Der Versicherer verlangt einen Zuschlag oder Ausschluss in der Berufsunfähigkeitsversicherung- geht es auch ohne?

Sven Hennig

Risikozuschläge oder Leistungsausschlüsse sind in der Berufsunfähigkeitsversicherung ein durchaus gängiges Mittel um Vorerkrankungen zu berücksichtigen und somit auch Menschen zu versichern, die nicht „ganz gesund sind“. Dennoch ist hierbei einiges zu beachten, sonst wird ein solcher Ausschluss schnell zum Problem im Leistungsfall. Mit einer Einschränkung, egal ob Zuschlag oder Ausschluss begrenzt der Versicherer sein Risiko. Dieses ist auch nötig, da die Prämien so kalkuliert sind, wie Sie für einen gesunden Versicherten erforderlich sind. Liegen nun Vorerkrankungen vor, welche das Risiko berufsunfähig zu werden erhöhen, so müssen diese berücksichtigt werden.

Zuschlag oder besser Ausschluss?

Das kommt darauf an. Eine generelle Aussage gibt es hier nicht, jedoch gilt Eines immer. Mit einem Zuschlag bleibt der Versicherungsschutz voll erhalten, kostet nur eine höhere Prämie. Bei einem Ausschluss wird der Schutz dagegen begrenzt oder ausgehöhlt und ist nicht mehr in allen Bereichen vorhanden. Wer schon einmal Rückenerkrankungen hatte, dem wird ein vollständiger Versicherungsschutz meist verwehrt bleiben. Dabei ist es bei einigen Unternehmen selbst bei „einfachen“ Verspannungen, die doch „jeder mal hat“ so, das schnell ein Ausschluss in den Vertrag geschrieben wird.

Nicht gleich den ersten Vorschlag akzeptieren

Nicht jeder Vorschlag des Versicherers ist gleich akzeptabel. Gerade bei Vorerkrankungen gibt es vollkommen unterschiedliche Einschätzungen und Auffassungen und oft hilft es, wenn ein qualifizierter Berater einmal nachhakt. Hier ist es insbesondere wichtig, vollständige Unterlagen von Ärzten und sonstigen Heilbehandlern zu besorgen und genau prüfen, welche Informationen wo abgefragt werden. Alle Fragen sind natürlich wahrheitsgemäß zu beantworten, mehr Antworten wie Fragen gestellt werden müssen natürlich nicht gegeben werden. So heisst es auch hier: Beratung nutzen und sorgfältig arbeiten. Eine falsche Angabe kann teilweise große Folgen haben, wenn dadurch ein Ausschluss „provoziert wird“.

Oftmals verwenden die Unternehmen eigene Fragebögen. Generelle „Anfragebögen“ taugen aber gerade einmal für eine erste Auswahl mit dem Berater. Für Voranfragen, Ausschreibungen und dergleichen sollten immer die Fragebögen und das Antragsformular des Versicherers selbst verwendet werden. Nur so ist sichergestellt, das im Antrag nicht nachher doch noch etwas anzugeben ist, was vorher nicht bedacht wurde.

Klauseln sind verhandelbar- Zuschläge auch!

Je nach Unternehmen sind die Klauseln vorgefertigt oder werden individuell erstellt. So ist eine Klausel:

„Ausgeschlossen vom Versicherungsschutz sind Erkrankungen der Wirbelsäule und deren Folgen“

eher ungünstig, denn hiermit ist einfach alles was die Wirbelsäule betrifft „raus aus dem Schutz“. Wird so eine Klausel wegen Verspannungen oder sonstigen Rückenbeschwerden verhängt, so ist die in den meisten Fällen inakzeptabel. Warum? Weil das Risiko von Unfällen und/ oder Infektionskrankheiten bei Ihnen nicht größer oder kleiner ist, als bei anderen Kunden welche die Verspannungen nicht hatten.

Dagegen könnte die verbesserte Klausel lauten:

„Ausgeschlossen vom Versicherungsschutz sind Erkrankungen der Wirbelsäule und deren Folgen. Nicht vom Ausschluss betroffen und damit in Versicherungsschutz eingeschlossen sind Tumorerkrankungen, Unfälle und Infektionskrankheiten und deren Folgen.“

Mit der zweiten Version der Klausel ist der Versicherungsschutz weitaus weniger beschränkt. All das was durch Unfälle oder auch Infektionen passieren und zur Berufsunfähigkeit führen kann ist hierbei wieder enthalten. Von selbst werden einige Versicherer diese „bessere“ Klausel meist nicht anbieten. Ist der Antragsteller aber mit dem ersten Vorschlag zufrieden, so akzeptiert wer vielleicht einen deutlich schlechteren Schutz als möglich.

Kann ich einen Zuschlag in einen Ausschluss umwandeln?

Auch das „kommt darauf an“ und ich zum Einen davon abhängig wie die genauen Vorerkrankungen aussehen. Lässt sich die Erkrankung begrenzen und ist zum Beispiel nur „ein Körperteil“ betroffen, so ist das durchaus eine Möglichkeit die Prämie wieder zu reduzieren. Entscheidend ist aber hier die Frage ob ein solcher Ausschluss sinnvoll möglich ist. Bei Allergien wird dieses schwer sein, da diese nicht nur mehrere Organe und oft den ganzen Körper betreffen. Schließt man nun Allergien gänzlich samt deren Folgen aus, so besteht unter Umständen auch für spätere Hautausschläge kein Versicherungsschutz. Wer dagegen ein verletztes Knie hat, der kann die „Knieerkrankungen und Folgen“ natürlich ausschließen. Auch hier stellt sich die Frage wie sinnvoll das ist, was letztendlich auch vom Beruf abhängig ist.

und einen Ausschluss in einen Zuschlag?

der ist schon schwerer umzuwandeln und wird von dem Versicherer meist nicht angeboten. Der Grund ist hier einfach im Risiko zu sehen. Weiss der Versicherer das ein Organ oder Körperteil schon „vorgeschädigt ist“ und bietet er hierzu einen Ausschluss an, so ist die Erkrankung abgrenzbar. Dieses wird meist nicht durch einen Zuschlag sinnvoll versicherbar, oder der Zuschlag ist so hoch, das es wirtschaftlich nicht sinnvoll ist.

Entfällt der Zuschlag/ Ausschluss später wieder?

Eine immer wieder aufkommende Frage betrifft die Zuschläge und Ausschlüsse in der Zukunft. Hierbei muss unterschieden werden weshalb der Zuschlag oder Ausschluss vereinbart wurde. Hatten Sie Nackenverspannungen aufgrund einer sportlichen Betätigung und der Versicherer hat hierfür einen Ausschluss formuliert und nun ist Jahre lang alles in Ordnung gewesen, so kann durchaus der Entfall des Ausschlusses angestrebt werden. Sind die Vorerkrankungen leicht, so bieten einige Unternehmen auch gleich bei Abschluss eine so genannte „Nachschau“ nach X Jahren an. Das ist die Zusicherung den Zuschlag oder Ausschluss nach einer bestimmten Zeit zu überprüfen. Dazu ist es sinnvoll sich die Antragsfragen für einen Neuantrag zu dem Zeitpunkt noch einmal anzuschauen. Werden die Vorerkrankungen da nicht mehr angabepflichtig, so stehen die Chancen recht gut den auch aus bestehenden Verträgen zu verbannen.

Zuschläge hingegen sind bei vielen Unternehmen als dauerhafte Zuschläge über die gesamte Laufzeit kalkuliert und sind daher zu beginn niedriger angesetzt. Hier ist ein Entfall deutlich schwieriger und oftmals verlangen Unternehmen hier einen Neuantrag, neue Bedingungen und ein neues Eintrittsalter.

Ist die Einschätzung bei allen Versicherern gleich?

Ganz gewiss nicht. Oftmals herrscht aber genau diese Meinung vor und es wird vorschnell eine Entscheidung akzeptiert. Daher gilt gerade in der wichtigen Absicherung gegen Berufsunfähigkeit: Ausschreibungen, Voranfragen und die Suche nicht nur nach dem passenden Bedingungswerk, sondern auch nach der richtigen Annahmeentscheidung gehört in die Hände von Profis. Natürlich könnten Sie auch viele Versicherer anschreiben und um eine Einschätzung bitten, diese dann selbst vergleichen, versuchen zu verhandeln und sich mit den Prüfern auseinandersetzen. Aber warum sollten Sie das (vielleicht sogar mit schlechteren Aussichten) tun, wenn doch eine Beratung die gleichen Monatsbeiträge hervorbringt und einen besseren Schutz ermöglicht?

Weitere Informationen zum passenden BU Schutz finden Sie auch bei den Auswahlkriterien und in meinem Leitfaden zur Berufsunfähigkeit.

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3 Antworten zu “Der Versicherer verlangt einen Zuschlag oder Ausschluss in der Berufsunfähigkeitsversicherung- geht es auch ohne?”

  1. Günther Says:

    „Dieses wird meist nicht durch einen Zuschlag sinnvoll versicherbar, oder der Zuschlag ist so hoch, das es wirtschaftlich nicht sinnvoll ist.“

    Und ich dachte immer, Versicherungen beruhen auf dem Prinzip „Alle für einen, Einer für alle“ …. wo Risiken unterschiedlicher Höhe vertreten sind …. wo der Gesunde zwangsläufig auch den kranken mitfinanziert.

    Und dann frage ich mich immer: wieviel höher müssten die Beiträge für die „Top-Gesunden ohne Vorschäden“ sein, um auch Versicherte MIT Vorschäden zu gleichen Bedingungen oder mit geringem Risikoaufschlag ebenso versicherbar zu machen,

    Warum funktioniert das (scheinbar) in der GKV, aber nicht in der PKV?

    Warum kann es nicht eine BU „ohne Wenn und Aber“ geben, bei der der gesunde Akademiker dann halt aus seiner Portokasse 300 statt 280 EUR pro Monat bezahlt … und dafür der Fliesenleger zum unwesentlich höheren Tarif ebensogut mit abgesichert ist….

    Warum stellt der Gesetzgeber hier nicht die gleichen Regeln wie auch z.B. in der KfZ Haftpflicht auf? Da wird man auch nicht bestraft, wenn man schon Unfälle hatte….

    …und BU als Existenzabsicherung ist fast noch wichtiger als Auto fahren …. denn bei letzterem kann ich auch auf den Zug oder Bus umsteigen. Bei der BU bleibt nur: entweder hast du eine …. oder du bist verloren….

  2. Sven Hennig Says:

    Hallo,

    „Warum stellt der Gesetzgeber hier nicht die gleichen Regeln wie auch z.B. in der KfZ Haftpflicht auf? Da wird man auch nicht bestraft, wenn man schon Unfälle hatte….“

    Klar, wird man das. Dort gibt es ja die Schadenfreiheitsklassen. In der GKV funktioniert das ganz so aber auch nicht. Wobei die BU nicht damit vergleichbar ist. Solche „einer für alle“ Modelle haben nur bedingt erfolg, siehe Riester, andere Tarife ohne Gesundheitsprüfung.

    Daher gilt immer, so früh als möglich- bitte auch bei den Schülern als Schüler schon Optionen sichern und dann ist es meist auch langfristig bezahlbar.

  3. Günther Says:

    „Dort gibt es ja die Schadenfreiheitsklassen.“

    Stimmt – hatte ich falsch in Erinnerung … ich dachte, in der Haftpflicht gibt es die nicht … es ist aber die Teilkasko, die ich meinte…

    „Daher gilt immer, so früh als möglich- bitte auch bei den Schülern als Schüler schon Optionen sichern und dann ist es meist auch langfristig bezahlbar.“

    Das ist richtig für MEINE Kinder, geboren vielleicht in den letzten 10 Jahren – wo das Bewußtsein dafür, eine BU zu brauchen, beim Volk ankam.

    Aber ich – über 40 Jahre alt, Allergie, Kurzsichtigkeit, Netzhaut-Laserung, ehemaliger (geheilter) Herzfehler, Rückenprobleme – werde (so vermute ich) mit einer Masse von Ausschlüssen konfrontiert werden, wenn nicht gar ganz abgewiesen …. vermute ich.

    Und meine Eltern hatten NULL Ahnung, daß sie in den 70ern hätten für mich vorsorgen müssen. Der Staat hat sich ja irgendwann mal aus der Erbesunfähigenversorgung massiv zurückgezogen – blöd nur für die, die schon so alt und krank waren, daß sie dann nichts mehr bekommne. „Vertrauensschutz“ sieht anders aus… 😉

    —> Meiner Meinung nach müsste es in der BU als „wichtigste Versicherung im bereich der Vorsorge“ (nach der KV?) zumindest einen Kontraktionszwang „ohne Ausschlüsse“ geben. Es darf dann teuere werden, aber hier müsste irgendwie gedeckelt werden (z.B max. das Doppelte eines durchschnittlichen Beitrags)

    Die GKV funktioniert meiner Meinung nach deshalb nicht, weil sich da zu viele die Taschen voll machen wollen:
    – etliche Krankenkassen mit Vorständen und Proporzbauten (im System „GKV“ sollte dem Systemgedanken „einer für alle“ auch eine Kasse reichen)
    – Pharmaindustrie mit Scheininnovationen (ich lese regelmßig das arznei-telegram ….sehr interessant, was da für leicht veränderte, wieder patentgeschützte Medikamente ohne erwiesenen Zusatznutzen aufgerufen wird)
    – GKV-Patienten, die ohne Rechnungskopien keinerlei Ahnung haben, was sie wegen Bagetellen bei Artzbesuchen kosten
    – Leistungen gibt’s manchmal erst wenn man sich wundgelegen hat oder wenn man einen Morbus Crohn entwickelt hat – aber als Vorsorge (weil rezeptfrei, zum Beispiel zur Darmsanierung) wird nix bezahlt – am Ende kommt das die GKV teurer….
    – Bestimmte Ärzte (Radiologen?) verdiennen sich jedes Jahr ihren Cayenne und der Frau ihr Pferd … während andere Ärzte (z.B. Hausärzte) zu wenig bekommen
    – notwendige Ärztezahlen werden wissentlich falsch ermittelt und führen so zur (gefühlten) Unterversorgung der GKV-Patienten durch lange Wartezeiten für Fachärzte

    –> Leztlich war es mein Glück, daß ich über einen ehemaligen Arbeitgeber eine „Gruppen-BU“ ohnge Gesundheitsprüfung abschließen konnte….

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