Eine private Krankenversicherung muss man sich leisten wollen und können- eine langfristige Beziehung mit nötiger Planung

Sven Hennig

In den letzten Tagen und Wochen ist viel über die Private Krankenversicherung geschrieben worden. Da geht es um Anpassungen, Beitragssteigerungen und die (teilweise berechtigte) Angst vieler Versicherten, die Prämie im Alter nicht (mehr) bezahlen zu können. Der Artikel im Handelsblatt (Onlineausgabe am 22. 02. 2012) malt ein ähnliches düsteres Szenario auf.

Schaut man sich dazu die Kommentare von Versicherten an, so sind manche Zahlen mehr als erschreckend. Was mich an der medialen Berichterstattung momentan aber etwas stört ist die Tatsache, das es immer nur die „böse PKV“ ist, die hier „an den Pranger gestellt werden soll. Vielmehr sind es eine Reihe von Faktoren die bei der Entwicklung der Beiträge eine wichtige Rolle spielen und welche zum Teil auch durch „Gier“ des Kunden und/ oder Fehler in der Beratung entstehen.

Kann ich mit dem Wechsel in die Private Krankenversicherung (PKV) Geld sparen?

Ganz klare Aussage: NEIN

Warum das so ist, hat viele Gründe. Der Wechsel in eine private Krankenversicherung ist nicht geeignet um (langfristig) Geld zu sparen. Die Private Krankenversicherung hat sicherlich eine Reihe von Tarifen, welche mit der Maßgabe verkauft werden „da sparen Sie ja noch was“. Das ist aber langfristig gesehen ein Trugschluss und hier liegt der Fehler leider sowohl bei den Versicherern (mit der Aufmachung von Prospekten, Werbeflyern etc.), als auch bei den Beratern welche genau mit diesen Argumenten ihre Produkte verkaufen. Rein wirtschaftlich ist es jedoch Unsinn. Es ist auch paradox mehr Leistung, höhere Honorare für die Leistungserbringer und weitere Kostenfaktoren in einem Produkt zu vereinen und dennoch geringere Beiträge zu zahlen. Auch wenn ein „Einstiegsschutz“, „Billigtarif“ oder ähnliches gewählt wurde, so liegen gerade hier noch andere, deutlich höhere Kostenrisiken.

Ein Tarif welcher auf teure Leistungen bewusst verzichtet, der führt meist im Alter (wenn dann Krankheiten auftreten) zu hohen Kosten, da die Leistungen einfach nicht versichert sind. Dazu kommen die unterschiedlichen Kalkulationen der Unternehmen und Möglichkeiten, den Beitrag bei Tarifeinführung (gewollt) niedrig zu halten. Wenn es aber schon zu Beginn des Vertrages „nicht passt“, wie soll es langfristig noch stabil sein?

Der Beitrag im Handsblatt zeigt aber ein unterschätzes Risiko auf. Die Meinung vieler Berater und dann auch der Kunden „ich fange erst mal niedrige an, dann spare ich was“ geht eben nicht auf. So schreibt T. Schmitt in seinem Artikel von einem Angestellten, welcher 1989 in die PKV gewechselt ist.

In seiner Krankenkasse zahlte er daher umgerechnet mehr als 300 Euro im Monat – den Höchstsatz, der damals galt. Durch den Wechsel in die private Krankenversicherung (PKV) konnte er diesen Beitrag fast halbieren: auf rund 170 Euro im Monat.

Heute ist Dieter H. dagegen unzufrieden. Statt 170 Euro zahlt er 22 Jahre später 684,76 Euro. Damit liegt er über dem Höchstsatz in der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV), der in diesem Jahr bei knapp 600 Euro liegt.

Ungeachtet der Tatsache, das der Höchstbetrag der Gesetzlichen Krankenkasse von mehreren Faktoren abhängig ist (so ist die Beitragsbemessungsgrenze einer, der Beitragssatz der andere) gibt es hier einen veränderbaren Zuschuss des Arbeitgebers. Dieser beträgt aber nicht mehr 50%, sondern weniger. Arbeitnehmer tragen 7,3%+0,9% des Beitragssatzes, der Arbeitnehmer nur 7,3%. Der Musterkunde hat also 1989 gewechselt und statt 300 EUR Höchstbeitrag nur noch 170 EUR gezahlt. Da wir den Tarif nicht kennen, auch eine eventuelle Selbstbeteiligung unbekannt ist, lassen sich wenige Aussagen zum Tarif machen, aber:

Die Ersparnis betrug immerhin mehr als 130 EUR, jeden Monat. Dabei stellt sich die Frage, was hat der Arbeitnehmer damit gemacht? Wie hat sich der Beitrag in der PKV entwickelt und wie genau der Höchstbeitrag der Gesetzlichen Krankenkasse (GKV)? Zumindest mal in den ersten 10 oder mehr Jahren, sollte hier eine deutliche Ersparnis geblieben sein. Warum ist diese nicht sinnvoll angespart worden?

Es ist irrig zu glauben, man „stecke sich die Ersparnis in die eigene Tasche“ und dazu wird noch alles besser, leistungsfähiger und natürlich beitragsstabil. Das ist aber leider oftmals der Weg, wie die PKV „an den Mann oder die Frau gebracht wird“.

Was kann ich tun, um extreme Anpassungen zu verhindern?

Grundsätzlich muss klar sein, eine Garantie zu einer bestimmten Entwicklung gibt es in keinem der Systeme. Wovon beide Bereiche, egal ob gesetzlich oder privat, betroffen sind, sind die steigende Lebenserwartung (daher länger zu erbringende Leistungen) und die steigenden Kosten im Gesundheitswesen. Diese liegen sicher zum Teil an höheren Honoraren, aber eben auch an neuen Behandlungsmethoden und Möglichkeiten der Verlängerung eines Lebens. Starben Menschen noch vor wenigen Jahren an einer Vielzahl von Erkrankungen, so sind diese heute zumindest in der Lage weiter zu leben, was aber oft viel, sehr viel Geld kostet.

Um also dagegen etwas unternehmen zu können, sind mehrere Punkte zu bedenken. Zum einen sollten sicher Tarife gewählt werden, welche ausgewogen kalkuliert sind und nicht der „billige, schnelle Einstieg“ in die PKV sein sollen. Zum anderen wäre darauf zu achten, ob der Tarif auch Kostensteuerungen vornehmen kann. Ist zum Beispiel ein Heil- und Kostenplan vor der Zahnersatzmaßnahme vorzulegen, bietet der Versicherer ein Hilfsmittelmanagement und versucht damit die Kosten zu begrenzen oder gibt es sonst auch seitens des Versicherers Möglichkeiten, die Kosten zu kontrollieren?

Weiterhin sollten Angestellte versuchen, Tarife mit kleineren Selbstbeteiligungen zu wählen, solange diese noch den 50%igen Zuschuss bekommen. Grund ist auch hier- mehr Beitrag, mehr Geld für Rückstellungen. Dazu passt auch der Beitrag „Welche Selbstbeteiligung in der PKV ist für Angestellte richtig und angemessen?„, welcher Ihnen weitere Informationen liefert.

Die dennoch vorhandene Ersparnis gegenüber der gesetzlichen Krankenkasse (GKV) sollte gespart werden. Dabei ist es jedoch nicht der reine Nettounterschied, vielmehr sollte man sich überlegen welche Zusatzversicherungen die alte GKV gebraucht hätte, um auf das nun vorhandene Leistungsniveau der PKV zu kommen. Diese rechnen Sie zum Höchstbetrag dazu, dann ziehen Sie den Beitrag zur PKV ab und haben nun den „Anlagebetrag“. Wie und wo Sie diesen anlegen, bleibt ihnen überlassen. Auch eine Beitragsentlastungskomponente kann Sinn machen, muss es aber nicht. Mehr dazu auch in den folgenden Beiträgen.

Riester Rente zur Beitragsentlastung in der privaten Krankenversicherung?

Die Private Krankenversicherung im Alter- wie schütze ich mich vor steigenden Beiträgen

Egal ob, wann und wie viel Geld in Form von Beitragsrückerstattung kommen mag, es gehört nicht ausgegeben, sondern in den Spartopf. Auch das dient im Alter dazu, die Beiträge zu limitieren.

Verändert sich mein Beitrag im Alter automatisch?

Das Alter selbst hat nichts mit dem Beitragsanstieg zu tun. Nur weil man älter wird, steigt der Beitrag nicht an. Jedoch führen die oben angeführten Gründe auch im Alter zu einer Anpassung. Doch es gibt zwei Faktoren, welche den Beitrag im Alter verringern. Der erste von ihnen ist der Wegfall des gesetzlichen Zuschlages. Mit dem 60. Lebensjahr sinkt der (dann gültige) Beitrag um 10%, denn diese 10% werden dann nicht mehr erhoben. Das bereits angesparte Geld wird dann bis zum 65. Lebensjahr weiter angelegt und ab diesem Zeitpunkt für die Verhinderung der Anpassungen ab diesem Zeitpunkt verwendet.

Der zweite Faktor ist der Wegfall des Krankentagegeldes. Das passiert ja nachdem wann der Versicherte nicht mehr arbeitet (und dann auch nicht mehr arbeitsunfähig sein kann). Dieser Beitragsbaustein entfällt dann ebenfalls.

In der gesetzlichen Krankenkasse ist dieses beides so nicht der Fall, jedoch verringert sich der Beitrag mit Renteneintritt meist. Dann wird nämlich nicht mehr das Arbeitseinkommen, sondern die gesetzliche Rente UND weitere Nebeneinkünfte berücksichtigt. Da aber nur zu der gesetzlichen Rente ein Beitragszuschlag vom Rentenversicherungsträger gezahlt wird, muss auf die Nebeneinkünfte der volle Beitragssatz (derzeit 15,5%) gezahlt werden, maximal bis zum Höchstbeitrag in der GKV. Gerade bei weiteren Einkünften im Alter bedeutet dieses teilweise deutlich höhere Beiträge.

Fazit: 

Ja, die Beiträge in der privaten Krankenversicherung (PKV) steigen über die Jahre an.

Ja, es gibt extrem negative Beispiele (wie die Central) und auch eine Reihe sehr positiver. Das war zumindest bist zur Einführung des einheitlichen Beitragssatzes in der GKV auch so. Heute entscheidet nur der Zusatzbeitrag oder eine Erstattung in der GKV darüber, der Beitragssatz ist gleich.

Ja, es gibt eine Reihe solider und sauber kalkulierter Tarife und auch einige negative Beispiele. Da einen die PKV im Zweifel lebenslang begleitet, ist eine solide Auswahl unumgänglich.

Und NEIN, Sie sollten sich nicht mit heute billigen Tarifen locken lassen, das ist definitiv der falsche Schritt in eine lebenslange Beziehung zu der neuen Krankenversicherung !

Weitere Informationen:

Auswahlkriterien zur Privaten Krankenversicherung

Leitfaden zur Privaten Krankenversicherung

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6 Antworten zu “Eine private Krankenversicherung muss man sich leisten wollen und können- eine langfristige Beziehung mit nötiger Planung”

  1. Sepp78 Says:

    Ich denke, einer der Hauptauslöser für das Geschrei, das nun durch den Blätterwald hallt, dürfte ein Kölner PKV-Unternehmen sein, das in den letzten Jahren Beitragsanpassungen durchgeführt hat, die Teilweise in der Spitze über 50% lagen und dies dann auch noch ggf. mehrmals nacheinander. Ich selbst war bei diesem Unternehmen versichert und bin nun nicht mehr. Denn Planungssicherheit und das ist imho das Wichtigste, ist dort letzlich nicht gegeben.

  2. Warum billig, billiger, am billigsten in der Privaten Krankenversicherung eben kein Argument ist : PKV BU Blog Says:

    […] Sie genau überlegen, ob die Private Krankenversicherung das richtige System für Sie ist. Eine PKV muss man sich leisten können und wollen und sich darüber im Klaren sein: “Leistung kostet Geld”.  Wer sich heute als […]

  3. Mit 56 Jahren in die PKV? Urteil des OLG Hamm 20 U 116/13 – Gericht verurteilt Bank und Hanse Merkur zu Schadenersatz : PKV BU Blog Says:

    […] hinzuweisen, dass dieser in der gesetzlichen Krankenkasse zu bleiben hat. Wie in meinem Beitrag „Eine private Krankenversicherung muss man sich leisten können und wollen“ bereits beschrieben, geht es in der privaten Krankenversicherung nicht, niemals um Geld […]

  4. Die Versicherungsvertreter die tausende Euro Provision kassieren… : PKV BU Blog Says:

    […] Artikelhinweis: Eine private Krankenversicherung muss man sich leisten können und wollen […]

  5. Der Focus glänzt mal wieder mit Wissen über die Private Krankenversicherung – nicht : PKV BU Blog Says:

    […] „Eine private Krankenversicherung muss man sich leisten können und wollen.“ […]

  6. PKV – gewollt und bewusst entschieden, aber niemand muss in die private Krankenversicherung : PKV BU Blog Says:

    […] Eine PKV muss man sich leisten können und wollen […]

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