„Die besten Tarife für….“ warum Sie es ignorieren oder die Zeitung verbrennen soll(t)en

Sven Hennig

Egal ob (Fach-) Zeitschriften, Onlineportale oder meist zweifelhafte E-Mail Newsletter, diese Überschrift haben Sie bestimmt schon einmal irgendwo gelesen.

„Die besten Tarife für Angestellte/ Selbstständige/ Sportler/ Warmduscher oder sonst wen.“

Und hier beginnt auch das eigentliche Problem, hier werden für verschiedene Sparten in der Versicherungswirtschaft Rankings und Ratings aufgestellt, welche eine zweifelhafte Auswahl und Sicherheit vermitteln. Oft dienen solche Überschriften als „Aufreißer“ für einen Artikel und am Ende finden sie dann Tabellen oder Übersichten mit dem besten Tarif.

Das Dumme an der ganzen Sache ist nur, dass es den besten Tarif eben nun einmal nicht gibt und auch nicht geben kann. Speziell bei der Absicherung von biometrischen Risiken, also zum Beispiel der Absicherung der Arbeitskraft bei Berufsunfähigkeit, der Absicherung der Gesundheit durch eine private Kranken(zusatz)versicherung oder auch des eigenen Lebensabends durch eine entsprechende Altersvorsorge.

Wer ein wenig länger darüber nachdenkt wird schnell den Grund meiner Skepsis erkennen. Nur weil ein Produkt für mich passt, passt es für Sie noch lange nicht, Nein es kann sogar gänzlich falsch sein und eine solche Auswahl große Risiken bergen.

Warum „ziehen“ solche Artikel (Leser an)

Das Problem bei der Auswahl des passenden Versicherungsschutzes ist oftmals die Unübersichtlichkeit und die Unverständlichkeit von Versicherungsbedingungen. Da liegen dann plötzlich einhundert Seiten kleingedruckter Text vor Ihnen und Sie hadern mit sich selbst. Gedanken wie „Soll ich das wirklich alles lesen?“ oder „Muss ich das jetzt lesen?“ schwirren Ihnen durch den Kopf und eigentlich sagt ihr innerer Schweinehund: „Lass es bleiben und vertraue dem Versicherer oder deinem Berater/ Vertreter“. Auch Aussagen wie

„Ach, irgendwie sind die Bedingungen doch alle gleich und ein Wort/ ein Satz mehr oder weniger kann doch nicht so schlimm sein.“

höre ich immer wieder.

Das ist auch durchaus nachvollziehbar, denn (außer mir und ein paar Kollegen) gibt es wohl niemanden der so etwas gern liest, über Stunden Bedingungen auswertet, mit Textmarker „bewaffnet“ und vor Bergen von Papier. Und natürlich ähneln sich Versicherungsbedingungen in ganz vielen Aussagen und es finden sich gleiche Sätze bei dem einen und anderen Versicherer wieder. Doch nicht in den Gemeinsamkeiten, sondern in den Unterschieden liegt die Gefahr.

Link: Leitfaden zur Berufsunfähigkeitsversicherung

Wenn sie eben auf den oben stehenden Link geklickt haben und dort ein wenig blättern, dann finden Sie gegenübergestellte Versicherungsbedingungen, welche sich oftmals nur in wenigen Worten unterscheiden. Diese Wortwahl ist es aber, die am Ende bei der Beantragung der versicherten Rente darüber entscheidet, ob eine Leistung erbracht wird oder eben nicht. Es sind keinesfalls die Versicherer die immer nach Auswegen suchen, die böse sind und nie zahlen wollen, es ist oft der große Unterschied zwischen dem was abgeschlossen wurde (und damit versichertes) und der (oftmals falschen) Erwartungshaltung. Da wird in blumigen Worten ausgemalt, dass sie doch den absoluten Luxus und Superschutz in ihrer privaten Krankenversicherung gekauft haben (oder kaufen sollen), dummerweise „vergisst“ ihr Berater Ihnen die Ausschlüsse, Einschränkungen und sonstigen Beschränkungen des Tarifes zu erklären und Sie glauben ihm und gehen von einem High End Schutz aus. Einen Schutz den sie so jedoch gar nicht haben.

Tabellen mit den besten Tarifen sollte es nicht geben

Speziell in den Bereichen Absicherung der Arbeitskraft, Krankenversicherung oder Altersvorsorge sind solche Tabellen eher irreführend als hilfreich. Schlagen Sie eine Zeitung oder Zeitschrift auf und Ihnen wird der beste Tarif für die Berufsunfähigkeit genannt, setzt sich in Ihrem Kopf eine gewisse Vorauswahl fest. Der „Testsieger“ muss doch gut sein oder zumindest kann er nicht schlecht sein. Mit dieser Meinung und gefolgt von einer weiteren Beratung kommt es irgendwann zu einem Abschluss. Oftmals höre ich bei der Auswahl:

„Von der Versicherung XY habe ich aber gehört“

oder „Mein Bekannter sagt…“

oder „Die Kollegen sind da und da versichert.“.

Testsieger sind nicht die besten Tarife

Zumindest sind es nicht für Sie die besten Tarife, denn gewonnen haben die Tarife einen Test deshalb, weil die Kriterien für die Auswahl so gewählt wurden, wie sie eben gewählt worden sind. Die „Tester“ haben sich für eine Auswahl von Leistungskriterien entschieden haben daraufhin ein Anforderungsprofil erstellt (das hoffe ich zumindest, dass die meisten es wirklich getan haben). Mit diesem Anforderungsprofil ging es in die Auswahl der Tarife und es ergeben sich natürlich daraus Tarife welche diese Anforderungen erfüllen und andere die hier Lücken aufweisen. Ob dieses Anforderungsprofil allerdings auch für sie persönlich passt, das steht auf einem ganz anderen Blatt.

Damit es etwas deutlicher wird machen wir ein Beispiel.

Würden Sie in der privaten Krankenversicherung einen Tarif kaufen, welcher neben 5.000 € festgelegte Selbstbeteiligung pro Jahr auch noch pro Behandlungsfall 200 € von ihnen verlangt? Sicherlich nicht, oder?

Nehmen wir jedoch jemanden der sich eigentlich gar nicht krankenversichern will, nicht will, weil er genug Geld auf dem Konto hat und die ganze Familie Ärzte sind. Er glaubt seine Kosten kann er alle alleine tragen, dummerweise verlangt der Staat von ihm eine Absicherung für den Krankheitsfall, Stichwort Versicherungspflicht.
Für den wäre jedoch so ein Tarif wie eben genannt gar kein Problem, denn eigentlich will er gar keinen Versicherungsschutz.

Noch ein zweites Beispiel, diesmal in der Berufsunfähigkeitsversicherung.

Jemand der über ausreichende Mittel verfügt, der kann es sich durchaus leisten eine Karenzzeit von zwölf Monaten oder mehr zu vereinbaren, also eine Zeit in der er zwar berufsunfähig sein muss keine Leistung bezieht. Auch ist eine Leistung erst ab 75% Berufsunfähigkeit für ihn kein Problem, will er doch nur den Worst-Case absichern. Im Gegenzug dazu erlässt ihm der Versicherer dafür einen Teil der Versicherungsprämie, spricht er gibt Rabatt.

Für jemanden der mit seinem monatlichen Einkommen gerade so hinkommt, eine Familie zu versorgen hat und laufende Kosten in nicht geringer Höhe hat, für den ist so ein Modell völlig ungeeignet. Trotzdem kann ein Tarif mit so einem Kriterium Testsieger werden, je nachdem welche Anforderungen gestellt wurden.

Die Zeitschrift Finanztest hat solche fragwürdigen Kriterien in der Vergangenheit des Öfteren bewiesen und oftmals musste man sich fragen „Würfeln die die Testkriterien und Ergebnisse?“

Link: Artikel zu den Finanztest Test

Es interessiert nicht „die Bohne“ wo Ihre Bekannten und Kollegen versichert sind

Bei der Auswahl von einem entsprechenden Versicherungsschutz kommt irgendwann unwiderruflich die Frage:

„Was ist denn mit Versicherer XY oder mit dem Tarif ABC? Mein Bekannter/ Kollege/ Bruder ist dort versichert und zufrieden.“

Speziell bei der Auswahl der Privaten Krankenversicherung ist dieses „zufrieden“ sehr relativ zu betrachten. In der Berufsunfähigkeit hat es noch deutlich weniger Gewicht. Warum?

Nun, wenn jemand mit seiner privaten Krankenversicherung zufrieden ist, dann sollten Sie zunächst einmal hinterfragen welche Leistungen er in der Vergangenheit beansprucht hat. Ist er zufrieden, weil er nichts hatte, der Versicherer aber pünktlich seine Beiträge abgezogen hat und ihm einmal jährlich einen Brief schrieb?

Oder in der Berufsunfähigkeit, ist er zufrieden, weil die Beitragsabbuchung funktioniert oder gab es wirklich einen Leistungsfall in der Berufsunfähigkeit und war der bekannte/Verwandte/Kollege mit der Abwicklung der Leistung zufrieden? Ach ja, wenn dem so ist, haben Sie den gleichen Beruf, die gleiche Krankheit und sind die Umstände alle so, wie bei dem Bekannten/ Kollegen?

Auch die Einreichung und schnelle Bezahlung von ein paar Vorsorgeuntersuchungen, eine Erkältung oder etwas Bauchschmerzen sind keinesfalls ein Garant für einen guten Versicherungsschutz oder gar die Berechtigung für einen Testsieger. Es geht darum elementare Risiken im Rahmen der Versicherung abzufangen, Risiken die sie sich selbst sonst nicht leisten könnten. Dabei kann es um eine teure, langwierige und chronische Erkrankung gehen, ebenso aber um die finanziellen Folgen falls sie nicht mehr arbeiten können.

Ob der Kollege also mit seiner Krankenversicherung zufrieden ist, ist völlig irrelevant. Schließlich richten Sie auch Ihre Wohnung nicht so ein wie der Kollege, schließlich bauen sie nicht das gleiche Haus wie der beste Freund und kaufen nicht das gleiche Auto wie ihr Bruder. Warum auch, denn Menschen sind individuell verschieden und somit sind auch die Bedürfnisse ganz unterschiedlich.

IHRE Anforderungen zählen – nur Ihre

und nur IHR persönlicher Testsieger, in einem eigenen Test mit eigenem Anforderungsprofil, kann die richtige und passende Auswahl sein. Ob es in einem anderen Test, in einer Zeitschrift, auf einem Onlineportal oder auf irgendeinem anderen Weg jemanden gibt für den dieser Tarif oder diese Gesellschaft der/die beste ist? Natürlich mag das sein, spielt aber für ihre eigene Entscheidung überhaupt keine Rolle.

Wer (nur) Testsieger kauft und dabei die eigene Auswahl und die eigenen Bedürfnisse verpasst und vergisst, der kauft sich einen falschen Versicherungsschutz und wird im Leistungsfall böse überrascht. Damit Sie nicht in diese Falle tappen, stehen Ihnen umfangreiche Auswahlmöglichkeiten und Kriterien zur Verfügung.

Link: Auswahlkriterien zur Berufsunfähigkeitsversicherung
Link: Auswahlkriterien zur privaten Krankenversicherung

Auch in die Leitfäden und im Downloadbereich finden Sie eine Unmenge an Informationen, die Ihnen ein Basiswissen verschaffen und ihnen helfen Versicherungsbedingungen besser zu verstehen und vermeintliche Testergebnisse und Testsieger kritisch zu hinterfragen.

Wenn Sie das nächste Mal eine solche Überschrift lesen, wie zum Beispiel „bester Tarif für…“ oder „versichern Sie sich beim Testsieger“, vielleicht (hoffentlich) denken Sie dann etwas kritischer darüber, hinterfragen die Aussagen und ließ noch einmal im Detail nach. Schauen Sie einmal in die Prospekte der Versicherer, in Sonderdrucke von Zeitungen und Zeitschriften. Wann werben die Unternehmen mit einem Test? Wenn diese „toll“ geratet wurden. Ist der Tarif Mittelfeld, so wirbt man damit nicht. Komisch ist aber doch, alle Versicherer sind bei irgendwelchen Tests Erster, Zweiter, Dritter- mal darüber nachgedacht?

Sie nennen einen Tarif und in wenigen Stunden baue ich Ihnen einen Test mit den entsprechenden Auswahlkriterien drum herum. So schnell wird ein Tarif zum Testsieger, wenn die Kriterien noch so unsinnig sind.

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Eine Antwort zu “„Die besten Tarife für….“ warum Sie es ignorieren oder die Zeitung verbrennen soll(t)en”

  1. Meine Kollegen/ Freunde sind bei … versichert. Warum Freunde und Bekannte kein guter Ratgeber bei der Auswahl der privaten Krankenversicherung sind : PKV BU Blog Says:

    […] Lesetip: Den besten Tarif in der PKV bitte […]

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