Central ruft Kunden schon mal vorsorglich an um vor Beitragsanpassung zu „warnen“

Sven Hennig

In den vergangenen Jahren gab es viel zu Lesen und Hören über die Central Krankenversicherung und sicher hat dieses Unternehmen auch einiges zum „schlechten Ruf“ der Branche beigetragen. Das versucht man nun wohl besser zu machen. Da es auch in 2013 eine Beitragsanpassung geben wird und zudem die Selbstbeteiligungen teilweise um mehr als 20% angehoben werden, führt nicht unbedingt zu gestiegenem Vertrauen in das Unternehmen. Dem will die Central nun entgegenwirken. Ob das Bundesweit passiert oder sich auf einzelne Bezirksdirektionen beschränkt kann ich noch nicht beurteilen, aber hier mal ein Beispiel.

Angerufen werden Kunden aus der Krankenvollversicherung der Central. Dr Mitarbeiter stellt sich vor und sagt:

„(Ihr Mann) Herr xxx ist ja bei uns in der Krankenvollversicherung versichert. Er gehört zu einem ausgewählten Kundenstamm die wir ca. 14 Tage vor dem Zugang eines Briefes über eine Beitragserhöhung informieren.“

Auf die Frage der Frau, warum es denn nun schon wieder eine Beitragsanpassung gäbe und das es ja in den letzten Jahren schon „immer und immer wieder teurer wurde“, folgt dann die Aussage:

Leider ja (wieder eine Erhöhung), allerdings fällt diese mit nicht ein mal 5% deutlich geringer aus, als dieses marktüblich / durchschnittlich ist.

Von der Anpassung der Selbstbeteiligung (in dem entsprechenden Tarif des Kunden sind das immerhin 23% (von 650 EUR auf 800 EUR pro Jahr) hat niemand etwas am Telefon gesagt. Klingt ja auch nicht so gut und es reicht ja auch, wenn ein Teil der schlechten Nachrichten vorab übermittelt wird. Dennoch ist die Idee den Kunden anzurufen verkäuferisch sicher gut. So sind ein Teil der schlechten Nachrichten schon mal bekannt und der Kunde nicht ganz so geschockt vom Ergebnis.

Was soll ich denn als Versicherter nun tun?

Eine solche und oft gestellte Frage lässt sich nicht beantworten, da die Situationen der einzelnen Versicherten zu verschieden sind. Ob es nun Sinn macht, den Tarif zu wechseln oder gar einen anderen Versicherer zu suchen, muss von vielen verschiedenen Faktoren abhängig gemacht werden. Dennoch ist dieses Jahr etwas anders als sonst, denn die Unisextarife kommen.

Bis wann muss ich reagieren?

Wer sich entscheidet seinen Tarif zu wechseln und vielleicht in die neueren Variotarife zu wechseln, der kann einen Antrag auf Umstellung stellen. Dabei kann es sich um einen Wechsel nach § 204 VVG handeln, welcher in gleichartigen Versicherungsschutz und ohne Gesundheitsprüfung möglich ist. Wem das nicht reicht, der kann auch leistungsstärkere Tarife wählen, dann jedoch mit neuer Gesundheitsprüfung.

Wer hingegen bei der Betrachtung der Auswahlkriterien oder des Unternehmens keine Zukunft bei der Central für sich sieht, der sollte den Wechsel zu einem anderen Anbieter jetzt überdenken. Denn wo in den letzten Jahren immer noch bis Jahresende gekündigt werden konnte, sollte dieses Jahr bis Mitte Dezember die Sache erledigt sein. Nur dann hat der Kunde noch eine Chance auf die alten Bisextarife und muss nicht in den neuen Unisextarifen versichert werden.

Ohne Beratung „wird das nix“

Eine solche und sehr langfristige Entscheidung kann jedoch nicht allein gefällt werden. Die meisten Versicherten sind damit überfordert und schauen oft nur oberflächlich hin. Sie sollten die Argumente genau hinterfragen und überlegen, was für Sie wichtig ist. Auch der Verlust der Alterungsrückstellungen (welche die Central in den Anpassungen prominent ausweisst um einen Wechselgedanken zu verhindern“ ist kein Grund. Treffen Sie die Entscheidung anhand von Fakten und Aussagen in den Bedingungen, denn nur so werden Sie einen passenden Schutz für sich finden können.

Weitere Informationen:

Beitragsanpassung der Central Krankenversicherung zum 01. 01. 2013 und zusätzlich eine Erhöhung der Selbstbeteiligung

Central: Kündigung wirklich nur im Original möglich? Verwirrung um Aussagen zur Kündigung der PKV

Versicherer in der PKV erhöht die Selbstbeteiligung – darf der das?

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9 Antworten zu “Central ruft Kunden schon mal vorsorglich an um vor Beitragsanpassung zu „warnen“”

  1. Sepp78 Says:

    Es ist ein Kreuz mit der Central. Ich war dort auch 4 Jahre Kunde und meine Beiträge sind regelrecht explodiert. Die Erhöhung zum 01.01.2011 um 43% habe ich dann aber zum Anlass genommen, zu wechseln (32 Jahre alt, keine Vorerkrankungen und gute Zähne). Wäre ich bei der Central geblieben, hätte mich zum 01.01.2012 wieder die Erhöhungskeule diesmal um etwas über 30% getroffen und nun war zu hören, dass mein damaliger Tarif (CVP500) auch zum 01.01.2013 wieder eine Erhöhung erfährt.

    Ich bin heute der Meinung, dass es einer der größten Fehler meines Lebens war, mich von einem guten Bekannten der Berater bei einem der größten Deutschen Strukturvertriebe ist, zum Abschluss einer PKV bei der Central drängen zu lassen. Ich habe diesem Menschen damals vertraut und war ihm im guten Glauben gefolgt, dass er mir als Existensgründer mit einer kleinen Firma nach dem Studium die notwendigen Versicherungen vermitteln kann und mir dabei gute Produkte ans Herz legt. Da bin ich leider reingefallen und habe meine Unterschrift unter einen Vertrag gesetzt, den ich so, hätte ich die Stolperstricke gekannt, wohl nie unterschrieben hätte. Denn ich hatte mehrmals meinem damaligen Bekannten erklärt, dass vor allem stabile Beiträge für mich wichtig sind. Der Beitragsverlauf war das glatte Gegenteil. Nur im ersten Jahr meiner Versicherung bei der Central war die Beitragsanpassung moderat (7%). Alles was danach kam war deutlich im zweistelligen Prozentbereich. Daraufhin wurde mir zu einem Wechsel in den CVP500 geraten, was sich dann als Beitragsanpassungsturbo herausstellte. Daraufhin habe ich dann endgültig die Reisleine bei der Central und auch bei den anderen Versicherungen, die mir dieser Bekannte vermittelt hat, gezogen.

    Dank dem Blog von Herrn Hennig habe ich mir einen Spezialmakler für PKV gesucht und mit diesem mehrstündige Gespräche geführt. Am Ende bin ich bei einem VvaG gelandet, bei dem ich bis heute zufrieden versichert bin. Die Beitragsanpassungen sind hier nun im Bereich von 2-5% geblieben und die Leistungen entsprechen auch dem, was ich mir gewünscht habe. Auch meine anderen Versicherungen habe ich nun durch einen Makler bei dieser Konzerngruppe abziehen lassen, da Vertrauensverhältnis zum Strukturvertriebler durch das offene Messer „Central PKV“ in das er mich imho bewusst laufen ließ, mehr als nachhaltig gestört war.

    Schlimm ist so was gerade bei Leuten, die nicht mehr so einfach wechseln können wie ich, weil sie Vorerkrankungen haben oder schon zu alt sind. Eine PKV lässt sich eben nicht so einfach wechseln, wie eine Kfz-Versicherung. Daher finde ich ein solches Gebaren, wie es hier von manchen Beratern an den Tag gelegt wird schon fast kriminell. Die Versicherungsbranche muss sich wirklich nicht wundern, wenn sie einen so schlechten Ruf genießt. Wer mit dem Vertrauen der Kunden so Schindluder treibt, hat nichts Besseres Verdient. Mich wundert es ohnehin schon lange, dass hier von Seiten des Verbraucherschutzes nichts passiert und dass diesen Provisionsgeiern nicht mal das Handwerk gelegt wird. In anderen Wirtschaftszeiweigen würden derartige Verhaltensweisen schnell zu Zivil- und Strafrechtlichen Konsequenzen führen.

    Ich bin daher sehr froh, dass es in dieser Branche auch Leute wie Herrn Hennig gibt, die für die Interessen des Kunden arbeiten und nicht für die Abschlusszahlen eines bestimmten Konzerns. Ein Leuchtturm im Morast der Versicherungswirtschaft. Ich kann daher jedem der eine PKV abschließen möchte nur raten, sich an einen Spezialmakler wie Herrn Hennig zu wenden, die Chance dass die PKV sonst zu einem Schrecken ohne Ende mutiert, ist sonst nahezu vorprogrammiert.

  2. Philipp Mättig Says:

    Hallo Sepp,

    ich kann durchaus verstehen, dass man die Entscheidung für ein Unternehmen bei mehrmaligen hohen Anpassungen in Frage stellt. Man sollte sich aber auch der Hintergründe bewusst werden. Einen Beitragsverlauf kann niemand zuverlässig vorhersagen.
    Die Central hat vorbildlich Kollektive zusammen gelegt. Vario ist nach wie vor eines der modernsten Tarifwerke. Die Kalkulation inzwischen nachhaltiger als bei vielen anderen Unternehmen/Tarifen.
    VVaG ist eher kein Vorteil. Die Eigenkapitalquote muss (sollte) höher sein als bei einer AG.
    Deswegen ist eine AG nicht besser. Aber eben auch nicht schlechter.

    Gruß
    Philipp Mättig

  3. Sepp78 Says:

    Hallo Philipp,

    ich wollte auch nicht sagen, dass ein VVaG besser als eine AG ist oder umgekehrt. Vielmehr wollte ich ausdrücken, dass ich nun bei einem solchen gelandet bin.

    Was die Central anbelangt, so kann man mich von diesem Unternehmen definitiv niemand mehr überzeugen. Die Central muss im vergangenen Jahrzehnt massive strategische Fehler begangen haben, für die nun die Kunden, die nicht mehr wechseln können in Haftung genommen werden. Wenn ein Tarif, der im Vorjahr bereits deutlich angepasst wurde, nun erneut eine Anpassung von 100 EUR erfährt, ist schlicht was faul. Man kann dann natürlich den Beteuerungen der Central glauben schenken, dass es das mit den starken Anpassungen war, ob das so ist, steht auf einem anderen Blatt. So hat mich die Kundenrückgewinnungsabteilung der Central Anfang 2011 angerufen und gesagt, dass es nach der massiven Anpassung sicher so schnell nicht mehr zu großen Anpassungen in diesem Tarif kommt. das Ergebnis war im Folgejahr eine Anpassung um 30% in exakt dem betreffenden Tarif (einmal +40% und 12 Monate später +30%). Tarif war übrigens CVP500. Dieser wird nun wieder angepasst, insbesondere wird auch erneut der Selbstbehalt erhöht.

    Als seriös empfinde ich so was nicht. Um ehrlich zu sein, die Central hat mir damals ziemlich Angst mit Ihren Anpassungen eingejagt. Denn ich hatte da mal nachgerechnet, wie hoch mein Beitrag in 10 Jahren wäre, wenn die Anpassungen in dem Tempo weitergehen. Dann wäre ich bei rund 2000 EUR Monatsprämie gelandet, das hat mir schlaflose Nächte bereitet.

    Ob das Tarifwerk im Vario modern ist oder nicht, kann ich als Laie nicht beurteilen. Allerdings drängt sich mir als Unternehmer aufgrund der vielen extremen Anpassungen der Verdacht auf, dass die Central an irgend einer Stelle ein massives Problem mit ihrer Kostenstruktur hat. Würde ich als Softwareentwickler meine Stundensätze in der Form und Geschwindigkeit anpassen, wie die Central die Prämien hochgeschraubt hat, so wäre für mich nach spätestens einem 1/4 Jahr der Weg zum Insolvenzgericht angesagt, weil ich keinen einzigen Kunden mehr hätte.

    Gruß
    Sepp78

  4. Bernd Kaiser Says:

    Ich kann vor der Central nur warnen. Ich gehe davon aus, dass hier bereits eine verschleppte Insolvenz vorliegt.

  5. Antonius Says:

    Ich halte es für verantwortungslos, wenn Vermittler/Makler langjährige Kunden einer privaten Krankenversicherung dazu bewegen, den Versicherer zu wechseln. Es dreht sich in allen Fällen nur um den eigenen Geldbeutel dieser Vermittler. Der Kunde ist immer der Dumme weil er alle angesammelten Rückstellungen verliert, sich sein Gesundheitszustand oft verschlechtert hat und er bei gleicher Leistung immer einen höheren Beitrag leisten muss. Garantien für die Zukunft kann niemand geben.

  6. Antonius Says:

    Zur „verschleppten Insolvenz“
    Welch ein Blödsinn!
    Ist der Kommentator vielleicht Makler, der bis 2011 Central Verträge verkauft hat, diese in den höchsten Tönen gelobt hat und heute, nachdem ihm die Gesellschaft den Maklervertrag gekündigt hat und er die Produkte der Central nicht mehr verkaufen darf, redet er sie plötzlich schlecht?

  7. Sancho Says:

    @Antonio:
    Ich glaube da eher hinter Ihnen verbirgt sich einer der unzähligen DVAG Strukkis, die Angst haben nach solchen Berichten Ihre Produkte nicht mehr verkaufen zu können.
    Jemand, der die Wahl hat (und sich wirklich auskennt), wird die Central bereits seit Jahren meiden!
    Aber schon verständlich, dass DVAG’ler lieber das hören wollen, was ihnen die Pohls so vorlügen, irgendwie müssen sie ja das Zeug noch an den Mann bringen…

  8. w.ernst Says:

    Die Central KV ist wohl kurz vor der Pleite, anders kann man fortlaufende Vertragsverletzungen gegenùber dem VN nicht erklären. Da werden einfach die Kosten von Therapeuten, Hilfsmittel gekürzt oder nicht voll ausbezahlt, trotz Vollversichrrung. Beschäment wie die D+H in der Leistungabteilung arbeiten. Da hilft nur Beiträge um 40-50 € kürzen.

  9. Sven Hennig Says:

    „Da hilft nur Beiträge um 40-50 € kürzen.“

    Bitte vorsichtig sein mit solchen riskanten Tipps. Damit gefährden Sie den Versicherungsschutz und rechtfertigen ggf. die unwiederbringliche Kündigung von Teilen wie dem KT.

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