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19.
Mai '15

Garantierte Rentensteigerung, Leistungsdynamik, Anpassung bei bestehender Berufsunfähigkeit- eine der wichtig(st)en Optionen in der BU-Absicherung


Die Versicherer verwenden völlig unterschiedliche Bezeichnungen dafür, der eine nennt es „garantierte Rentensteigerung“ ein anderer schreibt lieber über „Leistungsdynamik“ und wieder andere verwenden noch andere Namen und Bezeichnungen. Alle haben jedoch eines gemeinsam, sie bezeichnen einen wichtigen Baustein in der privaten Berufsunfähigkeitsversicherung, einen Baustein der die Absicherung für die Zukunft garantieren und aktuell halten soll.

Bereits in der Vergangenheit habe ich über die Möglichkeit einer garantierten Rentensteigerung in der privaten Berufsunfähigkeitsversicherung geschrieben halte diese weiterhin für eine wichtige Option. Hiermit wird die Möglichkeit geschaffen, eine versicherte Rente auch dann zu erhöhen, wenn bereits der Leistungsfall eingetreten ist. Im Gegensatz zu der dynamischen Erhöhung, welche eine Anpassung der Versichertenrente und des Beitrages vor Eintritt des Leistungsfalles ermöglicht, handelt es sich bei dieser Option um eine Rentenerhöhung nach Eintritt der Berufsunfähigkeit. Ist diese Möglichkeit in dem eigenen Vertrag nicht vorhanden, so bedeutet dieses auch, jemand der vielleicht mit Anfang 40 berufsunfähig wird muss mit der Rente zum Rentenalter auskommen.

Wird die versicherte Person erst kurz vor dem Rentenalter berufsunfähig, so reicht die versicherte Rente unter Umständen auch dann aus, wenn diese nicht erhöht wird. Je früher jedoch eine Berufsunfähigkeit eintritt und der Versicherer seine Rentenzahlung erbringt, desto wichtiger wird die Erhöhung. Eine Anpassung der Rente auf eigenen Wunsch ist dann, aufgrund des eingetretenen Leistungsfalles und des Gesundheitszustandes nicht mehr möglich. Diese mögliche Rentenerhöhung soll unter anderem dafür sorgen, dass eine Entwertung des Geldes und/oder eine Steigerung der Lebenshaltungskosten nicht dazu führen muss, dass die versicherte Berufsunfähigkeitsrente zu klein ist. Dazu hier ein Blick auf die Entwicklung der Inflation in Deutschland, angefangen im Jahre 1970.

Inflationsrate

Natürlich gab es auch hier Jahre, in denen die Inflation sehr klein oder (wie 1986) sogar negativ war. Andererseits gab es viele Jahre in denen diese deutlich über 2 % lag. In den Verträgen zur privaten Berufsunfähigkeitsversicherung ist oftmals nur ein feststehender Prozentsatz versicherbar. Einige Versicherer lassen zudem eine Leistungsdynamik zwischen einem und 3 % zu.

Das ist aber ein ganz schöner Mehrbeitrag, warum?

In einer Beratung schrieb mir eine Kundin folgende E-Mail:

Hätte nicht gedacht, dass die Rentensteigerung, die ja nur im Leistungsfall eintritt, so viel an Beitrag kostet.
Die Rente steigt ja nur um 2 % p.a., nachdem man berufsunfähig geworden ist, d.h. wenn mit 66 der Fall eintritt, steigt diese nur noch 1x auf dann 2040 € richtig?
Interessant ist es demnach v.a., wenn man jung BU wird... (…) Garantierte Rentensteigerung im Leistungsfall von 2% p.a. ist uns jedenfalls keine 13,50 € Unterschied im Monatsbeitrag wert

Die Argumentation ist durchaus berechtigt und interessant, denn für denn Versicherer bedeutet die Vereinbarung einer solchen Steigerung eine immens hohe Mehrleistung. Warum das so ist, lässt sich sehr einfach an der folgenden Tabelle ersehen. Unterstellen wir eine versicherte Rente von 2.000 € und eine garantierte Rentensteigerung von 2 % und tritt der Leistungsfall zum Beispiel mit 33 Jahren ein, so bedeutet die Versicherte Option eine Mehrleistung des Versicherers von 359,867 €, bei dauerhaft bestehende Berufsunfähigkeit. In dieser Tabelle lässt sich gut erkennen, wie sich die Rente durch die jährliche Anpassung erhöht und wie hoch der Unterschied zu der Ursprungsrente pro Monat bzw. pro Jahr ist.

Mehrleistung garantiete Rentensteigerung

Selbst wenn die Berufsunfähigkeit „erst“ mit 60 Jahren eintreten sollte, so reden wir immer noch über sieben Jahre, in denen die Rente um jährlich 2 % steigt. Sie später die Berufsunfähigkeit eintritt, desto weniger Jahre bis zum Ablauf sind natürlich vorhanden, um die Rente jährlich steigen zu lassen. Wer natürlich bis zu diesem Zeitpunkt eine dynamische Rentenerhöhung Jahr für Jahr mitgemacht hat, für den ist die Rente zu diesem Zeitpunkt auf ein durchaus ausreichendes Maß gestiegen, der Beitrag natürlich ebenfalls.

Mehrleistung bis 67

Kann ich die garantierte Rentensteigerung nachträglich ein-oder ausschließen?

Wurde bei Vertragsbeginn eine solche Rentensteigerung im Leistungsfall beantragt, kann diese auch wieder ausgeschlossen werden. Die Versicherer haben hierzu unterschiedliche Regelungen, hier zum Beispiel die Aussage in den Versicherungsbedingungen der Alten Leipziger.

Eine vereinbarte garantierte Rentensteigerung kann während der Beitragszahlungsdauer zum Beginn des nächstfolgenden Monats, frühestens zum Schluss des ersten Versicherungsjahrs, verringert bzw. ganz ausgeschlossen werden.

Wer also sich zu Beginn des Vertrages für eine solche Option entschieden hat, durch veränderte Umstände oder durch eine dynamisch angepasste Rente aber nun ausreichend hoch versichert ist oder eigene Rücklagen zusätzlich gebildet hat, der kann diesen Baustein wieder aus dem Vertrag entfernen und zahlt dann weniger Beitrag. Für die Vergangenheit, in der der Schutz standen hat, sind die Beiträge natürlich „verbraucht“. Klar, denn bei eingetretenen Versicherungsfall hätte auch die jährliche Anpassung stattgefunden.

Ein späterer (Wieder-)Einschluss dieser Komponente in den Vertrag führt natürlich zu einer neuen Gesundheitsprüfung, und einem höheren Beitrag.

Ich bin schon versichert, wie bekomme ich diese Option in meinen Vertrag?

Wenn Sie bereits einen Versicherungsschutz haben und eine solche garantierte Rentensteigerung dort nicht enthalten ist, so kann dieses mehr Gründe haben. War eine solche Option bei Vertragsabschluss gar nicht verfügbar, so kann dieser auch nachträglich nicht ohne weiteres eingeschlossen werden. Hierzu müsste dann eine Umstellung heute gültigen Tarife stattfinden, die jedoch ein neues Eintrittsalter und/oder eine neue Gesundheitsprüfung zur Folge. Einige Gesellschaften verzichten bei gleicher Rentenhöhe oder bieten eine vereinfachte Gesundheitsprüfung an. Es gibt durchaus Fälle, wo trotz höherem Eintrittsalters die Prämie gegenüber der ursprünglichen Vertragsgestaltung sinkt, da die Gesellschaften in den letzten Jahren eine differenziertere Berufsgruppen Einstufung eingeführt haben. Daher ist eine generelle Aussage schlecht möglich.

War eine solche Leistungsdynamik schon bei Vertragsabschluss vorhanden, Sie haben sich aber dagegen entschieden, so kann diese mit entsprechender Gesundheitsprüfung heute meist den Vertrag eingeschlossen. Die zu zahlende Mehrbeiträge werden dann ab dem Zeitpunkt des Einflusses erhoben.

Bevor Sie also jetzt voreilig handeln, lesen Sie bitte auch den Beitrag zur Überprüfung einer bestehenden Berufsunfähigkeitsversicherung und schauen sich einmal genau die Auswahlkriterien für die Berufsunfähigkeitsversicherung an.

14.
Januar '14

Steuerlich geförderte Tarif für für die Absicherung gegen Berufsunfähigkeit, besser als ungefördert?


„Ihr Vertrag wird sogar steuerlich gefördert.“

Solche Aussage scheint ja vertrieblich irgendwie das Allheilmittel zu sein. Schon in der Vergangenheit haben einige Vertriebe diese vermeintliche Chance genutzt und Vertragskonstellationen angeboten, wo die Prämien teilweise steuerlich absetzbar waren. Natürlich klingt es gut, einen Teil der investierten Beiträge über die Einkommensteuer wieder zurück zu bekommen. Doch ist es wirklich so gut wie es klingt?

In meinem damaligen Beitrag zur Kombination eines Rürup-Vertrages und der Absicherung gegen Berufsunfähigkeit habe ich bereits ausführlich dazu geschrieben. Doch in diesem Jahr kommt eine neue Konstellation dazu, denn der Gesetzgeber hat im letzten Jahr mit dem Altersvorsorge-Verbesserungsgesetz (AltvVerbG) eine gesetzliche Grundlage geschaffen, nachdem auch die Absicherung gegen Berufsunfähigkeit in bestimmten Konstellationen steuerlich begünstigt wird. Um in den Genuss einer solchen Forderung zukommen sind bestimmte Voraussetzungen nötig.

BU_Produkte

Was genau wird gefördert?

Die staatlichen Änderungen finden sich im Einkommensteuergesetz wieder. Demnach wurde der Paragraph 10 ergänzt, und enthält nun einen Passus zur Förderung von der Absicherung gegen das Risiko Berufsunfähigkeit. Genau heißt es dort:

10 EStG – Art der Aufwendungen

(1) Sonderausgaben sind die folgenden Aufwendungen, wenn sie weder Betriebsausgaben noch Werbungskosten sind oder wie Betriebsausgaben oder Werbungskosten behandelt werden:

2.b) Beiträge des Steuerpflichtigen

bb) für seine Absicherung gegen den Eintritt der Berufsunfähigkeit oder der verminderten Erwerbsfähigkeit (Versicherungsfall), wenn der Vertrag nur die Zahlung einer monatlichen, auf das Leben des Steuerpflichtigen bezogenen lebenslangen Leibrente für einen Versicherungsfall vorsieht, der bis zur Vollendung des 67. Lebensjahres eingetreten ist. Der Vertrag kann die Beendigung der Rentenzahlung wegen eines medizinisch begründeten Wegfalls der Berufsunfähigkeit oder der verminderten Erwerbsfähigkeit vorsehen. Die Höhe der zugesagten Rente kann vom Alter des Steuerpflichtigen bei Eintritt des Versicherungsfalls abhängig gemacht werden, wenn der Steuerpflichtige das 55. Lebensjahr vollendet hat.

Zusammengefasst bedeutet das, ein Vertrag ist nur unter zwei ganz elementaren Voraussetzungen überhaupt förderfähig. Die erste entscheidende Voraussetzung ist die Versicherung mit einer lebenslangen Rente bei Berufsunfähigkeit, die zweite ist das der Versicherungsschutz bis zum gesetzlichen Rentenalter von 67 Jahren bestehen muss. Nur wenn diese beiden Voraussetzungen erfüllt sind, ist überhaupt an eine steuerliche Förderung dieses Vertrages zu denken.

Welche Anbieter bieten solche Verträge an?

Derzeit ist die Antwort ganz einfach: keiner! Die steuerlich geförderten Verträge für die Berufsunfähigkeitsabsicherung sind derzeit nicht vorhanden, das keinen Versicherer gibt der einen solchen Tarif anbietet. Es gibt zwar Anbieter mit Produkten einer „lebenslangen“ Rente, jedoch sind bei diesen die Kriterien auch nicht vollständig erfüllt. Meist handelt es sich um Einschränkungen des Alters oder der konkreten Ausgestaltung der lebenslangen Rente.

Dann doch lieber ein Produkt ohne Förderung?

Aus verschiedenen Kreisen werden die Vorgaben des Gesetzgebers an einer steuerliche Förderung kritisiert, da der Versicherungsschutz stellenweise über das hinausgeht was (versicherungstechnisch) sinnvoll erscheint. Wird einem Versicherungsnehmer eine lebenslange Rente garantiert, die zudem auch noch bis zu dem 67. Lebensjahr eintreten kann, so macht es eine entsprechende Absicherung sehr teuer. Der Grund ist einfach, mit steigendem Alter steigt auch die Wahrscheinlichkeit berufsunfähig zu werden. Gerade die letzten Jahre gehören zu den teuersten Jahren und treiben damit die Prämie in die Höhe. Während man bei einem „normalen“ Vertrag das Endalter entsprechend modifizieren kann, vielleicht dann auf das 65. oder sogar 63. Lebensjahr ausweichen, so geht das bei Verträgen mit steuerlicher Förderung nicht. Das führt in der Praxis jedoch auch dazu, dass die Verträge (so erste Schätzungen) doppelt oder gar dreimal so teuer sein werden als bestehende Produkte.

Wer sich also derzeit Gedanken über eine entsprechende Absicherung gegen das Risiko von Berufsunfähigkeit macht, der sollte sich nicht ausschließlich auf die steuerliche Förderung konzentrieren, sondern sich vielmehr Gedanken zu dem entsprechenden Versicherungsschutz, der Ausgestaltung der Bedingungen und der Qualität der Leistung machen. Es ist viel wichtiger einen ausgewogenen, mit guten Bedingungen versehenen, Versicherungsschutz zu bekommen und es macht daher durchaus Sinn auf eine steuerliche Förderung bewusst zu verzichten.

Wie wähle ich einen „guten Versicherungsschutz“ am besten aus?

Gerade in der Absicherung gegen das Risiko Berufsunfähigkeit und damit in der entscheidenden Absicherung die das Einkommen des Versicherten sichern muss, falls er nicht bearbeiten kann, ist eine sorgfältige Auswahl des Bedingungswerkes das einzig entscheidende. Natürlich ist die  Prämie die am Ende zu zahlen ist wichtig und muss bezahlbar bleiben, auf der anderen Seite nützt ein vermeintlich günstiger Versicherungsschutz Klippen in den Bedingungen überhaupt gar nichts. Im Fall der Fälle würde der Versicherer dann eine Möglichkeit finden nicht zu leisten und alle bereits Zeiten Beiträge wären „futsch“.

Machen Sie sich also rechtzeitig vor Auswahl des sprechenden Versicherungsschutzes und vor allem vor Abschluss eines solchen Vertrages Gedanken darüber, welche Kriterien für Sie wichtig sind. Ich habe Ihnen in meinem „Leitfaden Berufsunfähigkeit“ nicht nur Informationen zusammengestellt, sondern auch unterschiedliche Aussagen aus den Versicherungsbedingungen gegenübergestellt um Ihnen eine Möglichkeit zu geben, diese besser zu verstehen.

Danach sollten sie sich ebenfalls Gedanken machen, welche Rentenhöhe die richtige für Ihre Situation ist. Der  Kriterienfragebogen zur Berufsunfähigkeitsabsicherung soll Ihnen dabei helfen, das für Sie Wichtige herauszufiltern.

Wann soll ich einen Versicherungsschutz abschließen?

Der Versicherungsschutz gegen das Risiko der Berufsunfähigkeit ist nicht nur von dem persönlichen Gesundheitszustand abhängig, insbesondere spielt auch der ausgeübte Beruf (und die damit zusammenhängenden Berufsgruppe), das aktuelle Alter und der gewünschte Versicherungsumfang eine entscheidende Rolle für die Prämie.

Aus diesem Grund macht es Sinn sich möglichst frühzeitig (in jungen Jahren und meist ohne großartige Vorerkrankungen) um einen entsprechenden Versicherungsschutz zu bemühen. Ist das versäumt worden oder besteht derzeit ein Versicherungsschutz der nicht den Wünschen entspricht, so muss geprüft werden wie diese angepasst werden kann. In jedem Falle sollte man sich mit einer solchen Prüfung nicht wirklich viel Zeit lassen, denn weder kennen wir unseren Gesundheitszustand morgen, übermorgen oder in der nächsten Woche noch können wir die Zukunft vorhersagen. Daher gilt ganz vereinfacht: lieber heute als morgen um eine entsprechende Absicherung kümmern.

27.
Mai '13

Berufsunfähigkeitsrenten lieber auf mehrere Anbieter aufteilen, oder „alles bei einem Versicherer“?


Als ich in der letzten Woche über die Frage nach einer ärztlichen Untersuchung und den SuperGau der dabei entstandenen Diagnosen schrieb, kamen sowohl im Blog, auf Facebook oder auch per Mail fragen, ob man nicht lieber den Versicherungsschutz streuen sollte und bei mehren, statt nur einem Anbieter einen Teil der benötigten Rente(n) abschließen sollte.

„Macht es im Fall einer so hohen Berufsunfähigkeitsrente nicht Sinn, diese bei mehreren Anbietern abzusichern? Zum einen ist dann sicher die Beantwortung der Gesundheitsfragen wie beschrieben nicht mit einer ärztlichen Untersuchung verbunden, zum anderen ist dann im Leistungsfall durch die Streuung auf mehrere Versicherer das Volumen je Vertrag je Versicherer nicht so groß.“

BU Kombi

Welche (vermeintlichen) Argumente sprechen dafür?

  • Risikostreuung, vielleicht zahlt der eine, wenn ein anderer (noch) nicht leistet
  • keine ärztliche Untersuchung, da unter der Untersuchungsgrenze
  • alte Verträge die bereits vorhanden sind
  • unterschiedliche Risikoeinschätzungen

Diese Gründe schauen wir uns also einmal genauer an und gucken, was dafür oder eben auch dagegen spricht. Die Risikostreuung ist ein Argument, welches bei einem Aktienkauf sicher eine sinnvolle Option ist, bei der Absicherung der Berufsunfähigkeit ist dieses aber keine, wenn, ja wenn der Schutz sorgfältig ausgewählt wurde und die Bedingungen dem entsprechen, was an Absicherungsbedarf benötigt und gewünscht wird. Ein sauberes Bedingungswerk (beispielhafte Aussagen im Leitfaden zur Berufsunfähigkeit) ist deutlich mehr wert, als im Leistungsfall „an zwei Fronten“ mit Versicherern diskutieren zu müssen, wo dann jeder unterschiedliche Vorgaben zur Leistungsprüfung und den Nachweisen hat/ haben kann.

Der Grund, wenn ich es verteile benötige ich keine Untersuchung, der bringt so bei den meisten Anbietern auch keinen Erfolg. (mehr …)

15.
März '12

ARD Panorama Bericht zur Privaten Krankenversicherung – einseitig, polemisch und zudem schlecht recherchiert


Im Moment ist das hetzen gegen die Unternehmen der Privaten Krankenversicherung und die dort Versicherten ja gerade mal in. Egal ob Bild, Focus Money oder Financial Times, jeder meint was dazu sagen zu können und auch zu müssen. Schade nur, dass ganz oft Tatsachen „vergessen“ werden oder Sachverhalte unvollständig dargestellt sind. Die „böse PKV die nicht zahlt“ klingt ja auch besser als „nicht versichertes Hilfsmittel wird auch nicht erstattet“.

(c) ARD

Auch die ARD hat mit Ihrem Magazin Panorama einen Beitrag hierzu leisten wollen. Entschlossen hat man sich hier mal wieder das Thema „Unbezahlbarkeit der privaten Krankenversicherung im Rentenalter“ zu wählen, das klingt immer schön und zieht viele Zuschauer an. Leider wissen viele nicht, welche Fakten denn eigentlich dahinter stehen, daher hier mal eine Reihe von Fragen und Antworten dazu.

Wer sollte in die Private Krankenversicherung?

Wie bereits in einem meiner älteren Blogbeiträge feststellt, ist die Private Krankenversicherung (PKV) keineswegs für alle geeignet. Selbst wenn Sie es sich finanziell leisten können ist für viele Selbstständige, Existenzgründer und Ich-AG’s die private Krankenversicherung nicht die richtige Wahl. Auch bei Paaren die mehr als zwei Kinder planen, ist genau zu überlegen ob es wirtschaftlich leistbar ist.

Wie ist das nun eigentlich mit den Beiträgen (im Alter)?

Um die beiden Systeme vergleichbar zu machen, gehe ich von folgendem Fall aus.

Ein Angestellter Kunde, derzeit 30 Jahre alt, wechselt von der gesetzlichen Krankenkasse (GKV) in die Private Krankenversicherung (PKV). Nach derzeitiger Planung hat dieser ein Jahresbruttoeinkommen von 55.000 EUR. Im Alter wird er eine gesetzliche Rente (Stand Hochrechnung heute) von 2.000 EUR bekommen, dazu weitere Einkünfte aus Kapitalvermögen, Mieten und einer privaten Rentenversicherung von 1.500 EUR monatlich. In Rente soll unser Modellkunde mit 67 gehen. Weiterhin gehen wir davon aus, das ein eventuell anzulegendes Kapital mit 3% p.a. verzinst wird. Zur Vereinfachung sind keine Beitragssteigerungen und auch keine Anpassungen der Beitragsbemessungsgrenze in der Modellrechnung berücksichtigt, da beide Systeme steigen und es in der GKV Beitragssatzerhöhungen und Anpassung der Grenzen geben kann. (Beispiel: Arbeitgeberzuschuss, Beitragsbemessungsgrenze und Versicherungspflichtgrenze für das Jahr 2012)

1. Zeitraum: 30. bis 40. Labensjahr:

Unser GKV versicherter Kunde zahlt monatlich als Arbeitnehmer knapp 360 EUR Beitrag inkl. der Pflegeversicherung und dem erhören Beitrag für die Kinderlosigkeit in der Pflegevers.
(mehr …)

13.
Mai '11

Berufsunfähig? Zahlt da nicht der Staat für mich?


Einer der oft gehörten Sätze. Ich brauche mich gar nicht gegen das „Risiko berufsunfähig zu werden“ versichern, da zahlt doch der Staat oder die Rentenversicherung für mich. Doch wie sieht es in der Wirklichkeit aus? Ist es ein Mythos oder was steckt tatsächlich hinter dieser vermeintlichen Absicherung des Staates?

Was bedeutet berufsunfähig?

Die Frage dazu beantwortet sich zunächst durch einen Blick ins aktuelle Versicherungsvertragsgesetz (VVG). Hier, speziell im§ 172 VVG, finden wir klare und eindeutige Regelungen zu der Definition der Berufsunfähigkeit, von welcher der Versicherer zwar als Verbesserung abweichen, diese aber nicht verschlechtern kann.

(2) Berufsunfähig ist, wer seinen zuletzt ausgeübten Beruf, so wie er ohne gesundheitliche Beeinträchtigung ausgestaltet war, infolge Krankheit, Körperverletzung oder mehr als altersentsprechendem Kräfteverfall ganz oder teilweise voraussichtlich auf Dauer nicht mehr ausüben kann.

Doch was steckt genau in diesem Paragraphen? Eine detaillierte Erklärung finden Sie in meinem vorhergehenden Beitrag „Berufsunfähig? Was ist das eigentlich?

Wann genau zahlt denn die (gesetzliche) Rentenversicherung für mich?

Generell kennt der Staat / die deutsche Rentenversicherung (mit Ausnahme der Versicherten, die vor dem 2. 1. 1961 geboren sind) das Risiko der Berufsunfähigkeit nicht mehr. Eine genaue Leistungsübersicht was genau erfüllt sein muss, liefert die Internetseite der Deutschen Rentenversicherung Bund.

Für alle Versicherten die nach dem 2. 1. 1961 geboren sind, werden nur noch Leistungen bei einer Erwerbsunfähigkeit erbracht. Dieses natürlich auch nur dann, wenn der Versicherte die Voraussetzungen erfüllt und Mitglied der gesetzlichen Rentenversicherung ist. Neben den versicherungsrechtlichen Voraussetzungen, müssen auch so genannte medizinische Voraussetzungen erfüllt werden. (Quelle: Deutsche Rentenversicherung):

Die medizinischen Voraussetzungen für eine Rente wegen teilweiser Erwerbsminderung liegen bei Ihnen vor, wenn Sie wegen Krankheit oder Behinderung mindestens 3 aber weniger als 6 Stunden täglich auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt arbeiten können.

Die medizinischen Voraussetzungen für eine volle Rente wegen Erwerbsminderung liegen bei Ihnen vor, wenn Sie wegen Krankheit oder Behinderung weniger als 3 Stunden täglich auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt arbeiten können.

Dabei geht es eben nicht um die Frage, ob ich in meinem Beruf noch arbeiten kann, sondern um irgendeine Tätigkeit auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt. Das hat zur Folge, dass keinerlei Prüfung der Qualifikation stattfindet. Etwas übertrieben und ohne Wertung bedeutet das:

Sind Sie noch in der Lage, sitzend 3 Stunden am Tag Briefe zu frankieren, Kugelschreiber zusammenzubauen oder irgendeine andere Tätigkeit auszuüben, so besteht kein Rentenanspruch. Dabei ist es unerheblich was und in welcher Position Sie vorher gearbeitet haben. Auch interessiert niemanden, welche Qualifikation Sie haben oder hatten.

Zu den medizinischen, sind noch versicherungsrechtliche Voraussetzungen zu erfüllen. Dazu schreibt die Deutsche Rentenversicherung:

Sie müssen mindestens 5 Jahre versichert sein (Wartezeit).

In den letzten 5 Jahren vor Eintritt der Erwerbsminderung müssen 3 Jahre mit Pflichtbeiträgen für eine versicherte Beschäftigung oder Tätigkeit belegt sein

Damit ist klar, Berufseinsteiger haben hier meinst keinen Anspruch. Gerade nach der Ausbildung oder im ersten Job nach dem Studium lassen sich die versicherungsrechtlichen Voraussetzungen meist nicht erfüllen. Daneben gelten für Behinderte oder Bergleute Sonderregelungen. Grundlage für die Rente wegen Erwerbsminderung bilden die §43 ff. des Sozialgesetzbuches VI.

Doch wer zahlt mir dann etwas? Ich kann doch nicht ohne Geld leben?

Teilweise ist dieses ein Trugschluss. Es zahlt zunächst einmal niemand. Werden Sie jedoch hilfebedürftig, so besteht ein Anspruch auf Sozialhilfe. Die Voraussetzungen zum Erhalt sind kompliziert und sehr individuell. Dabei sind vorhandene Einkommen zu berücksichtigen und (Immobilien-)vermögen meist aufzubrauchen. Genaue Informationen zur Sozialhilfe liefert das Bundesministerium für Arbeit und Soziales.

Doch wie kann ich mich vor dem finanziellen Abstieg schützen?

Eine Möglichkeit bietet die Absicherung durch eine private Berufsunfähigkeitsversicherung. Dabei stellen nicht nur Berufseinsteiger sehr schnell fest: Guter Schutz kostet Geld. Doch tun Sie sich selber einen großen Gefallen und bewerten für sich, gemeinsam mit Ihrem Berater die Bedingungen und somit das berühmte Kleingedruckte.

In der privaten BU Absicherung gibt es nur „schwarz oder weiss“. Glauben Sie ernsthaft, ein Versicherer der über die nächsten 30 Jahre mehr als eine halbe Million Euro an Rente zahlen muss, würde nicht sehr genau prüfen? (Halbe Million: 1.500 EUR mtl. Rente * 12 Monate * 30 Jahre = 540.000 EUR)

Muss er auch, denn die Prämien sind genau so kalkuliert. Zahlen wenn nötig, aber auch ablehnen wenn die Voraussetzungen nicht erfüllt sind. Damit Ihnen solch eine böse Erfahrung erspart bleibt, lesen Sie sehr genau. In meinem Leitfaden für die Berufsunfähigkeitsversicherung habe ich Ihnen genau solche „Tücken im Kleingedruckten“ hervorgehoben- damit Sie besser informiert sind, als mancher Berater.

Weitere Informationen finden Sie in folgenden Beiträgen:

Aus Kostengründen habe ich mich gegen eine Berufsunfähigkeitsversicherung entschieden

Absicherung gegen Berufsunfähigkeit auch für Hausfrauen und Mütter?

Richtige Rentenhöhe oder gar keine Berufsunfähigskeitsabsicherung

Berufsunfähigkeitsversicherung – warum brauche ich die denn?