Ich möchte einen (Kranken-) Versicherer der kulant ist

Sven Hennig

Diesen Satz, so wie Sie Ihn gerade in der Überschrift des Artikels lesen, höre ich einige Male in der Woche. Der Wunsch eines neuen Interessenten für die Private Krankenversicherung (PKV) ist oftmals „Kulanz“.

Der Leistungsrahmen der Privaten Krankenversicherung, ist durch die Regelungen in den Muster- und Tarifbedingungen der Gesellschaften verbindlich und für beide „Parteien“ (also den Versicherer wie auch den Versicherten) verbindlich geregelt.

Hierbei sind manchmal „auslegungswürdige“ Formulierungen enthalten, welche man „so oder so“ deuten kann. Dann kommt es sicher auf den Willen des Unternehmens an, wie unkompliziert man mit so einem Fall umgeht. Berechtigt daher der Wunsch, einen unkomplizierten Umgang mit solchen Herausforderungen zu haben.

Kulanz selber ist jedoch verboten und diese wollen Sie auch nicht haben

„Was bitte?“ werden Sie jetzt denken. Natürlich will ich die, hab ich doch gerade gesagt. Aber überlegen Sie sich folgenden Fall:

Stellen Sie sich vor, Sie seien mit 99 anderen Personen in einem Tarif XYZ privat krankenversichert. Nun wissen Sie bereits, dass der Versicherer seine Prämien nach dem zu erwartenden Leistungsumfang und den daraus resultierenden Kosten kalkuliert hat. Übersteigen die realen Kosten nun aber die kalkulierten Werte, so sind (vereinfacht formuliert) die Prämien anzupassen.

Stellen Sie sich weiter vor, es gäbe in dem Tarif für ein bestimmtes Hilfsmittel nur 1.000 EUR. Leider kostet dieses nun mit der Zeit immer mehr und als Sie es nun brauchen und verordnet bekommen, müssen Sie bei dem Sanitätshaus 1.900 EUR dafür bezahlen. In den Bedingungen steht jedoch, „wir leisten für das Hilfsmittel XYZ maximal einen Betrag von 1.000 EUR“.

Natürlich freuen Sie sich nun erst recht, wenn Ihnen der Versicherer mitteilt, er zahle aus Kulanz oder als so genannte „freiwillige Leistung“ (weitere Beiträge zu freiwilligen Leistungen) den ganzen Betrag.

Doch die Freude währt nur kurz, wenn dadurch die Beiträge steigen. „Ja klar“ werden Sie denken, was erzählen sie mir denn hier. Durch einmal 900 EUR mehr gezahlt als kalkuliert steigen doch die Beiträge nicht.

Stimmt!

Aber glauben Sie, eine Kulanz macht man nur bei Ihnen? Nein, mindestens bei einigen anderen Ihrer „Mitversicherten“ wird der Versicherer eine ähnliche Leistung vornehmen. Dadurch steigen die Kosten in dem jeweiligen Tarifkollektiv weiter an und die Beiträge müssen angepasst werden.

Aber zu unserem Beispiel zurück:

Nehmen wir weiter an, Sie haben sich bewusst für diesen Tarif entschieden. Sorgfältig bei Vertragsabschluss alle Ausschlüsse und Einschränkungen gelesen und verstanden. Nehmen wir auch an, Sie wollten genau diese Ausschlüsse und Einschränkungen, weil dafür der Tarif etwas preiswerter war als andere. Und nun… nun sind Sie Jahr(zehnt)e gesund. Der (kulante) Versicherer zahlt aber den 99 anderen in Ihrem Tarif ständig mehr und mehr Leistungen aus als in dem Vertrag vereinbart (und kalkuliert und bezahlt) sind. Dadurch steigen auch IHRE BEITRÄGE.

Ungeachtet der oben genannten Gründe und der Tatsache, dass eine Kulanzzahlung somit das veruntreuen von Versichertengeldern ist, wer sagt/ garantiert denn wie lange eine solche Leistung aus Kulanz erbracht wird?

Bis morgen? Nächste Woche oder nächstes Jahr? Bis ein neuer Sachbearbeiter kommt oder der Versicherer eine neue Führung bekommt, oder wie lange denken Sie?

Daher verlassen Sie sich bitte bei der Auswahl des Unternehmens und des Tarifs in der privaten Krankenversicherung nur auf die Vertragsbedingungen und somit die rechtssicheren Aussagen. Vergessen Sie Prospekte und vermeintliche Garantien. Wie es einem mit so einer Prospektaussage gehen kann, konnten Sie in der Vergangenheit in den 3 Blogbeiträgen zur „Gothaer Hilfsmittelgarantie“ anschaulich nachlesen. Das muss Ihnen sicher nicht passieren!

Tags: , , ,

Schreiben Sie eine Antwort.