Rechnung-oder Behandlungsdatum? In welches Jahr gehört die Rechnung bei der privaten Kranken-(zusatz) Versicherung

Sven Hennig

Eine immer wiederkehrende Frage ergibt sich meist zum Jahresende. Dann werden die Rechnungen für die Versicherten in der privaten Krankenversicherung meist noch einmal angeschaut und es wird überlegt, welche Rechnungen einzureichen sind um erstattet zu werden.

Aber stellt sich immer wieder die Frage zu welchem Jahr die Behandlung, das Medikament oder die Krankenhausrechnung zuzurechnen ist. Daher hier einige kurze Zusammenfassungen wie die Rechnungen in der privaten Krankenversicherung, aber eben auch in Zusatzversicherungen zur gesetzlichen Krankenkasse zu behandeln sind.

Rechnungsdatum oder Behandlungsdatum?

Die Leistung in der privaten Krankenversicherung ist unter anderem davon abhängig, wann der Vertrag begonnen hat, ob Wartezeiten bestehen oder ähnliche Einschränkungen vorhanden sind. Daher ist es wichtig genau zu beurteilen, welche Rechnung in welchen Vertragszeitraum fällt.

Arztrechnungen: diese sind immer dem Jahr zuzurechnen, in welches die Behandlung fällt. Dabei ist es völlig unerheblich wann die Rechnung durch den Arzt ausgestellt wird, entscheidend ist das Datum der Leistung des Arztes, also der Behandlung. Wurde also eine ärztliche Leistung im Jahr 2013 erbracht, diese aber erst im Frühjahr 2014 abgerechnet, so ist sie versicherungstechnisch dem Jahr 2013 zuzuordnen. Selbst wenn der Kunde also seine Krankenversicherung zum 1. Januar gewechselt haben sollte, ist die alte Krankenversicherung für die Leistung verantwortlich.

Dies ist besonders dann interessant, wenn der Kunde beurteilen möchte auf das einreichen Sinn macht oder ob eine Beitragsrückerstattung gegebenenfalls die bessere Wahl ist.

Rechnung_einreichen_pkv

Zahnarztrechnungen: bei diesen verhält es sich zunächst einmal genauso, wie bei den Arztrechnungen. Die zahnärztlichen Leistungen sind also zunächst nach dem Kalenderjahr zu beurteilen in dem der Zahnarzt diese erbracht hat. Gerade bei Zahnersatzleistungen oder dem Setzen von Implantaten handelt es sich jedoch Umwandlungen welche über einen sehr langen Zeitraum stattfinden. Auch hier ist es so das die Einzelleistungen den jeweiligen Kalenderjahren zugeordnet werden.

Eine kleine Besonderheit ergibt sich bei den Leistungen für die Laborkosten. Diese werden oftmals nicht von den Zahnärzten selbst ausgeführt, sondern diese in Rechnung gestellt. Nimmt nun der Zahnarzt zum Beispiel einen Abdruck und lässt ein Modell anfertigen, dieses Modell wird im Jahr 2013 erstellt und der Zahnarzt berechnet und dieser rechnet es erst im Folgejahr, so fällt diese Leistung in das Jahr 2013.

Bei kieferorthopädischen Leistungen oder Zahnersatz ist natürlich ebenfalls das leistungsstarke maßgeblich. So kann es also durchaus passieren, dass eine Rechnung Krankenversicherung technisch sind zwei Kalenderjahre gehört. So lange es sich um einen Versicherer handelt ist es unkompliziert, sonst müsste diese gegebenenfalls an beide Unternehmen geschickt werden um eine vollständige Erstattung zu erreichen.

stationäre Aufenthalte: auch hier gilt zunächst einmal das Leistungsdatum, also der Zeitpunkt an dem der Arzt seine Leistung erbringt, als Entscheidungskriterium in welches Kalenderjahr die Rechnung fällt. Hat der Kunde eine privatärztliche/ wahlärztliche Leistung versichert, so wird jeder einzelne Leistung die der Arzt erbringt einzeln abgerechnet. Das kann also bei einem Krankenhausaufenthalt der über den Jahreswechsel geht dazu führen, dass unterschiedliche Versicherungen mit der Leistungsabrechnung beschäftigt sind. Auch bei einem Wechsel aus der gesetzlichen Krankenkasse (GKV) in die private Krankenversicherung (PKV) welcher zum Beispiel zum 1. Januar passieren könnte, kann es zu solchen Überschneidungen kommen. Da wird dann die letzte medizinische Leistung (zum Beispiel die letzte Spritze um 23:50 Uhr) noch in den Leistungbereich der gesetzlichen Kasse fallen, die nächste Infusion um 0:10 Uhr kann dann schon durch die private Krankenversicherung gedeckt sein. (immer unter der Voraussetzung das entsprechende Wahlleistungen vereinbart, versichert sind und auch genutzt werden.)

Medikamente: Anders als bei den ärztlichen Leistungen interessiert hier nicht das Datum der Verordnung oder das abholen Datum des Konzeptes, sondern einzig und allein das Bezugsdatum. Entscheidend ist also der Tag, an welchem das Medikament aus der Apotheke abgeholt wird oder bei einer Versandapotheke verschickt wird. Daher muss bei Medikamenten kurz vor dem Jahreswechsel beachtet werden, diese noch rechtzeitig aus der Apotheke abzuholen um eine Erstattung in dem jeweiligen Kalenderjahr zu erreichen. Das ist insbesondere dann interessant, wenn eine Selbstbeteiligung vorhanden ist oder eine Beitragsrückerstattung bei diesen Überlegungen eine Rolle spielt.

Wie lange kann ich die Rechnungen einreichen?

In der Praxis ist es nicht unüblich, dass Ärzte ihre Rechnungen an Privatpatienten nicht gleich nach der Behandlung stellen, sondern diese am Monats/Quartalsende versenden. Dabei ist es völlig egal, ob der Arzt die Abrechnung selbst macht und verschickt oder hierfür eine der privatärztlichen Verrechnungsstellen (PVS) nutzt.

Zunächst einmal ist natürlich die Fälligkeit der Arztrechnung zu beachten. Das bedeutet dass diese losgelöst von der Erstattung der privaten Krankenversicherung innerhalb der dortigen Frist zu bezahlen ist. Ob und wann der Kunde seine Rechnung dann bei dem privaten Krankenversicherer einreicht, spielt hierbei zunächst keine Rolle.

In der privaten Krankenversicherung gilt eine Verjährungsfrist von drei Jahren (§195 BGB). Das bedeutet das Rechnungen aus dem Jahr 2012 noch bis zum 31.12.2015 bei dem Krankenversicherer eingereicht werden können. Rechnet der Arzt aus irgend einem Grund noch später ab oder findet der Kunde später noch eine Rechnung, so kann er diese natürlich einreichen aber eine Verpflichtung zur Erstattung durch den Versicherer besteht nicht. (oftmals werden diese Rechnungen aber dennoch erstattet wenn Sie eine versicherte Leistung darstellen)

Was passiert mit einer bereits erhaltenen Beitragsrückerstattung?

Gerade wenn Rechnungen sehr spät eingereicht werden, hat der Krankenversicherer meist schon eine eventuelle Beitragsrückerstattung ausgezahlt. Es kann also sein, dass ein Versicherter für das Jahr 2012 eine Beitragsrückerstattung bekommen und dann dennoch in 2014 eine Rechnung einreicht. Dann wird der Versicherer dieser erstatten, jedoch die bereits ausgezahlte Beitragsrückerstattung entsprechend verrechnen. Das kann in der Praxis dann dazu führen, dass keine weitere Auszahlung erfolgt. Hierbei ist zu beachten dass es auch zu einer Rückforderung der Beitragsrückerstattung kommen kann, wenn der Rechnungsbetrag kleiner als der ausgezahlte Rückerstattungsbetrag war.

Bedenken Sie bitte bei einem solchen späten einreichen auch, dass diese eine Beitragsrückerstattung für die Folgejahre beeinflussen kann. Verwendet der Versicherer eine Staffel (zum Beispiel einen Monatsbeitrag Beitragsrückerstattung bei einem leistungsfrei Jahr, zwei Monatsbeiträge bei zwei leistungsfreien Jahren) so würde eine Erstattung für das Jahr 2012 die (mögliche) Rückerstattung für das Jahr 2013 um einen Monatsbeitrag reduzieren.

Fazit:

Rechnungen in der privaten Krankenversicherung gehören immer in das Jahr, in dem die medizinische Leistung erbracht oder das Medikament bezogen wurde. Ein einreichen der Rechnungen ist auch später möglich, reduziert oder verhindert aber möglicherweise eine Beitragsrückerstattung.

Für das einreichen der Rechnungen stehen Ihnen bei den Gesellschaften entsprechende Formulare zur Verfügung, Sie können dieses aber auch formlos tun, vermerken Sie dann jedoch bitte Ihre Versicherungsscheinnummer auf der Rechnung. Verschiedene Formulare habe ich Ihnen in Downloadbereich bereitgestellt.

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10 Antworten zu “Rechnung-oder Behandlungsdatum? In welches Jahr gehört die Rechnung bei der privaten Kranken-(zusatz) Versicherung”

  1. Peter Says:

    Hallo,

    ich hätte eine Frage zum Thema. Wie soll ich eine Rechnung einreichen auf der mehrere Behandlungen abgerechnet werden und diese aber sowohl im alten als auch im neuen Jahr stattgefunden haben.

    Danke.

  2. Sven Hennig Says:

    Hallo,
    wenn Sie eine Rechnung haben auf der Handlungen unterschiedlicher Kalenderjahre abgerechnet sind, dann können Sie natürlich auf dieser Rechnung vermerken welche Positionen sie erstattet haben möchten.
    Wer also zum Beispiel nur die Rechnungen aus dem aktuellen Jahr erstattet haben möchte, da im letzten Jahr die Beitragsrückerstattung die günstigere Option war, der kann das natürlich selbst entscheiden.

  3. xyz Says:

    Genau , da stimme ich Herr Hennig zu. Die RuV meines Sohnes hat bei Rechnungen über 2 Behandlungsjahre keinerlei Probleme. Die Verrechnungsstelle schickt ja meistens Sammelrechnungen ( deren Prinzip habe ich eh nie verstanden….)

  4. Michael Says:

    Habe auch eine Rechnung bekommen, wo das Behandlungsdatum am 27.12. war. Allerdings ist auf dieser Rechung noch eine Position von vom 07.01.2014, wo der Arzt das Erstellen des Arztbriefes in Rechnung stellt.
    2013 oder 2014?
    Krankenkasse meint 2014! (obwohl das Behandlungsdatum in 2013)

  5. Sven Hennig Says:

    Hallo Michael,
    wenn das Behandlungsdatum der Simon 20 der Dezember war, gehört diese Position in das Jahr 2013. Die Position mit dem Erstellen des Arztbriefes am siebenten ersten 2014, gehört hingegen das Jahr 2014.

  6. Michael L. Says:

    Hallo,
    meine Frage zu dem Thema:
    Ich habe von meinem Zahnarzt ein Paar Kronen bekommen, diese Behandlung wurde im Nov-Dez 2013 zu 95% fertig gestellt. Aufgrund von kleinen Anpassungen wurde der letzte Rest am 6.01.2014 gemacht!
    Als ich nun die Rechnung vom meinem Arzt bekommen hatte, hat Er die gesamten Kosten auf den Behandlungstag 6.01.2014 geschrieben! Jetzt habe ich das Problem das meine Kasse sagt, Pustekuchen kriegst nix da Neues Jahr! (Mann muss dazu sagen, das ich ab dem 1.Januar die Kasse gewechselt habe)!
    Was kann ich tun? Arzt sagt Er könnte die Rechnung net ändern!
    Gruß Michael

  7. Sven Hennig Says:

    Der Arzt muss die Rechnung so stellen, wie er behandelt hat. Das bedeutet auch das dort die Behandlungszeiträume aufgeschrieben sind, diese reichen aus um es bei der alten Kasse einzureichen.

  8. Anja B. Says:

    Meine Krankenkasse weigert sich eine Hebammenrechnung, welche Leistungen von 2013 und 2014 beinhaltet zu erstatten. Sie fordert mich auf die Rechnung gesplittet nach Jahren einzureichen. Auf meine Aufforderung mir dir rechtliche Grundlage zu nennen bekomme ich keine Antwort. Was nun

  9. Ralf.Sch Says:

    Ich habe eine private Zusatzkrankenversicherung.Diese übernimmt u.a. 80% von Arzneimittelkosten.Der Vetrag beinhaltet eine Selbstbeteilung.Bislang wurden von der Versicherungsgesellschaft die Arzneimittelkosten abzüglich der Selbstbeteiligung übernommen.Die Rechnungen für die Arzneimittel habe ich immer eingereicht wenn das Jahr zuende war.So z.B. für das Jahr 2015 im Januar 2016.Nun wurde mir von der Versicherungsgesellschaft mitgeteilt,das sie die Kosten nicht übernimmt,da eine ärztliche Verordung fehlt.Mein Hausarzt stellt mir diesbzüglich rückwirkend für 2015 keine Verordnungen für die beschafften Arzneimittel mehr aus.Ich bin enttäuscht über die Antwort der Versicherungsgesellschaft,da bislang die Kosten ohne ärtzliche Verordungen übernommen wurden.Über eine Änderung hierzu wurde ich nicht informiert.

  10. wolfram dorrmann Says:

    Hallo, ich habe kürzlich Rechnungen von 2011 bis 2015 bei der CENTRAL eingereicht und leider korrekterweise nur die letzten 3 Jahre erstattet bekommen, dennoch wurden mir über die 5 Jahre die Selbstbeteiligung abgezogen… ist das korrekt?

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