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08.
März '11

Aus Kostengründen habe ich mich gegen eine Berufsunfähigkeitsversicherung entschieden


Es passiert nicht oft, aber ab und an erreicht mich auch so eine E-Mail. Nachdem das Thema Krankenversicherung abgeschlossen ist und der nächste Punkt: „Absicherung der eigenen Arbeitskraft bei Berufsunfähigkeit“ auf dem Plan stand, kamen zwei Mails mit folgenden Aussagen:

„Die BU ist gut und richtig, aber muss auch bezahlt werden.“

Zunächst einmal ist diese Aussage natürlich berechtigt und richtig. Jeder Versicherungsschutz muss bezahlt werden und macht nur dann Sinn, wenn nicht nur das Bedingungswerk, sondern auch gerade die Höhe der Absicherung passt. Ich habe in meinem Blogbeitrag „Richtige Rentenhöhe oder besser gar keinen Berufsunfähigkeitsschutz“ bereits ausführlicher beschrieben, warum dem so ist.

Daher bleiben am Markt nicht mehr so viele Gesellschaften übrig. Vermeintliche Gütesiegel oder Ratings (am besten haben alle 5 ***** oder FFF Bewertungen) oder Testsiege jedoch, sagen nichts über die Qualität von Bedingungswerken aus. Daher ist eine individuelle Analyse von Versicherungsschutz, Bedarf und Absicherungshöhe nötig.

Führt der Interessent dieses nun mit Hilfe eines Beraters sorgfältig durch, so kommt es zu einem passenden Berufsunfähigkeitstarif. Dumm nur, das dieser eben auch Geld kostet und das meist gar nicht so wenig.

Geschehen auch in einer Beratung bei einem meiner PKV Kunden. Abgesichert werden sollten hier einige tausend Euro. Nach Beratung, Berechnung und Analyse erreichte mich folgende Aussage:

„Ich habe mich dazu entschlossen, dass ich aus Kostengründen auf eine BU verzichten werde.“

Diese kann ich so nicht nachvollziehen und daher gingen wir nochmals ins Gespräch. Grund für die Aussage ist der Beitrag, welcher natürlich monatlich oder jährlich erst einmal gezahlt werden muss und -wenn nichts passiert- auch noch weg ist. Bis auf einige Euro an Überschüssen während der Vertragslaufzeit ist das Geld schlichtweg weg da es sich eben um einen Risikoschutz handelt.

Logisch und nachvollziehbar ist die Aussage mit dem „Verzicht aus Kostengründen“ jedoch nicht. Denn hier geht es um eine elementare Absicherung, welche alles andere in Frage stellt. Ist die Arbeitskraft nicht mehr da, dann fehlt es an jedweder Art von Einkommen. Nicht nur die Private Krankenversicherung (PKV), die man gerade dann braucht, ist vielleicht nicht mehr bezahlbar, auch alle weiteren Kosten laufen dann ins Leere. Was nützt da noch eine gut gemeinte Altersvorsorge, eine gute Gesundheitsvorsorge und alle Planung, wenn das Wichtigste fehlt– Die Arbeitskraft um das alles zu bezahlen?

Was ist sinnvoll zu tun, um den Beitrag zu senken?

Zunächst ist es möglich, über die Höhe der Rente nachzudenken. Diese kann anfänglich reduziert werden, um dann mit der Dynamik auf ein passendes Maß gebracht zu werden. Dieses macht aber nur dann Sinn, wenn auch mit der Anfangssumme ein „finanzielles Überleben“ machbar ist.

Welche Berufsunfähigkeitsrente soll ich versichern?

Eine allgemeine Aussage gibt es auch hier nicht. Zur Verdeutlichung daher ein Beispiel:

Ein 31jähriger Kunde von mir, verdient heute 2.400 EUR netto (Brutto 4.200 EUR) und lebt mit seiner Freundin in einer Wohnung in Frankfurt. Die Miete wird geteilt, so das seine Belastung bei 450 EUR liegt. Privat krankenversichert ist er auch, die Beträge sind im Nettoeinkommen bereits berücksichtigt. Für die eigenen Altersvorsorge wendet der Kunde 250 EUR monatlich auf, wovon ein Teil in einen Riester Vertrag und der Rest in eine Fondsparplan fliest. In die gesetzlichte Rentenversicherung werden durch den Arbeitgeber nochmals knapp 840 EUR abgeführt, wovon jeder die Hälfte trägt.

Was braucht dieser Kunde nun an Rentenhöhe?

Zunächst sollten die Kosten der Privaten Krankenversicherung berücksichtigt werden. Heute ist hierfür ein Aufwand von 450 EUR + 34 EUR für das Krankentaggeld und 19 EUR für die Pflegeversicherung nötig. Da die Beiträge in den nächsten Jahren steigen werden, das Krankentagegeld im Leistungsfall Berufsunfähigkeit aber wegfällt, berücksichtigen wir pauschal einen Betrag von 600 EUR. Der Arbeitgeberanteil ist dann ja auch mit zu zahlen, denn einen Arbeitgeber gibt es dann ja nicht mehr. Für Lebenshaltung und dergleichen werden heute ca. 700 EUR benötigt, dazu benötigt er 250 EUR für Benzin im Monat um zur Arbeit zu kommen, so mein Kunde weiter.

Daraus ergibt sich folgende Berechnung der möglichen BU Rente:

700 EUR Lebenshaltungskosten und 600 EUR Miete (ggf. kleinere Wohnung, die aber auch allein bezahlbar sein muss). Weiterhin natürlich die private Krankenversicherung, gerade dann benötigt der Versicherte eine hochwertige medizinische Versorgung, also plus 600 EUR. Dazu kommen 600 EUR für eine Altersvorsorge, wie auch immer diese dann aussehen mag.

Stopp, werden Sie vielleicht jetzt denken. Warum 600 EUR und nicht mehr? Im Falle der Berufsunfähigkeit muss Vorsorge betrieben werden, um nicht mit Eintritt in die Rente in ein „großes schwarzes Loch“ zu fallen. Jedoch ist es nicht zwingend nötig, gerade aus Kostengesichtspunkten, genau die Beiträge weiter zu zahlen, welche in der gesetzlichen Rentenversicherung anfallen. Durch entsprechende Auswahl der Möglichkeiten und Verteilung auf passende Produkte, sind höhere Erträge zu erzielen, als dieses in der GRV möglich ist.

Zusammenfassend kommen wir also auf: 700 + 600 + 600 + 600 EUR = 2.500 EUR

Das ist in diesem Fall sogar mehr, als das heutige Nettoeinkommen. Jedoch ist es hiermit möglich, genau die Kosten abzusichern, die im „Fall der Fälle“ tatsächlich nötig sind. Das der Betrag auch später noch ausreicht, wird durch die garantierte Rentensteigerung im Leistungsfall sichergestellt.

Für einen solchen Schutz müssen heute (Berufsgruppe 1+, Kaufmännische Tätigkeit) ca 130 EUR monatlich aufgewandt werden. Klar, viel Geld- keine Frage, aber dem gegenüber ist der Versicherer ab sofort mit einem Betrag von 1.080.000 EUR im Risiko. Tritt jetzt berufsunfähigkeit ein, so leistet der Versicherer diesen Betrag bis zum Renteneintritt (67) des Kunden. Dabei sind die Steigerungen durch die Anpassung im Leistungsfall noch nicht berücksichtigt.

Ist der Betrag nun jedoch absolut nicht aufzuwenden, so wäre ein reduzierter Schutz von vielleicht 2.000 EUR minimal möglich. Hierdurch verbleibt dann weniger Geld für die Lebenshaltung und die Altersvorsorge, jedoch muss jeder für sich entscheiden ob er damit dann „über die Runden kommt“.

Die Reduzierung brächte hier einen Minderbeitrag von ca. 25 EUR. Dafür bekommt der Versicherte im gleichen Modell (Rentenzahlung bis 67) auch 216.000 EUR weniger Leistung ausgezahlt.

Bevor Sie sich also für oder gegen eine solche Absicherung entscheiden, machen Sie sich sorgfältig Gedanken über die persönliche Kostensituation. Fallen Sie nicht auf Versprechungen wie „Geld kriegen Sie wieder wenn nichts passiert“ oder schlechte Bedingungen herein. Bei den tollen „Geld-zurück-Modellen“ handelt es sich schlichtweg um Kopplungsverträge, also Lebensversicherung oder Rentenversicherung und einer BUZ, Berufsunfähigkeitszusatzversicherung. Schnell sind durch schlechte Bedingungen die Leistungsansprüche verspielt, da es Lücken in den Vertragsbedingungen gibt. Was nützen dann 10, 15, 20 Jahre lang gezahlte und teilweise gesparte Beiträge, wenn keine Leistung erfolgt?

Nichts, aber merken tun Sie es erst dann, wenn es schon zu spät ist!

Weiterführende Informationen:

Kriterienfragebogen zur Überprüfung einer bestehenden BU oder eines Neuabschlusses

Auswahlkriterien zur Berufsunfähigkeit

Leitfaden zur Berufsunfähigkeit

24.
Mai '10

Viele Selbstständige zahlen zu hohe Beiträge in der gesetzlichen Krankenkasse (GKV)


Zunächst jedoch einmal zu der Art und Weise der Beitragsberechnung. Während in der privaten Krankenversicherung (PKV) die Beiträge nach dem Eintrittsalter und dem Gesundheitszustand berechnet werden, geschieht dieses in der gesetzlichen Krankenkasse (GKV) anhand der „wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit“. Umgangssprachlich wird hierunter das Einkommen bzw. der Gewinn bei Selbstständigen verstanden.

Ausnahmen gibt es hierbei zunächst bei den Existenzgründern, welche einen Gründungszuschuss bekommen. Hierbei kann eine niedrigere Bemessungsgrundlage genutzt werden um den Beitrag zu Beginn geringer zu gestalten.

Auf diese Bemessungsgrundlage, bzw. das Einkommen, wird sodann der Beitragssatz (i.d.R. 14,9% zzgl. Pflegeversicherung) berechnet. Dieser ist natürlich von dem Selbstständigen allein zu zahlen. Einen Arbeitgeber, welcher sich zu 50% beteiligt gibt es hier nicht.

Doch nun zu den Besonderheiten bei Veränderung des Einkommens:

Bei den Selbstständigen ergibt sich vielmals das „Problem“, dass bei steigendem Einkommen auch rückwirkend höhere Beiträge (nach-)berechnet werden können und auch werden. Dazu haben die Krankenkassen das Recht (Grundlage ist hier das Sozialgesetzbuch V) regelmäßig einen Nachweis zum Einkommen des Versicherten zu verlangen. Dieses geschieht in der Praxis regelmäßig und erfolgt meist durch den Einkommensteuerbescheid.

Dann wird, entsprechend des tatsächlichem Einkommens rückwirkend nachberechnet und somit eine oft eine, nicht gerade geringe, Nachzahlung fällig.

Anders verhält es sich jedoch bei sinkendem Einkommen. Das Sozialgesetzbuch V enthält die entscheidende Formulierung im § 240 ff. Dort heisst es unter anderem:

„Veränderungen der Beitragsbemessung auf Grund eines vom Versicherten geführten Nachweises nach Satz 2 können nur zum ersten Tag des auf die Vorlage dieses Nachweises folgenden Monats wirksam werden.

Also ist erst ab dem Zeitpunkt der Vorlage des Nachweises überhaupt eine Reduzierung möglich. Was aber tun wenn der Steuerbescheid noch nicht vorhanden ist/ sein kann?

Sinkt das Einkommen des Selbstständigen unter den Höchstbeitrag und wurde dieser bisher bezahlt, so ist dringend eine Reduzierung angeraten. Dazu ist ein Steuerbescheid nötig, welches jedoch auch eine Einkommensteuervorauszahlungsbescheid sein kann.

Vielfach warten die Selbstständigen aber auf den eigentlichen Steuerbescheid. Dieses führt jedoch dazu, dass die Beitragslast das ganze Jahr hinüber auf dem hohen Niveau bleibt.

Was Sie tun können:

Sobald Sie absehen können ein reduziertes Einkommen zu haben, so beantragen Sie beim Finanzamt (ggf. über Ihren Steuerberater) eine geänderte Festsetzung der Einkommensteuervorauszahlung

Ggf. auch eine Null Festsetzung, wenn Verluste entstehen.

Mit diesem Bescheid gehen Sie dann schnellstmöglich zu Ihrer Krankenkasse und verlangen die Reduzierung des Beitrages für die gesetzlichen Krankenversicherung.

Somit vermeiden Sie zuviel Beitrag zu zahlen, denn Sie bekommen auch rückwirkend keine Erstattung von eventuell zuviel gezahlten Beiträgen, es ist immer nur eine Reduzierung für die Zukunft möglich.