Gastbeitrag: Versicherungsvermittler – alles die gleichen „Versicherungsfuzzis“?

Sven Hennig

Das Thema Versicherungen ist schon von Natur aus kompliziert genug. Da gilt es, sich Gedanken zu machen, welchen Versicherungsschutz man braucht, welche Folgen die Missdeutung von Versicherungsbedingungen haben können und was man sich wie noch „gerade so” selbst leisten kann. Und dann bemerkt man irgendwann – meist sehr schnell: Ich schaff’ das nicht alleine und brauch dringend einen Berater. Und spätestens dann gehen die „Probleme” los.

Versicherungsvertreter oder Makler – die Unterschiede sind meistens nicht klar und werden auch so nicht wahrgenommen. Für die meisten Kunden ist es doch immer gleich. Der „Versicherungsfuzzi” will mir doch nur was verkaufen und lebt vom Verkauf. Doch worin unterscheiden sich denn die Beratertypen?

Seit 2007 benötigt jeder Versicherungsvermittler (Oberbegriff) eine Zulassung vom Gewerbeamt. Diese erhält man nur, wenn man einen guten Leumund, eine Vermögensschadenhaftpflicht für Beratungsfehler und eine Sachkunde hat. Zumindest hat sich der Gesetzgeber das ursprünglich einmal so vorgestellt. Die Wirklichkeit sieht, wie so oft, etwas anders aus:

Der Versicherungsvertreter

Am häufigsten in der Branche vorzufinden ist dieser Typ von Berater. Er ist bei einem Versicherer angestellt oder Handelsvertreter gem. § 84 Handelsgesetzbuch (HGB) und vermittelt auch nur für dieses Unternehmen Verträge. Verträge von anderen Unternehmen darf er nicht anbieten, auch nicht vermitteln. Würde er dies tun, so verstieße er gegen seinen Vertrag mit dem Unternehmen.
Leider gibt es auch bei dieser Gruppe zwei große Unterscheidungen:

Versicherungsvertreter mit einer Zulassung gem. §34 d Abs 1 GewO (Die haben eine eigene Zulassung und auch die entsprechende Sachkunde)
Es gibt aber auch die Versicherungsvertreter gem. §34 d Abs 4 GewO. (Die haben keine eigene Zulassung, der gute Leumund wurde nicht von der IHK überprüft und viel wichtiger: Es wurde keine Sachkunde in Form von Prüfungen oder Berufsabschlüssen vorgelegt. Die Versicherungsgesellschaft übernimmt die „Verantwortung“ und die Vermittler dürfen fleißig Versicherungen vermitteln)
Damit Sie einmal überprüfen können, zu welchem Typ Ihr Berater gehört, gibt es eine einsehbare Liste aller Versicherungsvermittler beim DIHK:
www.vermittlerregister.org

Beim Versicherer angestellte Versicherungsvermittler finden Sie nicht in dem Register, da diese keine eigene Zulassung haben. Es wurde damit auch keine Sachkunde oder der gute Leumund bei der IHK nachgewiesen.

Vorteile des Versicherungsvertreters:

Der Berater kennt seine Produkte genau. Durch die begrenzte Anzahl der Tarife sollte der Vertreter alle Fragen zum Produkt und den passenden Bedingungen beantworten können.

Nachteile des Versicherungsvertreters:

Er kann dem Kunden eben nur die Produkte des eigenen Unternehmens anbieten. Da dieser Vertreter Provision bekommt, werden oft nur die guten Seiten eines Produktes gezeigt und hervorgehoben, klar – denn er möchte, muss ja etwas verkaufen. Rechtlich gesehen steht der Versicherungsvertreter auf der Seite des Versicherers (siehe auch § 84 HGB)

Vorurteile zum Versicherungsvertreter:

Viele glauben, der Vertreter kann im Schaden-/Leistungsfall bestimmt „was drehen”. Er hat im eigenen Unternehmen ja gute Kontakte und oftmals sitzt dieser auch direkt vor Ort. So glaubt der Kunde (oder es wird ihm so verkauft), dass es alles viel besser, schneller und einfacher geht. Leider ist das ein Trugschluss. Es gibt eindeutige Bedingungen und die Abrechnung erfolgt zentral beim Versicherer. Daher ist es auch völlig egal, ob der Berater bei Ihnen um die Ecke sitzt oder per Telefon, Mail oder Internet für Sie erreichbar ist – allein das ist wichtig.

Der Mehrfachagent

Wie schon der Versicherungsvertreter ist der Mehrfachagent rechtlich gesehen ein Versicherungsvertreter, nur eben nicht für eine Versicherungsgesellschaft, sondern für zwei, drei oder 100 Versicherungsgesellschaften. Der Mehrfachagent ist eine deutsche Eigenart, die es im sonstigen europäischen Raum nicht gibt. Wie der Versicherungsvertreter muss der Mehrfachagent Ihnen alle Fragen korrekt beantworten, aber auf keine Fragen hinweisen, die nicht gestellt werden. Anders als der Versicherungsmakler ist er nicht Sachwalter des Kunden, sondern steht auf der Seite des Versicherers.

Ein Mehrfachagent hat eine Zulassung gem. §34 d Abs 1 GewO und seinen guten Leumund und die Sachkunde gegenüber der IHK offen gelegt. Er Vermittelt Versicherungsverträge von mehreren Gesellschaften, steht aber rechtlich auch im Lager des Versicherers.

Der Versicherungsmakler

Vorteile des Versicherungsmaklers:

Der Versicherungsmakler steht rechtlich auf der Seite des Kunden und ist nur diesem verpflichtet. Er ist „Sachwalter” des Kunden und muss sich für diesen einsetzen, notfalls auch gegen den Versicherer. Der Makler wählt aus den Tarifen und Angeboten des Marktes den passenden Schutz für seinen Kunden aus und besorgt diesen bei dem entsprechend passenden Unternehmen. Er ist nicht an ein Unternehmen gebunden.

Nachteile des Versicherungsmaklers:

Was nützt es, aus „den Tarifen des Marktes” auswählen zu können, wenn der Makler nicht weiß, was es gibt. Auch ein Makler ist nicht per se gut oder schlecht. Entscheidend ist hier die Qualifikation, Erfahrung und Marktkenntnis. Auch ein Makler kann nicht alle Gebiete abdecken. Achten Sie daher auf eine ausreichende Spezialisierzung und hinterfragen Sie ruhig, wie oft, wie lange und warum genau der Makler das tut, was er tut.

Vorurteile zum Versicherungsmakler:

Am häufigsten hört man die Aussage: „Der Makler vermittelt mir doch auch nur das, was ihm die meiste Courtage bringt.” Wenn Sie dieses Gefühl bei „Ihrem” Makler haben, wechseln Sie ihn, am besten schnell. Dies ist keine Basis für eine langfristige Zusammenarbeit. Der Makler sollte Ihnen aufzeigen, welche Vor- und Nachteile bestimmte Tarife und Angebote haben und dann mit Ihnen gemeinsam entscheiden, was auf Ihren Bedarf passt. Tut er dies, so werden Sie schnell sehen, dass die Courtage, die er bekommt, nicht im Vordergrund steht, denn Sie gemeinsam finden den passenden Tarif.

Fazit:

Wie in jeder Branche – oder besonders in der Finanz- und Versicherungsbranche – gibt es auch viele schwarze Schafe. Viele Berater (vollkommen egal welcher Typ) sehen beim Kunden oftmals die Dollarzeichen und verkaufen, was das Zeug hält. Das hat in den letzten Jahren zu dem teilweise schlechten Ruf der Branche geführt. Damit Ihnen das nicht passiert, hinterfragen Sie die Empfehlungen, beurteilen Sie selbst die Tarife, Bedingungen und Angebote soweit Sie das können. Fragen Sie alles, was Ihnen unklar ist und trennen Sie sich von dem Berater, wenn Sie das Gefühl haben, nicht zusammenzupassen.

Ihr
Wolfgang Ruch

Der Autor:

Wolfgang Ruch ist Geschäftsführer der Ruch Finanzberatung GmbH und sowohl regional (16556 Borgsdorf (bei Berlin)) als auch bundesweit für seine Mandanten tätig. Mit online-pkv.de verbinden ihn Kooperationen bei Sachversicherungen, Kapitalanlagen und Baufinanzierungen, denn wie oben geschrieben: „auch Makler können nicht alles können“. Mehr Infos finden Sie auf seiner Internetseite.

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Eine Antwort zu “Gastbeitrag: Versicherungsvermittler – alles die gleichen „Versicherungsfuzzis“?”

  1. D. Engmann Says:

    „Wie in jeder Branche – oder besonders in der Finanz- und Versicherungsbranche – gibt es auch viele schwarze Schafe. Viele Berater (vollkommen egal welcher Typ) sehen beim Kunden oftmals die Dollarzeichen und verkaufen, was das Zeug hält“ Jeder Kunde hat die freie Wahl und kann selbst entscheiden, vielleicht vorher etwas belesen. Allerdings müssen wir auch von etwas Leben.
    Grüß aus Berlin H-dorf

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