Gastbeitrag: Was passiert mit meiner privaten Krankenversicherung, wenn ich meinen Beamtenstatus aufgebe und keinen Beihilfeanspruch mehr habe?

Sven Hennig

Viele Beamte wechseln nach einer Zeit im Beamtenstatus in die freie Wirtschaft. Professoren, wissenschaftliche Mitarbeiter aber auch Lehrer finden oftmals in der privaten Wirtschaft nicht nur ein besseres Gehalt, sondern auch vergleichbare Sicherheit. Doch gerade dann stellen sich viele Fragen.

Kann ich in der privaten Krankenversicherung bleiben?

Beamte (und Angehörige), die Ihren Beihilfeanspruch verlieren, weil Sie aus dem Beamtenverhältnis ausscheiden, werden in der GKV nicht immer versicherungspflichtig. Wenn Sie im Anschluss an das Beamtenverhältnis z.B. selbständig/freiberuflich tätig werden, oder in einer neuen Anstellung über ein entsprechendes Einkommen oberhalb der Jahresarbeitsentgeltgrenze (2012 JAEG 50.850€) verdienen, bleibt die Versicherungsfreiheit bestehen und die PKV muss dann in Tarife mit 100% Leistungsanspruch umgestellt werden. Das dieses ohne erneute Gesundheitsprüfung beantragt werden kann ergibt sich aus dem § 199 des Versicherungsvertragsgesetz.

§ 199
 Beihilfeempfänger

(2) Ändert sich bei einer versicherten Person mit Anspruch auf Beihilfe nach den Grundsätzen des öffentlichen Dienstes der Beihilfebemessungssatz oder entfällt der Beihilfeanspruch, hat der Versicherungsnehmer Anspruch darauf, dass der Versicherer den Versicherungsschutz im Rahmen der bestehenden Krankheitskostentarife so anpasst, dass dadurch der veränderte Beihilfebemessungssatz oder der weggefallene Beihilfeanspruch ausgeglichen wird. Wird der Antrag innerhalb von sechs Monaten nach der Änderung gestellt, hat der Versicherer den angepassten Versicherungsschutz ohne Risikoprüfung oder Wartezeiten zu gewähren.

Auf den ersten Blick scheint die Lösung ausreichen und problemfrei zu sein. Etwas wichtiges wird dabei aber oft übersehen: Nur bereits bestehender Versicherungsschutz kann aufgestockt werden, eine Nachversicherung von nun fehlenden Tarifbausteinen ohne erneute Gesundheitsprüfung ist in den wenigsten Tarifen vorgesehen und verbirgt sich ein existenzbedrohendes Risiko.
Hier ist insbesondere das Krankentagegeld zu nennen, da es beim Beamten nicht versichert wird. Das ist auch logisch, denn das Risiko von Einkommenseinbußen bei längerer Krankheit wie bspw. bei Freiberuflern oder Angestellten besteht hier nicht, da die Besoldung im Krankheitsfall weiter gezahlt wird. Somit handelt es sich hier auch nicht um eine „Aufstockung“ sondern um einen zusätzlichen Abschluss. Die nachträgliche Versicherung ist dann nur mit einer erneuten Gesundheitsprüfung möglich. Wenn sich der Gesundheitszustand aber geändert hat und ggf. Erkrankungen eingetreten sind kann der Versicherer diese zusätzliche Versicherung auch ablehnen. Das fehlen einer Krankentagegeldabsicherung ist dann ein existenzbedrohendes finanzielles Risiko!

Kommt das überhaupt vor?

Leider viel häufiger als Sie es vielleicht vermuten. Am häufigsten erhalte ich Anfragen von Beamten auf Zeit, Politikern, Richtern, Professoren oder Soldaten nach Ende der freien Heilfürsorge freiberuflich tätig werden (zuletzt von einem Bundeswehrarzt, der sich mit eigener Praxis selbständig machen wollte, dem jedoch aufgrund eines in Afghanistan erlittenen Traumas der Schutz verweigert wurde). Leider ist es meist zu spät, wenn man nicht vor Vertragsabschluss auf entsprechende Vertragsklauseln geachtet hat.

Beamte sollten daher vor Vertragsabschluss unbedingt darauf achten, dass eine Nachversicherungsgarantie ohne erneute Gesundheitsprüfung für das Krankentagegeld schriftlich in den Versicherungsbedingungen verankert ist!
Achtung: unverbindliche Aussagen von Versicherern: “das machen wir dann schon“ sind nichts wert und bieten Ihnen keinerlei Rechtssicherheit!

Denken Sie daran:

Fragen Sie Ihren Berater immer nach einer entsprechenden Klausel oder Option und lassen Sie die Bedingungen zeigen und erläutern.
Unterschreiben Sie keinen Vertag, in dem Ihnen schriftlich nichtzugesichert wird, dass Sie ein Krankentagegeld ohne Gesundheitsprüfung nachversichern können.
Selbst wenn Sie dieses Risiko noch eingehen würden – Sie tragen heute oder in der Zukunft mit Ihrer Vertragsauswahl ggf. auch die Verantwortung für Angehörige.

Weitere Informationen zum Thema finden Sie unter http://www.makler-harms.de

Tags: , ,

Eine Antwort zu “Gastbeitrag: Was passiert mit meiner privaten Krankenversicherung, wenn ich meinen Beamtenstatus aufgebe und keinen Beihilfeanspruch mehr habe?”

  1. Klaus Ixkes Says:

    Guten Tag Hr. Hennig,
    Ich habe eine Frage zu diesem Thema. Meine Frau ist verbeamtete Lehrerin mit Beihilfeanspruch. Unsere 7 Kinder sind ebenfalls beihilfeberechtigt. Alle sind bei der Debeka privat krankenversichert. Die ersten drei Kinder sind beitragsfrei versichert. Ich bin als Angestellter ebenfalls privat versichert. (DKV). Unsere familiäre Situation macht es notwendig, dass meine Frau ihre Berufstätigkeit aufgibt. Sie wäre dann ohne Einkommen.Ist es möglich, dass sie in die GKV wechselt und die Kinder mit ihr familienversichert werden ? Oder müssen dann alle (mit mir) privat versichert werden? Wie sollten wir ihrer Meinung nach das Problem lösen?
    Vielen Dank für Ihre Hilfe.

Schreiben Sie eine Antwort.