Spiegel Online über die Private Krankenversicherung oder was die Schlagzeile „50% Lohnkürzung für Spiegel Redakteure“ damit zu tun hat

Sven Hennig

Der Spiegel online hat in der letzten Woche mit einem reißerischen Titel mal wieder über die Private Krankenversicherung und die „Unbezahlbarkeit“ berichtet geschrieben und dabei wohl einige entscheidende Fakten „vergessen“. Das macht in dem Fall auch Sinn, zumindest wenn man einem Berater der an Tarifumstellungen in der PKV Geld verdient, in die Karten spielen möchte. Wie ich auf diese Behauptung komme und was das Ganze mit Lohnkürzungen bei den Redakteuren zusammen hängt, lesen Sie gleich- doch der Reihe nach.

Der Autor Christian Teevs, schon bekannt aus anderen Lobhudeleien über den Berater Garcia, beschreibt in seinem Artikel die „drastischen Beitragssteigerungen in der privaten Krankenversicherung und führt dabei eine Tabelle auf, welche die Anpassungen der Beiträge in % angibt. Nun habe ich nicht das erste Mal geschrieben, dass Anpassungen in % nur bedingt Aussagekräftig sind, muss man dazu doch zunächst einmal wissen welche absoluten Zahlen hier zu Grunde liegen und wie die Zahlen zustande kommen. Doch schauen wir uns einfach mal dieses Extrembeispiel an. Es geht hier um den Tarif VISION 4500 der Axa, welcher mit Anpassungen von 41% behaftet ist.

Was Hr. Teevs nicht dazu schreiben wollte, denn das klingt ja nicht im Sinne des Artikels und ist vielleicht so gar nicht im Sinne des Beraters, wie denn die Zahlen errechnet wurden. Bei dem Tarif handelt es sich zunächst einmal um einen so genannten „Großschadentarif„. Dieses sind Tarife mit sehr, sehr hohen Selbstbeteilungen (hier 4.500 EUR pro Jahr) welche von Menschen abgeschlossen wurden, die es sich leisten können oder im Extremfall gar keine Krankenversicherung wollen. Da wir aber in Deutschland sein 2009 eine Pflicht zum Abschluss einer Krankenversicherung haben, ist jeder gezwungen eine solche abzuschließen. Selbst der, der seine Kosten allein tragen will, braucht also zumindest einen ambulanten und stationären Versicherungsschutz.

Auch diese Menschen sollen nun aber keine 41% Anpassung bekommen, werden Sie vielleicht denken? Stimmt, wobei hier zu berücksichtigen ist, welche Beiträge dahinter stehen, was in der GKV zu zahlen wäre und welches Alter. In seiner „tollen Tabelle“ wurde also der NEUgeschäftsbeitrag verglichen und zwar der für 2012 und der, der in den alten BISEXTARIFEN ab 01. 01. 2013 zu zahlen wäre. Das trifft, wenn überhaupt, nur für sehr wenige Menschen zu, denn diese müssten heute einen Antrag zum 01. 01. 2013 stellen und dann die Beiträge 2012 und 2013 vergleichen. Dabei wird aber auch gleich noch verschwiegen, dass der Beitrag NACH der 41% Erhöhung im Tarif VISION bei 265,78 EUR liegt und das für einen 70 (!!)jährigen Neukunden. Wer bitte wechselt mit 70 Jahren in die PKV? Hier muss man nicht hellsehen können um zu erkennen, was mit dem „erschreckenden“ Beispiel erreicht werden soll. Informationen zu den Unisextarifen und der neuen Kalkulation

Was müsste dieser Versicherte in der GKV zahlen?

Wenn wir davon ausgehen, dass nur der einen solchen Tarif abschließt, der sich auch 4.500 EUR Selbstbeteiligung im Jahr leisten kann und somit ein hohes Einkommen hat, dass fiele hier in der gesetzlichen Krankenkasse (GKV) ein Höchstbetrag von über 600 EUR im Monat an. Wenn wir weiter davon ausgehen, dass der Kunde dann diese 4.500 EUR auch „verbraucht“, so ergibt sich folgende Rechnung.

4.500 EUR SB / 12 Monate = 375 EUR p. M.

zzgl. 265 EUR Beitrag

= monatliche Belastung 640 EUR für einen 70jährigen NEUkunden in der PKV

Bei einer Versicherung in der GKV würden hier noch Beiträge für Zusatzversicherungen für eine gleichwertige Versorgung hinzukommen. Unabhängig davon, das dieses Modell der totale Unsinn ist, rechnen wir mal mindestens mit weiteren 150 EUR Zusatzversicherungsbeitrag. Denn Sinn dieses Beispiels können Sie sich nun schnell selbst erklären.

Doch leider hat sich hier niemand vertan, denn ein weiteres Beispiel aus der Tabelle zeigt die bewusste (?) Falschinformation der Leser. Der Autor fragte unter anderem die Barmenia Krankenversicherung an und bat um Infos zu Zahlen für Anpassungen 2013. Der Versicherer teilte daraufhin mit, dass die Beiträge durchschnittlich um 0,3% sinken bei den Versicherten. Das war dummerweise aber auch nicht das, was Hr. Teevs gern hören wollte, passt es doch nicht zu dem zu zeichnenden Bild des Artikels.

Auch hier bediente man sich dann einfach eines Beispiels, wo zumindest 10% Erhöhung heraus kommen sollen. Dabei war der 70jährige aus dem ersten AXA Beispiel noch eher harmlos, denn dieses Beispiel nutzt wiederum die Prämienvergleiche 2012 und 2013 für eine 99jährige Versicherte. Stimmt, auch diese wird mit großer Wahrscheinlichkeit in den Tarif noch eintreten wollen und kann dann mit den 10% nicht mehr leben.

Beide Beispiele müssten aber, um in den „Genuss“ der genannten Anpassungen zu kommen, heute einen Tarif mit Beginn 2012 unterschreiben und nichts von Anwartschaften oder dergleichen wissen. Wer weiss an welche Berater diese geraten sind- gut das der Autor das nicht beraten darf.

Vom Markt mal schnell die beiden größten Anbieter vergessen?

Dumm bei dem Artikel ist noch ein anderer Punkt. Die beiden größten Unternehmen spielen bei der Betrachtung keine Rolle, passen diese doch zum 01. 01. 2013 fast keine Beiträge an und würden die Tabelle daher nur „verschönern“. Dumm aber, das die Debeka und die DKV Versicherten und weiterer Unternehmen (darunter auch der fünftgröpßte des Marktes) nicht enthalten sind. So hat man man schnell 40% des Marktes unterschlagen. „Klasse“ Leistung!

Was soll uns der Artikel nun sagen und wer hat etwas von solchen Berichten?

Eines ist klar, es gibt in der Privaten Krankenversicherung schwarze Schafe. In dem letzten Jahr haben die Medien sich auf die Central Krankenversicherung gestürzt und diese hat sicher viel, viel Mist gebaut und Kunden in Situationen gebracht die nicht zu entschuldigen sind. Von einem solchen Fall aber auf alle zu schließen, das wäre wie „ein Auto ist schlecht, alle anderen auch“. Warum nun aber Journalisten Schreiberlinge solchen Unsinn fabrizieren ist mit nicht klar. Geht es dem Spiegel so schlecht, dass man nur mit reißerischen Hetzkampagnen Leser bekommen kann? Sind die Informationen einfach nur fachlich falsch recherchiert, war der Autor zu faul sich um richtige und vor allem vollständige Informationen zu bemühen?

Ich bin bestimmt der letzte, der nicht kritisch über Gesellschaften und Tarife berichtet und dem einen oder anderen Versicherer gern mal auf die Füße tritt- wenn es denn richtig und begründet ist. Doch mit diesem Artikel hilft der Autor vom Spiegel nur einem, den viel und oft zitierten Makler Garcia. Dieser verdient sein Geld damit, Versicherten eine Tarifwechselberatung innerhalb der eigenen Gesellschaft zu verkaufen und dafür ein Honorar zu kassieren. In der ersten Artikelversion welche online gestellt wurde, war dann auch ein direkter Link auf die Internetseite des „Kollegen“. Auch in der Vergangenheit haben die beiden Herren wohl schon gut zusammen“gearbeitet“. Einer schreibt schlecht über die PKV und die schlimmen Anpassungen und der andere nutzt genau diese Artikel um den Versicherten seine Dienstleistung zu verkaufen? Auch wenn ich es nicht behaupten werde und beweisen kann, ein fader Beigeschmack bleibt da schon hängen- oder was meinen Sie?

Ich finde es beschämend für eine Redaktion wie den Spiegel, welche ich für eines der „wichtigen und objektiven Magazine“ gehalten habe, wenn man sich solcher Mittel bedient. Bei jedem Artikel den ich zukünftig auf Spiegel-online lese werde ich mich fragen: „Was davon stimmt und was ist bewusst oder unbewusst falsch wiedergegeben“? Gerade in Bereichen in denen man selbst fachlich nicht fit ist wird es dem Laien kaum auffallen, nur „dummerweise“ ist das bei mir und dem Thema PKV anders.

Zur Frage aus der Überschrift: „Schlagzeile „50% Lohnkürzung für Spiegel Redakteure““

Diese Schlagzeile könnten wir auch über einen Artikel schreiben. Denn wenn der Spiegel nur einen einzigen Mitarbeiter hat, welcher in Elternzeit gegangen ist und sein Einkommen dadurch reduziert hat, dann ist der Wahrheitsgehalt dieser Schlagzeile genau so „groß“, wie die Überschrift über dem Spiegel-Artikel „Privatversicherten droht Beitragsschock“ Alles eine Frage der Sichtweise und Betrachtung also. Ich muss aber zugeben, das dieser Vergleich nicht von mir ist und ich damit Hr. Reker vom PKV Verband zitiere. Dieser hat auch die Redaktion mit Fakten aufgeklärt und nach seiner Mail ist auch der Link auf die Seite des Maklers verschwunden. Sie erinnern sich- die Seite wo den „geschundenen Versicherten“ geholfen werden soll(te).

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2 Antworten zu “Spiegel Online über die Private Krankenversicherung oder was die Schlagzeile „50% Lohnkürzung für Spiegel Redakteure“ damit zu tun hat”

  1. Sepp78 Says:

    Chapeau Herr Hennig, ein hervorragender Beitrag ihrerseits. Als ich vergangenen Woche den Artikel auf Spiegel online gelesen habe, erging es mir ähnlich. Daher habe ich mich gefragt, „quo vadis“ wem nützt dieser Artikel und die Antwort ist recht offensichtlich, zum einen dem Makler Garcia und zum anderen der GKV, denn der Artikel ist einerseits plumpe Stimmungsmache gegen die PKV (es wird suggeriert, dass die PKV für alle bald unbezahlbar wird) und zum anderem dem Makler Garcia, der durch die Nennung im Artikel eine höhere Popularität erlangt und sicher dadurch den die ein oder andere zusätzliche Umdenkung vornehmen kann, was der Courtage-Generierung zuträglich ist.

    Der Spiegel beweist damit für mich zweierlei, zum einen, dass der Spiegel mitnichten objektiven Journalismus betreibt, sondern sich zum Sprachrohr einer politischen Strömung macht. Es soll ja Parteien geben, die die PKV lieber heute als morgen abschaffen möchten, denen spielt ein solcher Artikel in die Hände. Man muss sich also die Frage stellen, betreibt der Spiegel politische Meinungsmache für zugunsten bestimmter Parteien? Zum anderen scheint der Spiegel kein Problem damit zu haben, Werbung für ein Gewinnorientiertes Unternehmen zu machen (hier der Makler Garcia) und diese als objektive Berichterstattung darzustellen, im Volksmund wird so was üblicherweise als Schleichwerbung bezeichnet.

  2. Willi Tetzlaff Says:

    Seit wann berichtet die Presse die Wahrheit? Es gibt auch dort keine Objektivität. Jeder schreibt durch die Brille seiner persönlichen Sicht oder seiner persönlichen Gefühle oder Wahrnehmung. Ein Journalist ist auch nur ein Mensch, genauso wie jeder andere. Und auch genauso manipulativ und selektiv wahrnehmend wie jeder andere.

    Als vor einiger Zeit eine große deutsche Zeitung über eine neue Leistung meines damaligen Arbeitgebers falsch berichtete (ich hatte seinerzeit die Verantwortung bei diesem Thema) und ich mich beim Chefredakteur beschwerte, bekam ich folgendes zur Antwort: „Wir haben Druck jeden Tag eine Zeitung herauszubringen. Da bleibt keine Zeit für eine umfangreiche Recherche. Da müssen wir uns auf externe Journalisten und Dienstleister verlassen. Ich biete Ihnen aber an, kostenlos eine Gegendarstellung zu drucken“ (natürlich sehr klein und ein einer besonders unauffälligen Stelle).

    Seitdem glaube ich den Medien kein Wort mehr! Es lassen sich nur reißerische, negative und sexuell angehauchte Überschriften verkaufen. Wahrheiten sind heute einfach nicht mehr gefragt….wie es scheint…leider.

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