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22.
Juni '15

Pkv Beratung in 30 Minuten, ein neuer Rekord? Die Geschichte von Anzeigepflichtverletzung und einem Finanzvertrieb


Es gab da einmal diesen Finanzvertrieb in Kassel, die konnten das recht schnell, Menschen von der gesetzlichen in die private Krankenversicherung zu bringen. Was daraus geworden ist, dass ist bekanntlich in diversen Quellen nachzulesen oder im aktuellen Kinofilm zu sehen. Danach kam irgendwann der Gesetzgeber mit Verlängerung der Haftungszeiten und dem Versuch mehr Qualität in die Beratung zu bringen. Das ist aus meiner Sicht an vielen, sehr vielen Stellen geglückt und sowohl die ständigen Umdeckungen als auch sinnlose Wechsel in die private Krankenversicherung mit Menschen die da nicht hingehören, sind weniger geworden.

Nun gibt es aber durchaus Menschen für die die private Krankenversicherung das richtige System ist, die sich dafür entscheiden weil sie ein bestimmtes Leistungsspektrum wollen, dafür entscheiden weil sie Selbstzahler beim Arzt sein wollen und dafür eine entsprechende Versicherung zur Kostenübernahme im Hintergrund benötigen.
Und dann kommt wieder ein Vertrieb und toppt all das was ich in den letzten Jahren erlebt habe (und ich bin ja schon 15 Jahre dabei). Eine (dokumentierte) Beratung zur privaten Krankenversicherung (PKV) in sage und schreibe 30 Minuten.
30 Minuten um Unterschiede zwischen den Systemen zu erklären, 30 Minuten um Leistungen und unterschiedliche Modelle in der privaten Krankenversicherung zu besprechen, 30 Minuten um Gesundheitsfragen zu beantworten und die gleichen 30 Minuten um eine unter Umständen lebenslange Entscheidung treffen zu können.
PKV-Beratung-30-MinEs geht in unserem Fall um eine Kundin, welche über der Jahresarbeitentgeltgrenze verdient und damit potentiell in die private Krankenversicherung wechseln darf. Diese Kundin kam nun, über welchen Weg ist mir nicht bekannt, zu einer Beratung durch den entsprechenden Finanzvertrieb.

Es kam dann tatsächlich zu einem solchen Gespräch. Freitagnachmittag, 8. August 2014, ein vermutlich warmer Sommertag irgendwo in Deutschland. Start um 12:00 Uhr, um 12:30 Uhr ist die Unterschrift unter dem Antrag auf private Krankenversicherung. 30 Minuten in denen die Kundin über die Zukunft ihrer Gesundheitsvorsorge und wohl auch die des irgendwann geplanten Kindes entschieden hat. (–> Link Versicherung des Kindes)

Bei der Auswahl kam es sogar zu einem angemessenen Versicherungsschutz, die Entscheidung fiel auf einen soliden Versicherer und einen sehr leistungsfähigen Tarif. Das ist alles mehr richtig als falsch und hätte durchaus eine Zukunft haben können. Das Entscheidende und Schlimme daran ist jedoch etwas ganz Anderes. Bei den Gesundheitsangaben, die also auch noch in den 30 Minuten ausgefüllt werden mussten, ist alles und zwar ausnahmslos alles mit „Nein“ beantwortet. Jede einzelne Frage mit Nein beantwortet.
Gesundheitsfragen PKV 30 Min
Darunter auch Fragen wie die nach ärztlichen Untersuchungen, Behandlungen, Beschwerden. (Frage 7) Es gehört schon viel dazu, einen solchen Antrag als richtig einschätzen zu können. Welche Frau mit einem Alter Anfang 30 hatte die letzten drei Jahre keinerlei ambulante Behandlungen? Keine ärztliche Untersuchung, keine Beratung, keinerlei Kontroll- oder Vorsorgeuntersuchung, kein Besuch beim Zahnarzt, nichts. Absolut gar nichts! Di Pille, welche die Dame nimmt, gehört im Übrigen auch unter die Frage 5, ja, es ist ein Medikament!

Hätte der Versicherer nachfragen müssen?

Ich denke nicht, denn das ist genau das Problem. Es besteht ein Vertragsverhältnis zwischen dem Makler und dem Kunden, da kann ein Versicherer schlecht hingehen und nach Antragseingang den Kunden ansprechen nach dem Motto: „Du hast doch bestimmt etwas vergessen im Antrag?“

Liegt die Schuld bei den Kunden? Beim Berater?

Natürlich ist die Kundin letztendlich diejenige, welche den Antrag unterschrieben hat. Diejenige die für die Beantwortung der Gesundheitsfragen verantwortlich ist. Auf dem Antrag gibt es entsprechende Hinweise, dass die Angaben vollständig und wahrheitsgemäß zu machen sind.
Hinweis Gesundheistfragen PKV 30 Min
Doch hier war die Kundin augenscheinlich daran nicht schuld.

„Beim Ausfüllen des Antrages habe ich ausdrücklich gesagt, dass ich PCO Syndrom habe. Dagegen nehme ich seit 15 Jahren die Pille. Es kann sein, dass beim Kinderwunsch später Probleme entstehen werden können, muss aber nicht. Ich wurde wg. Kinderwunsch nie behandelt, nur eben die Pille. Deshalb hatte ich nie Probleme oder Beeinträchtigungen. Nach meiner Aussage, meinte er, dass ich Kerngesund sei und wir nichts eingeben brauchen.

Für den schlimmsten Fall habe ich ihn gebeten mir ein Tarif rauszusuchen, wo eine künstliche Befruchtung mit dabei war.“

Dieser hatte ihrem Berater von einem Polymystischem Ovar-Syndrom berichtet und richtete ebenso davon, dass diese mit der „Pille“ behandelt wird und eine weiteren Beschwerden verursacht. Irgendwo muss jedoch das Rezept für die Pille auch hergekommen sein. Daher gab es auch eine ärztliche Untersuchung und weitere Beratungen.

Weiterhin hatte die Kundin ihren Berater explizit darum gebeten einen Tarif zu suchen, der auch die Kinderwunsch Behandlung enthält und weiterhin- so steht es im Beratungsprotokoll- wurde auch extra über die Beitragsbefreiung in der Elternzeit gesprochen. Also, das eindeutiger Wünsche nach einer Familienplanung bestanden.
PKV 30 Min Gespräch II

Es kommt also wie es kommen musste, die Kunden lässt ihre Vorsorgeuntersuchung bei der Frauenärztin durchführen (wie immer also), reicht diese Rechnung ein und auf der Rechnung steht natürlich die altbekannte Diagnose PCO.

Der Versicherer erfährt nun etwa ein halbes Jahr nach Antragstellung erstmals von dieser Diagnose und nimmt dies natürlich zum Anlass weitere Überprüfungen. Dabei stellt sich heraus, dass diese Diagnose bereits seit Jahren bekannt ist und diese im Antrag nicht angegeben wurde.

Was tut der Versicherer?

Er tritt zunächst wegen Verletzung der Anzeigepflicht vom Antrag zurück. Im weiteren Verlauf bietet er einen sehr hohen Risikozuschlag auf die abgeschlossenen Tarife an. Warum? Weil zu befürchten ist, dass es zu einer künstlichen Befruchtung kommen könnte. Dieses muss im Sinne der Versichertengemeinschaft natürlich kompensiert werden. Daher bietet man einen hohen Risikozuschlag an, welcher von der Kunde nun angenommen werden kann. Andernfalls endet das Vertragsverhältnis, denn gerade bei der künstlichen Befruchtung sind schnell Kosten von 10.000€ und mehr erreicht, die bezahlt werden müssen.

Was kann die Kundin tun?

Nun ist diese erst mal völlig aufgelöst und wurde sehr überraschend von dem Schreiben des Versicherers getroffen. Warum? Nun, sie war sich absolut keiner Schuld bewusst, hatte sie doch dem Berater die entsprechende Angabe gemacht und dieser daraufhin erwähnt, das ist etwas was sie nicht angeben müssen, es ist ja keine wirkliche Krankheit.

Die Möglichkeiten die nun bleiben sind folgende:

1. Annahme des fast 100-prozentigen Risikozuschlag ist und Fortführung des privaten Krankenversicherungsvertrages.

2. Nichtannahme des Zuschlages, damit Rücktritt des Krankenversicherers und aktuell kein Versicherungsschutz. Natürlich bleibt die Option des Schutzes bei einem anderen Versicherer (wenn dieser denn das Risiko zeichnet) oder im schlimmsten Fall der Weg in den Basistarif.

3. Über Tricks und Kniffe versuchen in die gesetzliche Krankenkasse zurück zu kommen. Das ist bei einem Einkommen welches knapp über der Grenze liegt vielleicht noch machbar, bei einem Einkommen welches deutlich über der Versicherungspflichtgrenze liegt, ist das nicht ohne weiteres möglich und birgt immer die Gefahr, bei einer späteren Sozialversicherungsprüfung „aufzufliegen“ und damit noch deutlich größere finanzielle Probleme zu verursachen.

Sie sehen, alles keiner wirklich erstrebenswerten Zustände. Und das alles nur deshalb, weil ein Berater ein schnelles Geschäft wollte und der Auffassung war, man könne und müsse einen Wechsel in der privaten Krankenversicherung in 30 Minuten „eintüten“.

So geht es nicht!

Allein meine Videoanleitung zum Ausfüllen des ersten Fragebogens und dem Festlegen von gewünschten Leistungen in der PKV dauert 45 Minuten. Eine Beratung zur privaten Krankenversicherung dauert vom ersten Kontakt bis zum Ausstellen der Police deutlich mehr als 10 Stunden. Stunden in denen es um die Unterschiede der Systeme mitgeht, Stunden in denen einzelne Leistungsbereiche der privaten Krankenversicherung besprochen werden, Stunden in denen Nachteile gegenüber der GKV besprochen werden, Stunden in denen es um Familienplanung und den weiteren Versicherungsverlauf geht, Stunden die sich mit der PKV im Alter beschäftigen.

Ganz ehrlich, es k…. mich an, das absolut unfähige Berater und Finanzvertriebe den Ruf einer ganzen Branche wieder und wieder zerstören. Das Profit vor solide Beratung geht, dass es nicht möglich ist Kunden von dem System PKV abzuraten, die da absolut nicht hingehören und dass die Tragweite von Gesundheitsfragen und der Verletzung der Anzeigepflicht nicht begriffen wird.

Schadenfreude ist sicherlich unangebracht, in jedem Fall für die Kundin. Auch wenn diese natürlich eine Mitschuld trifft. Für den Vermittler finde ich ist nur gerecht jeden, aber absolut auch jeden Cent der Courtage für diese Beratung zurückzahlen zu müssen. Auch für die Haftung wird das sicherlich spannend, sollte sich die Kundin entschließen diesen Weg zu gehen.

Nun geht es erst einmal darum zu kümmern, anderweitigen Versicherungsschutz in ausreichender Höhe und ausreichend im Leistungsumfang zu bekommen. Das Paradoxe daran, das Risiko wäre auch mit Angabe der Vorerkrankung versicherbar gewesen, gefolgt von einem überschaubaren Risikozuschlag unter Umständen.

Sollten Sie also jemals von einem Vermittler den Rat erhalten etwas nach dem Antrag gefragt wird nicht anzugeben, dann ist der einzig sinnvolle Weg diesen Berater vor die Tür zu setzen, oder am Telefon einfach aufzulegen.

Der Versicherer stellt die Antragsfragen nicht auch Spaß und es geht nicht darum selbst zu entscheiden was richtig ist oder nicht, sondern die Fragen so zu beantworten wie sie in diesem Antrag gestellt werden. Natürlich müssen Sie keine Angaben machen auf denen der Versicherer nicht fragt, keine unnötigen Informationen liefern die Ihnen mit einem höheren Risikozuschlag schaden könnten, aber alles was erfragt wird ist vollständig, wahrheitsgemäß und in vollem Umfang zu beantworten.

Aber ich habe doch auch nicht…

Sollten Sie jetzt bemerken, dass es in ihrem damaligen Antrag auch solche Lücken gibt, so sollten Sie schnell, sehr schnell reagieren. Warten Sie in keinem Fall bis es zu einem Problem wird, sondern versuchen Sie jetzt mit einem neuen Berater das Alte auf zu arbeiten und gemeinsam zu entscheiden was zu tun ist.
Das kann das klarstellen von Informationen beim derzeitigen Versicherer sein, das kann auch die Antragstellung bei einem anderen Unternehmen sein, das kann auch eine ganz andere Möglichkeit sein, um das entscheiden zu können ist es aber notwendig weitere Details zu kennen. Bei weiteren Fragen nutzen Sie gern meine PKV Anfrage.

27.
Mai '14

Die eigenwilligen Praktiken eines Finanzvertriebes- oder nur eines Mitarbeiters? Warum nicht nur „Ärzteberater“ Ärzte beraten können


Damit sich nicht gleich wieder Mitarbeiter des Finanzvertriebes mit den „drei großen Buchstaben“ beschweren, es geht hier nicht um den Vertrieb als Ganzes, sondern um ein eigenwilliges Verhalten eines „Ärzteberaters“ und zudem eine recht eigenwillige Auffassung zu Wettbewerbsrichtlinien, Verständnis von Beratung etc.

Wo ich heute in der FAZ zu Praktiken mit Seminaren lese, fällt mir mein „Fall“ aus den letzten Wochen wieder ein. Zum Glück handelt es sich hier um einen Kunden der weiss was er will, dieses auch durchsetzt, es aber dennoch als „sehr nervig“ empfunden hat.

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Was war nun passiert?

Ein Kunde, seines Zeichens Arzt, hatte vor einigen Jahren auch Kontakt zu dem Finanzvertrieb mit den drei Buchstaben, speziell zu einem Ärzteberater (was auch immer die Besonderheit dieser ist) und lies sich unter anderem schon zu Studienzeiten zur Berufsunfähigkeit, Vorsorge und Krankenversicherung beraten. Grundsätzlich kann ich nur gutheißen, wenn sich Menschen früh mit dem Thema BU Und Vorsorge beschäftigen, denn nur so ist eine „entspannte Gesundheitsprüfung und damit niedrigere Prämien“ langfristig möglich.

Nach der Beratung und der Absicherung der Berufsunfähigkeit und weiterer Produkte, ging es auch um das Thema Krankenversicherung. Während des Studiums bestand eine Absicherung in der PKV, danach wurde der Vertrag auf eine so genannte Anwartschaft (Was ist das?) umgestellt und so sollte sich der Anspruch gesichert werden, später in die Private Krankenversicherung zurück zu können.

Sehr vorbildlich, denn nur mit einer solchen Anwartschaft oder Option verschafft sich der Kunde die Möglichkeit auch bei schlechterem Gesundheitszustand zurück zu kommen. Die Beratung zu dieser Umstellung (und auch die Vergütung für die Beratung erhielt der MLP Berater) Dazu wurde dann also eine solche Umstellung vorgenommen, der Kunde zahlt einen Beitrag für dieses Recht und wartet…

… das er wieder in die PKV darf

auch wenn viele Ärzte m.E. immer noch unterbezahlt sind, irgendwann erreichte auch dieser Kunde die Grenze, wurde zum 01. 01. überschritten, so kann die Anwartschaft nun aktiviert werden und die PKV als Vollkrankenversicherung weiter geführt. Dazu wendet sich der Kunde (aus Zufriedenheits- oder welchem Grund auch sonst) erst einmal an den Versicherer direkt und bekommt eine verblüffende Aussage:

„Ihre PKV können wir umstellen, bitte reichen Sie uns den Nachweis der Versicherungsfreiheit ein. Aber Sie haben keine Anwartschaft für das Krankentagegeld und dieses ist aufgrund der uns bekannten Vorerkrankungen nun nicht mehr möglich.“

Ups… wieso das? Wieso wurde die Anwartschaft nicht für das Krankentaggeld gemacht? Wieso nicht ein Optionstarif welcher auch das Recht auf Abschluss eines KT’s enthält? Nach weiteren Prüfungen bietet der Versicherer dem Kunden die Absicherung an, dazu aber später mehr.

Neuer Berater, neues Glück, Kundenentscheidung

Nach diesen Aussagen wendet sich der Kunde mit einer PKV Anfrage vor einigen Wochen an uns und schreibt:

Hallo Herr Hennig,
ich habe eine Frage. Ich besitze derzeit eine Anwartschaftsversicherung bei der XYZ und habe nun aufgrund der Überschreitung der Jahresarbeitsentgeltgrenze die Möglichkeit zum Wechsel aus der GKV in die PKV. Ich wollte mich vorher gern über Alternativen informieren, insbesondere da einige Elemente des Tarifs bei der XYZ etwas „veraltet“ sind (insbesondere der geschlossene Hilfsmittelkatalog etc.). Zudem kommt dass ich bereits bei der Barmenia einen Risikozuschlag aufgrund Krankheit zahle. Erschwerend kommt hinzu dass ich bis vor ca. 8 Monaten eine ambulante Psychotherapie durchführen ließ. Seit letztem Juli ist die Behandlung aber abgeschlossen. Meine Frage ist nun, ob es überhaupt Sinn macht nach alternativen PKV-Tarifen zu suchen oder sie empfehlen unter den genannten Umständen eher in der GKV zu bleiben und die Anwartschaft zu kündigen. Ich danke Ihnen für Ihre Antwort.

Hm, klingt nicht ganz einfach, aber lösbar. Also füllte der Fragende den Kriterienfragebogen zur PKV aus, ebenso erteilte er ein Maklermandat für den entsprechenden Vertrag, womit wir uns bei der Gesellschaft legitimieren konnten und mussten.

Der Fehler liegt im Detail- vergessene Anwartschaft für das KT wird zum Problem

Zunächst: Fehler können passieren, so ist das nun mal bei Menschen und dazu sollte man stehen. So wurde hier die Anwartschaft vergessen

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20.
November '13

Risikozuschlag und unsinnige Vertriebsmails – wer fällt darauf rein?


Die Private Krankenversicherung ist, anders als die gesetzliche Krankenkasse, ein Produkt, welches risikogerecht kalkuliert ist. Das passiert schon dadurch, das die Prämien für unterschiedliche Eintrittsalter nicht gleich sind. Weiter wird durch eine Gesundheitsprüfung bei Antragstellung ein Mehrbeitrag erhoben, falls der Kunde zum Beginn der Versicherung nicht gesund ist.
Wozu Risikozuschläge und wie werden diese berechnet?

Die Prämie in der Privaten Krankenversicherung ist, ungeachtet des Eintrittsalters, zunächst einmal für jeden gleich. Da nun aber ein Antragsteller mit Vorerkrankungen mit einer höheren Wahrscheinlichkeit „behaftet ist“, im weiteren Vertragsverlauf höhere Kosten zu verursachen, erhebt der Versicherer hierfür einen „risikogerechten Zuschlag“.

In meinem Beitrag „Warum muss ich einen Risikozuschlag zahlen – ich nehme doch fast keine Medikamente“ habe ich bereits vor einigen Jahren erklärt, warum auch bei offensichtlich unscheinbaren Erkrankungen ein Zuschlag erhoben werden kann. Dieser gleicht zum Beispiel bei einer Allergie nicht nur die Kosten für Medikamente aus (die sind oftmals sehr klein, da nur einmal im Frühjahr und dann oft sogar freiverkäuflich und kostengünstig in der Apotheke beziehbar), sondern auch Kosten für zusätzliche Untersuchungen und Verschlechterungen von Erkrankungsbildern.

Vertrieb wie er (meiner Meinung nach) nicht sein sollte

Zum zweiten Mal in wenigen Wochen erreichte mich gestern eine Mail eines „Maklerbetreuers“, welcher anscheinend ein grandioses Verkaufsargument für seinen Arbeitgeber gefunden hat. Damit es nicht lange zu erklären ist, fand sich in der E-Mail eine „hübsch gestaltete“ Grafik, welche wie folgt aussah.

Vertriebsunsinn

Ein klick auf die Mail und die Vergrößerung fördert Eigenwilliges zu Tage. Schilddrüsen sind ohne Zuschlag versicherbar? Naja, das will ich auch hoffen, denn sonst müsste ja jeder einen Zuschlag zahlen. (mehr …)

22.
Februar '13

Die MEG AG, „komische Vertriebe“ und die Folgen für Versicherungsnehmer und Versicherer


Da lief er wieder, der Film „Versicherungsvertreter – Die erstaunliche Karriere des Mehmet Göker“. Der WDR zeigte den Film gestern Abend und berichtetet daher eindrucksvoll wie Vertrieb in der privaten Krankenversicherung ausgesehen hat. Herr Göker hat nicht nur den Zuschauern, sondern gerade den Versicherern gezeigt wie man sich erfolgreich von Vertrieben abhängig macht und natürlich will heute von den meisten Gesellschaften niemand mehr etwas davon wissen. Leider gibt es auch heute noch teilweise sinnlose und unsinnige Umdeckungen in der privaten Krankenversicherung, aber eben auch in anderen Versicherungssparten.

Was der Zerfall des Göker Vertiebes MEG für die Kunden bedeutet hat, das habe ich bereits in einem älteren Blogbeitrag ausführlich beschrieben und empfehle daher diesen noch einmal aufzurufen. –> MEG AG meldet Insolvenz an – was bedeutet das für Kunden?

Auch wenn durch gesetzliche Regelungen wie die Verlängerung der Stornohaftung und die Deckelung der Courtagen die Anreize für solche Methoden verringert worden sind, so schaffen es auch heute noch Unternehmen (vermutlich im größeren Stil) umzudecken, wie man an diesem Beispiel der Impuls AG sehen konnte. Doch welche Folgen hat das für die Vertriebe, Versicherer und natürlich zuerst für den Kunden? Dazu schauen wir uns zunächst einmal die Unterschiede der Vertriebsmethoden an.

Welche unterschiedlichen Vermittler kennt der Markt?

Zuerst einmal der bekannteste und am weitesten verbreitetste Vertriebsweg, der Versicherungsvertreter. In Zeiten wo Hr. Kaiser als Werbefigur der Hamburg Mannheimer die deutschen Fernsehbildschirme betrat, da war schien die Welt noch in Ordnung. Der Versicherungsvertreter ist auch vom Kunden leicht zu erkennen, denn er arbeitet für eine Gesellschaft und tritt als deren Vertreter auf. Daher kann er auch nur diese eine Gesellschaft anbieten, was der Kunde in den meisten Fällen einfach erkennen kann.

Dann gibt es die so genannten Mehrfachagenten. Sie stehen wie der Vertreter rechtlich auf der Seite des Versicherers und vertreten auch dessen Interessen. Unterschied zum erstgenannten besteht aber darin, dass dieser Mehrfachagent aber durchaus für mehrere Gesellschaften tätig sein kann. Das heisst nicht, das die Beratung unabhängig ist, denn die rechtliche Stellung im Lager des Versicherers bleibt bestehen.

Der dritte und nach aktuellen Studien ansteigende Weg ist der, des Versicherungsmaklers. Als solcher bin ich auch tätig und wir sind als Makler gesetzlich dem Lager des Kunden zugeordnet. Der Makler ist als so genannter Sachwalter des Kunden nur diesem verpflichtet und muss seine Tätigkeit unabhängig von Interessen des Versicherers ausüben.

Mehr Infos und Details zu den Vertriebswegen gibt es im Beitrag: Wie finde ich den passenden Makler, Berater, Vertreter und woran erkenne ich diesen? Nur weil ein Vermögensberater oder Finanzberater als solcher auftritt, heisst es nicht das dieser unabhängig ist. Am Beispiel der Deutschen Vermögensberatung (DVAG) ist das gut zu erkennen, denn diese sind als „Gebundener Versicherungsvermittler“ eben an die Partnergesellschaften gebunden und nicht unabhängig (als Makler) tätig.

Wer ist denn gut und an wen soll ich mich wenden?

Eine pauschale Aussage welcher Vertriebsweg für Sie der richtige ist, die gibt es nicht. Auch die weiterhin am Markt agierenden Versicherungsberater sind nicht für jeden geeignet. Diese sind nicht als Vermittler tätig, sondern beraten gegen ein Honorar über ein bestimmtes Produkt oder eine Absicherung. Auch Vertreter einer Gesellschaft können eine gute Beratung abliefern und tun das durchaus nach meiner Erfahrung. (mehr …)

06.
August '12

Deutsche Vermögensberatung (DVAG) – welchen Status haben die Vertreter und was bedeutet das für den Kunden


Die Deutsche Vermögensberatung ist sicherlich einer der größten Vertriebe in Deutschland. Fragt man einmal Privatkunden auf der Straße, so meinen die meisten, der Vertreib sei unabhängig und kann alle Produkte am Markt vermitteln. Schließlich berate man ja als „Vermögensberater“ und kümmere mich um den Kunden. Doch welchen rechtlichen Status hat der Vermittler eigentlich?

Im Impressum der Internetseite der DVAG ist zunächst einmal nichts davon zu erkennen, welchen Status diese eigentlich haben. Um zu verstehen welche unterschiedlichen Vermittlerarten am Markt agieren, habe ich die Unterschiede einmal in einem ausführlichen Blogbeitrag zusammengefasst.

Wie finde ich den passenden Makler, Berater, Vertreter und woran erkenne ich diesen?

Warum man sich nicht „traut“ den Status als gebundener Vermittler in das Impressum der Website zu schreiben, kann nur vermutet werden. Dann könnte auch der Interessent auf den ersten Blick erkennen, das es sich um einen so genannten gebundenen Vermittler handelt und dieser daher nicht unabhängig vermitteln kann.

Doch was ist der gebundene Vermittler genau? (mehr …)