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15.
Oktober '12

Gibt der Bund der Versicherten bewusst einen falschen Rat?


In der letzten Woche gab es einen Beitrag zum Thema gesetzliche und private Krankenversicherung (PKV) in der Sendung sternTV. Über viele falsch dargestellte Punkte habe ich bereits im Beitrag „Stern TV und Hr. Rudnik vom Bund der Versicherten zum Thema (private und gesetzliche) Krankenversicherung- oder fragen Sie den Blinden nach den Farben des Regenbogens“ geschrieben. Doch nun bin ich mehrfach nach einem anderen „Rat“ am Ende der Sendung gefragt worden. Das Vorstandsmitglied Thorsten Rudnik vom Bund der Versicherten gab am Ende in seinem Schlußstatment folgenden Rat (sinngemäß, nicht wortgenau zitiert)

In Hinblick auf die geplanten oder möglichen politischen Änderungen im Gesundheitswesen und mit Blick auf die kommende Bundestagswahl rate ich allen, mit dem Wechsel in eine private Krankenversicherung (PKV) zu warten. Jeder der eine private Kranken(zusatz)versicherung oder sonstiges abschließen will, sollte sich gedulden.

Das ist nicht nur hanebüchener Unsinn, es widerspricht auch einer klaren und fachlich richtigen Beratung, welche der BdV angeblich gemäß seiner Satzung leisten will. Laut der Website des BdV will dieser informieren.

Der Verein informiert Verbraucher unabhängig kostenlos mit Broschüren und Merkblättern.

Das die gegebenen Informationen richtig sein müssen, das steht da nicht und anscheinend ist das dann auch nicht mehr so wichtig. In meinem Beitrag zu den Unisextarifen (Die “berühmt berüchtigten” Unisextarife- muss ich mich unbedingt jetzt und schnell entscheiden?) habe ich bereits ausführlich zu Fakten, Hintergründen und Auswirkungen der Tarife geschrieben. Daher ist es in vielen Fällen einfach unsinnig, bewusst bis 2013 zu warten um dann eine (wie heute schon bekannt) höhere Prämie in Kauf zu nehmen.

Was können Sie also nun konkret tun?

Zunächst einmal muss klar sein, das niemand allein wegen der Unisextarife eine Police abschließen sollte. Nur weil ein Versicherer, bunte Zeitungen oder sonst wer zu einem Produkt rät, was Sie sonst vielleicht nicht brauchen, macht es auch keinen Sinn dieses zu alten Bedingungen zu bekommen. Wer aber generell über eine Absicherung persönlicher Risiken, sich gegen die finanziellen Folgen von Berufsunfähigkeit absichern will, oder seine Altersvorsorge optimieren möchte, der sollte das zumindest jetzt prüfen.

Bis wann soll/ muss das erfolgen?

Der Gesetzgeber und die EU haben dort klare Regelungen geschaffen. Jeder Antrag, der nach dem 21. 12. 2012 gestellt wird, muss in der neuen Unisexwelt policiert werden. Die Gesellschaften nutzen im Bereich der Krankenversicherung ebenfalls diese neue Tarifwelt, um neue Tarifbedingungen zu schaffen, ggf. Mindestkriterien einzubauen und den Rechnungszins zu senken.
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11.
Oktober '12

Stern TV und Hr. Rudnik vom Bund der Versicherten zum Thema (private und gesetzliche) Krankenversicherung- oder fragen Sie den Blinden nach den Farben des Regenbogens


Es ist schon beeindruckend, wie man es bei den deutschen TV Anstalten schafft, „Spezialisten“ einzuladen und Themen so aufzubereiten, dass diese in die eine gewollte Richtung gehen. Ein solches Glanzstück durfte erleben, wer gestern Abend (10.10.2012, 22:15 Uhr) die Sendung sternTV eingeschaltet hat. Im Vorfeld hatte RTL auf seiner Hompage bereits berichtet, welche „Spezialisten“ man in der Sendung haben wird. Einer der ausgewiesenen Experten zum Thema Krankenversicherung sollte Hr. Rudnik vom Bund der Versicherten sein. Bevor Sie nun weiter lesen, machen Sie sich einmal schlau wer der BdV ist, wer ihn wie bezahlt und welche Ziele er somit verfolgen könnte, das aber nur am Rande.

Doch zurück zur Sendung. Wie immer geht es in solchen Formaten um „drastische Beispiele“ des bösen Versicherers, des nichtsahnenden und unbedarften Kunden. Eines der Beispiele lässt sich noch im Nachhinein auf der Homepage von sternTV nachlesen. So heißt es da im Detail:

Vor zehn Jahren hatte er bei der Allianz einen Vertrag mit einer fatalen Regelung geschlossen: Kosten für Hilfsmittel wie Rollstühle und Prothesen werden nur bis 2.500 Euro pro Jahr übernommen. Dadurch sind ihm rund 10.000 Euro eigene Kosten entstanden. Zwar hatte die Allianz ihm mehrfach ein Hochstufung seine Tarifs angeboten. Welche existenziellen Leistungseinschränkungen ihm im Fall der Fälle möglicherweise drohen, das war Austmeier nicht klar. Das bemängeln auch Experten: Die Köder-Tarife werden nicht bedarfsgerecht für Kunden entwickelt, sondern mit Blick auf den Preis, um beim Versicherungsvergleich zunächst gut abzuschneiden und den Kunden für sich zu gewinnen. Das hat dazu geführt, dass viele Billigtarife mit drastischen Leistungsausschüssen auf dem Markt sind.

Da hat also ein Kunde vor 10 Jahren den Schritt in einen Billigtarif vollzogen, mit einem Berater oder nicht, mit einem Makler oder nicht, um möglichst viel Geld zu sparen. Nur mal angenommen, dieser Billigtarif habe damals 300 EUR gekostet, was für viele dieser Tarife schon zuviel ist (man will ja billig), mit welcher Berechtigung kann und sollte dieser dann mehr, oder soviel leisten, wie in der gesetzlichen Krankenkasse (GKV)?

Es ist schlichtweg unmöglich aus dem einen in ein anderes System zu wechseln, dabei 50% und mehr an Beitrag zu sparen und dann auch noch der Meinung sein zu wollen, das hier die gleichen oder gar bessere Leistungen zur Verfügung stehen. Die Private Krankenversicherung ist kein Produkt, wo es auch nur ansatzweise gelingen würde, Geld zu sparen. Wie auch, bei gleichen oder besseren Leistungen (und möglicherweise höheren Arztkosten) muss auch hier das Geld „irgendwo her kommen“. In meinem Blogbeitrag „Eine private Krankenversicherung muss man sich leisten können und wollen“ habe ich im Detail genau zu diesem Thema geschrieben.

Das Problem ist aber leider ein anderes.

Es muss in der Beratung (bei meinen Kunden zum Glück nicht) immer billig sein. Auf der anderen Seite ist aber der Kunde nicht bereit (und der Berater vielfach nicht in der Lage) die Unterschiede und großen Gefahren einer falschen Tarifwahl darszustellen. Eine Leistung von 2.500 Eur für Prothesen ist schlichtweg zu wenig und das gleich aus zwei Gründen. Einer der Gründe liegt in der Tatsache, das der Betrag heute für eine Versorgung zu niedrig ist. Bei einem (üblichen) Preis von bis zum 25.000 Eur pro Prothese (wie in einem anderen Fall der Sendung) sind 2.500 EUR ein Tropfen auf den heißen Stein, aber nicht mehr. Zudem sind absolute Betragsgrenzen ein großes Problem, denn was sind 2.500 EUR heute, in 10, 20 oder 30 Jahren noch wert? Und bevor Sie narüber nachdenken- nein- es findet keine automatische Anpassung dieser Grenzen an die Inflation oder gar steigende Kosten statt.

Es ist viel schief gegangen in der PKV Beratung

Nicht nur bei dem Skandalvertrieb MEG aus Kassel, wo man der Meinung war in 20 Minuten müsste die PKV verkauft sein, auch andere Berater und Unternehmen haben genau das versucht. Eine Beratung zur Privaten Krankenversicherung dauert aber Stunden. Vielleicht nicht 20, aber irgendwas in der Mitte von 20 Minuten und 20 Stunden kommt schon hin. (mehr …)