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16.
August '12

Risikoprüfung und Gruppenverträge in der Privaten Krankenversicherung – das Märchen von einer Versicherung ohne Gesundheitsfragen und ohne Ablehnungsmöglichkeit


In der letzten Zeit häufen sich wieder Anfragen von Interessenten für die Private Krankenversicherung, die sich auf Presseartikel oder Aussagen in Internetforen beziehen wo eine Versicherung ohne Gesundheitsprüfung abgeschlossen werden kann. Sogar Menschen mit schweren Erkrankungen, psychotherapeutischen Behandlungen in den letzten Jahren oder sonstigen gesundheitlichen Einschränkungen sollen dort versichert sein. Dazu müsse man nur einem Verein (z. Bsp. dem Tanzsportverein) oder einer Partei beitreten und schon ist der Weg in die Private Krankenversicherung möglich, so scheint es.

Ich suche eine Berufsunfähigkeitsversicherung ohne Gesundheitsprüfung – gibt es das und wenn ja wo?

Warum überhaupt eine Risikoprüfung in der PKV und wo liegen die Gefahren?

Um zu verstehen was es mit einer „vereinfachten“ Gesundheitsprüfung oder einem Annahmezwang auf sich hat schauen wir erst einmal eine „normale“ PKV an. Um sich in einem solchen Vertrag zu versichern, muss der Interessent recht umfangreiche Angaben über seinen Gesundheitszustand machen. Dabei sind die abgefragten Zeiträume ganz unterschiedlich. Während im Bereich der ambulanten Behandlung die Fragen meist 3 oder 5 Jahre in die Vergangenheit reichen, sind im stationären Bereich 5 oder 10 Jahre üblich. Auch Fragen die nicht auf einen Zeitraum begrenzt sind, finden sich in den Anträgen und bergen eine zusätzliche Gefahr. So schreibt die Debeka Krankenversicherung im Antrag:

„Bestehen Krankheiten, Unfallfolgen, körperliche oder geistige Schäden bzw. Anomalien (wie z. B. Herzfehler, psychische Störungen, Nervenerkrankungen, Augenerkrankungen, Schädigung des Bewegungsapparates, Stoffwechselstörungen, usw.), die zu den
bisherigen Gesundheitsfragen noch nicht angegeben wurden? Nr. Bei Wehrdienstbeschädigung, Berufskrankheit, Dienstunfall oder Schwerbehinderung bitte Anerkennungsbescheid beifügen.“

Damit sind zum Beispiel Allergien, irgendwann einmal festgestellte Veränderungen an der Wirbelsäule (auch wenn die zu keinen Beschwerden führen) anzugeben. So eine Frage kann man kaum richtig beantworten und stellt m.E. ein k.O.für einen Antrag dar. Andere Unternehmen fragen auch nach Beschwerden. Wer hatte denn noch nie Kopfschmerzen nach einem anstrengenden Tag, Rückenschmerzen nach zuviel Belastung oder dergleichen? Auch diese Frage ist fast nie richtig zu beantworten. So heißt es im Antrag der Universa:

Bestanden in den letzten 3 Jahren (auch nicht behandelte oder nicht medizinisch diagnostizierte) Krankheiten, Anomalien, gesundheitliche Beschwerden oder lagen andere Beeinträchtigungen, wie z.B. Sterilität, vor?

Genau darin liegt aber die Gefahr. Werden Fragen falsch beantwortet, so ist der Versicherer auch später noch berechtigt, die Risikoeinschätzung zu korrigieren, nachträglich Zuschläge zu verlangen oder gar vom Vertrag zurück zu treten. All das birgt unnötige und zusätzliche Hürden und Gefahren bei der Antragstellung und sind meist bei anderen Unternehmen zumindest vermeidbar. (Artikel zur Anzeigepflichtverletzung)

Kann ich mich entscheiden zwischen Ausschluss und Risikozuschlag?

Wenn eine Annahme nun aber nicht mehr zu normalen Bedingungen möglich ist, so bieten die Unternehmen einen Zuschlag an, der aber kann höchst unterschiedlich sein. Während zum Beispiel Versicherer A mit einem Zuschlag von 15 EUR für einen Heuschnupfen gut leben kann, folgt bei anderen ein Zuschlag von 25% auf den Beitrag oder gar eine Ablehnung. Daher ist es sinnvoll, sich nicht nur auf eine Einschätzung zu verlassen sondern vielmehr mit seinem Berater mehrere Alternativen anzufragen. Was in der Zusatzversicherung noch funktioniert, das geht in der Vollversicherung nicht- die Ausschlüsse. Es ist nicht möglich, den Heuschnupfen aus der Leistung der Privaten Krankenversicherung auszuschließen. Einmal weil es fast nicht abgrenzbar ist was denn genau dazu gehört, welche Folgen wären auch ausgeschlossen? Diese Diskussion im Leistungsfall zu diskutieren ist weder für den Versicherten noch für den Versicherer angenehm und zum 2. verstieße der Vertrag ggf. sogar gegen die Versicherungspflicht. Daher ist ein Zuschlag machbar, sich stattdessen für einen Ausschluss zu entscheiden ist normal nicht möglich. (mehr …)