Neue Unisextarife der Hanse Merkur Krankenversicherung – oder: Wie kann man bisherige, „komische Regelungen“ noch toppen

Sven Hennig

Es gibt Gesellschaften welche die neuen Tarife in der Unisexwelt einfach mit einem Punkt, Strich oder weiterem Buchstaben versehen, dann die die wenig bis gar nichts an Ihren Bedingungen ändern und die Tarifbezeichnungen auch nahezu identisch lassen und dann, dann gibt es noch die Hanse Merkur. Die „grünen aus Hamburg“ werfen die kompletten Tarifbezeichnungen über den Haufen und benennen die Tarife um. Damit es überhaupt noch jemand versteht und klar wird, was da genau passiert, hier einmal die alten und neuen Tarife. Rechts finden Sie die neue Tarifbezeichnung, links den Referenztarif in der alten Bisexwelt.

Pauschalleistungstarif ProFit (ASZG) –> AZP
StartFit KVE3 –> KVS1
KV 2 –> KVT2
Stationärtarif PS1 –> PSV
ohne alten Tarif ist der SBE (SB Entlastung im Alter)

Die Leistungen der Tarife VKE, VKEH, KKE und KKEH sind nun in den neuen Tarifen enthalten, schreibt die Hanse in einer Mail an die Softwarhäuser, welche mir vorliegt. Daher werden diese Tarife zukünftig nicht mehr in der neuen Welt angeboten. Neu dagegen ist der SBE Tarif, mit dem kann sich der Kunde eine Minderung seiner Selbstbeteiligung ab dem 65. Lebensjahr erkaufen. Eine Idee die es bei anderen Unternehmen schon gibt, aber hier nicht tarifbezogen ist, sondern generell für alle Tarife mit SB abgeschlossen werden kann. Dabei wird man einmal rechnen müssen, ob und wann sich die Prämien dafür lohnen.

Aufgrund der, aus meiner Sicht weiterhin elementaren Leistungseinschränkungen in den „Start-/ Einstiegstarifen“ soll es hier nur um den „Hochleistungstrarif“ AZP gegen. Beiträge zu den alten Tarifen der Start Fit Serie oder des ASZG finden Sie im Blog)

Locktarif, aus Versehen undeutlich oder vielleicht Absicht? Die versteckten Gefahren im Pro Fit (ASZG) Tarif der Hanse Merkur

Hanse Merkur – Marketingaussagen und Unsinn nach dem Blogbeitrag zum Tarif ASZG (Pro Fit)

“Mir wurde der Wechsel in die Hanse Merkur empfohlen”

Hanse Merkur Start Fit (KVE) – der optimale Schutz wie behauptet?

In der Mail an die Softwaranbieter der Vergleichssoftware heisst es dann weiterhin zu den Tarifkombinationen AZP + PS3:

Selbstbeteiligung 500 EUR oder 1.000 EUR
Pauschalleistung 6 MB (auf den Tarifbeitrag AZP)
Grundlage KVE, Grundlage Maximum aus ProFit und KVFit
Leistungen aus PS3 (stationär) ohne Anrechnung auf Pauschalleistung
Leistungen erfüllen Mindestkatalog PKV Verband
Vorsorge ohne Anrechnung auf Pauschalleistung
Kombinierbar mit SEB und PSV

Interessant sind zu diesen Aussagen dann die Formulierungen in den Bedingungen der einzelnen Tarife.

Glücklicherweise haben die Hilfsmittelregelungen eine Verbesserung erfahren. In den Tarifen findet sich nun eine offenere Formulierung als bisher und es steht geschrieben:

„Hilfsmittel sind technische Mittel und K.rperersatzstücke, die Behinderungen, Krankheits- oder Unfallfolgen ausgleichen oder mildern,
sowie lebenserhaltende Hilfsmittel. Als solche gelten:“ (Tarifbedingungen Punkt 1.5.)

Leider kommt die Ernüchterung ziemlich schnell beim weiteren Lesen. Dort hat der Versicherer dann die folgende Einschränkung eingefügt:

„Anspruch auf Kostenerstattung der Hilfsmittel besteht im Rahmen einer einfachen Standardausführung. Für Krankenfahrstühle
gelten Höchstbeträge, die beim Versicherer erfragt werden können. Bei Hilfsmitteln mit einem Anschaffungspreis, einer
Versorgungspauschale oder Mietkosten (bezogen auf ein Jahr) ab 3.000 EUR ist eine vorherige Leistungszusage des Versicherers
erforderlich.“

Sorry liebe Hanse Merkur, aber solchen Unsinn muss sich erst einmal jemand ausdenken. Warum bitte schreibt man die Höchstbeträge denn nicht auf? Wo stehen die denn, die ich beim Versicherer erfragen kann und ändern die sich? Frage ich heute an bekomme ich einen Betrag, nächste Woche einen anderen? Es gibt leider nichts, auf das sich der Kunde beziehen kann und somit auch keine verbindliche Regelung. Auch bei einem einfachen Rollstuhl gehen die Kosten in den vierstelligen Bereich. Wird die Versorgung mit einem elektrischen oder gar einem hochmodernen, sprachgesteuerten Rollstuhl nötig, so wird es deutlich teurer. Gegen Grenzen und Beschränkungen des Versicherungsschutzes ist gar nicht einzuwenden, das muss ein Versicherer allein deshalb tun, um seine Kosten (und die Beitragsentwicklung) im Griff zu halten, aber sagen darf man schon auf was man beschränken möchte.

Bei der Leistungszusage ab 3.000 EUR ist zumindest ein Betrag genannt, die Frage stellt sich hier dennoch, denn was passiert wenn die Zusage nicht gegeben wird oder der Versicherte einfach vergisst anzufragen? Mitbewerber verwenden Regelungen wie „wir zahlen dann max. das, was eine Versorgung über uns gekostet hätte“.

Die enterale Ernährung einschließlich der Nährlösung ist in den Bedingungen zu finden, gut so! Aber was ist mit Kosten für eine paenterale Ernährung?

„Weiterhin werden Pumpen und technisches Zubehör zur Verabreichung einer künstlichen Ernährung (enterale Ernährung)
sowie die entsprechenden medizinischen Nährlösungen erstattet.“

Während es im einleitenden Satz (erstes Zitat oben) noch eine offene Formulierung ist, folgen dann Einschränkungen wie „als solche gelten“ und unten im Punkt 1.5. ist zu lesen, das lebenserhaltende Hilfsmittel dann auch erstattet werden, wenn diese nicht genannt sind. Andere Hilfsmittel jedoch dann (so die Aussage) nicht, wenn diese nicht hier aufgezählt sind.

Ein Beispiel von vollkommenem Unsinn finden wir dann unter Punkt 1.5.2. Klar will man als Versicherer die Kosten für LASIK genannt haben, dieses aber nur deshalb, weil die Tendenz des Bundesgerichtshofes eher zu Gunsten der Kunden geht und wenn keine Regelung vorhanden ist, dann müsste das Unternehmen wohl zahlen.

Lasik und die medizinische Notwendigkeit in der Privaten Krankenversicherung (PKV)

Also hat sich die Hanse eine Regelung einfallen lassen, die so lächerlich ist, das einem die Tränen in die Augen steigen. Dort steht tatsächlich:

„Erstattungen für Sehhilfen oder alternativ für eine Sehschärfenkorrektur mittels Lasertechnologie (wie LASIK-Operationen)
sind auf 260 EUR innerhalb von jeweils 24 Monaten begrenzt.“

Ah ja, eine Lasik OP bekomme ich nun endlich in dem neuen Tarif erstattet und das doch bis zu gigantischen 260 EUR in 24 Monaten. Dumm nur, das die Beträge deutlich größer 1.000 EUR liegen und das auch noch PRO Auge. So schafft es die Hanse selbst bei einer Klinik die „Billig ist“, etwas mehr als 10% der Kosten zu erstatten, aber das muss wohl daran liegen, dass dieses hier ja der TOP Tarif der Gesellschaft ist.

Mit einer Erstattung von 90% der Kosten für die Psychotherapie kann man leben. Hier hat man tatsächlich die Empfehlung des PKV Verbandes umgesetzt und die Sitzungszahl auf 50 festgesetzt. Warum dann auch diese Regelung wieder aufgeweicht wird und es nur unter Voraussetzungen erstattet wird, das weiss wohl nur der Aktuar oder die Entwickler des Tarifs.

„Voraussetzung für die Erstattung ist, dass dem Versicherer vor Beginn der Behandlung ein ausreichend begründeter Bericht vorgelegt
wird und er die Leistungen schriftlich zugesagt hat.

Keine Zusage = Keine Erstattung. Möge jeder für sich selbst entscheiden wie viel einem eine solche Regelung wert ist.

Ein weiterer Punkt in den Mindestkriterien des PKV Verbandes sind die Entwöhnungsbehandlungen. Diese sind nun auch im neuen Tarif versichert, wenn auch hier wieder mit teilweise eigenwilligen Einschränkungen. Während man mit 70% der Kosten als Erstattung durchaus leben kann, ist die Anrechnung der vollständig durch andere bezahlten Behandlungen etwas eigenwillig.

„Ambulante Entwöhnungsbehandlungen zu 70 % der erstattungsfähigen Aufwendungen. Erstattungsfähig sind die medizinischen Versorgungskosten von insgesamt bis zu zwei ambulanten Entwöhnungsbehandlungen, soweit kein Anspruch gegen einen anderen Kostenträger besteht. Vollständig durch andere
Kostenträger finanzierte ambulante Entwöhnungsbehandlungen werden angerechnet.

Zahnbehandlung und -ersatz:

Die Regelungen zum Zahnersatz und die Zahnbehandlungen sind durchaus üblich. Was mich in einem TOP Tarif jedoch stört, bzw. zumindest zu denken gibt sind Höchstgrenzen dieser Art.

„Höchstsatz bis zum Ende des 2. Versicherungsjahres insgesamt 1.600 EUR
Höchstsatz bis zum Ende des 4. Versicherungsjahres insgesamt 3.200 EUR
Höchstsatz bis zum Ende des 6. Versicherungsjahres insgesamt 6.400 EUR
ab dem 7. Versicherungsjahr unbegrenzt“

Ein Betrag von 800 EUR pro Jahr in den ersten beiden Jahren (ausgenommen Unfälle) ist nicht nur etwas knapp bemessen, sondern das machen viel, wenn nicht die meisten, Mitbewerber deutlich besser.

Pauschalleistung:

Die Pauschalleistung von einem halben Monatsbeitrag ist weiterhin Bestandteil des Tarifs. Dazu hatte ich in den folgenden Beiträgen schon einiges geschrieben und verlinke es der Einfachheit halber hier:

Weiterhin halte ich eine Krankenversicherung für die Absicherung der anfallenden Gesundheitskosten für wichtig und diese sollte nicht die Funktion eines Sparvertrages haben. Schon gar nicht wenn die „ersparten Beiträge“ vorab verrechnet werden und später zu deutlichen Nachzahlungen führen können. Die Regelung in den Bedingungen lautet auch dazu wieder:

Endet der Versicherungsschutz nach Tarif AZP während der Dauer der vollen Beitragszahlung, so werden die noch ausstehenden
gestundeten hälftigen tariflichen Zahlbeiträge sofort fällig. Werden Leistungen gemäß Abschnitt I. nach Ende des Versicherungsschutzes
für Tarif AZP abgerechnet, entfällt der Anspruch auf Pauschalerstattung gemäß Abschnitt II. Absatz 2, und die entsprechenden
gestundeten halben tariflichen Zahlbeiträge sind sofort nachzuzahlen.“

Je älter die Kunden werden, je höher die regulären Beiträge sind, so höher werden auch die möglichen Nachzahlungen bei einem Wechsel der Gesellschaft, der Umstellung in andere Tarife oder der eintretenden Versicherungspflicht. Daher halte ich weiterhin diesen „Top Tarif“ für ausschließlich einen sehr kleinen Teil der Versicherten für sinnvoll. Bevor Sie sich also für einen Tarif oder eine Absicherung entscheiden überlegen Sie gut welche Kosten Sie selbst tragen können, ob Sie die Beträge für die (eventuelle Nachzahlung) haben und diese auch langfristig aufbringen können.

Weiterhin sollten Sie sich genaue Gedanken zum gewünschten Versicherungsumfang und den Lücken im Schutz machen. Nur wenn Ihnen diese bewusst sind und Sie diese tragen können und wollen, nur dann kann ein solcher Schutz Sinn machen.

Auswahlkriterien zur Privaten Krankenversicherung
Leitfaden zur PKV und GKV

Hanse Merkur Unisex, Teil I und II und Teil III Tarif AZP

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3 Antworten zu “Neue Unisextarife der Hanse Merkur Krankenversicherung – oder: Wie kann man bisherige, „komische Regelungen“ noch toppen”

  1. Matthias Glesel Says:

    Das beweist einmal mehr, warum die HaMe kein bevorzugter Anbieter von PKV-Produkten für die Vollversicherung für unabhängige Vermittler sein sollte. Und warum sie dann von poolgetriebenen Erhebungen zum „beliebtesten Kranknversicherer“ gewählt worden sein soll, kann dann nur am Prinzip „billig, aber hohe Provision“ liegen…“dislike“

  2. Peter Says:

    Die HanseMerkur hat in 2010 ein Bestandswachstum von mehr als 31.000 Vollversicherte.

    Da sollte sich der eine oder andere Makler fragen, ob er alles richtig macht.

  3. Gibt es eine Steigerung von unseriös? Hier ein Beispiel zur PKV-Beratung einige Verkäufer : PKV BU Blog Says:

    […] ihn dazu überreden in einen neuen Tarif der Hanse Merkur zu wechseln. Dabei handelt es sich um den Tarif KVS1, welches der Unisex-Nachfolger der StartFit Tarife ist. Dazu erreicht den Kunden folgendes […]

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