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29.
Juni '16

Berufsunfähig und was jetzt? Lösungen damit Sie nicht durch das Netz fallen


In diesem Blog finden Sie eine Vielzahl von Beiträgen zum Thema Berufsunfähigkeit, beginnend mit der richtigen Antragstellung und der anonymen Voranfrage, über die richtigen Auswahlkriterien für den Vertrag zur Berufsunfähigkeitsversicherung und vieles mehr. Dennoch besteht in Deutschland nur bei 17 % aller Deutschen einer Absicherung gegen Berufsunfähigkeit, wie eine aktuelle Studie der Zurich Versicherung gerade einmal wieder veranschaulicht. Es gibt durchaus viele andere Länder, wo ist deutlich besser aussieht. Für ein berufliches Projekt in Hongkong beispielsweise habe ich mir schon vor Jahren die dortigen Absicherungen angeschaut, mehr als die Hälfte aller dort lebenden Personen sind gegen das Risiko bei Berufsunfähigkeit versichert.

Fehlendes Bewusstsein für die Absicherung

Warum ist das so und warum gelingt es Versicherern, Verbraucherschutzverbänden und dem Staat nicht eine entsprechende und flächendeckende Absicherung der Bürger zu erreichen? Das hängt auch etwas damit zusammen, dass immer noch die Meinung vorherrscht „Der Staat wird schon für mich sorgen“. Dieser Aussage ist jedoch fatal, denn ein Berufsunfähigkeitsschutz besteht nur für Versicherte welche vor dem 1.1.1961 geboren sind. Alle anderen haben nur einen Versicherungsschutz gegen Erwerbsminderung.

Unterschied zwischen Berufsunfähigkeit und Erwerbsminderung

Früher (und für die älteren Versicherten) bestand ein Versicherungsschutz durch die gesetzliche Rentenversicherung im Falle der Berufsunfähigkeit. Wer also Beiträge in die gesetzliche Rentenkasse eingezahlt hatte (Achtung: Selbstständige und Freiberufler haben das meist nicht) und die notwendigen Wartezeiten erfüllt hat (bei Auszubildenden reichte dies nicht) bekam eine Versorgung, wenn er seinen Beruf nicht mehr ausüben konnte. Die Definition zur Berufsunfähigkeit bezieht sich daher immer auf den konkreten Beruf, die ausgeübte Tätigkeit und die Frage ob ich diese Tätigkeit in dem bisher ausgeübten Umfang noch ausüben kann. Wer also bisher einen acht Stunden Tag hatte und davon nur noch weniger als vier Stunden arbeiten kann, der ist berufsunfähig. Der Versicherungsschutz in der privaten Berufsunfähigkeitsversicherung besteht in der Regel weltweit, 24 Stunden rund um die Uhr und bei allen Tätigkeiten. (Zu beachten sind natürlich Ausschlüsse und Einschränkungen in dem individuell gewählten Vertrag)

Bei der Erwerbsminderung hingegen geht es nicht um den konkreten Beruf. Hier wird geprüft ob Sie mehr als sechs oder drei Stunden arbeiten können. Dabei geht es wie gesagt nicht in den Beruf den Sie gelernt oder ausgeübt haben, es geht um die (theoretische) Möglichkeit überhaupt einer Erwerbstätigkeit nachgehen zu können. Wer also noch irgendetwas tun kann, mindestens sechs Stunden der erhält keinerlei Rente. Natürlich haben sie dann Anspruch auf entsprechende Grundsicherung, also Sozialhilfe. Hier werden natürlich die entsprechenden Voraussetzungen geprüft, vorhandenes Vermögen angerechnet und vieles mehr. Wer zwischen drei und 6 Stunden arbeiten kann, der erhält zumindest die halbe Erwerbsminderungsrente, was mit ein paar hundert Euro zum Leben zu wenig und zum Sterben zu viel ist. Auch hier bleibt nur die Sozialhilfe/Grundsicherung.

„Mit passiert doch nichts“

Mit dieser Einstellung kann man natürlich durchs Leben gehen und einigen gelingt das durchaus. Es gibt Menschen die sind zum Glück nie krank, lieben bis ans Lebensende zufrieden und ohne nennenswerte Erkrankungen und schlafen irgendwann in Frieden ein. Leider wissen wir nicht ob das auch bei uns zutrifft. Gerade in den letzten Jahren haben sich die Chancen auf Heilung bei einer Vielzahl von Krebserkrankungen deutlich verbessert, dennoch führen viele Diagnosen zumindest zu einer zeitweisen Berufsunfähigkeit. Wer ein, zwei oder drei Jahre nicht arbeiten kann, danach aber wieder in seinen Beruf zurückgekehrt hat auch während dieser Zeit einen Anspruch auf die versicherte Berufsunfähigkeitsrente. Berufsunfähigkeit bedeutet daher nicht „den Kopf unter dem Arm zu tragen“, sondern ist auf den konkreten Beruf bezogen.

„Ich sitze im Büro, was soll da schon passieren das ich nicht mehr arbeiten kann?“

… und zum Psychiater gehe ich sowieso nicht. Auch diese Aussage kommt immer wieder, wenn man über das Thema Berufsunfähigkeit spricht. Was soll mir passieren, im Büro kann ich irgendetwas machen. Die Frage ist jedoch, bin ich leistungsfähig genug um einen Beruf ausüben zu können? Kann ich mit einer Erkrankung, nach einem Unfall oder einen Kräfteverfall tatsächlich noch Vollzeit arbeiten? Auch hier gilt die entsprechende Prüfung der 50 %. Lässt meine Erkrankung also eine Ausübung des Berufes von unter 4 Stunden noch zu, so kann ich das natürlich tun ohne einen Rentenanspruch zu verlieren. Erst wenn die Berufsunfähigkeit zu mehr als 50 % nicht mehr gegeben ist, erst dann endet die Rente.

Dazu kommt, dass gerade in den letzten Jahren die psychischen und psychosomatischen Erkrankungen drastisch zugenommen haben. Etwa ein Viertel aller Berufsunfähigkeitsfälle führen zu einer Leistung aufgrund einer „F-Diagnose“. Hierbei handelt es sich um Erkrankungen aus dem psychischen und psychosomatischen Bereich. Diese können stressbedingt sein, können auf übermäßige Belastung zurückzuführen sein und können natürlich auch als Begleiterscheinungen zu anderen Erkrankungen auftreten.““

Lesetipp: Die richtige Absicherung gegen Folgen einer Krebserkrankung

Wenn Sie zahlen sollen, zahlen sie dann doch nicht

Auch das ist eine immer wieder gern genommene Aussage um den Abschluss einer entsprechenden Versicherung hinauszuzögern und/oder vor sich herzuschieben. Es ist einfach das eigene Gewissen zu beruhigen, wenn ich mir ständig einrede, dass der Versicherer im Leistungsfall sowieso nicht zahlen. Einmal ganz überspitzt formuliert. Was ist besser? Ein Versicherer der vielleicht Zeit oder kein Versicherer?

Natürlich werden die Versicherer im Falle der Leistungsprüfung die Bedingungen genau prüfen. Da werden Anträge und die Angaben in diesen geprüft um zu klären ob bei Antragstellung keine Angaben richtig und vollständig gemacht. Stellt sich dann heraus das Angaben verschwiegen worden sind, zahlt der Versicherer zurecht nicht. Daher ist es elementar wichtig, sich vorher entsprechende Gedanken dazu zu machen und die Antragstellung sauber vorzubereiten.

Wenn Sie sich mit den Auswahlkriterien zur Berufsunfähigkeit intensiver beschäftigen, dann werden Sie sehen dass einzelne Formulierungen in den Bedingungen über eine Leistung oder eben gegen eine Leistung entscheiden können. Lesen Sie gern einmal meinen Leitfaden zur Berufsunfähigkeit und schauen sich die unterschiedlichen Formulierungen an. Oftmals entscheidet ein einzelnes Wort oder eine einzelne Formulierung darüber, ob der Leistungsfall eintritt oder nicht. Wenn Sie sich hier (und damit meine ich vor der Antragstellung) Gedanken dazu machen welche Leistungen und welche Bausteine Ihnen wichtig sind, und wann sie konkret eine Leistung benötigen, dann finden Sie auch den passenden Versicherungsschutz.

Wenn nicht jetzt, wann dann?

Die „mache ich morgen“ Einstellung ist leider auch viel zu weit verbreitet. Natürlich ist für viele das Thema Versicherungen und dazu noch das Kleingedruckte nicht unbedingt die Bettlektüre bevor Sie abends das Licht ausmachen. Dennoch ist es notwendig und elementar wichtig sich mit eben diesen Versicherungsbedingungen auseinanderzusetzen und zu lernen und verstehen welche Leistungen in dem Vertrag enthalten sind und in welchen Bereichen eben auch kein Versicherungsschutz besteht. Nur wer versteht wann der Versicherer nicht leisten muss, wird auch Verständnis haben, wenn er dann später berechtigt nicht leistet.

Ausgestaltung des Vertrages entscheidet über die Leistung

Es gibt keinen allumfassenden und für jeden geeigneten Versicherungsschutz. Die Berufsunfähigkeitsversicherung ist eines der individuellen Produkte am Markt. Es geht immer darum möglichst umfangreich abgesichert zu sein, dabei aber die Premiere noch bezahlbar zu halten. Aus diesem Grund ist es zwingend erforderlich sich über die Höhe der Absicherung und das Endalter Gedanken zu machen. Natürlich kostet ein Versicherungsschutz bis zum 67. Lebensjahr mehr monatlichen Beitrag als ein Versicherungsschutz bis 60. Bei einer Rente von 2.000 € monatlich sprechen wir aber auch über einen Leistungsunterschied von 168.000 €. Irgendwo muss das Geld ja kommen, und daher ist ein Versicherungsschutz dementsprechend teurer. Wer heute dreißig Jahre alt ist und sich für die nächsten 37 Jahre versichern möchte, der erreicht schnell einen Millionenbetrag.

Für Kinder und Jugendliche ist eine Absicherung gegen das Risiko Berufsunfähigkeit mit dem Alter von zehn Jahren möglich. (mehr …)

15.
Mai '13

Nun auch die Bundesverbraucherzentralen und die Bertelsmann Stiftung mit einer Idee zur „integrierten Krankenversicherung“


Nachdem vor einiger Zeit die Bundesärtzekammer mit einem Konzept für die Gesundheitsvorsorge an die Öffentlichkeit ging, kommt nun die Bertelsmanstiftung und die Bundesverbraucherzentralen mit einer Idee wie es doch alles so einfach gehen könnte. Erstaunlich ist das nicht, denn es ist ja bald Bundestagswahl und so unterstützt man die stiftungsnahen Parteien eben so gut es geht. Aber der Reihe nach.

„Gerecht, nachhaltig, effizient“ 

So überschreibt die Stiftung ihr Papier, welches sich zunächst auch auf die gravierenden Probleme der derzeitigen Gesundheitssysteme stürzt. So sind laut der Stiftung drei „grundlegende Herausforderungen“ zu lösen. Neben der Einnahmeschwäche stehen die Gerechtigkeit und die einseitige Grenzbelastung auf dem Plan. Es wird konsequent davon ausgegangen, das es kein weiterführendes duales System geben kann, denn so heißt es: „Grundlage der Berechnung ist dabei immer eine bereits verwirklichte Integration von GKV und PKV.“

Gleichzeitig wird davon ausgegangen, dass sich das neue System einer integrierten Krankenversicherung im „Hinblick auf grundsätzliche Ausgestaltungsmerkmale an der heutigen GKV orientiert“.

Es wird eine Festlegung auf ein Umlagesystem (anstatt Kapitaldeckung) unterstellt und daher nach meiner Meinung keines der Probleme wirklich angegangen, denn eine Kapitaldeckung ist allein aufgrund der demographischen Entwicklung unumgänglich.

Drei Szenerien

Die Studie selbst spricht von drei unterschiedlichen Szenerien. In der ersten Variante wird von einem steuerfinanzierten Sozialausgleich für den einkommensunabhängigen Zusatzbeitrag ausgegangen und somit die Steuermittel indirekt zur Finanzierung herangezogen. Bei der direkten Heranziehung der Steuermitteln geht das 2. Szenario von einem pauschalen Zuschuss an den Gesundheitsfond aus. Das Szenario drei spricht von einer „Ausweitung der Beitragspflicht auf weitere Einkommensarten bis zur bzw. ohne Beitragsbemessungsgrenze“

In der Studie werden diese Szenerien hinsichtlich der Kriterien Gerechtigkeit, Nachhaltigkeit und Effizienz bewertet.

Reformschritte

In dem Zehn-Punkte-Plan schlägt die Stiftung nach der Klärung von 4 Schlüsselfragen genau 6 Reformschritte vor. Diese sind in der folgenden Grafik recht gut zu erkennen, ggf. klicken um die Grafik zu vergrößern.

(c) Bertelsmann Stiftung, Zehn-Punkte-Plan, 2013

(c) Bertelsmann Stiftung, Zehn-Punkte-Plan, 2013

Da scheinen die verfassungsrechtlichen Bedenken der Punkte 7 bis 10 noch nicht richtig angekommen oder durchdacht zu sein, anscheinend. Etwas verwundert bin ich auch über die Tatsache, dass sich hier anscheinend nur auf Modelle der SPD und Die Grünen „gestützt wird“ und alles drum herum einfach ignoriert zu werden scheint. Aber gut- so ist auch dieses Papier ein Positionspapier welches mit Blick auf den Wahlkampf betrachtet werden sollte.

Wer sich das Ganze komplett antun möchte, dem seien die folgenden Links empfohlen:

10 Punkte Integrierte Krankenversicherung

Zusammenfassung Studie Integrierte Krankenversicherung

Studie zur Finanzierung einer integrierten Krankenversicherung

Zudem noch ein Video: Stefan Etgeton über eine Reform der Krankenversicherung

16.
Juli '12

Studie der KVpro GmbH – „PKV als Rentner noch bezahlbar?“


Vor einigen Wochen sorgte eine Studie am Markt und in den Medien für Diskussionen, welche sich mit den Leistungsinhalten der Privaten Krankenversicherung (PKV) beschäftigte und als Fazit Mindestkriterien forderte, welche jeder Tarif einzuhalten haben muss. Da Studien im Moment scheinbar „in“ sind, entweder weil es viel zu analysieren gibt oder vielleicht weil damit die Diskussion geführt und der eigene Bekanntheitsgrad gestärkt werden kann, hat auch die KVPro GmbH eine solche Studie erstellt. Bei dem Unternehmen handelt es sich um einen Anbieter von Vergleichssoftware für die Private Krankenvoll- und Zusatzversicherung, Zielgruppe sind vor allem Versicherer, Makler und Berater.

Nachdem ich Kenntnis von der Studie bekam, fragte ich bei dem Autor ein Exemplar zur Ansicht an, welches mir dann zum (Abwehr-?)Preis von 2.300 EUR netto angeboten wurde. Glücklicherweise waren einige Versicherer bereit, mir eine Kopie zu überlassen. Ich kann und werde die Unternehmen hier nicht nennen, da diese die Studie hätten teilweise nicht weiter geben dürfen, dennoch liegt mir die Studie nun als Kopie vor. Ich kann und werde aber aus Copyrightgründen keine Auszüge oder Screenshots veröffentlichen.

Worum geht es in der Studie?

Die Studie beschäftigt sich, anders als die Studie des Institutes für Microdatenanalyse mit der Beitragsstabilität und Bezahlbarkeit der Beiträge als Rentner. Dabei wurden die Krankenversicherer angefragt, die Prämien von tatsächlich vorhandenen Bestandskunden bekannt zu geben, welche folgende Voraussetzungen erfüllen mussten:

der Bestandskunde muss heute älter als 65 sein
dieser muss mit 29, 39 oder 49 in die PKV eingetreten sein
mindestens 16, 26 od. 36 Jahre versichert sein
Versicherungsschutz muss hochwertig, mind. jedoch GKV orientiert sein
Beitrag mit 65 für einen KT Tarif unter Anwendung der Tarifwechseloption nach §204 VVG
Beitrag im Standardtarif (STN) zum 65. Lebensjahr nach Tarifwechsel

Die Zahlen und Daten wurden dann ausgewertet und in Tabellenform bzw. grafisch aufgearbeitet.

Wer hat „mit gemacht“?

Laut Angaben der Ersteller der Studie haben über 3/4 der Versicherer mitgemacht, welche zusammen 77% der PKV Versicherten repräsentieren. Dabei handelt es sich um die folgenden Unternehmen:

Allianz, Alte Oldenburger, Axa, Barmenia, BBKK/ Union, Concordia, Debeka, DKV, Gothaer, Hallesche, Hanse Merkur, Inter, LKH, LVM, Münchener Verein, Nürnberger, R+V, SDK und die Universa.

Einige Unternehmen haben sich bewusst gegen eine Beteiligung entschieden, Gründe waren hier die fehlende Zeit, da gerade mit Unisextarifen beschäftigt, ein „Nein“ aus geschäftspolitischen Gründen, keine Antwort auf die Anfrage oder zu kurz am Markt, so dass keine Tarife zur Verfügung stehen. Diese Unternehmen sind:

ARAG, Central, Continentale, Dt. Ring, Signal Iduna, DEVK, HUK, PAX, Mannheimer, VGH und die Würtembergische.

Eine Wertung lässt sich aus einer Absage jedoch keinesfalls ableiten, denn jedes Unternehmen kann und wird allein entscheiden, ob man sich beteiligen möchte. Ich hatte bereits vor einigen Jahren einmal angefangen, Bestandskundenbeiträge zu sammeln, auch hier war der Erfolg mäßig, wenn auch sich die Unternehmen damals anders aufgeteilt haben.

Was sagt uns die Studie nun?
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19.
Juni '12

Die PKV Studie und die 85 Mindestkriterien – Mindestkriterien für wen und wer bestimmt was „mindestens“ nötig ist“?


Bereits in der letzten Woche habe ich zu der Studie des IfMDA und des PremiumCircle geschrieben und einiges an Aufklärung geboten. Aufgrund der Menge an Fragen zu den Mindestkriterien und wie relevant diese nun tatsächlich sind, widme ich mich heute noch einmal genau diesem Bereich. Das wird natürlich sehr, sehr fachlich und für den Laien meist sehr schwer verständlich.

Im Fazit der Studie heißt es ja, so wurde es auch in den verschiedenen Artikeln in der Presse immer wieder geschrieben, 80% der Tarife in der Privaten Krankenversicherung entsprächen nicht einmal Mindestleistungen. So heißt es wörtlich in der Studie:

„Ein regulierender Schritt könnte auf Produktebene die Einführung von PKV-Mindestkriterien sein, die einen angemessenen PKV-Krankenversicherungsschutz gewährleisten würde. (…) Dadurch ließe sich der PKV-Marktversagensbereich in Bezug auf den Leistungskatalog beseitigen. (…) Die Problemfelder von PKV Billigtarifen und anderen PKV Tarifen mit teilweise existenziellen Leistungsausschlüssen im Krankheitsfall erfordern eine grundlegende Neuordnung des Vertriebsmarktes und auch der Provisionen. Auch hier ist der Gesetzgeber regulierend gefordert.“

Ist das nicht immer so? Wenn man nicht weiter weiss, dann schreit alle Welt nach regulierten Märkten und einheitlichen Kriterien. Die Private Krankenversicherung unterscheidet sich aber gerade dadurch von der GKV, das hier die Leistungsbereiche separat und je nach eigenem Bedarf und Wunsch kombiniert werden können. Niemand ist gezwungen einen „Billigtarif“ abzuschließen, niemand wird gezwungen eine PKV für 69 EUR zu suchen und keiner meiner Kunden hat eine solche. Auch passt die PKV eben lange nicht auf jeden, manche Personen(-gruppen) gehören einfach nicht in das System der privaten Krankenversicherung.

Doch schauen wir uns einmal die „Mindestkriterien“ an: Da gibt es 85 dieser Kriterien, aber nicht alle werden bei der Bewertung der Tarife berücksichtigt. Zu den drei nicht berücksichtigten Kriterien gehören die Auslandsaufenthalte, Fragen zum Schutz bei Kriegsereignissen und Terror und die Wechseloptionen. Bleiben also noch genug Kriterien die zu erfüllen sind, wenn nicht gehört der Tarif laut Studie zu denen, die nicht einmal den Mindestkriterien entsprechen. Dazu sei noch erwähnt, es gibt keinen Tarif, der alle 85 Kriterien erfüllt. Die maximale Erfüllung bietet der Tarif PURISMA (R) der Mannheimer Krankenversicherung, welcher 72 Kriterien aufweist.Der heutige PKV Basistarif erfülle demnach 30 der 85 Kriterien, doch nun zurück zu den einzelnen Punkten. Los geht es mit den Arzthonoraren, welche als Mindestkriterium die Leistungen bis zum so genannten Regelhöchstsatz erstatten müssen um das Kriterium als erfüllt gelten zu lassen. Also Mindestgrundlage mag das ja denkbar sein, nur zieht dieses ein Kostenrisiko nach sich, denn der Arzt kann bis zum so genannten Höchstsatz abrechnen, ohne das eine extra „Erlaubnis“ vorliegen muss, aber es soll ja auch das Mindeste sein. Warum bei den Mindestkriterien dann aber auch die (stationäre) Privat-/ wahlärztliche Behandlung versichert sein muss, das erschließt sich mir nicht. Wenn mir als Patient die Mindestleistungen doch reichen, dann ist der Belegarzt (ein weiteres Kriterium) sicher nicht zu vergessen, aber eine privatärztliche Behandlung ist m.E. nicht mehr im Bereich der Mindestmaße anzuordnen.

Die Versorgung in Hospizen, Bundeswehrkrankenhäusern und Medizinischen Versorgungszentren (MVZ) stellen ebenfalls je ein Kriterium dar. Problematisch sehe ich hier nur die Veränderungsmöglichkeiten der Alttarife. Vor 20, 30, 40 Jahren bei der Einführung einiger Tarife, waren diese Bereiche noch nicht im Bewusstsein und die MVZ’s noch gar nicht vorhanden. Daher werden Bestandstarife mit diesen Kriterien immer ein Problem haben, das finden wir auch noch im Weiteren.

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13.
Juni '12

Die aktuelle Diskussion um Systemunterschiede und Mindeststandards für die Private Krankenversicherung – einige Er- und Aufklärungen


Wer hat es in den letzten Tagen nicht gelesen, was die Medien mehr oder minder qualifiziert über die veröffentlichte Studie „GKV/PKV-Systemgrenze: Bestandsaufnahme“ geschrieben haben.(Link zur Bestellung) Veröffentlicht wurde diese Studie von dem Kieler Gesundheitsökonom Thomas Drabinski (IfMDA) und dem PremiumCircle in Frankfurt. Da ist von Mindeststandards die Rede, einige Veröffentlichungen sprechen von gierigen Maklern die nur an ihr eigenes Wohl denken und Tarifen die den Namen Krankenversicherung gar nicht verdient haben, da „Mindestleistungen“ nicht enthalten sind. Die Frage die sich zunächst stellt, was sind denn Mindestleistungen? Stellt die Gesetzliche Krankenkasse in Deutschland die Mindestleistungen dar? Das würde auch bedeuten, dass sich diese ändern, sobald der Gesetzgeber Leistungen aus der GKV kürzt, gelten dann andere „Mindestleistungen“? (Übersicht zu den Gesundheitsreformen und Leistungskürzungen in der GKV)

Die Reaktionen auf Kunden- und Interessentenseite sind unterschiedlich. Die Einen, bereits privat Krankenversicherten sprechen mich an und überdenken ihren derzeitigen Tarif, die anderen noch GKV Versicherten überlegen ob die Private Krankenversicherung zu ihnen passt, oder sie überhaupt zur PKV.

Doch was genau ist dran an der Forderung nach Qualifizierung und Mindeststandards? Was genau fehlt den Tarifen der Privaten und was fehlt der GKV? In die Zukunft kann weder die Studie, noch Sie oder ich sehen. Das was aber passiert nun, das sind Prozesse des drüber Nachdenkens und des aktiven Entscheidens.

Wie sah es denn bisher (leider oft) aus?

In der Vergangenheit, vor dem 01. 04. 2012 haben sich die Versicherer durch Vertriebe und Vertriebsmethoden wie MEG zu ungerechtfertigten Vergütungen hochschaukeln lassen. Einer wurde gieriger als der andere und jeder wollte sich noch ein bisschen mehr Geschäft vom Kuchen erkaufen. Das hat nicht nur bei MEG dazu geführt, dass die Beratungsqualität sank, es ein Massenprodukt wurde und die Qualität von Bedingungen in den Hintergrund gerückt ist. Es war nicht wichtig, ob ein Tarif existenzielle Risiken abdeckte, solange er billig war und in einer Vergleichssoftware für den Vermittler der keine Ahnung hat, oben auftauchte.

Wollte ein Versicherer einen neuen Tarif auf den Markt bringen, so wurde zunächst überlegt, wie denn die Mitbewerber so sind, dann wurden Selbstbeteiligungen so festgelegt, dass man in ein Raster einer Vergleichssoftware passte. Leistungen nach denen der unwissende Vermittler fragte (Brille, Wie viel Prozent Zahnersatz etc.) wurden so gestaltet, das es gut aussah. Doch außer den Versicherern nützte das niemanden. Kunden die nicht in die PKV gehören wurden durch billige Prämien angelockt, das Ganze von Vermittlern die nicht verstehen was sie da verkaufen und den potentiellen Kunden in 20 Min. zum Abschluß bewegen. Leidtragende sind die Kunden, denn die haben nicht verstanden, was ein Tarif enthielt, welche Leistungen bezahlt oder ausgeschlossen wurden und das alles bei einem Produkt, was diese lebenslang begleiten sollte. –> Artikel: „Eine PKV muss man sich leisten können und wollen“

Besonders schade an der aktuellen Diskussion ist jedoch der Eindruck, das alle Makler, Berater und Vermittler und die Versicherer gleich mit, gleich sind. So gibt es eine Reihe von PKV Unternehmen, die diesen „wir sind billiger“- Hype nie mitgemacht haben und viele Berater die keinerlei solche Tarife im Bestand haben. Ich kann auch, nicht ganz ohne Stolz, behaupten keinen einzigen dieser Billigtarife, mit Leistungen die nicht vertretbar sind, verkauft zu haben und vielen Kunden in den letzten Jahren auch von der PKV abgeraten habe. So tun es einige meiner spezialisierten Kollegen auch, dennoch wird hier eine gesamte Branche verurteilt, das „stinkt“ mir seit Jahren gewaltig und muss auch einmal deutlich gesagt werden dürfen. Die Presse ist oftmals einfach auch auf Schlagzeilen aus, wie man lesen kann. –> Artikel „Aktuelle Diskussion der Verbraucherzentrale “PKV braucht Reform” oder „ARD Panorama Bericht zur Privaten Krankenversicherung – einseitig, polemisch und zudem schlecht recherchiert

Was passierte jetzt dann?

Nach der Diskussion über die bösen Vermittler, die doch 10 und mehr Monatsbeiträge als Vergütung bekamen, folgte auch die Diskussion über Leistung, Lücken im Versicherungsschutz und die Frage nach Mindestleistungen. Es ist schon erstaunlich wie eine Branche, die es selbst verantwortet und sich von gierigen Vertrieben und Vorständen leiten lies, (mehr …)