ist als in der GKV.

Der zweite Fall aus dem Beitrag:

Es ging um eine junge Frau, welche von der Signal Iduna nur eine 80% Erstattung für eine Knieprothese bekommen sollte. Diese Prothese hatte einen Kostenumfang von 25.000 EUR und die Erstattung ist und war strittig. Der Versicherer habe versucht, so sternTV, auf eine andere, billigere Prothese zu verweisen und selbst diese sollte nur zu 80% gezahlt werden. Klar- denn die Dame hatte bei dem Wechsel in die PKV einen Tarif unterschrieben, den diese anscheinend nicht verstanden hatte. Er sah eine 80%ige Erstattung von Hilfsmitteln vor und dieses bedingt nun einmal- nach Adam Riese- einen Eigenanteil von 20%.

Klar ist es strittig, welche Art von Versorgung hier angebracht ist, das können aber die Zuschauer und auch ich als Berater nicht kontrollieren, da hier medizinische Details eine Rolle spielen, welche uns nicht bekannt sind. Prozentuale Eigenbeteiligungen sind in der Privaten Krankenversicherung aber immer ein Problem, denn diese sind oftmals nicht gedeckelt. Somit ist bei einem 50.000 EUR Hilfsmittel auch ein 10.000 EUR Risiko vorhanden. Wer dieses Geld in der Schublade hat, für den passt vielleicht auch der Tarif, alle anderen sollten tunlichst schauen, einen passenderen Versicherungsschutz zu bekommen.

Die „eierlegende Wollmilchsau“ – gibt es leider nicht.

Das Grundproblem ist aber ein anderes. Der Berater ohne entsprechende Kenntnisse, der will genau dieses Tier verkaufen. Klar- alles wir besser, stabiler und billiger und dazu ist der Versicherer der tollste und zahlt alles und immer. Das ist auch genau das, was der Kunde der „billig kauft“ hören will. Er will oftmals nicht wahr haben, das Leistungen schlechter sind als in der GKV, denn sie sind vielfach anders und nicht miteinander vergleichbar. Es gibt eben einen direkten Zusammenhang zwischen heutigem Beitrag, der Leistung welche im Vertrag garantiert ist und der Entwicklung der Beiträge. Genau das war auch gestern Thema in der Sendung. Natürlich müssen und werden Beiträge von Tarifen mit hohen Leistungen, umfassenden Erstattungsregelungen und nicht vorhandenen Begrenzungen mehr und schneller steigen müssen, als ein Tarif mit Einsteigerleistungen. Die Frage ist auch nicht, wer ist jetzt gut, wer schlecht- die Frage ist aber was kann und will ich mir für meine Gesundheitsvorsorge leisten. Daher ist es einfach nicht möglich alles zu haben und zu bekommen. Es kann sich nicht jeder jeden „Luxus“ leisten können, das werden wir auch in der PKV endlich mal verstehen müssen.

Auch Berater müssen sich endlich trauen zu erklären, wo die Lücken sind, welche Einschränkungen ein Tarif hat und wo die Gefahren liegen. Es ist völlig unwichtig, ob es 75 oder 80% für einen ersetzten Zahn gibt, denn die Frage ist doch „wieviel Prozent von was“? Ebenso unwichtig ist die Frage, ob der Versicherer 200, 300 oder 900 EUR für die Brille zahlt, da dieses ein überschaubares und ggf. allein zu tragendes Risiko ist. Das einige tausend Euro teure Hilfsmittel aber eben leider nicht mehr.

Was Sie konkret tun können

Es gibt einige grundsätzliche Ratschläge, welche Sie beherzigen sollten. Wenn Sie derzeit in der PKV sind, dann überprüfen Sie ihren Tarif. Lesen Sie Bedingungen, beschäftigen Sie sich mit den Details und machen sich Gedanken zu dem gewünschten Bedarf. Reicht der derzeitige Tarif nicht aus, oder verstehen Sie Details nicht, so fragen Sie nach. Dazu stehen Versicherer, Vermittler oder auch externe Berater zur Verfügung- Sie müssen es einfach nur tun.

Wenn Sie derzeit noch nicht in der PKV sind: Auch dann gilt es sich genauestens zu informieren und alle Punkte zu hinterfragen. Was genau zahlt der Versicherer? Wo liegen die Risiken? Was sind prozentuale Einschränkungen und in welchen Bereichen gelten diese? Mehr Fragen zum Bedarf und zu dem gewünschten Versischerungsumfang finden Sie im Bereich der Auswahlkriterien zur PKV. Auch in meinem Leitfaden habe ich Ihnen einige Informationen zu unterschiedlichen Tarifen und Bausteinen zusammengestellt. Und Hören Sie nicht auf Hr. Rudnik. Er hat gestern in der Sendung wörtlich gesagt „warten Sie erstmal ab, was die Politik so bringt in 2013 ff.“.

Die Aussage ist nicht nur fahrlässig, sondern fast schon Vorsatz, denn damit verspielen Sie viele Chancen vor Einführung der Unisexwelt. Ich sage in keinem Fall, das jetzt alle in die PKV müssen, die es dürfen. Aber Sie sollten überprüfen welches System den Bedarf am besten abbilden kann, wo Sie die entsprechenden Absicherungen bekommen und das jetzt- nicht wenn es (unnötig) teurer ist dank Unisex. Der Bund der Versicherten kann das aber sagen, der haften muss er für diesen Unsinn ja nicht.

Gesetzliche Krankenkassen plus Zusatzversicherung oder Private Krankenversicherung? Eine nicht ganz einfache Frage

Die “berühmt berüchtigten” Unisextarife- muss ich mich unbedingt jetzt und schnell entscheiden?

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5 Antworten zu “Stern TV und Hr. Rudnik vom Bund der Versicherten zum Thema (private und gesetzliche) Krankenversicherung- oder fragen Sie den Blinden nach den Farben des Regenbogens”

  1. Marco Barreto Says:

    Danke für den Beitrag. Ich habe gestern bei der Vorstellung der „Experten“ umgeschaltet. Bestätigt sich jetzt.
    Wenn ich eine Kritik annehme, dann, dass es zu wenige Berater wie Sie gibt, die mit dem Thema PKV seriös und kompetent umgehen. Wir (ich bin auch Makler) haben es zu lange zugelassen, dass falsch beraten wird und die Versicherer haben es nicht vermöcht sich gegen die Provisionsinteressen einzelner Marktteilnehmer durchzusetzen. Schade eigentlich. Jetzt müssen wir leide mit Beiträgen wie diesem leben und werden in Sippenhaft genommen. Das ist ein langer Weg. Daher noch mal danke! Gut, dass es Einzelne gibt, die dagegen halten.

  2. Christoph Says:

    Leider habe ich den Beitrag nicht gesehen. Nichts desto trotz möchte ich auf den Blog-Beitrag antworten, um eine Alternative Sichtweise ins Spiel zu bringen.

    Was ist sachlich neutral, ohne Beantwortung einer Schuldfrage das Problem?

    1) Es gibt Tarife, die große Leistungslücken und damit verbundene Kostenrisiken bergen

    2) Es gibt Vesicherte in diesen Tarifen, die sich der Leistungslücken und Kostenrisiken nicht bewußt sind

    3) Es gibt Versicherte in diesen Tarifen, die sich der Risiken bewußt waren, aber schließlich doch durch die Eigenanteile überfordert sind

    Tja, wem kann man nun den Vorwurf machen, wenn ein solches Kostenrisiko eintritt?

    Ihr Blog-Beitrag sieht hier sowohl den Versicherten selbst in der Schuld, schließlich hat er den Vertrag ja unterschrieben, als auch schwarze Schafe im Vertrieb, die wider besseren Wissens solche Tarife aktiv vermarktet haben. Beides stimmt.

    Aber muss nicht die Erkenntnis sein, dass der Versicherte in der Regel mit seiner Eigenverantwortung in dieser Thematik überfordert ist? Solche Tarife sind eigentlich für kaum jemanden wirklich geeignet. Und das wissen auch die Versicherer. Somit haben wir unseren 3. Schuldigen ausgemacht.

    Wieso muss es überhaupt solche Tarife geben wäre die nächste Frage, die sich anschließt. Und wenn, warum müssen die Versicherer nicht auf die möglichen Risiken explizit hinweisen? Es soll nicht als Plädoyer gegen die Eigenverantwortung verstanden werden, aber strengere Rahmenbedingungen sind aus meiner Sicht geboten. Ein Tarif, mit dem der Versicherte seiner Versicherungspflicht nachkommt, darf meiner Meinung nach keine großen Kostenrisiken offen lassen. Über die Definition von „groß“ möchte ich an dieser Stelle nicht streiten. Aber wünschenswert wären vergleichbare, gesetzlich vorgeschriebene Mindest-Leistungen in allen Tarifen, die die existenziellen Kostenrisiken abdecken. Mit 1-Bett, Wahlarzt, Brille oder Heilpraktiker bliebe immer noch genug tariflicher Gestaltungsspielraum.

    Wir haben also 4 Schuldige ausmachen können:

    1. den Versicherten selbst
    2. schwarze Schafe unter den Maklern
    3. die Versicherungsgesellschaften
    4. die Politik

    Es wäre allmählich mal an der Zeit, neue Ideen zuzulassen und in gemeinsamer Anstrengung und dieses System zu reformieren, statt ständig auf die Verfehlungen des anderen zu zeigen.

    Nur so kommt die PKV-Branche vielleicht wieder aus den ständigen Negativ-Schlagzeilen heraus, die sie sich leider zu einem großen Teil selbst zuzuschreiben hat.

  3. Hiebel, Günther Says:

    Sehr geehrter Herr Hennig,
    ich bin selbst Versicherungsmakler und habe diese Sendung gesehen. Heute kam ich zufällig auf Ihre Stellungnahme und wollte Ihnen mitteilten, dass Sie mit Ihren Ausführungen absolut Recht haben. Wie Sie sagen: Eine PKV muss man sich leisten können. Mit der Einführung der Billigtarifen hat sich die PKV selbst keinen Gefallen gemacht (siehe z. B. Central). Die PKV mit der GKV vertriebsmäßig gleichzustellen war ebenfalls ein sehr großer Fehler der Branche. Man sagt so schön: „Gier frist Hirn“. Das ist leider passiert. Ich weiß, dass es viele Kollegen gibt die so denken wie Sie oder ich und diese Beratungsqualität wird sich durchsetzen. Die PKV muss eben wieder die PKV werden!

  4. Ralph Wachter Says:

    Ich bin leider von der PKV gekündigt worden wegen arglistiger Täuschung. Grund war, weil mein Versicherungsberater mir die Empfehlung gab, in eine günstigere PKV zu wechseln. Jedoch gab er meinen RZ nicht an. Als ich dann das erste mal abgerechnet habe kam es zur Kündigung seitens der PKV. Nun versuchte ich eine neue PKV zu finden. Fast unmöglich. Nur mit weiteren Kosten verbunden, weil weitere Atteste erforderlich sind. Untersuchungen…usw. Die Kassen sind dann so unverschämt und nutzen die Not aus und schlagen einen RZ auf den Tarif dazu das einem die Ohren wackeln. Die PKV“s versprechen viel, halten aber nichts. Nur nicht krank werden und nichts abrechnen!!!
    Ich würde nie mehr in eine PKV gehen.Lieber eine GKK und ein paar Zusatzversicherungen abschliessen (Zahn…). Leider kommt man nicht mehr zurück in die Gesetzliche. Von meiner letzten PKV habe ich diese Tage die Police mit dem Basistarif bekommen….Schweineteuer… und mit dem Zusatz: bei Wechsel innerhalb der Kasse nach zwei Jahre…1000% Zuschlag…Mir fehlen die Worte!!!

  5. Sven Hennig Says:

    Hallo Hr. Wachter,

    so pauschal ist das leider nicht zu beantworten oder kein Rat zu geben.

    Entscheidend wird sein, ob die Kündigung wegen vorvertraglicher Anzeigepflichtverletzung berechtigt ist. Wenn Angaben nicht gemacht wurden (und das schrieben Sie ja) dann ist ein Rückritt jedoch meist auch berechtigt.

    Das „finden einer neuen PKV“ wird nicht einfach, ist aber auch hier von den Diagnosen abhängig. War es ein Vertreter oder Makler?

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