„Dich lieber Kunde wollen wir nicht versichern“ – Scoring bei der Halleschen Krankenversicherung nicht immer nachvollziehbar

Sven Hennig

Private Krankenversicherungen schauen sehr genau, wen Sie denn nun versichern oder nicht. Konnte man früher noch den Kunden bei nicht gezahlten Beiträgen vor die Tür setzen, ist das heute aufgrund der Versicherungspflicht nicht mehr drin. Das wiederum führt zu- berechtigten- höheren Vorsichtsmaßnahmen und strengen Auswahlverfahren.

Klar und verständlich, denn ein Kunde der heute versichert wird und in den nächsten Monaten seine Beiträge nicht zahlt, der ist immer noch (zumindest für eine Notfallbehandlung) versichert und der Versicherer/ die anderen Versicherten müssen für diese Leistungen aufkommen. Leistung ohne Beitrag also. Dieses Risiko ist immens hoch, überlegt man nur einmal welche Kosten bei einer Notfallbehandlung, einem Rettungshubschraubereinsatz oder dem Verweilen auf einer Intensivstation so angesammelt werden.

Wie versuchen Versicherer das nun zu verhindern?

Die Auswahlkriterien und verfahren sind ganz unterschiedlich. Zum einen ist in fast allen Anträgen zur Privaten Krankenversicherung (PKV) eine Frage enthalten, die sich auf zurückliegende Beitragsrückstände bezieht. So möchte der neue Versicherer vor Vertragsabschluss wissen, hat der-/ diejenige schon mal seine Beiträge nicht bezahlt. Weiterhin werden bestimmte Berufsgruppen ausgeschlossen, oder der Versicherungsschutz an verschiedene Kriterien geknüpft.

Welche Auskunftsquellen werden genutzt?

Auch das ist ganz unterschiedlich. Einige Unternehmen machen mit der Antragstellung (erst dann hat der Kunde einer solchen Abfrage zugestimmt) eine Auskunftsanfrge bei einer Wirtschaftsauskunft. Ob die nun Creditreform, Bürgel, Informa oder Infoscore heißt, ist fast egal. Wichtig ist der so genannte Scorewert, welcher Auskunft über die statistische Wahrscheinlichkeit geben soll, wann ein Kunde seine Rechnungen bezahlt, oder auch nicht.

Doch manchmal entstehen daraus eben auch Einschätzungen, welche nicht mehr nachvollziehbar sind. Kunde und auch Makler verstehen nicht, warum gerade dieser gute und solvente Kunde nun doch keine Krankenversicherung bekommen soll. In der letzten Zeit mehrfach erlebt- bei der Halleschen Krankenversicherung. Das Unternehmen nutzt zur Einschätzung der statistischen Wahrscheinlichkeit des Zahlungsausfalles den Scorewert der Schufa. Dabei fließen eine ganze Reihe von unterschiedlichen Faktoren mit ein. Auf der Homepage der Schufa heißt es zum Score Wert unter anderem:

Scorewerte, die wir zu Verbrauchern berechnen, basieren auf den zu Ihrer Person bei der SCHUFA gespeicherten Daten, die Sie in Ihrer SCHUFA-Auskunft sehen. Zu den gespeicherten Informationen zählen z.B. die Anzahl und Art der Kreditaktivitäten, etwaige Zahlungsausfälle oder Informationen darüber, seit wann Sie schon Erfahrungen im Umgang mit Kreditgeschäften gesammelt haben.

Ein wichtiger Hinweis: Wir haben keine Informationen zu Ihrer Nationalität, Ihrem Beruf, Ihrem Einkommen, Ihrem Familienstand oder darüber, in welcher Wohngegend Sie leben. Diese Daten fließen daher auch nicht in unsere Scores ein. (Quelle: Schufa)

Ein Beispiel:

Ein Kunde, leitender Angestellter mit einem Einkommen über der Beitragsbemessungsgrenze, möchte sich privat krankenversichern. Nachdem er die nötigen Angaben zur Gesundheit gemacht hat und die Hallesche hier die Voranfrage aus gesundheitlichen Gründen genehmigt hatte, folgte der Antrag. Kurze Zeit später aber die ernüchternde Aussage: „Sie sind leider nicht versicherbar.“

Der Kunde war schon einigermaßen entsetzt, hatte er doch nie irgendwelche Probleme mit der Schufa, seine Rechnungen immer alle zuverlässig und pünktlich bezahlt. Klar hatte er einige Kredite in seiner Schufa stehen, aber das war nichts besonderes. Aufgrund seiner Anstellung bei einem Automobilkonzern kaufte er regelmäßig neue Autos, finanzierte diese zum Teil und verkaufte diese dann wieder. Das hatte zur Folge, das auch einige erledigte Kredite in der Schufa standen. Eher positiv als negativ sollte das sein, zeugt es doch von einer zuverlässigen Vertragsbeziehung und immer wieder neuen Kreditentscheidungen. Auch sonst hatte sich der Kunde nichts vorzuwerfen. Warum bitte wollte die Hallesche ihn nun gerade nicht versichern?

Um der Sache auf den Grund zu gehen, wurde eine Selbstauskunft bei der Schufa angefordert. Gemäß §34 BDSG steht einem jeden diese unentgeltlich zu. Darin ist neben den Darlehen und Einträgen zu Konten und Kreditkarten auch der eigene Basisscore enthalten. Dieser soll Auskunft darüber geben, wie wahrscheinlich eine Rückzahlung eines Darlehen ist.

Hiernach bestand ein Score von 91,49%. Die Wahrscheinlichkeit der Bedienung von Verbindlichkeiten war aus Sicht der Schufa schon relativ hoch. Dennoch reicht dieses der Halleschen Krankenversicherung nicht aus. Einen definitiven Grenzwert gäbe es nicht, so die Hallesche auf Anfrage. Es werden individuelle Faktoren berücksichtigt, welche sich auch verändern können, so auch eine Bewertung des Kunden. Auch zukünftig werden die Bewertungsmaßstäbe ständig überprüft und angepasst, so die Hallesche weiter.

Auch für mich als Berater ist das schwer zu vermitteln. Gerade die „gut verdienenden Angestellten“ mit einem regelmäßigen Einkommen sind die Kunden, die sich viele private Krankenversicherer wünschen. Das sind die Kunden, die nicht unbedingt den billigsten Schutz wollen, sondern bereit sind für eine gehobene Leistung in der Privaten Krankenversicherung auch einen angemessenen Beitrag zahlen. In diesem Fall wird der Kunde das wohl bei einem anderen Unternehmen tun müssen, wovon es einige gibt, welche ihn versichern.

In einem Gespräch mit der Halleschen erfuhr ich auch, das man die Zahl der Nichtzahler seit Einführung des Scoringverfahrens auf ein Fünftel der damaligen Werte senken konnte und dieses natürlich den Bestandskunden zu Gute kommt. Dieses trägt auch zur Stabilität der Beiträge bei, denn nur wenn solche Ausgaben (Kosten der Nichtzahler) eben nicht von allen anderen Mitversicherten im Tarif getragen werden müssen, nur dann können Beiträge auch stabil bleiben. Unserem Kunden hier hilft es jedoch leider nichts und der wird sich nun ein anderes Unternehmen suchen müssen.

Fazit:

Das Verfahren des Scorings und auch der Frage nach der möglichst genauen Annahmeprüfung ist mehr als legitim. Die Hallesche gehört seit jeher zu den Unternehmen mit einer eher strengen Gesundheitsprüfung und hat so in der Vergangenheit sicher den einen oder anderen Kunden schon allein deshalb nicht versichert. Auch das ist vollkommen legitim. Ob sich das tatsächlich in der Beitragsentwicklung der Hallesche Bestandskunden bemerkbar gemacht hat oder machen wird, lässt sich weder vorhersagen noch rückblickend sagen, kennen wir doch keine Werte die bei anderer Gesundheitsprüfung entstanden wären. Doch wenn die Aufnahme in die PKV der Halleschen schon bei Angestellten mit Scorewerten von knapp über 90% nicht mehr möglich ist, dann stellt sich Kunden und Bratern die Frage, wer dann noch in die Tarife kann und woher Wachstum kommen soll und wird.

In meiner Auswahl der Tarife wird das nichts ändern, auch weiterhin liegen dieser zunächst die Auswahlkriteien für den passenden PKV Tarif zu Grunde. Jedoch wird der Berater seinem Kunden vorab sagen müssen, das es durchaus schwer bis unmöglich sein wird, sich in den zBsp. NK oder NK Bonus Tarifen der Halleschen zu versichern, wenn die ScoreWerte nicht nahe bei 100% liegen. Schade eigentlich, aber hoffen wir, das es den Bestandskunden zumindest durch eine solide Beitragsentwicklung zu Gute kommt, mir dann auch.

Weitere Informationen:

Formular zum Anfordern der Selbstauskunft nach $34 BDSG bei der Schufa

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4 Antworten zu “„Dich lieber Kunde wollen wir nicht versichern“ – Scoring bei der Halleschen Krankenversicherung nicht immer nachvollziehbar”

  1. Thomas Kliem Says:

    ein Schufa-Score von 91,49% ist leider, auch wenn dieser Wert etwas anderes vermuten lässt, ziemlich schlecht.

    > 97,5% sehr geringes Risiko
    95% – 97,5% geringes bis überschaubares Risiko
    90% – 95% zufrieden stellendes bis erhöhtes Risiko
    80% – 90% deutlich erhöhtes bis hohes Risiko
    50% – 80% sehr hohes Risiko
    < 50% sehr kritisches Risiko

  2. Sven Hennig Says:

    Hallo Tom,

    ja, das mag -aus Sicht der Schufa- ja auch durchaus stimmen. Diese sagt aber selbst sogar, das hier viele Faktoren (viele Kredite, viele Kreditkarten, etc) eine Rolle spielen. Für manchen Kunden eben nicht mehr nachvollziehbar.

    Hoffen wir mal, das nicht alle Gesellschaften einen solchen Score anwenden zukünftig. Dann dürfte es für einige sehr schwer werden, die Versicherung des eigenen Bedarfes zu bekommen.

  3. Martin Romberg Says:

    Hallo zusammen,

    die Signal prüft meines Wissens gar nicht über Schufa, sondern über Creditreform. Die Erfahrung hat gezeigt,daß Kunden, die bei anderen Gesellschaften grenzwertige Bonität aufwiesen und abgelehnt wurden, hier angenommen werden.

    Gruß
    Martin

  4. Sven Hennig Says:

    Halo Hr. Romberg,

    ja, stimmt bedingt. Den Tarif und Versicherer danach auszuwählen wäre sicher mehr als falsch. Auch da findet aber einen Score Prüfung statt, die kann bei Crefo sogar schlechter sein, weil in der Schufa nicht alles gemeldet wird.

    Aber final müssen erstmal passende Tarife da sein.

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