Kundenfrage: „Soll ich noch bei der Central Krankenversicherung bleiben, oder lieber schnell weg?“

Sven Hennig

Eine der häufigsten Fragen, welche mir in den letzten Wochen von Neukunden gestellt worden ist, ist die zum Verbleib in der Kunden in der Central Krankenversicherung. Die Gründe für die Beunruhigung der dort versicherten Kunden sind vielfältig. Spürbare Beitragsanpassungen in den vergangenen Jahren, welche weit über dem Marktschnitt liegen und lagen sind sicher nur ein Grund und sollten keinesfalls ein Grund für eine Kündigung eines Vertrages sein.

Weiterhin hatte das Unternehmen Tarifschließungen, (erneute) zweistellige Beitragsanpassungen angekündigt und wird somit nicht nur für Bestands- sondern auch für Neukunden eher unattraktiv. Auch die Zugangswege, über die die Kunden noch zum Unternehmen kommen können werden beschränkt und nur noch über die DVAG (Deutsche Vermögensberatung) erfolgen.

Ich hatte bereits in meinem letzten Beitrag „Was können und sollten Bestandskunden der Central nun tun?“ einige Hinweise gegeben, möchte aber einige konkrete Kundenfragen in diesem Beitrag aufgreifen und beantworten.

Muss ich jetzt unbedingt dort weg?

Natürlich nicht. Nur weil ein Unternehmen (s)eine Strategie ändert und ggf. auch Tarife schließt, muss niemand dort „schnell weg“. Bedenken sollten Sie aber andere Punkte. Wie und warum sind Sie damals zu der Central und zu dem Tarif gekommen? Waren es begründete Kriterien für die Tarifauswahl, oder eher der „Rat des Vermögensberaters?“

Wenn es ohne konkrete Auswahl zu einer Entscheidung kam, so prüfen Sie bitte anhand der Auswahlkriterien zunächst einmal was Sie wünschen, wollen und brauchen. Nur wenn die Anforderungen an Ihren Tarif klar sind, nur dann können Sie diese mit dem Tarif und den Tarifleistungen vergleichen und somit entscheiden ob der Tarif „passt“.


Kommen Sie zu dem Ergebnis das dem nicht so ist, so sind mehrere Punkte zu überlegen. Vielleicht macht ein Wechsel bei der Central noch Sinn. Dabei sind die aktuellen Tarife aus der Vario Serie zu berücksichtigen, aber auch bestehende weitere Tarife der Central.

Wird mein Tarif jetzt jedes Jahr „automatisch“ teurer?

Nein. Automatisch und nur weil die Unternehmensausrichtung geändert ist, passiert nichts. Wie in allen anderen Unternehmen auch, sind die kalkulierten Kosten mit den tatsächlichen Kosten zu vergleichen. Dabei wird festgestellt ob eine Abweichung besteht, welche dann eine Anpassung der Beiträge zur Folge hat. Natürlich verändert sich die Struktur der Versicherten jetzt. Viele befürchten Veränderungen, (noch) schlechtere Beitragsentwicklung wie bisher und wechseln daher aus Vorsicht den Versicherer. Hierdurch verändert sich natürlich auch die Einnahmen- und Ausgabensituation des Versicherers, was zu höherem Anpassungsbedarf führen kann. Auch die erwirtschaftete Nettoverzinsung spielt eine Rolle. Die Entwicklung bei der Central sehen Sie hier:

(c) Softfair

Wie alle anderen Kennzahlen auch, ist diese im Zusammenhang zu betrachten und hier nur beispielhaft aufgeführt. Zum Vergleich: Der Branchendurchschnitt bei der Nettoverzinsung lag im Jahr 2010 bei 4,2%.

Was passiert, wenn keine Neukunden mehr in den Tarif kommen?

Ist ein Tarif sauber, ausgewogen und richtig kalkuliert, so führen fehlende Neukunden nicht zwangsweise zu steigenden Beiträgen. Verlassen aber alle „guten, gesunden“ Kunden den Tarif und es kommen keine neuen hinzu, so bleiben nur die Kunden in Tarifen übrig, die krank sind und nicht wechseln können. Daher ist hier Vorsicht geboten. Eine Prognose ist aber nur sehr schwer möglich und von vielen Faktoren abhängig, diese können aber für die Zukunft nicht vorhergesagt werden. Um so ausgewogener ein Versicherer arbeitet und seine Beiträge kalkuliert (hat), um so besser die Entwicklung.

Verliere ich meine Alterungsrückstellungen und wie hoch sind diese?

Kunden der alten Tarifgenerationen (vor 2009) können generell keinerlei Alterungsrückstellungen mitnehmen. Sowohl der gesetzliche Zuschlag als auch die Rückstellungen verfallen. Daher verbleibt das Geld bei dem Versicherer.

Wie hoch dieser Betrag ist, ist aber auch nicht verbindlich zu sagen und änderbar. Das angesparte Geld ist auch von der Ertrags-/ wirtschaftlichen Situation des Unternehmens abhängig und somit verlieren Sie ihren Anspruch und keinen konkreten Eurobetrag. Ob und wie sich die Rückstellungen entwickeln/ entwickelt hätten, ist nicht planbar.

Kunden der neuen Tarifgenerationen können einen Teil der so genannten Alterungsrückstellungen portieren. Dabei handelt es sich um den Anteil „in Höhe des Schutzes des Basistarifs“. Dieser so genannte Übertragungswert wird- wie in der Pflegepflichtversicherung- an den neuen Versicherer übertragen.

Ich habe eine Komponente zur Beitragsentlastung (EBE/ EBE63). Was passiert mit dem eingezahlten Geld?

Dieses Geld ist weg. Ganz einfache Aussage. Die Beitragsentlasungskomponente ist eine Art Sparvertrag und kann nicht mitgenommen werden. Auch dieses Geld bleibt somit bei dem Versicherer.

Bevor Sie also eine Entscheidung zum Verbleib oder zur Kündigung des Vertrages bei der Central treffen, sind eine Reihe von Faktoren zu bedenken und genaue Überlegungen anzustellen. Lassen Sie sich ausführlich beraten und überlegen dann gemeinsam mit ihrem Berater was zu tun ist.

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4 Antworten zu “Kundenfrage: „Soll ich noch bei der Central Krankenversicherung bleiben, oder lieber schnell weg?“”

  1. Sepp78 Says:

    Ich bin zum Jahreswechsel 2010/2011 von der Central weg, nachdem mein Tarif CVP500 zum Jahreswechsel um 43% (deutlich über +100 EUR) angepasst wurde. Nun soll dieser Tarif zum Jahreswechsel 2011/2012 erneut eine Anpassung bei Männern um ~20 % erhalten. Ich frage mich, was ist bei dieser Gesellschaft los? Will man dort das PKV-Modell mit Gewalt zu Grabe tragen, die Prämien kann sich bei diesen Steigerungen in spätestens 5 Jahren defakto niemand mehr leisten.

    Lustig finde ich in diesem Zusammenhang auch, dass mich die Central-Kunden-Rückgewinnung anrief, als ich gekündigt habe und mich bat, doch zu bleiben. Man sagt mir, damals, dass ich nach einer so deutlichen Anpassung davon ausgehen kann, dass ich die nächsten Jahre eher nicht mehr mit Anpassungen rechnen müsste. Ich bin dennoch gegangen, weil das Vertrauensverhältnis nach dieser Aktion für mich (die Central schickte mir den Brief erst im Dezember, so dass ein Wechsel nur unter größten Handständen noch möglich war), mehr als nachhaltig zerstört war.

    Ich musste dann unter diesem Druck erst mal einen Makler suchen, denn ich war zuvor bei der Central über einen Vermögensberater gekommen. Gott sei Dank, habe ich dann auf die Schnelle noch einen Makler gefunden, der sich sehr viel Zeit genommen hat (es waren mehrere Termine notwendig, bis wir für mich den passenden Anbieter hatten). Da alles so knapp war und die Central über die Feiertage nicht recht gearbeitet hat, wollte man mich dann auch erst mal nicht gehen lassen, weil die Weiterversicherungsbescheinigung nicht rechtzeitig eingetroffen war etc. Alles in allem ein riesen Ärger, der mich zum einen viel Geld (bin selbstständig und wenn ich nicht arbeite verdiene ich nichts) und Nerven gekostet hat.

  2. 1to1Agentur Says:

    Xxx agentur hilft jedem der nicht übereilt wechseln möchte, sondern erst einmal mit einem geprüften und unabhängigen Fachberater über Möglichkeiten des Wechsels sprechen möchte. Wir stehen zwischen dem Kunden und dem Makler als Medium.
    Einfach anrufen : xxx

    wir freuen uns auch Ihnen helfen zu dürfen.

    ——————-
    Antwort Seitenbetreiber Sven Hennig:

    Klar. Sie generieren Leads. In einem anderen Forum schreiben Sie:

    „guten abend,
    die firma 1to1 erstellt leads. wir terminieren diese und habe ganz bestimmte vorgaben. gerne auch vorgaben die relevant sind für den einzelnen makler. gerne können sie uns anrufen unter: xxxx oder xxx. im übrigen greifen wir nicht ständig in welche tabellen wo andere makler vielleicht da waren. sondern wir akquirieren im frisch lg“

    Klar. Sie kommentieren auf einer Maklerseite, der Kunde ruft sie an, damit Sie die Adresse einem anderen Makler verkaufen können.

    Sehr logisch.

  3. Marco1 Says:

    Hallo zusammen, ich habe meine Kündigung ebenfalls bei der central eingereicht. bei mir wurden knapp 70€ erhöht (monatlich). das lasse ich mir nicht bieten. Habe einen guten freund, der bei der dkv arbeitet (mittlerweile der größte deutsche krankenversicherer).ich bin nun im sogenannten bestmed-tarif (BM4) versichert. ein absoluter toptarif. dieser tarif ist 5 € monatlich günstiger, worauf es mir primär aber gar nicht ankam… die leistungen sind auch deutlich besser und ich habe eine geringere selbstbeteiligung. zudem wurde dieser tarif in diesem jahr nicht angepasst, im gegenteil: er wurde sogar noch ein paar cent günstiger auf grund der pflegepflichtversicherung.

  4. mrlustig Says:

    Sehr geehrter Herr Hennig,

    die objektive Betrachtung der Auswirkungen bei der Central sind gut dargestellt. Beim derzeitigen Marktgeschehen, alles stürzt sich auf Central Kunden:) wird es definitiv eine Katastrophe geben, denn genau das ist das Problem der Central, deren Tarife waren nicht sauber und sind nicht sauber kalkuliert. Sterbetafeln auszulassen und das gleih mehrmals, Billigtarife zwecks Kundenfang auf den Markt zu werfen usw., genau das war der Fehler, welchen nicht nur die Central begeht. Nur nach diesen Abgängen dieses Jahr und kommende wird der Versicherten-bestand kleiner und die steigenden Ausgaben werden von einem kleineren Bestand nicht getragen werden können, was definitiv zu drastischen Beitragserhöhungen führen wird oder muss.

    Was ich mich frage ist, wenn man heute wechselt als Altkunde mit einigen Rückstellungen, die man dann ja verliert bei der derzeitigen Gesellschaft, wie verhält sich das bei der neuen, dort kommt man doch in den Genuss der Altersrückstellungen in der gleichen Altersgruppe, da einem diese doch eh nicht individuell zukommen oder ? Dann macht doch ein Wechsel in einen Tarif eines guten Versicherers mit hohen Altersrückstellungen Sinn und ich habe gar keinen Nachteil wirklich oder ?

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