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08.
November '10

Sie müssen sich aber schnell entscheiden – Der Unsinn von Verkäufern in der PKV


Gerade jetzt, wo viele Gesellschaften in der Privaten Krankenversicherung (PKV) ihre Zahlen zur Beitragsanpassung 2011 veröffentlichen, kommen auch wieder „windige Verkäufer“ auf den Plan.

In der letzten Woche gerade riefen mich 4 Neukunden mit sinngemäß folgender Situation an:

„Darf ich Sie einmal um Ihre Meinung bitten, ich weiss nicht was ich tun soll. Gerade hat mich mein Vertreter der Deutschen Vermögensberatung angerufen. Mein Tarif bei der Central, der CVP 500/ CVH/ EKN wird schon wieder angepasst und nun soll ich in den Vario Tarif wechseln und mich schnell entscheiden.“

Auf meine Frage, was denn der Grund für die „schnelle Entscheidung“ sein soll bekam ich folgende Antwort:

„Wenn ich dieses Jahr noch wechsle, bekomme ich einen Vorsorgegutschein und sowieso muss das schnell passieren, sagt mein Berater.“

Auch wenn vieler meiner Beraterkollegen dieses sicher nicht gern hören, es ist schlichtweg Unsinn. Entscheidungen unter Zeitdruck sind definitiv unangebracht. Gerade bei Produkten die, wie die Private Krankenversicherung (PKV) und Berufsunfähigkeitsversicherung, den Versicherten das Leben lang begleiten, ist Sorgfalt geboten.

Stellen Sie sich vor, Sie bauen sich ein Haus. Dabei machen Sie sich Gedanken zu Grundrissen, Ausstattung, Farben und natürlich zu dem Standort wo das neue Heim stehen soll. Diese Entscheidungen sind ein Prozess, dauern lange und kosten die ein oder andere Stunde Nerven. Warum soll es bei der PKV oder der BU Absicherung anders sein?

„Sie wollen doch nicht die Entscheidung für eine PKV mit einem Hausbau vergleichen?“

Diese Frage wird oft gestellt. DOCH, will ich. Auch bei der PKV und BU entscheiden Sie sich für ein lebenslanges Produkt. Anders als ein Haus, werden Sie einen schlechten und falsch ausgewählten Tarif vielleicht nie mehr los. Und auch von der Seite der Kosten liegen beide Produkte nah beieinander.

Stellen Sie sich eine Berufsunfähigkeitsrente bei einem 32jährigen Arbeitnehmer vor. Bei einer Rentenhöhe von 3.000 EUR und einer Laufzeit bis 65 sprechen wir hier über 1.188.000 EUR. Oder in der Krankenversicherung. Hier sind Kosten bei Herz- Kreislauferkrankungen, Unfällen oder Schlaganfall oder auch nur „Kleinigkeiten“ schnell im sechs- bis siebenstelligen Bereich zu suchen.

Glauben Sie ernsthaft das kann man innerhalb weniger Stunden entscheiden?

Auch wenn Ihnen ein Berater Verkäufer so etwas suggeriert, es geht nicht. Und auch der, der nach wenigen Minuten den tollen, besten und passendsten Tarif für Sie bereits gefunden hat, auch den setzen Sie am besten wieder vor die Tür. Oftmals wurde der passenden Tarif gefunden, nur passt er leider nicht auf Sie, sondern vielmehr auf den „Bedarf“ des Verkäufers.

Doch wie finde ich nun einen Berater der „anders ist“?

Der Berater (ich auch) lebt davon, dass ein Produkt vermittelt wird und der Versicherer eine Vergütung (Courtage) an den Vermittler zahlt. Es ist unstrittig, das daher zunächst einmal eine Beratung stattfinden und eine Vermittlung erfolgen muss. Achten Sie aber darauf was Ihnen wie vermittelt, erklärt und empfohlen wird.

Der Berater sollte mit Ihnen zunächst Auswahlkriterien besprechen, Ihnen die Unterschiede der Systeme der gesetzlichen Krankenkasse (GKV) und der privaten Krankenversicherung (PKV) erklären und gemeinsam zu einer Tarifauswahl kommen.

Dabei sind die Bedingungen des Vertrages, die AVB/ Muster- und Tarifbedingungen, das Grundlegende zur Entscheidung. Nur diese garantieren Ihnen eine Leistung, nur diese regeln verbindlich was, wie geleistet wird. Natürlich sind auch Kennzahlen, Bilanzaussagen (RfB Quote, Nettoverzinsung, Ergebnisquote, Abschlußkostenquote) interessant und wichtig, keine Frage. Diese Zahlen sind aber temporär und nur auf die Vergangenheit zu betrachten. Eine Garantie zur Zukunft kann es nicht geben.

Auch die Beitragsentwicklung wird gern als „wichtigstes Kriterium“ zu Grunde gelegt. Klar ist wichtig, das die Beiträge in der Zukunft bezahlbar bleiben. Garantiert Ihnen das aber ein Versicherer? Nein, wie sollte er auch.

Das was der Interessent sehen kann sind aber nur die Vergangenheitswerte. Ob diese sich in der Zukunft gleich, anders, besser oder schlechter entwickeln… wer weiss das schon. Auch dieser Anhaltspunkt ist somit nur ein Puzzleteil in dem „Gesamtbild PKV“

Und nicht zuletzt verlassen Sie sich auf Ihr Bauchgefühl. Haben Sie bei Ihrem Berater ein schlechtes Gefühl oder stimmt einfach die Chemie nicht, seinen Sie sich und dem Berater gegenüber ehrlich und beenden das Ganze. Versuchen Sie einen anderen Berater, schauen Sie hinter die Kulissen und achten auf „Vermittlerstatus“ (Makler oder Vertreter?, an eine oder mehrere Gesellschaften gebunden?)

Weiter sind Informationen aus folgenden Artikeln sicher hilfreich bei der Auswahl.

Ich möchte einen (Kranken-) Versicherer der kulant ist

Nicht voreilig kündigen bei Beitragsanpassung

Kündigung der Privaten Krankenversicherung wegen Beitragserhöhung

Auswahlkriterien der Privaten Krankenversicherung

24.
Januar '09

Wie wechselt man eine private Krankenversicherung- was ist denn wichtig?


Der Wille und Wunsch ist da. Glaubt man den umfragen möchte jeder fünfte Versicherte seine Krankenversicherung wechseln. Das Problem besteht darin, dass niemand so richtig weiss wie.

Seit 1. Januar 2009 gelten durch die Gesundheitsreform neue Regeln, die einen Wechsel auch unter (teilweise) Mitnahme der Alterungsrückstellungen möglich machen. So ist es Kunden in der „neuen Welt“ der PKV nunmehr möglich Ihren Versicherer zu wechseln und dennoch nicht alle Altersrückstellungen zu verlieren.

Und die Kunden aus dem Bestand? Auch diese haben eine Möglichkeit Ihren Versicherer innerhalb des ersten Halbjahres 2009 zu wechseln. Dabei gelten jedoch strenge und klar definierte Regeln. Es muss zunächst in den Basistarif gewechselt werden. Dieser ist aber ausgesprochen unattraktiv. Die Beiträge bewegen sich generell um den Höchstbeitrag von 570 EUR pro Monat- also weitaus uninteressanter als mancher „normaler“ Tarif.

Der Übertragungswert- oder was kann ich mitnehmen?

Dieser Wert wird oft weit überschätzt. Entgegen den Vorstellungen beträgt der Übertragungswert nur rund ein Drittel des eigentlichen Altersrückstellungspolsters, so Peter Schramm, Versicherungsmathematiker und Gutachter. Bei einem 40 jährigen Mann beträgt der Übertragungswert somit ca. 5.000 EUR, bei einer gleichaltrigen Frau 4.700 EUR, berechnet Peter Schramm. Unterstellt wird hier ein Versicherungsbeginn im 30. Lebensjahr des Kunden. (Es handelt sich um Richtwerte welche je nach Tarif stark abweichen können. 

In den ersten 5 Jahren ist ein Wechsel durchaus noch zu überlegen. Wer also beim Betrachten der Kriterien sich die Frage stellt ob das in seinem Tarif so enthalten ist und ob der Versicherungsschutz so ist wie man sich den vorstellt, kann durchaus noch wechseln. Die Übertragungswerte liegen hier bei 1.400 EUR bzw. 1.300 EUR (Frauen) und sind auch hier eher als Richtgrößen anzusehen.

Zu beachten ist aber in jedem Fall die neue Gesundheitsprüfung. Bei einem Wechsel der Gesellschaft wird diese in jedem Fall die Risikoprüfung neu durchführen. Wechseln Sie intern innerhalb der Tarife Ihrer bisherigen Gesellschaft so richtet sich das Wechselrecht nach §204 VVG (neu).

Ob Sie richtig versichert sind oder nicht, lässt sich pauschal nicht sagen. Dabei sind zum einen Wünsche und Bedürfnisse zu klären, andererseits sind natürlich auch die Unternehmen und deren „Fakten“ zu berücksichtigen. Laut Aussage von Morgen&Morgen gibt es nur 15 Versicherer welche im Bilanzcheck mit 6 Punkten zur Spitzengruppe gehören. Dieses sind (beispielhaft) die Hallesche, der Dt. Ring, die Alte Oldenburger oder die Barmenia, aber auch kleine, eher unbekannte wie die Concordia oder die Provinzial. 

Die höchste Nettoverzinsung weist mit 6,2% der Deutsche Ring auf, gefolgt von der Debeka (5,7) und der DKV (5,0). 

Was sagen Ihnen diese Zahlen- allein NICHTS. Nur im Kontext mit anderen Kennzahlen und natürlich mit der Betrachtung des Bedingungswertes sind Aussagen zur Qualität des Versicherungsschutzes möglich. Isoliert betrachtet ist weder das eine noch das andere „gut oder schlecht“.