Hanse Merkur KVS und die Nichterfüllung der Mindestkriterien des PKV Verbandes

Sven Hennig

Gestern hatte ich bereits ausführlicher zu den neuen Unisextarifen der Hanse Merkur und teilweise recht unsinnigen Regelungen geschrieben. Ich hatte mich vorwiegend mit dem „Toptarif“ beschäftigt und nicht mit den untereren Tarifstufen. Nun hat mich ein Leser des Blogs nochmals auf einen anderen Punkt gestoßen.

In der Mail der Hanse Merkur an die Softwareanbieter hieß es wörtlich:

„Es gibt weiterhin die Tariflinien Start Fit, Pro Fit und neu dazu die Tariflinie Top Fit (früher Fit). Allerdings wurden die Tarife mit neuem _Leben_ – also Leistungen – gefüllt, die u. a. auch die Vorgaben zum Mindestleistungskatalog des PKV-Verbandes erfüllen!“ (Hervorhebung durch mich)

Eine dieser Mindestkriterien des Verbandes war die Formulierung eines offenen Hilfsmittelkataloges. In dem Schriftstück des Verbandes, welches mit vorliegt, heisst es dazu:

„Versicherte haben Anspruch auf Kostenerstattung für Hilfsmittel in Standardausführung bzw. einfacher Ausführung. Als Hilfsmittel gelten technische Mittel und Körperersatzstücke, die Behinderungen, Krankheits- oder Unfallfolgen mildern oder ausgleichen sowie lebenserhaltende Hilfsmittel. Hierzu zählen nicht Pflegehilfsmittel, deren Kosten die Pflegeversicherung zu erstatten hat.“

Natürlich ist dieses nur eine unverbindliche Empfehlung, denn eine durchsetzende Kraft hat der Verband hierzu nicht, nur schrieb die Hanse Merkur ja, diese Kriterien erfülle man mit den neuen Tarifen. In den Bedingungen liest sich das nun aber ganz anders. Dort heisst es:

zu § 4 (3) MB/KK 2009

c) Als Hilfsmittel gelten die als solche im Tarif aufgeführten Gegenstände. (Seite 15, Druckstück siehe Link unten)

und spezifiziert wird es in den Tarifbedingungen des Tarifs KVS mit den Worten:

Bei einer festen Aufzählung und der Einleitung „als solche gelten“ kann ich noch keine offene Formulierung erkennen. Da steht zwar nicht das Wort „ausschließlich“, darunter folgt jedoch eine verbindliche Aufzählung der Hilfsmittel die geleistet werden.

Eine offene Formulierung ist nur für den Teil der lebenserhaltenden Hilfsmittel vorhanden und diese auch nur dann, wenn die lebenserhaltende Funktion durch kein anderes Hilfsmittel gewährleistet werden kann. In der derzeitigen Fassung der Bedingungen des KVS wären also- aus meiner Sicht- die Mindestkriterien des PKV Verbandes hier nicht erfüllt.

Ich habe die Presseabteilung der Hanse Merkur heute um eine Stellungnahme gebeten und werde diese hier einstellen, sobald mir die Antwort vorliegt. (siehe unten) Neben der Hanse Merkur hat auch die Gothaer Krankenversicherung die Mindestkriterien noch nicht umgesetzt, diese haben das aber für das Frühjahr bereits angekündigt.

Antwort der Hanse Merkur:

Nachdem bisher keine Reaktion erfolgte, habe ich heute am 22. 1. mal nachgefragt. Aussage der Hanse Merkur: Es wird keine offizielle Stellungnahme auf die Anfrage an die Presseabteilung geben. Das nenne ich fairen und offenen Umgang mit Kritik und für dumm verkaufen von Kunden. Es ist schon haarsträubend manchmal, was Gesellschaften so meinen sich heraus zu nehmen. Meine PRIVATE Meinung: Wenn jemand behauptet er erfülle die Mindestkriterien und beim Nachlesen sieht es dann anders aus, ist es ein K.O. Kriterium für diese, und alle weiteren Versicherungen bei solch einem „Partner“.

KK_384_START_FIT_JANUAR_2013

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4 Antworten zu “Hanse Merkur KVS und die Nichterfüllung der Mindestkriterien des PKV Verbandes”

  1. Dirk Menke Says:

    Gut zu wissen.

    Ich in dem von Morgen & Morgen veröffentlichten Bericht hatte ich auch schon gelesen, dass gerade einmal die Hälfte aller Tarife die Mindestanforderungen erfüllt.

    Und jetzt so etwas „hinterlistiges“. Ist das die neue Transparenz, von der man sprach? Will man so das Vertrauen der Kunden gewinnen? Manchmal ist das alles ziemlich beschämend.

  2. Sven Hennig Says:

    Hallo Hr. Menke,

    die Hälfte von was? Die alten Tarife können die Kriterien natürlich nicht erfüllen, aber von den Unisextarifen ist die Hanse eher die Ausnahme.

  3. Dirk Menke Says:

    Hallo Herr Henning,

    entschuldigen Sie, gemeint sind die Hälfte aller getesteten Tarife in der Untersuchung von Morgen & Morgen (http://www.morgenundmorgen.com/publish/pressemitteilungen unter „Unisex in der PKV“ vom 09.01.2013)

  4. Sven Hennig Says:

    Hallo,

    danke. ich halte diese „Aufstellung“ für fragwürdig. Mehr dazu demnächst

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